Montage gehören ja nicht unbedingt zu den beliebtesten Tagen – aber einen Vorteil haben sie: am Montag erscheint immer das neue Picture of the Week der europäischen Südsternwarte ESO. Die ESO betreibt in der chilenischen Wüste einige der größten Teleskope der Welt und dementsprechend sind wir auch großartige Bilder aus den Tiefen des Alls gewohnt. Aber um spannende Bilder zu machen braucht man nicht unbedingt riesige Teleskope. Manchmal reicht auch eine Dose mit einem Loch darin.

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Hier handelt es sich um eine sogenannte “Solargraph”-Aufnahme die am Llano de Chajnantor-Observatorium (der auf 5100 m höchstgelegenen Sternwarte der Welt) gemacht wurde. Bei so einem Solargraph handelt es sich um eine einfache Lochkamera. So etwas ist nicht schwer zu bauen – hier wird erklärt, wie es funktioniert: in eine kleine Dose – einer Filmdose beispielweise – wird ein Loch gemacht und dann ein Stück Film eingelegt. Die Dose wird dann mit Blick auf den Himmel sicher irgendwo verankert. Und dann wird belichtet – bis zu einem halben Jahr!

Die Lochkamera zeichnet nun den Weg der Sonne über den Himmel auf und das nicht nur einmal sondern immer wieder. So kann man am fertig entwickelten Bild wunderbar erkennen, wie sich der scheinbare Pfad der Sonne über den Himmel im Laufe der Zeit ändert. Im Winter sind die Bögen tief und es vergeht wenig Zeit zwischen Auf- und Untergang. Im Sommer dafür läuft die Sonne hoch über den Himmel und zieht lange Bögen.

Hier gibt es noch ein schönes Beispiel und die finnische Künstlerin Tarja Trygg (die auch die Kameras für die Aufnahmen in Chajnantor gebastelt hat) hat auf ihrer Homepage jede Menge Solargraphen gesammelt.

Die Dosenkameras aus Chile wurden am APEX-Teleskop (einem großen Radioteleskop) montiert (bzw. in dessen Nähe). Belichtet wurde von Dezember 2009 bis zur Wintersonnenwende im Juni 2010 (Südhalbkugel!) Man sieht im Bild wunderbar, warum man auf diesem chilenischen Hochplateau Astronomie betreibt. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Himmel wolkenlos – nur ganz selten ist der Pfad der Sonne auf dem Bild durch Wolken unterbrochen. Die Farben haben übrigens nichts mit der Realität zu tun; sie stammen vom Einscannen des Negativs.

So – ich glaube, ich muss mal meinen Bastelkram raussuchen und auch so ein Ding basteln! Wer sich anschließen will soll Bescheid sagen – die schönsten Bilder veröffentliche ich dann gerne hier.


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Kommentare (4)

  1. #1 YouMan
    27. September 2010

    Sehr interessant! Dachte immer, der Weg der Sonne über den Himmel müsste einen Sinus ergeben, aber irgendwie sieht das nicht ganz so aus. Besonders rechts oben sieht es aus, als wäre ein leichter “Knick” zu sehen. Liegt das daran, dass der Film nicht richtig flach im Behälter lag?

  2. #2 Florian Freistetter
    27. September 2010

    @YouMan: Meinst du das schwarze Dingens? Das ist die Silhouette des Cerro Chajnantor. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, der “Knick” ist nur ne optische Täuschung. Aber natürlich kann auch der Film ein wenig schief gelegen haben…

  3. #3 Florian Freistetter
    27. September 2010

    Hier ist das ganze Projekt nochmal im Detail beschrieben: http://www.eso.org/sci/publications/messenger/archive/no.141-sep10/messenger-no141-43-45.pdf

    Da erfährt man auch was über die Bildfehler.

  4. #4 D.
    1. Oktober 2010

    Ich überlege gerade, mir auch mal so was zu bauen, auch wenn das Wetter in Deutschland wahrscheinlich keine so tollen Bilder erlaubt.
    Nun frage ich mich, ob man die beschrieben Bildfehler nicht umgehen kann, wenn man statt einer Dose mit kreisförmiger Grundfläche eine, mit halbkreisförmiger Grundfläche verwendet und das Loch in flache Seite macht. Die Reflexionen innerhalb der Dose sollten damit doch in jedem Fall vermieden werden und ich denke auch die Bildverzerrung sollte geringer ausfallen.
    Oder irre ich mich?