Ich habe hier ja schon an vielen Stellen über die gängige Wissenschaftspolitik gemeckert. Über die demotivierenden befristeten Arbeitsverträge, über die Probleme der Doktoranden, über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, über die mangelnde Förderung von guter Lehre und über die mangelnde Förderung der Öffentlichkeitsarbeit. Damit sich da was ändern kann, muss sich die Struktur der Universitäten grundlegend ändern. Und genau so eine Änderung fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in ihrem Templiner Manifest.

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Dort steht:

Wir fordern daher Bund, Länder und Hochschulen zu einer Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung auf, die sich an den folgenden zehn Eckpunkten orientiert.

Und diese 10 Punkte sollte man sich mal ansehen und ein wenig darüber nachdenken.
Gleich im ersten Punkt wird ein wichtiges Thema angesprochen: “Promotionsphase besser absichern und strukturieren”:

“Für Doktorandinnen und Doktoranden fordern wir daher ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse zur Qualifikation mit Sozialversicherungsschutz, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen.”

Das ist wichtig! Wie ich schon in einem anderen Artikel geschrieben habe, ist die Situation ja heute nicht wirklich so toll. Viele Doktoranden machen alle möglichen Hilfsarbeiten für ihren Professor – aber nichts für ihre Doktorarbeit. In Österreich war es so, dass enorm viele Doktoranden ihre Doktorarbeit “nebenbei” erledigt haben; ohne dafür am Institut angestellt zu sein oder bezahlt zu werden (ich selbst hatte auch nur während 4 der 8 Semester meines Doktoratstudiums eine halbe Doktorandenstelle). Doktoranden leisten wichtige Arbeit und sollten auch dementsprechend behandelt werden!

Ebenso wichtig ist Punkt 2: “Postdocs verlässliche Perspektiven geben”. Heute ist es ja oft so, dass man sich nach dem Doktorat von Job zu Job weiterkämpen muss; mal gibt es hier einen Vertrag für ein Jahr, dann wieder eine Stelle für 3 Jahre (die ist aber auf einem anderen Kontinent), dann ist man mal ein Jahr arbeitslos und findet dann wieder für 6 Monate eine Stelle (wieder zurück auf den ersten Kontinent) – usw. Klar, man muss als Wissenschaftler auch ein bisschen rumkommen, das gehört dazu. Aber so extrem wie es derzeit läuft ist es nicht mehr lustig. Deswegen hat die GEW recht, wenn sie fordert:

Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und -entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.

Denn dieser ganze Krampf mit den befristeten Verträgen ist nicht nur einfach nervend und macht eine Lebensplanung unmöglich – es gibt damit auch ganz konkrete Probleme. Ich zum Beispiel arbeite für das virtuelle Observatorium (VO). Noch jedenfalls, denn mein Vertrag läuft bald aus. Das ist nicht schlimm (fürs VO jedenfalls nicht) denn es gibt beim deutschen VO noch andere Mitarbeiter. Aber die sitzen ebenfalls auf befristeten Stellen. Und wenn das Wissenschaftsministerium (das dieses Projekt momentan fördert) einmal auf die Idee kommt, die Gelder einzustellen und die befristeten Verträge nicht zu verlängern? Was passiert dann mit den ganzen Daten im VO? Sinn und Zweck des VO ist es ja, Daten dauerhaft zu verwalten, sich darum zu kümmern und bereitzustellen. So etwas über befristete Stellen zu erledigen ist eigentlich absurd (die anderen Länder die am VO beteiligt sind haben das erkannt und dort haben die Leute die daran arbeiten i.A. permanente Stellen). Deswegen fordert die GEW auch in Punkt 3 ” Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen”. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein – aber die Realität sieht anders aus. Da hat man ein dauerhaftes Projekt (wie das VO) und da sitzt jemand mit einem 2-Jahres-Vertrag dran. Nach den 2 Jahren hat man sich gut eingearbeitet und wüsste Bescheid – aber dann läuft der Vertrag aus und man ist weg. Natürlich muss der Job weiter erledigt werden also wird neues Geld aufgetrieben; eine neue Stelle ausgeschrieben und eine neue Person übernimmt den Job; arbeitet sich erstmal lange ein weil sie keine Ahnung hat und wenn sie dann endlich alles kann, was man so braucht – dann läuft der Vertrag aus.

Diese ständigen Personalwechsel macht man natürlich auch aus finanziellen Gründen und nicht nur in der Forschung sondern auch in der Lehre. In Punkt 4 des Manifests schreibt die GEW daher:

“4. Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen
Viele Hochschulen lassen unter großem finanziellen Druck einen erheblichen Teil ihrer Pflichtlehre von Lehrbeauftragten erbringen. Mit der Ausbeutung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten. Soweit zur Ergänzung des Lehrangebots Lehraufträge sinnvoll sind, müssen Mindeststandards im Hinblick auf Bezahlung, Vertragsdauer und Verlängerungsoption gelten.”

Ein ebenfalls oft vernachlässigtes Thema findet sich bei Punkt 5: ” Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben” in dem die GEW wieder mal das eigentlich selbstverständliche fordern muss:

“Wissenschaft ist ein normaler Beruf, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Recht auf eine Work-Life-Balance. Das setzt eine familiengerechte Gestaltung von Hochschule und Forschung voraus. Dabei gehen wir von einem breiten Familienverständnis aus, das alle Lebensgemeinschaften einschließt, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Wir fordern bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit betreuungs- und pflegebedürftigen Angehörigen und die Realisierung entsprechender Arbeitszeitmodelle.”

Punkt 6 fordert die Durchsetzung eines ausgeglichenen Geschlechtsverhältnisses und Punkt 7 bessere Mitspracherechte für die Uni-Mitarbeiter. Punkt 8 will das die Mobilität der Wissenschaftler gefördert wird (aber auch niemand bestraft wird, der nicht mobil sein will). Punkt 9 will, dass die Unis sich an den Bedarf anpassen. D.h., dass Unis und Forschungseinrichtungen entsprechend ausgebaut werden müssen, wenn der Bedarf (und damit ist nicht nur rein die Zahl der studierwilligen Menschen gemeint) das nötig macht. Das mag ebenfalls selbstverständlich erscheinen – aber wenn man sich ansieht, wie man zum Beispiel in Österreich auf steigenden Studentenzahlen reagiert, dann versteht man, warum sowas gefordert werden muss. Der letzte Punkt schließlich fordert, dass alle Beschäftigungsverhältnisse tarfivertraglich ausgehandelt werden müssen.

Auch wenn man über die Details der einzelnen Punkte diskutieren kann: insgesamt spricht das Templiner Manifest sehr wichtige Themen mit denen sich die Wissenschaftspolitiker auf jeden Fall beschäftigten müssten. Ob sie das auch tun werden ist eine andere Sache. Und ob so ein Manifest daran etwas ändern kann, ist leider zweifelhaft. Mit Manifesten ist das ja so eine Sache… (erinnert sich noch wer an das Internet-Manifest?). Aber egal – ich finde das Templiner Manifest unterstützenswert. Und vielleicht ändert sich ja ausnahmsweise wirklich einmal was.

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Kommentare (56)

  1. #1 CMS
    7. September 2010

    Für eine Diskussion wäre vielleicht auch noch die Verteilung von Doktoranden in Deutschland interessant:
    http://www.buwin.de/index.php?id=208
    http://www.wissenschaft-weltoffen.de/daten/4/4/3
    Mathematiker und Naturwissenschaftler stellen tatsächlich die größte Gruppe, und für die sind solche Änderungen tatsächlich sehr wichtig. Berücksichtigen sollte man aber natürlich auch, dass etwa Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieurwissenschaftler die Promotion oft nur als Schritt in der Karriereplanung sehen und nach ihrem Doktor meistens direkt in die Privatwirtschaft wechseln…hab zwar keine statistischen Belege dafür, entspricht aber meiner bisherigen Erfahrung und lässt sich garantiert auch statistisch nachweisen

  2. #2 Dr. E. Berndt
    7. September 2010

    Ich habe das Manifest überflogen. Ich habe darin nichts gelesen, was auf die Wissenschaftlichkeit der Forschung und der Lehre abzielt.
    Natürlich sind die Forderung nicht ungerechtfertigt, aber es sind in überwiegendem Maße arbeitsrechtliche Forderungen und dergl mehr.
    Auch wenn diese Forderungen erfültt werden, ist keine Garantie auf Abschaffung esoterischer Ausbildungen zu erwarten, eher das Gegenteil.

  3. #3 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @Dr. E. Berndt: “Auch wenn diese Forderungen erfültt werden, ist keine Garantie auf Abschaffung esoterischer Ausbildungen zu erwarten, eher das Gegenteil.”

    Naja – was ist denn schlecht an arbeitsrechtlichen Forderungen? An den Unis läuft ja noch mehr schief als das ab und zu esoterischer Kram unterrichtet wird. Diese arbeitsrechtlichen Forderungen sind ENORM wichtig… und ich sehe auch nicht wirklich, warum ihre Durchsetzung Esoterik an Unis fördern sollte.

  4. #4 heimo
    7. September 2010

    Das Gejammer über befristete Verträge an Universitäten kekst. Inzwischen ist auch “in der freien Wirtschaft” fast jeder zweite Arbeitsvertrag befristet. Mit welchem Recht soll es da ForscherInnen an deutschen Universitäten anders gehen? Im übrigen züchten unbefristete Verträge an Unis genau jene Spezies heran, die man nicht haben möchte und darf: Verfettete ProfessorInnen, die beispielsweise lieber Segeln gehen als ihrer Lehrverpflichtung nachzukommen.

  5. #5 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @heimo: “Das Gejammer über befristete Verträge an Universitäten kekst. Inzwischen ist auch “in der freien Wirtschaft” fast jeder zweite Arbeitsvertrag befristet. Mit welchem Recht soll es da ForscherInnen an deutschen Universitäten anders gehen?”

    Ach so. Die Arbeitsbedingungen anderswo sind auch mies – also dürfen sie nirgendwo besser werden sondern müssen allgemein mies bleiben. Tolles Argument…

    “Im übrigen züchten unbefristete Verträge an Unis genau jene Spezies heran, die man nicht haben möchte und darf: Verfettete ProfessorInnen, die beispielsweise lieber Segeln gehen als ihrer Lehrverpflichtung nachzukommen.”

    Wie wärs mit sachlichen Argumenten? Du meinst also wirklich, nur wenn man den Arbeitnehmern ständig mit Rausschmiß und nahendem Vertragsende unter Druck setzen kann, arbeiten sie vernünftig? Das ist 1) absurd und 2) gibts noch jede Menge andere Möglichkeiten, wie man die Qualität der Forschung und Lehre sicher stellen kann als Leute mit dauernder Existenzangst unter Druck setzen zu müssen.

  6. #6 Thomas J
    7. September 2010

    @heimo

    und frag mal den Florian, was er so verdient?
    Ich könnte hier ans Handlanger auf dem Bau mehr verdienen als irgend ein Doktorand oder postdoc, findest du das ok?

  7. #7 Dr. E. Berndt
    7. September 2010

    Wissenschaft ist keine demokratische Sacche. Man kannn nicht etwa über die Evidenz der Homöpathie abstimmen. Das ist Angelegenheit zu gewährender Menschenrechte, oder Arbeitsbedingugen, um es auf den Punkt zu bringen. Unsere – ursprünglich! – auf Aufklärung beruhende Demokratie beschert heute allerdings jedem auch das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben, viel Geld dafür auszugeben und beschert einer Mehrheit das Recht an den Universitäten dazu forschen zu lassen. Und das passiert und das wird auch verlangt und demoraktisch durch- und umgesetzt.
    Selbstverständlich bin ich für demokratische Rechte. Ich will in keiner Diktatur und in keiner Feudalherrschaft leben.
    Man muß aber nicht in der Schweiz leben, um zu sehen, daß die Schweiz überall ist. Warum bitte wird an der Viadrina Esoterik gelehrt? Weil es verlangt wird und eine Mehrheit das dann auch so will. Diesem Willen beugt sich ein Gesundheitsnminister und ein Wissenschaftsminister, weil er Esoteriker eine große Gruppe sind auch von Esoterikern gewählt werden will, will er nicht abtreten.
    Also wo ist bitte die Unabhängigkeit und die Institution die das sicherstellt?

    Der Gewerkschaft geht es um das Brot, um die Gelichstellung, um den Verdienst, um Tausend andere Dinge, aber nicht darum, was an Wissen aus derUni herauskommt.

  8. #8 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @Dr. E. Berndt: “Der Gewerkschaft geht es um das Brot, um die Gelichstellung, um den Verdienst, um Tausend andere Dinge, aber nicht darum, was an Wissen aus derUni herauskommt.”

    Ja und? Irgendwer muss sich doch auch um diese Dinge kümmern, oder etwa nicht?

    “Ich will in keiner Diktatur und in keiner Feudalherrschaft leben.”

    Ich versteh nicht, was das mit dem Thema zu tun hat?

    Die Arbeitsbedingungen auf den Universitäten sind verbesserungswürdig. Das hat nichts mit Magdeburg oder Frankfurt oder sonst einer Uni zu tun, an der u.a. Unsinn gelehrt wird. Solche Sachen gehören genauso bekämpft. Aber deswegen wird man sich ja wohl noch für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen dürfen…

  9. #9 ZZU
    7. September 2010

    Ich finde, dass es den Doktoranden noch viel zu gut geht. Die meisten kommen und gehen wann sie wollen; surfen den ganzen Tag im Netz rum, weil sie “recherchieren” müssen. Und letztlich produzieren sie doch nur 0815-Quark. Zusätzlich Rumreisen auf Institutskosten und den Oberschlauberger raushängen lassen. Und dann wollen die auch noch mehr kassieren als die Leute, die den ganzen Tag schwere körperliche Arbeit verrichten. Wi-der-lich.

  10. #10 Dr. E. Berndt
    7. September 2010

    Das mit der Diktatur und der Feudalherrschaft muß man immer dazu schreiben, denn wenn man Kritik in irgend einer Form an der Demokratie übt, wird man sehr schenll, um mundtot gemacht zu werden, in Ecken gestellt, wo man nicht hingestellt werden will.

  11. #11 Basilius
    7. September 2010

    @ZZU
    Neidisch, weil es zum selber Studieren nie gereicht hat?
    ^_^

  12. #12 Ein Doktorand
    7. September 2010

    Ich hatte bis zum Beginn meiner Promotion immer den Wunsch, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Inzwischen bin ich der Meinung, dass ich das lieber lassen werde. Es wäre für mich persönlich vielleicht sehr erfüllend weiter zu forschen, allerdings möchte ich meiner Frau nicht zumuten, nach der Promotion mit mir Jahre lang von einer Stelle zur nächsten reisen, bis ich irgendwann mal das Glück haben sollte, eine Stelle zu ergattern, die längerfristige Perspektiven bietet. Meinen letzten wissenschaftlichen Idealismus werde ich vermutlich mit dem Erhalt der Promotionsurkunde verloren haben.

  13. #13 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @ZZU: “Und dann wollen die auch noch mehr kassieren als die Leute, die den ganzen Tag schwere körperliche Arbeit verrichten. Wi-der-lich.”

    Hu! Da hat aber jemand Vorurteile. Jaja, die Doktoranden, die nur im Internet rumsurfen und sichs gut gehen lassen. Hast du auch echte Argumente?

  14. #14 Ein Student
    7. September 2010

    Die ganze Situation ist sogar noch perfider, wie ich in meinem Bekantenkreis mitbekommen habe:

    Eigentlich sind diese befristeten Verträge auch in der Hinsicht vorteilhaft, weil man sich so einfacher von einem Prof lösen kann, der einen zu sehr mit Fremdarbeit auslastet(“Planen sie bitte für uns das neue Labor und kümmern sich um diese 3 Doktoranden, die weder Deutsch noch Englisch können und ohne sie völlig aufgeschmissen sind”). Man kann einfach, wenn der Vertrag ausläuft, gehen und irgendwo anders sein Glück versuchen.

    Kann man? Weit gefehlt. Wenn man sich bewirbt sind Publikationen die harte Währung. Nur wie soll man Publizieren, wenn man keine Zeit hat zu experimentieren? Ein paar Jahre ohne Publikation lassen schon etwas an den Erfolgsaussichten eines solchen Planes zweifeln. Also buckelt man dann doch lieber etwas mehr vor dem Prof und hofft, dass er niemals vergisst, wer für ihn die ganze Drecksarbeit macht…

  15. #15 rudimens
    7. September 2010

    Die Arbeitsbedingungen bestimmt der Markt!
    Wenn die zuständige Gewerkschaft da etwas nicht schafft, [i] ¿könnte das an der fehlenden Unterstützung durch (fehlende) Mitglieder liegen? [/i]
    Wie viele der Betroffenen sind organisiert?

    Die Nachfrage nach Ergebnissen steuert die Finanzierung. Das meint sowohl das Thema der Forschung, als auch das, was Ergebnis sein soll.

    Polarisiert: Wissenschaft und Politik sind unvereinbar.
    Wissenschaft will Wissen; Politik will Stimmen.
    WissenschaftlerInnen sind gutmütig; PolitikerInnen nicht (mehr).
    WissenschaftlerInnen sind nur wenige Stimmen. Steuerzahler sind alle Stimmen.
    WissenschaftlerInnen sind genug da, PolitikerInnen auch. Wenn dann auch WissenschaftlerInnen in die Politik wollen…
    Wissenschaft liefert lobby-gefilterte Entscheidungshilfen an Politik.
    Die Politik bestimmt die Wissenschaft.

    Der dritte Pol: Betriebswirtschaft bestimmt Wissenschaft; nicht nur im Einzelfall.
    Betriebswirtschaft bestimmt Politik. (zB. durch Steuern und Verbände.)
    Betriebswirtschaft bestimmt Stimmen. (zB. Einkommen durch abhängige Beschäftigung)
    Wer also die herrschenden Bedingungen beklagt, hat ein Problem durch das wichtigste Werkzug der Marktwirtschaft.

    Um dieses Problem zu minimieren, kann man ein anderes Werkzeug nutzen, die Interessengruppe. Der wissenschaftlich-neutrale Standpunkt ist bei solchen Problemen nicht angezeigt. Da hilft nur Gruppen-Egoismus. Nicht nur durch klicken, sondern auch durch Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Ich kann mir nicht vorstellen, daß 2009 nur 258119 Menschen erziehend oder wissenschaftlich tätig waren.

  16. #16 binE
    7. September 2010

    Den Naturwissenschaftlern geht es mit ihren halben Stellen ja vergleichsweise gut, obwohl ich da auch krasse Sachen kenne. Bei den Geistenswissenschaften sieht es noch trauriger aus. Es wird meist nebenbei promoviert, Stellen gibt es kaum und finanzieren tun sich viele mit Nebenjobs wie Taxifahren oder Kellnern. Soll das der Wert wissenschaftlicher Arbeit sein?
    Zum Punkt Familienplanung: mit meiner Partnerin alledrei Jahre die Stadt zu wechseln geht ja noch. Aber was, wenn beide in der Wissenschaft sind? Alle halbe Jahre Urlaub zusammen und ansonsten getrennt? Wie soll ich als Wissenschaftlerin Kinder bekommen, wenn ich nicht weiß, ob ich in drei Jahren Arbeit habe und vor allem wo?
    Das Manifest spricht ein paar sehr vernünftige Punkte an, leider neigen gerade Doktoranden dazu, stumm zu leiden anstatt sich zu organisieren und Änderungen zu fordern.

    @Florian: Ich finde ja deine Geduld den Trollen gegenüber bewunderswert. Wie man von arbeitsschutzrechtlichen Forderungen auf Esoterik und Diktatur kommt, ist mir schleierhaft.

  17. #17 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @binE: “leider neigen gerade Doktoranden dazu, stumm zu leiden anstatt sich zu organisieren und Änderungen zu fordern”

    Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Doktoranden (und leider auch PostDocs) sind oft – und auch gerade wegen der befristeten Verträge – in einem extremen Abhängigkeitsverhältnis zu den Vorgesetzten und der Universität. Soll man sich gewerkschaftlich organisieren und “Ärger machen” – mit dem Risiko, dass einem der Prof. dann vielleicht wissenschaftlich hängen lässt? Mit dem Risiko, dass die Uni den Vertrag nicht weiter verlängert und lieber einen neuen einstellt, der brav ist? Und dann sind da ja noch die vielen Doktoranden und PostDocs aus dem Ausland die teilweise nicht mal Deutsch können und nach 2 Jahren sowieso wieder zurück ins Ausland gehen. Wie soll man die dazu bewegen, sich für die deutsche Unipolitik einzusetzen? Die Mobilisierung der Wissenschaftler ist da wirklich ein großes Problem. Und ich weiß nicht wirklich, wie man das lösen könnte…

  18. #18 Dr. E. Berndt
    7. September 2010

    Ich habe nicht gesagt, daß ich gegen bessere Arbeitsbedingungen etc. bin. Es hat mich nur verwundert, daß Esoterik auf einmal ein nebensächliches Theam ist.
    @rudimens
    Sie haben ohne Zweifel den Punkt angesprochen. Der Markt bestimmt, wer was macht und wieviel er damit erlöst. Es gibt auch regulierte Märkte, Nur was ist, wenn die Regulatoren oder die wählende Gemeinschaft keinen Sinn in ordentlicher Wissenschaft und Grundlagenforschung sehen.
    Ich erachte Aufklärung und Wissenschaft aber als Basis unserer Zivilisation und unseres Zusammenlebens. Diese Werte aber werden von der Mehrheit nicht negiert weil sie überhaupt nicht gesehen werden.
    Ich bin daher für einen Kampf um Aufklärung und Wissenschaft. Das ist ehrlich. Nur wie sag ich es einer Gewerkschafft und einer Partei?

  19. #19 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @Berndt: “Ich habe nicht gesagt, daß ich gegen bessere Arbeitsbedingungen etc. bin. Es hat mich nur verwundert, daß Esoterik auf einmal ein nebensächliches Theam ist.”

    Wie kommen sie denn darauf?? Nur weil ich einmal einen Artikel schreibe, der nicht die Esoterik kritisiert, ist das doch nicht auf einmal ein nebensächliches Thema. Aber es läuft halt auf dieser Welt noch mehr verkehrt…

  20. #20 binE
    7. September 2010

    “Die Mobilisierung der Wissenschaftler ist da wirklich ein großes Problem. Und ich weiß nicht wirklich, wie man das lösen könnte…” (verdammt, wie markiert man Zitate?)

    Ja genau. Und wie es CMS schon angesprochen hat, gibt es auch nicht “die” Wissenschaftler. Eine Promotion in der Medizin ( 😉 ich sag jetzt mal, daß es eine ist) ist nicht zu vergleichen mit einer in der Philosophie. Und wo ein Chemiker in der Industrie vielleicht noch gut dafür bezahlt wird, rackert sich sein Kollege an der Uni die letzten Jahre für umsonst ab.

    Am ehesten könnten wohl die Wissenschaftler an den Unis was reissen. Wenn jeder Doktorant plötzlich die (fast immer unbezahlte) Lehre verweigerte, bräche in vielen Fakultäten das System zusammen. Aber wie du schon sagst, wer will sich’s schon mit seinem Chef verscherzen…

  21. #21 rudimens
    7. September 2010

    Gewerkschaftlich organisiert sein bedeutet nicht zwingend es sich mit dem Chef zu verscherzen, besonders nicht, wenn der in der selben Mühle steckt. Und es steht nicht auf der Stirn: “Ich bin in der Gewerkschaft.” Gewerkschaft wirkt immer auch durch Mitgliederzahl. 2,25 Millionen Metaller vs 0,26 GEWler. Bestehen weitere Fragen zur Wirksamkeit?

    Eine leider weit verbreitete Meinung sagt: Das geht nur, wenn das alle machen. Das machen aber bestimmt nicht alle mit. Deswegen fange ICH damit gar nicht erst an.
    Scheinbar auch bei Menschen, die sonst gerne Grundlagen schaffen oder Lösungen und Ursachen finden wollen. Vielleicht sind sie zu elitär für etwas proletarisches wie “Gewerkschaft”.

    Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ein Bekenntnis.
    Es beruht auf der Erkenntnis: “Ich arbeite abhängig! in diesem Gewerk.” Weisungsorgansierte Vermietung von Arbeitskraft. “Der Chef sagt….” (Aber unabhängig denken dürfen wollen)

    Dr. E. Berndt· 07.09.10 · 18:29 Uhr:

    Ich bin daher für einen Kampf um (1) Aufklärung und Wissenschaft. Das ist ehrlich. Nur wie sag ich es einer Gewerkschafft und einer Partei?

    Ich hätte geschrieben (1) für. Um solches Gedankengut in eine Organisation zu bringen, müssen Sie eintreten, an der richtigen Stelle Kluges sagen, sich in ein Amt in der Organisation wählen lassen und nicht wundern. ich schrieb nicht ohne Grund oben “PolitikerInnen sind nicht (mehr) gutmütig.” Oder sie kennen einen persönlich, den Sie passend informieren können.

  22. #22 Florian Freistetter
    7. September 2010

    @rudimens: “Vielleicht sind sie zu elitär für etwas proletarisches wie “Gewerkschaft”.”

    Das würde ich doch eher bezweifeln… klingt mir sehr nach Vorurteil.

  23. #23 rudimens
    7. September 2010

    Das Zitat ist zugespitzt und ironisch, vielleicht provokant. Es entspringt in der Tat -nicht nur- meinem Vorurteil und ist zum Teil widerlegt.

  24. #24 Dr. E. Berndt
    7. September 2010

    Ihre Erfahrungen bezüglich Gewerkschaft in Ehren. Aber wo ist das bitte? Ist das in Deutschland oder in Österreich? Genau so wenig wie eine Ärztevereinigung oder ein Apothekerverein die Durchsetzung medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse oder die Patienten vertritt, vertritt eine Gewerkschaft andere Interessen als die ihrer Mitglieder. Und diese Interessen sind bestenfalls weniger Arbeit für mehr Entlohnung, Übergeordnete Interessen, die über das Interesse der vertretenen Bevölkerungsgruppe hinausgehen, also alle betreffen, vertritt keine Gewerkschaft. Es zählt der unmittelbare Eigennutz. Wie schrieb doch ein berühmter Linker? Zuerst das Fressen, dann die Moral.
    Heute könnte man abgewandelt sagen: Zuerst Event und Fun und dann lange nichts!

  25. #25 gregor
    8. September 2010

    Es ist irgendwie sehr demotivierend als angehender Physikstudent diesen Beitrag zu lesen… Diese Probleme liegen zwar, da angehend, noch sehr fern, aber eigentlich würde ich gerne eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen.

    *optimismus Modus an*
    Naja, mal schauen was sich bis dahin getan hat, ist ja noch ein paar Jährchen hin!

  26. #26 michael
    8. September 2010

    > Genau so wenig wie eine Ärztevereinigung oder ein Apothekerverein die Durchsetzung medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse oder die Patienten vertritt, vertritt eine Gewerkschaft andere Interessen als die ihrer Mitglieder.

    Genau das soll doch eine Gewerkschaft und nur das!

    > Wie schrieb doch ein berühmter Linker? Zuerst das Fressen, dann die Moral.

    Brechts Ballade über die Frage: “Wovon lebt der Mensch”?

    http://oregonstate.edu/instruct/ger341/wovon.htm

  27. #27 Ashtar Sheran
    8. September 2010

    Über Punkt 6 bin ich erheblich gestolpert: Eine Frauenquote gewissermaßen mit Gewalt durchsetzen zu wollen, ist weder sinnvoll noch (in Deutschland) verfassungsgemäß: Keiner darf wegen seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt werden.

    An unserem Institut ist eine einzige Professorin (unter ca 15 männlichen Kollegen), deren Geschlecht wohl massgeblich zur Berufung beigetragen hat. Heute weiss man es besser. Wichtiger wäre, bei der Besetzung soziale Kompetenz und Fähigkeiten in der Personalführung zu berücksichtigen. Bitte nicht das Geschlecht.

    Wenn überhaupt sollte man diesbezüglich sollte man vielleicht VORNE anfangen (Kindergärten, Schulen, Vergabe von Studienplätzen) und eine Gleichschaltung von Interessen, Fleiß und Qualifikation dort erzwingen.

    Ich würde empfehlen, mehr über etwaige Ursachen unterschiedlicher Entwicklung zu lernen und Mädchen ggf. gezielter zu fördern — Ideen dafür gibt es ja.

  28. #28 rudimens
    8. September 2010

    Zugespitzt skizziert:

    Wie schrieb doch ein berühmter Linker? Zuerst das Fressen, dann die Moral.

    Der andere Standpunkt dazu:

    “Zuerst der Profit, dann die Moral.”

    Dieser Standpunkt ist der betriebswirtschaftliche. Dazwischen ist nichts.
    Die von Ihnen beschriebene Haltung ist die “wissenschaftlich/neutrale”. Die “Arbeitgeber” wissen, daß diese nicht hilfreich ist, und sind im Arbeitgeberverband. Viele “Arbeitnehmer” versuchen ohne Interessenvertretung aus zu kommen. Zur Freude der anderen Seite.

    Wer Sport machen will, schliesst sich einer Gruppe an.
    Wer Musik machen will, geht in ein Orchester.
    Wer Arbeiten will, ist ein armer, kleiner Einzelfall?

    Arbeit ist ein großer Teil des Lebens. Die Arbeitsbedingungen sind für diesen Teil entscheidend und wirken ,auch in Form von Entgeld, 25h-367t, auf das Leben. Deswegen ist es wichtig zu wissen, auf welcher Seite der Geld–Arbeitskraft -Waage man sich befindet. Und sich entsprechend organisieren, so wie es die Geldseite tut.

    Wer einen universalen Sprecher für sich sucht, soll einer Kirche beitreten. Diese hat für alle Fragen eine Antwort. Und (@ gregor ; ) ) man kann in aller Ruhe warten, bis SICH etwas ändert.

  29. #29 Dr. E. Berndt
    8. September 2010

    Mehrmals wurde hier Wunsch geäußert, daß man eine wissenchaftliche Laufbahn einschlagen will. Das heißt, jemandem schwebt das Ergrteifen eines bestimmten Berufes vor. Das ist gut, aber wo steht geschrieben, daß für buchstäblich jeden die Mittel bereitzustellen und die Möglichkeiten zu schaffen sind, daß dieser jemand dann seinen “Traumberuf” erlernen, ausüben und davon gut leben kann?

  30. #30 Florian Freistetter
    8. September 2010

    @Berndt: “Das ist gut, aber wo steht geschrieben, daß für buchstäblich jeden die Mittel bereitzustellen und die Möglichkeiten zu schaffen sind, daß dieser jemand dann seinen “Traumberuf” erlernen, ausüben und davon gut leben kann?”

    Nirgends. Sollte das denn irgendwo stehen?

  31. #31 Nesaia
    8. September 2010

    Danke an Florian für die Zusammenfassung des Manifestes, kann es grad nicht lesen, da ich sonst einer dieser Doktoranden bin, die “nur im Netz surfen”.

    Zu den unbefristeten Verträgen: Ich bekomme, wenn ich Glück habe, alle paar Monate einen neuen Vertrag. Mein erster ging ganze 2 Montae, der 2. nur noch einen, der dritte wieder 2 Monate…im Moment habe ich zum Glück bis Ende Dezember einen Vertrag, wie es danach aussieht, weiß ich noch nicht. Schlimmer ist es bei einem Kollegen, dieser kann jeden Monat einen neuen befristeten Vetrag unterschreiben.

    Naja…aber für das viele Geld, was man so im Monat bekommt, macht man das ja gern mit 🙁

  32. #32 Dr. E. Berndt
    8. September 2010

    @Florian
    Es hat sich halt so gelesen wie. Mir gefällt grün Leute, also macht alles grün!
    So kam es jedenfalls an.
    Aber im Ernst: Du vermengst schon zwei Bereiche. Das ist die Wissenschaft auf der einen Seite und die miese Personalsituation auf der anderen Seite. Das hier Wechselwirkungen bestehen ist eh klar.
    Jetzt haben wir in Österreich die Diskussion um Geld für die Unis.
    Im Kern läuft es hinauf auf die Frage, was einer Gesellschaft wichtig erscheint und was nicht. Und so wie es aussieht ist sich unsere Gesellschaft nicht des Werte einer Universität bewußt. Daher werden auch die Beispiele des ewigen Studenten und anderer unartiger Abarten so genüßlich gepflegt. Der Student wird zum Sinnbild eines Schmarotzers, der Geld kostet und den niemand wirklich braucht. Und auch hier sind diesbezügliche Hämeattacken hochgekommen.
    So lange die Mittel jedes Jahr mehr werden und genügend insgesamt zum Verteilen da ist, geht es ja noch. Jetzt werden die Mittel geringer und es zeigt sich, daß es offenbar für die Politische Kaste besser ist in Events und nicht in Unis zu investieren.

  33. #33 Florian Freistetter
    8. September 2010

    @Berndt: Das stimmt ja alles… Aber ich versteh immer noch nicht, was jetzt das Problem daran ist, wenn man sich für bessere Arbeitsbedingungen an Unis einsetzt.

  34. #34 BK
    8. September 2010

    >”Das ist gut, aber wo steht geschrieben, daß für buchstäblich jeden die Mittel bereitzustellen und die Möglichkeiten zu schaffen sind, daß dieser jemand dann seinen “Traumberuf” erlernen, ausüben und davon gut leben kann?”< WO das geschrieben steht? Wie wärs mit Art.12 Abs.1 GG der Bundesrepublik Deutschland?

  35. #35 Dr. E. Berndt
    8. September 2010

    @Bk
    Täte mich wundern, wenn das in dem Sinne dort geschrieben stünde.
    Ich bitte um einen entsprechenden Ausdruck.

  36. #36 Florian Freistetter
    8. September 2010

    @Berndt: Ich verstehe immer noch nicht, warum es für sie so ein Problem ist, wenn Menschen die Arbeitsbedingungen an den Unis verbessern wollen. Das ist doch jetzt nicht wirklich schlimm…

  37. #37 rudimens
    8. September 2010

    @nesaia und andere[aufreg] Ihr seid je wie eine Sekte. Der Guru verspricht das Paradies und Ihr lasst Euch knechten. Und falls das mit der Karriere in der Wissenschaft doch nicht klappt, weiß die Industrie wie sie mit Euch umgehen kann.[abreg]

    @BK in § 12.1 steht das Sie alles werden wollen dürfen. Aber nicht, daß ich das bezahlen muss! Und E.Berndt schreibt aus Österreich. http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_12.html

    @E.Berndt: Ist das, was Sie schreiben, der Aufruf zu Arbeitsbedingungsbescheidenheit? Oder werfen Sie zwei Probleme in einen Topf die von verschiedenen Stellen her gelöst werden müssen. Funktionieren Gewerkschaft und Politik in Ö grundlegend anders als hier in D?

  38. #38 BK
    8. September 2010

    Es ist mir egal ob E. Berndt aus Österreich oder aus Burkina Faso schreibt, hier gehts um Deutschland. Und zum Art. 12GG: Das Recht auf freie Berufswahl ist auch dann eingeschränkt, wenn von staatlicher Seite aus die Bedingungen nicht geschaffen sind, um jedem der das will die Möglichkeit zu geben, eine von ihm angestrebte Ausbildung abzuschließen. Und genau darum geht es hier.

  39. #39 Nesaia
    9. September 2010

    @ rudimens mir hat keiner das Paradies versprochen und ich habe auch nie daran geglaubt. Ich wollte einfach nur zeigen, wie das mit den Verträgen bei uns ist, mehr nicht. Das ich in die Industrie gehe, war von Anfang an klar, aber ohne Uni und Doktor keine Industrie (auch in der Industrie wird Wissenschaft betrieben oder ist das für dich ein Unterschied? Wissenschaft = Uni, Industrie = x?)

  40. #40 rudimens
    9. September 2010

    [zugespitzt+einseitig]@BK: Warum soll ich (als Steuernzahler) eine Ausbildung bezahlen, die im Endeffekt dazu führen soll, Geld auf Firmebesitzerkonten zu schaufeln. Da sollen sich die Ausbildungswilligen und die Nutzer des Wissens selbst drum kümmern. Die Ausbildungswilligen jammern über die Bedingungen und die Qualität. Die Wirtschaft jammert wegen fehlender Fachkräfte, will aber keine Steuern zahlen, sondern wissende Menschen importieren. Wir leben hier in einer Marktwirtschaft. Also müssen auch Probleme marktwirtschaftlich gelöst werden. Auch die Arbeitsbedingungen für Doktoranden.
    @nesaia: In der Industrie wird Wissenschaft benutzt! um Gewinn zu erzielen. Es geht um Geld, nicht um Wissen. also x=Geld

  41. #41 JTB
    9. September 2010

    Klarer Fall von der falschen Lebensplanung. Oder einfach gesagt, einfach das Falsche gelernt. Sorry aber bevor ich zu Studieren anfange, dann erkundige ich mich, wie es nach dem Studium weiterläuft, bzw wie die Perspektiven sind.

  42. #42 cydonia
    9. September 2010

    Oh ja, JTB, das kann Dir auch jeder sagen, wie die Lage auf dem Arbeitsmarkt in 5 oder 8 Jahren sein wird….
    Sagst Du sowas auch zu Deinen Bekannten, die beispielsweise eine Scheidung hinter sich haben?
    “Klarer Fall von falscher Lebensplanung. Sorry, bevor ich….,erkundige ich mich..blablabla…”
    Entweder Du bist noch sehr jung, oder Du kennst wenig Menschen, oder Du sitzt den ganzen Tag nur vor deinem Rechner und glaubst, dass das Leben genauso funktioniert.
    Ich vermute, alle drei Dinge treffen zu.

  43. #43 Thomas J
    9. September 2010

    @JTB

    Ich bin froh, gibts es Menschen, die ihren Beruf des Berufes wegen gewählt haben.

  44. #44 JTB
    9. September 2010

    Bin 34 und arbeite in der IT Abteilung einer großen Firma. Ich kenne allein schon , durch meinen Hobbys und berufsbedingt, ne ganze Menge Menschen aus verschiedensten Fachgebieten. Ok ich sitze den ganzen Tag vorm Rechner 😉 , das trifft zu. Selbst schuld wenn Sie heiraten 😉
    Die Scheidungsrate und was daraus folgt ist doch auch hinlänglich bekannt!
    Da bin ich, im Gegensatz zu den meisten hier, Realist

  45. #45 Thomas J
    9. September 2010

    “Da bin ich, im Gegensatz zu den meisten hier, Realist”

    Beleg dafür?

  46. #46 JTB
    9. September 2010

    @ThomasJ
    Nach den vielen Kommentaren, vermute ich das mal.
    Ich hoffe so hab ichs besser ausgedrückt.

  47. #47 Dr. E. Berndt
    9. September 2010

    Mich stört, daß hier arbeitsrechtliche, soziale Belange in einem SCIENCE Blog diskutiert werden.
    Aber bitte, das heißt nicht, daß ich Mißstände gut heiße und nicht für ändernswert erachte.
    Aus den 4 physikalischen Grundkräften kann ich keine Sozialgesetzgebung ableiten.
    Und im dt. Grundgesetz steht genau das drinnen, was ich vermutet habe.
    Jeder hat die Freiheit oder das Recht den Beruf zu Erlernen und zu Ergreifen, den er wünscht. Aber das ist ganz etwas anderes, als die Forderung, daß die Allgemeinheit die Verpflichtung hätte, jedem für jeden x-beliebigen und erdenklichen Berufswunsch eine Ausbildung zu ermöglichen und jedem für seinen Wunschberuf nachher eine Arbeitsstelle zur Verfügung stellen. Wen dem so wäre, befänden sich in den Städten alle 50 meter ein Friseursalon und eine Boutique. Alles Klar?
    Natürlich hat der Staat, und das sind wir alle eine soztiale Verantwortung zu tragen, aber so extrem wie ich es dargestellt habe, kann die Fürsorge nicht sein.
    Und ich denke, um das zu ehen muß man nicht Soziologe oder sonst etwas sein.

  48. #48 Florian Freistetter
    9. September 2010

    @Berndt: “Mich stört, daß hier arbeitsrechtliche, soziale Belange in einem SCIENCE Blog diskutiert werden. “

    Sorry wenn ich das mal so direkt sage, aber das ist schon ein wenig lächerlich. Selbstverständlich sind die Arbeitsbedingungen und die Mißstände an Universitäten und Forschungseinrichtungen absolut relevant für ein “Scienceblog”. Und selbst wenn dem nicht so wäre, dann wär das trotzdem egal.

    “Aber das ist ganz etwas anderes, als die Forderung, daß die Allgemeinheit die Verpflichtung hätte, jedem für jeden x-beliebigen und erdenklichen Berufswunsch eine Ausbildung zu ermöglichen und jedem für seinen Wunschberuf nachher eine Arbeitsstelle zur Verfügung stellen.”

    Eh. Aber hier hat ja auch niemand gefordert, dass jedem Wissenschaftler eine Arbeitsstelle zur Verfügung gestellt werden soll. Es geht darum, das an den vorhandenen Arbeitsstellen halbwegs vernünftige Bedingungen herrschen.

  49. #49 Ludmila
    9. September 2010

    @Dr. E. Berndt:
    1) Bezahlung hat auch was mit Wertschätzung zu tun. Schätzen Sie unsere Arbeit, dann bezahlen Sie uns. Und werfen Sie uns nicht ein paar Cent hin und lachen uns dann noch höhnisch aus. Nach dem Motto: Selbst schuld, wenn Du Dir so nen Scheiß-Job ausgesucht hast.

    Von Esoterikern erwarte ich diese Art der Verachtung. Aber was haben wir Ihnen eigentlich getan, dass Sie uns so geringschätzen, dass Sie uns nicht mal einen halbwegs vernünftigen Lebensstandard gönnen?

    Wieso beleidigen Sie mich und Florian, indem Sie uns unterstellen, dass wir für unsere Arbeit keine vernünftige Bezahlung verdienen.

    2) Was hat das mit den Naturgesetzen zu tun?
    Kann ich Ihnen sagen. Schon mal was von Energieerhaltung gehört?

    Meinen Sie denn, eine Uni wäre ein Perpetuum Mobile? Meinen Sie, wenn Sie nichts reinstecken, dann kommt hinten aber trotzdem total tolle Wissenschaft raus? Ist das echt so schwer für Sie zu verstehen, dass eine Investition in Wissenschaftler und Qualitätssicherung auch eine Investition für gute Wissenschaft ist? Oder sollen wir wieder zurück in die Zeit, in der die Genies ihrer Zeit sich eben reiche Gönner gesucht haben. Und zur Not auch mal Horoskope erstellten?

    4) Es geht übrigens an vielen Unis und bei vielen Forschergruppen um die reine Existenz. Vieles läuft bereits nur noch, weil die Leute sich aus purem Idealismus selbst ausbeuten.

    5) Viele gute Wissenschaftler laufen uns bereits weg. Weil sie woanders einfach besser dran sind. Was die hier für Wissenschaft hätten betreiben können. Wieviel verlorenes Potential da verloren geht. Meinen Sie echt, es wäre der Qualität förderlich wenn gute Leute sich eben irgendwann frustriert verabschieden?

    Sie halten doch Wissenschaft für wichtig.
    Sie wollen keine Junk-Science an der Uni.
    Sie wollen von der Wirtschaft unabhängige Forschung.
    Sie wollen gute und qualifizierte Leute an der Uni.

    Dann bezahlen Sie’s.

    Wenn Sie dazu keinen Bock haben und dann noch meinen uns höhnisch in die Eier treten zu müssen, dann haben Sie kein Recht irgendwas hier zu verlangen.

    Ach und noch was Herr Dr. Berndt, die Arbeitsbedingungen unter denen Science entsteht, gehören sehr wohl in ein Scienceblog. Und dafür brauch ich keinen Soziologen.

  50. #50 Dr. E. Berndt
    9. September 2010

    @Florian
    Ich habe aber nicht gesagt, daß es verboten ist, soziele Belange zu diskutieren.
    Meine Zurückhaltung diesbezüglich dieses mit Wissenschaft zusammen zu diskutieren, rührt von der Sorge her, daß eben bei sozialen Themen sehr schnell eine politische und eine parteipolitsche Diskussion daraus wird.
    Und wenn in etwa festgestellt wird, daß mit “Wissenschaft” die “Reichen” verdienen, sind wir schon in einer poliitschen bzw. gesellschaftspolitschen Diskussion mitten drinnen.

  51. #51 Dr. E. Berndt
    9. September 2010

    @Ludmilla
    Bitte zeigen Sie mir ein Wort, mit dem ich auch nur andeutungsweise kundgetan hätte, dass ich in irgend einer Art Unterbezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen und dergl. mehr gutgeheißen hätte. Ich wünsche ihnen allen ein gutes Gehalt!
    Ich stimme mit Ihnen in allen Punkten überein. Bitte das zur Kenntniss nehmen.
    Ich glaube aber auch, daß es den klasssichen Gewerkschaften egal ist, was Akademiker und künftige Akademiker verdienen. Es wird immer zuviel sein. Ich habe es selbst erlebt, daß einer der obersten Gewerkschafter, die sich ja alle sehr sozialpolitisch geben, ganz trocken den Berufswechsel aus Ausweg vorschlug, als man ihm darauf aufmerksam machte, daß es ja nicht sein könne, bestimmte Leistungen einfach gratis zu erbringen. Das Phänomen war, daß keiner der Studierenden laut aufschrie. So weit ich es weiß, war dieser Zustand ja in der ExDDR je weitgehend verwirklicht.

  52. #52 rudimens
    9. September 2010

    Re zu:Dr. E. Berndt· 09.09.10 · 18:28 Uhr unten:

    Und wenn in etwa festgestellt wird, daß mit “Wissenschaft” die “Reichen” 1) verdienen, sind wir schon in einer poliitschen bzw. gesellschaftspolitschen Diskussion 2) mitten drinnen.

    1) Firmen(teil)besitzer sind auch letztendlich auch die, die Anteile an Aktienfonds besitzen. So gesehen beginnt “Reichtum” schon bei geringen Beträgen. Leider geben viele Aktienbesitzer ihr Stimmrecht, und damit die Verantwortung dafür, an die Depotführende Bank ab. Diese entscheidet dann im Sinne des Profits/ Dividende (ja! ist etwas verkürzt, aber als Skizze stimmt’s)((Leider keine Statistik dazu gefunden, fragen Sie Ihre Hausbank))

    2) Wenn Sie die Meinung teilen, (Natur)Wissenschaftler sollten sich nicht zu Gesellschaft oder Politik öffentlich äußern, waren Sie und Ihre Mitstreiter erfolgreich.
    Wie Sie an der Verteilung der Studienfächer der MdB sehen können. http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/mdb_zahlen/Studienf__cher.html

    Leider sind Politik und (Natur)Wissenschaft unvereinbar. Nicht nur wegen der oben genannten Gründe, sondern auch weil die Art zu denken unterschiedlich ist. Wenn der Einfluss von (Natur)WissenschaftlerInnen in Gewerkschaft oder Partei gering ist, dann weil kaum eineR drin ist.
    Es ändert SICH an Unis nichts. Es kann nur etwas verändert werden, wenn die Veränderer ein gemeinsames Ziel haben und dies deutlich äußern. binE (19:36 unten) machte einen, in anderen Gewerken üblichen, Vorschlag. Wenn das passiert, seht Ihr in der Zeitung und am Ergebnis, wie wichtig Ihr der Gesellschaft seid. Nur Mut!
    (“Ihr” weil nicht DrB gemeint ist, obwohl…)

  53. #53 Ludmila
    10. September 2010

    @Dr. E. Berndt
    Ich versteh nämlich echt nicht, was Sie hier eigentlich genau aussagen wollen. Normalerweise lavieren Sie nicht so rum, aber dass, was Sie hier im Thread abziehen, ist schon sehr seltsam.

    Jetzt stoßen Sie schon wieder ein neues Faß auf.

    Ich glaube aber auch, daß es den klasssichen Gewerkschaften egal ist, was Akademiker und künftige Akademiker verdienen.

    Ja neee, da wäre ich ja niiieeee drauf gekommen. Ach deswegen passiert von Seiten der klassischen Gewerkschaften nie was, wenn bei uns die Stellen gekürzt werden? No shit, sherlock?

    Mal im Ernst, Herr Dr. Berndt, halten Sie uns eigentlich für komplett dämlich? Meinen Sie ernsthaft wir würden meinen, dass die Leute da nur bereitstünden, um uns Geld zu geben?

    Desweiteren, was ist jetzt die Konsequenz daraus? Kopf in den Sand stecken? Rumjammern und sich weiter ausbeuten zu lassen? Oder sich vielleicht ne Gewerkschaft suchen, die es interessiert oder vielleicht sogar ne eigene gründen. Sowas soll es durchaus mal gegeben haben. Gab es da nicht vor einigen Jahren eine Neugründung bei den Lokführern, eben weil sie sich nicht von den klassischen Gewerkschaften vertreten sahen?

    Was zum Teufel stört Sie noch mal daran, dass Florian es wagt, unsere Lebensbedingungen zumindest zur Diskussion zu stellen und alles zu unterstützen, dass zumindest in die richtige Richtung zu gehen scheint?

  54. #54 georg
    10. September 2010

    @Dr. E. Berndt
    Ihre Argumentation gegen die Forderung nach besseren Bedingungen in Ausbildung und Arbeit für Wissenschaftler in diesem Fred ist schon ziemlich seltsam, aber das ist nun wirklich schräg:

    So weit ich es weiß, war dieser Zustand ja in der ExDDR je weitgehend verwirklicht.

    Das scheint ja noch richtig spaßig zu werden. Ich bin neugierig wie es weiter geht.

    mfg georg

  55. #55 Dr. E. Berndt
    11. September 2010

    Liebe skeptischen Freunde von Astrodictium simplex.

    Meine Absicht war es nie Ihnen bezüglich eines Themas das Wort zu verbieten. Kann ich ja auch nicht und steht mir auch nicht zu. Ich bin allerdings der Meinung, daß auf Science Blog primär wissenschaftliche Themen an sich diskutiert werden sollten, und weniger persönliche Themen, die persönliche Umstände betreffen, so mißlich diese auch sind. Dies bedeutet nicht, daß ich irgend jemanden nicht das Recht zubillige, sich über seine Umstände entsprechend zu äußern und diese zu ändern versuchen. Und ich stimme mit Ihnen überein, daß Ihre Umstände wirklich nicht rosig sind. Andere haben wesentlich bessere Arbeitsbedungen etc.

    Meine Überlegungen zu diesen Umständen sind nicht glücklich. Sagen wollte ich, daß in diesen Bereichen eben andere Gesetzmäßigkeiten herrschen als in der Wissenschaft. Ich kann dazu, warum gerade auf der Uni so schlechte Arbeitsbedingungen gegeben sind, nur meine Meinung sagen, wie andere das hier auch getan haben. Die Pointierung soll meine Überlegungen dazu schärfen, was aber nicht heißt, daß ich diese Zustände billige.

    Im Kern wollte ich sagen, daß immer noch, wenn es um die Arbeitsbedingungen geht, der klassische „Klassenkampf“ im Hintergrund steht. Damit verbunden ist, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Ihre Arbeitsbedingungen sind meines Erachtens für die gewöhnlich die Interessen der Arbeitenden vertretenden Parteien und Gewerkschaften nicht das Thema, weil Sie als Universitätsangehörige eben instinktiv einer anderen, einer privilegierten Gruppe in unserer Gesellschaft zugerechnet werden, deren Interessen man nicht vertritt. Unter welchen Bedingungen sie arbeiten, wird eben nicht als unrecht empfunden. Dies sollte durch meine DDR Anspielung verdeutlicht werden. Weiters, so glaube ich, daß Ihre Arbeit bzw. der Wert von wissenschaftlicher Erkenntnis nicht entsprechend von der Gesellschaft gewürdigt wird und auch daher ihren Sorgen und Nöten nicht so beachtenswert erscheinen. Und zu guter Letzt habe ich versucht, die demokratischen Mehrheitsverhältnisse als eine Faktoren auszumachen, die ihren Anliegen nicht gerade förderlich sind.

  56. #56 Florian Freistetter
    12. September 2010

    @Berndt: “und weniger persönliche Themen, die persönliche Umstände betreffen, so mißlich diese auch sind. “

    Meinetwegen. Aber die Themen hier suche ich aus – und an Gedanken über die Arbeitsbedingungen an Universitäten ist nicht wirklcih was persönliches. Aber lassen wir das; das bringt jetzt nicht mehr wirklich was. Vielleicht wurde hier irgendein wunder Punkt getroffen (Gewerkschaft?); vielleicht verstehen wir uns nicht. Wie auch immer – ich werde weiter über die Themen schreiben, die mich interessieren und die Leser werden das weiter gut finden oder nicht.