Die Beweislast wird mit jeder Stunde erdrückender – anscheinend hat der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im großen Stil abgeschrieben. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr.


In meine Schulzeit fiel nicht nur die Erfindung des CD-Brenners, der die wenigen Besitzer eines solchen Gerätes zu den Kings des Pausenhofs machte, sondern auch die Erfolgsgeschichte von Wikipedia. Ein Segen für die Pennäler, ein Schrecken für die Pauker! Ganze Aufsätze und Referate wurden zum Kinderspiel, nur das Unkenntlichmachen der blauen Hyperlinks erforderte Aufwand. Die anfangs plumpe Sprache und Detailarmut von Wikipedia war dabei sogar hilfreich – Plagiate waren nicht sofort ersichtlich. Schnell sprach sich herum, welche Lehrkräfte einen Computer bedienen konnten und über Google Stichproben durchführten (so manchem Schülerkollegen flog das Referat daraufhin mit einer saftigen Sechs um die Ohren), doch die meisten kannten “dieses Internetdings” nur vom Hörensagen.

Zum Abitur hin wurde diese Praxis immer gefährlicher, Plagiatur-Stichproben schon fast Routine. Heutzutage ist wörtliches Abschreiben aus der erstbesten Internetquelle vermutlich nahezu unmöglich. Zu gut sind die Suchmaschinen, zu sehr sind die Professoren, Lehrer, Chefs auf der Hut. Natürlich nicht immer, zudem spielen Zeitmangel und Überarbeitung der Überprüfer dem Plagiator in die Hände. Es bleibt ein Pokerspiel. Und wie es heute am Montagmorgen aussieht, wurde Karl-Theodor zu Guttenberg beim Bluffen erwischt.

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Ohne Worte

Die Plagiatur einer Doktorarbeit – der höchsten akademischen Würde, für den viele Wissenschaftler Jahre ihres Lebens aufopfern – ist natürlich nicht mit einem abgekupferten Referat zu vergleichen. Aber die veränderte Situation zeigt vor allem, dass es (ganz abgesehen von der moralischen Fragwürdigkeit) immer gefährlicher wird, unerwischt davon zu kommen.

Ich möchte ehrlich sein; ich habe zu Guttenberg immer sehr geschätzt, obwohl ich kein besonderer Anhänger seiner Partei bin. Ein Lichtblick der politischen Spitze – elegant, zurückhaltend, Kompetenz ausstrahlend. Als Nicht-Politikwissenschaftler und Nicht-Politikjournalist bin ich äußerst vorsichtig darin, mir eine Meinung zu bilden meine Meinung über solch komplexe Themen wie Afghanistan oder Bundeswehr-Reformen kund zu tun. Aber sagen wir mal so: Eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist mit seiner Arbeit und politischen Leistung sehr zufrieden. Als besonderes Stück sehenswerter Politikdiskussion kann ich die semi-öffentliche Gesprächsrunde von Helmut Schmidt und Karl-Theodor zu Guttenberg der Atlantikbrücke vom März 2010 empfehlen, die Thematik ist immer noch aktuell.

Der vorherige Absatz gilt auch als Disclaimer, denn leider werden Kritiken an dem Minister vielfach als “Schmierenkampagnen” und “politischer Opportunismus” abgekanzelt. Doch die Plagiatsvorwürfe sind nicht von der Hand zu weisen und sie sind ernster – viel ernster – als viele (inklusive anfangs mir) wahrhaben wollen. Ein paar vergessene Fußnoten hier und da hätte man noch mit einem leichten Schulterzucken und “Ach, was soll’s” wegstecken können. Doch was sich die letzten Tage offenbart hat, ist alles andere als trivial.

Das Internet brummt. Es ist immer erstaunlicher, mit welch brachialer Macht sich die Massen der “digitalen Boheme” mobilisieren lassen, wenn es um ein höheres, gemeinschaftliches Ziel geht. Über das Wochenende wurde jedes Wort der Dissertation mehrfach umgedreht – mit (sofern man der Analyse trauen kann) erschreckenden Resultaten: Auf gut 70% der Seiten sind Spuren von Abschreiberei zu finden.
Siebzig Prozent!

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Seiten, auf denen Plagiate gefunden wurden (schwarz). Das Inhaltsverzeichnis (Seiten 1-14) und Anhänge ab Seite 408 (blau) wurden bei der Berechnung der Prozentzahl nicht einbezogen. Seiten mit Plagiaten mehrerer Quellen sind rot dargestellt. Gelb: Vermutlich aus Inhalten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages übernommen (bislang nicht belegbar, da Original nicht öffentlich). Quelle Grafik und BU: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

Die abschließende Untersuchung liegt vor allem in der Verantwortung der Universität Bayreuth, aber schon die Ergebnisse der Online-Kontrolleure sind erschreckend genug. Wer es selbst einmal ausprobieren möchte, kann gerne ein paar Stichproben machen. Die Seite musste erst vorgestern auf eine Wiki-Plattform umziehen, da der Andrang anders nicht zu bewältigen war. Der Inhalt wächst immer noch von Stunde zu Stunde.

An dieser Stelle sollte vielleicht erwähnt werden, dass Plagiate bei einer Doktorarbeit keinesfalls “halb so schlimm” sind, wie man vielleicht gemeinhin annehmen mag. Nach der ultimativen Summa Cum Fraude – eine Arbeit fälschen oder Ergebnisse frei erfinden – eines der schlimmsten akademischen Vergehen. Ganzen Karrieren wurden über Nacht durch Bekanntwerden von Plagiatur ruiniert. Geklaut ist geklaut. Mehr dazu drüben bei Zoon Politikon, dem Wissenschaftsfeuilleton, der Thüringer Blogzentrale oder auch bei D-Radio Kultur.

Nun steckt zu Guttenberg in der Bredouille. Letzte Woche hat er mehrfach angekündigt, keinesfalls abgeschrieben zu haben und jede Kritik abgewiegelt – das könnte sich als Fehler erweisen. Denn nach Bekanntwerden des immer größeren Ausmaßes bleiben eigentlich nur drei Möglichkeiten:

1) zu Guttenberg erzählt nicht die Wahrheit.
2) die Arbeit ist zu großen Teilen von einem Ghostwriter, und zu Guttenberg weiß selbst nicht so genau, was drin steht. Mehr dazu im Spiegel. Dann läge sogar Amtsmissbrauch vor.
3) Die bisherige Arbeit des “Guttenplag” stellt sich als Fälschung heraus. Das sollten die Universität und die Medien klären können.

Es wird also immer enger um den Verteidigungsminister. Die Aberkennung des Doktortitels ist freilich schon fast trivial, verglichen mit dem politischen Fallout. Als einzige moralische Konsequenz bleibt da eigentlich nur der Rücktritt, zumindest als Angebot an die Kanzlerin. Selbst wenn das dem Ansehen der Politik in Deutschland großen Schaden bringen wird.

In Berlin brodelte auch am Sonntagabend die Gerüchteküche. Laut Süddeutscher Zeitung hat Seehofer indirekt die Rücktrittsgedanken seines Kollegen bestätigt.

Wobei so ein Shitstorm keineswegs das Ende der politischen Karriere bedeuten muss – man erinnere sich nur an die Schwarzgeld-Affäre der CDU der späten Neunziger. Als Schäuble 2005 wieder ein Amt antrat, konnte sich kaum einer daran erinnern. Zumindest war es den meisten egal.

Ich bin keinesfalls einer von den Stammtischpolemikern, die Politiker grundsätzlich für eine korrupte Bande halten, ohne die es allen besser ginge. Politik ist wichtig, politische Talente sind rar gesät – aber eine mutmaßlich zusammengeklaute Dissertation kann und darf nicht ungesühnt bleiben.

Von den Schülern, die mit Raubkopien auf unserem Pausenhof handelten, wurde später auch einer hochgenommen – das ganze Programm, mit Hausdurchsuchung und Staatsanwalt. Danach waren die Leute mit CD-Brenner plötzlich keine Kings auf dem Pausenhof mehr.

Edit: Dieser Artikel wurde überarbeitet.

Kommentare (36)

  1. #1 Jens
    21. Februar 2011

    Der Vergleich mit Hausaufgaben oder Referaten in der Schule ist völlig verfehlt. Eine wissenschaftliche Doktorarbeit, die nach eigenen Angaben über 7 Jahre “in mühevoller Kleinstarbeit” entstanden ist, hat eine ganz andere Bedeutung, auch für die persönliche Karriere. Durch die hohe Popularität von Dr Guttenberg sehen sich jetzt leider viele genötigt, ihn durch ein Herunterspielen dieses Betruges (damit meine ich nicht dich) in Schutz zu nehmen und zu sagen oder zu denken “das macht doch jeder”. Dadurch ist dem Ansehen einer Promotion oder wissenschaftlicher Arbeit allgemein imho schon jetzt großer Schaden entstanden

  2. #2 Marc
    21. Februar 2011

    ähnlich wie jens halte ich den vergleich auch für etwas zu stark. eine promotion hat einen anderen charakter und sollte zudem auch nicht unter dem zwang entstehen, unter dem referate entstehen.

    die cd-brenner sind dabei übrigens noch eine ganz andere problematik.

  3. #3 Stefan
    21. Februar 2011

    Ich finde die ganze Aufregung übertrieben. Dissertationen in Sozial-, Geistes-, Wirtschafts-, Rechtswissenschaften etc. sind ohnehin größtenteils Abschreibübungen, ohne das neue Erkenntnisse erbracht werden. Es geht darum, jede Menge Bücher durchzusuchen, um möglichst viele Zitate zu finden. Natürlich ist es wichtig, dass man dann disese Zitate ordentlich referenziert, aber global gesehen ist es egal, weil ohnehin keine Grundlagenforschung betrieben wird.

    An und für sich muss man die Sinnhaftigkeit von Dissertationen in vielen Studienrichtungen überdenken. Das Schweigen vieler anderer Akademiker, in Politik oder außerhalb, ist übrigens bezeichnend.

    Und während uns die gesamte arabische Welt um die Ohren fliegt, echauffieren sich manche, weil der deutsche Verteidigungsminister seine Doktorwürde nicht verdient hätte.

  4. #4 klonk
    21. Februar 2011

    “Als Nicht-Politikwissenschaftler und Nicht-Politikjournalist bin ich äußerst vorsichtig darin, mir eine Meinung über solch komplexe Themen wie Afghanistan oder Bundeswehr-Reformen zu bilden.”

    Vermutlich meinen sie das anders als es bei mir ankommt, aber dieser Satz verleitet mich dazu hier mal meinen alten Sozialkundelehrer zu zitieren: “Sapere aude, verdammte Hacke noch mal!”
    Ja, die Themen sind komplex, aber jemandem mit funktionierendem Hirn stehen genug Quellen zur Verfügung um sich dazu eine Meinung zu bilden, die muss ja nicht mal in Stein gemeißelt sein. Wenn aber das ganze Geschwätz von Demokratie und verantwortungsbewussten Bürgern irgendwas bedeuten soll, dann hat man sogar die Pflicht sich damit auseinanderzusetzen, unser Staat und Gesellschaft kann eben nicht wie zB. Medizin oder die Herstellung neuer Klebstoffe einfach nur irgendwelchen Fachleuten überlassen werden, auch wenn es so schön bequem ist.
    “Die wissen schon was sie tun” mag durchaus richtig sein, aber was sie tun ist nicht unbedingt was sie einem erzählen und grade im Fall Guttenberg wird ja immer deutlicher das Sein und Schein nur sehr bedingt kompatibel sind.

  5. #5 klonk
    21. Februar 2011

    “Als Nicht-Politikwissenschaftler und Nicht-Politikjournalist bin ich äußerst vorsichtig darin, mir eine Meinung über solch komplexe Themen wie Afghanistan oder Bundeswehr-Reformen zu bilden.”

    Vermutlich meinen sie das anders als es bei mir ankommt, aber dieser Satz verleitet mich dazu hier mal meinen alten Sozialkundelehrer zu zitieren: “Sapere aude, verdammte Hacke noch mal!”
    Ja, die Themen sind komplex, aber jemandem mit funktionierendem Hirn stehen genug Quellen zur Verfügung um sich dazu eine Meinung zu bilden, die muss ja nicht mal in Stein gemeißelt sein. Wenn aber das ganze Geschwätz von Demokratie und verantwortungsbewussten Bürgern irgendwas bedeuten soll, dann hat man sogar die Pflicht sich damit auseinanderzusetzen, unser Staat und Gesellschaft kann eben nicht wie zB. Medizin oder die Herstellung neuer Klebstoffe einfach nur irgendwelchen Fachleuten überlassen werden, auch wenn es so schön bequem ist.
    “Die wissen schon was sie tun” mag durchaus richtig sein, aber was sie tun ist nicht unbedingt was sie einem erzählen und grade im Fall Guttenberg wird ja immer deutlicher das Sein und Schein nur sehr bedingt kompatibel sind.

  6. #6 Christian
    21. Februar 2011

    Und während uns die gesamte arabische Welt um die Ohren fliegt, echauffieren sich…………….
    uns schon mal gar nicht! Uns fliegen ein paar Märkte um die Ohren. Sichere geglaubte Ex – und Importstaaten. Aber da orientieren wir uns momentan eher Fernöstlich.
    Und, Diktaturen sind in aller Regel verlässliche Partner was Wirtschaftsbeziehungen angehen.
    Aber hier gehts um ganz andere Sachen. Und natürlich muss er als Verteidigungsminister zurücktreten.

  7. #7 Stefan
    21. Februar 2011

    Warum muss er “natürlich” zurücktreten? Wenn man bei Guttenberg hohe Massstäbe ansetzt, muss man das bei anderen auch. Aberkennung von akademischen Graden und Rücktritt von politischen Ämtern inklusive. Die Affäre wird wahrscheinlich bald wieder einschlafen, auch weil sich manche politische Gegner nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Glauben Sie wirklich, dass die Dissertationen anderer besser sind?

    Die Ereignisse in Nordafrika werden natürlich Auswirkungen auf uns haben. Die Verunsicherung in der Region macht sich bereits durch zunehmende Flüchtlingsströme bemerkbar.

  8. #8 Dr. Webbaer
    21. Februar 2011

    Muss zu Guttenberg zurücktreten?

    Das sollte man eigentlich erwarten! – Aber da schon die ersten politischen Analysen auftauchen, die keinen langfristigen Schaden für Dr. plag. von und zu Guttenberg erwarten, muss dem wohl im Deutschland des Jahres 2011 nicht so sein.

    Zu Guttenberg fällt auf, dass er selbst bei kleinsten politischen Unruhen Personal entlässt [1], Gorch Fock, Bundeswehr etc., aber selbst für sich die Fehlbarkeit wie selbstverständlich in Anspruch nimmt.

    Ein schlechter Politiker, ein vermutlich den deutschen Bedürfnissen des Jahres 2011 angepasster Politiker. – Einer für’s Frauenwahlrecht sozusagen.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Gab es da im deutschen Dienstwesen nicht einmal eine besondere Treuepflicht des Dienenden, der im Gegenzug eine besondere Fürsorgepflicht erwarten durfte?! Nein?

  9. #9 Basilius
    21. Februar 2011

    @Ole Sumfleth
    Gelungener Artikel. Meine volle Zustimmung.

    @Stefan
    Die Ereignisse in Nordafrika haben rein gar nichts mit dem Fall zu Guttenberg zu tun. Bitte keine Strohmänner aufbauen.
    Ihre vorigen Ausführungen, die auf eine “Das ist doch egal, weil das eh alle machen”-Mentalität schließen lässt, zeigen bereits deutlich, welcher Schaden für das Ansehen einer Promotion angerichtet worden ist. Wenn wir nicht das ganze System in die Tonne kippen sollen, dann sehe ich allerdings keine andere Möglichkeit, als hier auf die Einhaltung der durchaus vorhandenen strengen Maßstäbe und Regeln zu pochen. Und ja, das bedeutet selbstverständlich die Aberkennung des Dr.-Titels, sofern die Anzahl der Plagiate auch nur halb so hoch sein sollte, wie derzeit dokumentiert. Es darf eben nicht egal sein, wenn man sich einen Dr.-Titel mit unlauteren Mitteln erschlichen hat.
    Einen Rücktritt würde ich darüber hinaus auch für mehr als angesagt halten.

  10. #10 Thomas J
    21. Februar 2011

    @Dr W

    Wie ist das mit dem Frauenwahlrecht zu verstehen?

  11. #11 Florian Freistetter
    21. Februar 2011

    @Stefan: Mag ja sein, dass in den Geisteswissenschaften viele Texte recycelt werden. Aber selbst dann muss man darauf achten, die Quellen anzugeben. Ansonsten handelt es sich um geistigen Diebstahl. Und ich kann echt nicht verstehen, wieso das “nicht so schlimm” sein soll. Ist ein Minister, der die Menschen vorsätzlich angelogen hat, “nicht so schlimm” (und das hätte Guttenberg wenn sich sein Plagiat bestätigt)? Und was die Proteste in Afrika damit zu tun haben sollen erschliesst sich mir nicht. Sollen Plagiatsfälle nur dann bestraft werden dürfen wenn grad global nichts anderes ansteht?

  12. #12 Dr. Webbaer
    21. Februar 2011

    @TJ
    Nun, von und zu Guttenberg, der nun seinen Titel erst einmal “ruhenlassen will”, wie es so schön heißt, LOL, ist halt einer dieser eher substanzlosen Blender [1], die zugliech auch Frauentypen sind. Vergleichbar mit Obama, Engholm und Wulff.
    In anderen Ländern gibt es vergleichbare Frauen, die dann sozusagen vom Männerwahlrecht profitieren.
    In D gibt’s das nicht, in D sind Spitzen-Politikerinnen fast durchgehend hässlich.

    MFG
    Dr. Wb

    [1] u.a. sein dummes Geschwätz zur Internetzensur dürfen Sie gerne recherchieren

  13. #13 BK
    21. Februar 2011

    Guttenbergs Rücktritt ist schon seit einiger Zeit überfällig, aber die (wohl berechtigten) Plagiatsvorwürfe alleine sollten nun wirklich Anlass dazu geben.
    Und es ist eben keine Bagatelle. Ich verweise auf einen kürzlich erschienenen Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung, der es ganz gut auf den Punkt bringt: http://www.sueddeutsche.de/karriere/plagiate-an-hochschulen-fussnoten-sind-nicht-nur-akademischer-zierrat-1.1062243
    Alles “nicht so schlimm”? Als jemand, der sich gerade mit der eigenen Promotion beschäftigt, finde ich das ganz und gar nicht. Gut….es gibt für mein angestrebtes Thema so gut wie keine Literatur, von daher wird abschreiben schwierig. Lucky me!

  14. #14 Klaus
    21. Februar 2011

    Aus der Traum. Von der BILD schon um nächsten Kanzler hochgeschrieben. Jetzt fällt die Maske und der wahre Charakter und die hässliche Fratze des Dr. AD FvuzG wird sichtbar.
    Es hat sich ausgeguttet und das finde ich sehr gutt!

  15. #15 Jeeves
    21. Februar 2011

    In meine Schulzeit fiel… das Erscheinen der ersten deutschen “Micky Maus”, und was sagt uns DAS ?

  16. #16 Stefan
    21. Februar 2011

    @Florian Freistetter, Basilius

    Ole Sumfleth hat selbst die Politik andeutungsweise ins Spiel gebracht, das ist keine Sockenpuppe von mir. Die Vorgänge in der arabischen Welt fallen durchaus in das Aufgabengebiet des deutschen Verteidigungsministers. Nicht nur meiner Meinung nach sollte unsere nähere Nachbarschaft wichtiger sein als ein zweifelhafter Einsatz in Afghanistan. Und der Politiker Guttenberg sollte daran gemessen werden, wie er mit solchen Situationen umgeht. In Relation zu den aktuellen Vorgängen ist die Plagiatsaffäre ‘Peanuts’. Und wäre Guttenberg kein prominenter Politiker, würde sich niemand für seine Diss interessieren. Bei Politikern spielt immer eine politische Komponente mit, was manche nicht sehen wollen. Mehr wollte ich nicht sagen.

    Ich denke zwar auch, dass er die Doktorwürde nicht verdient hat. Vielleicht nicht unbedingt wegen Betrug, auf jeden Fall wegen schlampigen Arbeitens. Aber das gilt für viele andere ebenfalls. Vielleicht sollte es einmal eine akademische Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Dissertationen geben. Ich bin auch dafür, dass man strenge Standards einhalten muss, wenn man eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte, dafür ist eine Diss eigentlich da. Aber Guttenberg und viele andere haben das ohnehin nicht vorgehabt. Für solche Leute ist ein Dr zu einem Eitelkeitstitel verkommen.

    Ich meine, gleiches Recht für alle. Und wenn es in Zukunft weniger Doktoren geben wird, auch recht.

  17. #17 Stefan
    21. Februar 2011

    Diese Geschichte ist leider bezeichnend für die Wissenschaftskultur in unseren Landen, und wirft besonders auf die Uni Bayreuth ein schlechtes Licht.

  18. #18 Basilius
    21. Februar 2011

    @Stefan
    Doch, der Verweis auf Nordafrika ist und bleibt ein Strohmann (Sockenpuppen sind eigentlich eher was anderes). Den Abschnitt aus Ole Sumfleths Artikel, in dem er aber eher von Afghanistan redet, gelesen? Er hat seinen kurzen politischen Ausflug ausdrücklich als Disclaimer bezeichnet. Eben um klarzustellen, daß das eine Thema mit dem Anderen eben nichts zu tun hat. Und zu den weiteren Verteidigungen, wegen guter Leistungen in sonstigen Gebieten: Dann hätte zum Beispiel Frau Käßmann auch nicht zurücktreten brauchen, oder? Sie selber schreiben:

    Ich meine, gleiches Recht für alle.

    Das Anliegen kann ich nur unterstützen. Und ein nachgewiesenes Plagiat wäre ein eindeutiger Fall von Betrug und nicht nur “schlampiges Arbeiten”. Das kann man nicht schönreden. Das ist wie wenn Sie eine Klassenarbeit schreiben und mit einem Spickzettel erwischt werden: Durchgefallen! So sind die Regeln und die gelten für alle gleich, auch wenn Sie oberster Schülersprecher oder bester Libero der Schulmannschaft wären.
    Abgesehen davon teile ich aber Ihre Meinung, was die Eitelkeitstitel anbelangt. Die könnten wirklich eine Reduzierung vertragen.

  19. #19 Christian
    21. Februar 2011

    Wie, fallen in das Ressort des Deutschen Verteidigungsministers? Habe ich etwas verpasst? Hat Ägypten oder Tunesien, oder Libyen Deutschland den Krieg erklärt, oder umgekehrt, oder wie oder was?
    Bitte um Aufklärung!

  20. #20 tilda
    21. Februar 2011

    @ jeeves:

    Du hast selber plagiiert — denn “Journaille” stammt von Karl Kraus, dem intelligentesten Deutschsprachigen des 20. Jh. (und erst recht des 21. Jh.).

    Aber eben: niemand weiss, was er spricht (und wovon er was hat). Es wird eben überall nur geklaut…

    Zudem: ich bin dafür, dass Guttenberg sofort mit Manuela Schwesig ersetzt wird:
    Jungpolitikerin, gut aussehend, und erst noch Frauenquote.

  21. #21 Stefan
    21. Februar 2011

    “Den Abschnitt aus Ole Sumfleths Artikel, in dem er aber eher von Afghanistan redet, gelesen?”

    Habe ich, bin kurz darauf eingegangen.

    “Wie, fallen in das Ressort des Deutschen Verteidigungsministers?”

    Natürlich. Es geht um die äußere Sicherheit, Abwehr von Gefahren von außen, und mögliche Bedrohungsszenarien zu antizipieren. Wer weiß, was noch passieren wird, es muss nicht nur um erklärte Kriege gehen. Ich weiß, dass das alles nichts mit Guttis Doktorarbeit per se zu tun hat.

    Aber ich wollte die Dinge in Relation setzen. Und bei einem Politiker geht es immer um Politik.

    Zu Guttenbergs Arbeit wäre kaum besser gewesen, selbst wenn er alle Fussnoten gesetzt hätte. Und wenn er zurücktritt, wird sich am prinzipiellen Problem nichts ändern, wenn wir nicht auch die Dissertationen der anderen Politiker und Nicht-Politiker genauer untersuchen. Sonst werden auch die guten Arbeiten immer mehr in Verruf geraten. Darauf wollte ich hinaus.

  22. #22 Basilius
    21. Februar 2011

    @Stefan
    Es geht doch gar nicht darum, ob Herrn zu Guttenbergs Dissertation nun qualitativ gut war oder nicht. Er hat bei der Erstellung betrogen. Natürlich werden sich noch weitere Dissertationen finden lassen, denen man ähnliches nachsagen kann. Aber ist das irgendein Grund Herrn zu Guttenberg mit seinem Betrug davon kommen zu lassen?
    Andere machen es doch auch?
    Und wir können am Problem eh nichts ändern?

    Das ist doch eine totale Kapitulation.

  23. #23 Jens
    21. Februar 2011

    Man muss denke ich zwischen dem “wissenschaftlichen” und politschen Teil dieser Affäre trennen.
    Was ersteren anbelangt, gibt es soweit ich das sehe einen allgemeinen Konsens, dass der Doktortitel unhaltbar ist, in dieser Frage geht es nicht um Politik. Es handelt sich offensichtlich um eine bewusste Täuschung, in den kopierten Stellen werden systematisch einzelne Formulierungen geändert oder in Fußnoten verschoben etc und die Plagiate ziehen sich durch die ganze Arbeit. Das lässt sich nicht mit Schlamperei erklären. Die Uni Bayreuth MUSS den Titel aberkennen, auch wenn das natürlich bei einer Arbeit, die ursprünglich mit “summa cum laude” bewertet wurde schwer fällt (weil es ein bisschen so aussieht als wäre sie nie richtig gelesen worden..).
    Wer meint, dass er trotzdem ein guter Minister sein kann, der darf das natürlich meinen, ich tue es aber nicht

  24. #24 Ole Sumfleth
    21. Februar 2011

    @Jens, Marc

    Die Einleitung und Ausleitung mit der Pausenhofgeschichte diente nur dem Zweck, den Artikel stilistisch abzurunden. Das ist mir zugegebenermaßen nicht besonders gut gelungen. Einen direkten Vergleich mit der Guttenberg-Geschichte wollte ich eigentlich eh nicht daraus machen.

  25. #25 Ole Sumfleth
    21. Februar 2011

    @klonk

    Danke für den Kommentar. In der Tat meinte ich die Sache anders. Ich habe durchaus zu den Themen meine Meinungen, wollte sie aber nicht erwähnen, da dies nicht der Platz dafür ist. Es würde vom eigentlichen Kern der Diskussion ablenken.

  26. #26 G.J.
    21. Februar 2011

    @Stefan: Soso, in den Geistewissenschaften wird nur abgeschrieben, receicelt und keine Grundlagenforschung betrieben (was dies auch immer heißen mag). Historische Quellenarbeit und empirische Sozialwissenschaften sagen dir aber schon was?

  27. #27 Stefan
    21. Februar 2011

    @G.J.
    Ich habe gesagt größtenteils. Mir ist bewusst, dass es auch sehr gute, originäre Arbeiten gibt, in den meisten Fällen ist das aber nicht so. In Naturwissenschaften und Technik sind die meisten Dissertationen natürlich auch nicht nobelpreisverdächtig, aber im Durchschnitt anspruchsvoller, auf jeden Fall aufwendiger.

  28. #28 Jens
    21. Februar 2011

    @Stefan: hm.. demnach hast du wohl schon 2 Doktortitel? Das lässt sich ja wohl kaum vergleichen. Aber braucht man ja auch nicht machen, gibt ja keinen Wettstreit um die “anspruchvollste” Doktorarbeit.

  29. #29 G.J.
    21. Februar 2011

    @Stefan: Grmpf, ok. Ich nehme bei dir einen naturwissenschaftlichen Hintergrund an. Ich selbst bin Historiker und habe versucht zu promovieren, doch diverse Gründe haben es mir verleidet. Doch eins war es ganz sicherlich nicht, nämlich dass es zu leicht gewesen wäre. Ganz im Gegenteil, die Sichtung der Literatur über den aktuelle Forschungsstand und eine manchmal sehr schwierige Quellenlage machen das promovieren nicht gerade leicht. Das gleiche nehme ich auch für “naturwissenschaftliche” Arbeiten an, daher käme ich nie auf den Gedanken letzteren einen geringeren Wert beizumessen.

  30. #30 Dr. Webbaer
    21. Februar 2011

    So, das Herumdoktern Guttenbergs hat sein Ende gefunden, er wird den Titel nicht mehr führen und hat die Uni Bayreuth um Rücknahme gebeten. Gut so!

    Weil es hier noch anklingt im Kommentarbereich, die interventionistische Politik, die Guttenberg mitzuvertreten hat, hat natürlich den einen oder anderen angespornt mal in die Diss zu schauen und vielleicht fündig zu werden.
    Das scheint aber ganz nebensächlich.
    Nur zum Vergleich: Der Dicke hat’s seinerzeit schlau gemacht und irgendetwas über CDU-Lokalpolitik zusammengeschrieben…

    MFG
    Dr. Webbaer

  31. #31 Friedbert
    21. Februar 2011

    Und jetzt zu etwas ganz anderem:

    @Ole,

    In meine Schulzeit fiel nicht nur die Erfindung des CD-Brenners, der die wenigen Besitzer eines solchen Gerätes zu den Kings des Pausenhofs machte, sondern auch die Erfolgsgeschichte von Wikipedia.

    Jungchen, Ich weiß nicht in welchem Universum Du aufgewachsen bist, aber als zu meiner Schulzeit die “Kings” auf dem Pausenhof ihre Investition in einen CD Brenner binnen Tagen wieder reingeholt haben, war der Erfolg von Wikipedia noch fast ein Jahrzehnt entfernt…

  32. #32 Ole Sumfleth
    21. Februar 2011

    @Friedbert

    Hö? Ich rede von dem Zeitraum 1998-2005. CD-Brenner waren zur Jahrtausendwende längst noch keine Selbstverständlichkeit in PCs, die man sich als Schüler leisten konnte. Ich erinnere mich noch, etwa 400 Mark für einen Brenner bezahlt zu haben, das dürfte 99-2000 gewesen sein. Wikipedia war schon 2001 ein Begriff, ich weiß noch wie ich am Abend des 11. September den Artikel zum WTC aufgerufen hatte.

    Genau zum gleichen Zeitpunkt war das vielleicht nicht, aber mehr als ein paar Jahre liegen da auch nicht dazwischen.

  33. #33 Redfox
    22. Februar 2011

    Einer der Plagiierten nimmts locker:

    “Ich danke Herrn Dr. Guttenberg”

    Und sind Sie gar nicht sauer auf den Kopisten?

    Nö, überhaupt nicht. Ich denke, das ist eine amüsante Geschichte, die ich gut bei einem Bier mit Kollegen oder einem Wein bei Familie oder Freunden erzählen kann.

  34. #34 miesepeter3
    24. Februar 2011

    Nun war da ja gestern die Entschuldungsre.. verzeihung – die Entschuldigungsrede
    von Gott… pardon von Guttenberg`s im Fernsehen. Passte prima ein in die lange Reihe
    von Verfehlungen von Unionspolitikern: Geldwäsche unter Zuhilfenahme verstorbener Juden, Rentnertodfahren im besoffenen Zustand, Ehrenwortlügen und von dem “Großen Vorsitzenden” die hartnäckige Verweigerung von Namensnennung von Parteispendern.
    Aber wie sagte die große Wissenschaftlerin Merkel so schön? “Er hätte einen Fehler gemacht.” Ist v. Guttenberg ein Fahrlehrer, der die Parkzeit an der Parkuhr überzogen hat? Naja, mit einem Rücktritt war eh nicht zu rechnen.

  35. #35 BK
    24. Februar 2011

    Was momentan abgeht im Falle des Dr. strg. c. Guttenberg ist einfach ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich redlich um eine Doktorarbeit bemühen. Wie meinereiner.
    Da hat einer offensichtlich mit Vorsatz große Teile seiner Doktorarbeit gefälscht, die Konsequenzen sind überschaubar. Er besitzt gar noch die beispiellose Arroganz, sich aufgrund seines “offenen Umgangs mit Fehlern” als Vorbild hinzustellen. O tempora, o mores! Als Student fliegt man mit einem Plagiat selbst aus unwichtigen Proseminaren, wenn nicht gleich von der Uni. In mir steigt so langsam die heilige Wut auf.
    @ GJ: Mach dir nichts daraus, Geisteswissenschaften-Bashing ist auf scienceblogs “in”. Ich bin auch Historiker, und für das angestrebte Thema meiner Doktorarbeit gibt es keinerlei Sekundärliteratur und nur eine überschaubare Anzahl an Quellen, es ist absehbar, dass das ein sehr hartes Stück Arbeit wird. Trotzdem wird man hier niemanden überzeugen können, Naturwissenschaften sind hier die heilige Kuh, alles Andere ist nicht so wichtig.

  36. #36 Thomas J
    24. Februar 2011

    @BK

    das GeistesW-Bashing halt ich für ein Gerücht, Belege?