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Bis zum Jahr 2000 war ein Studium in Österreich noch wirklich frei. Jeder konnte studieren was er oder sie wollte; es gab keinen Numerus Clausus oder sonstige Einschränkungen (natürlich musste man Matura/Abitur haben). Und das Studium selbst war bis auf eine kleine Verwaltungsgebühr kostenlos.

Dann kam im Jahr 2000 die Mitte-Rechts-Regierung aus ÖVP und FPÖ und Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (die bis dahin in jedem Interview behauptete das unter ihr keine Studiengebühren eingeführt werden) führte Studiengebühren ein. Im Wahlkampf 2006 machte die SPÖ die Abschaffung der Studiengebühren zu einer ihrer Hauptversprechen. Als sie dann aber als stärkste Partei gemeinsam mit der ÖVP eine Regierung bildeten, änderte sich nichts: die Studiengebühren blieben. Vor ein paar Jahren wurden dann wegen bestimmter EU-Richtlinien auch Zugangsbeschränkungen für verschiedene Studiengänge (z.B. Medizin, Psychologie, Biologie, etc) eingeführt. Nächsten Sonntag wird schon wieder ein neuer Nationalrat in Österreich gewählt. Und gestern fand im Parlament eine außergewöhnliche Sitzung statt in der alle Parteien in wechselnden Koalitionen noch schnell die verschiedensten Gesetze beschlossen. Eine seltsame Koalition aus SPÖ, Grünen und der FPÖ beschloss dabei die Abschaffung der Studiengebühren und der meisten Zugangsbeschränkungen (ausgenommen die für Medizin und Psychologie)

Ich finde das sehr gut! Prinzipiell könnte man ja über Studiengebühren reden. Wenn es vernünftige und einfache Regelungen für sozial schwächere Studenten gibt und wenn die Studienbedingungen Gebühren rechtfertigen, dann würden sie vielleicht sogar sinnvoll sein.
Aber davon war Österreich weit entfernt! Auch nach der Einführung der Gebühren haben sich die Studienbedingungen nicht wesentlich verbessert. Immer noch durften sich die Studenten mit überfüllten Hörsälen (teilweise sogar einstürzenden Hörsälen!), veralteter Infrastruktur, überfüllten Seminaren und Praktikas mit semesterlangen Wartezeiten und zu wenig Lehrpersonal für zuviel Studenten herumärgern. Nur, dass sie nun auch noch dafür bezahlen durften.

Auch die Zulassungsbeschränkungen waren typisch österreichisch eine chaotische Angelegenheit. Es gab keine gemeinsame Regelung; jede Universität bzw. jeder Studiengang konnte selbst entscheiden wie die Studenten ausgewählt werden. Das reichte von “Wir schauen uns den Lebenslauf an und suchen uns jemanden aus” bis hin zu großen Zulassungsprüfungen.

Die ÖVP hat jedenfalls bis gestern noch alles mögliche versucht um die Abschaffung zu verhinderen und dabei für die österreichischen Universitäten den Teufel an die Wand gemalt. Sie hat sogar eine Umfrage veranstaltet um zu zeigen, dass die große Mehrheit der Österreicher für die Beibehaltung der Gebühren ist. Und tatsächlich: 71% der Menschen wollen die Gebühren weiterhin. Das ist auch verständlich wenn man sich den “neutralen” und “objektiven” Text der Frage ansieht:

“Die Studienbeiträge von 363,- Euro pro Semester haben die
Durchschnittsdauer um 1 Jahr verkürzt. Daher gibt es kaum noch
Studierende die keine Prüfung ablegen. Rund jeder 3. Studierende an
Fachhochschulen und jeder 5. Studierende an Universitäten bekommt durch
eine Studienförderung die Studienbeiträge ersetzt. Was meinen Sie:
Sollen die Studienbeiträge abgeschafft werden und der Steuerzahler für
den Einnahmenausfall (150 Mio. Euro pro Jahr) aufkommen, oder sollen
die Studienbeiträge erhalten bleiben, da sie ein moderater Beitrag zu
den Kosten eines Studiums sind?”

Was soll man da noch dazu sagen. Gestern hatten sie dann noch versucht, die Abschaffung vom Ergebnis einer Volksabstimmung abhängigen zu machen – ebenfalls erfolglos.

Aber nicht nur die ÖVP, auch die Rektoren der meisten Universitäten (die den Wegfall der Studiengebühren natürlich ersetzt bekommen) sind nicht glücklich mit dieser Entscheidung. Sie befürchten nun einen Ansturm auf die Unis und zu viele neue Studenten.

Prinzipiell halte ich es für keine schlechte Sache wenn sich in Österreich mehr junge Leute für ein Studium entscheiden. Mit einer Akademikerquote von 14% liegt Österreich weit unter dem OECD-Durchschnitt (mit 24% ist der genauso hoch wie die Akademikerquote in Deutschland). Da sollte man dringend Anreize schaffen, um mehr Leute an die Unis zu holen.
Ich verstehe auch, dass die Rektoren sich vor einem Ansturm fürchten. Die meisten Universitäten kommen jetzt schon nicht mehr der Masse an Studenten klar und es wird immer weiter an Personal gespart. Aber der vernünftige Weg (zumindest meiner Meinung nach) wäre, die finanzielle Lage der Unis zu verbessern damit sie die Studenten vernünftig und angemessen ausbilden können. Aber die ÖVP und viele Rektoren scheinen lieber auf Abschreckung durch Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen zu setzen um die Studentenzahlen niedrig zu halten.

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Kommentare (27)

  1. #1 Ronny
    25. September 2008

    Ich als Steuerzahler (aber auch Vater eines Betroffenen) bin da anderer Meinung. Ich fänds besser die Gebühren zu belassen und sozial Schwache mehr zu fördern. Der Student mit reichen Eltern würde dann seinen Teil beitragen und alle die nicht wirklich Interesse an einem Studium haben und alle Mitläufer die nur studieren um diverse Vergünstigungen zu bekommen, wären abgeschreckt.

    Jetzt wird dann wieder alles überquellen UND wir müssen zusätzlich Geld reinstecken. Wärs nicht einfacher soviel Geld zu investieren welches wirklich nötig ist um die Willigen auszubilden, ohne die Mitläufer mitzuschleppen. Die Akademikerquote wird sowieso steigen, da du ja ohne höhere Schule oder Studium kaum mehr Chance auf einen guten Job hast.

    Sonstige Beschränkungen finde ich aber auch ungerecht, da Zeugnisse nur bedingt etwas über Menschen aussagen. Das hängt zu sehr von Schule und Lehrer ab. Ich würde sowieso vorschreiben das zusätzlich zu den Noten im Zeugnis der Klassendurchschnitt angegeben werden muss.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Angeboten die (scheinbar) gratis sind diese auch als wertlos oder als Sebstbedienung gesehen werden.
    Aber das ist der ewige Streit zwischen Sozial- und Leistungsbezogen.

  2. #2 florian
    25. September 2008

    @Ronny: Wie gesagt: wenn für die sozial schwächeren gesorgt ist und vor allem wenn die Unis von den Gebühren auch profitieren, dann machts u.U. Sinn. Aber so wie es jetzt war, wars ja wirklich dumm. Die Studienbedingungen sind trotz Gebühren nicht besser geworden – und nur zum Stopfen von Budgetlöchern braucht man keine Studiengebühren. Und von Gebühren rein zu “Abschreckunsgzwecken” halte ich nicht wirklich viel.

  3. #3 Christian
    25. September 2008

    Na, da wird es jetzt sicher noch mehr deutsche Studis nach Österreich ziehen – die “Piefkes” mit den eher schlechten Noten hat es ja wegen der genialen NC-Regelung ohnehin schon häufiger mal ins Nachbarland verschlagen – und wenn man jetzt auch noch ohne Gebühren studieren kann, brechen ja paradiesische Zeiten an 😀

    Spass beiseite – irgendwo hat Ronny leider nicht ganz Unrecht. Ich bin ja auch für möglichst freien Studienzugang, aber für alle freien Güter gilt nun mal auch die Allmendeproblematik, zumindest dann, wenn man sie durch Übernutzung verschlechtern kann, was ja bei einem Studium (überlaufene Uni = geringe Betreuungsquote und wenig Geld pro Student) durchaus der Fall ist. Unter einer überlaufenen Uni leiden meines Erachtens übrigens die Studenten aus sozial schwachen Verhältnissen viel mehr als Kinder “reicher” Eltern, die sich bis 2020 restlos verliehene Bücher zur Not auch kaufen und bei übervollen Kursen einen privaten Tutor bezahlen können…

  4. #4 David Marjanović
    25. September 2008

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Angeboten die (scheinbar) gratis sind diese auch als wertlos oder als Sebstbedienung gesehen werden.

    Das war das Gehrer-Argument: Ein Studium muss etwas kosten, damit es plötzlich etwas wert wird. The stupid! It burns!

    Die Situation der Universitäten kann man beinahe mit der Gießkanne beheben. In erster Linie fehlt Geld, das halt lieber für Anderes ausgegeben wird (ich kann nicht anders, ich muss die Eurofighter erwähnen…).

  5. #5 Ronny
    25. September 2008

    @David => Das war das Gehrer-Argument: Ein Studium muss etwas kosten, damit es plötzlich etwas wert wird. The stupid! It burns!

    Hast du auch ein Argument warum ? oder nur eine Beleidigung ?
    Für mich stimmt das schon, denn wenn ich was gratis mache, dann kommen alle. Verlange ich Geld, dann trennt sich die Spreu vom Weizen und damit niemand unter die Räder kommt fördert man ihn/sie. Ich verstehe Florian wenn er sagt, dass die Gebühr nicht wirklich etwas für den Betrieb gebracht hat. Aber dann muss ich DORT ansetzen !
    Es sollten die studieren die WOLLEN, unabhängig vom sozialen Status, in einem guten Umfeld. Da hilft eine Gebühr IMO schon.

    Zum Thema Eurofighter sag ich mal provokativ, ja , die sind ok, da zahl ich auch gern Steuern dafür.

  6. #6 Bettina
    25. September 2008

    Ich habe leider unter den Studiengebühren gelitten. Zuviel Geld (geschiedene Eltern, Vater verdient gut), um Stipendium zu bekommen, aber zuwenig Geld (wer sagt, dass der gutverdienende Vater auch Geld bezahlt) für Studiengebühr.
    Ich hätte mich allerdings mit Studiengebühren anfreunden können, die dann fällig sind, wenn man die Mindeststudiendauer plus Toleranzsemester überschritten hat (und nicht das System es verschuldet hat; Stichwort kein Praktikumsplatz).
    Ich meine, dass dann die Studien schneller abgeschlossen werden und die Nichtstuer exmatrikulieren.

  7. #7 matthias
    25. September 2008

    ich zahle seit meinem abschluss studiengebuehren und bis jetzt wurden sie als weiterbildungskosten anerkannt. eine lehrveranstaltung, eine pruefung pro semester – mit mir macht man ein gutes geschaeft. zum glueck, habe ich mein studium beendet (und das nur unwesentlich spaeter als Florian, :-)). fuenf jahre studiums-schule, wie es jetzt ist, waeren wohl nichts fuer mich gewesen.
    studiengebuehren moegen sinn machen, aber Florian hat ueber den Österreichischen wege gesprochen. meine schwester zahlt fuer unstudienbestimmungen (1/2 stunde sekretariatsoeffnungszeiten pro WOCHE, diplomarbeitsbetreung zwei(!) mal waehrend der phase des schreibens, …), fuer bessere betreuung und service wuerde man gerne zahlen.
    das argument der dauerstudenten hab ich bis jetzt nicht verstanden. was kostet ein student, der keine vorlesungspruefungen ablegt? er scheint in einer liste auf, was noch? nimmt er einen platz in einem saal weg? einer mehr oder weniger bei einer massenpreufung faellt nicht ins gewicht, weil ein professor sowieso hunderte arbeiten um eine pauschale verbessern muss. aber in Österreich zaehlt es als erfolg, studenten von der universitaet zu vertreiben, anstatt den dauerstudenten (arbeiten die vielleicht oder haben kleine kinder – es wird wohl kaum zehntausenden arbeitslose langzeitstudenten gegeben haben, da waere doch die arbeitslostenquote gewaltig gestiegen, da diese nicht mehr studieren) bessere bedingungen zu bieten.
    in Österreich ist es so: bist du student, dann ein sozialschmarotzer, der was hackeln (arbeiten) soll, bist fertig dann der herr magister oder doktor, vor dem sich alle verbeugen.

  8. #8 Patrick Schweda
    25. September 2008

    Die Jubelgesänge auf die Aufhebung der Zugangsbeschränkungen kann ich leider nicht unkommentiert lassen:

    Bestes Beispiel ist das Medizin-Studium:

    Durch die Aufhebung der Zugangsbeschränkkungen an der MedUni und keines numerus clausus, wird Österreich nun zum Auffangbecken deutscher Maturanten/Abiturienten, die am deutschen numerus clausus scheitern. Folge ist, dass Österreichs Unis personell überschwemmt werden und daraus eine wesentliche Minderung der Qualität des Medizinstudiums resultiert.

    Wieso mag sich so mancher fragen, der die Materie nicht hinterfragt und nur dem blinden Populismus fröhnt.

    Ganz einfach: Die Anzahl der Patienten ist beschränkt. Die Qualität eines Medizinstudiums und damit einhergehend die Qualität der österreichischen Gesundheitsversorgung kann nur dann erhalten bzw verbessert werden, wenn die Studenten auch ausreichend Zeit mit/am Patienten während ihres Studiums verbingen. Ergo: Gibt es zu viele Studenten, verringert sich die Zeit, am Patienten Praxiserfahrung zu sammeln. Das kann wohl nicht Sinn des “Erfinders” gewesen sein.

    Zur Abschaffung der Studienbeiträge (es wird nur fälschlich immer von Gebühren gesprochen) ganz kurz:
    Die Abschaffung ist sozial absolut nicht treffsicher. Denn jetzt müssen dank der Federführung der Sozialdemokratie Niedriglohnbezieher das Studium finanzieren, da die Unis ihre Mittel aus dem allgemeinen vom Steuerzahler gespeisten Budget beziehen.
    Das bisherige System hat hingegen Studierenden, die in angemessener Dauer ihr Studium beendet haben, über die Studienförderng den Beitrag rückerstattet.

  9. #9 Metatron
    26. September 2008

    Wobei es sich hier bei der Abschaffung nur um ein “Wahlzuckerl” handelt. Eine Abschaffung im Zuge einer anständigen Reform wär ok – aber so wirkt das alles sehr Plan- und Konzeptlos.

  10. #10 Edi
    26. September 2008

    Also ich hab die Diskussion über die Gebühren schon nicht verstanden als ich noch studierte. Die Studiengebühren waren für die GESAMTFINANZIERUNG meines Studiums defintiv das allerkleinste Problem.
    Wer allerdings glaubt mit eben jenem Minibetrag (60€ pro Monat) einen Numerus Clausus Flüchtling abzuschrecken, liegt auch ein wenig Falsch.
    Das ist also nicht das Problem. Das Problem in Ö liegt daran dass an den Unis Kulturkampf betrieben wird. (Rot gegen schwarz).
    Und dass die Unis ein Grundsätzliches Problem mit dem Herangehen an Studierende (ich sage nur Serviceleistung) haben. Aus eigener Erfahrung (3 Jahre Uni, danach wechsel auf eine FH) kann ich sagen: Servicemäßig war meine FH der Univerität Graz um Lichtjahre voraus. Wenn Das Service passt zahle ich auch gerne ist ein oft gehörtes Argument. Aber auch dieses hat mit der Studentenzahl nix zu tun.
    ein kommentar der dies behandelt ist heute auch im Ö-Standard erschienen: http://derstandard.at/?url=/?id=1220459156471

  11. #11 wolfgang
    26. September 2008

    Mein Studium ist schon länger her- ich habe es damals genossen, dass Inskriptionsgebühren, aber auch Materialkosten für Reagentien, Bechergläser etc nicht mehr zu bezahlen waren. Waren alles kleine Beträge aber es hat sich summiert.
    Als damaliger Auslandsösterreicher war sowieso kein Stipendium möglich, damals gabs ja auf dem Land noch reiche Fleischhauer, steuerlich pauschaliert- deren Kinder haben natürlich ein volles Stipendium bekommen, für Vöst Arbeiter, die lagen häufig gehaltsmäßig über der Grenze, da nicht pauschaliert. Sag ich nur wg der sozialen Treffsicherheit. Und das Privatvermögen war sowieso egal.

    Es haben also viele ab 1972 vom kostenfreien Studium profitiert, die heute dagegen sind.

    Und das mit den Bummelstudenten- ich gebs ja zu ich bin nicht hin zur Exmatrikulation, irgendwann wurde ich dann nach Studienabschluss als Karteileiche exmatrikuliert. Aber das sollte ja wohl heute online möglich sein sich zu verabschieden.

    Heute könnten wir Eltern den Studienbeitrag für unsere zwei studierenden Kinder locker zahlen- aber auch nur weil wir durchgehend berufstätig waren. Wäre längere Krankheit, Arbeitslosigkeit dazugekommen, wär das unklar.

    Was fehlt sind entsprechende Studentenzahlen um eine höhere Akademikerquote zu erreichen- vor allem in technischen Disziplinen. Die OMV kann man ja nicht mit Theaterwissenschaftlern betreiben. Und dazu brauchts natürlich Universitäten samt Ausstattung- und da wurde in den letzten 10 Jahren gewaltig geschlafen.

  12. #12 florian
    26. September 2008

    Ich verstehe das Argument “Keine Studiengebühren = Mehr Studenten = Schlechtere Bedingungen = Schlechtere Unis” immer noch nicht wirklich. Wenn die Universitäten überlastet sind, dann muss man sie entlasten! Und ihnen mehr Geld und Personal geben – so “einfach” ist das. Es ist ja nicht so, dass man sich mit Studiengebühren gleich auch das komplette Studium “kauft”. Man muss ja immer noch Prüfungen ablegen und die angeforderten Leistungen erfüllen um sein Studium abzuschliessen. Insofern verstehe ich auch die “Angst” vor den deutschen NC-Flüchtlingen nicht die die österreichische Ärztelandschaft verschlechtern (abgesehen davon das es auch weiterhin bei Medizin Zugangsbeschränkungen geben wird). Wenn diese Leute alle Leistungen bringen können, die im Studium verlangt werden, dann müssen sie ja gute Ärzte sein (theoretisch). Wenn sies nicht bringen, dann werden sie auch keine Ärzte werden. Man kann höchstens noch darüber diskutieren, ob die Leistungskriterien vernünftig sind.

    Auch das “was nichts kostet ist nichts wert”-Argument finde ich eigentlich blöd. Aber das hat eher mit meiner persönlichen Weltsicht zu tun.

    Was mich eigentlich an der ganzen Sache stört ist folgendes: In Österreich (in Deutschland mag die Situation ganz anders sein!) werden lieber potentielle Studenten von einem Studium abgehalten (durch völlig unausgegorene Regelungen zu Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen) anstatt endlich mal die Universitäten finanziell so auszustatten wie es eigentlich sein sollte. Dieses Verhalten finde ich verwerflich und die Abschaffung der bisherigen Regelungen macht zumindest jetzt mal den Weg frei sich etwas neues auszudenken.

  13. #13 Edi
    26. September 2008

    Florian, nein das glaub ich nicht! Ich bin bei deinem letzten Kommenar vollends Deiner meinung buis auf den letzten Absatz. Ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen dass es NUR an Studiengebühren/beiträgen liegt NICHT ein Studium zu beginnen. Natürlich 60€im MOnat sind Geld, keine Frage, aber es auf diese zurückzuführen so etwas wie ein Studium, (quasi eine Investition in das ganze weitere Leben) NICHT zu machen kommt mir seltsam vor. Entweder jemand kann es sich GRUNDSÄTZLICH Leisten oder NICHT. Ich weiger mich daran zu glauben dass es NUR daran liegen kann.

  14. #14 Andylee
    26. September 2008

    Also ich bin sehr mit der Abschaffung der Studiengebühren zufrieden.

    Dass die Kosten jetzt AUCH von Niedriglohn-Arbeitern getragen werden, finde ich nicht soo schlimm.

    Diese Bevölkerungsgruppe muss durch tiefgreifendere Maßnahmen entlastet werden, die Studiengebühren sind hier meiner Meinung nach keine ausschlaggebende Belastung.

  15. #15 Philippe Leick
    27. September 2008

    Eines der Argumente, das in Deutschland oft zu hören ist: das “kostenlose” (äh, steuerfinanzierte) Studium sei unsozial, da vor allem die Kinder wohlhabender Eltern studieren, die Steuern aber von allen aufgebracht werden müssen. Es handelt sich also um eine Umverteilung von unten nach oben.

    Zahlenmäßig mag das sogar stimmen (weder will noch kann ich nach- oder gegenrechnen, welche Umverteilungen an anderen Stellen stattfinden). Aber an dem beklagenswerten Zustand, dass kaum Kinder aus “bildungsfernen Schichten” den Weg an die Unis finden, werden Studiengebühren wenig ändern – im Gegenteil. Dort heißt es doch jetzt schon, dass der Sohn eine Lehre machen muss, weil er dann nebenbei schon (ein kleines bißchen) verdient und den Eltern nicht auf der Tasche liegt. Zusätzliche Gebühren ändern vielleicht an der Richtung der Umverteilung etwas, die Chancen der Kinder von Geringverdienern ändern sie nicht.

    Daran werden auch Stipendien wenig ändern, denn die müssen teilweise zurückgezhalt werden, und sind teilweise auch nur gegen gute Leistungen zu haben. Konkret heißt das: Wer reiche Eltern hat, dem reichen durchschnittliche Leistungen. Wer arme Eltern hat, der muss richtig gut sein.

    Abgesehen davon gibt es neben den finanziellen Aspekten vor allem ein großes kulturelles Problem: eine weit verbreitete Geringschätzung höherer Bildung.

  16. #16 florian
    27. September 2008

    @Edi: Ich bin kein Soziologe/Psychologe (oder wer immer da auch zuständig ist): Aber ich kann mir schon vorstellen, dass selbst 60,- eine Abschreckung darstellen. Wenn man nicht viel hat, dann sind 60,- schon viel Geld. Und ein Studium kostet ja auch sonst: Bücher; Fahrtkosten; ev. Unterkunft am Stduienort; etc. Da kann es schnell mal sein, dass eine Familie sagt: Das ist zu teuer – geh lieber was arbeiten, Kind! – Das hat ja auch Phillipe Leick in seinem Kommentar angesprochen. Gerade bei bildungsfernen Schichten können die Kosten vielleicht durchaus eine psychologische Abschreckung darstellen.

    @Phillipe: “Abgesehen davon gibt es neben den finanziellen Aspekten vor allem ein großes kulturelles Problem: eine weit verbreitete Geringschätzung höherer Bildung.”

  17. #17 Martin
    27. September 2008

    @florian:
    Vergiss nicht die Studienbeihilfe. Die richtet sich nach dem Einkommen der Eltern und ist durchaus einigermaßen treffsicher.
    In dem Zusammenhang höre ich immer das Argument, was ist mit denen, die “reiche” Eltern haben, die aber nicht zahlen wollen? Dabei ist das eigentlich ganz einfach: die Eltern sind gesetzlich ihre Kinder (nach Möglichkeit) bei der (Hochschul-)Ausbildung zu unterstützen. Auch die Höhe und Dauer der Unterstützung ist geregelt. Ob das tatsächlich jemand einklagt, ist eine andere Frage, aber allein der Hinweis auf das Gesetz sollte in vielen Fällen schon genügen.

  18. #18 David Marjanović
    28. September 2008

    Hast du auch ein Argument warum ? oder nur eine Beleidigung ?

    Automatismus, dass Qualität und Preis unbedingt korrelieren müssen, gibt es keinen. Chinesisch-Freifach in der Schule hätte kaum besser sein können (die Lehrbücher waren etwas komisch, aber bessere wird es überhaupt nicht geben).

    Für mich stimmt das schon, denn wenn ich was gratis mache, dann kommen alle. Verlange ich Geld, dann trennt sich die Spreu vom Weizen

    …und die Reichen von den Armen.

    und damit niemand unter die Räder kommt fördert man ihn/sie.

    Als so einfach hat es sich nicht herausgestellt, siehe mehrere Kommentare hier.

    Ich verstehe Florian wenn er sagt, dass die Gebühr nicht wirklich etwas für den Betrieb gebracht hat. Aber dann muss ich DORT ansetzen !
    Es sollten die studieren die WOLLEN, unabhängig vom sozialen Status, in einem guten Umfeld. Da hilft eine Gebühr IMO schon.

    Was helfen würde, wäre, die Universitäten ernsthaft zu finanzieren. Die werden ja bei uns behandelt wie die öffentlichen Schulen in den USA.

    Zum Thema Eurofighter sag ich mal provokativ, ja , die sind ok, da zahl ich auch gern Steuern dafür.

    Dann sag ich mal provokativ, wenn uns die Schweizer tatsächlich überfallen, ist das auch schon wurscht. Und wer sollte es sonst tun? Die Liechtensteiner? Wir sind nicht nur neutral, sondern (mit den genannten Ausnahmen) von EU-Ländern umgeben. Wyoming hat auch keine eigene Luftwaffe. Außerdem ist Ö so klein, dass in den letzten 2 Fällen, als ein fremdes Militärflugzeug irrtümlich in den ö Luftraum eingedrungen ist, es schon fast wieder draußen war (auf der anderen Seite!), als es abgefangen wurde. Und die Gegengeschäfte waren auch zum größten Teil ein Hirngespinst.

    Studienbeiträge (es wird nur fälschlich immer von Gebühren gesprochen)

    Das ist ja direkt peinlich.

  19. #19 David Marjanović
    28. September 2008

    Das bisherige System hat hingegen Studierenden, die in angemessener Dauer ihr Studium beendet haben, über die Studienförderng den Beitrag rückerstattet.

    Wohlgemerkt: rückerstattet — nachdem man eingezahlt hat. Nicht etwa erlassen; nein, zuerst muss man das Geld haben.

    Zinsloses Darlehen…

  20. #20 Zulu
    4. Oktober 2008

    Ich war auch betroffen von diesen Studiengebühren. Es ist ja schön populistisch gewesen, was die ÖVP da verbreitet hat und hat sich wohl für die Leute, die nie an einer Uni gewesen sind auch gut angehört.

    Meine Geschicht war, dass ich nebenbei arbeiten ging und mich vollständig selbst finanziert habe. Ich habe ca. 700 Euro im Monat verdient. Durch die berufliche Belastung hat bei mir das Studium länger gedauert, außerdem hatte ich eine eher schlechte Betreuung. Im Jahr musste ich trotzdem ein Monatsgehalt für Studiengebühren verwenden. Dafür kann ich mich nur bedanken. Meine Solidarität hält sich seit dieser Zeit aber auch in Grenzen.

  21. #21 Constantin
    5. Oktober 2008

    Ich bin Student und bin für Studiengebühren. Neben einem ausgebauten Stipendiensystem sollten Studenten, die ja als Akademiker voraussichtlich besser verdienen werden, auch ihre Ausbildung selbst zahlen. Dass diese Ausbildung von allen Steuerzahlern bezahlt werden muss halte ich für unfair. Natürlich muss generell mehr in die Unis investiert werden (als Physikstudent bin glücklicherweise nicht von überfüllten Lehrveranstaltungen und fehlenden Praktikumsplätzen betroffen), aber einen Beitrag dazu soll jeder Student leisten. Um den freien Zugang zum Studium zu gewährleisten gibt es Studienbeihilfe.
    Bis jetzt hatten Studenten die Möglichkeit einer Zweckwidmung des Studienbeitrags. Dabei konnte zum Beispiel der Beitrag der Österreichischen Hochschülerschaft gewidmet werden. Diese gesetzliche Vertretung der Studenten wird an jeder Uni gewählt. Dadurch konnnte die ÖH zum Beispiel zusätzliche Tutorien und Kurse anbieten. Diese Mitbestimmung der Studenten fällt leider ebenfalls mit dem Studienbeitrag.

  22. #22 David Marjanović
    6. Oktober 2008

    Neben einem ausgebauten Stipendiensystem sollten Studenten, die ja als Akademiker voraussichtlich besser verdienen werden, auch ihre Ausbildung selbst zahlen.

    Tun sie im Nachhinein eh! Sie kriegen besser bezahlte Jobs und zahlen daher mehr Einkommensteuer — im Leben insgesamt deutlich mehr, als ihre Ausbildung gekostet hat.

    Bis jetzt hatten Studenten die Möglichkeit einer Zweckwidmung des Studienbeitrags.

    Das war ja eine Verarschung. Wer hat denn das Recht gehabt, Vorschläge zu machen?

  23. #23 Constantin
    7. Oktober 2008

    @David:

    Natürlich kann man über das gesamte Steuersystem diskutieren. Ich finde aber, dass man für eine Leistung, die man in Anspruch nimmt, auch etwas zahlen soll.
    Das Geld, dass der ÖH zweckgewidmet wurde, konnte die ÖH zur Verbesserung der Studiensituation ausgeben. Was genau gemacht wird, entscheidet der Vorstand der ÖH, der je nach Wahlergebnis zustande kommt. Wird das Geld also nicht verwendet oder nicht zufriedenstellend, so wird bei der nächsten Wahl (alle 2 Jahre) eine andere Fraktion gewählt.

  24. #24 Branca
    20. Oktober 2008

    Hallo.
    Ich komme aus Deutschland, aber bei uns ist es ja eine ganz ähnliche Diskussion wie bei euch.
    Die Studiengebühren werden schöngeredet, der Großteil der Bevölkerung ist dafür, aus ähnlichen Gründen: Studenten haben eh nichts zu tun, und können ruhig nebenbei ordentlich arbeiten, Studenten kommen sowieso aus besserem Hause und bekommen Geld von den Eltern, arme Studenten bekommen ja BAFöG (monatliche Unterstützung). Also sollen die ruhig mal zahlen. Was man macht wenn man keine Unterstützung bekommt weil die Eltern zwar theoretisch zuviel verdienen, praktisch aber nichts zahlen können (Hypotheken die gezahlt werden müssen interessieren in der Rechnung der Ämter nicht), ist egal. Wenn man dann nebenbei arbeiten geht und länger für das Studium braucht, ist man erst recht ein fauler Langzeitstudent.

    Das Ansehen höherer Bildung ist bei uns auch nicht besonders gut, im Gegenteil. Die Politik spricht immer davon, die Bildung fördern zu wollen, und meint im Endeffekt doch nur die Bildung bis höchstens zum Abitur, wenn überhaupt. In der breiten Bevölkerung ist höhere Bildung, besonders in Geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Fächern, bloß eine unerträgliche Zumutung für den Geldbeutel des Steuerzahlers und zu nichts nütze (siehe auch einen Kommentar in dieser Diskussion, etwas weiter oben, zum Thema: Theaterwissenschaftler braucht doch niemand). Das führt bei uns mitlerweile dazu, dass solche Fächer gestrichen werden (natürlich nicht offiziell, aber sie werden um- und ausgelagert an andere Unis); für solche Fächer kann man kaum Fördergelder einstreichen. Jede Uni wäre am liebsten nur noch technische Uni, der Politik würde das sicher gefallen: nur noch technische Unis, am besten mit Vollzahlenden Studenten aus reichem Hause. Für die ärmeren Studenten gibt es hierzulande ja die tolle Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen, der die Gebühren erstmal zahlt. Die dicke Rechnung kommt dann nach dem Studium. Da freue ich persönlich mich schon besonders drauf, denn das betrifft mich selber.
    Mich ärgert besonders, dass die meisten Menschen, die heute für Studiengebühren sind, früher selbst kostenfrei studiert haben. Alle wollen die hochgebildeten Fachkräfte haben, aber niemand will für deren Ausbildung zahlen. Da wird sich der gemeine BILD-Zeitungsleser aber irgendwann wundern, wo seine Zeitung bleibt, denn uups – ach ja, dafür bräuchte man Menschen, die soetwas unnützes wie eine Geisteswissenschaft studiert haben, nur wird es die bald nicht mehr geben, wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher.

    Den Hirnkrampf “Studiengebühren = sozial gerechter” muss man sich erstmal reinziehen. Ich kenne Leute, die sich nichts zu essen mehr leisten können, weil sie durch alle Raster gefallen sind. Ich weiß nicht, wie das in Österreich ist, aber in Deutschland hat man als Student auf NICHTS Anspruch außer auf BAFöG, und das wird einem gestrichen, sobald man nicht mehr in der Regelstudienzeit ist. Eine Freundin arbeitet derzeit an ihrer Masterarbeit, steht täglich 10 Stunden im Labor und arbeitet zusätzlich Nachts, damit sie sich ihre Miete überhaupt noch leisten kann, denn Unterstützung gibt es keine mehr für sie. Essen tut sie bei den Eltern ihres Freundes, dazu fehlt das Geld.

    Und 60 Euro im Monat für die Gebühren sind viel Geld, wenn man vielleicht nur 300 verdient, von denen 200 schon für die Miete draufgehen. Von Büchern etc. will ich gar nicht reden.

    Aus welchen gründen eure Politiker die Gebühren abgeschafft haben, ist im Endeffekt doch egal. Seid froh!

  25. #25 florian
    20. Oktober 2008

    @Branca: “Aus welchen gründen eure Politiker die Gebühren abgeschafft haben, ist im Endeffekt doch egal. Seid froh!”

    Der leider-immer-noch-Wissenschaftsminister Hahn hat am Wochenende eine tolle neue Idee für eine andere Art von Studiengebühren entwickelt. Studenten sollten am Besten nach Vorlesungen zahlen. Also jede Vorlesung hat einen bestimmten Preis und will man sie besuchen, muss man den zahlen. Eine grandiose Idee: Wer wenig studiert (der “Bummelstudent” den die Politiker ja eigentlich Studiengebühren loswerden wollten) zahlt wenig; wer viel auf einmal und schnell studiert, zahlt viel und zusätzliche, nicht für das Studium vorgesehene Vorlesungen wird dann keiner mehr machen. Mehr Bildung und Engagement wird hier effektiv bestraft.

    Ich schreib dazu aber heute vielleicht noch einen eigenen Beitrag.

  26. #26 EMS Test
    12. August 2011

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Angeboten die (scheinbar) gratis sind diese auch als wertlos oder als Sebstbedienung gesehen werden.

  27. #27 EMS
    25. August 2011

    Ich habe leider unter den Studiengebühren gelitten. Zuviel Geld (geschiedene Eltern, Vater verdient gut), um Stipendium zu bekommen, aber zuwenig Geld (wer sagt, dass der gutverdienende Vater auch Geld bezahlt) für Studiengebühr.
    Ich hätte mich allerdings mit Studiengebühren anfreunden können, die dann fällig sind, wenn man die Mindeststudiendauer plus Toleranzsemester überschritten hat (und nicht das System es verschuldet hat; Stichwort kein Praktikumsplatz).
    Ich meine, dass dann die Studien schneller abgeschlossen werden und die Nichtstuer exmatrikulieren.