Noch habe ich Themen ohne Ende im Hinterkopf, aber Ihr gebt mir immer wieder Anregungen, worüber ich sonst noch schreiben könnte. Die möchte ich künftig hier sammeln. Wenn jemand eine kurze Frage hat, mache ich vielleicht mal einen spontanen Artikel-Quickie daraus. Weitere Fragen und Anregungen gerne als Kommentare unten. Aber ich bitte darum, keine Diskussionen hier zu führen, wenn ich den Bedarf sehe oder er angemeldet wird, mache ich lieber einen extra Artikel dazu auf oder verlinke auf einen solchen, wenn es ihn schon geben sollte.

 

Hier einmal eine Auflistung der bisher angeregten/aufgekommenen Themenvorschläge:

Kommentare (76)

  1. #1 UMa
    19. März 2018

    Hallo Alderamin,

    ich hätte einige Ideen, leider alles sehr kompliziert. Ich fange mal mit einem an.

    1) Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht ein zu kompliziertes Thema ist, um einen Mehrwert gegenüber Wikipedia und arxiv.org zu bekommen. Vielleicht ist ja eine Zusammenfassung für den Einstieg möglich.

    Ich hätte gern mehr über nichtsolare Neutrinoastronomie, insbesondere hochenergetische Neutrinos, und den Neutrinodetektor IceCube gewusst:
    https://en.wikipedia.org/wiki/IceCube_Neutrino_Observatory
    https://arxiv.org/find/astro-ph/1/au:+Collaboration_IceCube/0/1/0/all/0/1

    Und kann man Supernovae in der Milchstraße allein an Neutrinos erkennen, bzw. für die letzten Jahrzehnte ausschließen?!

  2. #2 Alderamin
    21. März 2018

    Ist vermerkt, wird aber noch ein bisschen dauern.

    Aber definitiv kann ich jetzt schon sagen, dass eine Supernova in der Milchstraße heutzutage und wohl auch schon seit Ende der 80er uns nicht durchgegangen sein kann, da auch die Supernova 1987A in der mehr als doppelt so weit entfernten (im Verlgeich zum Durchmesser der Milchstraße) Großen Magellanschen Wolke an ihrem Neutrinosignal erkannt wurde. Es waren zwar nur 13 Neutrinos, was aber trotzdem eine signifikante Häufung in so kurzer Zeit war. Eine halb so weit entfernte Supernova würde die vierfache Neutrinomenge verursachen, das würde mit Sicherheit von den zahlreichen Detektoren bemerkt werden. Wenn mindestens drei Detektoren ausschlagen, wird man sogar eine grobe Richtung triangulieren können, wie bei LIGO.

    Im Schnitt erwartet man in der Milchstraße alle 50-100 Jahre eine Supernova. Die Chance, dass in dem Zeitraum seit 1987 eine Supernova in der Milchstraße explodiert sein könnte, liegt also noch unter 50%.

  3. #3 Tina_HH
    22. März 2018

    Also, wenn man sich was wünschen darf… Ich finde ja die Monde um die Gas- und Eisriesen enorm faszinierend. Da könnte ich mir gut eine Artikelserie zu vorstellen. Oder auch zu den Zwergplaneten und ihren Eigenschaften.
    Viele unterschiedliche Welten mit zum Teil überraschenden Eigenschaften, von denen sicher Viele noch nichts wissen. (Und außerdem wäre das auch eine gute Möglichkeit, tolle Astro-Fotos zu zeigen.)

  4. #4 HF(de)
    25. März 2018

    Abo

  5. #5 UMa
    29. März 2018

    Hallo Alderamin,

    eine Galaxie ohne dunkle Materie:
    https://www.nature.com/articles/nature25767

    Falls sich das bestätigt, wären alternative Gravitationstheorien wie MOND widerlegt, zumindest wäre die obere Schranke für eine Abweichung von Newton (oder ART) so klein, dass man bei normalen Galaxien wie der Milchstraße ohne dunkle Materie, nur mit modifizierte Gravitation, nicht mehr hinkommen kann.

  6. #6 Alderamin
    30. März 2018

    @UMa

    Kommt. Sobald der aktuell in Arbeit befindliche Artikel fertig ist.

    Update: erledigt.

  7. #7 bruno
    11. April 2018

    Oft taucht das “Bullet-Cluster” auf, wenn es um dunkle Materie geht.
    Was steckt dahinter?
    lg

  8. #8 Alderamin
    11. April 2018

    Schönes Thema für einen Quickie-Artikel. Erledigt.

  9. #9 bruno
    15. April 2018

    so: noch einer 😉

    Du spielst doch gerne mit Zahlen…
    In einem Artikel FFs (in 2018 – ich finde ihn nicht mehr…) war die Frage (im Kommentarbereich): wenn die Sonne ständig Masse verliert (… ) wie ändern sich die Umlaufbahnen der Planeten?
    Ich hatte daraufhin folgenden Artikel gepostet:
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22326-2018-01-22.html

    …der etwas OT war – folglich keine Beachtung fand… :(
    Weder FF – noch du, noch M.Bäker hatten da eine Meinung zu … (doppel :( )

    So: 1,5cm pro Jahr pro Astronomischer Einheit!
    Bei der Erde also alle 6 Jahre 10cm. Alle 60 Jahre 1m. Alle 60.000Jahre 1km!
    Und das nur bei 1 AU!

    Jupiter… Pluto??

    Da du gerne mit Zahlen (und what…if) hantierst):
    Da ist doch bestimmt ein “Quickie” drin – oder??
    (wenngleich FF eher der Mann für das Chaos ist… was ja zweifellos durch 1,5cm/Yr/AU ausgelöst werden könnte/sollte … zumindest in 1MRD-Years…. erst in 4,5 MRD Yrs.)

    :)
    lg
    bruno

  10. #10 Alderamin
    15. April 2018

    Was genau ist denn die Frage? Im Artikel steht ja schon 1,5 cm/(Jahr*AE). Jupiter: 5AE, Saturn 10AE, Uranus 20AE, Neptun 30AE, Pluto 40AE. 0,1% auf 109 Jahre, so viel weiter werden dann auch die Bahnen. Spielt also kaum eine Rolle. Eher schon, dass die Sonne in der Zeit 2% an Leuchtkraft zulegt (oder so, muss ich nochmal recherchieren).

  11. #11 bruno
    15. April 2018

    ok – die Frage wäre: was wären (langfristig) die Auswirkungen auf unser Sonnensystem anbetracht des 3-Körper-Problems … also in 10×10^8/9/10/11 Jahren…
    Da ja die “Flucht” abhängig der Entfernung von der Sonne ist…
    (Wann) Ergeben sich dadurch (Abhängigkeit von der AU) ernsthafte Probleme in Bezug auf das 3-Körper-Problem?
    Du sagst es ja, Erd-Umlaufbahn in 1 mio Jahren = etwa +15.000km – während der Jupiter derweil etwa 90.000km sich von der Sonne entfernt – wohingegen sich Saturn schon mal 180.000km entfern … usw…
    Ab wann (und das sind ja nun nur Daten für 1 Mio Jahre) – ab wann wird das relavant für die Umlaufbahnen und die gegenseitige Beeinflussung!

    Mit der Entfernung von der Sonne wachsen doch auch die Geschwindigkeiten – oder?

    Was macht das wachsen der Geschwindigkeit mit der Erde, ihrer Umlaufzeit und der Verschiebung der Jahreszeiten?
    (Ich finde es jetzt nicht – reiche es aber morgen gerne nach: FF hat bereits darüber geschrieben: je näher wir der Sonne sind – umso schneller sind wir – weiter weg eben langsamer… weshalb die Tages-Länge eben auch nicht zum 21.12. hin sich verkürzt… letztlich wohl der kürzeste Tag um den 18.1. herum ist…?)

    Werden wir nun insgesamt langsamer müsste sich dieser Effekt doch generell auf die Jahreszeiten der Erde auswirken – sowie auf die Interaktionen mit den anderen Planeten – wenigstens bei 100-1000 mio. Jahren?
    lg

  12. #12 bruno
    15. April 2018

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/12/11/ab-morgen-wird-es-wieder-spaeter-finster/?all=1

    das ist nur der zweitbeste Artikel … den anderen finde ich noch immer nicht….

  13. #13 bruno
    15. April 2018

    …Inhalt war wie folgt: ab dem (ca) 7.12. werden die Tage zwar nach wie vor kürzer … Sonnenuntergang allerdings bereits später … bis 22.12. – und dann dauert es aber noch bis ca. 18.1. – bis die Tage sich wieder gleichwohl morgens wie abends um die gleiche Länge verlängern…

    …was letztlich mit der Umlaufgeschwindigkeit der Erde um die Sonne zusammenhängt…
    Werden wir insgesamt langsamer aufgrund Abrückung von der Sonne – sollte das doch wohl einen Einfluss auf die Jahreszeiten haben (wenngleich nur ein paar Tage pro x-Millionen-Jahre)… aber bei 4,5678MRD-Jahren … 😉
    lg

  14. #14 Alderamin
    15. April 2018

    Du sagst es ja, Erd-Umlaufbahn in 1 mio Jahren = etwa +15.000km – während der Jupiter derweil etwa 90.000km sich von der Sonne entfernt – wohingegen sich Saturn schon mal 180.000km entfern … usw…

    Nee, da liegst Du um einen Faktor 1000 zu hoch. Im Artikel steht 1,5 cm/Jahr, das sind 1,5E-2 m/a oder 1,5E-5 km/a. In 1E6 Jahren also 15 km, nicht 15000. Die wären es erst in 1E9 Jahren. Denke nicht, dass das ein Problem wäre, wenn die Erde oder Jupiter ein paar eigene Durchmesser weiter außen kreisen würden. Letztlich muss man so was in Simulationen austesten. Es gibt eine Arbeit, die besagt, dass das Sonnensystem über Milliarden Jahre instabil werden könnte. Hat aber nichts mit dem Masseverlust der Sonne zu tun. Ich könnte höchstens darüber schreiben, was in der Originalarbeit des Scinexx-Artikels steht, wenn der frei verfügbar ist. Ob das zu Instabilitäten führt oder nicht, kann ich nur aus dem Bauch heraus beantworten, und der sagt, wohl eher nicht. Mein Bauchgefühl trägt aber keinen Artikel.

    Mit der Entfernung von der Sonne wachsen doch auch die Geschwindigkeiten – oder?

    Nein, die sinken. Die Schwerkraft nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab, also braucht es auch weniger Fliehkraft, um sie zu kompensieren.

  15. #15 Alderamin
    15. April 2018

    Das ist was anderes. Es geht hier darum, dass die Winkelgeschwindigkeit der Sonne am Himmel nicht konstant ist, sondern im Winter, in Sonnennähe, bewegt sich die Erde schneller um die Sonne als im Mittel. Nach dem Mittel („mittlere Sonne“) richtet sich aber die Tageslänge, 24h – eine Erdrehung dauert nur 23h56m04s, aber da sich die Sonne am Himmel pro Tag ca. 1° (im Mittel!) nach Osten weiterbewegt, muss sich die Erde 361° drehen, damit die Sonne mittags wieder im Süden steht. In Sonnennähe wegen der schnelleren Sonne aber noch ein Stück weiter, nur sind die 24h dann schon um, d.h. Sonnenauf- und Untergang gehen zunehmend nach. Im Sommer, wenn die Erde in Sonnenferne ist, ist es dann umgekehrt. Die Tageslänge ist aber trotzdem zur Wintersonnenwende am kürzesten, nur die Uhrzeiten von Sonnenauf- und -untergang verschieben sich, nicht Zeitdifferenzen. Darüber kann ich mal was schreiben.

    Wäre aber was anderes, wenn die Erde von der Sonne abrückt. Dann bräuchten wir irgendwann mehr Schalttage, weil das Jahr mehr als 365,2422 Tage bekäme (die augenblickliche Schaltregel gilt eh für 365,2425 Tage – nach ca. 3000 Jahren gibt es im gregorianischen Kalender einen Schalttag zu viel; kann also nur besser werden! 😉 )

  16. #16 bruno
    16. April 2018

    Wäre aber was anderes, wenn die Erde von der Sonne abrückt.

    Naja – genau das ist ja scheinbar der Fall 😉
    Durch den Masseverlust der Sonne. Oder stehe ich auf dem Schlauch?

    Ich dachte…. da du so gerne mit Zahlen spielst… wäre das was für dich…
    lg
    😉

  17. #17 UMa
    23. April 2018

    Die Magellanischen Wolken.

    Wäre das hier auch der geeignete Ort um Fragen zu stellen?

  18. #18 Alderamin
    23. April 2018

    Ja, klar. Je spezifischer die Frage, desto schneller und kürzer wird der Artikel erstellt. 😉

  19. #19 UMa
    23. April 2018

    Ok.

    Was passiert langfristig mit den Satelliten?
    Die in niedrigen Orbits werden durch die Erdatmosphäre abgebremst und verglühen. Aber die in größeren Höhen?

    Störungen durch Mond, Sonne, Magnetfelder, Strahlung …? Kollidieren sie und bilden einen Ring?
    Wäre nach einer oder hundert Millionen Jahren noch etwas übrig?
    In welcher Höhe ist die Lebensdauer am höchsten? Geostationär oder niediger?

  20. #20 Bullet
    24. April 2018

    Nach hundert Millionen Jahren sollten die wegerodiert sein. Die bestehen hauptsächlich aus Metall, und das dehnt sich und zieht sich zusammen, je nachdem, wo die Sonne steht. Dann die hochenergetische kosmische Strahlung. Das zerbröselt alles. Wie lange das dauert, kann ich nicht mal blind raten. Aber in dieser Sonnennähe würd ich keinen Fliegenpups auf eine Zeitspanne setzen, die nur sechsstellig in Jahren ist.

  21. #21 Alderamin
    24. April 2018

    @UMa, Bullet

    Ich hab’ schon ein bisschen recherchiert gestern abend, ich schreib’ da was zu (schweres Thema, übrigens). Hab’ nur heute noch keine Zeit.

    [Update] erledigt. Sehr schweres Thema.

  22. #22 UMa
    24. April 2018

    @Alderamin
    Ja, ist schwer, sonst hätte ich das schon selbst herausgefunden.

    Ich habe aber noch ein leichteres Problem:
    Ich suche eine Liste der hellsten Sterne.
    Für V-helligkeit ist das kein Problem.
    Für andere Farben schon. Auch für bolometrische Helligkeit.
    Meine Herangehensweise war bisher z. B. die V-I für die Sterne herauszufinden und dann aus der V-helligkeitsliste eine I-helligkeitsliste durch umsortieren zu erhalten. Diese ist dann aber nicht vollständig. Vielleicht gibt es ja L0 Überriesen so hell wie Sirius? Das gleiche gilt für die bolometrische Helligkeit. Irgendein früher O oder WR Stern könnte fast so hell sein wie Sirius. Und bei einer BC von 4 oder mehr nicht unter den hundert V hellsten Sternen. Oder ein L0 Überriese.

  23. #23 UMa
    24. April 2018

    Nachtrag:
    Das beste was ich bisher habe ist der Hipparchos Katalog. Bin mir aber über die Vollständigkeit nicht klar.
    Suche im Internet brachte nur Listen mit V-helligkeit.

  24. #24 Alderamin
    24. April 2018

    Meinst Du so was?

  25. #25 UMa
    24. April 2018

    Nein. Ich meine nicht die absolute Helligkeit, sondern die scheinbare.
    Nach meinen Berechnung, aber unklar ob vollständig:
    V-helligkeit
    Sirius -1,46
    Canopus -0,72
    Alpha Cen -0,…
    Arctur -0,04
    Vega 0,03
    Capella 0,08

    Bolometrisch
    Hadar -1,71
    Sirius -1,71
    Spica -1,34
    Achernar -1,30
    Mimosa -1,22
    Gamma Vel -1,17
    Wobei die BC als Funktion der Spektralklasse geschätzt wurde, eventuell ungenau. Ist vermutlich nicht vollständig.

  26. #26 Captain E.
    27. April 2018

    Schreib doch mal etwas über Trojaner und was sich sonst noch so an irgendwelchen Lagrangepunkten tummelt. Und was du dabei nicht vergessen solltest: Nichts befindet sich an einem Lagrangepunkt – alles bewegt sich darum herum. Bloß wie? Sonden fliegen zwei recht unterschiedliche Typen von Bahnkurven, aber ist das alles? Und was machen natürliche Objekte? Und natürlich sind L1 und L2, an denen man Sonden platziert, labil, L4 und L5 dagegen stabil. Für einen Artikel sollte es reichen, oder?

  27. #28 Peter Paul
    8. Mai 2018

    Jetzt bin ich auch auf deinen Blog gestoßen, was mich freut, und hätte da gleich eine Frage, die schon ziemlich speziell ist. Deshalb muss ich erst einmal etwas ausholen :

    Saul Perlmutter verwendet in seinem Artikel “Supernovae, Dark Energy, and the Accelerating Universe” (hier : https://physicsforme.com/2011/10/04/supernovae-dark-energy-and-the-accelerating-universe/ ) eine Figur 4, in der eine Sache steckt, die mir nicht einleuchten will :

    Die Rechtsachse ist die Zeitachse und gleichzeitig, wie man oben sieht die
    Achse für “RELATIVE BRIGHTNESS OF SUPERNOVAE”. Das ist ja das, was man
    wirklich messen kann. Hier wird doch offenbar so getan, als ob die aktuell
    gemessene “scheinbare Helligkeit” zu einem ganz bestimmten Zeitraum
    gehört, den das Licht, von der SN bis zu uns gebraucht hat. Das ist
    natürlich so, wenn man ein bestimmtes kosmologisches Modell, also eine
    bestimmte Ausdehnungsgeschichte, benutzt, aber es geht ja gerade darum,
    dieses Modell durch die Messung zu finden. Man kann es also noch nicht voraussetzen.

    Jetzt endlich meine Frage : Wenn man aber noch keine Voraussetzung über das geltende Expansionsmodell
    R(t) machen kann, außer dass der Kosmos flach ist, wie geht das dann?
    Lässt sich der Zusammenhang zwischen scheinbarer Helligkeit und Zeitraum t
    unabhängig vom Verlauf des Skalenfaktors R(t) herleiten? Ist er denn für
    alle denkbaren Expansionsgeschichten gleich?

    Ich weiß es ist, glaube ich, viel “verlangt”, aber es wäre für mich sehr hilfreich, wenn du, oder sonst ein Experte,mir das erklären könnte.

  28. #29 stone1
    8. Mai 2018

    @Peter Paul

    Ich bin zwar kein Experte und die Information die Du suchst findet sich sicherlich auch bei Scienceblogs besser erklärt, als ich mit meinem Laienwissen ausführen könnte, aber eine kurze Recherche hat dieses Dokument von Otto Gebhardt aufgetan, wo unter Abschnitt 4: Entfernungsbestimmung genau beschrieben wird, wie das funktioniert.

  29. #30 Alderamin
    8. Mai 2018

    Ich gebe Dir zunächst mal eine kurze Antwort. Das Thema “Entfernungsbestimmung” kommt sowieso noch (bzw. mit dem Gaia-Artikel und den Helligkeiten habe ich es ja schon begonnen, da plane ich noch mehr zu).

    Die Kurven in Bild 4 sind alle Lösungen der Friedmann-Gleichung, mit der die Expansion des Universums gemäß der Allgemeinen Relativitätstheorie beschrieben werden kann, bzw. folgt diese zwingend aus der ART als Beschreibung dessen, was ein Haufen Materie und eine kosmologische Konstante mit der Raumzeit anstellen, wenn man sie in Ruhe lässt. Die Gleichung hat mit H0, ΩM und ΩΛ aber drei Unbekannte, die man messen muss. H0 für den heutigen Zeitpunkt kann man direkt messen, die anderen Größen nicht. Es ist dann eine Sache des Parameterfittings, die gemessenen Helligkeiten der Supernovae mit einer der möglichen Kurven in Einklang zu bringen. Als Zusatzgleichung kann man noch verwenden, dass ΩMΛ=1 sein muss, weil dies aus der Hintergrundstrahlung folgt (Supernovae sind Standardkerzen, die Hintergrundstrahlung bietet Standardliniale; auch hier gilt, dass man einen gemeinsamen Fit finden muss, der die Struktur der Hintergrundstrahlung richtig beschreibt), dann reduziert sich die Gleichung auf einen freien Parameter (neben H0):

    a(t)=a_{0} \left( \sqrt {\frac{\Omega_{M}}{\Omega_{\Lambda}}} sinh (\omega t)\right)^{\frac{2}{3}} = a_{0} \left( \sqrt {\frac{1-\Omega_{\Lambda}}{\Omega_{\Lambda}}} sinh (\omega t)\right)^{\frac{2}{3}} mit   \omega = \frac {3H_{0}\sqrt{\Omega_{\Lambda}}}{2}

    (a(t) ist der Skalenfaktor zur Zeit t, d.h. die Strecke, welche die heutige Länge a0 zum Universumsalter t hatte; setze einfach a0 = 1 als Referenzlänge, dann ist R(t)=a(t)/a0 die relative Länge zur Zeit t; R(t) bzw. a(t) liefern dann eine Expansionshistorie des Universums)

    Das alles herzuleiten und vorzurechnen bin ich mit meinen bescheidenen Mathematik-Kenntnissen sicher nicht in der Lage (Freiwillige? MartinB?) und es wäre auch ein bisschen zu speziell, aber vom Prinzip her sollte man nachvollziehen können, dass nur an einem Parameter ΩΛ gedreht zu werden braucht, der dann eine Expansionshistorie erzeugt, die mit den Supernovae-Helligkeiten und -dopplerverschiebungen in Einklang gebracht werden muss (beide folgen direkt aus der Expansionshistorie). Bild 4 in Deinem Link zeigt genau solche Kurven für verschiedene ΩΛ.

  30. #31 Peter Paul
    8. Mai 2018

    @Alderamin
    Zunächst mal Danke, dass ich auf so eine Frage überhaupt eine Antwort bekommen habe, denn sie ist ja schon ziemlich weit her geholt. Ich stimme eigentlich mit allem, was du sagst vollständig überein, aber das alles beantwortet leider meine Frage nicht.
    Meine Frage ist, wieso die “gemessenen Helligkeiten”, die man ja zu den dazugehörigen Rotverschiebungen für jede Supernova in das Schaubild eintragen kann, das gleiche Bedeuten wie die Lichtlaufzeit, und das unabhängig von dem (noch) gesuchten Ausdehnungsmodell a(t). Diese “Unabhängigkeit” ist die Sache, die mir nicht einleuchten will, das ist der Punkt, um den es mir geht.

    stone1
    Danke für den Link, aber die Arbeit geht zwar auf die beschleunigte Ausdehnung ein, aber nicht auf meine Frage. Vielleicht wird das deutlicher, wenn du meine obige Antwort liest.

  31. #32 UMa
    8. Mai 2018

    Aus der Rotverschiebung z kann zwar nicht Modell-unabhängig die Lichtlaufzeit bestimmen, aber direkt die Größe a(t).

    z=1/a(t) -1 oder a=1/(1+z)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rotverschiebung#Relativistische_Herleitung

  32. #33 Alderamin
    8. Mai 2018

    @Peter Paul

    Meine Frage ist, wieso die “gemessenen Helligkeiten”, die man ja zu den dazugehörigen Rotverschiebungen für jede Supernova in das Schaubild eintragen kann, das gleiche Bedeuten wie die Lichtlaufzeit, und das unabhängig von dem (noch) gesuchten Ausdehnungsmodell a(t). Diese “Unabhängigkeit” ist die Sache, die mir nicht einleuchten will, das ist der Punkt, um den es mir geht.

    Die Helligkeit ist ja auch gar nicht unabhängig vom Ausdehnungsmodell, siehe die Formel für die Leuchtkraftentfernung, die von der mitbewegten Entfernung abhängt, in die wiederum die Expansionsgeschichte bzw.ΩM und ΩΛ eingehen.

    Man kann die Punkte für die Supernovae nicht einfach unabhängig in das Diagramm 4 aus Deinem Link hineinplotten. z (vertikale Achse) ist direkt messbar, aber nicht das Alter (x-Achse). Das folgt nur über a(t) und ist für jede Kurve verschieden. Das Bild soll nur andeuten, dass die Werte zu derjenigen Kurve passen, auf die sie hier eingezeichnet wurden.

  33. #34 Peter Paul
    8. Mai 2018

    Das ist natürlich richtig, außer dem Zeitbezug.

    Bsp.: Kommt Licht bei uns mit z = 1 an, dann weiß man, dass der Raum sich seit der Aussendung des Lichts zum Zeitpunkt t um 100% ausgedehnt hat, dass er also zu diesem Zeitpunkt 50% des heutigen Skalenfaktors hatte, aber man weiß nicht, wann das war. War das vor 2 Mrd. Jahren, denn hätte sich der Raum seit diesem Zeitpunkt sehr schnell ausgedehnt und vorher recht langsam, war das vor 10 Mrd. Jahren, der wäre die Ausdehnung sehr langsam geworden.
    Im ersten Fall hätte beschleunigte Ausdehnung stattgefunden, im 2ten Fall gebremste Ausdehnung.

  34. #35 Peter Paul
    8. Mai 2018

    @Alderamin #32

    Wenn nicht klar ist, was die Rechtsachse bedeutet, kann man gar keine Kurven und auch keine Punkte einzeichnen. Dann kann man auch die Lage der Punkte nicht zu einer Kurve fitten.

  35. #36 neand
    Hab da Anregungen für deine Sammlung
    8. Mai 2018

    1) Sonnenuhren
    2) Gezeitenberechnung

    Zwei Themen die Himmel und Erde verbinden.

  36. #37 Alderamin
    8. Mai 2018

    1) kann man gut mit der Zeitmessung generell verbinden. 2) ist wohl sehr komplex, ich weiß nicht, ob ich dazu was Gescheites finde.

  37. #38 Alderamin
    9. Mai 2018

    Ich denke, die Achsenbeschriftung oben wurde nachträglich ermittelt und bezieht sich nur auf die Kurve, für welche die Supernovapunkte am besten angenähert werden. Ich bin ja jetzt auch kein Wissenschaftler und stand noch nie vor der Aufgabe, aus einer Rotverschiebung und Helligkeit eine Entfernung bestimmen zu müssen, aber wenn ich’s machen müsste, würde ich folgendermaßen vorgehen (ein Papier mit allen wichtigen Formeln ist dieses).

    Wir messen zunächst die scheinbare Helligkeit m und die Rotverschiebung z. Die absolute Helligkeit M für Supernovae vom Typ Ia ist bekannt. m-M ist der Entfernungsmodul (im Paper distance modulus DM, Formel 26) und daraus folgt die Leuchtkraftentfernung DL (Formel 25; mit einem Korrekturfaktor für z, Formel 27; z ist bekannt).

    Aus DL kann man auf die transversale mitbewegte Entfernung DM schließen (Paper: Kapitel 5), das ist eine Größe, die beschreibt, wie ausgedehnt ein bestimmter Sehwinkel tatsächlich im Raum ist. Dieser hängt mit der mitbewegten Entfernung DC (Kapitel 4) zusammen, in Abhängigkeit von der Krümmung ΩK gemäß Formel 16. Im einfachsten Fall wissen wir bereits aus der Hintergrundstrahlung, dass ΩK = 0 ist. Dann ist DM=DC. Und DM ist mit DL über Formel 21 verbunden. Wir schließen also von DL auf DC. Dies ist eine beobachtete mitbewegte Entfernung.

    Um die richtige Historie zu finden, messen wir nun viele Supernovae mit verschiedenem z und erhalten verschiedene DC. DC ist eine Funktion der Rotverschiebung z, der gegenwärtigen Hubble-Konstante H0 (Formel 15 und 4), der Dichte der dunklen Energie ΩΛ, der Materiedichte (dunkel + baryonisch) ΩM und der Krümmung des Universums ΩK (Formeln 14 und 15). Wenn ΩK = 0 ist und das Universum also flach, gilt gemäß Formel 7, dass ΩΛ = 1 – ΩM. Damit ist in DC der einzige freie Parameter ΩΛ (ansonsten hat man zwei Drehknöpfe, an denen man den Fit optimieren kann). Wir wählen nun ein ΩΛ (ggf. auch ΩK), so dass die resultierende Kurve z(DC) (DC aus 14, 15 nach z umformen bzw. numerisch lösen) für die beobachteten Paare (DC,beob, zbeob) einen bestmöglichen Fit ergibt (Fehler der kleinsten Quadrate minimieren). Dann haben wir ein ΩΛ (und ΩK), somit ein ΩM und damit haben wir DC als Funktion für beliebge z (und damit auch Skalenfaktoren a, Formel 12; a(to) ist 1).

    Mit Formel 3 (für die Hubble-Zeit) und 30 erhalten wir zu z für die oben bestimmten Größen die Lookback Time. Die können wir nun als X-Achse verwenden, darüber für verschiedene ΩΛ die Historie von a und z (über 30 bzw. 12) auftragen (die Kurven in Bild 4) und unsere Supernovae-Punkte. Genau für die Kurve, für die wir den besten Fit ΩΛ gefunden haben, tragen wir oben auf der Achse den Entfernungsmodul ein (nichts anderes meint “relative Brightness of Supernovae”, ist nur die linearisierte Form der logarithmischen Größenklassendifferenz). Und so bekommst Du Diagramm 4. Das lediglich zur Veranschaulichung dient. Denn eigentlich sind wir fertig, wenn wir ΩΛ (und ΩK) kennen.

  38. #39 UMa
    9. Mai 2018

    Hallo Alderamin.
    Ich habe zumindest für nicht bolometrische Helligkeiten mit Simbad doch noch Erfolg gehabt. Meine Ergebnisse sind hier:
    http://www.astronews.com/forum/showthread.php?9634-Suche-Liste-der-scheinbar-hellsten-Sterne-bolometrische-Helligkeit-andere-als-V&p=126144#post126144

  39. #40 Alderamin
    9. Mai 2018

    Interessantes Ergebnis. Wusste nicht, dass die Roten Überriesen in den Infrarotbändern so bombastische Helligkeiten haben. Beteigeuze ist also der bolometrisch hellste Stern am Himmel und selbst Aldebaran übertrifft Sirius locker.

  40. #41 UMa
    9. Mai 2018

    Das Beteigeuze vor P Dor/ R Dor der bolometrisch hellste sein soll, steht so auch in der Wikipedia, ist aber vermutlich falsch, da er nach meinen Berechnungen im mittel etwas dunkler als Sirius ist.
    Kandidaten für den (scheinbar) bolometrisch hellsten Stern Sind neben Beteigeuze und Sirius noch Hadar, zeta Puppis, und WR147.

    Ganz grob und ungenau für die scheinbar bolometrisch hellsten Sterne
    WR147 -1.9
    Zeta Puppis -1.4 bis -2.1
    Beteigeuze -1.2 bis -1.5
    Alnilum -1.2
    Sirius A -1.6 bis -1.7
    Hadar -1.7
    Spica -1.3
    Achernar -1.3

  41. #42 UMa
    9. Mai 2018

    Ok, WR147 wäre hell ohne Extinktion. Hatte Helligkeit aus absoluter bolometrischer Helligkeit und Entfernung ausgerechnet.

  42. #43 Alderamin
    9. Mai 2018

    Ach so, man kann nicht einfach die größte Helligkeit über alle Bänder als Maß für die bolometrische Helligkeit verwenden, denn die Helligkeiten sind ja auf Wega bezogen, und dass Beteigeuze im K-Band 4 Größenklassen heller ist als Wega, heißt noch nicht, dass diese Helligkeit einer größeren Leuchtkraft über alle Bänder entspricht. Hast Du keine Lust, Deine Ergebnisse und Berechnungen in einem Gastartikel zu verfassen?

  43. #44 Peter Paul
    9. Mai 2018

    @Alderamin #36
    Erstmal danke für deine ausführliche Beschreibung und den Link. Das muss ich mir jetzt alles mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.
    Schönes Wochenende!

  44. #45 UMa
    9. Mai 2018

    @Alderamin: Ein Gastartikel, gut. Ich habe einen Entwurf von ca. 1000 Wörtern, muss aber nochmal drüber.

  45. #46 Alderamin
    10. Mai 2018

    Cool :-)

  46. #47 Peter Paul
    10. Mai 2018

    @Alderamin #36
    Ich finde es bisher am einleuchtendsten, dass deine Darstellung die Sache richtig trifft. Es könnte wirklich so sein, aber das wäre für Perlmutter schon ein wenig “schlimm”, finde ich, denn: Es gibt, nach deinem Gedankengang, keinen modellunabhängigen Zusammenhang zwischen Rückblickzeit und “relative brightness”.

    Ich versuche es nochmals mit eigenen Worten darzusellen, sozusagen als Selbstkontrolle:
    Ich gehe nochmals von dem ursprünglich zitierten Papier von Perlmutter aus (hier : https://physicsforme.com/2011/10/04/supernovae-dark-energy-and-the-accelerating-universe/ ).

    1.In Figure 3 sind die wirklich gemessenen Werte eingetragen. Daraus folgt das Modell, und damit die Omega -Werte.

    2. Mit Hilfe dieser Werte kann man die Rückblickzeiten berechnen.

    3. Jetzt zerrt man die Rückblickzeiten so auseinander, dass sich eine lineare Zeitskala ergibt. Daraus folgt, dass die Helligkeitsskala in Figur 4 so seltsam verformt ist. Sie passt nur zu den gemessenen SN-Ereignissen und nicht zu allen “denkbaren”.

  47. #48 UMa
    10. Mai 2018

    @Alderamin:
    Entwurf für den Gastartikel ist raus. Brauche noch Hilfe bei der Formatierung, vor allem der Tabellen.

  48. #49 Peter Paul
    11. Mai 2018

    Danke für deine Mühe!

  49. #50 UMa
    4. Juni 2018

    Vorgestern ist offenbar ein Objekt mit H=30.6 (ca 2 m Durchmesser) über Südafrika in die Atmosphäre eingetreten, welche kurz zuvor entdeckt wurde.
    https://www.minorplanetcenter.net/mpec/K18/K18L04.html

  50. #51 UMa
    4. Juni 2018

    Nachtrag: Es gibt schon einen Wkipedia-Artikel
    https://en.wikipedia.org/wiki/2018_LA
    Es ist der 3. Kleinkörper der vor dem Impakt entdeckt wurde, vorher aren schon
    https://en.wikipedia.org/wiki/2008_TC3
    https://en.wikipedia.org/wiki/2014_AA

  51. #52 Alderamin
    4. Juni 2018

    @UMa

    Ich schreibe mal ein paar Zeilen. Gibt auch Videos davon.

    [Edit] Erledigt. [/Edit]

    Übrigens: habe die Zahl der erlaubten Links gerade mal auf 4 erhöht, vielleicht funktionieren dann ja 3….

  52. #53 roel
    3. Juli 2018

    @Alderamin Entstehung von PDS 70 b

    [Edit Alderamin]Erledigt[/Edit]

  53. #54 UMa
    3. Juli 2018

    Ein Artikel über die nächste Mondfinsternis Ende Juli mit Beobachtungstipps, idealer Weise ein paar Tage vor dieser veröffentlicht.

    [Edit Alderamin]Erledigt.[/Edit]

  54. #55 UMa
    6. Juli 2018

    In Florians Sternengeschichte 293 Kommentar #4 fragte schorsch nach der Entfernungsbestimmung der Himmelskörper in der Antike.
    Mich würde dabei besonders die des Mondes interessieren. Vor allem wer, wann, wo und wie.
    Zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia habe ich dazu nichts genaues gefunden. Ein bisschen steht bei Aristarch, aber gab es das nicht schon vorher?

  55. #56 leo
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Intergalaktische_Materie
    6. Juli 2018

    Wenn man zum Himmel blickt sieht man Sterne, Sterne, Sterne, …
    Aber das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit.
    Der Weltraum ist voll von Gas, Staub und Magnetfelder.
    Dabei ist die Dunkle Materie und die Dunkle Energie
    noch gar nicht beruecksichtigt.

    Willst du einmal das was sich in den Unendlichen Weiten
    zwischen den Sternen abspielt in dem Mittelpunkt ruecken ?

  56. #57 UMa
    7. Juli 2018

    Hallo Alderamin,
    Ich habe schon wieder eine Frage.

    Können uns durch die Raumfahrt seltene Elemente ausgehen?

    Wenn wir auf der Erde Materialien nutzen gehen die Atome der Elemente nicht verloren, sondern können beliebige oft wieder genutzt werden.

    Wenn wir dagegen Raumfahrt außerhalb des LEO betreiben, gehen die dabei eingesetzten Materialien für immer verloren. Dies gilt sowohl für die Raumfahrzeuge selbst, als auch für den Treibstoff.

    Im Moment ist die im Weltraum verlorene Masse noch gering, aber in den nächsten Jahrzehnten bis Jahrhunderten könnte sie wegen einer erheblichen Ausweitung der Raumfahrt durch billigere Raketenstarts und Großprojekte wie eine Marsbesiedlung um ein Vielfaches ansteigen.

    Welche Elemente könnten uns dabei möglicherweise zuerst ausgehen?
    Sagen wir, dass der Verlust in den Weltraum eine Rate erreicht, bei dem in einem Jahr ein Millionstel der irdisch verfügbaren Menge verloren geht.

    Ein Kandidat dafür wäre m.E. Xenon. Dieses Element wird auf der Erde für verschiedene Zwecke verwendet, sodass es blöd wäre, wenn es nicht mehr zur Verfügung stände.
    Auf der Erde entweicht es nach der Nutzung höchsten wieder in die Atmosphäre, aus der es ursprünglich gewonnen wurde. Dabei ist Xenon nicht ganz billig, da es selten ist. Nur etwa zwei Milliarden Tonnen befinden sich in der Atmosphäre.
    Wenn der Verlust durch die Raumfahrt auf dauerhaft über 2000 Tonnen pro Jahr anstiege, wären in weniger als einer Million Jahren die Xenonvorräte aufgebraucht.
    Dabei wird Xenon als Treibstoff für Ionentriebwerke verwendet. Eine Ausweitung dieses Einsatzes für die Lageregelung von geostationären Satelliten, für größere Missionen zum Mars oder ins äußere Sonnensystem könnte den jährlichen Verlust auf viele Tausende Tonnen ansteigen lassen. Man denke nur an eine ernsthafte Marsbesiedlung in den nächsten Jahrhunderten. Dann könnten die Xenonvorräte schon in Jahrhunderten bis Jahrtausenden aufgebraucht sein, falls auf Ionentriebwerke mit Xenon gesetzt wird.
    Welche anderen Elemente könnten uns durch die Raumfahrt noch verloren gehen?

  57. #58 UMa
    7. Juli 2018

    Hallo Alderamin,
    vielleicht ist die letzte Frage etwas umfangreiche. Da Raumfahrzeuge zumindest theoretisch eingesammelt werden können, könnte man sich zunächst auf die Treibstoffe konzentrieren, die außerhalb des LEO eingesetzt werden. Neben Xenon noch Hydrazin und andere. Könnte neben Xenon auch der Stickstoff und Kohlenstoffverlust zu groß werden?
    Wie hoch ist den der Verlust an Elementen durch Treibstoffe heute?

  58. #59 Alderamin
    8. Juli 2018

    MoFi und den Planeten habe ich mal auf die Liste gesetzt, vorher soll noch was anderes kommen, an dem ich mir gerade die Zähne ausbeiße.

    Mit den seltenen Erden, da habe ich nun gar keine Ahnung von. Wen Xenon alle ist, muss man halt ein anderes Element verwenden, Ionentriebwerke können ja auch andere Stützmassen verwenden. In einer Arbeit, über die ich auch mal was schreiben wollte, wird ein elektrisches Triebwerk vorgestellt, das auch mit Luft funktioniert, z.B. in der Hochatmosphäre. Darüber könnte ich was schreiben.

  59. #60 rolak
    8. Juli 2018

    seltenen Erden .. Xenon

    Könnte das bitte auseinanderdividiert werden, Alderamin? Xenon ist ja mehr ein edles Gas denn eine nichtseltene Erde (die sind bloß anfänglich in seltenen Mineralien als Oxid aka Erde gefunden worden).

  60. #61 UMa
    8. Juli 2018

    Alderamin, zu dem Elementeverlust habe ich inzwischen weitere Überlegungen angestellt.
    Vielleicht schaffe ich es dazu selbst einen Artikel zu schreiben. Wenn er gut wird, vielleicht sogar für Florians Schreibwettbewerb.
    Vielleicht könntest Du warten, ob das was wird.

  61. #62 Alderamin
    8. Juli 2018

    Neuer Satz, neuer Sinn. 😉 UMa sprach von beidem.

  62. #63 Alderamin
    8. Juli 2018

    Wie gesagt, ist nicht so mein Thema, mach’ ruhig mal.

  63. #64 Captain E.
    9. Juli 2018

    @UMa:

    Helium ist noch so ein Thema. Im Gegensatz zum Xenon ist Helium, das in der Atmosphäre freigesetzt wird, für immer verloren. Soweit ich weiß, gibt es zurzeit keinen Ersatz für Helium, was die extreme Tiefkühlung von Sensoren auf Sinden angeht. Die Verwendung als Traggas für Gas- und Wetterballons oder Luftschiffe erscheint da geradezu als leichtfertige Verschwendung.

    Helium wird übrigens ständig nachgebildet durch den Alphazerfall schwerer Isotope wie Uran oder Thorium, aber das muss auch erst einmal aufgefangen werden. In der Natur schaffen das Erdgaslagerstätten.

  64. #65 UMa
    11. Juli 2018

    Hallo Alderamin,
    … Superflares auf Proxima Centauri.

    Im März 2016 wurde der bisher hellste Superflare von Proxima Centauri entdeckt. Siehe [1].
    Nicht nur dieser Flare ist gewaltig mit 10 hoch 33.5 erg, wenn man Figure 3 nach höheren Energien extrapoliert, könnte es sein, das Flares, die Proxima Centauri für Minuten heller als Alpha Centauri A machen, aller paar Jahrhunderte auftreten könnten.

    Das hat natürlich Konsequenzen für eine mögliche Habitabilität von Planeten von Proxima Centauri.

    Kapitel 4 halte ich für eher spekulativ, da wir die Zusammensetzung der Atmosphäre von Proxima Centauri b nicht kennen. Ich vermute zum Beispiel, das wegen des hohen Flusses im Energiebereich der Sauerstoff spalten kann, dass die Exosphärentemperatur so hoch sein könnte, das Sauerstoff in dem Weltraum entkäme, sollte er in größeren Mengen in der Atmosphäre von Proxima Centauri b enthalten sein.

    Auch schon ohne Flare dürfte der Röntgen und EUV Fluss bei Proxima Centauri b gewaltig sein.

    [1] Howard et al.: The First Naked-Eye Superflare Detected from Proxima Centauri
    https://arxiv.org/abs/1804.02001

  65. #66 Alderamin
    11. Juli 2018

    Hatte ich neulich nicht schon geschrieben, dass Proximas Superflares den Stern gelegentlich sogar für’s bloße Auge sichtbar machen könnten? Doch, habe ich. Danke für den Link.

  66. #67 UMa
    11. Juli 2018

    Ok, hatte ich übersehen. Trotzdem scheint Proxima Centauri in den letzten Jahren immer intensiver beobachtet zu werden.
    Noch ein Flare im Millimeterbereich
    https://arxiv.org/abs/1802.08257

    Und eine erste Massebestimmung von Proxima Centauri durch Microlensing
    https://arxiv.org/abs/1807.01318
    Eine der ersten dieser Art, nach
    https://arxiv.org/abs/1706.02037
    Sollte GAIA so was nicht bald für viele Sterne können?

  67. #68 roel
    16. Juli 2018

    @Alderamin Ausgehend von

    “Manche Nachtfalter, die bei Ortungslauten von Fledermäusen Ausweichmanöver fliegen, unterlassen dies in der Nähe von Laternen.”

    und der Erklärung

    “The underlying cause of this inhibition is unclear. The small china-mark moth Cataclysta lemnata alters its defence strategy between day and night. Reacting unnecessarily to anthropogenic and orthopteran ultrasounds during the day could be energetically disadvantageous compared to moths which ‘switch-off’ their ultrasound responses. If artificial lighting causes moths to behave as if they are flying during daylight, this could explain our results.”

    Beides aus http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2018/07/14/toedliches-licht-2/

    habe ich mal etwas weiter geschaut.

    Irgendwie habe ich bisher nicht die passende Studie dazu gefunden, ich suche natürlich weiter.

    Was ich bisher gefunden habe ist:
    Extremely high frequency sensitivity in a ‘simple’ ear
    http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/9/4/20130241
    und
    Hearing (Insects)
    http://what-when-how.com/insects/hearing-insects/

    Vielleicht ist das Thema einen kompletten Artikel wert? Ich würde mich jedenfalls darüber freuen.

  68. #69 Alderamin
    16. Juli 2018

    Hm, das ist nicht mein Territorium, ich denke, das wäre eher was für eine/n Biologen/in, bevor ich zu großen Unsinn erzähle…

  69. #70 roel
    16. Juli 2018

    @Alderamin

    “das wäre eher was für eine/n Biologen/in, bevor ich zu großen Unsinn erzähle…”

    Die sind hier rar gesät. Evolvimus und Alles Was Lebt sind verödet, bei Meertext gehts um die schwimmende Tierwelt, GENau ist Molekularbiologie, BioInfoWelten ist Bioinformatik und im Elternurlaub und … das war es dann schon.

  70. #71 stone1
    23. Juli 2018

    Es wundert mich ein wenig, dass die Entdeckung komplexer organischer Moleküle auf Enceladus bei der Auswertung von Cassini-Daten, eigentlich eine Meldung mit gewissem Wow-Faktor, noch gar keine größere Beachtung gefunden hat. Oder hab ich während des Urlaubs was verpasst?
    Hier die Meldung auf space.com.

  71. #72 Alderamin
    25. Juli 2018

    @stone1

    Erledigt. Glücklicherweise fand sich noch ein Originalartikel vom Autor auf einer Konferenz, weil das jetzt veröffentlichte Paper hinter einer Paywall und nicht auf arXiv liegt. Einfach Pressemeldungen abschreiben mag ich eigentlich nicht. Da kann man ja gleich die Pressemitteilung lesen.

  72. #73 UMa
    27. Juli 2018

    Im Mai 2018 hat der B-Hauptreihenstern S2 auf seiner etwa 16 Jahre dauernden Umlaufbahn um Sgr A* das Periastron (*) in nur 120 AE Entfernung durchlaufen.

    Einen Bericht darüber gibt es bereits auf Astronews
    https://www.astronews.com/news/artikel/2018/07/1807-036.shtml
    Das Paper ist hier
    https://www.aanda.org/articles/aa/abs/2018/07/aa33718-18/aa33718-18.html

    Der Artikel (und auch das Paper) heben hauptsächlich auf des erstmalige Bestimmung der Abweichung der Bahn zwischen Allgemeiner Relativitätstheorie und Newtonscher Theorie bei einer so großen Masse ab.

    Mich würde zusätzlich die Instrumente GRAVITY, SINFONI und NACO des VLT interessieren.

    Außerdem wie Masse und Entfernung aus der Bahn eines Doppelsterns (*) bestimmt werden, wenn sowohl Position als auch Radialgeschwindigkeitsdaten bekannt sind.

    Aus meiner Sicht ist die genauer Bestimmung der Masse von Sgr A* zu 4,100+-0,034 Millionen Sonnenmassen und vor allem die Bestimmung der Entfernung zu 8122+-31 pc, womit die Entfernung der Sonne zum Galaktischen Zentrum jetzt genau bekannt ist(**), mindestens ebenso berichtenswert wie der der relativistischen Abweichungen die ja an anderen Stellen schon genauer bestimmt wurden.

    (*) oder wie ist der richtige Begriff hier?
    (**) Vor ein paar Jahren hatte ich verschiedene Bestimmungen zu 8200-+-200 pc gemittelt. Damals gab es auch noch Werte deutlich außerhalb des Intervalls 8000-8500 pc.

  73. #74 UMa
    27. Juli 2018

    Es gibt jetzt die Planck 2018 Resultate.
    https://www.cosmos.esa.int/web/planck/publications

    Nachtrag zum Vorherigen: Ich hatte ja gehofft das GAIA die Abmessungen der Milchstraße und Position und Bewegung der Sonne in dieser genauer bestimmt. Aber der Fehler der Entfernungsbestimmung von Sgr A* entspricht einem Fehler Parallaxe von nur 470 Nanobogensekunden(!). Da kann GAIA, auch wegen der systematischen Fehler, die bisher hundertmal größer sind, wohl nicht mithalten.

  74. #75 Alderamin
    27. Juli 2018

    @UMa

    Da kommt keiner mehr hinterher… mal schauen. Zuerst was über entstehende und vergehende Planeten, dann sind mal wieder ein paar Sternbilder fällig, und dann…

    Derweil: Daniel Fischer hat auch was zur Bestätigung der Relativitätstheorie geschrieben. Spannender wäre gewesen, wenn was anderes rausgekommen wäre… Aber die Entfernungssache ist interessant, schaue ich mir mal an, danke.

  75. #76 Pilalidis Georgios
    Wuppertal
    13. August 2018

    [Edit Alderamin]offtopic gelöscht[/Edit]