Die Erfolgsgeschichten von Wilhelm Conrad Röntgen, Marie Curie und anderen Forschern des frühen 20. Jahrhunderts müssen für heutige Physiker wie ferne Sagen aus einem goldenen Zeitalter klingen. Vielleicht erzählt man sie sich gegenseitig in den Kneipen von Genf, beim Warten auf das Anfahren des LHC, das sich nun wiederum um Monate verzögert. Vielleicht raunt man sich auch bei ITER, wo mit immer neuen Schwierigkeiten gekämpft wird und die beherrschte Kernfusion immer weiter in die Ferne rückt, einander sehnsuchtsvolle Geschichten aus den Frühzeiten der Kerntechnik zu.

Die physikalisch-technische Großforschung scheint in einer Sackgasse zu stecken. Die Anlagen werden immer gewaltiger, die Systeme immer komplexer. Überwachungsgeräte überwachen Überwachungsgeräte die die Funktion von Sensoren und Sicherungsmechanismen kontrollieren. So soll die Komplexität moderner Versuchsanordnungen beherrschbar werden. Aber es wird nur die Zahl der voneinander abhängigen Komponenten erhöht. Die Möglichkeiten, dass Fehler und Ungenauigkeiten auftreten, vervielfachen sich.

Man fühlt sich an ein altes Gedicht von Volker Braun erinnert, der in den 1970er Jahren “Vom Besteigen hoher Berge” [1] schrieb:

Jetzt sind wir höher als die Baumgrenze geklommen
Aber der Wald hat zugenommen.
Jetzt haben wird das Lager errichtet
Unter dem Gipfel: den keiner mehr sichtet

Die Sicherheit der Prozesse soll gewährleistet werden, aber dabei erhöht sich nur die Unsicherheit über die Frage, ob es auf diese Weise überhaupt je möglich ist, kontrollierbare Abläufe in Gang zu setzen. Vielleicht zeigt der Großbeschleuniger bei Genf niemals einen Ursprung von irgendwas, sondern vielmehr eine Grenze: die Grenze dessen, was für den Menschen technologisch beherrschbar ist.

Die Wissenschaft würde das verschmerzen können. Es gibt so viele unerforschte Phänomene in der Biologie, der Ökologie, der Ökonomie, der Soziologie und anderen Disziplinen dass sich wissbegierige Studenten und junge Forscher ganz sicher keine Sorgen machen müssen: Die Zahl der zu lösenden und lösbaren Rätsel wird nicht kleiner werden.

Für die Physik in ihrer heutigen Form als exakte und auf Technik gestützte Wissenschaft wären die Folgen des Scheiterns ihrer Großprojekte allerdings gravierend. Sie müsste gewisse Fragen, die sie seit Jahren im Fokus hat, auf Dauer als unlösbar zu den Akten legen. Das wäre eine völlig neue Situation in der Geschichte der Wissenschaften. Ein radikaler Paradigmenwechsel wäre notwendig, ein Kapitel der Wissenschaftsgeschichte ginge zu Ende, das mit Galilei und Newton begann.

Volker Braun fragte in seinem Gedicht:

Müssen wir nicht längst umkehren
Und von unsern Posten herabfahren.
Und uns aus den Sicherungen schnüren
Denn dieser Weg wird nicht zum Ziel führen.

Doch damit würde die Physik auch ihre Funktion als Leit-Wissenschaft ein für alle mal verlieren, ihrer Methode des kontrollierten Re-Produzierens von Phänomenen und des exakten Messens mithilfe technischer Apparaturen wäre eine Grenze gesetzt – das würde diesem Arbeiten die Funktion des Idealbildes von Wissenschaft überhaupt rauben.

Vielleicht läuft ja der große Beschleuniger am Genfer See im November. Vielleicht ist die Grenze der Beherrschbarkeit noch nicht erreicht. Vielleicht deuten sich aber in den Verzögerungen beim LHC Umwälzungen an, die die Wissenschaften grundlegend erschüttern werden. Noch einmal Volker Braun:

Tappen ins Ungewisse, aus dem wir aufgestiegen waren.
Die Reibung unser einziger Halt.
Tagelang arbeiten, um einen Zoll zurückzugehn
Verschwinden, um zu bestehn.
Und den Gipfel in wieder erreichbarer Ferne zu sehn.

[1] In Brauns Gedicht, entstanden in der DDR der frühen Honecker-Zeit, ging es freilich nicht um Wissenschaft, schon gar nicht um Physik.

Kommentare (27)

  1. #1 Hannes Kutza
    August 3, 2009

    Meines Erachtens ist das Aufhängen einer Sinnkrisen-Diskussion an den genannten Beispielen (z.B. Teilchenphysik) alles andere als sinnvoll. Hier werden Probleme aufgegriffen, bei denen die physikalische Fragestellung durchaus in philosophische Dimensionen aufgeweitet wird. Deshalb zweifle ich die Art der Bewertung anhand wissenschaftlichen und ökonomischen Nutzens an.. Und um die Metapher weiterzuverwenden: Warum sollte man zurückgehen, wenn wenn nicht mit Sicherheit sagen kann, ob man nicht vielleicht die Baumgrenze selber oder die Farbe der Steine sucht anstatt den Gipfel?

    Und die Verkomplizierung der Messmethoden ist offensichtlich kein Problem der modernen Physik als eher eine logische Konsequenz, oder?

    Ich denke, dass Verhältnismäßigkeits-Gedanken bisher nur wenige wirlkiche Paradigmenwechsel verursacht haben. Erschütternd wäre nur ein Rückzieher vor seinen eigenen Zielen – ganz ungeachtet, ob diese erreicht werden sollten.. Denn Erfolg ließ sich bisher nie erkaufen, denn eher erkämpfen – auch eine Sache, die man von zahlreichen Physikern des 20.Jh.’s lernen kann!.

    Viele Grüße,

    Hannes

  2. #2 Jörg Friedrich
    August 3, 2009

    Ich möche betonen, dass ich keine Bewertung der aktuellen Situatiuon anhand eines physikalischen oder ökonomischen Nutzens vorgenommen habe. Ich will nur darauf hinweisen, dass es keinen Sinn hat zu versuchen, in der Sackgasse immer schneller zu laufen.

    Welche philosophischen Dimensionen sehen Sie? Ehrlich gesagt, philosophisch ist die Physik längst uninteressant geworden. Es ist eigentlich unwichtig, ob das Higgs-Teilchen gefunden wird, ob die String-Theorie richtig ist, ob es irgendwann gelingt, eine einheitliche Feldtheorie zu bauen. Das alles bringt philosophisch nichts Spannendes mehr zu Tage. Interessant wär aus philosophischer Sicht allenfalls noch ein Scheitern der Physik.

    Warum ist die Verkomplizierung der Messmethoden kein Problem der Physik? Die Messtechnik hat die Physik im heutigen Sinne als exakte Wissenschaft erst möglich gemacht. Probleme der Messtechnik würde die Physik zwar gern ausklammern, aber wenn die Messtechnik ernsthaft in Schwierigkeiten kommt, dann hat die Physik ein großes Problem, denke ich.

    Es geht, wie gesagt, überhaupt nicht um Verhältnismäßigkeit. Es geht darum, dass die Physik ihre Ziele auf dem eingeschlagenen Weg vielleicht prinzipiell nicht erreichen kann. Natürlich kann sie dann ihre Ziele umdefinieren, sie kann sagen, dass der Weg selbst das Ziel ist. Aber – wie Sie auch sagen – das wäre erschütternd.

  3. #3 Tobias
    August 3, 2009

    Es sind meiner Meinung nach vor Allem ökonomische Grenzen an die die Physik (und auch die Astronomie) stößt. Technische Kinderkrankheiten wie jetzt beim CERN sind auf jeden Fall in den Griff zu kriegen und verkünden mit Sicherheit keine Grenze der Beherrschbarkeit technischer Großanlagen.

  4. #4 klauszwingenberger
    August 4, 2009

    Wenn ich das richtig verstehe, wird hier vorgeschlagen, auf Experimente wie den LHC zu verzichten, weil man sich damit vielleicht(!) in einer Sackgasse befinde – und weil die Physik philosophisch uninteressant geworden sei.

    Das mit der Sackgasse wäre immerhin ein Ergebnis – Ihr Statement, Herr Friedrich, erlaubt hingegen gar keines, nicht einmal die Feststellung, ob man sich überhaupt in einer Sackgasse befindet. Es hat schlicht die Qualität eines Denkverbotes. Und die Nichtbefassung mit einer physikalischen Fragestellung mag ich mir auch nicht damit rechtfertigen, dass sie der Philosophie nichts nutze. Den Sinn von Naturwissenschaft sehe ich jedenfalls nicht darin, der Philosophie frisches Spielmaterial zuzuliefern. Die steile These, Physik sei für die Philosophie “uninteressant” geworden, könnte man mit dem Ausdruck der Häme übrigens auch mit einiger Berechtigung umkehren; jedenfalls wenn sie sich so rückwärtsgewandt präsentiert.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, begann die Fehlentwicklung der Wissenschaft mit Galilei und Newton. Muss ich das ernst nehmen? Oder unterscheiden Sie Bereiche der Sackgasse, die sich noch zu erforschen lohnten, von solchen, die man lieber in Frieden lässt, um sich stattdessen Ökonomie und Soziologie (sic!) zuzuwenden? (Hier sticht mich der Hafer: warum nicht gleich der Theologie?)

    Ein Artikel mehr, der Nachdenklickeit suggeriert, aber Unausgegorenheit enthält!

  5. #5 Jörg Friedrich
    August 4, 2009

    @klauszwingeberger: Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass man beim LHC weiter wartet und dass man bei ITER weiter forscht. Nirgens ist bei mir von einem Denkverbot die Rede, im Gegensatz zu Ihrem Kommentar, denn Sie wollen offenbar gern das Nachdenken darüber verbieten, dass man sich vielleicht in einer Sackgasse befinden könnte.

    Ich würde mich freuen, wenn meine Befürchtungen sich als falsch erweisen und es sich tatsächlich, wie Tobias meint, um Kinderkrankheiten handelt. Wenn Sie sich aber gleichzeitig vergegenwärtigen, dass im Moment 7 der 17 Kernreaktoren Deutschlands und damit fast 50% der Leistung wegen technischer Probleme abgeschaltet sind, fürchte ich doch um die technische Beherrschbarkeit von Großanlagen.

  6. #6 miesepeter3
    August 4, 2009

    wenn man bei technischen Großanlagen die menschverursachten Fehler abzieht, hat man wahrscheinlich nur noch die Hälfte Fehler. Die wird man schon irgendwann irgendwie in den Griff kriegen. Wenn nicht auf die eine Weise, dann auf eine andere.
    Die Technik entwickelt sich immer weiter fort. Vielleicht werden wir solche Großanlagen irgendwann in Schreibtischgröße haben oder wir werden uns an die Anfälligkeit gewöhnen und die Forschungsvorhaben dauern etwas länger.
    Die Technik war noch nie Auslöser für wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern nur Hilfsmittel. Der menschliche Gedanke ist das Hauptwerkzeug der Wissenschaft. Und die meisten können immer noch ohne technische Unterstützung denken.
    Es wird auf allen Gebieten immer wieder Neues geben, ob nun mit oder ohne Technik.
    Richtig ist die Überlegung, ob solch technisch schwierig zu händelnden Anlagen noch wirtschaftlich sind.

  7. #7 Jörg Friedrich
    August 4, 2009

    Alle Fehler sind Menschen-verursacht. Und es ist ganz egal, wie man die Probleme klassifiziert, die Frage ist einfach, welche Fehlerwahrscheinlichkeit letztlich dazu führt, dass die ganze Sache instabil wird.

    Denken können die Menschen ohne technische Hilfsmittel (von mir abgesehen, ich brauche zum Denken immer ein Schreibwerkzeug, vorzugsweise mein Notebook 😉 ) – aber Experimentieren nicht. Die allerersten exakten wissenschaftlichen Experimente setzten einen gewissen Stand der Messtechnik und der Ingenieurskunst vorraus – nicht umgekehrt.
    “Es wird auf allen Gebieten immer wieder Neues geben, ob nun mit oder ohne Technik.” – Ganz Ihrer Meinung. Aber bestimmte Fragen, wenn sie von einer nicht beherrschbaren Technik abhängen, bleiben vielleicht unlösbar.

    Nochmal @klauszwingenberger: Interessant dass sie eine Ära als Fehlentwicklung ansehen würden, nur weil sie zu Ende geht. Noch interesssanter, dass Sie bei dem Wort Soziologie “der Hafer sticht”.

  8. #8 klauszwingenberger
    August 4, 2009

    So leicht kommen Sie mir nicht davon! Über Sackgassen kann man debattieren, wenn man herausgefunden hat, dass man sich in einer befindet. Das ist eine Frage der Empirie, steht also an ENDE eines Experimentes. Ihre schöne Metapher von dem schnelleren Laufen in der Sackgasse setzt genau das aber voraus. Wenn Sie jetzt beteuern, sie hätten gar nichts gegen die Weiterführung der Experimente, dann frage ich mich, worauf Ihr Eingangsbeitrag eigentlich hinaus will.

  9. #9 Jörg Friedrich
    August 4, 2009

    @klauszwingenberger:

    Nehmen wir das Sackgassenbild einmal nicht als Bild aus dem Straßenverkehr sondern etwas metaphorisch als Bild aus der Bergsteigerei, welches ja auch von Brauns Gedicht verwendet wird. Wenn Sie da nicht weiterkommen, werden Sie ersteinmal nach immer neuen Wegen suchen, Sie werden Steine wegräumen, Stufen schlagen, immer wieder Wände zu übersteigen versuchen. Manchmal müssen Sie sich aber irgendwann eingestehen, dass Sie in einer Sackgasse sind, dass Sie hier nicht weiterkommen.

    Dazu müssen Sie aber erst mal den Gendanken zulassen dass es sich um eine Sackgasse handeln könnte. Und das genau ist die Intention meines Textes: Ersteinmal den Gedanken zuzulassen, dass es für die technologische Großforschung eine Sackgasse geben könnte, in der kein Flicken eines Vakuumlecks, kein Einbau eines zusätzlichen Sensors mehr helfen wird.

  10. #10 Andrea N.D.
    August 4, 2009

    Gibt es eigentlich keinen Literaturwissenschaftler, der bei der Zweckentfremdung des Braunschen Gedichts aufschreit? Das ist doch wirklich eine interessante Sache: ich nehme zwei völlig sachfremde Dinge, füge eine Anmerkung an, dass sie sachfremd sind, aber baue dann trotzdem die Argumentation darum herum auf der Zweckentfremdetheit auf. Die Literaturwissenschaft sollte ihre Methoden überdenken. Ohne Literaturausflug wäre der Text in meinen Augen kürzer und prägnanter geworden und ganz ehrlich: ich bin nicht in der DDR aufgewachsen und ich fühle mich auch nie an Volker Braun erinnert.

    Wenn die Intention keine ökonomische ist, dann verstehe ich den Artikel auch nicht. Geht es hier um Prophetentum? Gedanken zulassen – also ich persönlich kann zumindest keine Gedanken lesen.
    Da ist es doch ziemlich gut, dass die Realität bald zeigen wird, ob der unkende Prophet recht behält oder die Wissenschaftler.

  11. #11 Mynona
    August 6, 2009

    Liebe Andrea N.D.,

    Sie riefen nach einem Literaturwissenschaftler und Sie bekommen einen. Hier die Antwort auf Ihre Frage: Nein.

    MfG,
    Mynona

    P.S. Den Rat/Hinweis (oder handelte es sich gar um eine Forderung?), die Literaturwissenschaft solle ihre Methoden überprüfen, nehme ich natürlich dankbar an. Im Gegenzug möchte ich Ihnen auch einen Rat erteilen: Führen Sie sich doch mal Genettes Reflexionen zur Intertextualität zu Gemüte, verbringen Sie einen schönen Nachmittag mit Blumbergs Gedanken zur rhetorischen Figur der Metapher, disputieren Sie mit Ihren Freunden/-innen über Eagletons Ausführungen zu den vielfältigen Möglichkeiten einer gelungenen Gedichtanalyse und schmökern Sie vor dem Zubettgehen noch ein wenig in einschlägigen Werken zu den literarischen Gattungen “Parabel” und “Gleichnis”. Ich garantiere Ihnen jetzt schon, dass die Lektüre auch in realiter gewinnbringend ist, z.B. für mich, der sich dann nicht mehr über einen dermaßen ignoranten und nachgerade peinlichen Kommentar wie den Ihren an den Kopf greifen muss.

  12. #12 Andrea N.D.
    August 6, 2009

    Liebe Mynona,
    Ich hatte mich wohl missverständlich ausgedrückt:
    Ironie an “Die Literaturwissenschaft sollte ihre Methoden überdenken. ” Ironie aus
    Und jetzt erklären Sie mit bitten den Zusammenhang zwischen LCH und dem dazu “missbrauchten” Gedicht eines weitgehend unbekannten DDR-Autors. Die Zweckentfremdung von Literatur, die nachweislich anderes im Sinne hatte, zur Untermalung der Argumentation gegen Dinge wie LCH finde ich bestenfalls befremdlich. Und das verunglimpft in meinen Augen die Methoden der und die Literaturwissenschaft an sich. Jetzt klarer?

  13. #13 Jörg Friedrich
    August 6, 2009

    @Andrea N.D.: Sie pflegen offenbar einen anderen Umgang mit Gedichten als ich. Für mich meist Lyrik zumeist über den konkreten Anlass ihrer Entstehung hinaus, in ihren Bildern weist sie oft auf allgemeinere Daseinsprobleme des Menschen hin. Im Falle von Brauns Gedicht ist es die Situation, sich im verzweifelten Bemühen, voran kommen zu wollen, irgendwann die Frage stellen zu müssen ob man überhaupt über die Kräfte verfügt, das Ziel zu erreichen, und ob man sich überhaupt noch auf dem richtigen Weg (oder genauer gesagt einem möglichen Weg zum Ziel befindet.

    Dass Sie Volker Braun für einen weitgehend unbekannten Autor halten ist bedauerlich, ich zitiere auf die Schnelle mal ein Stück aus dem Wikipedia-Artikel über Volker Braun:

    1986 wird Braun der Bremer Literaturpreis verliehen, 1992 wird er mit dem Schiller-Gedächtnispreis ausgezeichnet. 1993 erhält er ein Stipendium der Villa Massimo und ist 1994 Gast der Universität Wales. 1996 erhält er den Deutschen Kritikerpreis, wird Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Sächsischen Akademie der Künste und hält Poetik-Vorlesungen an der Universität Heidelberg. Er erhält 1998 den Erwin-Strittmatter-Preis und 2000 den Büchner-Preis. Von 1999 bis 2000 hat er die Brüder Grimm-Professur an der Universität Kassel inne. 2006 wird er zum Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste (Berlin) gewählt. 2008 erhält er den ver.di-Literaturpreis 2007 für seine Erzählung Das Mittagsmahl.

    Ich bin kein Literaturwissenschaftler und wollte hier keine literaturwissenschaftlich stichhaltige Interpretation von Brauns Gedicht geben. Aber ich denke, “Vom Besteigen hoher Berge” spricht über weit mehr als über die Mühen der sozialismusfreundlichen Intellektuellen in der DDR. Und deshalb passt es in den Zusammenhang meiner Überlegungen über die Grenzen der Beherrschbarkeit von technischen Großanlagen.

  14. #14 Andrea N.D.
    August 6, 2009

    @Jörg Friedrich:
    Vielen Dank für die Informationen zu Braun – offensichtlich habe ich da wirklich eine Bildungslücke. Umso erstaunlicher, dass Myona einen Streifzug durch die Literaturwissenschaft angeboten hat und ihr dies nicht aufgefallen ist.

    “Aber ich denke, “Vom Besteigen hoher Berge” spricht über weit mehr als über die Mühen der sozialismusfreundlichen Intellektuellen in der DDR. Und deshalb passt es in den Zusammenhang meiner Überlegungen über die Grenzen der Beherrschbarkeit von technischen Großanlagen.”
    Ja – und genau hier bin ich anderer Meinung. Es passt überhaupt nicht in den Zusammenhang sondern wird zweckentfremdet, ja sogar fast “missbraucht”. Was würde Braun dazu sagen?

  15. #15 Karl Mistelberger
    August 14, 2009

    Vielleicht zeigt der Großbeschleuniger bei Genf (LHC) niemals einen Ursprung von irgendwas, sondern vielmehr eine Grenze: die Grenze dessen, was für den Menschen technologisch beherrschbar ist.

    Der LHC zeigt nicht die Grenze von irgendwas. Es war auch nicht beabsichtigt dies zu tun. Er ist ein grosser Schritt vorwärts, verglichen mit Fermilab erhöht sich die Energie von 2 auf 14 TeV und die Luminosität von 1,7×10^32 (http://www.interactions.org/cms/?pid=1023946) auf 1×10^34 cm^-2 s^-1 (http://www.lhc-facts.ch/).

    Wenn nach Beseitigung der meisten Kinderkrankheiten die Auslegungsziele erreicht sein werden dann wird wiederum keine Grenze des technologsich Beherrschbaren demonstriert worden sein. Vielmehr wird man in aller Klarheit sehne können, welche weiteren Schritte möglich sind und welcher Aufwand dafür getrieben werden muss.

  16. #16 Jörg Friedrich
    August 14, 2009

    @Karl Mistelberger: Zunächst ist das von ihnen genannte Ziel ja wiedereinmal in weite Ferne gerückt. Wenn es aber tatsächlich so sein wird wie Sie sagen, und wenn ITER tatsächlich nicht weiter verschoben wird und irgendwann einmal Strom in nennenswertr Menge produziert, wenn es also mit diesen big-science-Projekten tatsächlich so sein wird wie seinerzeit mit Boyles Luftpumpe, nun dann werde ich gern zugeben, dass ich zu pessimistisch war.

    Was nur auffällt: Trotz der immer größeren technischen Möglichkeiten, trotz des riesigen Wissens-Zuwachses, trotz der wachsenden Investitionen dauert es immer länger, bis eine neue Technologie funktioniert. Müsste die Zeit von der Idee, vom ersten wissenschaftlichen Konzept, bis zur Umsetzung nicht relativ konstant bleiben, bei wachsenden technologischen und finanzielen Mitteln, bei Zunahme der Erfahrung und des Wissens der exakten Wissenschaften?

  17. #17 Odysseus
    August 15, 2009

    Trotz der immer größeren technischen Möglichkeiten, trotz des riesigen Wissens-Zuwachses, trotz der wachsenden Investitionen dauert es immer länger, bis eine neue Technologie funktioniert.

    Das ist doch schlicht falsch. In den letzten 400 Jahren haben das gesammelte Wissen der Menschheit und die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung quasi exponentiell zugenommen. Zwischen Galilei und Newton — den Begründern der klassischen Mechanik — lagen noch etwa ein Jahrhundert, zwischen dem Automobil und dem ersten Flugzeug nicht einmal zwei Jahrzehnte. Zwischen Gagarin und der Mondlandung (ein Schritt von drei Größenordnungen, wenn man die Entfernung von der Erde als Maßstab nimmt) lagen nur noch acht Jahre. Im letzten Jahrhundert kam es zu einem ungeahnten technischen Fortschritt; wer hätte 1970 die Entwicklung der Computer, wer 1990 das rasante Wachstum des Internets vorhergesagt?

    Dass die friedliche Nutzung der Kernfusion sich hinzieht, kann kein ernsthaftes Argument sein. Es handelt sich hierbei um eine Jahrhunderttechnologie, die in Zeiten knapper Forschungsbudgets (ITER wurde radikal zusammengestrichen) nicht so einfach zu machen ist — das begreift jeder, der sich ein wenig damit beschäftigt. Und selbst wenn die Fusion sich als ‘Sackgasse’ herausstellen sollte: Damit wäre ein (zugegebenermaßen wichtiges) Projekt gescheitert, nicht aber die Physik.

    Und der LHC? Noch bevor auch nur eine Kollision stattgefunden hat, spekulieren Sie über ein Scheitern des Experiments. Das ist unseriös. Sie beobachten zwar richtig, dass es auch beim LHC zu Verzögerungen kommt. Aber was erwarten Sie denn? Es handelt sich um die größte Maschine, die Menschen je gebaut haben, ein Projekt, dass Jahrzehnte auf internationaler Ebene geplant wurde. Wenn der Start sich jetzt um ein oder zwei Jahre verschiebt, ist das noch lange kein Grund, die Machbarkeit in Frage zu stellen. Im Gegenteil, angesichts dieser Komplexität bewundere ich die Leistung der beteiligten Wissenschaftler und Techniker. Ein Beweis für das, was von Menschen machbar ist. Sie hingegen sehen uns hier schon die Grenzen aufgezeigt; eine reichlich schräge Sichtweise, wenn man mich fragt.

    Und selbst wenn Sie Recht hätten und das Tempo des Erkenntnisgewinns in der Physik abnähme, was würde das schon implizieren?

    Müsste die Zeit von der Idee, vom ersten wissenschaftlichen Konzept, bis zur Umsetzung nicht relativ konstant bleiben, bei wachsenden technologischen und finanzielen Mitteln, bei Zunahme der Erfahrung und des Wissens der exakten Wissenschaften?

    Warum sollte das so sein? Es kann gut sein, dass die bisher entdeckten Naturgesetze die leichtesten Stückchen im Puzzle der Natur waren — die Eckteile und Ränder sozusagen. Vielleicht ist es tatsächlich etwas schwieriger, den Rest zu finden. Aber trotzdem hört man nicht auf zu puzzeln (ich weiß, das haben Sie auch nicht verlangt).

    Bis jetzt hat die Physik immer wieder Antworten auf die Fragen gefunden, die sich selbst stellt, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass man nun in einer Sackgasse sein sollte. Sollen die ungelösten Rätsel der Teilchenphysik und Kosmologie grundsätzlich unbeantwortbar sein? Das würde allen Erfahrungen widersprechen; und selbst wenn es so sein sollte, wenn wir nicht weiterforschen, werden wir es nicht herausfinden.

    Herr Friedrich, Sie wären nicht der Erste, der das Scheitern der Physik prophezeit. Aber Sie wären der Erste, der Recht behält.

  18. #18 Webbär
    August 15, 2009

    Bis jetzt hat die Physik immer wieder Antworten auf die Fragen gefunden, die sich selbst stellt, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass man nun in einer Sackgasse sein sollte.

    “Sackgasse” ist in der Tat pessimistisch, aber es kommt nicht mehr viel, gell?
    Zumindest stellt sich die Nutzhaftigkeit der Sache nicht mehr klar heraus, und das schon seit einiger Zeit.
    Es könnte eben sein, dass dem Verständnis der Menschen hier gewisse Grenzen natürliche gesetzt sind. Was nicht heissen soll, wir sollen nicht forschen, sondern eher – wenn der Autor richtig verstanden wurde – wir sollten es ruhig bei dieser Art von Grundlagenforschung etwas ruhiger angehen lassen, dabei auch die Ressourcenfrage stellen, also ob die Mittel (vglw.) sinnvoll eingesetzt werden.

  19. #19 Jörg Friedrich
    August 15, 2009

    @Odysseus: Vielen Dank für den langen und durchdachten Kommentar. Wenn ich vo der Verlansamung der technogischen Entwicklung schreibe, meine ich die letzten 100 Jahre, das hätte ich genuer formulieren sollen. Vergleiche einmal die Entwicklung der Kernspaltung mit der der Kernfusion: 1938 wurde die Kernspatung entdeckt, die erste kontrollierte Kettenreaktion gab es 1942, und 1951 lieferte der erste Forschungsraktor elektrischen Strom. Von da bs zum ersten Kernkraftwerk waren es noch 4 Jahre. Das war in der Zeit vn Krieg und Nachkrieg. Bei der Kernfusion sieht es nders aus: seit den 1950er Jahren wird an der kontrollierten Kernfusion geforscht, 1991 wurde das erste mal nennenswert für 2 sec. Energie erzeugt, letztlich ist man bis heute noch nicht wesentlich weiter obwohl daran in Friedenszeiten quasi die ganze industrialisierte Welt gemeinsam forscht.

    Es ist übrigns nicht ganz richtig, dass ITER “zusammengestrichen” wurde, vielmehr hat man sich auf ein anderes als das ursprüngliche Vorgehen geeingt und dabei erwartet dass man auch Geld sparen könnte. inzwischen wird aber der Finanzbedarf schon wieder kräftig (um über 100%) ausgeweitet, sodass man schon wieder eit über den ursprünglichen Annahmen liegt – gleichzeitig werden die Zeipläne rasant verschoben.

    Ich finde es übrgens interessant, dass man solche Verschiebungen (wie auch beim LHC) als Selbstverständlichkeiten hinstellt. Wenn die so sestverständlich sind, hätte man von Beginn an andere Zeitpläne machen müssen. Viele Forschungsprogramme z.B am LHC wurden auf die ehrgeizigen Ziele hin ausgerichtet. Da warten jetzt Forscher aus der gazen Welt auf Daten. Da wirdgar nicht weitergeforscht, da wird gewartet undinzwischen ein bisschen an den Simulationen gebastelt. Wer in der Physik forschen will, sollte vielleicht allmählich ein anderes Fortschungsfeld suchen.

  20. #20 Jörg Friedrich
    August 15, 2009

    Ich wollte ls weiteres Beispiefeld noch die Entwicklungszeiten neuer Flugzeugtyen anführen. Bedenken Sie dabei, dass die Erfahrungenund die technischen Möglichkeiten (Simulationen, Modelle,..) immer mehr wachsen. Trotzdem bekommt man offenbar die Komplexität des eigenen Produktes ab einer bestimmten Größenordnung kaum noch in den Griff.

  21. #21 Arne
    August 25, 2009

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich bin ehrlich erschrocken über die latente Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit einiger Kommentare – insbesondere da ich annehme, dass hier nicht das übliche hysterisch-depressive Internetpublikum verkehrt. — Das macht die Sache allerdings eher beunruhigender denn besser.

    Wie kann man allenernstes erwarten, dass Projekte von der hier diskutierten Größenordnung “planmäßig” ablaufen? Wer jemals an einer wissenschaftlich-technischen Aufgabenstellung gearbeitet hat, wird wissen, dass selbst bei klar umrissenen, übersichtlichen Projekten “erstens alles anders kommt und zweitens als man denkt”.
    Das hat in meinem Verständnis nichts mit einem grundsätzlichen Problem der Wissenschaft oder des Ingenieurwesens zu tun, sondern ist vielmehr ein immanenter Zeit derselben. Planbarkeit ist insofern ein sehr relativer Begriff. Sicherlich sind auch Management, Finanzierung und Methodik von Einfluss, aber diese grundlegende Charakterisitk lässt sich damit nicht verdecken.

    Wer aber nun grundsätzlich anerkennt, dass Ungewissheit und Überraschungen (auch solche von der unangenehmen Sorte!) zum Geschäft gehören kann erstaunliches feststellen:
    — selten bis nie gehen Teilchenbeschleuniger, Flugzeuge, Gebäude oder Versuchseinrichtungen spektakulär in Flammen auf. Man vergleiche dies mit der vielbeschworenen “goldenen Zeit” in der nicht selten auch der hoffnungsvolle Wissenschaften mitverloren ging.
    — die Verluste an Menschenleben im Zuge der wissenschaflichen Forschung und bei technischen Großprojekten ist verschwindend gering. Man vergleiche dies mit den Pionierzeiten der Luftfahrt, Elektrizität, Eisenbahn, etc.
    — die Nutzung der neuesten (!) Protukte des technischen Fortschritts war nie risikoloser als heute. Man vergleiche mit den Risiken, die frühe Nutzer von Flugzeug, Automobil und Elektrizität auf sich nahmen. Trotzdem erscheint die Sorge, dass das “neue, unbekannte” mehr schaden als nutzen könnte heute ungleich ausgeprägter.
    — trotz aller Hiobsbotschaften führen unzählige Unternehmen und Labore jeden Tag Projekte durch, die es nicht auf die Titelseiten schafften. Dem Leser bleibt es überlassen zu ergründen, ob dies daran liegt, dass der Platz auf der Titelseite begrenz ist, oder weil sich mit Erfolgsmeldungen keine Auflage machen lässt…

    Zu guter letzt: die Annahme jede Entwicklung müsse auf die Vorangegangene in immer kürzeren Abständen folgen entbehrt jeder Grundlage; ein Beweis dieser Aussage ist allerdings ohne hellseheische Fähigkeiten schwerlich zu führen. Im Zweifelsfalle für den Angeklagen.
    Die Zeit von 1900 bis 1950 erscheint mir vielmehr als absolute Ausnahmeerscheinung in der Menschheitsgeschichte. Man kann dies übrigens auch als Chance begreifen: dem Menschen bleibt etwas mehr Zeit die Entwicklung zu bewältigen statt sich wie in benanntem Zeitraum von ihr überrollt zu werden.

    Nach der Lesart einiger Kommentatoren zu schließen hat der Eingangstext zu dem Meisterewrk von Douglas Adams “The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” (dt. “Per Anhalter durch die Galaxis”) erschreckende Resonanz gefunden:

    “[…] Many were increasingly of the opinion that they’d all made a big mistake in coming down from the trees in the first place. And some said that even the trees had been a bad move, and that no one should ever have left the oceans […]”

    Dem kann man aber auch entgegen halten (aus dem selben Werk):

    “[…] There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable. – There is another theory which states that this has already happened. […]”

    woraus ich persönlich doch einigen Mut schöpfen kann. 😉

    Grüße aus Ulm
    Arne

  22. #22 Andrea N.D.
    August 26, 2009

    @Arne
    “Ich bin ehrlich erschrocken über die latente Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit einiger Kommentare – insbesondere da ich annehme, dass hier nicht das übliche hysterisch-depressive Internetpublikum verkehrt. — Das macht die Sache allerdings eher beunruhigender denn besser.”

    Welche Kommentare meinst Du? Bis auf einige wenige Kommentare, die sich nicht direkt auf die Wissenschaftsfeindlichkeit bezogen, sind die Kommentare von Jörg Friedrich die einzigen, die latent Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit ausdrücken – in Antwort auf Hannes Kutza, Klauszwingenberger, Tobias, Miesepeter 3, Karl Mistelberger, Odysseus, also sämtliche Kommentare, die hier getätigt wurden.

  23. #23 Webbär
    August 26, 2009

    @AND:
    JF bemüht sich ganz anscheinend die Wirtschaftlichkeit der Wissenschaft zu bearbeiten. Selbstverständlich muss diese gegeben sein, wir erinnern uns: Wissenschaft ist Gesinnung. Nicht Selbstzweck. Forschung ist nicht frei.
    Selbstverständlich sind hier alle Wissenschaftsoptimisten. [1]
    Arne hat klugerweise THGTTG zitiert, auch Pratchett [2] wäre hier eine Quelle gewesen, CERN wird allerdings mittlerweile ein wenig esoterisch.
    Der Webbär plädiert eher für die Anwendung, also bspw. die Raumfahrt.

    [1] Ausnahmen wirken hier bestätigend.
    [2] Sloterdisk?

  24. #24 Florian Freistetter
    August 26, 2009

    @Webbär: “Wissenschaft ist Gesinnung. Nicht Selbstzweck. Forschung ist nicht frei.”

    Das deutsche Grundgesetz ist hier allerdings anderer Meinung:

    Artikel 5: (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

  25. #25 Webbär
    August 26, 2009

    @FF:
    Frei im Sinne der Verfassung, also im Sinne der demokratischen Willensbildung. Sieht man ja in der Praxis auch allerorts.
    Soll die W IE ausserhalb der o.g. Willenbildung sein, per se frei?

  26. #26 Jörg Friedrich
    August 26, 2009

    @Arne: Wo genau sehen Sie Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit? Und warum “latent”?

    Wissen Sie, ich halte es eher für wissenschaftsfeindlich und technikfeindlich immer wieder Versprechungen über Zeitpläne und Budgets zu machen, die nicht eingehalten werden. Überall auf der Welt ist es üblich, dass bekannte Risiken und Erfahrungen, aus denen man ableiten kann, dass termine sich verzögern und Budgets nicht eingehalten werden, in die Pläne von Anfang an mit einkalkuliert werden. Gerade weil man weiß, dass nichts auf Anhieb funktioniert, gehört es zu den Sorgfaltspflichten der Projektverantwortlichen, entsprechende Pufferzeiten und Mehr-Ressourcen einzuplanen. Wissen Sie, wie viele Wissenschaftler, Doktoranden und Studentenihre Arbeitspläne auf die versprochene Inbetriebnahme des LHC eingestellt haben und seit einem Jahr darauf warten, diese Arbeiten fortsetzen zu können? Ist es nicht wissenschaftsfeindlich, denen solche Versprechungen gemacht zu haben wenn es doch so klar und selbstverständlich war, dass “Kinderkrankheiten” zu erwarten sind? Glauben Sie wirklich, die Verantwortlichen laden alle EU Regierungschefs zur feierlichen Inbetriebnahme im Herbst 2008 ein wenn sie es für ganz klar halten, dass es Startschwierigkeiten gibt die zu Verzögerung von über einem Jahr, zur vollen Leistungsfähigkeit sogar weit darüber hinaus führen?

  27. #27 Webbär
    August 26, 2009

    Die behauptete Latenz [1] ist wie auch der Haupt-Vorhalt der Wissenschaftsfeindlichkeit zurück zu weisen, es entsteht fast zwingend – wie exemplarisch auch FFs Einwurf nahe legt – der Eindruck, dass mit bestimmten Mitteln die freie Debatte bzgl. des Sinns und Zwecks wissenschaftlicher Fragen bzw. des wissenschaftlichen Vorgehens unterbunden werden soll.
    Man darf und soll bzgl. der kritisierten Projekte und Arbeiten anderer Meinung sein bzw. andere Erwartungsprognosen hegen.
    Der Kritiker und Hinterfrager der Wissenschaft sollte aber nie als Feind der Ordnung dargestellt werden.

    [1] sehr unfreundlich