Der Dichter Günther Eich hat im Jahr 1955 ein Gedicht mit dem Titel “Im Sonnenlicht” veröffentlicht. 1955 – das war die Zeit des Wirtschaftswunders, die ist lange vorbei. Heute verknüpfen wir das Wort Wirtschaft nicht mit Wunder, sondern mit Krise.

Aber heute wie damals wird Geld verteilt, um die Wirtschaft auf Trab zu bringen. Und auch heute kann man sich wieder Sorgen machen, ob das Geld, was die Politik so freizügig zum Retten von Banken, Opel, Karstadt und Milchbauern ausgibt, nicht irgendwann irgendjemand zurück verlangen will. Deshalb heute hier mal ein Gedicht:

Günther Eich: Im Sonnenlicht (1955)

Die Sonne, wie sie mir zufällt,
kupfern und golden,
dem blinzelnden Schläfer,-
ich habe sie nicht verlangt.

Ich will sie nicht, wie sie die Haut mir bräunt
und mir Gutes tut,
ich fürchte ihr Glück,-
ich habe es nicht verlangt.

Die ihr sie hinnehmt,
kupfern und golden,
daß sie das Weizenkorn härtet,
daß sie die Traube kocht,-
wer seid ihr, daß ihr nicht bangt?

Was üppig sie gab,
was wir genommen ohne Besinnen,
das unverlangte Geschenk,-
eines bestürzendes Tages
wird es zurückverlangt.
Was zu verschwenden erlaubt war,
die kupferne Scheidemünze,
die Haufen Goldes,
die vertanen Reichtümer, – genau
wird es zurückverlangt.

Aber wir werden leere Taschen haben
und der Gläubiger ist unbarmherzig.
Womit werden wir zahlen?
O Brüder, daß ihr nicht bangt!

Kommentare (32)

  1. #1 Patrick
    Mai 28, 2009

    Im Gegensatz zu der schier unerschöpflichen Energie der Sonne, hat unser Wirtschaftssystem natürlich nur beschränkte Mittel.

    Ironischerweise sind es Konzerne, Unternehmen, Milchbauern, etc. welche auf Basis ihrer Wirtschaftlichkeit nun jene Geldmittel anfordern.
    Da muss man ganz klar sagen: Sie wollten und wollen immer mehr.
    Der Milchbauer hätte so schon vor fünf Jahren merken sollen, dass in seiner Branche gnadenlos überproduziert wird, und dass er auf kurz oder lang mit diesem Preisabfall hatte rechnen müssen.

    Dort überall gilt nun aber: Der Staat hat dieses System ausgerufen, wir haben danach gewirtschaftet, nun muss er uns helfen… mit erschöpften Reserven.
    Ja, tatsächlich. Man fährt schließlich schon lange ohne “existenten” Treibstoff. Eine erlöschte, dunkle Sonne, die immer noch Wärme abgeben soll, um mal in der Sprache der Lyrik zu bleiben.

  2. #2 Geoman
    Mai 29, 2009

    Auch der Wissenschaftsbetrieb beteiligt sich rege an den Geldverteilungskämpfen. Eine der ersten Sachen, die mir auf Scienceblog aufgefallen ist, dass hier so außergewöhnlich viel über Esoterik oder sogenannte Pseudowissenschaften oder alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Homöopathie, Astrologie etc. berichtet wird. (Außer bei Ihnen, aber Ihr Blog ist ja insoweit nicht typisch, als viele Kommentatoren seine Zugehörigkeit zum Scienceblog infragestellen.)

    Dafür fallen mir nur zwei Gründe ein:

    Erstens die Angriffe auf sogenannnte Pseudowissenschaften sollen Forumsstreitigkeiten provozieren, die wiederum für die Identitätsbildung der Naturwissenschaftler wichtig sind. Auch vielen Naturwissenschaftlern ist ja inzwischen bekannt, dass man Wissenschaft methodisch ganz schlecht von sogenannter Pseudowissenschaft abgrenzen kann.

    Und Zweitens es geht um Knete. Die harten Naturwissenschaftler hier fürchten offenbar, dass Vater Staat zukünftig nicht mehr bereit sein könnte, wie bisher fast unkontrolliert riesige Geldmengen in den Wissenschaftsbetrieb zu pumpen und die gegen die Pseudowissenschaften etc. eifernden Blogger wollen verhindern, dass stattdessen andere Formen/Traditionen der Erkenntnisgewinnung oder der Weltbewältigung bezuschusst werden.

  3. #3 Thilo
    Mai 29, 2009

    Und Zweitens es geht um Knete. Die harten Naturwissenschaftler hier fürchten offenbar, dass Vater Staat zukünftig nicht mehr bereit sein könnte, wie bisher fast unkontrolliert riesige Geldmengen in den Wissenschaftsbetrieb zu pumpen und die gegen die Pseudowissenschaften etc. eifernden Blogger wollen verhindern, dass stattdessen andere Formen/Traditionen der Erkenntnisgewinnung oder der Weltbewältigung bezuschusst werden.

    Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt!

  4. #4 Patrick
    Mai 29, 2009

    Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt!

    Ich hatte dies in Florians Block mal direkt angesprochen. Dort wurde dies aber verneint.
    Es hieß, man wolle den Menschen nur vor “Dummheit” bewahren…

  5. #5 Andrea N.D.
    Mai 29, 2009

    @Patrick, @Gemoman:Da fällt mir spontan nur ein: den Kampf gegen die Dummheit hat dieses Blog bereits gewonnen. Sicherlich wird hier wesentlich besser aufgeklärt als auf den naturwissenschaftlichen Nachbar-Blogs. Dumm nur, dass es von diesen diversen, “unbezuschussten” Blogs so viele gibt, alles schon gesagt wurde und es mit Wissenschaft nicht viel zu tun hat.
    Formen der “Weltbewältigung”, die nicht bezuschusst werden? Dieses Blog zählt also zur Weltbewältigung? Um GOTTES Willen! Apropos Gott: wird dieser über die Kirchen nicht wesentlich mehr bezuschusst als die Naturwissenschaften? Braucht es dann noch ein weltbewältigendes unbezuschusstes Blog?
    @Sience Blog: Werden Eure Beiträge hier eigentlich mit “riesigen unkontrollierten Geldmengen” im Gegensatz zu diesem kleinen unbezuschussten “Weltbewältigungsblog” hier bezuschusst? Da tun sich ja Abgründe auf!

  6. #6 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Andrea:

    Eigentlich hat ja niemand erwähnt, dass es hier um “Zuschüsse” für die Arbeit an menschlichem Gedankengut geht, lediglich, dass die Komplementärseite Zuschüsse bekommen könnte, die der “Evidenzbasierten Wissenschaft” dann fehlt… oder so ähnlich.

    Für die Kirche gibt es im Übrigen Kirchensteuer – die man mit einem Austritt aus der Kirche locker umgehen kann.
    Der wissenschaftliche Bereich wird durch allgemeine Steuergelder finanziert, die man eben mal so nicht schnell einfach abmelden kann. (Was ja auch okay ist – nennen wir es “benötigte wissenschaftliche Forschungsentlohnung”)
    Wenn der Herr Friedrich nun einen “Lasst uns einen Blick auf die wissenschaftlichen Methoden werfen”- Weblog einrichtet und ihn außerdem über die Schirmherrschaft der Scienceblogs wirken lässt, sehe ich daran genau jenen Faktor, der bislang gefehlt hat. Nämlich mal zu gucken, was im wissenschaftlichen Bereich aus unser aller Beitrag (in Form von Steuergeldern) gemacht wird, bzw. wie die Herangehensweise einer Wissenschaft aussieht.

    Und klar, mein Weblog wird natürlich nicht “bezuschusst” – aber ich hüte mich davor zu behaupten, dass die Scienceblogger eine großartige Entlohnung für ihr Blogging erhalten (z. B. von der GWUP, o. Ä. Organisationen, die Angst vor einer staatlichen Unterstützung der Komplementärmedizin oder Esoterik haben).

  7. #7 Thilo Kuessner
    Mai 29, 2009

    @ Patrick: Wenn der Herr Friedrich nun einen “Lasst uns einen Blick auf die wissenschaftlichen Methoden werfen”- Weblog einrichtet und ihn außerdem über die Schirmherrschaft der Scienceblogs wirken lässt, sehe ich daran genau jenen Faktor, der bislang gefehlt hat. Nämlich mal zu gucken, was im wissenschaftlichen Bereich aus unser aller Beitrag (in Form von Steuergeldern) gemacht wird, bzw. wie die Herangehensweise einer Wissenschaft aussieht.

    Was konkret hast Du denn aus diesem Blog gelernt, was Du bisher nicht wußtest? (Ist eine ernstgemeinte Frage, keine rhetorische.)

  8. #8 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Thilo:

    Dass sich Wissenschaft auch selbst reflektieren kann. Zumindest manche Wissenschaftler.
    Das war für mich einer der erheblichen Punkte, die mich an den Scienceblogs haben zweifeln lassen.
    Junge Wissenschaftler, die ihr Metier verteidigen, als ginge es um Leben und Tod. Absolutismus.
    Ich war ein Wissenschafts- Fan (Naturwissenschaften, um genau zu sein), und bin hier auf diesem “hochoffiziellen” Wissenschaftsaustausch vor allem darauf gestoßen, dass Fremdansichten (die aber nicht zwangsmäßig “wissenschaftsfeindlich” sind) hier alles andere als erwünscht sind… um genau zu sein “bekämpft” werden. Mit schlechter Rhetorik und gezieltem “Argumente- Übersehen”.

    Falls es der ein oder andere noch nicht bemerkt haben sollte: Der Herr Friedrich springt genau dort in die Bresche, wo der Reibepunkt vorherrscht. Nämlich zwischen den freien Ansichten eines Nicht- Wissenschaftlers und der offiziellen Lehrbuchmeinung eines Komplettwissenschaftlers.

    Ich weiß, beim Begriff “Dogma” gehen 80% aller Scienceblogger gleich an die Decke. Trotzdem ist es unabdingbar, dass man seine Arbeit immer wieder selbst reflektiert. Dass man erkennt, dass man nicht unfehlbar ist. Und dass Irren und sich verweigern auch menschlich ist – egal ob dieser Mensch Wissenschaftler oder “ein Gott in Weiß” ist… oder eben eine ganz normale Person, die sich hier und da mal Gedanken macht. Deren Gedankengut ebenso einen Wert hat, wie das der wissenschaftlichen Arbeiter.

    Personen, die ihr eigenes Wirken in Frage stellen und durchleuchten können, sind unerheblich für die geistige Evolution – alles andere ist Rennstalldenken.

    Lange Rede, kurzer Sinn – Die Antwort auf deine Frage lautet: Ich weiß jetzt, dass Wissenschaft nicht ausnahmslos auch “Rennstalldenken” bedeutet. Sondern dass Weblogs wie Arte-Fakten oder Echolot durchaus in der Lage sind, auch mal einen kritischen Blick auf ihr eigenes Gedankengut – auf die Wissenschaft an sich – zu richten.

  9. #9 Andrea N.D.
    Mai 29, 2009

    @Patrick: Ich glaube, Sie haben mich nicht so recht verstanden, schon einmal etwas von dem Stilmittel Ironie gehört? – aber “andere Formen/Traditionen der Erkenntnisgewinnung oder der Weltbewältigung bezuschusst werden” kam ja auch von Geoman. Wenn Sie diesen Satz noch einmal lesen, ist er entweder ein sehr unglücklicher Ausdruck von etwas anderem oder er stellt eine Sektengründung dar (am besten mit Geldern, die ansonsten für die Forschung ausgegeben würden).

    Pseudo und komplementär ist ein Widerspruch. Komplementär kann nur etwas zur Wissenschaft sein, was zumindest mit derselben Methode arbeitet. Da das nicht der Fall ist, ist es pseudo.

    “Nämlich mal zu gucken, was im wissenschaftlichen Bereich aus unser aller Beitrag (in Form von Steuergeldern) gemacht wird, bzw. wie die Herangehensweise einer Wissenschaft aussieht.” – Also Praxis und Methode von Wissenschaft:
    Meinen Sie wirklich, dass das J.F. mit seinen inkonsistenten Beiträgen gelungen ist? Kam bisher wirklich eine profunde Kritik oder konstruktive Anregung, die über Uraltbekanntes oder Polemik hinausging?

    Dabei ist doch dieser Artikel eigentlich wirklich ganz unschuldig plus Gedicht rein auf die Wirtschaft bezogen. Wieso wird ausgerechnet hier die Diskussion wieder aufgeworfen?

  10. #10 Andrea N.D.
    Mai 29, 2009

    @Patrick:

    “eine normale Person…durchaus in der Lage sind, auch mal einen kritischen Blick auf ihr eigenes Gedankengut – auf die Wissenschaft an sich – zu richten.”

    So vielleicht?

    “In den Jahren nach der Mondlandung und besonders nach dem Aufkommen der Gentechnik sind Personen, Parteien und Medien populär geworden, die die Naturwissenschaften oftmals wütend beschimpften und sich als Wissenschaftskritiker ausgaben. Doch das waren sie nicht. Sie waren nur Wissenschaftsverächter, die – ohne es zu wissen und zu merken – an dem Ast sägten, auf dem sie und unsere Gesellschaft seit Jahrhunderten sitzen. Ein Wissenschaftskritiker muss dasselbe Verhältnis zur Wissenschaft haben, das ein Literaturkritiker zur Literatur oder ein Theaterkritiker zum Theater hat. Er oder sie sollte die Sache selbst – die Literatur, das Theater oder die Wissenschaft – bewundern und vielleicht sogar lieben, um aus dieser Position heraus in der Lage zu sein, einzelne ihrer Hervorbringungen – eine Inszenierung, einen Roman, eine Untersuchung – abzulehnen und zu verwerfen oder hervorzuheben und anzupreisen. Solch eine Wissenschaftskritik fehlt uns. ”

    Das gibt es schon, und zwar ziemlich gut: http://www.scienceblogs.de/wissenschaftsfeuilleton/

  11. #11 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Andrea:

    Ich rede auch nicht von außenstehenden “Kritikern” oder “Verächtern”, sondern von den Wissenschaftlern selbst, die ihre eigene Arbeit kritisch beleuchten sollten, anstatt diese nur mit allerlei (Pseudo-)Werten zu pushen.

    Zudem nehme ich diesen Weblog sehr gut auf. Er gefällt mir einfach besser, weil er dieses tut. Er frägt: “Wie sieht sich die Wissenschaft?”

  12. #12 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Andrea nochmal:

    Entschuldigen Sie, Ihre Beiträge muss man wirklich sehr genau lesen, um den Konsens zu erkennen. 😉 (Was aber vermutlich an meiner überhasteten Art und Weise liegt, so schnell wie möglich den Punkt in einer Aussage zu finden).
    Jedenfalls sind wir da ja so ziemlich einer Meinung, außer dass ich Arte-Fakten für einen gelungenen Weblog halte, weil er sich der Thematik gerade so sensibel, möglichst dogmenfrei und unpolemisch nähert.

    Dabei ist doch dieser Artikel eigentlich wirklich ganz unschuldig plus Gedicht rein auf die Wirtschaft bezogen. Wieso wird ausgerechnet hier die Diskussion wieder aufgeworfen?

    Ich wundere mich auch. Geomans Beitrag trifft zwar meinen Geschmacl, trotzdem hätte ich hier gerne ein wenig über Wirtschaft und deren Probleme debattiert.

    Z. B. hat mich meine Frau gerade eben auf eine Info aus dem TV hingewiesen, die behauptet, weltweit gäbe es einen erheblich höheren Anteil von Automobilen, als dass Personen mit Führerscheinen dies kompensieren könnten 😉
    (Kurz: Zu viele Autos, für zu wenige Fahrer)

  13. #13 Thilo Kuessner
    Mai 29, 2009

    Ich rede auch nicht von außenstehenden “Kritikern” oder “Verächtern”, sondern von den Wissenschaftlern selbst, die ihre eigene Arbeit kritisch beleuchten sollten, anstatt diese nur mit allerlei (Pseudo-)Werten zu pushen.

    Das tun sie natürlich ständig, ihre eigene Arbeit kritisch zu überprüfen. Es ist nur so, daß es dabei in aller Regel um Detailfragen geht, die man keinem Außenstehenden vernünftig erklären kann und die auch keinen Laien interessieren würden. Die “großen” Fragen, die hier in den Blogs ständig diskutiert werden (also Homöopathie, Astrologie, Evolution, die Frage des Klimawandels oder auch die Grundlagen der Relativitätstheorie) sind allerdings tatsächlich kaum umstritten und werden nicht im Grundsatz in Frage gestellt.
    Soll heißen: die Fragen, die hier manche Leser für diskussionswürdig halten, werden in der scientific community tatsächlich nicht diskutiert, weil die Tatsachen einfach zu eindeutig sind. Kritische Diskussion findet in der Wissenschaft aber ständig statt, nur geht es dann eher um die Korrektheit eines Epsilons in der Herleitung der XY-Abschätzung, die außerhalb des Fachgebiets niemanden interessieren würde.
    Daß es für ein breiteres Publikum interessant wäre, aktuelle wissenschaftliche Debatten öffentlich darzustellen, stimmt deshalb nicht. Die Fragen, die WIRKLICH diskutiert werden, würden (meist) niemanden interessieren. Und die oben aufgezählten “interessanten” Fragen (Homöopathie, Evolution, Einstein) werden NICHT diskutiert.

    Zusätzlich ärgerlich wird es dann natürlich noch, wenn wissenschaftliche Debatten über Details (etwa zur Evolution oder zum Klimawandel) dann von politisch interessierten Kreisen benutzt werden, um dem Laienpublikum den Eindruck wissenschaftlicher Kontroversen zu unstrittig bewiesenen Tatsachen zu vermitteln. Insofern ist es natürlich eminent wichtig, wenn man schon meint, wissenschaftliche Kontroversen öffentlich darstellen zu müssen (was ich, wie gesagt für sehr schwerig bzw. bei vielen Themen für unmöglich halte), die Debatten in den Gesamtstand einzuordnen, also klarzustellen, was als bewiesen gilt, was strittig ist usw. So eine Einordnung setzt natürlich voraus, daß man sich in den Themen, über die man schreibt, einigermaßen auskennt und nicht einfach nur Schlagworte aus Nature-Editorials zu reißerischen Artikeln verarbeitet. Womit wir wieder bei der Kritik an diesem Blog wären: es ist eben nicht zu erkennen, auf welchen Gebieten sich der Autor eigentlich auskennt und welches Wissen er uns vermitteln will.

  14. #14 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Thilo:

    Womit wir wieder bei der Kritik an diesem Blog wären: es ist eben nicht zu erkennen, auf welchen Gebieten sich der Autor eigentlich auskennt und welches Wissen er uns vermitteln will.

    Nun, da wäre es dann tatsächlich an Herrn Friedrich, hier mal ein paar gezielte Beiträge abzuliefern, die eine bestimmte Richtung einschlagen.
    Wobei ich dies bislang als “Wissenschafts- Retrospektive Light” angesehen habe – was mir in dieser lockeren Gedankenmache schon zusagt.
    Außerdem bestände dann wieder die Gefahr, dass man Arte-Fakten gezielt einordnen müsste. Das ist nicht immer das Gelbe vom Ei.
    Und mal davon abgesehen, was soll ich mit einem Physik- oder Astronomie- Weblog, wenn dort mindestens einmal die Woche die sog. “Esoterik” (übrigens auch nicht ausdefiniert – aber als Begriff “benutzt”) angeprangert wird?
    Hat dies mehr Gehalt, als einfach nur die persönliche Meinung eines nicht- themenbezogenen Wissenschaftlers? Wenn die Jungs wenigstens Mediziner wären, käme das weniger… gebietsfremd. 😉

  15. #15 Jane
    Mai 29, 2009

    @Patrick: Du kennst wohl keine Wissenschaftler?
    Ich kenne keinen Bereich, in dem Menschen ihr eigenes Tun so kritisch hinterfagen wie dort. Abgesehen davon arbeiten viele Wissenschaftler in Deutschland für ein Gehalt, für das Du morgens noch nicht mal aufstehen würdest. Und “arbeiten” heißt in der Wissenschaft nicht 40 Stunden die Woche, sondern 60, 70 Stunden. Das ist Idealismus und Liebe zum Beruf, wie man sie sonst selten findet.
    Du hinterlässt nicht gerade den Eindruck, als hättest Du irgendeine Ahnung. Ich denke es wäre gut, wenn Du Dich erstmal grundlegend informieren würdest.

  16. #16 Patrick
    Mai 29, 2009

    @ Jane:

    Ich kenne sehr wohl Wissenschaftler. Ich kenne nämlich diejenigen, die in die Industrie und in die Marktwirtschaft gewechselt sind, und dort feststellen, welch böse Welt dies überhaupt ist, anstatt ihr Leben lang an einer Uni rumzuhängen, und den vielarbeitenden Wissenschaftler zu mimen.
    Schon mal unter dem Druck des Kapitalsystems gestanden – in einem Unternehmen, dass sich in diesen Zeiten gegen Konkurrenz und Marktpreise behaupten musste, wie niemals zuvor – mit persönlicher Verantwortung gegenüber dem Bestehen jenes Unternehmens? Wo der ein oder andere Kollege auch schon mal einen Nervenzusammenbruch oder gar Herzinfarkt während seiner Tätigkeit bekommt?

    Ich bin übrigens auch schon morgens für knapp 500 DM in Monat, fünf Male die Woche aufgestanden, und hab mir morgens schon das Gebrülle, der dauergestressten Kollegen anhören müssen. In einem kaufmännischen Gewerbe kann es schon mal ruppig zugehen. Von dem notorischen Burn-Out ganz abgesehen, dass schon so manchen mit nem migräneverursachten Brechanfall auf die Angestelltentoilette gezwungen hat.
    Aber schön, dass Wissenschaftler noch ihren Idealismus und die Liebe zu ihrem Beruf haben – vermutlich die letzten Menschen, die nicht wegen dem Geld arbeiten gehen. Herzlichen Glückwunsch!

    Die naive Kampfansage “ich hätte nicht mal irgendeine Ahnung” gebe ich gerne zurück an die “mitten-im-Leben-stehende” Wissenschaftlerin.
    Vor allem, weil ich nirgends behauptet habe, dass die Wissenschaft sich selbst grundsätzlich niemals kritisch hinterfragen würde. Da Du nach eigenen Aussagen keinen anderen Bereich kennst, deutet dies eher darauf hin, dass Du die Person bist, die keine Ahnung hat. Ich kenne ganze Unternehmen, die sich nur der Wirtschaftlichkeit mancher Konzerne widmet. Da wird mehr kritisch hinterfragt, als überhaupt erschaffen oder erwirkt wird.
    Schon mal vom Berufsbild des “Controllers” gehört? Die Bezeichnung darf man gerne wörtlich nehmen (und ich bin dankbar, dass ich keiner von diesen bin).

  17. #17 Jane
    Mai 30, 2009

    Mir war schon klar, dass es darum geht Patrick: Du bist toller als die Anderen. Du arbeitest mehr und härter, Du leidest mehr, Du bist wichtiger. Kurzum: Wissenschaftler verursachen bei Dir Komplexe, Du verlierst hier ja auch regelmäßig die Diskussionen, deswegen beschimpfst Du jetzt alle Wissenschaftler als Faule, die nur “Arbeit mimen”.

    Eines muss ich sagen, wenn die nur so tun als ob sie arbeiten würden, dann haben die aber einen Superoutput 😉 Das nenn ich Effizienz.

    “Wo der ein oder andere Kollege auch schon mal einen Nervenzusammenbruch oder gar Herzinfarkt während seiner Tätigkeit bekommt?” Hallo? Was glaubst Du denn wie es vielen Doktoranden geht? *rolleyes* Burn out, ach hör mir auf.

    “Aber schön, dass Wissenschaftler noch ihren Idealismus und die Liebe zu ihrem Beruf haben – vermutlich die letzten Menschen, die nicht wegen dem Geld arbeiten gehen. ”
    Ja natürlich betreibt man Wissenschaft selten wegen des Geldes. Es gibt das natürlich hauch noch andere Berufe, bei denen das so ist. Es sagt viel über Dich aus, wenn Du Dir das nicht vorstellen kannst.

    “Da Du nach eigenen Aussagen keinen anderen Bereich kennst, deutet dies eher darauf hin”
    Wo habe ich denn diese Aussage gemacht Patrick? Unterstellungen finde ich ganz schlimm.
    Ich kenne “Bereiche” live und in Farbe, die Du nur aus dem Fernsehen kennst. Daher finde das Gejammer von verwöhnten Wohlstandsmenschen über das “schlimme Kapitalsystem” auch so kindisch. Meine Güte, Du brauchts mal nen Trip nach Afrika.

    “die “mitten-im-Leben-stehende” Wissenschaftlerin.”
    Hi, hi. Siehst Du, dass ist typisch für komplexbeladene Wichtigtuer. Du kommst gar nicht auf die Idee, dass ich eine Gruppe von Menschen verteidige und lobe, zu der ich selber gar nicht gehöre. So was würde Dir ja auch nie im Traum einfallen 😉

    Aber Danke für die Blumen!

    Das Problem bei Dir ist nicht, dass Du keine Ahnung hast, sondern dass Du keine haben willst. Du brauchst Deine Vorurteile wie die Luft zum Atmen.

    So, und jetzt muss ich wieder an die Arbeit, die mir zwar finanziell nichts bringt, aber Spaß macht 😀

  18. #18 Patrick
    Mai 30, 2009

    Jesses, jetzt verfolgen mich die Hobby- Wortverdreher auch noch in dem Blog von Herrn Friedrich.

    @ Jane:
    Thilo hatte mir bereits vor deinem Getrolle kompetent und wertfrei Auskunft gegeben – und ich habe nie in Frage gestellt, dass der Wissenschaftsbereich ein angesehener Berufszweig ist, wo auch schon mal hart und lange gearbeitet wird.
    Das dies aber als Argument für die durchweg selbstkritische Machart der Wissenschaft herhalten muss, ergibt einfach keinen Sinn. Darum auch der Ausflug in den (z. Zt. arg gebeutelten) Bereich der Marktwirtschaft, nur um zu zeigen, dass es da draußen auch Menschen fernab der Wissenschaft gibt, die eine hohe Verantwortung mit sich tragen.

    Wo habe ich denn diese Aussage gemacht Patrick? Unterstellungen finde ich ganz schlimm.
    Zitat Jane: Ich kenne keinen Bereich, in dem Menschen ihr eigenes Tun so kritisch hinterfagen wie dort.

    Die erste “Unterstellung” kam übrigens von dir:
    Zitat Jane: Abgesehen davon arbeiten viele Wissenschaftler in Deutschland für ein Gehalt, für das Du morgens noch nicht mal aufstehen würdest.

    So, ich kenne jetzt deine Meinung zu den sog. “Wissenschaftsfeinden” (da ja nach den gängigen Scienceblogs zu urteilen überall sind), können wir dann endlich mal beim eigentlichen Thema weitermachen?

  19. #19 Jane
    Mai 31, 2009

    “Ich kenne keinen Bereich, in dem Menschen ihr eigenes Tun so kritisch hinterfagen wie dort.”

    Deutsche Sprache schwere Sprache Patrick 😉

    Hach Gottchen ist da jemand angefressen. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Wer auteilt muss auch einstecken können 😀

    “anstatt ihr Leben lang an einer Uni rumzuhängen, und den vielarbeitenden Wissenschaftler zu mimen.”

    “ich habe nie in Frage gestellt, dass der Wissenschaftsbereich ein angesehener Berufszweig ist, wo auch schon mal hart und lange gearbeitet wird.”

    Ist das Deine Art “Entschuldigung” zu sagen?

    Dein Geschwaller von Dogma etc. zeigt, dass Du immer noch nicht begriffen hast wie Wissenschaft funktioniert. Ich sags nochmal: Informier Dich erstmal. Dann kannst Du auch mal mitreden, ohne Dich auf Schritt und Tritt zu blamieren.

  20. #20 Patrick
    Mai 31, 2009

    @ Jane:

    Am 29.05. um 23:15 Uhr bist Du in diese bis zu diesem Zeitpunkt friedliche und sachliche Diskussion geplatzt, und hast erst einmal auf mich losgebashed, weil Du (obwohl anscheinend nicht vom Fach) einen typischen Rennstall- Abwehrmechanismus hast, den man gerade hier auf den Scienceblogs sehr häufig bemerkt. (Allein dieses typische, zu oft gelesene Totschlaghalbargument: “…xxx beweist, dass Du immer noch nicht begriffen hast wie Wissenschaft funktioniert.”)
    Ich frage also, wer hier tatsächlich angefressen ist, und sich mit seinen haltlosen Pseudoargumenten blamiert.
    Ich selbst habe nur eine These aufgestellt – zusammengetragen, aus persönlicher Erfahrung, aus viele Gesprächen, etc.
    Wenn ich diese nicht auch unabhängig davon äußern darf, dass ich nicht zu jedem Wissenschaftsbetrieb eine unkritische Meinung habe, kann man gleich jede Diskussion vergessen.

    Und glaub mir, es gibt an Universitäten tatsächlich ein paar Menschen, die denken, ihre Arbeit sei “Gotteswerk” und ihre Tun wäre unabdingbar für diese Gesellschaft. Das heißt aber bei weitem nicht, dass ich pauschal jeden Wissenschaftler als dies abtun würde, Gott bewahre. Das heißt lediglich, dass manche “Unantastbaren” mal von ihrem hohen, idealistischen Ross heruntersteigen sollten, um wirklich “besser” zu werden – und genau darum geht es in dieser Debatte doch.

    Wenn dir das nicht passt, und Du solch eine Diskussion nicht führen kannst (Ja ja, “informier dich erstmal. Dann kannst Du auch mal mitreden”), dann geh’ in Jörgs Weblog ein paar sog. Esos bashen.
    Wie wäre es mit: Willkommen im echten Leben… informiere dich erst mal über freie Meinungsäußerung, dann kannst Du vielleicht auch ohne Zwänge deiner Rennstallregeln mitreden.

  21. #21 Geoman
    Mai 31, 2009

    Patrick schrieb:

    “”Eigentlich hat ja niemand erwähnt, dass es hier um “Zuschüsse” für die Arbeit an menschlichem Gedankengut geht, lediglich, dass die Komplementärseite Zuschüsse bekommen könnte, die der “Evidenzbasierten Wissenschaft” dann fehlt… oder so ähnlich.

    Für die Kirche gibt es im Übrigen Kirchensteuer – die man mit einem Austritt aus der Kirche locker umgehen kann. Der wissenschaftliche Bereich wird durch allgemeine Steuergelder finanziert, die man eben mal so nicht schnell einfach abmelden kann. (Was ja auch okay ist – nennen wir es “benötigte wissenschaftliche Forschungsentlohnung”).””

    Erstmal vielen Dank dafür, dass Du meine Postion hier während meiner ‘Abwesenheit’ verständig aufgegriffen, gegen (bewusst) entstellende Angriffe verteidigt und weitentwickelt hast.

    Ich ärgere mich hier auf Scienceblog regelmäßig über die dreiste Selbstverständlichkeit, mit der der unbeschränkte Zugriff auf Steuermittel beansprucht oder gefordert wird. Als einzige Begründung fallen da oft nur so Zauberworte wie “Grundlagenforschung” oder “Freiheit der Wissenschaft”. Wenn dann nicht gleich der Geldhahn aufgedreht wird, dann wird ein Szenario heraufbeschworen, in dem der Wissenschaftstandort Deutschland zu einer Bananenrepublik verkommt.

    Tatsächlich leistet solcher Art von eigennütziger Propaganda der missbräuchlichen Verwendung oder genauer gesagt Verschwendung von Steuergeldern vorschub. Für mich sind “Freiheit der Wissenschaft” und “freier Zugriff auf Steuermittel” Dinge, die wenig miteinander zu tun haben. “Freiheit der Wissenschaft” ist zumindest in dieser Republik kein Zustand, der sich automatisch durch grenzenlose Finanzspritzen einstellt, sondern dies ist eher ein aufgeschlossen freiheitliches Diskussionsklima, also eher ein Zustand, um den jeder Wissenschaftler jeden Tag kämpfen muss und zwar vor allem auch in der Auseinandersetzung mit anderen Wissenschaftlern oder wissenschaftlichen Meinungen und weniger in Abgrenzung zu und Niedermachung von sogenannten Pseudowissenschaftlern.

  22. #22 Patrick
    Juni 1, 2009

    @ Geoman:

    Gern geschehen 😉

    Nun, in erster Linie hat ja eigentlich keiner was dagegen, dass den fachwissenschaftlichen Bereichen gewisse Steuergelder zukommen. Das ist in manchen Bereichen einfach unabdingbar und auch gut so.
    Dass Steuergelder auch andersweitig, fernab der wissenschaftlichen Einrichtungen verschwendet werden, ist ebenso klar. Hierbei ist natürlich auch wieder auf Messers Schneide: Wie lautet die Definition von “Verschwendung”? Wann ist schon “verschwendet”, bzw. wo sind groß angelegte Gelder tatsächlich von Nöten.

    Nehmen wir als Beispiel das CERN in Genf. Keineswegs würde ich diese “Grundlagenforschung” verteufeln wollen. Es gehört zur Physik, hier jeden Schritt weiter zu gehen, der möglich und machbar ist.
    Dennoch ist dies ein Komplex der erhebliche Geldsummen beansprucht, und im Prinzip jede Menge weiteres Budget verschlingt, so lange die Teilchenbeschleunigung still steht (so wie z. B. im Moment, da durch den Crash im letzten Herbst, die Magneten erst wieder heruntergekühlt werden müssen).
    D. h. jeder Steuerzahler, bezahlt für ein (aus Sachzwängen) stillstehendes Experiment. Und wenn man dann noch diese peinlichen Hip Hop- Versuche der Wissenschaftler vor Ort sieht, fängt mein Hirn doch langsam an zu rattern: “Was machen die da?” ; “Wie transparent kann ich verfolgen, was meine Steuergelder machen?”

    Dann hat man schon einmal so eine Einrichtung, wie die Scienceblogs – bzw. einen direkten Zugang zu Fachwissenschaftlern aus jenem Bereich, und stellt solche Fragen, dann wird relativ plump zurückgeworfen, dass man eigentlich keine Ahnung hätte, und sich über die absolute Seriösität der Wissenschaften erst einmal informieren sollte, etc.
    Ja, aber da beißt sich dann die Katze in den Schwanz. Woher soll ich denn meine Infos bekommen, wenn nicht direkt von den Wissenschaftlern?
    Soll ich nach Genf fahren, anklopfen und mich herumführen lassen?

    Das gleiche gilt z. B. für die Marsmissionen. Da habe ich ziemlich zum Anfang meiner ersten Scienceblogs- Kommentare die Frage aufgeworfen, warum denn seit jeher bemannte Marsmissionen angekündigt, aber immer wieder auf bestimmte Daten in die Zukunft verschoben werden? Nachdem ich mir dann tagelang vorwerfen lassen musste, dass ich Astrowissenschaftler als “geldgeile Säcke” (O-Ton) beschimpft hätte (was gar nicht stimmt), kam dann doch irgendwann versteckt die Antwort, dass man einfach Marsmissionen groß auf ein zukünftiges Datum ankündigen muss, um überhaupt weiterhin Steuergelder für diese Forschung zu beziehen.
    Ich habe dann fern der Scienceblogs selbst tiefer nachgeforscht, und herausbekommen, dass vieles von den Geldern für die Rüstungsindustrie abhängig ist. Zu Zeiten Kennedys war es auf steuerlicher Basis gar ein direktes Gefecht zwischen Rüstung und Raumfahrt. Kennedy hatte sich damals mit seinem Apollo- Projekt aber durchsetzen können.
    Heißt also: In unsicheren Zeiten (was Kriege, Finanzkrisen, etc. betrifft) fliegt sowieso niemand zum Mars. Weder über die europäische, noch über die US- Raumfahrt. Dafür fällt dann automatisch zu wenig Budget ab. Außer, es würde ganz gezielt über einen Zweck forciert.

    Dies ist der finanzielle Teil, den man aber dem wissenschaftlichen Betrieb so sehr nicht ankreiden sollte. Die Transparenz der Geldverteilung fehlt so ziemlich überall. Dass so manche Wissenschaftler dann natürlich noch behaupten müssen, sie würden sowieso viel mehr und viel länger als jeder andere Mensch arbeiten, lässt so ziemlich jede Diskussion im Keim ersticken.

    Wie soll man den Blick auf die Wissenschaft (ich nenne es nicht einmal mehr “Kritik”) dann überhaupt noch thematisieren?
    Es wird geblockt und bekämpft, wie es nur geht. Zusätzlich führen ein Großteil der Scienceblogger hier dann auch noch diesen unsinnigen Zweikampf mit der Esoterik oder den von ihnen bezeichneten “Pseudowissenschaften”.

    Keiner will wirklich die Wissenschaft “abschaffen” oder ihr jegliche Mittel streichen. CERN darf genauso bestehen, wie mehrere parallele Raumfahrtsorganisationen nebeneinander (den Sinn dahinter wird ja wohl jemand verstehen, der mehr Ahnung davon hat, als ich).
    Dass ich aber sozusagen als Mitfinanzier mal den Finger heben und fragen darf: “Sieht sich die Wissenschaft auch sich selbst gegenüber – im Bezug zu den Menschen und der Umwelt – kritisch genug?”, darf mir niemand, ja, NIEMAND abstreiten.

    Das hat nichts mit “bekämpfen” zu tun, wie es manch paranoidem Sensibelchen so vorkommen mag, sondern wäre lediglich die Frage nach deren Einstellung zu ihrem Tun. Ihren Platz in diesem System. Etwas Persönliches, das nicht gegen eine Gruppierung geht, sondern jeden einzelnen Wissenschaftler betrifft.

    Ich selbst jedenfalls, habe lange als Logistiker für unsere Marktwirtschaft gearbeitet. Ich habe mit meinem Tun regelmäßig die Marktpreise unverhältnismäßig gedrückt, weltweite Ölreserven angegangen, die Umwelt mit Transporten um die ganze Welt belastet und Deutschland weiterhin als Exportweltmeister erhalten… wovon sich dieses Land aber auf kurz oder lang nichts kaufen kann.
    Genau, ich habe für ein System gearbeitet, dass ich selbst überhaupt nicht ausstehen kann. Ich sehe meine Arbeit, die ich geleistet habe (ich bin zum Glück nicht mehr in dieser Branche) kritisch. Auch wenn ich damit “gutes Geld” verdient und andere Arbeitsplätze gesichert hatte.
    Ich kenne aber in diesem Bereich Menschen, die sind stolz darauf. Sie verherrlichen ihr Erreichtes und dass ihr Motto “du musst ein A-loch sein”, “der Ehrliche ist der Dumme” oder “vergiss die anderen, oder bekämpfe sie” lautet. Gewinn rechtfertigt dort alles. Sobald “Gott Geld” fließt, ist scheinbar alles andere egal.

    Das heißt nicht automatisch, dass es auch Wissenschaftler gibt, die über Leichen gehen. Aber wenn man offen darüber spekuliert, wird einem gleich Unterstellung oder Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen.

  23. #23 Jörg Friedrich
    Juni 1, 2009

    Ich habe die Diskussion in diesem Ordner in den letzten Tagen nur er Handy aus dänischen Häfen verfolgt und muss gestehen, dass ich zunächst ein bisschen irritiert war über den Verlauf, der sich ja zuerst ziemlich vo meinem Text entfernt hatte. Nun – mit Patricks Beitrag, den ich voll unterstütze und über dessen Ausgewogenheit ich sehr froh bin – sind wir fast wieder beim Gedicht angekommen.

    Denn in der Tat kann man den Text ja als Mahnung an jeden verstehen, der von dritten finanzielle Zuwendungen für seine Arbeit bekommt, der die Mittel für das,per was er tun will und für richtig hält, von anderen Überweisung bekommt und sich doch klar darüber sein sollte dass dies immer nur ein Kredit sein kann.

    Wenn ein Wissenschaftler sich auf den Standpunkt des Autors des Gedichtes tellen will, kann er eigentlich nur freier Philosoph werden – er braucht für seine Forschung dann nicht mehr als ein paar Bücher und gute Gespräche. Jeder andere muss akzeptieren, dass er es mit Gläubigern zu tun hat, die irgendwann zurück verlangen werden, was da vorgestreckt wurde.

    Der Umgang der Wissenschaftler, denen man hier bei Scienceblogs zuweilen begegnet (ich sehe da sehr große Unterschiede und möchte dieses Urteil nicht als allgemeines über alle bloggenden und kommentierenden Wissenschaftler hier vrstanden wissen) mit ihren kritischen Lesern ist nicht unbedingt immer von dem Bewusstsein geprägt, dass sie davon leben, dass die Gesellschaft ihnen große Geldmengen zur Verfügung stellt, die vielleicht auch woanders fehlen.

    Und insfern geht es hier tatsächlich in den 22 Kommentaren zu einem Gedicht von 1955 auch um das, was in dem Gedicht steht.

  24. #24 Georg Hoffmann
    Juni 2, 2009

    @Patrick

    D. h. jeder Steuerzahler, bezahlt für ein (aus Sachzwängen) stillstehendes Experiment. Und wenn man dann noch diese peinlichen Hip Hop- Versuche der Wissenschaftler vor Ort sieht, fängt mein Hirn doch langsam an zu rattern: “Was machen die da?” ; “Wie transparent kann ich verfolgen, was meine Steuergelder machen?”

    Mich kotzen solche Kommentare dermassen an, mir fehlen glatt ein wenig die Worte.

    @friedrich

    Der Umgang der Wissenschaftler, denen man hier bei Scienceblogs zuweilen begegnet (ich sehe da sehr große Unterschiede und möchte dieses Urteil nicht als allgemeines über alle bloggenden und kommentierenden Wissenschaftler hier vrstanden wissen) mit ihren kritischen Lesern ist nicht unbedingt immer von dem Bewusstsein geprägt, dass sie davon leben, dass die Gesellschaft ihnen große Geldmengen zur Verfügung stellt, die vielleicht auch woanders fehlen.

    Ihre wissenschaftsfeindlichen Ressentiments haben Sie ja schon oft genug unter Beweis gestellt, was Sie nun ausgerechnet hier auf Scienceblogs wollen, bleibt schleierhaft, um aber eins mal klar zu stellen. Mein Bloggen hier ist eine reine Freizeitbeschaeftigung und so rede ich mit jedem hier, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Anscheinend glauben Sie allen Ernstes die steuerfinanzierte Basis der Wissenschaft wuerde jeden Wissenschaftler per “Des Brot ich ess” Mentalitaet dazuverdonnern, jeden Stuss nur ja nicht als solchen zu bezeichnen, weil derjenige, der diesen Stuss verbreitet, schliesslich ja Steuern zahlen wuerde.
    Das ist nunmal nicht so, wie Sie ja schon oft genug schmerzhaft feststellen durften.

  25. #25 Andrea N.D.
    Juni 2, 2009

    @Jörg Friedrich: “…mit Patricks Beitrag, den ich voll unterstütze und über dessen Ausgewogenheit ich sehr froh bin …”
    Das ist ja unglaublich. Philosoph, Naturwissenschaftler, Unternehmer? Alle Beiträge gelesen? Kommentator identifiziert? Ausgewogenheit?!? Was ist das hier? Ein Psychoclub für frustrierte Zukurzgekommene mit Beweihräucherung zwischen JF, Geoman und Patrick, die bisher regelmäßig auf anderen (vernunftgeleiteten) Blogs scheiterten?
    Schließe mich der Sprachlosigkeit von Georg Hoffmann an und bitte die Redaktion doch noch einmal dringend zu überprüfen, ob derartige Seiten (die es zur Genüge auf anderen Plattformen gibt) Science Blogs wirklich unterstützen.

  26. #26 Jörg Friedrich
    Juni 2, 2009

    Ich denke, manche Stellungnahmen hier sprechen so dermaßen für (oder genauer: gegen) sich selbst, da bitte ich um Verständnis, dass ich nicht jeden absurden Vorwurf im Einzelnen zu widerlegen versuche, dass ich nicht jede Verdrehung und Unterstellung einzeln geradezubiegen bereit bin.

  27. #27 Andrea N.D.
    Juni 2, 2009

    @Jörg Friedrich:
    „Die harten Naturwissenschaftler hier fürchten offenbar, dass Vater Staat zukünftig nicht mehr bereit sein könnte, wie bisher fast unkontrolliert riesige Geldmengen in den Wissenschaftsbetrieb zu pumpen und die gegen die Pseudowissenschaften etc. eifernden Blogger wollen verhindern, dass stattdessen andere Formen/Traditionen der Erkenntnisgewinnung oder der Weltbewältigung bezuschusst“

    Meinen Sie jetzt die unbezuschusste Weltbewältigung oder

    „Personen, die ihr eigenes Wirken in Frage stellen und durchleuchten können, sind unerheblich für die geistige Evolution – alles andere ist Rennstalldenken.“

    für die geistige Evolution “unerhebliche” (?) notwendige Personen oder

    „Z. B. hat mich meine Frau gerade eben auf eine Info aus dem TV hingewiesen, die behauptet, weltweit gäbe es einen erheblich höheren Anteil von Automobilen, als dass Personen mit Führerscheinen dies kompensieren könnten 😉
    (Kurz: Zu viele Autos, für zu wenige Fahrer)“

    die Relation von Autos und Fahrern (ein hoch philosophisch-wissenschaftliches Thema aus dem „TV“)

    oder haben Sie vielleicht das nicht genau gelesen?
    “In den Jahren nach der Mondlandung und besonders nach dem Aufkommen der Gentechnik sind Personen, Parteien und Medien populär geworden, die die Naturwissenschaften oftmals wütend beschimpften und sich als Wissenschaftskritiker ausgaben. Doch das waren sie nicht. Sie waren nur Wissenschaftsverächter, die – ohne es zu wissen und zu merken – an dem Ast sägten, auf dem sie und unsere Gesellschaft seit Jahrhunderten sitzen. Ein Wissenschaftskritiker muss dasselbe Verhältnis zur Wissenschaft haben, das ein Literaturkritiker zur Literatur oder ein Theaterkritiker zum Theater hat. Er oder sie sollte die Sache selbst – die Literatur, das Theater oder die Wissenschaft – bewundern und vielleicht sogar lieben, um aus dieser Position heraus in der Lage zu sein, einzelne ihrer Hervorbringungen – eine Inszenierung, einen Roman, eine Untersuchung – abzulehnen und zu verwerfen oder hervorzuheben und anzupreisen. Solch eine Wissenschaftskritik fehlt uns. ”
    Das gibt es schon, und zwar ziemlich gut: http://www.scienceblogs.de/wissenschaftsfeuilleton/

    Ich denke, die meisten Stellungnahmen sprechen für sich. Ihnen scheinen nur immer die Antworten auszugehen, wenn Ihre „Befürworter“ sich in alltäglichen Plattitüden verlieren und Ihre „Gegner“ schlüssig argumentieren.

    Ich denke, hier wurde eine Plattform geschaffen für alle, die allgemeine Wirtshausparolen verbreiten möchten und nach Ihrer INDIVIDUELLEN Erfahrung an irgendwelchen Arbeitsplätzen argumentieren. Dabei übersehen sie, dass Naturwissenschaftler die Punkte, die sie meinen so großartig kritisieren zu müssen, schon lange selbst sehen, beleuchten, bewerten (Verweis nochmalig auf o.g. Link) – und das sogar hier auf Science Blogs. Aber das ist ja gar nicht so spannend – es ist viel spannender auf ein Gedicht (!) hin einmal wieder blindlings pauschal auf die Wissenschaft einzudreschen. Dass das ein bisschen mit einem Psychoclub gemein hat, das werden Sie wohl kaum in Abrede stellen können. Und dass Sie das als Autor unterstützen und dem zustimmen macht mich auf dieser Plattform einfach fassungslos.

  28. #28 Patrick
    Juni 2, 2009

    @ Andrea:

    „Personen, die ihr eigenes Wirken in Frage stellen und durchleuchten können, sind unerheblich für die geistige Evolution – alles andere ist Rennstalldenken.“
    für die geistige Evolution “unerhebliche” (?) notwendige Personen oder…

    Entschuldigung, es sollte unentbehrlich nicht unerheblich heißen. Das war ein Schreibfehler meinerseits.

  29. #29 Patrick
    Juni 2, 2009

    Vielleicht hätten wir es doch bei einer Analyse von G. Eichs Gedicht belassen sollen.

    @ Andrea:
    …die bisher regelmäßig auf anderen (vernunftgeleiteten) Blogs scheiterten?

    “Vernunftbegleitet” wahrlich nur in Klammern gesetzt.

    Ich schreibe es gerne noch einmal: Niemand will sich hier über irgendjemanden stellen, jemanden herunterbuttern oder Anspruch auf seinen Titel erheben.
    Wissenschaftliche Einrichtungen machen dermaßen viel “richtig”, dass eine Diskussion darüber von manchem verständlicherweise durchaus als Angriff gesehen wird… was sie aber nicht sein soll.

    Das ist ein wenig wie eine EDV- Abteilung in einem typischen Unternehmen (sorry für meine neuerlichen Vergleiche aus dem Berufsleben – die passen aber so schön metaphorisch). Die Computerjungs sind unantastbar, weil der Firmendirektor keinen blassen Schimmer von der Technik des Informationszeitalters hat, und sich auf die objektive Selbstverantwortung des (oder der) Abteilungsleiter verlassen muss.

    Nun will ich natürlich keineswegs den Bereich der Wissenschaften mit einer IT- Abteilung (evtl. inkl. einem unfähigen Abteilungsleiter) gleichsetzen. Aber ich will, dass der Wissenschaftler jenen Vergleich versteht.
    Ein detailwissenschaftlich Ahnungsloser wie ich, sieht ironischerweise immer wieder Ungereimtheiten, die dem blinden Verfechter gar nicht erst vor das geistige Auge kommen (zu scheinen).
    Der Nachteil ist, dass ich nicht durchweg komplett ahnungslos bin. Wenn ich dies wäre, käme ich wohl gar nicht erst auf Diskrepanzen (wie z. B. CERN, Mars-Mission, organisierte Eso- Kritik – aber auch in anderen Bereichen, z. B. dem Straßenbau, der Gelderverteilung, den staatlichen Subventionsbereichen, transportlogistischen Bereichen, natürlich – da sind wir schon wieder ganz nahe an dem eigentlichen Thema, dem Gedicht von Herrn Eich).

    Fakt ist: Wissenschaft kann dem Normalbürger so ziemlich alles verkaufen. Kontrollorgane von Wissenschaft sind Wissenschaftler.
    Extrem wichtig finde ich Personen und meinetwegen Weblogs, die in diese Bresche springen und fragen: “Liebe Wissenschaftler, wie sieht es denn hier und da aus, und warum führt ihr denn dort einen Kampf und dort wieder nicht?”
    Wenn man dies aber tut, fühlen sich die Previligierten sofort angegriffen. Die Antworten drehen sich alle um “Du hast keine Ahnung!” plus allgemeiner Stigmatisierung (“Du Wissenschaftsfeind!”, “Du Esoteriker!”, “Du Verschwörungstheoretiker!”, “Du Stammtischler!”).
    Ich weiß gar nicht, wie oft ich hier schon so genannt wurde, obwohl ich auf keine dieser Definitionen passe.

  30. #30 hape
    Juni 2, 2009

    Wenn man dies aber tut, fühlen sich die Previligierten sofort angegriffen. Die Antworten drehen sich alle um “Du hast keine Ahnung!” plus allgemeiner Stigmatisierung

    nope, das stimmt so nicht, wenn du dir z.B. gerade die Kommentare in den Astrodictium Simplex Beiträgen anschaust, die da ja am prominentesten sind, würdest du feststellen, dass idR gerade von den Bloggenden erstmal lang und breit sowohl auf die Kritik eingegangen wird als auch erklärt wird, warum z.B. Astrologie Unsinn ist. Immer zu wiederholen, auf die Kritik werde nicht eingegangen, obwohl das nicht stimmt, bringt auch nicht weiter.

    Kontrollorgane von Wissenschaft sind Wissenschaftler
    Ergibt schon irgendwie Sinn, dass diejenigen die Korrektheit von etwas kontrollieren, die auch was davon verstehen. Das ist ja nicht irgendwie selbstgefällig, schließlich sind es andere Wissenschaftler, die ihre Kollegen kontrollieren.

  31. #31 Thilo Kuessner
    Juni 2, 2009

    Patrick: Das ist ein wenig wie eine EDV- Abteilung in einem typischen Unternehmen (sorry für meine neuerlichen Vergleiche aus dem Berufsleben – die passen aber so schön metaphorisch). Die Computerjungs sind unantastbar, weil der Firmendirektor keinen blassen Schimmer von der Technik des Informationszeitalters hat, und sich auf die objektive Selbstverantwortung des (oder der) Abteilungsleiter verlassen muss.

    Sicherlich ein guter Vergleich. Ich erinnere mich vage, mal von Studien gehört zu haben, in denen gezeigt wurde, daß Unternehmen besonders erfolgreich sind, wenn der Chef nicht meint, von allem Ahnung zu haben und sich im Detail in die Arbeit der einzelnen Abteilungen einmischen zu müssen.

  32. #32 Patrick
    Juni 3, 2009

    @ hape & Thilo:

    Ich lass euch jetzt einfach mal euren argumentativen Ruhm. 😉

    Stimmt aber schon. Man kann alles von zwei Seiten betrachten.