Anfang Mai habe ich schonmal über die Initiative “Mehr Forschung 2020” berichtet. Die hat sich nun wieder zu Wort gemeldet; mit einem offenen Brief an Abgeordnete des Nationalrats und Verantwortliche beim österreischischen Fernsehen ORF.

Herwig Hösele schreibt im Namen der Initiative:

“Heute, Donnerstag beschliessen Sie eine Novelle zum ORF-Gesetz, die es ermoeglichen soll, dass der ORF seinem oeffentlich-rechtlichen Auftrag besser als bisher nachkommt.
Kernelement des oeffentlich-rechtlichen Auftrags sind qualitaetvolle Programme – insbesondere auch in den Bereichen Information, Dokumentation, Kunst, Kultur und Wissenschaft – , die von kommerziellen Anbietern nur unzureichend angeboten werden.
Die private Initiative Mehr Forschung 2020 hat sich Anfang Mai 2010 gebildet und wird auf www.mehrforschung.at von wichtigen Playern der oesterreichischen Scientific Community, sowie auf einer Facebook-Gruppe Mehr Forschung von ueber 1.200 Mitgliedern unterstuetzt. Eine der wesentlichen Aussagen des Gruendungsmanifests ist:
Ziel ist die verstaerkte oeffentliche Auseinandersetzung mit Ergebnissen und Erfordernissen von Wissenschaft und Forschung, wobei den Medien dabei ein besonderer Stellenwert zukommt. Insbesondere der ORF hat seinen oeffentlich-rechtlichen Auftrag in diesem Zusammenhang wahrzunehmen.

Die Schaffung erhoehten oeffentlichen Bewusstseins fuer die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung fuer die Zukunft Oesterreichs und die daraus abzuleitenden Konsequenzen fuer Politik und Gesellschaft ist gerade angesichts allgemeiner Einsparungsdiskussionen besonders wichtig.
Es besteht der fatale Eindruck, dass der ORF in seinen nationalen Fernsehprogrammen die Programmanteile wissenschaftsaffiner Themen in den letzten Jahren zurueckgefahren hat, waehrend private Anbieter und oeffentlich-rechtliche deutschsprachige Sender diese ausbauten.
So heisst es beispielsweise in der kuerzlich veroeffentlichten Styrian Science Study:

Leider Einschraenkung der Wissenschaftsberichterstattung, vor allem im ORF in seinem oesterreichweiten Fernsehprogramm, dagegen in den steirischen ORF-Programmen und in Oe1 und in den Printmedien eine teilweise umfangreiche Berichterstattung

Unsere Bitte ist es nun, nicht nur die ORF-Novelle und die verbesserte Finanzierung zu beschliessen, sondern auch in Ihren Wortmeldungen und Aktivitaeten draufhinzuwirken, damit der ORF seinen oeffentlich-rechtlichen Auftrag – der ihm auch seine Gebuehrenlegitimation und seine Zukunftsperspektive sichert – vor allem auch im Bereich Wirtschaft und Forschung besser wahrnimmt als bisher.

Die Initiative Mehr Forschung 2020 wird die weitere Entwicklung in dieser wesentlichen Frage aufmerksam verfolgen und darueber berichten.
Für eine Reaktion Ihrerseits waeren wir sehr dankbar und werden diese gegebenenfalls auch publizieren.”

Mal sehen obs was bringt und ob sich die Abgeordneten von “einer Facebook-Gruppe Mehr Forschung von ueber 1.200 Mitgliedern” beeindrucken lassen. Mehr Wissenschaft bzw. mehr Qualität würde dem ORF wirklich gut tun. Im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Programm in Deutschland (bei dem es auch viel zu kritisieren gibt) erkennt man ja beim ORF oft nichtmal mehr einen Unterschied zum Privatfernsehen (das merkt man nur an den Gebühren, die man bezahlen muss…). Und wenn es um Wissenschaft geht, dann schaut der ORF oft gar nicht gut aus. Ich bin zwar skeptisch, ob sich was ändert – aber man darf ja hoffen…


Kommentare (4)

  1. #1 Ronny
    17. Juni 2010

    Ich seh schwarz: Gerade wurde auf ORF Online die Futurezone gestrichen. Dafür gibts einen Extrakanal für Politik und Kunst. Da werden dann wieder die Wunderdoktoren herumkünsteln ‘:)

  2. #2 Lachesis
    17. Juni 2010

    2020? Ist da nicht längst die Welt untergegangen? ;-)))

  3. #3 StarWolf
    18. Juni 2010

    Der ORF hat doch “Newton” als Wissenschaftsmagazin 🙂
    Und die 160 Mio € kriegt er ja zum Überleben, nicht um besseres Programm zu machen.

  4. #4 radicchio
    18. Juni 2010

    moin, ich weiß nicht, wo ich das abwerfen soll. also hier:

    beim focus haben heute US wissenschaftler NEUN symptome als beweis für männliche wechseljahre identifizert:
    http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/partnerschaft/news/maennliche-wechseljahre-die-neun-typischen-symptome_aid_520577.html

    heute bei welt online weisen europäische wissenschaftler (New England Journal of Medicine) ebenfalls die männlichen wechseljahre nach:
    http://www.welt.de/wissenschaft/article8093163/Forscher-weisen-maennliche-Wechseljahre-nach.html

    die süddeutsche hält dagegen mit “Die Wechseljahre des Mannes sind ein Mythos” und beruft sich offenbar auf die gleiche europäische studie wie die welt (New England Journal of Medicine)
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/medizin-die-wechseljahre-des-mannes-sind-ein-mythos-1.960516

    WIE IST DAS MÖGLICH??? (rhetorische frage)
    was stimmt und wo kann man sich beschweren?