Manche Dinge die so in der Gegend rumstehen, sind nicht wirklich schön. Wie zum Beispiel diese Rohre hier, die mir gerade bei meiner Fahrradtour begegnet sind:

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Gut – so richtig hübsch wird man solche Dinge nie bekommen. Aber vielleicht kann man sie wenigstens interessant machen.

Das kann damit anfangen, dass man einfach mal drauf schreibt, was hier denn passiert:

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Das macht die Rohre zwar nicht weniger häßlich – aber man sieht zumindest, dass sie nicht aus reiner Bosheit mitten in die Landschaft gestellt wurden sonder dass sie auch einen konkreten Zweck haben.

In Jena hat man sich aber etwas mehr überlegt. Seit 2004 gibt es hier das Projekt “Adern von Jena” in dem die Fernwärmeleitungen als Ausgangspunkt für verschiedenste Projekte dienen. Hier sind ein paar Impressionen:

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Und wenn man nun noch den Deppen ihre Spraydosen wegnimmt, dann werden die Rohre zwar immer noch nicht schön sein – aber zumindest weniger häßlich und immerhin interessant!

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Kommentare (23)

  1. #1 olsch
    25. Juli 2010

    Ich finde es auch immer wieder interessant zu sehen was die Leute sich einfallen lassen um die Leitungen zu verschönern. Die Klassiker kannte ich noch gar nicht, muss wohl auch mal wieder eine Radtour machen.
    Und wo genau befindet sich diese Infotafel?

  2. #2 Florian Freistetter
    25. Juli 2010

    @olsch: Die Infotafel ist beim Paradiesbahnhof – bei der großen Wiese gleich hinter den Gleisen; steht vor einer der Unterführungen. Die Klassiker sind weiter hinten; wenn man Richtung Burgau radelt.

  3. #3 olsch
    25. Juli 2010

    @Florian
    Danke!

  4. #4 EGW
    25. Juli 2010

    Dann mal vielen Dank – man lernt nie aus. Mir sind zwar ein, zwei Inschriften auf den Rohren schon begegnet, aber das dahinterstehende Projekt ist mir neu. Prima Idee !

  5. #5 Ender
    25. Juli 2010

    Coole Sache.
    Bei uns werden bisher nur Stromkästen sowie Strom- und Wasserhäuschen mit Motiven versehen, vielleicht auch mal die ein oder andere öffentliche Toilette (von außen).

  6. #6 Advocatus Diaboli
    26. Juli 2010

    Sehr interessant. Die Graffities auf dem letzten Bild finde ich allerdings immer noch hübscher als die nackten Rohre… 😉

  7. #7 marsh
    26. Juli 2010

    Die “Deppen mit den Spraydosen” verschönern die Rohre sogar kostenlos. Die Stadt sollte ihnen die Dosen schenken und die Rohre in Teilabschnitten für ihre Kunst freigeben.

    Ich finde, dass Grafitties ihren Platz in einer Stadt haben und sie in vielen Fällen eine echte kulturelle Bereicherung darstellen.

    Aber man muss natürlich dafür sorgen, dass sie kein Privateigentum beschädigen.

  8. #8 Syntronica
    26. Juli 2010

    Klassiktreffen, ich roll mich weg

  9. #9 Florian Freistetter
    26. Juli 2010

    @marsh: “Die “Deppen mit den Spraydosen” verschönern die Rohre sogar kostenlos. “

    Naja – nicht jeder der irgendwas anmalt, ist ein Künstler. Aber ich behaupte mal das mindestens 90% der Graffitis absolut nichts mit “Kunst” zu tun haben sondern reine Schmierereien sind. Das im letzten Bild z.B. ist ein Grenzfall – aber Standard sind ja eher “kulturelle Bereicherungen” wie man sie z.B. in Bild 3 und 4 sieht. Da wird nicht “gemalt”, da werden nur Parolen geschmiert o.ä. Wenn Leute, deren “künstlerische Betätigung” über das simple “Revier markieren” hinausgeht die Rohre anmalen – meinetwegen. Aber irgendwelche dummen Schmierereien über Fußballvereine oder Nazis haben nichts mit “Verschönerung” zu tun.

  10. #10 Jörg Baran
    26. Juli 2010

    Spannend und interessant werden diese Rohre ja erst dadurch, dass sie durch die dezentrale Wärmenutzung zu einer effizienten Primärenergienutzung beitragen.

  11. #11 inga
    27. Juli 2010

    Ich hab mal ein Interview von einem Sprayer gelesen, der unwidersprochen von sich gab, Grafitti sei “total demokratisch”. Ich weiß jetzt nicht, ob er vorher jemanden abstimmen ließ, wenn er mal wieder einen Kiosk besprühte (wen eigentlich? Die Passanten? Die Stadtteilbewohner? Den Kioskbesitzer?), aber ich vermute, dass dem Bub mal jemand auf die Sprünge hätte helfen sollen, dass “jeder macht, was er will” nichts mit Demokratie zu tun hat.

  12. #12 Villa
    27. Juli 2010

    Hat Jena seine eigene Tempoteilchenröhre?
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28951

  13. #13 Ole
    28. Juli 2010

    Du hättest bei dem ersten Bild noch weiter rechts fotografieren sollen. Wenn ich mich recht erinnere, ist es die Stelle, wo jemand hinter “Hier strömt Dampf mit 260°C” den Spruch “Nur meine Liebe ist heißer” gekrakelt hatte 😀

  14. #14 xconroy
    29. Juli 2010

    Interessant, wie beim Thema Graffiti auch ansonsten tolerante und offene Menschen reflexhaft auf law-and-order-Status umschalten 😉

    Ich hab schon vor Jahren vorgeschlagen, daß – statt ALLE illegalen Sprayer, so sie entdeckt werden, zum Entfernen der Tags zu zwingen (womit man nichts erreicht), dies nur bei denjenigen zu tun, deren “Kunstwerke” tatsächlich nur häßliches Geschmiere sind (ja, man kann Wege finden, das zu entscheiden). Dann würde nämlich sowohl der Nervenkitzel erhalten bleiben als auch die Umwelt deutlich verschönert werden, weil sich mehr Mühe gegeben wird.
    Es wurde nicht drauf eingegangen. Beamte halt 😉

  15. #15 Florian Freistetter
    29. Juli 2010

    @xconroy: “Interessant, wie beim Thema Graffiti auch ansonsten tolerante und offene Menschen reflexhaft auf law-and-order-Status umschalten ;-)”

    Was hat das mit “law-and-order” zu tun? Würds dir gefallen, wenn ich zu dir nach Hause komme und dir deinen Kram anmalen (künstlerisch wertvoll natürlich!). Nein? Warum sollen dann die Sprayer das Recht haben, einfach so alles anzumalen, was sie wollen? Und seien wir mal ehrlich: die absolute Mehrheit der Graffitis hat nicht mal annähernd was mit Kunst zu tun. Wenn irgendwelche pubertierenden Teenager den Namen ihres Fußballklubs irgendwo hinpinseln oder mit irgendwelchen Krakeln die nur Eingeweihte verstehen ihr Revier markieren – dann ist das Sachbeschädigung und nichts anderes.

  16. #16 xconroy
    29. Juli 2010

    Deswegen ja der zweite Absatz meines Comments. Ich finde den sehr konstruktiv.

    (und zum Glück habe ich zuhause keine dicken Rohre, auf die Leute was sprayen. Auf dicken Rohren, die mir gehören, würde mich das möglicherweise stören, wenns häßlich ist. Auf dicken Rohren, die in der Gegend rumstehen, stört es mich dagegen nicht, auch nicht wenns häßlich ist. Mich stören ja auch keine häßlichen Menschen, die in der Gegend rumstehen).

    Ich weiß halt aus Erfahrung, daß das eins von den Themen ist, bei denen sich selbst Leute in die Wolle kriegen, die sonst meinungsmäßig im perfekt harmonischen Gleichschritt durchs Leben wandern…

  17. #17 epicykel
    30. Juli 2010

    Gratuliere, Herr Freistetter. Mit ihrer fundierten Graffiti-Analyse haben Sie den Berater-Vertrag im wissenschaftlichen Beirat von Haus & Grund schon so gut wie in der Tasche.

  18. #18 Benson
    2. August 2011

    Ihr könnt hier stundenlang rumdiskutieren, ob euch das gefällt und ob das kunst ist und demokratisch oder sachbeschädigung. Das wird niemanden der Graffiti lebt davon abhalten nachts loszuziehen, die wände zu bemalen, die farbe zu riechen, einfach sein ding zu drehen und auf eure debatten links liegenzulassen…
    …IF ART IS A CRIME MAY GOD FORGIVE ME….

    ps: “Kunst” unterliegt im übrigen nicht demokratischen Mehrheitsentscheidungen. sonst würden wir über Massenkultur nicht hinauskommen. soviel zum intellektuellen teil …. 🙂

  19. #19 Florian Freistetter
    2. August 2011

    @Benson: “as wird niemanden der Graffiti lebt davon abhalten nachts loszuziehen, die wände zu bemalen, die farbe zu riechen, einfach sein ding zu drehen und auf eure debatten links liegenzulassen”

    Tja, wenn du es so toll findest, anderer Leute Sachen kaputt zu machen und deine Reviermarkierungen drauf zu setzen, dann werden dich irgendwelche rationalen Argumente sowieso nicht erreichen.

    “”Kunst” unterliegt im übrigen nicht demokratischen Mehrheitsentscheidungen. sonst würden wir über Massenkultur nicht hinauskommen.”

    Das stimmt. Aber trotzdem hab ich bis jetzt noch niemand gefunden der mir erklären konnte was an Slogans wie “Scheiß EF!” u.ä. jetzt genau Kunst ist. Nicht alles, was irgendwer irgendwo an ne Wand schmiert muss Kunst sein…

  20. #20 Kallewirsch
    2. August 2011

    Kommt immer drauf an. Es gibt auch genügend Graffitis, vor dich ich mich hinstelle und Wow! sage. Viele Städte haben längst erkannt, dass man gegen Graffitis an sich nicht vorgehen kann. Also versuchen sie es in gezielte Bahnen zu lenken, indem ausgewiesene Malflächen zur Verfügung gestellt werden. Und da kommen dann auch Kunstwerke raus, die sogar mir gefallen. Und das will was heißen.

  21. #21 W.S.
    2. August 2011

    @FF:
    Ich denke, man sollte mit den Mädls und Jungs nicht zu hart ins Gericht gehen. Grundsätzlich gibt es nach meinem Verständnis drei Auffasssungen von Kunst.
    1.) Kunst kommt von Können. Darf man natürlich fragen, wie genau man Können definiert (Michelangelo? Warhol? Beuys?), klar.
    2.) Kunst kommt von künstlich (Kunst entsteht nach der Definition aus dem Spannungsverhältnis des Künstlers zu seiner Umwelt). Insofern ist jeder Mensch ein Künstler, der einen Nagel an genau der Stelle und keiner anderen in die Wand schlägt, weil er seine Umwelt in einem für ihn positiven Sinn verändert.
    3.) Kunst kommt von Kunst 😉

    Wenn man Plakate auf Rohre kleben darf, dann muss man auch zwangsläufig Graffiti auf Rohre sprühen dürfen; beides wird mit einer Wahrscheinlichkeit nahe 1 nicht jedem gefallen *g* So gesehen ist beides auch Sachbeschädigung, ob mit oder ohne Lizenz. Und ganz allgemein erhebt sich die Frage, ob diese Art der Verlegung von Rohren nicht generell als Sachbeschädigung (z. B. gegenüber der Sache Erholungsraum) angesehen werden kann.

    Geschmäcker sind eben verschieden.

  22. #22 Florian Freistetter
    2. August 2011

    @W.S. Ich habs ja im Artikel eigentlich eh schon beschrieben. Es gibt durchaus Grafitti, das seine Berechtigung hat, das mir gefällt, das ansonsten häßliche Stellen der Stadt verschönert. Mir ging es eher um Schmierereien so wie im letzten Bild. Wo nur irgendwelche Fussballparolen o.ä. an Wände geschmiert wird usw.

  23. #23 W.S.
    2. August 2011

    @FF:

    Das hab’ ich gelesen. Mir ging es aber darum, unterschiedliche Auffassungen von Kunst darzustellen (ich bin ja auch kein Experte, nur ein — hoffentlich — halbwegs tolerantes Mitglied der Tiergattung Mensch und Sammler von Bildern, die mir gefallen *g*).

    Und wenn ich dann Defintion 2 folge (also Menschen ihre Umwelt in einem für sie positiven Sinn ändern wollen), warum sollte es nicht geschehen, indem sie Fußballparolen sprühen? Sachbeschädigung sehe ich da zunächst nicht, auch wenn sich manche Augen davon nicht angetan sehen ,-)

    Schbeschädigung wäre meiner Auffassung nach eben Sachbeschädigung (Einschlagen mit Schraubenschlüsseln auf harmlose Rohre meinetwegen, oder ähnlicher Unsinn). Dann ist der Fall klar.

    Was Kunst ist oder nicht, entscheidet letztlich nur einer: der Kunstmarkt *g* Aber das wäre eine andere Geschichte … 😉