8. Welche Ziele sollen in der Raumfahrt künftig verfolgt werden?

Neben der Grundlagenforschung sollten wir vor allem nach Antworten auf Fragen suchen, die unser Leben hier auf der Erde betreffen. Klimaschutz, Umweltentwicklungen, Energieversorgung, Datenübermittlung für Navigation und andere Anwendungen. Galileo ist dabei ein wichtiges, gegenwärtig sehr kritisches Projekt, das Europa schultern muss. Der Mond als altes, neues Ziel wäre eine große Herausforderung. Die Weiterentwicklung von robotischen Sonden und Kameratechniken für langfristige und weiterreichende Missionen sowie eine Nachfolge für die Space-Shuttles der Amerikaner sind interessante Gebiete der nächsten Jahre.

9. Braucht Europa einen eigenen bemannten Zugang zum All – zum Beispiel in Form einer für bemannte Flüge ausgebauten Ariane-Rakete und eines erweiterten ATV?

Wir glauben, dass in den nächsten Jahren die unbemannte Raumfahrt in Europa dominieren sollte. Natürlich ist die bemannte Raumfahrt extrem spannend und mitreißend, gerade für die Jugend, die Identifikationsmöglichkeiten sucht. Aber wissenschaftlich gibt es kaum etwas, was nicht auch mit unbemannten Raumflugkörpern erforscht werden könnte und dies oftmals sogar besser und kostengünstiger. Für die Ariane brauchen wir zweifellos eine Nachfolgeregelung, aber diese sollte unbemannt sein und eine höhere Nutzlast haben.

10. Halten Sie bemannte Raumfahrt für sinnvoll oder sollte sich Deutschland nur an Bau, Entwicklung und Betrieb von Raumsonden und Satelliten beteiligen?

Im Rahmen internationaler Kooperationen wird Deutschland auch an bemannten Missionen mitwirken. National sollte der Schwerpunkt aber in der unbemannten Raumfahrt liegen.


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Kommentare (12)

  1. #1 Arnd
    2. September 2009

    Erstaunlich positiv und mit Politiker-Untypischer Klarheit formuliert.

  2. #2 Christian Reinboth
    2. September 2009

    Erstaunlich ausführliche Antworten, die zudem noch davon zeugen, dass Frau Flach sich wirklich mit dem Thema befasst hat – und vor allem kein kruden Theorien a la “geheime militärische Anwendungen” und “Unterwanderung durch das Großkapital”, wie sie von Frau Sitte zu hören waren. Die Aussage bestärkt mich in meiner Vermutung, dass von einem schwarz-gelben Bündnis insgesamt eine bessere Forschungspolitik zu erwarten wäre, als beispielsweise von einer rot-rot-grünen Regierung.

  3. #3 Stefan
    2. September 2009

    @Arnd: Ja finde ich auch. Auch Frau Flach (oder ein Mitarbeiter, was ja egal ist) hat sich mit Florians Fragen wirklich auseinandergesetzt. Ich persönlich finde ihre Antworten gut. Sie bejaht klar die unbemannte Raumfahrt und spricht sich nicht grundsätzlich gegen die bemannte Raumfahrt aus, sondern gibt ihr für ein gewisses Zeitfenster von (“in den nächsten jahren” = ein bis zwei Legislaturperioden) keine hohe Priorität. Der Meinung kann man natürlich sein.

    Was auffällt ist, dass sie ausdrücklich auf die Bedeutung der Raumfahrt für den Mittelstand hinweist, während bei Frau Sitte von den Linken der Eindruck entsteht, Raumfahrt diene nur mächtigen Konzernen. Tja, was stimmt da nun?

    Ist jedenfalls schön, wie sich hier die Unterschiede in den Parteien widerspiegelt: Hier die Sorge um den Mittelstand, dort die Angst vor den mächtigen Konzernen – so hat jeder seinen politischen Antrieb.

  4. #4 Florian Freistetter
    2. September 2009

    @Alle: Also auseinandergesetzt hat sich Frau Flach wirklich mit meinen Fragen. Allerdings kommen mir die Antworten doch ein wenig unverbindlicher und weniger konkret vor, als die von Frau Sitte.

    Den Grundtenor der Antworten finde ich persönlich natürlich wesentlich besser 😉

    Besonders aufgefallen sind mir folgende zwei Sätze:

    Raumfahrt ist aber auch notwendig als Erkenntnismöglichkeit des Menschen über kosmische Prozesse, die Entstehung des Universums und die Grundlagen der Naturwissenschaften.

    Natürlich ist die bemannte Raumfahrt extrem spannend und mitreißend, gerade für die Jugend, die Identifikationsmöglichkeiten sucht.

    Diese beiden Aspekte der Raumfahrt – Grundlagenforschung und Faszination – habe ich bei Frau Sitte vermißt.

  5. #5 Schmiddi
    2. September 2009

    Sehr vernünftige Antworten.

  6. #6 femidav
    2. September 2009

    @Florian Freistetter
    Es ist immer einfacher “nicht mit uns” zu sagen. So gesehen denke ich nicht, dass die Antworten unverbindlich sind. Außerdem, es ist doch FDP, und deren (eigentlich unseren, da ich auch dazu gehöre) Anspruch ist doch nicht alles bis ins letzte Detail zu regeln, sondern auf Eigenverantwortung zu setzen und nur die Rahmenbedingungen zu schaffen. Konkrete Programme sind dann halt eine Angelegenheit für Fachmänner und -frauen.

  7. #7 libertador
    2. September 2009

    Also das hört sich nach reichlich unverbindlichem Geschwafel an. Ohne konkret zu werden, also typisch Politiker

  8. #8 Stefan
    2. September 2009

    @femidav: “Es ist immer einfacher “nicht mit uns” zu sagen.”
    Das ist wohl wahr, vor allem auch, wenn man nicht damit rechnet, demnächst in Regierungsverantwortung zu stehen und daher nicht plötzlich vor dem Problem steht, bestehende Verträge erfüllen zu müssen (siehe z.B. Die Grünen und die Castor-Transporte während der Rot/Grünen-Regierung).

    Ich denke auch, dass zu konkrete Aussagen, wie beispielsweise Steinmeiers konkrete Zahl von neuen Jobs zu recht kritisch gesehen werden. Politiker schaffen keine Arbeitsplätze und sie fliegen auch nicht zum Mond. Politiker sind für die Rahmenbedingungen verantwortlich, die Wünschenswertes möglich machen.

  9. #9 beka
    2. September 2009

    Im Finanzplan des Bundes 2008-2012 (PDF 793KB, Seite 31) vom 30.01.2009 sind im Bereich Raumfahrt für das Jahr 2009 insgesamt 1193 Mio Euro vorgesehen, davon gehen alleine 593 Mio Euro direkt an die ESA.

  10. #10 beka
    3. September 2009

    So ‘ne Scheibe. Ich merke jetzt erst, dass der Link versaut ist (auf der Homepage des Ministeriums mit “Bundeshaushalt” suchen):

    Finanzplan des Bundes 2008-2012

    Unabhängig von Parteiprogrammen gibt es vertragliche Verpflichtungen, die sich so einfach gar nicht ändern lassen.

  11. #11 christian
    3. September 2009

    Blah Blah Blah! Wie immer!

    Vor allem, wie wollen die das finanzieren? Die wollen doch als erstes die Steuern senken?
    Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, der Tag neigt sich und Finsternis bricht über uns herein!

    wink

  12. #12 Stefan
    3. September 2009

    @Christian: Raumfahrt kostet jeden ESO-Bürger pro Jahr in etwa den Gegenwert einer Schachtel Zigarretten. Da gibt es ganz andere Ausgabenposten, für die wir viel mehr blechen. Man kann also durchaus die Steuern senken UND Raumfahrt betreiben.