NEOWISE ganz groß im Tele, kurz nach Mitternacht am 13.07.2020. Nikon D800 mit Nikkor 70-200 mm F/4-Objektiv, 10s bei 130 mm, Blende 4, 6400 ISO. Stativ ohne Nachführung! Bild: © Skeptikskeptiker.

Komet C/2020 F3 ist nun bald schon wieder Geschichte. Seine Helligkeit hat deutlich nachgelassen, er produziert kaum noch Staub und zum schlechten Wetter kehrte die vergangenen Tage auch noch der Mond an den Abendhimmel zurück. Mit dem bloßen Auge dürfte er aus den Städten und Dörfern nicht mehr auffindbar sein, aber im Feldstecher ist der Komet noch zu sehen, während er unter dem Großen Wagen durchzieht. Die grüne Farbe des Kometenkopfes entschädigt ein wenig für die abnehmende Helligkeit.

 

Ein Komet wie eine Regenbogenfahne

Kometen leuchten häufig grün, es sind CN-Gas (Zyanid) und C2 Moleküle, in denen im UV-Licht der Sonne die Elektronen auf höhere Niveaus gekickt werden, um beim Rückfall auf das Grundniveau blaues Licht abzustrahlen. Das Gelb des hellern Staubschweifes rührt hauptsächlich von im Sonnenlicht beleuchteten Staubpartikeln her, während der berühmte blaue Plasmaschweif auf CO+-Ionen zurückgeht.

Der Plasmaschweif, auch Ionenschweif genannt, ist immer genau von der Sonne abgewendet (auch wenn der Komet sich von der Sonne entfernt, dann eilt der Schweif ihm voraus), denn er wird vom schnellen Sonnenwind fortgeblasen. Der Staubschweif besteht hingegen aus schwereren Partikeln, die etwas träger auf den Sonnenwind reagieren und nur langsam von der Umlaufbahn weggedrückt werden, weshalb er eine etwas andere Richtung als der Plasmaschweif nimmt und eine gewisse Krümmung zeigt.

Bei NEOWISE wurde auf einigen Aufnahmen auch Rot am Außenrand des Plasmaschweifs gefunden, eine für Kometen seltene Farbe. Es ist nicht klar, ob Natrium, H2O+, Kohlenmonoxid oder eine Kombination davon die Farbe verusachen, aber sie scheint echt zu sein.

 

Farewell, NEOWISE!

NEOWISE war sicher kein großer Komet wie Hale-Bopp und Hyakutake, aber andererseits das beste, was sich von unseren Breiten aus seither kometarisch am Himmel zeigte. Er hat uns jedenfalls Freude bereitet, und wir hoffen, dass die Durststrecke bis zum nächsten “Großen” nicht zu lange währt, während er sich für die nächsten 6000 Jahre aus dem inneren Sonnensystem verabschiedet.

Viel Freude gemacht haben mir auch die von meinen Lesern zugesendeten Bilder. Schön, dass ich ein paar von Euch animieren konnte, sich mal an der Astrofotografie zu versuchen. Aus den schönsten Bildern habe ich heute eine kleine Gallerie erstellt und ein paar eigene Bilder hinten angehängt. Rechts und links mit den Pfeilen kann man blättern und wenn man das Bild anklickt, öffnet es in voller Größe in einem neuen Fenster. Viel Spaß beim Durchklicken!








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NEOWISE am Abend des 11. Juli schön in Szene gesetzt hinter den belaubten Zweigen eines Baums. Nikon D800 (Vollformat) und 200 mm Nikkor Zoom-Objektiv. © Skeptikskeptiker
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Aufnahme vom Abend des 12. Juli. Nikon D800 mit 200 mm Nikkor Zoom-Objektiv @160 mm, F/5,6, 4s bei ISO 2000. © Skeptikskeptiker.
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Schöne Abendstimmung mit astronomischer Dämmerung kurz vor Mitternacht am 12. Juli. Nikon D800 mit 200 mm Nikkor Zoom-Objektiv @70 mm, F/5,6, 8s bei ISO 4000. © Skeptikskeptiker.
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Nach Mitternacht am Morgen des 13. Juli. Rechts gesellt sich Capella im Fuhrmann hinzu. Nikon D800 mit 200 mm Nikkor Zoom-Objektiv @70 mm, F/4, 4s bei ISO 6400. © Skeptikskeptiker.
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Ludger Hartmer schrieb im Blog, dass die GIMP-Anleitung besonders hilfreich gewesen sei. Aufnahme mit Fujifilm X-T1, Fujinon XF 90mm, F/2, 3s bei ISO 1250, mit GIMP bearbeitet. © Ludger Hartmer.
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Komet NEOWISE vom Dörnberg bei Kassel aus in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli aufgenommen. David Scherf, der zum ersten Mal Stacking versucht hat, ist positiv überrascht von den Ergebnissen (ich auch ;-) ) und möchte sie demnächst für Aufnahmen der Milchstraße anwenden. Dafür wünschen wir ihm viel Erfolg! Nikon D3200 mit Sigma 105 mm, f/2.8, Stack aus 56x4s + 18 Darks + 3 Flats. © David Scherf.
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Die unbearbeitete 6400-ISO-Einzelaufnahme zeigt die grüne Kometenfarbe besser als der Stack. Nikon D3200 mit Sigma 105 mm, 4s, f/2.8. © David Scherf.
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Wunderschöner NEOWISE mit grüner Koma am 21./22. Juli. Aufnahme vom Balkon aus mit Pentax K-5 und Astrotracer-Erweiterung. Tamron 80-200 mm @200mm, ISO 320, 120s. Mit RawTherapee und Gimp bearbeitet. © Schlappohr.
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Zum Schluss noch ein paar Bilder von mir. Der Komet am Abend des 12. Juli 2020 über dem Tagebau Inden mit seinen Baggern und Absetzern. Die Cirrus-Wolken störten später bei den Aufnahmen in der Dunkelheit, sorgen aber für etwas Stimmung in der Dämmerungsphase. Pentax K-S2 mit Pentax 18-55 mm @55 mm (Crop-Faktor 1,5), f/5,6, 8s bei ISO3200. Etwas gepusht mit Photoshop. Alderamin, CC BY-SA 3.0.
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Am Abend des 12. Juli kämpft sich der Komet in der Abenddämmerung durch den Cirrus. Pentax K-S2, 70-300 mm Sigma @ 75mm, 20s bei 1600 ISO. Einzelbild nachgeführt auf Reisemontierung und mit Photoshop nachbearbeitet. Alderamin, CC BY-SA 3.0.
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Der Versuch eines Stacks bei leichter Bewölkung. Die Reisemontierung hat ziemlich geeiert, daher blieben nur 14x20s-Aufnahmen mit scharfen Sternen übrig (4:40 m Belichtungszeit, Darks, Flats). Pentax K-S2, 70-300 mm Sigma @ 150mm, 20s bei 1600 ISO. Mit Photoshop nachbearbeitet. Alderamin, CC BY-SA 3.0.
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Das Wetter war am Abend des 21. Juli bei uns perfekt, stahlblauer, wolkenloser Himmel und nicht zu viel Wind. So bin ich auf den nächstgelegenen Eifelhügel mit unverstellter Sicht nach Norden gefahren und habe den Kometen mit nachgeführter Kamera aufgenommen. Trotzdem war der Himmel am Horizont deutlich aufgehellt von Aachen bis nach Düsseldorf. Der hier gezeigte DSS-Stack aus 91x30s (+ Flats, Darks, Bias) bringt es auf 45:30 Minuten Belichtungszeit bei 3200 ISO. Trotzdem ist der Plasmaschweif nur zu erahnen. Das Rot im Bild führe ich auf die Bildverarbeitung zurück, es ist sicher kein rotes Plasma. Pentax K-S2 mit Sigma 70-300 mm @133mm, mit Photoshop nachbearbeitet. Alderamin, CC BY-SA 3.0.
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Das selbe Bild etwas aggressiver bearbeitet, um den Schweif besser heraus zu arbeiten. Die Kometen+Sterne-Ausrichtungsmethode hat bei den Sternen kleine Streifen verursacht, die durch die stärkere Kontrasterhöhung leider sichtbar werden. Alderamin, CC BY-SA 3.0.

Kommentare (4)

  1. #1 Ludger
    29. Juli 2020

    Sehr schön, danke!
    LG. Ludger

  2. #2 schlappohr
    29. Juli 2020

    Der Dank geht an Dich, weil du das Thema hier erst bekannt gemacht hast. “In den Medien” ist ja kaum etwas darüber gesagt worden, höchstens ganz am Ende zwischen Fußball und Börsenkursen (wie entwürdigend…).

    Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Fotografieren und Herumexperimentieren bei der Nachbearbeitung.

    Als nächstes stehen die Perseiden wieder auf dem Programm 🙂
    Ich täume schon lange davon, mal eine Fototour an einen Ort zu machen, wo es _wirklich_ dunkel ist – Namibia, Atacama-Wüste, oder für den Anfang erstmal Nordnorwegen…

  3. #3 Jan
    Magdeburg
    30. Juli 2020

    Vielen Dank für die Neowise-Artikel!
    Mich hat das Kometenknipse-Fieber auch erwischt. Ich konnte auch meinen 10-Jährigen und meinen Vater dafür begeistern. Wir sind mehrmals nachts los und haben uns nebenbei auch noch Saturn und Jupiter durchs kleine Teleskop angeschaut.

  4. #4 David
    31. Juli 2020

    Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Vielen Dank für die anschauliche und detailreiche Einführung in das Stacken von Aufnahmen. Hat mir sehr Spaß gemacht in diesem Bereich etwas neues lernen zu dürfen.

    Best,
    David