Es könnte alles so schön einfach sein! Da werden in Bulgarien ein paar Knochen gefunden bei denen es sich um Reliquien von Johannes dem Täufer handeln soll. Jetzt könnte man damit einen super Wallfahrtsort organisieren; massenweise Gläubige als Touristen anlocken und jede Menge Geld verdienen. Aber was machen die blöden Wissenschaftler? Die sind skeptisch und glauben das mit Johannes dem Täufer nicht einfach sofort und unbesehen! Da kann man sich schonmal aufregen:

“Ich kann sie nicht verstehen, diese verfluchten Kollegen, dieses verfluchte Volk!”

meint Boschidar Dimitrow, Minister aus Bulgarien. Ja echt jetzt! Verfluchtes Wissenschaftlerpack. Sollen einfach mal ruhig sein; nicht so genau hinschauen und den Gläubigen nicht die Möglichkeit nehmen ein paar alte Knochen anzubeten und dabei jede Menge Geld auszugeben! Wo doch Boschidar Dimitrow selbst auch Historiker ist und sofort gemerkt hat, dass das hier Johannes der Täufer ist! Da braucht man nicht mehr weiter drüber diskutieren. Und dass Herr Dimitrow zufällig auch aus Sozopol kommt, der Stadt in der die Knochen gefunden worden sind; dem zukünftigen Pilgerzentrum, das hat mit der ganzen Sache sicher nichts zu tun…

Kommentare (32)

  1. #1 Bullet
    10. August 2010

    Nun ja.

    Der Historiker war bereits in der Vergangenheit wegen seiner Ausdrucksweise scharf kritisiert worden. Dimitrow hatte im Vorjahr eine “letzte Verwarnung” von Premier Bojko Borissow erhalten, nachdem er mit seiner an die Türkei gerichteten Forderung nach umgerechnet 15 Miliarden Euro Entschädigung für verlorene Territorien einen diplomatischen Skandal verursacht hatte.

    Nach einer “letzten Verwarnung” folgt üblicherweise der Rauswurf. Wollen wir mal hoffen, daß dieser bedauerliche kleine völlig unwichtige Ausrutscher das Zünglein an der Waage war.

  2. #2 isnochys
    10. August 2010

    Gegen Wissenschaftler hilft nur eine päpstliche Bulle:))
    Hat man damals schon im 19Jhdt. gewußt und in Santiago so gemacht.
    “Die Knochen sind echt.Punkt!”
    :))

  3. #3 Johannes9126
    10. August 2010

    Erinnert mich irgendwie an die Simpsons-Folge mit dem Knochenfund eines Engels…

  4. #4 Oliver Debus
    10. August 2010

    Habe ich hier schon mal erzählt, dass in meinem Garten Jesus und die zwölf Apostel, nebst den 4 Evangelisten begraben liegen? Dazu finde ich noch die Knochen von Herrn M., sowie von Budda und anderen berühmten Größen, darunter Kepler, Kopernikus, Einstein, etc. Aber das wollte ich eigentlich für mich behalten, nachher kommen die Gläubigen in Scharen zu mir und machen mich reich… Eine einzigartige Heilquelle habe ich auch, dazu fokussiert sich seit geraumer Zeit der Broersche Szintilationsstrahl über meinem Gartenstuhl und die Dänikenschen Paläoastronauten geben sich die Klinke in die Hand. Aber sagst bitte nicht weiter. ;-))

  5. #5 Muriel
    10. August 2010

    Was mich daran wirklich wundert, ist eigentlich nur, wie Herr Dimitrow auf die Idee kommt, es wäre irgendwie wichtig, was die Wissenschaftler sagen.
    Als ob ein Wallfahrer sich denkt: “Hm, da soll man ja diese Knochen gefunden haben, aber ich lese am Besten erst noch mal in meinem Scientific American nach, ob sich deren heilige Herkunft auch wirklich belegen lässt…”

  6. #6 cydonia
    10. August 2010

    Dimitrov weiß doch ganz genau, wie der Hase läuft! Hatte sich irgendjemand für die popligen Knochen ihteressiert, bevor er ausfallend wurde? Eben!
    Jetzt ist von diesen dämlichen Knochen sogar bei den scienceblogs die Rede. Das ist dann doch zuviel der Ehre.
    Die sowieso etwas hirnlahmen Gläubigen werden sich jetzt sagen, dass wenn sogar die bösen Wissenschaftler, die ihnen immer ihren schönen Glauben kaputtreden wollen, darauf anspringen, da dann doch etwas dran sein muss….
    Möge der Mantel des Schweigens sehr bald darüber ausgebreitet sein, und vielleicht könnte man ein paar Hunde überreden, sich der Knochen anzunehmen.

  7. #7 Oliver Debus
    10. August 2010

    @ Florian

    hat jetzt mal irgendwer den heiligen Gral gefunden? Steht er nicht bei dir im Küchenschrank? Wer das nicht ein schöner Nebenerwerb für Dich?

  8. #8 cydonia
    10. August 2010

    Was soll er denn mit dem Gral machen?

  9. #9 Oliver Debus
    10. August 2010

    @ cydonia

    Na ja, austellen, den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen und damit Forschung betreiben.

  10. #10 cydonia
    10. August 2010

    Hmm….ich habe übrigens den einzigen Stuhl, den Jesus damals als Lehrling seines Schreinervaters hergestellt hat im Garten stehen….
    Einmal sitzen kostet nur 10 € !! Ein echtes Schnäppchen!

  11. #11 Oliver Debus
    10. August 2010

    Echt? da wollte ich schon immer mal drauf sitzen. Was kann man denn damit alles heilen?

  12. #12 S.S.T.
    10. August 2010

    Und ich hab SEINEN Zahnstocher vom letzten Abendmahl (handsigniert)! Nur 100 €, pro Haushalt aber nur ein Exemplar.

  13. #13 Oliver Debus
    10. August 2010

    @ S.S.T.

    Echt? Wahnsinn. Einen haben will… Aber Moment, warum nur ein Exemplar pro Haushalt, ich denk es ist nur einer, wie kannst Du da mehr als einen verkaufen? Da ist doch was faul!! Du willst uns doch nicht an der Nase herumführen? 🙁

  14. #14 jitpleecheep
    10. August 2010

    cydonia: “Hatte sich irgendjemand für die popligen Knochen ihteressiert, bevor er ausfallend wurde? Eben! ”

    Jupp. There’s no such thing as bad publicity…
    Am besten wär’s noch, wenn überhaupt kein Wissenschaftler dazu irgendwas gesagt hat und er das selber erfunden hat. Das wär dann echtes Guerilla-Marketing. 🙂

  15. #15 jitpleecheep
    10. August 2010

    “hat jetzt mal irgendwer den heiligen Gral gefunden?”

    Jesus, schaut ihr denn gar keine Nachrichten? Der ist mit Petra zusammen eingestürzt, dank dem blöden Dr. Jones.

  16. #16 cydonia
    10. August 2010

    Stimmt, Oliver, hatte ich gar nicht bemerkt!
    S.S.T., Du bist ja ein schamloser Bet…..oh tschuldigung! Das könnte jetzt wieder juristische Konsequenzen haben!

  17. #17 Rahn
    10. August 2010

    hat jetzt mal irgendwer den heiligen Gral gefunden?

    Der Heilige Gral steht seit über 500 Jahren in der Kathedrale von Valencia und schaut so aus:
    http://www.catedraldevalencia.es/imagenes/santocaliz/historia/grandes/santocaliz.jpg

    Es ist hochinteressant, welche Ähnlichkeiten zur Legende sich in Spanien finden lassen. Da ist es wirklich verwunderlich, dass die Kenntnis dieser Umstände nicht wesentlich verbreiteter ist.

  18. #18 Oliver Debus
    10. August 2010

    @ Rahn

    das ist aber nicht der echte heilige Gral, der ist doch aus Holz… und der Joseph von Arimathea hat in anno dazumal nach Glastonbury gebracht.
    Das es viele Ähnlichkeiten gibt liegt sicher daran, dass der Stoff im Mittelalter weit verbreitet wurde und langsam mit Lokalkolorit eingefärbt wurde.

  19. #19 YeRainbow
    10. August 2010

    Da war Bruder Tuck seinerzeit echt pfiffiger, der hat die Reliquien selbst hergestellt (beim huhn-Essen) und daher auch ganz genau gewußt, daß sie echt sind.
    ohne noch wen fragen zu müssen…

  20. #20 winihuber
    10. August 2010

    Also, selbst wenn die Knochen Johannes des Täufers echt wären, würde ich sie nicht anbeten. Ich denke dass man den Reliquienkult durchaus als Götzendienst bezeichnen könnte (wäre theologisch wahrscheinlich auch zu rechtfertigen). Wenn ich bete brauche ich keine Objekte (höchstens als Symbole), ich bete auch nicht das Kreuz an wenn ich in einer Kirche sitze.

    @S.S.T. Zahnstocher von IHM interessiert mich nicht, roll doch perönlich DEN Grabstein vorbei, dann wirds für mich interessant. Aber ich denke es wäre nicht im Sinne des Mannes aus Nazareth, wenn du dafür Geld verlangst 🙂

    @cydonia Er hat auch einen Tisch gemacht, auf dem steht jetzt mein Laptop (ging ganz ohne Zwischenhändler) Ätsch!

  21. #21 Rahn
    10. August 2010

    das ist aber nicht der echte heilige Gral, der ist doch aus Holz… und der Joseph von Arimathea hat in anno dazumal nach Glastonbury gebracht.

    Holz, pfft, zu viel Indy geguckt, was 😛

    Der eigentliche Kelch, also der obere Teil, ist aus Stein. Und er soll eine ganze Weile in Italien geblieben sein, bevor der Heiligen Laurentius ihn, kurz vor seiner Hinrichtung, in seine spanische Heimat in Sicherheit bringen ließ.

    Das es viele Ähnlichkeiten gibt liegt sicher daran, dass der Stoff im Mittelalter weit verbreitet wurde und langsam mit Lokalkolorit eingefärbt wurde.

    Nur das die spanischen Aufzeichnungen älter sind, als die (darauf beruhenden?) Erzählungen.

    Z.B.:
    Huesca soll die Heimatstadt von Laurentius gewesen sein. Hier soll der Gral ausgestellt und verehrt worden sein. Huesca war eine Zeil lang die Hauptstadt von Aragon. König von Aragon war Alfons I (Lat. Anfortuis) => Anfortas ist der König in der Gralssaga. Oder Perche Val => Parzival.
    Oder die verborgene Gralsburg:
    http://www.jmarti.ciberia.es/VALENCIA_archivos/image031.jpg
    Das ist San Juan de la Pena. Alfons I flüchtete schwer verletzt hierher und verstarb wenige Tage später (1134). Aus dem selben Jahr im Dezember stammt ein Dokument des Klosters, welches von „el Caliz en que Christo Nuestro Senor consagro su Sangre“* berichtet.

    Wie gesagt, ich finde diese ‘Geschichte’ sehr interessant, und ich bin mir sicher, der Heilige Gral von Valencia ist der ‘echteste’, den es jemals geben wird. Der Rest ist Glauben.

    * bei der Suche nach dem Wortlaut bin ich auf eine sehr schöne Zusammenfassung gestoßen.
    http://www.kath.net/detail.php?id=14171

  22. #22 MartinS
    10. August 2010

    @Rahn
    Dein Glaube an den Gral sei Dir gelassen, die Story ist auch ganz nett, aber die Quellen (kath.net und Michael Hesemann) finde ich eher etwas fragwürdig und nicht übermässig überzeugend. Nur so eine Bemerkung am Rande!

  23. #23 MartinS
    10. August 2010

    @winihuber
    Hallo Wini, das mit dem Grabstein geht klar! Gravur in althebräisch kostet aber extra! Hast Du einen Textwunsch?
    😉

    Und Cydonia’s Stuhl ist ein Must-Have – man kann doch so ein Ensemble nicht auseinander reißen!
    🙂

    Schön von Dir zu hören.

  24. #24 winihuber
    10. August 2010

    @MartinS

    Ich brauch schon länger eine neue Tür, und wenn ich dann selbst einmal auferstehe, weiss ich ja schon wie sie aufgeht. Inschrift ist nicht gut, ich habs lieber nüchtern und sachlich. Zum Thema Stuhl: Würde Jesus heute leben hätte er wahrscheinlich bei einem grossen Möbelhaus aus Schweden gearbeitet (top secret: meinen Tisch habe ich in Wirklichkeit dort gekauft). Ich zweifle übrigens stark an der Echtheit von cydonias Möbelstück.

  25. #25 GeMa
    10. August 2010
  26. #26 MartinS
    10. August 2010

    @GeMa
    Wieso willst Du auf einer Windel sitzen – und die sah auch noch sehr benutzt aus!? Also Reliquien-Verehrer sind schon eine seltsame Gattung!
    😉

    @winihuber
    Wini, ich muß Dir widersprechen! ER am Fliessband – nein! Kann ich mir wirklich nicht vorstellen.
    Eher unherziehender Bauschreiner / Dachdecker, notfalls noch Designer mit einer Triumph (das Mopped kennt ER ja schon, den ER fuhr schließlich mit Triumpf in den Himmel!) aber dafür auch keinesfalls Handwerker mit Ford Transit (Ford ist ganz übel, erinnert IHN immer an Adam & Eva: und sie sündigten in einem Ford(t))
    🙂

    Halb ernsthaft: Die Auferstehung ist doch nur die Seele, oder? (Ich habe wirklich keine Ahnung, ob beim Jüngsten Gericht eine körperliche Auferstehung angedacht ist?!) Fall nicht, dann brauchst Du auch keine Tür!
    So. Schluss mit Unsinn.
    LG
    MartinS

  27. #27 Rahn
    10. August 2010

    Dein Glaube an den Gral sei Dir gelassen, die Story ist auch ganz nett, aber die Quellen (kath.net und Michael Hesemann) finde ich eher etwas fragwürdig und nicht übermässig überzeugend. Nur so eine Bemerkung am Rande!

    Das hat nichts mit meinem Glauben zu tun, ich interessiere mich nur für solche Dinge.

    Und ich habe keine Quellen angegeben, lediglich auf eine Zusammenfassung verwiesen, die im Wesentlichen dem entspricht, was ich selber schildern könnte. Wenn ich eine Quelle angeben würde, dann wohl diese:
    http://www.peterlang.com/Index.cfm?vID=07916&vLang=D

    http://www.geschichtsforum.de/f77/der-heilige-gral-1096/index2.html
    Hier hat sich (ab post 32) mal jemand die Mühe gemacht, den Schäfer kurz darzulegen und sich mit der Inschrift etwas genauer zu beschäftigen. Für Leute die es interessiert, dürfte es ganz interessant sein 🙂

  28. #28 GeMa
    10. August 2010

    @MartinS “- und die sah auch noch sehr benutzt aus!?”
    Könnte ja Stuhl gewesen sein.
    ;-P

    Kalauer erklären müssen ist doof.

  29. #29 winihuber
    11. August 2010

    @MartinS

    Zu deinem letzten Absatz (halbernst)
    Der christliche Auferstehungsglaube geht wirklich von körperlicher Unversehrtheit aus (zumindest auf die Person Jesus bezogen). Damit tue ich mir allerdings auch schwer.

    Aber zum Thema: Für mich ist es jedenfalls befremdlich dass dieser Minister ein Problem damit hat dass man die Echtheit der Funde überprüfen will. Selbst wenn man festellt das diese Knochen echt sind muss man sich die Frage stellen wie man damit umgeht. Wenn eine Art Gedenkstätte entsteht ist das okay, aber das Problem bei den Wallfahrsorten ist natürlich die Geschäftemacherei, und dann eben diese Reliquienverehrung, wie ich schon weiter oben geschrieben habe.

  30. #30 S.S.T.
    11. August 2010

    @winihuber

    Aber ich denke es wäre nicht im Sinne des Mannes aus Nazareth, wenn du dafür Geld verlangst 🙂

    Nö, ich glaube (TM) da hast Du IHN falsch verstanden, denn wie sagte ER so richtig: “Gebt dem S.S.T., was des S.S.T. ist.”

  31. #31 noch'n Flo
    11. August 2010

    Apropos Inschrift: mich würde es ja gar nicht wundern, wenn man bei einer genaueren Untersuchung der Knochen die Inschrift “Made in China” entdecken würde.

    Überlegt mal, was das für Auswirkungen auf die Geschichtsforschung hätte: bislang unentdeckte Handelsrouten zwischen Fernost und Europa in der Spätantike, Nachweis der Anwendung von hochkomplexen Polymerstoffen, welche täuschend echt Knochen nachbilden, bereits vor mehr als tausend Jahren, ausserdem könnte dann auch problemlos die immer beliebter werdende These, Jesus sei gar nicht in Galiläa gestorben sondern nach Indien oder noch weiter nach Osten ausgewandert, mit neuer Nahrung versorgt werden. Mal ganz abgesehen davon: warum konnten die Chinesen damals schon Englisch? Hat ganz sicher etwas mit Ufos oder geheimnisvoller Erdstrahlung zu tun.

    Aber jetzt mal ernsthaft: mir kommt da gerade wieder die schöne Geschichte in den Sinn, als Ende der 90er die “Körperwelten”-Ausstellung nach Köln kam. Diese fand beinahe in Sichtweite zum Dom statt, und von Kirchenseite echauffierte man sich massiv wegen der öffentlichen Zurschaustellung von Körperteilen Verstorbener. War ‘ne echt klasse Realsatire damals.

  32. #32 winihuber
    11. August 2010

    @S.S.T.
    Eure Hoheit, ich wusste nicht das Ihr es seid!