Arte-Fakten

25 Jahre Commodore Amiga

25jährige Jubiläen sind immer der beste Test dafür, wir alt sich jemand fühlt. Wenn Sie jetzt also beim Lesen der Überschrift gedacht haben “Mein Gott, so lange soll das schon her sein?” dann sind Sie definitiv schon ziemlich alt. Falls Sie wehmütig hinzufügen: “Ja, den hatte ich auch, ich hatte sogar ‘nen C64!” dann haben Sie sogar bereits einen Hang zur Nostalgie. Wenn Sie aber sagen: “Wie Was? Amiga? Die Freundin vom Commodore? Welcher Commodore?” dann sind Sie halt noch sehr jung.

Heute vor 25 Jahren kam der Commodore Amiga auf den Markt. Schon damals wurden große Shows veranstaltet um die neuesten Erzeugnisse der High-Tech-Industrie zu präsentieren. Beim Amiga waren Blondie und Andy Warhol dabei (für die Jüngeren: fragt einfach Wikipedia).

Der Amiga war in vielem der erste: Er hatte als erster ein präemptives Multitasking-Betriebssystem, eine farbige Benutzeroberfläche und Vierkanal-Sound.

Amiga ist aber auch ein Beispiel dafür, dass Erfolg, wenn er denn zu sehr zufrieden macht, die Vorstufe zum Niedergang ist. Die sprudelnden Gewinne wurden bei Commodore nicht in Neuentwicklungen investiert, und so verblasste der Ruhm des Amiga schon Anfang der 1990er.

Was bleibt, ist ein Test, wie alt und sentimental wir geworden sind.

Kommentare

  1. #1 Gunnar
    Juli 23, 2010

    Ach ja. Amiga und C-64. das waren noch Zeiten und Maschinen…

    Mein Amiga hat leider irgendwann das Zeitliche gesegnet, aber der C-64 muss irgendwo noch bei meiner Mutter auf dem Dachboden herumgeistern. Mit 1541 Diskettenlaufwerk, oh Luxus und Wunder der Technik.

  2. #2 Der Webbaer
    Juli 23, 2010

    1985 hatte der Wb privat einen PC XT [1] und war so blöd nicht an GUI-Betriebssysteme zu glauben. Also nix mit Amiga und so…
    Davor hätte sich der Wb fast einen Apple II-Klon gekauft, naja, war dann doch ne gute Entscheidung, die Dinger verschwanden nach 1980 recht schnell.
    Dem o.g. XT folgte ein AT [2] mit Doppeldisk-Laufwerk. ;)

    MFG
    Wb

    [1] “extended technology”
    [2] “advanced”

    PS: Erster Rechner: Ein programmierbarer Noname, frisch geliefert von Tschibo, ca. 1975.

  3. #3 mateipa
    Juli 23, 2010

    Seufz (über vier Oktaven)…

    Das war schon toll, so tags und nachts vor einem VC-20 oder ZX Sinclair Spectrum zu hocken und mit BASIC (jaja, liebe Kinder, damals machte man noch selber Software) zu hantieren.
    Nur die 60Hz waren nicht so gut für die Augen.

  4. #4 Blogsenstopp
    Juli 23, 2010

    Was haben wir uns damals gemüht, um PC-Benutzer von den Vorzügen des Multitaskings zu überzeugen! “Wozu soll denn dieses Multitasking gut sein? Der Rechner wird doch nicht schneller, nur weil er mehrere Programme simultan ausführt!” Es war zum verzweifeln. Ich erinnere mich noch an die Fernsehwerbung von IBM, dass man bei OS/2 dank Multitasking während des Druckens weiterarbeiten kann. Selbst IBM musste damit scheitern. Aber als dann 10 Jahre später (nämlich 1995) Windows als letztes nennenswertes Betriebssystem beim präemptiven Multitasking ankam, sprachen sie alle ganz erfurchtsvoll davon!

  5. #5 JensM
    Juli 23, 2010

    Ich hab mir als 8 oder 10 Jähriger den C64 meines großen Bruders geschnappt, die Anleitung verschlungen und mir Bilder aus sehr großen Pixeln auf den Fernseher gezaubert…

    Achja und Maniac Manson und Zak McKracken dürfen nicht unerwähnt bleiben!

  6. #6 Arnd
    Juli 23, 2010

    Farbige Benutzeroberflächen gab’s schon lange vor dem Amiga. Auch mit Fenstern. Der Atari-ST konnte das auch schon, wenn auch in mikriger Auflösung. Und auch die allerersten Windows 3.11 konnten schon farbig.

    Beim präemptiven Multitasking war der Amiga zwar einer der ersten, aber nicht der erste. Im Homecomputerbereich gebührt diese Ehre dem Sinclair QL (1984) und die damaligen Unix-Kisten (waren aber keine Homecomputer) konnten das auch schon.

    4-Kanal-Sound mag wirklich der Amiga der erste gewesen sein. Vor allem bei Hardware-beschleunigter Grafik war er zwar nicht der erste, aber er hat neue Maßstäbe gesetzt.

  7. #7 Arnd
    Juli 23, 2010

    Korrektur: Windows 3.11 kam lange nach dem Amiga, aber der Atari war schon da.

  8. #8 Michael
    Juli 23, 2010

    @Arnd
    “Lange vorher” ist etwas übertrieben.
    Der erste kommerzielle Rechner der daheim halbwegs erschwinglich war und eine GUI bot, dürfte Apple Lisa gewesen sein, der Mac, der erste erfolgreiche Rechner mit GUI kam 1984. Atari war mit dem ST wie der Amiga 1984 am Start, wenn auch ein paar Monate vorher.
    GUI, preemptives Multitasking und leistungsfähige “Multimedia”-HW gab’s erst mit dem Amiga.

  9. #9 Christoph
    Juli 23, 2010

    Ah, ich war nie wieder so glücklich mit einem Computer wie zu Zeiten von C64 und Amiga. Mein erstes Basic, dann mein erstes Assemblerprogramm. Hat den Bildschirm gelöscht (Aller Anfang ist schwer ;-) )

    Es gab für den C64 sogar schon eine graphische Oberfläche namens Geos. Kann mich nur trüb erinnern, hat mich aber damals fasziniert.

    Den Amiga habe ich dann schon nicht mehr so geliebt, aber als ich dann auf den PC gewechselt habe, das war bitter. Ich hatte für damals (Anfang 90er schon ne rasant schnelle Kiste 80486DX2). Empfindung: Dos(WTF?) oder Windows 3.11 (WTF!!), schwache Grafik, Beep als Ton, … Vom Amiga kommend, war das ein schöner Rückschritt…

    Was ich noch als interessant empfinde, wenn man sich die uralten Spiele per Emulator nochmal reinzieht, wie schlecht die Grafik nach heutigen Maßstäben war und wie genial man sie in Erinnerung hat…

    Trotzdem, Giana Sisters, R-Type, Blood Money, Defenders of the Crown, …

  10. #10 Jörg Friedrich
    Juli 23, 2010

    Ich kann mich da selbst nicht dran erinnern, aber meine Recherchen ergaben, dass der Atari ST standardmäßig eine Monochrom-Grafik hatte, für Farbgrafik brauchte man wohl einen Fernseh-Ausgang. Dann wäre der Amiga doch der erste mit richtiger Farbe.

  11. #11 Arnd
    Juli 23, 2010

    Nee, der Atari konnte Farbe an einem Monitor. Und der Sinclair QL war vorher dran mit präemptiven Multitasking (Quelle: Wikipedia). Der Amiga war trotzdem interessant, aber nicht DER große Vorreiter.

  12. #12 Nele
    Juli 24, 2010

    Ich hatte einen Amiga 500 und später reinen 2000er – bin ich aber nie richtig warm mit geworden. Den Umstieg auf einen rasanten 286er AT (12Mhz, 1MB Ram, 10MB Festplatte) habe ich nie bereut – ich fand das System überschaubar und angenehm zu arbeiten und programmieren – mit Turbo Pascal, das kannte ich noch von CP/M her. :)

    Dazu hat sicherlich die Hercules-Grafikkarte beigetragen. Keine Farbe aber gestochen scharfe Darstellung im Vergleich zu damaligen Farbmonitoren. Meine Linux-Shells sind wegen damals immer noch Bernstein auf Schwarz eingestellt.

    Meine ersten Schritte in die Computerei habe ich auf einem TRS-80 Model I gemacht: 1Mhz Z80-Cpu, 48kb Ram, zwei Diskettenlaufwerke à 135kb. “Grafikauflösung” 128 mal 47 Klötzchen. Schwarzweiß latürnich.

  13. #13 rolak
    Juli 25, 2010

    der erste: Er hatte als erster ein präemptives Multitasking-Betriebssystem

    Sorry, aber da kam er locker 20 Jährchen zu spät (=»Beispiel) und auch

    eine farbige Benutzeroberfläche

    gilt (bestenfalls) für GUIs im PC-Bereich.
    Und bevor Beschwerden kommen – ich nehme an, daß ausschließlich sogenannte PCs im post gemeint sind, aber das steht dort definitiv nicht. Und falls nur zu Junge mitlesen: auch vor dem ZX80 gab es schon Computer!

  14. #14 krupert
    Juli 25, 2010

    @Nele:

    Der TRS-80 I war mit satten 1,77 MHz getaktet. War auch mein erster eigener Rechner. In der Schule hatten wir den PET 2001 auf dem ich meine ersten Erfahrungen gemacht habe. Früher war alles besser.

  15. #15 Ockham
    Juli 26, 2010

    First computer I personally owned was a Macintosh 512, must have been 1985, and I loved it. After feeling like a slave in front of all kinds of IBMs in the years before, it was the first time I got a sense of how a computer could actually contribute to my personal life. Remained a happy customer until the greatly disappointing introduction of OSX, that actually made me switch to WindowsXP. Somewhere in between I also owned a 386 for the sole purpose of playing “Privateer”.
    Friends of mine had Amigas and they were a good machines, as was the Atari, at the time it had unparalled speed in video output (Blitter). But they didn’t have that nifty little handle on the top, that made the first Macintosh a kind of a portable PC. Won’t forget Guy Kawasaki’s editorial headlined “I miss my little toaster” when Apple started shipping the Macintosh-II: “a macintosh does not have a fan…” yeah well, they call it progress.

  16. #16 bright
    Juli 27, 2010

    Ich habe die Szene damals auch beobachtet und kann diesem Bericht hier nur zustimmen.
    Am Anfang tat sich der PC sehr schwer. Es wurde immer das schlechte Scrolling des PCs kritisiert.
    Der Amiga war tatsächlich saugut und seiner Zeit voraus.
    Aber man sah das sich der PC ständig verbesserte, während der Amiga sich nicht veränderte.
    286er war die Lachnummer für den Amiga.
    Dann kam der 386er, jetzt hatte er schon soviel Power das er nicht mehr ausgelacht wurde, es entstanden die ersten Grabenkämpfe.
    Mit dem Spiel “Doom” schlug schlagartig das Pendel zugunsten des PCs.
    Das schwerfällige Dos und die immer noch tolle Grafikeigenschaften des Amigas schafften noch ein Patt im Kampf des Ansehens zw. Amiga und Pc.
    MIt dem aufkommen der schnelleren 486er war es dann um den Amiga geschehen, zumal Windows95 auch schon vor der Tür stand.
    Der Amiga hatte mit ein paar schnelleren CPUs nochmal versucht zu kontern, am Siegeszug des PCs hatte es natürlich keinen Einfluss.

  17. #17 bright
    Juli 27, 2010

    Ich habe die Szene damals auch beobachtet und kann diesem Bericht hier nur zustimmen.
    Am Anfang tat sich der PC sehr schwer. Es wurde immer das schlechte Scrolling des PCs kritisiert.
    Der Amiga war tatsächlich saugut und seiner Zeit voraus.
    Aber man sah das sich der PC ständig verbesserte, während der Amiga sich nicht veränderte.
    286er war die Lachnummer für den Amiga.
    Dann kam der 386er, jetzt hatte er schon soviel Power das er nicht mehr ausgelacht wurde, es entstanden die ersten Grabenkämpfe.
    Mit dem Spiel “Doom” schlug schlagartig das Pendel zugunsten des PCs.
    Das schwerfällige Dos und die immer noch tolle Grafikeigenschaften des Amigas schafften noch ein Patt im Kampf des Ansehens zw. Amiga und Pc.
    MIt dem Aufkommen der schnelleren 486er war es dann um den Amiga geschehen, zumal Windows95 auch schon vor der Tür stand.
    Der Amiga hatte mit ein paar schnelleren CPUs nochmal versucht zu kontern, am Siegeszug des PCs hatte es natürlich keinen Einfluss.

  18. #18 Christian Reinboth
    Juli 28, 2010

    Ich werde offenbar langsam wirklich alt. Kann mich noch gut an meinen ersten C64 und den darauffolgenden C128 mitsamt BASIC und GEOS sowie durchzockte Nächte mit Zack McKracken, Maniac Mansion, Sim City und North & South erinnern. Das waren noch wirklich schöne Zeiten…

  19. #19 rolak
    Juli 28, 2010

    Was soll ich da sagen? Meine ersten [im Wortsinne] heißen Nächte mit Rechnern beinhalteten das stundenlange Löten (teilweise in iterativer Annäherung an das Ziel) und das hoffnungsvolle Warten nach dem vorsichtigen Einschalten des 5V/30A-Netzteils mit dem 2Liter-Glättungskondensator: Kein Zischen bitte, bloß keine Rauchwölkchen – leuchten LEDs/7-Segmenter/CRT (diese Reihung geht über Monate ;-) so wie sie sollen? RROM programmieren? Ist nicht, also Diodenmatrix :-)
    Gezockt habe ich mit Rechnern erst ca 20 Jahre später; Commander Keen, Lemmings, Duke Nukem etc pp …

  20. #20 Carlos
    Juli 30, 2010

    Das waren tolle Zeiten.
    Verschiedene Spiele hab ich noch mit emulators auf dem PC gespielt.
    Centurion, Populous, Powermonger, Giana Sisters, Kick-Off, aaach…was fuer Zeiten. :)

  21. #21 Mindwalker
    August 1, 2010

    Das tolle am Amiga war (im Vergleich zu allen anderen Home- und erst recht Office-Computern), dass man in einem Gerät das Beste von allem hatte: tolle Grafik, super sound, Spiele, Desktop-Publishing, DOS-Emulator, Amiga-Basic, Sprachausgabe (“This is Amiga speaking”), 3,5 Floppy, grafisches Betriebssystem mit Multi-Tasking, gleichzeitig mehrere screens in unterschiedlicher Auflösung (!), Maus, separate Tastatur (A1000), Aminet mit unzähliger freier Software … der gewünschte Nachfolger des C64 der schon tolle Grafik und wahnsinns sound hatte. Alle Konkurrenzprodukte hatten nicht dieses Gesamtpaket – selbst der Hauptkonkurrent Atari ST hatte nur glühende Feindbilder in Form der Besitzer der exzellenten Monochrommonitore. Schade, dass wenige Manager alles kaputt machen können. Wie man auch Heute immer wieder sieht …

  22. #22 Boingmax
    August 1, 2010

    Naja, aber es gibt ihn immer noch – wie man auf dem Amiga Event 2010 in Essen sehen konnte… Der Amiga wird mit dem X1000 auch weiter entwickelt…
    Auf BoingsWorld.de geht es in der aktuellen Ausgabe genau um das Thema.