Eigentlich ist es nur ein Raketentest, ein weiterer in einer langen Reihe. Doch der für Freitag geplante Start der “Falcon 9” könnte endlich den Weg für die Kommerzialisierung der bemannten Raumfahrt bereiten – oder dem Vorhaben einen mächtigen Dämpfer verpassen.

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Die “Falcon 9” auf der Startrampe in Capce Canaveral (Archivbild vom Dezember 2008, Foto: SpaceX)

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Die fast 55 Meter hohe Falcon 9, die derzeit in Cape Canaveral auf ihren für Freitag, 17 Uhr MESZ, geplanten Start vorbereitet wird, ist mehr als eine Rakete. Sie soll, geht es nach dem Willen der Nasa, in Zukunft die Aufgaben des Space Shuttles übernehmen und sogar Astronauten zur Raumstation ISS bringen. Und das, obwohl die Falcon 9 komplett privat entwickelt wurde. Hinter ihr steckt die Firma SpaceX von Elon Musk, der seine Millionen einst mit dem Verkauf von PayPal an eBay verdient hat.

Falcon 9 steht damit wie kein anderes Projekt für die geplante neue Strategie der US-Weltraumbehörde: Private Unternehmen sollen, gefördert mit staatlichen Mitteln, das Alltagsgeschäft übernehmen – zum Beispiel den Transport von Astronauten in einen erdnahen Orbit. Die Nasa selbst will das gesparte Geld nutzen, um sich wieder mehr der (bemannten) Erforschung des Weltalls widmen zu können – wohin diese Reise auch immer gehen soll.

Das Projekt, erstmals in Obamas Haushaltsentwurf Anfang des Jahres vorgestellt, ist indes höchst umstritten: Die etablierten Raketenbauer fürchten sich um ihre sicheren Pfründe, die Kongressabgeordneten aus den bisherigen Raumfahrtstaaten um die dortigen Arbeitsplätze, ehemalige Astronauten um die Sicherheit und das nationale Prestige.

Sollte beim Start der Falcon 9 – wie so häufig bei Jungfernflügen – etwas schief gehen, wird daher das Geschrei der Kritiker besonders laut ausfallen: Die Privaten können’s nicht, sie sind eine Gefahr für die nationale Sicherheit, niemals kann man denen amerikanische Astronauten anvertrauen und so weiter. Alles natürlich in der Hoffnung, der Kongress werde Obamas Pläne doch noch kippen und die bemannte Raumfahrt wieder heim in den Schoß der Nasa-Familie holen.

Offenbar ist sich SpaceX dieser Gefahr durchaus bewusst. Im Vorfeld haben die kalifornischen Raketenbauer schon mal vorsichtshalber verlauten lassen:
If we have a bad day, it will be disappointing, but one launch does not make or break SpaceX as a company, nor commercial spaceflight as an industry. The Atlas rocket only succeeded on its 13th flight, and today it is the most reliable vehicle in the American fleet, with a record better than Shuttle.

Update, 4/6/2010, 19.45 Uhr MESZ: Der erste Startversuch wurde um 19.30 Uhr wenige Sekunden vor Ende des Countdowns automatisch abgebrochen. Noch ist unklar was passiert ist und ob der Countdown heute noch einmal aufgenommen werden kann. Das Startfenster reicht theoretisch noch bis 21 Uhr. Auch für Samstag haben die SpaceX-Manager wieder eine Startmöglichkeit in Cape Canaveral gebucht.

Update, 4/6/2010, 20.25 Uhr MESZ: Ein neuer Startversuch soll nun um 20.45 Uhr unternommen worden. Offensichtlich lag beim ersten Start ein Parameter der Triebwerke über den zuvor festgelegten Grenzwerten, so dass der Computer den Countdown abbrach.

Update, 4/6/2010, 20.50 Uhr MESZ: Der Falke ist gestartet! Alle Systeme arbeiten bislang wie geplant, die erste Stufe wurde abgetrennt, die zweite erfolgreich gezündet.

Update, 4/6/2010, 20.58 Uhr MESZ: Falcon 9 hat (kurz nachdem die Videoübertragung wie erwartet abgebrochen ist) offensichtlich erfolgreich die Erdumlaufbahn erreicht!


Kommentare (3)

  1. #1 KommentarAbo
    Juni 4, 2010

  2. #2 Jürgen Schönstein
    Juni 4, 2010

    Faszinierend.

  3. #3 Michael Mußler
    Juni 4, 2010

    moin moin

    Das Video vom Start ist bereits auf Youtube:

    Ich finde das einen schönen Erfolg für SpaceX! Bin mal gespannt wie sich das Dragonmodul bei den jetzt laufenden Test schlägt. Damit sollen ja dann die Flüge zur ISS durchgeführt werden.

    michael