Nautilus pompilius im Aquarium Berlin

Nautilus pompilius (Wikipedia)

Auch physiologisch sind die Perlboote eine Reliktart und haben spezielle Anpassungen für das Leben in größeren Meerestiefen zu leben.
Nautilus hat keine Tintenblase und ist kein Tintenfisch. Ihr Herz und ihre Kiemen sind weniger leistungsfähig als die der Tintenfische.
Mit ihrer eher bedächtigen Lebensweise wirken die Perlboote wie aus der Zeit gefallen, ihre Perlmutt-Schale – nur die äußere Schicht ist aus Kalk – erfreut sich großer Beliebtheit bei Menschen und so sind diese ungewöhnlichen Tiere heute leider bedroht.
Bitte kaufen Sie niemals eine Nautilus-Schale!

Alle anderen heute lebenden Kopffüßer gehören den Tintenfischen an.


Tintenfische (Coleoidea oder Dibranchiata):

Neben der Tintendrüse zeichnen sie sich aus durch die starke Entwicklung leistungsfähiger Sinnesorgane – vor allem der optische Sinn ist exzellent, dementsprechend ist das Sehganglion zu einer  gehirnähnlichen Struktur ausgebildet.
Heute dominieren zwei große Gruppen der Tintenfische diese Weichtierklasse: Die achtarmigen Octopoden (8 Arme) und die zehnarmigen Decabrachiata (8 Arme plus 2 Tentakel).

Octopoda:
Achtarmige Tintenfische ohne Schale.

Octopoda: Incirrata (Incirrina)

Incirrata haben 8 Arme und 0 Tentakel, sie sind der Inbegriff des Oktopus, Octopus vulgaris dürfte einer der bekanntesten sein.
Meist leben sie in der Nähe des Meeresbodens oder bewegen sich auf Sand, Fels und anderen Untergründen. Dabei scheinen sie mit einer amorph wirkenden Form mehr dahinzufließen, als zu laufen. Wenn sie es sehr eilig haben, können sie mit dem Rückstoßprinzip auch schwimmen.
Ihre Haut ist nicht glatt, sondern hat oft kleine Fortsätze, so dass sie neben der Farbe auch noch ihre Struktur an den Meeresboden anpassen können. Durch ihre Körperhaltung und “Gestik” können sie ihre Form erfolgreich verfälschen.
Sie werden, wie Sepien und Kalmare, stark befischt.
Eigentlich verwunderlich, dass trotz der Faszination der Andersartigkeit und ihrer nachgewiesenen Intelligenz immer noch so viele Menschen diese Tiere verspeisen. Delphine haben solche Bedenken selbstverständlich nicht. Allerdings können die vielarmigen Weichtiere auch wehrhaft auftreten, so hat unter anderem ein Krake offenbar einen Hai erwürgt.
Trotz ihrer offenkundigen Andersartigkeit als Wirbeltiere erscheinen Kraken zwar fremdartig, haben aber keinesfalls außerirdische Verwandtschaft. Aufgrund eines Mißverständnisses anläßlich einer Pressekonferenz über das Kraken-Genom hatten einige Journalisten tatsächliches so etwas geschrieben. Also: Octopusse sind keine Aliens!

One of the highlights of the dive, a dumbo octopus uses his ear-like fins to slowly swim away – this coiled leg body posture has never been observed before in this species.

One of the highlights of the dive, a dumbo octopus uses his ear-like fins to slowly swim away – this coiled leg body posture has never been observed before in this species. (NOAA)

Octopoda: Cirrata (Cirrina)

8 Arme, 0 Tentakel und zwei Flossen. Die 8 Arme tragen Cirren, kleine Haken aus Chitin, mit denen die Tiere ihre Beute festhalten können.
Anders als ihre Verwandten ohne Cirren leben sie im freien Wasser schwimmend und sind meist spezialisiert auf größere Tiefen. Von der Eleganz und Schnelligkeit ihrer 10-armigen Verwandten, den Kalmaren, sind sie weit entfernt. Von pfeilschnellem Schwimmen ist bei ihnen nichts zu sehen, sie segeln, knollig-knuffig gerundet, mit ihren rundlichen Flügelchen durchs Wasser wie der Disney-Elefant Dumbo durch die Luft. Da diese Flossen wie die Ohren des fliegenden Elefanten positioniert sind, heißen diese Unterwasserflieger unter Cephalopoden-Experten auch „Dumbo“s oder Dumbo-Octopusse.
Ihren Auftrieb erhalten diese Tiefseekopffüßer durch Ammoniak. Das macht sie für Menschen ungenießbar, sie werden nicht befischt und gehandelt und sind daher nicht gefährdet. Allerdings bleiben sie so auch den meisten Menschen unbekannt.

Vampire des abysses.jpgVampyromorphidae: Vampirtintenfische

Ein dunkelrotes Männtelchen, blau glühende Augen und fiese Haken an der Innenseite der Arme – diese Äußerlichkeiten bewogen den deutschen Zoologen Carl Chun auf der deutschen Valdivia- Tiefseeexpedition , seine Neuentdeckung „Vampirtintenfisch aus der Hölle“ zu nennen. Er hat 8 Arme mit Cirren und in Taschen verborgen noch zwei lange bleiche Tentakel.

Lange blieb die Lebensweise des geheimnisvollen Kopffüßers nahezu unbekannt, erst mit dem technischen Fortschritt konnte der nur 30 Zentimeter kleinen Kopffüßer endlich beobachtet werden. Seitdem wissen wir: Der kleine Schein-Octopus zieht sich zum schnellen Schwimmen sein rotes Mäntelchen über den Kopf, er kann leuchtende Wolken ausstoßen und … als einziger Tintenfisch ist er kein Jäger! Stattdessen nutzt er seine Arme und Tentakel zum Aufspüren und Einschleimen von Meeresschnee, also Detritus. Wie alle Kopffüßer, hat er ein faszinierendes Liebesleben.
Der Tiefseevampir ist der einzige seiner Art und durch seine Lebensweise in der Abgeschiedenheit der Meerestiefe und seinen kommerziell nicht verwertbaren Körper geschützt.

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Kommentare (24)

  1. #1 rolak
    12. Januar 2018

    Auf den SB ist derart viel los die Tage, da muß bald eine ToRead-Liste her…

    eines klingonischen Raumschiffes

    Tarnen hin oder her, bei ‘Raumschiff’+’Kopffüßer’ sachischnur Vorlonen. Falls ‘Raum’ wegfällt, löst die SeaQuest ab.

    • #2 Bettina Wurche
      12. Januar 2018

      @rolak: das Bab5 -Raumschiff ist sowas von krakig. Ach ja, Seaquest, auch wieder so eine eigentlich ganz interessante Idee, die sich dann allzu schnell als kompletter Murks herausstellte…

    • #3 rolak
      13. Januar 2018

      kompletter Murks

      Das trifft es weitestgehend sehr gut, Bettina, machte eben aber nix, weil es nur um das Gefärt als solches ging. Wobei mir allerdings immer noch nicht so ganz klar ist, ob das, was es so lebendig wirken läßt, Absicht oder doch bloß fehlerhafte CGI ist.
      Das ist eine der Serien, bei denen sich irgendwann gefragt wurde, ‘war das jetzt etwa von Anfang an so <negativ> und du wurdest ~reingelegt?’ Daher auch ‘weitestgehend’, denn es könnte der Ansatz zur Serienbindung recht gut umgesetzt sein.

  2. #4 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    12. Januar 2018

    @Bettina Wurche Sehr schöner Artikel. Wieder etwas dazugelernt. Aber ich lese langsamer als rolak.

    So dann nochmal
    herzlichen Glückwunsch an Meertext zum Oktopusjubiläum
    und
    herzlichen Glückwunsch an die scienceblogs.de zum Tentakeljubiläum.

    • #5 Bettina Wurche
      12. Januar 2018

      @roel: : )

  3. #6 Alderamin
    12. Januar 2018

    Hallo Bettina, sehr schöner Übersichtsartikel. Faszinierende Tiere. Gerne würde ich den Artikel lesen, wo ein Krake einen Hai erdrosselt hat, aber der Link geht auf den Delphinartikel im Link davor. Würdest Du den für uns editieren? Danke!

    Ich wusste gar nicht, dass Du schon so lange mit Deinem Blog hier teilnimmst. Schade, dass ich den erst so spät entdeckt habe.

    Freue mich aber, es dann doch entdeckt zu haben und darüber, dass Du uns weiterhin Einblicke in die faszinierende Unterwasserwelt bietest. Vielen Dank dafür!

  4. #7 Joseph Kuhn
    12. Januar 2018

    “Damit sollte die Verwandtschaft der Meerestiere mit den vielen Armen und Tentakeln erst einmal geklärt sein.”

    Hm. Wie sind die jetzt noch mal mit den Seesternen und uns Sciencebloggern verwandt?

    Deine Beiträge sind ein schönes Beispiel dafür, dass auch “weiter so” richtig interessant sein kann. Also bitte weiter so.

  5. #8 Alisier
    12. Januar 2018

    Schöner Überblick und genau die richtige Abendlektüre.
    Zu deinen Fragen komme ich hoffentlich auch noch.
    Und endlich (endlich!) wurden einige seit Langem offene Fragen beantwortet, ohne recherchieren zu müssen.
    Nur so nebenbei: Süßwasserfische sind durchaus faszinierend (© Spock), aber eben eher nicht wegen ihres Aussehens.
    Oder vielleicht doch…..
    Gutes Wochende Dir!

  6. #9 RPGNo1
    13. Januar 2018

    Tarnen hin oder her, bei ‘Raumschiff’+’Kopffüßer’ sachischnur Vorlonen. Falls ‘Raum’ wegfällt, löst die SeaQuest ab.

    Lol, hier trifft sich die Garde die 90er-SciFi-nerds. 😀
    Yep, SeaQuest und Babylon 5, die beiden Serien kenne ich auch. Bez. SeaQuest stimme ich Bettina zu: Guter Ansatz, aber schlecht umgesetzt.
    Bei Babylon 5 dachte ich erst, dass es längerfristige Konkurrenz zu Star Trek werden könnte. Aber nach dem Ende des Schattenkrieges mit Staffel 4 war die Luft raus. Staffel 5 war nur noch mäßige SciFi.

    • #10 Bettina Wurche
      13. Januar 2018

      @RPGNo1: “Garde der 90er-SciFi-nerds” – lol, da sagst Du was! Ich bin ja sowas von Star Trek Next Generation : ). Ich denke, in der Jugend ist man einfach noch begeisterungsfähiger und aufnahmefähig für Humanismus und Weltverbesserer. Patrick Stewart hätte ich wirklich gern mal kennengelernt, Captain Picard hat schon Maßstäbe gesetzt. Für Bab 5 konnte ich mich nie begeistern, Farscape fand ich auch ziemlich mäßig. Eigentlich gibt es ja schon recht gute SF, gerade einige der modernen Autoren sind ganz gut. Gleichzeitig denke ich immer wieder, wie vorausschauend viele der Cyberpunk-Ideen der 80-er und 90-er waren, die es aber nie in die Kinos geschafft haben. Vielleicht ist die Visualisierung auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm ein Filter, der vieles bunter, actiongeladener und platter macht?

  7. #11 rolak
    13. Januar 2018

    90er

    Für die anderen kann ich ja nicht sprechen, RPGNo1, doch ich bin gar nicht so alt.

  8. #12 stone1
    13. Januar 2018

    Super Überblicksartikel, bei einer bestimmten hier nicht angeführten Tentakel-Arm Kombination ist jedoch Vorsicht geboten. ; )
    Seaquest war, wie leider viele Serien mit eigentlich interessanter Grundidee, ein Murks. Und ich finde es auch schade, dass Babylon 5 die Luft ausging, vor nicht allzu langer Zeit hab ich noch ein paar bockschwere Missionen in einer B5-Sim geflogen (zu finden bei http://www.hard-light.net/projects/the-babylon-project).

    • #13 Bettina Wurche
      13. Januar 2018

      @stone1: NEIN – The Day of the tentacle! Das einzige Computerspiel, das ich jemals versucht habe – wahrscheinlich ist es schon archäologisch bedeutsam. Eine weitere, sehr moderne Tentakelkombination ist in Arrival
      http://scienceblogs.de/meertext/2017/01/11/arrival-erstkontakt-mit-siebenfuessern-und-kanarienvogel/
      zu sehen. Überhaupt scheinen Tentakel die SF immer sehr beschäftigt zu haben. Auch wenn Oktopoden keine Aliens sind, sind sie eben doch ein sehr fremdartiges Bewusstsein für uns Menschen.

  9. #14 rolak
    14. Januar 2018

    immer sehr beschäftigt

    Sogar aktuell und titeldominierend. Neben Glubschaugen, Reptiligem und Insektoidem bedienen Kopffüßer wohl am besten, einfachsten oder effektivsten tiefsitzenden Grusel beim Lesen oder Zuschauen…

  10. #15 tomtoo
    14. Januar 2018

    @Bettina
    Da gibts auch Tentakel zu sehen, und dann fummeln die auch noch im Kino rum. Deine Leserschaft kann gar nicht so alt sein, wenn sie Teenager Filme kennt. ; )

    https://m.youtube.com/watch?v=-6BxzcuEkow

  11. #16 tomtoo
    14. Januar 2018

    @Bettina
    Oh, misst das war der falsche Film. Und (oh wie peinlich, finde den richtigen nicht mehr) : /

    • #17 Bettina Wurche
      14. Januar 2018

      @tomtoo: : ) Hmmm, das scheint wirklich ein besonders schräger Film zu sein.

  12. #18 Dampier
    14. Januar 2018

    Natürlich darf die gute alte Zeit nicht fehlen. Als Männer noch richtige Männer, Frauen noch richtige Frauen und Oktopusse noch RIESIGE fiese, schleimige und hochintelligente Killer waren:

    Vintage Octopus Pulp Covers!

    z.B.
    http://www.francesca.net/pulp.html

    https://pulpcovers.com/tag/tentacles/

    Viel Spaß beim Stöbern :))

    • #19 Bettina Wurche
      14. Januar 2018

      @Dampier: Oh graus. Diese extrem alte SF übergehe ich immer schnell. Das Frauenbild ist zu schauderhaft.

      • #20 Dampier
        14. Januar 2018

        Jo, das kann man nur als Trash goutieren …

  13. #21 Cornelia S. Gliem
    14. Januar 2018

    Sehr schöner und informativer Artikel.
    Welche der Arten gelten jetzt als besonders intelligent?
    Alle irgendwie?
    Sozial scheinen sie alle zu sein wenn “fürsorglich brutpflegend” (oder waren das nur die Tintenfische?).

    • #22 Bettina Wurche
      14. Januar 2018

      @Cornelia S. Gliem: Gute Frage und schwierig zu beantworten. Ich bin geneigt, zu sagen, Kraken seien intelligenter. Dazu habe ich folgenden Vergleich gefunden: “Octopuses use tools, recognize human caretakers, display varied hunting tactics and have problem-solving capabilities. They exhibit behavior suggesting planning and foresight, such as raiding humans’ crab and lobster traps and climbing aboard fishing boats carrying containers of crabs. Sy Montgomerty of Orion magazine reported an experiment that observed a female octopus playing with a pill bottle. Squid exhibit complex social signaling and one species, the Humboldt squid, engages in cooperative hunting.”
      https://www.reference.com/pets-animals/intelligent-squid-octopus-dfe4436cb78de14
      Nun ist die Frage aber, ob unsere Beurteilung und Messung von intelligentem Verhalten (Werkzeuggebrauch und Manipulieren von Fischfallen) nicht zu anthropozentrisch ist. Wir erkennen dieses Verhalten des Octopus als intelligent, weil es dem unseren entspricht. Unsere Messung von Intelligenz hat oft mit unseren Händen zu tun, der Manipulation im eigentlichen Sinne. Octopusse können ihre Arme als Handersatz einsetzen, durch ihre Lebenswesie auf dem Boden haben sie unempfindlichere Arme. Sie sind robust genug, um ihren Fang und einen Aufenthalt im Aquarium zu überleben. Kalmare hingegen leben im freien Wasser, ihre Körper inkl. Arme und Tentakel sind zart und empfindlich. Sie überleben ihren Fang i d R nicht und eine Aquarienhaltung kenne ich bisher nur von Sepien. Mit Tieren in Aquarien können wir Versuche durchführen und ihre Aktionen und Interaktionen mit uns Menschen studieren.
      Mit Kalmaren geht all dies nicht. Sie sind anders. Aber vielleicht sind ihr ausgeklügeltes Sozialverhalten und ihre Kommunikation auch Zeichen hoher Intelligenz? Die wir meistens nicht sehen, nicht studieren und messen können? Ob einzelne Populationen unterschieldiche Jagdstrategien entwickelt haben, wissen wir einfach nicht.
      Aufgrund allem, was ich bisher über diese Tiere erfahren habe, denke ich, dass die Problemlösungs-Kompetenz der Kraken ein Zeichen sehr hoher Intelligenz ist und dass sie die intelligenteste Gruppe unter den Kopffüßern sind. Innerhalb der Arten steht wage ich keine weiteren Aussagen mehr. Der meist gehaltene Octopus dürfte Octopus vulgaris sein, abe rim Pazifik werden auch viele andere Arten gehalten. Ich habe keinen Überblick darüber, wer mit wem welche Test und mit welchem Ergebnis durchgeführt hat.

  14. #23 tomtoo
    14. Januar 2018

    @Cornelia
    Denke die Kraken gelten als besonders Intelligent.

  15. #24 tomtoo
    15. Januar 2018

    @Bettina
    “…Frauenbild schauderhaft…”
    Ich finds immer lustig. Zeigt zumindest das es Fortschritt gibt. Oder soll ich sagen: Es gab Fortschritt, in der vor Trump Zeit ? ; )