Komet Wirtanen (rechts der Bildmitte), Plejaden (oben), Hyaden (unten links) und ein Geminid. Bild: José Jiménez, Flickr, CC BY 2.0.

Da der Mond jetzt aus dem Weg ist und sich hin und wieder mal eine Lücke in den Wolken auftut hier ein paar aktuelle Aufsuchkarten für den “Weihnachtskometen” 46P/Wirtanen, den ich neulich schon beschrieben hatte. Um ihn zu sehen, braucht es einen dunklen Ort, dunkelangepasste Augen (idealerweise ca. 15-20 Minuten draußen sein, bevor man schauen will, und währenddessen nicht mehr aufs Handy gucken!!!) und einen Feldstecher – ohne optische Hilfe wird der Komet höchstens in abgelegenen Gegenden zu sehen sein.

Außerdem sollte der Mond noch nicht aufgegangen sein. Die Aufgangszeiten für den eigenen Ort findet man hier. Im Westen Deutschlands geht der Mond am 25.12. kurz nach 20:00 Uhr auf, in Berlin und Wien kurz von 19:30. Danach jeden Tag ca. 1:20h später. Aber der Komet wird lichtschwächer, also nicht zu lange warten.

Die erste Karte diene den Astro-Neulingen zur Orientierung. Den Großen Wagen (Bären) im Nordosten und Orion im Südosten sollte eigentlich jeder finden. Die Karte unten ist für jeweils 20:00h MEZ, die Sterne steigen mit den Stunden im Osten höher; um 18:00 Uhr ist Orion noch halb unter dem Horizont. Oberhalb der auffälligen Zwillinge ziemlich genau im Osten findet man die helle Capella, heller noch als die Sterne im Orion. Wenn man die gefunden hat, suche man das Nikolaus-Haus-förmige Sternbild Fuhrmann drumherum. Wenn man das gefunden hat, kann man zur zweiten Karte wechseln.

Übersichtskarte Richtung Nordosten, vom Großen Bären bis Orion. 20:00h für Köln (kurz vor Mondaufgang). Weiter östlich bis zu 30 Minuten abziehen! Bild: CdC, Autor, gemeinfrei.

Hier die Detailkarte des Fuhrmanns und der Kometenbahn. Die Position ist für die nächsten 10 Tage, vom 25.12. bis 03.01. jeweils um 20:00h eingezeichnet. Er bewegt sich von Capella in Richtung Großer Bär, diese Bahn suche man durch langsames Auf- und Abschwenken im Zickzack nach links ab, bis man den Kometen gefunden hat. Im Fernglas erscheint der Komet wie ein farbloser, kreisrunder Nebelfleck, sehr subtil, ziemlich groß (größer als der Mond) und transparent. Einen Schweif zeigt er nicht.

Detailkarte mit Sternbild Fuhrmann. Position von 46P/Wirtanen für die nächsten 10 Tage, jeweils um 20:00 Uhr. Bild: CdC, Autor, gemeinfrei.

Fotografische Versuche könnten lohnen. Am einfachsten mit feststehender Kamera und Normalobjektiv (50 mm Vollformat, 35 mm APS; das Objekt ist groß!) mit sehr viel ISO, weit offener Blende (höchstens eine Blende abblenden) und maximal 15 s Belichtungszeit. Oder mit Nachführung, dann gerne mit Teleobjektiv und 30 s oder mehr Belichtungszeit.

Am besten löst man per Selbstauslöser oder Fernauslöser aus. Dann mindestens 10 Aufnahmen, besser 30 machen, die man später z.B. auf Windows mit DeepSkyStacker überlagern kann (ich kann da gerne helfen). Auch ein Fotobearbeitungsprogramm wie Photoshop oder Gimp tut’s, man muss jeweils 2 Bilder in Layern anlegen, dann den oberen Layer teiltransparent machen, die Bilder zur Deckung bringen und bei 50% Transparenz des oberen Layers zusammenfügen. Dann das nächste Bild als neuen Layer drüber legen. So Bild für Bild aufeinanderlegen. Vorsicht, wenn man zu viel Weitwinkel verwendet hat und sich die Belichtungen über einen längeren Zeitraum erstrecken, dann sorgt die Bewegung der Sterne für Verzerrungen am Bildrand und sie sind nicht mehr zur Deckung zu bringen; dann muss man sich auf den inneren Bildteil beschränken, wo hoffentlich der Komet zu finden ist. Auch der Komet bewegt sich, aber während ein paar Minuten sollte das keine Rolle spielen.

Bin gespannt auf Eure Ergebnisse.

Kommentare (7)

  1. #1 Interessierter
    25. Dezember 2018

    Etwas OT:
    Wo finden Normalsterbliche Infos über die aktuelle new horizon mission?

    Irgendwelche Daten wird das Ding doch ausspucken und im Hintergrund arbeiten die Leute bestimmt auch weiterhin an einem perfekten Vorbeiflug.

    Nirgends, ausser hier, bekommt man tiefer gehende Infos.

  2. #2 HF(de)
    25. Dezember 2018

    Wie der Hausherr bereits an anderer Stelle schrieb, bekommt man hier Infos/Links: http://www.planetary.org/blogs/emily-lakdawalla/2018/what-to-expect-new-horizons-mu69-ultima-thule.html

  3. #3 Interessierter
    25. Dezember 2018

    Hm. 17.12….

  4. #4 Alderamin
    25. Dezember 2018

    @Interessierter, HF(de)

    Das Problem ist der aktuelle Shutdown. Habe gestern Abend gelesen, die Berichterstattung bei der NASA über den Vorbeiflug wird stark darunter leiden. Aber nicht die Mission selbst, die Sonde wird wie geplant gesteuert und programmiert, und die Bilder werden ohnehin an Bord gespeichert, bis sie alle abgerufen sind. Also können alle an Silvester bedenkenlos abfeiern, Ihr verpasst nichts.

    Florian hat sich des Themas „Ultima Thule“ angenommen, das lasse ich ihm. Wir haben hier InSight 😉

  5. #5 Alderamin
    26. Dezember 2018

    Habe eben mal kurz auf dem Heimweg vom Abendessen an einem dunklen Feldweg angehalten und mit dem 10×50 geschaut – schwer, aber noch zu sehen. Musste ein bisschen suchen. Scheint mir kleiner und dunkler geworden zu sein, aber der Vergleich mit dem 15×80 hinkt auch ein wenig.

    Es braucht jedenfalls sehr gute Bedingungen, und die haben wir hier im Moment gerade.

  6. #6 schlappohr
    26. Dezember 2018

    Hier im südlichen Westerwald geht leider garnichts im Moment, und Besserung ist nicht in Sicht. Wie lange wird denn der Komet überhaupt sichtbar sein?
    Aber demnächst steht ja wieder eine MoFi an, wenn ich mich recht erinnere, oder?

  7. #7 Alderamin
    26. Dezember 2018

    @schlappohr

    Kometen sind die Katzen unter den Objekten am Himmel, man weiß nie genau, was sie als nächstes tun werden. Die größte Helligkeit hat der Komet jedenfalls hinter sich und jetzt geht es langsam bergab. Wenn er sich so, wie seit letzter Woche weiter entwickelt, denke ich, dass er in einer Woche im Feldstecher nicht mehr zu sehen sein wird.

    Am 29. Januar haben wir in der 2. Nachthälfte die letzte von Deutschland aus sichtbare totale MoFi bis 2028.