Gestern habe ich mich noch darüber gefreut, dass es in Österreich (im Gegensatz zu Deutschland) möglich ist, atheistische Werbung im öffentlichen Raum zu machen. Und heute erfährt man, dass die Verantwortlichen in Österreich genauso Mumm haben, wie in Deutschland. Auch die Wiener Linien, auf deren Bussen der Slogan “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott” prangen sollte, haben ihre Zustimmung zur Kampagne zurückgezogen.

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Dabei hätten die Busse laut Vertrag mit der für die Werbung zuständigen Firma Gewista schon seit erstem Juni mit dem Sujet ausgestattet werden sollen. Den Rückzug findet daher auch der Auftraggeber der Kampagne, Niko Alm (Geschäftsführer der Agentur Super-Fi), seltsam:

“Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine vertraglich vereinbarte Kampagne während der Laufzeit gestoppt wird”

Und was war der Grund für die plötzliche Ablehnung?

“Einer der Grundsätze der Wiener Linien ist, keine Werbung für politische Parteien oder religiöse Glaubensgemeinschaften auf den Fahrzeugen der Wiener Linien zuzulassen. Auch bei Werbung für atheistische Gruppen oder Glaubenstendenzen greift dieser Unternehmensgrundsatz. Insofern wurde das Ansuchen des Freidenkerbundes bzw. der AG-ATHE nach sorgfältiger Prüfung abgelehnt.”

sagt ein Sprecher der Wiener Linien.

Angesichts der vielen Werbeplakate von politischen Parteien, die sich an den Bushaltestellen befinden, ist das eine ziemlich seltsame Begründung (auch wenn in der Begründung nur von “Fahrzeugen” gesprochen wird). Das findet auch Erich Eder, von AG-ATHE (AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich):

“Die Gewista, bei der die Flächen gebucht waren, hatte keine Einwände. Aber kaum sehen die Wiener Linien die Sujets, bekommen sie kalte Füße”

Martin Luksan vom Freidenkerbund meint:

“Es ist für uns eine traurige Überraschung, dass man in Wien genau so reagiert wie in Deutschland oder Italien. Offenbar ist die Stadt doch noch nicht so weit, wie wir geglaubt haben sondern fürchtet sich vor einer Diskussion”

Mehr Stellungnahmen gibt es bei Politwatch.

Ich kann nur zustimmen. Ich hätte mich gefreut, wenn Wien offen genug gewesen wäre, diese Werbung zuzulassen. Wenn so etwas in einer österreichischen Stadt möglich ist, dann in Wien – hätte ich zumindest gedacht. Aber auch Wien ist anscheinend zu provinziell.

In den österreichischen Blogs wird das Thema schon aufgegriffen. Bei “The Flowers are gone” wird folgendes Fazit gezogen:

“Damit ist klar, was von Anfang an allerseits befürchtet wurde: Anstatt
zu einer offenen Diskussionskultur beizutragen und dabei noch Geld zu
verdienen, verschließt sich der Staatsbetrieb lieber vor etwaigen
Unangenehmheiten mit der christlichen Kirche (die ja traditionell als
erste auf die Barrikaden steigt, wenn man es wagt, deren dogmatische
Lehre anzufechten) und versteckt sich hinter angeblichen “Grundsätzen”.
Komisch nur, dass so etwas die Verkehrsbetriebe in Spanien oder Kanada
– nicht gerade atheistische Länder – nicht nötig haben und aus der
Zulassung der Sujets selbstverständlich auch keine Schäden bezieht. Die Vorstellung von Österreich als weltoffener Staat wird damit einmal mehr dezimiert.”

Feuerhaken.org meint: “Wiener Linien machen sich ins Hemd“. Politwatch.at hat viele Stellungnahmen der Organisatoren der Buskampagne; unter anderem diese:

“Aufgeben wolle man nicht, heißt es von den Proponenten. „Wir werden
alle Möglichkeiten ausschöpfen um diese Sujets doch noch an die
Öffentlichkeit zu bringen. Gerade der überraschende Kampagnenstopp
zeigt, wie notwendig es in Österreich ist, über den Einfluss von
Religion in der Gesellschaft zu diskutieren”. Fraglich sei außerdem, ob
hier nicht Diskriminierung vorliege: „Werbung von und für
Religionsgemeinschaften wird an öffentlichen Plätzen problemlos
geduldet. Menschen, die nicht an Gott glauben, wird es schwer gemacht,
ihre Meinung an die Öffentlichkeit zu bringen, auch wenn sie dafür
bezahlen”. Die Organisationen erinnern daran, dass
Religionsgemeinschaften Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Hörfunk
bekommen. „Für AtheistInnen, FreidenkerInnen und HumanistInnen gibt es
das nicht”.”

Roman Korecky hat schon die ersten Protestmails verfasst und an die Stadt Wien bzw. die Wiener Linien verschickt.

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Kommentare (46)

  1. #1 Stefan
    8. Juni 2009

    “Und um das auch der gläubigen Mehrheit klarzumachen, braucht es Werbung dieser Art.” Ich glaube nicht, dass die Gläubigen in der Mehrheit sind. Ich sehe das eher wie mit Joschka Fischer und den Turnschuhen im Bundestag: Die meisten tragen Turnschuhe, aber im Bundestag tut man so, als gäbe es solche Schuhe nicht, bis dann Joschka kam und sein ganz alltägliches Schuhwerk einfach anbehielt. So ist es auch mit dem Glauben: Die meisten glauben nicht an Gott, tun aber irgendwie so aus Gewohnheit, bis eben ein Bus kommt und mal das sagt, was eh alle denken. Tja, oder eben jetzt leider nicht. Vielleicht kann ja der Bus von der buskampagne.de einfach nach seiner Tour noch nach Wien rüberfahren.

  2. #2 Florian Freistetter
    8. Juni 2009

    @Stefan: Hmm – ja – “offiziell” ist die Mehrheit in Österreich gläubig. Wie es in Wirklichkeit aussieht, ist schwer zu sagen. Aber mit Atheismus haben wohl auch viele der “nichtgläubigen Gläubigen” ein Problem.

  3. #3 Christian Weihs
    8. Juni 2009

    @Florian
    Liegt wohl an dem Beigeschmack, der dem Wort “Atheismus” anhaftet. Ich danke übrigens den braven Gläubigen dafür, dass sie diesen Begriff unermüdlich mit soviel negativem wie nur möglich in Verbindung gebracht haben, dass es jetzt auch alle glauben. Hauptsache es ist irgendein “ismus”, das klingt dann wie Kommunismus, Stalinismus, Faschismus und was nicht noch alles.

    Wie wärs mit Freidenker oder Humanist?
    Ist allerdings auch nur eine Frage der Zeit, bis diese Begriffe auch bis zur Unkenntlichkeit verdreht sind.

  4. #4 Mspawn
    8. Juni 2009

    Das gemeine daran ist wenn es ein Bus gäbe wo drauf steht das man an Gott glauben soll dann würde das kein aufsehen erregen. Und das finde ich ziemlich schade das dann der Atheisten Bus nicht fährt.
    Das ist ja kein Bus wo rechtsradikale Parolen drauf stehen sondern einfach eine andere Meinung über den Glaube an Gott.
    Aber woran liegt das haben die gläubigen Angst man könnte recht haben?

  5. #5 Karol Babioch
    8. Juni 2009

    Mspawn
    Aber woran liegt das haben die gläubigen Angst man könnte recht haben?

    Ich denke mal eher, dass die entsprechenden Busunternehmen Angst haben sich unbeliebt zu machen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass da wirklich persönlicher Glaube dahintersteckt, was den Umstand des Rückzugs noch viel schlimmer macht …

  6. #6 malefue
    8. Juni 2009

    da hat unser aller schönborn wieder mal ein bisschen druck ausgeübt, was mittlerweile ist er ja sowas wie der zweite bürgermeister…
    passt ins bild der öst. kath. kirche: der salzburger erzbischof verteidigt graf und straches kreuzaktion im tv usw…

  7. #7 Bundesratte
    8. Juni 2009

    Wenn das so ist, dann müssen die Ösis eben auch einen eigenen Bus chartern und eine Rundreise durch ihr Land antreten.

    Soviel ich weiß, war das Chartern etwas teurer als die Werbeflächen. Aber die Tour hat mehr Aufsehen erregt, und dadurch wahrscheinlich mehr Menschen erreicht, als es ein paar Bus-Aufdrucke vermocht hätten. Die persönliche Ansprache ist einfach mehr wert, als ein Banner, an das man sich mit der Zeit gewöhnt.

  8. #8 isnochys
    8. Juni 2009

    Vielleicht liegts am deutschen Sprachraum..
    was in Spanien und England klappt, geht hierzulande nicht?

  9. #9 Neuraum
    8. Juni 2009

    Schlicht unglaublich, und ich bin schon ungläubig!

    Es würde mich wirklich interessieren, welche Mechanismen dahinter stecken, von welcher Seite der Druck ausgeübt wurde, denn mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gab es keinen plötzlichen Sinneswandel der Verantwortlichen bei den Verkehrsbetrieben – weder in Wien noch in Essen.

    21. Jahrhundert…

  10. #10 keltisch
    8. Juni 2009

    ich spende trotzdem dafür

  11. #11 Christian Weihs
    8. Juni 2009

    @isnochys

    Vielleicht liegts am deutschen Sprachraum..

    Ähnliches habe ich mir auch schon mal gedacht. Der englische Originalslogan ist wunderbar elegant. Die deutsche Fassung (kommt da eher wie ein verstaubter Gesetzestext rüber. Inhaltlich korrekt, aber viel zu lang und umständlich ausgedrückt. Das bezieht sich jetzt nicht ausschließlich auf diesen Slogan hier, sooo schlimm ist der ja nun auch wieder nicht. Hab da generell meine Probleme mit dieser Sprache, was solche Dinge betrifft 😉

  12. #12 David Marjanović
    8. Juni 2009

    atheistische Gruppen oder Glaubenstendenzen

    Und “Glatze” ist eine Haarfarbe.

    Wie wärs mit Freidenker oder Humanist?

    Irgendsoeine “Freidenker”gesellschaft verbreitet Verschwörungstheorien und anderen pseudowissenschaftlichen Wauwau. Das ist also das erste, was mir zu “Freidenker” einfällt.

    Humanismus ist nicht genau dasselbe wie Atheismus.

    Der englische Originalslogan ist wunderbar elegant. Die deutsche Fassung (kommt da eher wie ein verstaubter Gesetzestext rüber. Inhaltlich korrekt, aber viel zu lang und umständlich ausgedrückt.

    Vielleicht hätte man einfach die Wortreihenfolge umstellen sollen und…

    “WAHRSCHEINLICH GIBT ES GAR KEINEN GOTT”

    Wie klingt das?

  13. #13 Christian Weihs
    8. Juni 2009

    @David Marjanović

    Irgendsoeine “Freidenker”gesellschaft verbreitet Verschwörungstheorien und anderen pseudowissenschaftlichen Wauwau. Das ist also das erste, was mir zu “Freidenker” einfällt.

    Äh, ok. Mir nicht 🙂
    Hast du ein Beispiel?

    Humanismus ist nicht genau dasselbe wie Atheismus.

    Das natürlich nicht, völlig richtig. Aber zumindest wird es (noch nicht) mit dem gleichen Unterton gesagt, wie wenn man etwa von NS Verbrechen spricht.

    Ja, ich weiss auch nicht genau, wie man das nennen könnte. ‘Atheismus’ hat auf jeden Fall ein negatives Image. Ich denk nur daran, wie mir ein Bekannter mal erzählt hat, dass die ‘New Atheists’ eine Geheimorganisation ist, die der Welt ihr ‘Glaubenssystem’ aufzwingen und die Menscheit kontrollieren will.

    “WAHRSCHEINLICH GIBT ES GAR KEINEN GOTT”
    Wie klingt das?

    Eindeutig besser. Das wär z.B. schon eher was, das ich auf die Plakate getan hätte.

  14. #14 Florian Freistetter
    8. Juni 2009

    Als Alternative zu “Atheisten” wurden ja die “Brights” geschaffen. Aber das hat sich auch nicht wirklich durchgesetzt…

  15. #15 Christian Weihs
    9. Juni 2009

    Nicht wirklich, leider.

  16. #16 Faktotum
    9. Juni 2009

    Katholizismus, Prostestantismus, Judaismus, Budhaismus, Atheismus. Alles in einen Topf und dann Neutralismus. Das waer doch was! Priester dieser Welt vereinigt euch!

  17. #17 Ronny
    9. Juni 2009

    War zu erwarten 🙂
    Erinnert mich daran als die ÖBB es ermöglichte gegen Einwurf großer Scheine Namen für Züge zu vergeben.
    Als sich dann die Homosexuellen Initiative meldete kam der Rückzug auf ‘Naja, nix politisch und religiös’. Der Einwand von der HOSI dass sie weder politisch noch religiös sind war ganz schön fies. Die ÖBB hats trotzdem abgelehnt. Danach hörte man lange nichts davon und jetzt haben die Züge wieder Namen von toten Künstlern.

    Ich sag nur: Wachsam bleiben ob sich nicht vielleicht mal was religiöses auf die Werbetafeln verirrt und dann klagen.

  18. #18 Rabe
    9. Juni 2009

    Wie wäre:

    Beten sie ruhig, es hilft nicht.

  19. #19 Arnd
    9. Juni 2009

    Atheisten sind in der Regel Naturalisten, also Leute die für alles eine natürliche Erklärung suchen (anstatt einem Skydaddy). Also: Sagt einfach ihr seid Naturalisten wenn ihr das Wort Atheismus vermeiden wollt.

  20. #20 ali
    9. Juni 2009

    @isnochys
    Ne am Sprachraum liegt es kaum. Sogar die sich selber als laizistisch bezeichnenden Genfer haben unter dem gleichen Vorwand abgewinkt (ich habe vor nicht langem darüber geschrieben).

  21. #21 isnochys
    9. Juni 2009

    Ja, deshalb bin ich ja darauf gekommen.
    Schweiz, österreich un dDeutschland, Länder in denen vorwiegend Deutshc gesprochen wird, dort wurden die Aktionen abgelehnt.
    Wegen Ausschreitungen, Massenunruhen, oder was weiß ich.
    🙂

  22. #22 ali
    9. Juni 2009

    @isnochys
    Glaub mir, hier spricht man kein Deutsch. Ich bin mir da ganz sicher ;). Genf wirkt auch in vielen anderen Belangen sehr französisch (politische Kultur, Architektur und eben laizistisch-sein-wollen). Vielleicht liegt es daran, dass es die Stadt Calvins ist und sie ist nur die Ausnahme die die Regel bestätigt. Ich glaube aber das ganze geht tiefer und hängt generell damit zusammen wie mit Religion umgegangen wird (über den Deutschen Sprachraum hinaus).

  23. #23 Christian Weihs
    9. Juni 2009

    @Arnd
    Das mit den Naturalisten klingt recht brauchbar.

    Allerding nur solange, wie die ID/Kreationisten hier nicht Fuß fassen 😉 Für diese spezielle Sorte von Spinnern ist sogar naturalistisch sein etwas verwerfliches.
    Weisst eh, wie die das handhaben: Naturalistisch, da kommt Natur vor, ist also Darwinistisch/Evolutionistisch (was für dämliche Begriffe, übrigens) und damit kann sofort zu Hitler und sowieso allen Verbrechen in der Menschheitsgeschichte übergeleitet werden.

    Naturalist, hmm. Klingt schon gut 🙂

  24. #24 sunrise
    9. Juni 2009

    hallo,

    ich habe da lange drüber nachgedacht, bin aber nicht zu einem abschließenden ergebnis gekommen.
    man müsste überlegen, ob einem gläubigen zu sagen, dass ein keinen gott gibt, genau so schlimm ist wie einem atheisten, dass es einen gott gibt. längere zeit habe ich gedacht, dass das erstere vielleicht schlimmer sein könnte für den gläubigen, weil er damit letztlich in eine tiefe krise gestürzt wird und die doch drängenden fragen nach dem tod etc. plötzlich wieder unbeantwortbar sind. dann aber bin ich zu dem schluss gekommen, dass das für die gegenseite letztlich auch gälte und man seine wertevorstellungen, nach denen man lebt überprüfen müsste.

    ich bin für mich zu dem schluss gekommen, dass es mir egal wäre, ob auf dem bus eine pro oder contra kampagne, weil es meinen glauben nicht beeinflusst. eher im gegenteil, eine konfrontation mit der einen oder der anderen seite führt doch dazu, dass man stärker positionen beziehen muss, dass man gedanken zuende denkt und überlegt, wie die welt und gott zusammen passen oder eben nicht. im übrigen reibe ich mich genau so an einzelnen positionen der katholigschen kirche wie an den ideen der frz. existenzialisten. ich denke,dass eine solche auseinandersetzung einfach zum menschsein dazu gehört. und egal, welche entscheidung man dann hinterher trifft, sie ist auf jeden fall selbstbestimmt und ehrlich gegenüber sich selbst.

    also von mir aus, kann der atheistenbus durchs (erz)katholische münsterland rollen.

  25. #25 Ulrich
    9. Juni 2009

    Also ich denke, dass viele Menschen Agnostiker sind (kann ich jetzt zwar nicht empirisch nachweisen, aber mal rein gefühlsmäßig). Auch diejenigen, die hie und da in die Kirche gehn, sind sich, wenn man mal genau nachfragt, auch nicht ganz so sicher, wer oder was den nun Gott sein soll. Aber soweit zu gehn, das Konzept Gott völlig abzulehnen, machen dann die wenigsten… – Vielleicht gibts ja doch was 😉

  26. #26 Florian Freistetter
    9. Juni 2009

    @Ulrich: Wäre ich Gott, wäre mir ein überzeugter Atheist hundertmal lieber, als so ein wischi-waschi-Agnostiker 😉

  27. #27 Ulrich
    9. Juni 2009

    Kann schon sein. Aber wischi-waschi-Agnostiker ist Teil der Dawkins-Doktrin. Ich hab zwar kein Buch von ihm gelesen, aber allein schon diese schwammige Mem-Theorie hat mich abgeschreckt.

  28. #28 Florian Freistetter
    9. Juni 2009

    Was ist denn bitte die “Dawkins-Doktrin”?

  29. #29 radicchio
    9. Juni 2009

    «dann aber bin ich zu dem schluss gekommen, dass das für die gegenseite letztlich auch gälte und man seine wertevorstellungen, nach denen man lebt überprüfen müsste.»

    es gibt einen sehr entscheidenden unterschied zwischen glauben und nicht glauben. der gläubige zelebriert mit inbrunst. sein glaube ist tief in den emotionen, der ratio unzugänglich verankert. beim nichtglauben verhält es sich völlig anders. das spielen emotionen kaum eine rolle. der gläubige definiert sich über den glauben, der glaube ist teil seiner identität. der nichtgläubige hingegen definiert sich nicht über das nichtglauben, sondern er glaubt einfach nicht. so wie man ganz problemlos nicht-FC-bayern-fan sein kann, ohne dass dies irgendeine bedeutung hätte.
    während der gläubige viel zu verlieren hätte, wenn es beweisbar keinen gott gäbe, müsste der nichgläubige nur eine falsche theorie korrigieren – wie es ja oft im leben vorkommt. seine wertvorstellungen könnte er getrost behalten. wenn diese vor dem existenzbeweis eines gottes gegolten haben, werden sie auch danach in ordnung sein, sonst hätte gott sich sicher darum gekümmert.
    der nichtgläubige wäre sicher von einem wasserdichten gottesbeweis zu überzeugen. der gläubige, so darf man sicher vermuten, würde keinen noch so eindeutigen beweis der nichtexistenz akzeptieren, denn wie es schon anderswo heute geschrieben wurde, ist eine nichtexistenz (oder nicht-wirkung) wesentlich schwerer zu beweisen, als eine existenz. was immer man an nichtexistenz zu beweisen versucht – man kann nicht das gesamte universum absuchen, und irgendwo wäre immer ein ort denkbar, an dem ein gott existieren könnte. existierte er hingegen nachweisbar, wären keine weiteren beweise nötig.

  30. #30 knorke
    10. Juni 2009

    Mal ganz im Ernst: Wie errechnet man die Wahrscheinlichkeit, das Gott existiert?
    Ich wüsste es nicht. Daher ist für mich diese Werbung genauso irreführend wie der Quatsch auf HOT oder QVC und die gehört dann nach deutschem Wettbewerbsrecht (sogar nach BGB) gerichtlich sanktioniert. Gut, in Österreich kenn ich die Gesetzt nicht…

  31. #31 Florian Freistetter
    10. Juni 2009

    @knorke: Naja – es wird ja nicht für irgendein Produkt geworben; die Leute sollen ja nichts kaufen. Was willst du da also “gerichtlich sanktionieren”? Und: das mit der Wahrscheinlichkeit ist ja auch nicht mathematisch gemeint. Wenn dich jemand fragt, ob du morgen zur Party kommst du antwortest: “Wahrscheinlich nicht”, dann hast du das ja vorher auch nicht mathematisch ausgerechnet, oder?

  32. #32 Ronny
    10. Juni 2009

    Zitat Knorke: Mal ganz im Ernst: Wie errechnet man die Wahrscheinlichkeit, das Gott existiert?

    Ich sehe das so:
    Gott ist eine Hypothese, wie z.B. rosa Eichhörnchen. Eine Annahme hat eine Wahrscheinlichkeit von 0%. Jetzt kann man durch Finden von Beweisen oder zumindest durch Hinweise diese Wahrscheinlichkeit erhöhen. Am Beispiel der rosa Eichhörnchen könnte man sagen, es gibt Eichhörnchen, also könnte es auch rosa Varianten geben.

    Für Atheisten gibt es jetzt keine Hinweise geschweige denn Beweise für Gott, also bleibt die Wahrscheinlichkeit auf 0. Religiöse Menschen sehen in der Natur oder in unserer Existenz Hinweise und kommen dann vielleicht auf einen höheren Wert.

    Die oft zitierte Falsifizierung : ‘Aber man kann nie das Gegenteil beweisen’ kann IMO nicht als Argument benutzt werden, da diese Aussage auf ALLES zutrifft und somit keine Relevanz hat.

    Ich sehe auch keine ‘Werbung’ in dieser Aktion sondern eher ein Aufzeigen, dass es auch anders geht. Das es erlaubt ist zu fragen: Wozu Gott ? Brauch ich das ? Will ich mich bevormunden lassen ? Ist ein Leben ohne seltsame Gesetze nicht besser ? Gehe ich in die Messe weil ich überzeugt bin oder weil es meine Umwelt fordert ? Ist die Religionsausübung mein freier Wille ? Warum müssen rel. Institutionen keine Steuern zahlen ?

    Bezüglich der Wortwahl bezeichne ich mich gerne als Realist.

  33. #33 knorke
    11. Juni 2009

    @ Florian
    “Wenn dich jemand fragt, ob du morgen zur Party kommst du antwortest: “Wahrscheinlich nicht”, dann hast du das ja vorher auch nicht mathematisch ausgerechnet, oder?”

    >>Da haste, Recht, rechnen würde ich das auch nicht, obwohl: hinreichende empirische Daten vorausgesetzt wäre es möglich. Aber unabhängig davon ziehe ich in dem von Dir genannten Beispiel Informationen heran, mit denen ich eine grundsätzliche Richtung angeben kann (habe ich Zeit? hab ich Lust? wer is da?). Bei Gott fällt mir das schwer, alldiweil: Woran festmachen?

    zum Thema Gericht:
    Und gerichtlich würde ich das Werben in dieser Form untersagen lassen, wenn ich damit durchkomme. Wobei ich zugebe, dass ich noch keinen Anwalt gefragt hab und obsüberhaupt “Werbung” ist (s.u.).

    @Ronny
    “Gott ist eine Hypothese […]”.

    >> Nein. Hypothesen kann man objektiv überprüfen, d.h. flasifizieren, die Gottesexistenz nicht. Gottes Existenz ist also zunächst pure Glaubenssache (oder meinetwegen: eine bloße Behauptung) und entzieht sich dem wissenschaftlichen Zugang, bis jemand ein entsprechendes hypothesentestendes Verfahren ersinnt. Wiewohl mich interessieren würde, ob es Philospohen / Wissenschaftler oder Wissenschaftsphilosphen gibt / gab, die sich Gedanken über die Falsifizierbarkeit von Gott gemacht haben. Weiß da jemand was?

    “Ich sehe auch keine ‘Werbung’ in dieser Aktion sondern eher ein Aufzeigen, dass es auch anders geht.”

    >>Naja, da haste in der Tat Recht, so kann man es auch verstehen, ich habe mich am Wörtchen “Atheisten-Buskampagne” festgekrallt.

    “Das es erlaubt ist zu fragen: Wozu Gott ? Brauch ich das ? Will ich mich bevormunden lassen ? Ist ein Leben ohne seltsame Gesetze nicht besser ? Gehe ich in die Messe weil ich überzeugt bin oder weil es meine Umwelt fordert ? Ist die Religionsausübung mein freier Wille ? Warum müssen rel. Institutionen keine Steuern zahlen ?”

    Darfst du doch. Dass die Kirchen gern mal rumplärren, wenn jemand es laut tut sagt ja nicht, dass man es nicht darf. Übrigens gibt es auch seltsame “Gesetze” außerhalb religiöser Gemeinschaften. Und bei denen ist es manchmal schwieriger, sich Ihrem Einfluss zu entziehen. Die Sache mit den Steuern immerhin ist befremdlich (wenn es denn so ist, ich weiß es leider nicht).

  34. #34 RokkerMur
    14. Juni 2009

    Hallo in die Runde !

    Titel: Gott hat Angst.
    Das was ich dazu geschrieben habe:
    http://warteschlange.twoday.net/stories/5760666/

    Dort findet ihr auch die Monsterhomepage von Michael tFirst,
    einen moralisierenden Peepshowbesitzer aus Wien usw.

    Gott hat Angst das auf den Öffis der Wiener Linien Plakate hängen die sagen es gibt ihn nicht.
    Was muß das für ein Gott sein.

    Klingt sehr wirr aber was der Schönborn am Donnerstag in der U-Bahnzeitung Heute gesagt hat war auch nicht ohne.

    LG aus Wien 10.
    RokkerMur

  35. #35 Ronny
    15. Juni 2009

    Zitat knorke:Nein. Hypothesen kann man objektiv überprüfen, d.h. flasifizieren, die Gottesexistenz nicht.

    Das bezweifle ich eben sehr stark. Ein Wesen welches massiven Einfluss auf mich ausüben kann, welches die Physik, den Kosmos usw. erschaffen haben soll und sich massiv in mein Leben durch Vorgabe von Regeln einmischt, muss auch wissenschaftlich nachweisbar sein.

    Außerdem, nicht der Atheist muss Gott falsifizieren, sondern der Gläubige muss Gott beweisen oder zumindest starke Hinweise liefern.

  36. #36 sil
    15. Juni 2009

    Wieso sollen sich eigentlich die Gläubigen Sorgen wegen des Busses machen?
    Könnte Gott das nicht alleine regeln?

    Und: Warum sind an Kirchtürmen Blitzableiter?

  37. #37 knorke
    17. Juni 2009

    Ronny, du verstehst nicht, worauf ich hinauswill: Es gibt keinen mir bekannten Weg, die Gottexistenz zu be- oder widerlegen. Damit ist diese ganze Thematik per Definition nicht Gegenstand wissenschaflticher Untersuchung sondern pure Glaubenssache – ich sag’s auch gern nochmal deutlicher – ist eine Behauptung. Ich warte auf den Moment, wo jemand eine saubere Theorie zur Existenz Gottes formuliert, die sich mittels eines wie auch immer gearteten Verfahrens überprüfen lässt. Wenn dies der Fall ist, kann man – meiner Ansicht nach – auf die Busse aus sowas wie oben schreiben. Nur der Vollständigkeit halber: Genauso falsch wäre es aus den selben Gründen übrigens, wenn man schreibt: “Gott gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.”
    Bisher war Gott nicht notwendig, um die Physikalischen, Biologischen, Chemischen oder sonstwelche Prozesse bis zu dem Punkt zu verstehen, an dem wir jetzt sind. Von daher würde ich Gott aus der Wissenschaft raushalten, bis über dessen Existenz (oder die Relevanz seiner Existenz für unsere Theorien) eine Aussage getroffen werden kann.

  38. #38 Ronny
    22. Juni 2009

    @Knorke
    Ich denke schon dass ich dich verstehe. Du willst nicht den Wahrscheinlichkeitsbegriff der Wissenschaft für einen Gottesbeweis nutzen.

    Nur, was spricht dagegen ein postuliertes Wesen wissenschaftlich zu betrachten ? Ich bin Realist, also akzeptiere ich Aussagen wie: ‘Da muss man daran glauben’ nicht. Deshalb verwende ich den Wahrscheinlichkeitsbegriff um mir ein Bild zu machen, ob es überhaupt sinnvoll ist an einen Gott zu glauben. Das Fazit für mich: Wahrscheinlichkeit quasi gleich null, also wozu glauben.

  39. #39 Christian A.
    22. Juni 2009

    Nochmal zu der Tour von dem Atheistenbus. Auf SpOn war zu Lesen, dass er einen Schattenbus hatte, von Christen gesteuert. Na, das ist ja mal eine gelungene Aktion! (Quasi Stalking mit Bussen)

  40. #40 Michael Tfirst
    18. Juli 2009

    Es geht meiner Meinung auch u. a. darum, die immense Macht der Kirche anzuprangern

    Aber die Hauptsache ist, dass die Kirche weiterhin Lügen jeglicher Art ungestraft verbreiten darf, aber wehe, man versucht das aufzuzeigen:

    Ich zitiere dazu einige Auszüge aus einem Gerichtsprotokoll:

    ………….Richtig ist einzig, dass das nach Anschuldigungen des mj. Manuel Nowatschek und Strafanzeige seiner Mutter, Eva Nowatschek, eingeleitete Strafverfahren im November 1996 beendet wurde.

    Die Beendigung erfolgte jedoch einzig nur aus einem formalen Grund, nämlich wegen Versäumung der prozessualen Frist zur Erbringung einer Subsidiaranklage.

    Unrichtig ist daher, dass sich die Angaben des mj. Manuel Nowatschek als falsch und haltlos herausgestellt hätten und dass dies der Grund der Beendigung des Strafverfahrens gewesen wäre. Vielmehr wurde die Glaubwürdigkeit seiner Angaben durch zwei gerichtlich beeidete Sachverständige festgestellt, womit sich Anhaltspunkte für strafbares Verhalten der beschuldigten Lehrer und Erzieher ergeben haben.

    Unrichtig ist weiters, dass die Nichtbezahlung des Schulgeldes und seine Einklagung durch die Schule Motiv für die Anschuldigungen gewesen wären. Tatsächlich wurde die Bezahlung des Schulgeldes durch das Land NÖ und die Kindsmutter Eva Nowatschek erst nach und wegen des Verdachts gegen Lehrer und Erzieher der „Schulbrüder“ eingestellt………………..usw……… usf………….

    Ende der Auszüge aus dem Gerichtsprotokoll

    (Die Familie Nowatschek hat mir zu der Nennung des Namens und zur Veröffentlichung der Gerichtsprotokolle ihre Einwilligung gegeben.)

    Nun, wer verbreitete die ärgsten Lügen bei den Medien? Herr Prof. Erich Leitenberger stellte die Famile absichtlich unentwegt als Lügner dar. Dieser Sprecher der Bischöfe in Österreich darf auch heute noch alles ungestraft machen, was er will. Und das, was er mit Vorliebe macht, ist u. a. sexuelle Missbrauchsopfer von kath. Kirchenleuten mit Nachhaltigkeit bei Redakteuren zu diffamieren.

    Die Gerichtsprotokolle im Original sind nachzulesen auf meiner Homepage „Tausende Priester sind Kinderschänder“:

    http://www.michaeltfirst.blogspot.com/

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Tfirst

  41. #41 Kammreiter
    14. Februar 2010

    Kirche ist nicht gleich Gott. Reformiert die Kirche.

  42. #42 JV
    14. Februar 2010

    Ich würde aber lieber Gott reformieren… 😉

  43. #43 Kammreiter
    14. Februar 2010

    An die Kirche kommst du wohl nicht ran?

  44. #44 Sarah
    14. Februar 2010

    Ich bin Atheistin. Gott hat für mich nen ähnlichen Stellenwert wie der Osterhase.
    Dir Kirche wär mir an sich auch wurscht, wenn die sich reformieren wollen, sollen sie, wenn nicht, ist das auch ihr Kaffee. aber sie hat gefälligst keinen Einfluss auf mein Leben zu nehmen.

  45. #45 pat
    14. Februar 2010

    Geld für die Werbung gespart, Diskussion trotzdem in Gang gebracht. Clever.

    Danke für den Link: http://www.michaeltfirst.blogspot.com/
    werde ihn so gut es geht verbreiten.

    P.S. Ich glaube übrigends an Gott oder eine höhere Macht oder wie immer man es nennen mag

  46. #46 Einfach Ich
    12. Mai 2012

    Es gab einmal einen Philosoph, der gesagt hat: “Ich weiß, dass ich nichts weiß”
    Damit meinte er, nichts ließe sich beweisen, man kann etwas nur widerlegen.
    Weder Kreatonisten, Darwinisten noch die (Ich weiß nicht, wie man die Menschen nennt, die weder an Gott noch an die Evolution glauben nennt) wurden je falsifiziert, also wenn es Leben gibt (Und das gibt es wahrscheinlich, zum Beispiel jeder, der auf dieser Seite schreibt ist ein Lebewesen, ist zwar nicht beweisbar, aber lässt sich nicht widerlegen. 😉 )
    muss eine der drei Theorien richtig sein, es können sogar auch die ersten beiden Theorien kombiniert sein.
    Die dritte Theorie ist sehr unwahrscheinlich, im Gegensatz zu den ersten beiden, also haben wir zwei wahrscheinliche Theorien, beide nicht falsifizierbar, wahrscheinlich (Und zwar sehr, wären die ersten beiden Wahrscheinlichkeit 1, wäre die dritte weniger als 10^-90) ist mindestens eine davon richtig und beide schließen sich nicht aus.
    So gesehen ist allein in der Existenz von Lebewesen ein Minimum an Wahrscheinlichkeit von 2(1 Punkt purer Kreationismus+1 Punkt Evolution mit Theismus) : 1+(<10^-90)(1 Punkt pure Evolution+die Wahrscheinlichkeit der dritten Theorie)
    So gesehen ist die Wahrscheinlichkeit von einem Gott höher als die eines Produkt des Zufalls. Und das ist nur das Minimum, dass aus der reinen Existenz von Lebewesen gezogen werden kann, wenn man noch andere Gebiete mit einberechnet kommt sogar eine viel höhere Wahrscheinlichkeit heraus!
    Und da sind wir wider bei der Frage nach der Möglichkeit des Beweisens: Wenn etwas nur deshalb nicht existiert, weil man es beweisen kann, würde nur die bloße Existens selber existieren, weil sich alles andere nicht beweisen lässt.