Himmel, was die Zeit vergeht. Mit ein paar anderen hier noch vertretenden Bloggern bin ich einer derer, die damals in München bei der Geburtsstunde der scienceblogs.de dabei waren. Das ist jetzt schon 10 Jahre her.

Ich bin alt.

Spätestens jetzt ist es mir mal wieder bewusst geworden. Damals war ich bei einer kleinen, feinen Agentur für Wissenschaftskommunikation angestellt. Damals gab es davon bundesweit recht wenige. Wissenschaftliche Themen publikumstauglich verpacken und kommunizieren – dafür gab es (damals) kaum einen wirklichen Markt. Ich kann mich noch erinnern, wie lange es gedauert hat, mit einer Universität ein kleines Büchlein zu erschaffen, in denen sie ein paar ausgewählte Lehrstühle und deren Projekte einer breiten Öffentlichkeit präsentierten…

Wie dem auch sei, um die Agentur-Website mit regelmäßigen Neuigkeiten zu füttern, haben wir das vollkommen abgefahrene Medium „Blog“ implementiert. Also zumindest 2007 war das noch etwas Kreativ(es). Das erste Posting war nicht viel mehr als ein Hinweis auf die Plüschmikroben. Es ging darum, (Natur-)Wissenschaften aus der Nische des nerdigen (gab es den Begriff damals schon?) verstaubten unnützen Schulwissens rauszuholen. Wissenschaft kann sexy sein. Ebenfalls eines der ersten Postings war der Klassiker, das DHMO. (Ich frage mich gerade, ob man heute, sagen wir mal Trump, nicht eine Verbots-Petition absegnen lassen könnte?).

Wie Wissenschaft in der Werbung (miss-)braucht wird, hat zu dieser Zeit seinen Ursprung gefunden. Wenn auch erstmal positiv startend mit diesem (immer noch sehr coolen) Spot. Meistens waren es nur kleine Fundstücke, in denen irgendwie sehr cool etwas „Wissenschaftliches“ präsentiert wurde, nicht selten andere, coole Videos. Entsprechend umfangreich waren auch die Kommentare – nicht.

Wo ich gerade durch das Archiv schlendere, fallen mir schon interessante Dinge auf: Das Nicht-Newtonsche-Fluid alias Mais-Pampe hatte ich 2007 im Blog und dann bei TBBT das dezente deja vu – Jahre später. Heute ist es einer der Klassiker im U3-Bereich im Kindergarten. Um jetzt nicht alle Postings noch einmal seufzend unter dem Staub hervor zu zerren, komme ich zu einem meiner Klassiger, den ich immer noch gerne bei Vorträgen präsentiere: Nivea und die Biologie. Nach 2011 und 2014 wäre eigentlich mal wieder Zeit für einen Relaunch und den nächsten evolutionären Schritt. Vermutlich gucke ich einfach zu wenig Werbung und habe es verpasst.

Mit der Zeit wurden die Texte auch mal etwas länger, manchmal. Was sich jedoch nicht wirklich auf die Anzahl der Kommentare auswirkte. Postings, die viel Recherche und Mühe kosteten, wurden viel gelesen, aber kaum diskutiert. Oft, und daran hat sich wenig geändert, gingen die Diskussionen von kleinen Neben-Details aus und 100er Kommentare ergossen sich über die rechts- oder doch besser Links-drehenden Aldi-Märkte. Oder so ähnlich. Das ist aber nur einer der Gründe, weswegen es in meinem Blog ruhiger geworden ist.

Mittlerweile habe ich dazu einfach viel weniger Zeit (und eben Motivation). Es müssen schon wirkliche Klopper sein, die derart unsinnig sind, dass ich mich dazu aufraffe, mal wieder ein Posting zu verfassen. Dann kommen wieder mal ein paar Trolle und ich erinnere mich, wie zäh es war. Mit der Zeit wird man entspannter (ja, ich bin alt) und lässt die Trolle Trolle sein.

Ich entdecke immer noch sehr coole Idee, Projekte oder Videos. Zumeist poste ich sie dann aber einfach “nur” auf Facebook, re-tweete sie etc.

Aber vielleicht poste ich jetzt auch mal ein paar Hinweise für meine Workshop-TeilnehmerInnen und bleibe mit Ihnen dann weiter im Kontakt?

Was aber rückblickend wirklich erstaunlich ist, wieviele Kontakte über die Jahre / das Jahrzehnt geblieben sind. Nicht wenige Blogger-Nachbarn habe ich dann, wenn sich denn mal die Gelegenheit ergeben hat, auch im realen Leben getroffen. Schön ist es jedes Mal wieder.

Wie es hier weitergeht, kann ich nicht sagen. Aber solange noch Chemie-freie-Medizin beworben werden kann und deutsche Schauspieler explosives Salz vermeiden, solange werde ich am Tresen hier genug Stoff zum bloggen haben

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Kommentare (1)

  1. #1 rolak
    10. Januar 2018

    damals schon?

    Auch in D schon länger, Chris. Der dauerpräsente NerdPosterboy Gates war wohl zu verführerisch… Zumindest in den 70ern noch waren ‘die Anderen’ eher sprachlos und nutzten gewisse typische Handbewegungen zur näheren Spezifizierung ihrer Meinung über uns Frickler. Doch schon länger gibts Tonfilm.