(inspiriert durch diesen Artikel bei evangelisch.de)


Linke Buchexperten vermissen sozialistische Geschichten in Kinderbüchern. Mit der Förderung sozialistischer Kinderliteratur versuchen sich linke Parteien gegen den Trend zu stellen.

“Also der Sozialismus ist groß und sehr, sehr mächtig. Er hat sich jede Menge Regeln ausgedacht und kann ziemlich ungemütlich werden, wenn man sich nicht daran hält. Aber sonst ist er sehr freundlich”, sagt der eine Genosse. “Er hat nur einen Nachteil”, ergänzt der andere Genosse. “Der Sozialismus ist unsichtbar.”

In seinem auch als Kinderbuch erschienen Theaterstück “An der Bastille um Acht” lässt Wilhem Hahn drei Revolutionäre darüber streiten, ob der gute Sozialismus wirklich gut ist, ob er alles regelt oder ob es ihn am Ende gar nicht gibt. Hahn ist damit einer der wenigen Autorn, die kindgerecht die große Frage nach der sozialistischen Arbeiterbewegung stellen.

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Szene aus dem Kinderbuch “Leo und der konterrevolutionäre Drache”

Mangel an sozialistischen Geschichten

“Im erzählerischen Kinder- und Jugendbuch ist ein großer Verlust von Klassenkampf zu beobachten”, sagt Konny Jever, Geschäftsführerin des Vereins Sozialitisches Literaturportal. Das Literaturportal vergibt jährlich den Sozialistischen Buchpreis, der deutschsprachige Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur auszeichnet.

Der Mangel an sozialistisch-marxistischen Geschichten führt Jever zum einen darauf zurück, dass die Nachfrage und das Interesse von Eltern sinke. Vor allem aber fehlen Schriftsteller, die sich an klassenkämpferische Geschichten wagten.

Diese Einschätzung teilt auch der Verfasser sozialistischer Kinderbücher und Direktor des trotzkistischen Bücher- und Medienhauses “Linksruck”, Michail Solomonowitsch Bogunekski: “Ich wünsche mir mehr profilierte Kinderbuchautoren, die sozialistische Stoffe erzählen.”

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Illustration aus dem Kinderbuch “Wie war das bei der Oktoberrevolution?”

Förderung sozialistischer Kinderliteratur

Mit der Förderung sozialistischer Kinderliteratur versuchen sich die linken Parteien Deutschlands gegen den Trend zu stellen. So gibt das Gemeinschaftswerk der Kommunistischen Publizistik in der edition revolución auch Kinderbücher heraus. Die jüngste Veröffentlichung “In der Internationalen ist New Labour sozialistisch” ist als eines der schönsten Bücher des Jahres ausgezeichnet worden.

Auf der Parteigeschichte basiert “Wie war das bei der Oktoberrevolution”. Das Bilderbuch erhielt den diesjährigen Marxistisch-Leninistischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

“Durch sozialistische Geschichten lernen Kinder, klassenkämpferisch zu denken”, sagt Michail Solomonowitsch Bogunekski. Kinder und Jugendliche könnten sich in den Erzählungen wiederfinden und erfahren, wie unterschiedlich die Genossen ihr Leben gestalten. Wenn Eltern und Kindern gemeinsam über solche Geschichten nachdächten, sei dies für beide Seiten eine sehr bereichernde Erfahrung: “Sozialismus als Teil unseres Lebens wird sich immer Wege in die Literatur suchen. Jede Zeit muss die Geschichten nur wieder neu erzählen.”

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Ernsthaft jetzt: Warum müssen wir schon den kleinen Kindern mit irgendwelchen Ideologien auf die Nerven gehen? Wir lassen Grundschüler keinen politischen Parteien beitreten und Kommunistischen Kinderbüchern stehen wir zu Recht skeptisch gegenüber. Aber wenns um Religion geht, dann ist Bibelpropaganda im Kinderfernsehen ganz normal und es wird nach mehr religiösen Inhalten in Kinderbüchern gerufen. Klar, mein Text oben ist hauptsächlich Unsinn 😉 Aber man stelle sich nur mal kurz vor, Sigmar Gabriel oder Gesine Lötzsch würden sich öffentlich darüber beschweren, dass es in der Kinderliteratur zuwenig linke Inhalte gäbe und das man sozialistische Kinderbücher fördern müsse. Würde euch das nicht ein klein wenig komisch vorkommen? Wenn ja – warum ist es dann ganz normal, wenn statt fehlender linker Ideologie die fehlende religiöse Ideologie angeprangert wird?


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Kommentare (62)

  1. #1 Anke
    22. Dezember 2010

    Oh das ist ein sehr interessanter Artikel, über den es wirklich lohnt, nachzudenken. Bin absolut deiner Meinung! Religiöse Inhalte werden irgendwie immer unterstützt. Klar, wir leben in einer christlich geprägten Kultur mit christlichen Werten, aber dennoch kann man fast alles auch aus moralischer/ ethischer Sicht betrachten und nicht immer nur religiös.

  2. #2 Neuraum
    22. Dezember 2010

    Florian, dieser Text war einfach klasse! Musste richtig lachen, danke.

  3. #3 Armin
    22. Dezember 2010

    Erinnert mich auch etwas an Dawkins Gotteswahn. Er hat doch auch das Gedankenexperiment aufgestellt, dass man sich drei Kinder, die als die drei heiligen Könige verkleidet sind, mal als Marxisten, Liberalen und Konservativen vorstellen soll. Sehr unterhaltsam.

  4. #4 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @Anke: “Klar, wir leben in einer christlich geprägten Kultur mit christlichen Werten, aber dennoch kann man fast alles auch aus moralischer/ ethischer Sicht betrachten und nicht immer nur religiös. “

    Ja, das “Aber das Christentum hat doch unsere Geschichte so geprägt, dass muss man den Kindern doch beibringen”-Argument kommt hier dann immer. Aber wie du schon richtig gesagt hast: man kann diese Geschichte auch problemlos aus der Außenperspektive betrachten und erklären. Und dann ist unsere heutige Welt – zumindest Deutschland – ja auch maßgeblich vom Sozialismus geprägt worden. Ich könnte das “Kulturargument” also genauso benutzen um meine Forderung nach sozialistischen Kinderbüchern zu stützen…

  5. #5 Muriel
    22. Dezember 2010

    @Anke: Fällt dir ein Beispiel für einen christlichen Wert ein, der unsere Kultur prägt? Ich frage mich immer, welche das sein sollen, außer vielleicht Homophobie und Wissenschaftsfeindlichkeit.
    Hm. Jetzt klingt mein Kommentar ein bisschen aggressiv, merke ich gerade. Ich mein ihn aber gar nicht böse.

  6. #6 Bullet
    22. Dezember 2010

    Nö, der war genau so völlig korrekt.

  7. #7 Julius
    22. Dezember 2010

    Schöner Vergleich, besonders der Verweis auf Dawkins’ Bemerkung über Marxistische Kinder erinnert mich an Marcus Brigstocke (UK-Komiker), der in einer Show ungefähr das hier brachte: “Ein vierjähriger ist genausowenig ein Christ wie er ein Mitglied der Briefträgergewerkschaft ist. [Kinderstimme:] Wir wollen einen fairen Lohn, anständige Arbeitsbedingungen, und Zeit um uns den neuen Transformers-Film anzugucken!”

    Davon abgesehen, als unverbesserlicher Linker würde ich Kinderbücher über den Klassenkampf irgendwie noch lieber sehen als Kinderbücher über Religion… naja, es kommt natürlich drauf an, wie genau es geschrieben ist. Aber ich würde meinen (imaginären) Kindern lieber ein Buch geben, in dem es um Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Welt geht, als eins, in dem ihnen Angst vor der Hölle eingetrichtert wird!

  8. #8 Jörg
    22. Dezember 2010

    Fällt dir ein Beispiel für einen christlichen Wert ein, der unsere Kultur prägt? Ich frage mich immer, welche das sein sollen, außer vielleicht Homophobie und Wissenschaftsfeindlichkeit.

    Ach ich denke am meisten haben christliche Werte dafür geleistet, dass Frauen immer noch stark ungleich behandelt werden und die kulturell entwickelten Geschlechtsbilder sich so richtig tief eingegraben haben. Je nachdem kann man das ja durchaus als positiven Wert aufgefasst beobachten.

  9. #9 Vjeko Setka
    22. Dezember 2010

    …warum ist es dann ganz normal, wenn statt fehlender linker Ideologie die fehlende religiöse Ideologie angeprangert wird?

    Unter anderem weil wir Naturalisten ganz schlecht organisiert und in der Öffentlichkeit zu wenig präsent sind. Du bist da ja ein sehr gutes positives Gegenbeispiel. Weiter so.
    Ein großer Teil der Bevölkerung ist ja relativ indifferent und lässt sich stark von der öffentlichen Meinung leiten. Aber wir Atheisten lassen es zu, dass wir als eine radikale Terrorgruppe dargestellt werden.

    Außerdem darfst Du die emotionale Komponente nicht unterschätzen.
    Seit Generationen wachsen junge Menschen mit der Selbstverständlichkeit des Schwachsinns auf und gewöhnen sich natürlich auch daran.
    Zunehmende Zukunftsängste stärken die konservativen Persönlichkeitsanteile, von denen die etablierten Kirchen stark profitieren.
    Es gibt keine Organisation die es so erfolgreich versteht ihren Irrsinn und ihre Verbrechen als Wohltat zu verkaufen, wie die christlichen Kirchen.

    Und zuletzt ist es eben leider auch so, dass Menschen nicht nur einen Hang zur Wahrheit, sondern auch von sich aus einen aktiven Hang zur Irrationalität haben.
    Selbst in einer aufgeklärten laizistischen Umgebung wird es immer “religiöse” Menschen geben. Ich persönlich empfinde das gerade relativ stark bei den Philosophen.

  10. #10 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @Vjeko Setka: “Selbst in einer aufgeklärten laizistischen Umgebung wird es immer “religiöse” Menschen geben.”

    Es will ja niemand das es keine religiösen Menschen mehr gibt. Wer an irgendwas glauben will, der soll das machen. Aber ich seh nicht ein, warum man damit 1) Kinder nerven muss und 2) Religion unter allen Ideologien so eine Sonderstellung einnehmen sollte, dass so gar die kindliche Indoktrination gesellschaftlich erwünscht und anerkannt ist.

  11. #11 Vjeko Setka
    22. Dezember 2010

    Ich bin da vollkommen Deiner Meinung.

  12. #12 Muriel
    22. Dezember 2010

    Gerade bei der Lektüre des Originalartikels ist mir auch noch aufgefallen, dass Kindern Religion offenbar insbesondere mit Bezug auf den Tod nahegebracht werden soll. Ich kann gar nicht sagen, wie widerwärtig ich diese Neigung von Religionen finde, Situationen von Verzweiflung und Trauer auszunutzen, um ihre bequemen Lügen zu verkaufen.

    @Florian Freistedter: “Es will ja niemand das es keine religiösen Menschen mehr gibt.”
    Doch, manche Leute wollen das. Ich zum Beispiel. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass ich die religiösen Menschen als solche beseitigen will. Aber ich wäre schon froh, wenn es eines Tages niemanden mehr gäbe, der auf dieses Gift angewiesen ist.

  13. #13 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @Muriel: “Doch, manche Leute wollen das. Ich zum Beispiel. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass ich die religiösen Menschen als solche beseitigen will. Aber ich wäre schon froh, wenn es eines Tages niemanden mehr gäbe, der auf dieses Gift angewiesen ist. “

    Ok, da kann ich dir schon zustimmen. So wars von mir auch gemeint.

  14. #14 cydonia
    22. Dezember 2010

    Die Frage aber bleibt, ob es denn wirklich Menschen gibt, die auf dieses Gift angewiesen sind. Klar, die Dealer haben sie auf die eine oder andere Weise abhängig gemacht, und zum Abhängig-Sein gehört auch, dass sie das Gift verteidigen.
    Aber angewiesen? Das größte Problem besteht oft darin, abhängige Menschen dazu zu bringen, ihre ungesunde Sucht als solche zu erkennen. Also, mehr Suchtberatung im Bereich Religionen und andere Ideologien wäre angesagt. Und gute Therapieangebote natürlich auch.

  15. #15 Thierbach
    22. Dezember 2010

    Es wurde weiter oben die Frage aufgeworfen, welche Werte (ich erweitere auch auf Vorstellungen) in unserer Gesellschaft christlich geprägt wurden. Ich hab da mal ein paar mögliche Antworten.
    Erstens wird man zumindest schief angesehen, sollte man die religiösen Überzeugungen eines Menschen (außer er sei Muslim, Jude, sonstiger Nicht-Christ) in’s lächerliche ziehen.
    Zweitens: die Vorstellung unsere Gesellschaft sei christlich geprägt.
    Drittens: “oh, mein Gott” sagen, wenn irgendetwas unerwartetes passiert.

  16. #16 Pseudonym gem. §13(6) TMG
    22. Dezember 2010

    Wir lassen Grundschüler keinen politischen Parteien beitreten und Kommunistischen Kinderbüchern stehen wir zu Recht skeptisch gegenüber. Aber wenns um Religion geht, dann ist Bibelpropaganda im Kinderfernsehen ganz normal und es wird nach mehr religiösen Inhalten in Kinderbüchern gerufen.

    Man hat es in der Vergangenheit erfolglos anders herum versucht. Dies impliziert nicht, dass man die gegenwärtige Realität nicht weiter verbessern könnte, aber die herrschenden Umstände sind im Vergleich zu den Möglichkeiten doch äußerst erfreulich. Man muss sich nur davor hüten, das Gesamtsystem aus den Augen zu verlieren, während man an seinen Teilen schraubt.

  17. #17 EEBO
    22. Dezember 2010

    Nur eine kurze persönliche Erfahrung:
    Ich bin familiär vorbelastet (Großmutter war Pfarrwitwe), bin in den kirchlichen Kindergarten und auf eine Konfessionschule gegangen. Was soll ich sagen: Lauter nette, liberale Menschen, der Reliunterricht in der Oberstufe wisenschaftlich mit direkter Begegnung zu Fremdreligionen (Besuch eines buddhistischen Tempels und einer Moschee), der Schulpfarrer, den wir u.a. als Lehrer hatten, freute sich, daß der Kurs nicht aus lauter Betschwestern und -brüdern bestand und schaute sich mit uns “Das Leben des Brian” an, um einen Einblick in das biblische Judäa zu erhalten.

    Ich kenne eine Menge unterschiedlicher (christlicher) Glaubenseinstellungen, von Freikirchlern, die sich für die Trennung von Kirche und Staat einsetzen, bis hin zu den traditionellen Volkskirchlern, deren Eltern Pfarrer sind. Keiner von denen ist fanatisch.
    Ehrlich, vor mir und meinesgleichen muß man keine Angst haben! Wir erscheinen möglicherweise irrational, aber wir versuchen unser bestes (auch besser als unserer Vorgänger, die oft Leid unter die Menschheit gebracht haben).

  18. #18 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @EEBO: “Ehrlich, vor mir und meinesgleichen muß man keine Angst haben!”

    Das habe ich auch nicht behauptet. Ich würde nie auf die Idee kommen, dass es nicht auch sehr viele, sehr nette Menschen gibt die verschiedenen Religionen anhängen – ich kenne auch viele auf die das zutrifft (das es auch sehr viele, sehr fanatische, sehr unangenehme Gläubige gibt ist allerdings ebenso wahr). Aber das ist kein Argument für irgendwas. Es gibt auch sehr viele sehr nette Sozialisten. Auch solche, die kein Problem haben, sich mal mit Konservativen, Grünen oder Liberalen zu unterhalten. Auch solche, die nicht fanatisch sind. Ist das nun ein Argument dafür, klassenkämpferische Kinderbücher einzufordern. Oder “Sozialismusunterricht” in Grundschulen?

  19. #19 MartinS
    22. Dezember 2010

    @EEBO
    Dein Statement gefällt mir, weil ich ähnliche Erfahrungen in der Schule gemacht habe. Besonders gefällt es mir, dass Du die ‘Zivilcourage’ hast, Dich hier als ‘Kirchenanhänger’ zu outen. Zivilcourage nenne ich es deshalb, weil es hier zu oft (meine persönliche Kritik an einigen Kommentatoren) zum Kirchen-Bashing kommt. Und dann wird sich manchmal so ‘aufgeführt’ wie die Esos, die die pööhse Wissenschaft niedermachen.
    Ich selbst bin irgendwann aus dem Verein ausgetreten und irgendwann später auch aus dem Glauben, aber für mich ist Kirche und Glaube nicht a priori ‘Teufelszeug’. Bei allem Unglück, das Religionen über die Menschen gebracht haben, gibt es doch auch positive Nebeneffekte.
    In der Schule wäre ich für ein *Angebot* zum Religionsunterricht (also kein Pflichtfach) aber mit Sicherheit gegen jeglichen politischen Unterricht. Die Aussage bezieht sich auf die Grundschule! Danach gehört allgemeiner Religionsunterricht (NICHT konfessionell), wie auch politische Aufklärung und Wirtschaftskunde für mich eigentlich zum Pflichtpensum (die Naturwissenschaften sicherlich auch. Frieden!).
    Je später der Versuch einer ‚Prägung’ unternommen wird, desto größer ist die Chance, dass Kinder Ihren eigenen, selbstbestimmten Weg finden können.

  20. #20 Thomas J
    22. Dezember 2010

    @cydonia

    “Die Frage aber bleibt, ob es denn wirklich Menschen gibt, die auf dieses Gift angewiesen sind. Klar, die Dealer haben sie auf die eine oder andere Weise abhängig gemacht, und zum Abhängig-Sein gehört auch, dass sie das Gift verteidigen.
    Aber angewiesen? Das größte Problem besteht oft darin, abhängige Menschen dazu zu bringen, ihre ungesunde Sucht als solche zu erkennen. Also, mehr Suchtberatung im Bereich Religionen und andere Ideologien wäre angesagt. Und gute Therapieangebote natürlich auch.”

    Angewiesen vielleicht nicht… aber Religion kann einfach ein netter Bonus im Leben sein, so wie dieser Herr es schön beschreibt. http://www.youtube.com/watch?v=po0ZMfkSNxc

    Kann man so eine Einstellung nicht als gleichberechtigt ansehen? Oder ist das auch Gift, das beseitigt werden muss?

  21. #21 EEBO
    22. Dezember 2010

    @ Florian Freistetter und MartinS:
    Ich denke zunächst, daß Religionsunterricht sinnvoll ist (wissen, was den Nachbarn glaubensmäßig umtreibt, Vermittlung von Respekt, ethischem Rüstzeug usw.). Wie man ihn organisiert (obligat/fakultativ, wertneutral/konfessionell verantwortet), ist ein weites Feld. Ich könnte mir durchaus ein staatlich beaufsichtigtes Modell verstellen, daß interkonfessionelle Anteile hat und in dem ein weltanschaulicher Unterricht durch Humanistische/Freidenkerverbände für konfessionslose Schüler gleichberechtigt gegenüber anderen Religionen stattfindet. Da wir in Deutschland ein föderales System mit unterschiedlichen Varianten haben (Berliner Regelung, Brandenburger Modell), wäre es sehr interessant, die Erfahrungen zu vergleichen.

    Was den Sozialismus als Unterrichtsfach angeht: Witzige Idee, leider fehlt mir da doch irgendwie der spirituelle Aspekt (wenn man ihn als Ersatzreligion ansieht). Aber drüber bescheid wissen sollte jeder Schüler schon.

    @ Cydonia:
    Gift? Sehe ich nicht so, aber vielleicht bin ich ja auch ein Junkie mit Realitätsverlust. Ernsthaft: Dadurch könnte ich mich doch etwas vera***t fühlen.

    @ Thomas J:
    Spannendes Video, danke dafür!

  22. #22 Vjeko Setka
    22. Dezember 2010

    …Kann man so eine Einstellung nicht als gleichberechtigt ansehen?…

    Aus Sicht der Atheisten wäre gleichberechtigt ja schon ein Fortschnitt.
    Der organisierte Glaube genießt immer noch sehr viele Sonderrechte und ist auch ständig bestrebt diese zu schützen und auszuweiten.
    Dabei ist mir vollkommen bewußt dass wir es in D noch ziemlich gut erwischt haben.

    Ich setze mich für uneingeschränkte Freiheit des Denkens ein, aber ich verwehre mich gegen jegliche staatlich geförderte Irrationalität.

  23. #23 cydonia
    22. Dezember 2010

    @Thomas
    Danke für den link! Ich werde mir wahrscheinlich heute abend die Zeit nehmen können, das ganze Gespräch anzusehen.
    Thomas, es geht nicht ums beseitigen! Auch wenn jemand starker Raucher ist, oder Alkoholiker möchten ich oder Andere ihn weder beseitigen noch daran hindern seiner Sucht nachzugehen. Aber ihnen zu ermöglichen zu erkennen, dass es unter Umständen sehr ungesund für sie selbst und Andere sein kann, was sie da tun halte ich für angebracht. Dafür sind dann z.B. gute Diskussionen da, die ich immer empfehle, wenn Menschen aufeinandertreffen, die dazu in der Lage sind.

  24. #24 Vjeko Setka
    22. Dezember 2010

    Lukas 19, 27:
    “(Jesus sagt): Und nun zu meinen Feinden, die mich nicht als Herrn anerkannten: Holt sie her und erwürgt sie hier vor mir!”

  25. #25 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @Eebo: “Was den Sozialismus als Unterrichtsfach angeht: Witzige Idee, leider fehlt mir da doch irgendwie der spirituelle Aspekt (wenn man ihn als Ersatzreligion ansieht)”

    Du weisst schon das die Sache mit dem “Sozialismus für Kinder” nicht ernst gemeint war?

    Ansonsten: Der Staat hat in Sachen Weltanschauung neutral zu sein. D.h. in staatlichen Schulen soll es keinen Religionsunterricht geben; auch keinen “Religion vs. Atheismus”-Unterricht. Man kann natürlich über Religionen informieren – zum Beispiel im Ethikunterricht. Aber wer unbedingt will, dass seine Kinder die spezifischen Regeln/Tabus/Märchen/etc einer konkreten Religion vermittelt bekommen, der soll das doch bitte privat machen. Spricht ja nichts dagegen das die Kirchen solche “Sonntagsschulen” einrichten.

  26. #26 EEBO
    22. Dezember 2010

    @ Vjeko Setka:
    Ein klassischer Fall, weshalb ich bei solchen Diskussionen zurückhalte.

    Lies Dir das Gleichnis komplett durch (und nicht nur den einzelnen Vers), vergleiche es mit anderen Worten, wie der Bergpredigt.

    Okay, ich bin draußen.

  27. #27 JSM
    22. Dezember 2010

    @MartinS

    Zivilcourage nenne ich es deshalb, weil es hier zu oft (meine persönliche Kritik an einigen Kommentatoren) zum Kirchen-Bashing kommt. Und dann wird sich manchmal so ‘aufgeführt’ wie die Esos, die die pööhse Wissenschaft niedermachen.

    Ehrlich gesagt sehe ich keinen großen Unterschied zwischen Religion und Esoterik. Beide Bereiche können eine Existenz/Wirksamkeit ihrer verbreiteten Lehren nicht nachweisen. Von daher verstehe ich nicht, warum du meinst, dass sich manche Religionskritiker wie Esos aufführen. Bezogen auf den Schaden den Religionen anrichten, müsste man sie viel stärker “bekämpfen” als Esoterik.

    Danach gehört allgemeiner Religionsunterricht (NICHT konfessionell), wie auch politische Aufklärung und Wirtschaftskunde für mich eigentlich zum Pflichtpensum (die Naturwissenschaften sicherlich auch.

    Gäbe es gar keine Religionen mehr, könnte man diese Unterrichtsstunden sicherlich sinnvoller verwenden. Außerdem halte ich Ethikunterricht für viel sinnvoller.

    @ThomasJ

    Angewiesen vielleicht nicht… aber Religion kann einfach ein netter Bonus im Leben sein,…

    Das sagt ein Junkie oder Alkoholiker vermutlich auch, wenn er seine Drogen konsumiert.

    Nur weil bei uns in Europa negative Auswirkungen der Religion in der Regel seltener zu sehen sind als anderswo, heißt das doch nicht, dass sie damit ihre Existenzberechtigung hat. Um bei der Analogie zu bleiben: Ich kenne Menschen, die unter Alkoholeinfluss sehr lustig und gelassen werden, aber auch Solche, die aggressiv und gewalttätig werden. Und manchmal kippt die Stimmung vom einen ins andere Extrem. Der große Unterschied ist aber, dass vor (übermäßigen) Alkoholkonsum gewarnt wird und den Kindern ganz verboten ist, während bei Religionen genau das Gegenteil passiert.

  28. #28 perk
    22. Dezember 2010

    nope das ist nicht jesus… das ist ein fürst in einer parabel die jesus erzählt

  29. #29 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @EEBO, perk: Klar, diesen Bibelvers muss man nicht so interpretieren wie Vjeko Setka. Aber es zeigt ein grundlegenderes Problem. Die Bibel muss interpretiert werden (ich denke wir sind uns einig, dass sie NICHT komplett wörtlich genommen werden sollte). Jetzt ist aber dieser eine Satz von Lukas bei weitem nicht der einzige mit solch einschlägigen Inhalt. Das alte Testament ist voll davon und auch im neuen wird man schnell fündig. Ebenso findet man in beiden Büchern viele positive und vorbildhafte Stellen. Welche soll man nun also wie interpretieren; welche soll man befolgen; welche eher nicht? Der Mensch muss hier eine Auswahl treffen und je nach Kultur und Zeit ändert sich diese Auswahl. Deswegen macht es auch nicht wirklich Sinn, immer von der Bedeutung der Religion für die Moral und die ethischen Grundsätze zu sprechen. Nicht die Religion gibt die Moral vor; das ist immer der Mensch, der sich das aussucht, was er gerade als moralisch erachtet. Das Aufstellen ethischer Richtlinien hat also nichts mit der Religion zu tun; das klappt auch wunderbar ohne.

  30. #30 MartinS
    22. Dezember 2010

    @FF
    Beifall für Deinen Kommentar (15:53).
    Allerdings hatten wir die Diskussion, Henne oder Ei (Moral/Ethik und Religion) ‘Was war zuerst da?’ auch schon mehrmals. Und wenn Dein Schlusssatz

    Das Aufstellen ethischer Richtlinien hat also nichts mit der Religion zu tun; das klappt auch wunderbar ohne.

    eine Perspektive von Jahrzehnten oder Jahrhunderten hat, dann kann ich Dir beipflichten.

    @JSM
    Ob ich den Unterricht jetzt Ethik oder Multikulti-Reli nenne, ist doch nur ein Etikett. Es steckt sowieso beides drin.
    Und bezüglich des ‘Schadens’ den Religionen anrichten, frage ich mich warum den immer nur so bequem darauf abgezielt wir, was sie ‘Böses’ getan haben (was fraglos der Fall ist). Es traut sich ja kaum noch jemand zu sagen, dass Religionen auch Positives geleistet haben. Ist wohl nicht PC-konform?!
    Entschuldigt mich jetzt bitte für ein paar Stunden – Weihnachten droht! :-)

  31. #31 Thomas J
    22. Dezember 2010

    @cydonia, JSM

    Ich bin mit euch natürlich einig, nur denke ich, dass die Kommentatoren hier doch nicht jedesmal das gleiche Leid klagen müssen, wo wir uns doch sowieso alle einig sind.
    (Das heisst nicht, dass der Artikel von Florian unnötig ist… Hinweisen ist immer gut und wenns noch so humorvoll ins Absurde geführt wird – umso besser).

    Aber schaut Euch das Video an… mir fällt es wirklich schwer, diesem Mann “Drogensucht” zu unterstellen.

    Nochmal:
    Alkohol für Kinder ist nicht gut. Soll er aber ganz verboten werden? Ich bin mir nicht sicher, ob es darauf so eine klare Antwort gibt?

  32. #32 verquer
    22. Dezember 2010

  33. #33 Vjeko Setka
    22. Dezember 2010

    @perk und @EEBO
    Ich bedanke mich ausdrücklich bei Euch Beiden für den korrekten Hinweis bezüglich des Zitats. Aufgrund dessen habe ich es mir gerade genauer angesehen und gebe Euch vollkommen recht. So nicht! Wahrheit muß Wahrheit bleiben.
    Selbstverständlich ziehe ich das entsprechende Posting zurück und ziehe meine Konsequenzen aus dem Fehler.
    Nochmals, vielen Dank.

  34. #34 EEBO
    22. Dezember 2010

    Okay, vlt. sollte ich aus meinem Schmollwinkel zurückkehren. Was ich mir jedenfalls wünsche (und die spannende Diskussion zeigt, daß es mindestens ansatzweise geht): Respekt meiner Überzeugung gegenüber. Schließlich komme ich ja auch nicht des Weges und verdamme die Ungläubigen zur ewigen Höllenstrafe und erkläre sie zu Narren (da müßte ich meinen halben Freudeskreis aufgeben). Umgekehrt möchte ich bitte auch nicht eine psychiatrische Erkrankung angedichtet bekommen und zum Bekloppten des Monats gekürt werden. Das ist ja zum Schnapssaufen hier ;).

  35. #35 Muriel
    22. Dezember 2010

    @EEBO: Ich kenne deine Überzeugung nicht im Detail, aber wenn ich dich richtig verstehe, siehst du dich als Christ. Daraus kann man im Einzelnen noch nicht allzuviel schließen, aber wenn ich deshalb zunächst mal unterstelle, dass du glaubst, dass Jesus Christus der Sohn Gottes war und für unsere Sünden gestorben ist und dass die Bibel mehr oder weniger das Wort Gottes ist, dann liege ich damit hoffentlich nicht zu weit daneben.
    Diese Überzeugung verdient in meinen Augen keinen Respekt. Menschen haben immer Anspruch auf eine gewisse Achtung. Überzeugungen nicht.

  36. #36 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @Eebo: “Was ich mir jedenfalls wünsche (und die spannende Diskussion zeigt, daß es mindestens ansatzweise geht): Respekt meiner Überzeugung gegenüber. “

    Hmm – was genau meinst du mit “Respekt”? Das ist auch so ein Ding, dass mich an Religionen stört: das Kritiktabu. Man soll Religion nicht kritisieren, sich auf keinen Fall darüber lustig machen, usw. Ich akzeptiere das due religiös bist. Jeder hat das Recht an das zu glauben, was ihm richtig erscheint (solange daraus keine Verstöße gegen die Menschenrechte erwachsen). Insofern kannst und sollst du glauben was du möchtest. Aber muss ich diesen Glauben dann automatisch auch respektieren? Darf ich ihn nicht dumm, unlogisch, lächerlich, etc finden? Das heisst ja nicht, dass ich die Gläubigen selbst als Menschen nicht respektiere. Aber ich verstehe nicht, warum sich Religionen diesen automatischen Respekt verdient haben sollen. Niemand würde z.B. verlangen, dass man seine politische Überzeugung respektieren muss und nicht kritisieren darf – oder dass sich die Fans der gegnerischen Fussballmannschaft nicht über die eigene Mannschaft – an die man “glaubt” – lustig machen darf. Religion hat keine Sonderstellung verdient.

  37. #37 Randifan
    22. Dezember 2010

    Diese Sozialisten haben keine Grund zum meckern, die Schlümpfe führen den Leser immer wieder ein sozialistisches Ideal einer Dorfgemeinschaft, wo jeder Schlumpf gleich ist und kein Geld existiert.

  38. #38 Grundumsatz
    22. Dezember 2010

    @Florian

    Die Indoktrination ist erwünscht, weil sie für Sektennachwuchs sorgt.
    Steht so ja auch in dem von dir verlinkten Artikel.

    Davon abgesehen wüsste ich nicht, wie man solcherlei Beeinflussung unterbinden kann. Was wäre denn dein Vorschlag?

  39. #39 perk
    22. Dezember 2010

    Und bezüglich des ‘Schadens’ den Religionen anrichten, frage ich mich warum den immer nur so bequem darauf abgezielt wir, was sie ‘Böses’ getan haben (was fraglos der Fall ist). Es traut sich ja kaum noch jemand zu sagen, dass Religionen auch Positives geleistet haben. Ist wohl nicht PC-konform?!

    religionen an sich haben weder positives noch negatives geleistet.. sie bereiten nur grundstimmungen und handlungsmotive

    aus denen menschen zu guten handlungen inspiriert werden können.. aber auch zu grausamkeiten

    wichtig für die beurteilung der religion an sich ist: enthält sie menschenverachtende inhalte? und das muss man bei den 3 großen der abrahamitischen religionen ganz klar bejaen: ungläubige (vor allem willentlich die offenbarung ablehnende) gelten als minderwertig, sowohl im dies- als auch im jenseits

    hilfe/mitleid/gnade ist an die anerkennung gottes als einzigen gottes geknüpft, weswegen all diese handlungen belohnungen im sinn einer werbung sind.. nichts nobles oder moralisch fortschrittliches selbstloses

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Theresa#Kritik_an_der_Arbeit_Mutter_Teresas

  40. #40 EEBO
    22. Dezember 2010

    @ Muriel, Florian:
    An Kritik und Spott an Religionen werde ich mich sicher kaum beteiligen, ich habe aber nicht gesagt, daß sie verboten sein sollten. Schließlich muß jeder, der glaubt, das abkönnen. Daß es jedoch dem Umgang miteinander hilft, glaube ich nicht.
    Ich halte die Trennung von Respekt mir gegenüber und der Überzeugung, die ich vertrete, für Haarspalterei, da hier ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit angegriffen wird.

    Der Umgang miteinander, wenn es sich um nicht verifizierbare/falsifizierbare Glaubensfragen handelt, sollte über eine reine Duldung hinausgehen, und wenn Euch der Begriff Achtung (Akzeptanz) anstelle von Respekt besser paßt, will ich darüber nicht streiten.

  41. #41 EEBO
    22. Dezember 2010

    Nachtrag:
    Wenn irgendjemand meint, wie schon angesprochen, mich in die Dummkopf-/Nichtzurechnungsfähig-Ecke schieben zu müssen, kann ich es ihm nicht verwehren. Ob es von intelektueller Souveränität und Stil zeugt, sei dahingestellt.

  42. #42 Florian Freistetter
    22. Dezember 2010

    @EEBO: “Der Umgang miteinander, wenn es sich um nicht verifizierbare/falsifizierbare Glaubensfragen handelt, sollte über eine reine Duldung hinausgehen, und wenn Euch der Begriff Achtung (Akzeptanz) anstelle von Respekt besser paßt, will ich darüber nicht streiten. “

    Ok – aber leider sind ja nicht alle so. Viele fordern tatsächlich Respekt und Kritikverbot. Manche Gläubige gehen sogar so weit und fordern, dass sich ALLE an ihre Gesetze halten müssen. Ist es z.B. “Respekt” wenn ich mich an das Abbildungsverbot des Islam halte und keine Bilder von Mohammed veröffentliche? Aber ich bin kein Moslem und sehe nicht ein, warum ich gerade deren religiöse Tabus einhalten soll. Oder liegts daran, dass der Islam eher bereit ist, diesen “Respekt” mit Gewalt durchzusetzen? Ansonsten müsste ich ja z.B. auch den Hinduismus “respektieren” und kein Rindfleisch essen. Wie weit geht “Respekt”? Und warum sollte der Glauben anderer mehr als nur geduldet werden? Mit welcher Begründung?

  43. #43 perk
    22. Dezember 2010

    Ich halte die Trennung von Respekt mir gegenüber und der Überzeugung, die ich vertrete, für Haarspalterei, da hier ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit angegriffen wird.

    es gibt einen respekt gegenüber deiner menschlichkeit im sinne der menschenwürde und menschenrechte
    aber kein aspekt deiner persönlichkeit kann daraus respekt für sich ableiten… weder dein religiöser noch irgend ein anderer

    als christ glaubst du zwangsläufig ziemlich krudes zeug .. je nach strömung mit mehr oder weniger jungfrauengeburt, leiblicher! himmelfahrt, auferstehung von den toten, transubstantiation, trinität.. und alles wurde nur zu irgend einem zeitpunkt politisch beschlossen und dann tradiert

    es kann einer skeptischen betrachtung nicht stand halten und rückt dich zwar nicht in die “Dummkopf-/Nichtzurechnungsfähig-Ecke” aber doch zumindest in die ecke derer die sich freiwillig einer inkonsistenten, wirren, aber doch konstruierten wunderglaubenslehre anschließen

  44. #44 EEBO
    22. Dezember 2010

    @ Florian:
    Mit Deinen Beispielen gehe ich (und ich hoffe auch der Großteil der Christen in Deutschland) konform.
    Womöglich liegt der entscheidende Unterschied in unseren Auffassungen darin, daß ich in der Religion generell etwas positives sehe und Du nicht, weswegen ich über eine bloße Duldung der Religions(nicht)ausübung hinausgehen würde.
    Ich vermute allerdings, daß wir in Deutschland durch die gesellschaftliche Veränderung bedingt ohnehin über kurz oder lang einen völlig säkularen Staat analog zur Gesellschaft haben werden. Wahrscheinlich dürfte das für die Volkskirchen sogar in mancher Hinsicht heilsam sein. Wichtig sollte jedoch bleiben, daß nicht dadurch religiöse Fanatiker (wie in USA) dadurch gestärkt werden.

  45. #45 EEBO
    22. Dezember 2010

    @ perk:
    Damit kann ich leben, denn bis jetzt hatte ich nicht das Gefühl, daß mir das im (profanen) Alltag ernstlich Schwierigkeiten bereitet.

  46. #46 WolfgangK
    22. Dezember 2010

    Dass „Kirche“ in Deutschland seit der Trennung von Kirche und Staat vor rd. 200 Jahren nicht vollständig aus dem staatlichen Programm verschwunden ist, dürfte eher wahltaktisch dem großen Kreis der Gläubigen geschuldet sein. Nicht umsonst schreiben manche Parteien christliche Werte auf ihre Fahnen. Dieser Wunsch nach nicht näher definierbarer Mystik bringt selbstverständlich Verquickungen in viele Gesellschaftsbereiche und damit auch in Literatur und Medien. Solche Angebote bedienen einen Teil der Menschen, die das Wahlvolk stellen, und manchmal ergeben sich aus diesem Wahlvolk auch Mehrheiten und damit Einflüsse auf die Gesellschaft. Dass diese Mehrheiten sich auch verlaufen können, lässt sich derzeit an der Zunahme des esoterischen Unsinns (wie bspw. der von Krankenkassen bezahlten Homöopathie) ablesen. Dennoch bleibt den „Nichtgläubigen“ in einer parlamentarischen Demokratie wie der unsrigen nichts weiter übrig, als immer wieder die Arbeit der Regierenden anzumahnen und deren Einstellung zu beeinflussen, was ja hier recht eindringlich immer wieder geschieht.
    Jedoch verfällt man als Wissenschaftler manchmal dem Bestreben, nicht nur andere um jeden Preis aufklären zu wollen, sondern auch die „richtigen“ Regeln für die Einflüsse der Gesellschaft auf den Einzelnen anzumahnen. Dabei scheitert man nicht so sehr an der Verbohrtheit des Anderen bzw. an den tatsächlichen gesellschaftlichen Einflüssen, sondern eher an der eigenen Überzeugung, dass „alle anderen doch einsehen müssten, dass…“
    Nein, müssen die nicht. Viele Menschen bevorzugen eine einfache (nicht nachprüfbare) Antwort der viel komplizierteren wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse auch deshalb, um das einfach gestrickte Weltbild nicht zu strapazieren, und manche wollen dieses Weltbild auch an die Nachwelt weitergeben. Da bleibt einem selbst manchmal nichts weiter als die Freiheit, sich wie in Kalkofes Mattscheibe („…und nächste Woche lernen wir das 11. Gebot: Du sollst Kindern nicht mit doofen Bibelsendungen auf die Nüsse gehen“) über Bibel-TV und dergleichen lustig zu machen.

  47. #47 perk
    22. Dezember 2010

    daß ich in der Religion generell etwas positives sehe

    auch all in denen die ungläubige verdammen und verachten?

  48. #48 Muriel
    22. Dezember 2010

    @EEBO: “Der Umgang miteinander, wenn es sich um nicht verifizierbare/falsifizierbare Glaubensfragen handelt, sollte über eine reine Duldung hinausgehen”
    Je nachdem, wie genau du das meinst, ist für mich Duldung schon zu viel.
    Wenn du bei einem Freund zu Besuch bist und er dir erzählt, dass in seinem Backofen eine Kuchenfee lebt, die seine Gebäcke besonders lecker macht, und dass in seinem Kleiderschrank ein unsichtbarer Sockenkobold haust, und dass sein Kopfkissen ein Zauberkissen ist, das ihm manchmal telepathisch sagt, was er tun muss, während er schläft, respektierst und achtest du diese seine Überzeugungen dann?
    Und wenn er sich dafür einsetzen würde, diese seine Überzeugungen zu verbreiten, zum Beispiel auch über Bücher, die deine (hypothetischen oder realen) Kinder in der Schule lesen müssen, hieltest du es für angemessen, das einfach zu dulden?

  49. #49 perk
    22. Dezember 2010

    korrektur: all < -> in

    Damit kann ich leben, denn bis jetzt hatte ich nicht das Gefühl, daß mir das im (profanen) Alltag ernstlich Schwierigkeiten bereitet.

    nun kommt wohl darauf an was du als schwierigkeiten durchgehen lässt

    es scheint ja schon ein problem für dich zu sein wenn man sagt dass der christliche glauben menschenverachtender unsinn ist vor dem man keinen respekt haben darf
    denn von sowas fühltest du dich persönlich angegriffen

    Ich halte die Trennung von Respekt mir gegenüber und der Überzeugung, die ich vertrete, für Haarspalterei, da hier ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit angegriffen wird.

    wer einstellungen zu sektenpolitischen fragen der vergangen jahrtausende (denn nicht mehr ist die christliche überzeugung) zu einer persönlichen angelegenheit macht ist für mich schon ein fanatiker..

  50. #50 perk
    22. Dezember 2010

    oha damit hätte ich rechnen müssen…
    statt “all in” sollte “in all” stehen

  51. #51 Anhaltiner
    22. Dezember 2010

    @perk ich fordere die strikte Trennung von Poker-spielen und diskutieren! 😉

    Ich finde welchem Hobby jemand Sonntag vormittag nachgeht ist jedem selbst überlassen. Über die damit verbundene Lärmbelästigung reg ich mich auch nicht auf.

    Was mich immer aufregt ist das sich wie selbst verständlich Kirchenvertreter als moralische Instanz aufspielen. Aktuell in der PID-Diskussion, obwohl jeder Historiker bersser vor dem möglichen Missbrauch warnen könnte. Vor Kurzem hat der Papst ja den Gebrauch von Kondomen “im begründeten Einzelfall” zugelassen. Heißt das jetzt das wir nur lange genug warten müssen bis die Kirche PID ebenfalls zulässt. Oder müssen wir jetzt nur lange genug die PID anwenden bis die Kirche ihr OK gibt? (ich tippe mal auf Letzteres – eine Verbrüderung von Kirche und SPD sieht man aber selten)

  52. #52 MartinS
    22. Dezember 2010

    @EEBO
    Gut, dass Du freiwillig aus Deiner Ecke herausgekommen bist. Immerhin hast Du eine Überzeugung (Deinen Glauben), die Du dann auch kontrovers (und es kann SEHR kontrovers werden) verteidigen solltest. Ich kann Deine Forderung nach Respekt/Akzeptanz o.Ä. verstehen, aber ich unterstelle mal, dass es Dir dabei mehr um den Umgang miteinander geht, um das WIE wird diskutiert, als darum, dass jeder gefälligst Deine Meinung zu tolerieren habe. Also eigentlich eine Niveaufrage und weniger eine Frage der generellen Religionsduldung.
    Wenn meine Auslegung richtig sein sollte, dann sollte es eigentlich für alle Kommentatoren möglich sein, eine konstruktive Diskussion zu führen, bei der es nicht nötig sein sollte, den jeweils Anderen einweisen zu wollen. Wenn Du da ‚bis zum bitteren Ende’ ehrlich mitmachst, kann es Dir passieren, dass Du viele Zugeständnisse machen musst (logische Argumente etc), aber Deinen Glauben dürfte das ja eigentlich nicht erschüttern. Glauben kann man schließlich nicht weg diskutieren?!
    Stimmt der letzte Satz?
    Denk mal daran, wie Du mit HP-Gläubigen umgehst. Die bekommen manchmal ganz zünftig ihr Fett weg – obwohl sie ja auch nur glauben; zwar Schwachsinn, wie Du und andere schon oft belegt haben, aber hast Du vor in Zukunft den Kampf gegen den Schwachsinn aufzugeben, weil Sie ja Respekt/Duldung fordern könnten?

    Nun habe ich mich mal wieder weit aus dem Fenster gelehnt, aber ich liebe eben den freien Fall – den Aufschlag weniger.
    😉

    @perk
    Ich hätte nur eine Bitte an Dich: könntest Du nicht bei Zitaten hinzufügen, WEN Du gerade zitierst? Danke.

  53. #53 perk
    23. Dezember 2010

    wir sind doch hier eh in kleiner runde.. da weiß noch jeder was er geschrieben hat^^
    aber nur für dich: 17:40 martins und danach nur noch eebo

  54. #54 derari
    23. Dezember 2010


    *duckundwech*

  55. #55 Thomas J
    23. Dezember 2010

    @derari

    Ts… so kann man einem auch die Weihnachten versauen!

  56. #56 Baukran 86
    28. Dezember 2010

    All diese oftmals gegensätzlichen Ideologien führen doch nur dazu, dass Eltern unsicher werden wie sie ihr Kind “richtig” erziehen sollen. Wobei es wichtig ist für Kinder zu lernen, wie man mit Unsicherheiten umgeht. Nur ist es keine Lösung selbst unsicher zu bleiben und gleichzeitig die Erziehung anderen, sicher und logisch auftretenden Personen zu überlassen.
    Keine Logik kann das Einfühlungsvermögen von Eltern in ihr Kind ersetzen.

  57. #57 Dr. E. Berndt
    28. Dezember 2010

    Ich bin leider skeptisch und denke, dass die Kinderbuchausgabe von Stalins Heldentaten noch ein wenig warten muss.
    Ich habe mal die Aufkleber an der Eingangstüre einer katholischen Arbeiterseelsorge studiert. Kryptokommunismus pur. Mir schaudert bei dem Gedanken, dass die auf der Türwand formulierten Grundsätzlichkeiten zum Eingewöhnen in Kinderbüchern aufbereitet werden.

  58. #58 noch'n Flo
    28. Dezember 2010

    Meine Frau hat mal vor kurzem eine schöne Aussage zum Thema Religion/Glauben getätigt, die ich mit Euch teilen möchte:

    Wenn man kochen möchte, kann man sich die Mühe machen, nur frische Zutaten (evtl. sogar aus biologisch kontrolliertem Anbau) zu verwenden, um mit viel Liebe aufwendig ein tolles Gericht zu kochen. Was natürlich Arbeit macht. Man kann sich aber auch an einzelnen Stellen mit Convenience-Produkten behelfen. Was die Arbeit reduziert. Oder man kann einfach eine Tütensuppe kochen.

    Religion ist wie Tütensuppe – sie macht einfach am wenigsten Arbeit. Man nimmt (isst) einfach das, was andere für einen vorgekocht haben. Aber je mehr man wissen will, wie die Wirklichkeit aussieht, desto mehr muss man auf all die kleinen Küchenhelfer verzichten, sich selbst erst einmal ein paar Grundkenntnisse im Kochen aneignen und jede Menge Arbeit in seine Kreationen investieren. Und man muss mit Enttäuschungen rechnen, wenn etwas mal nicht so gelingt, wie man sich das vorgestellt hat. Aber wenn man erst einmal die Resultate wirklich guten Kochens gekostet hat, will man auch nichts anderes mehr gustieren.

    Ich finde, das trifft es ganz gut…

    P.S.: (Bevor die Frage kommt:) Meine bessere Hälfte ist mitnichten nur Hausfrau und Mutter, sondern steht auch jeden Tag aufs Neue im Beruf ihre Frau als Ärztin.

  59. #59 Stefan W.
    29. Dezember 2010

    Der geistige Misbrauch Kinder religiös zu erziehen ist m.M. nach schlimmer als sexueller Misbrauch.

    Die Eltern, die selbst nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben geben in einer Art mildem Sadismus ihre eigene Ehrfahrung des Getäuschtwerdens weiter, und das Kind muss später sehen, wie es mit der überkommenen Religion, die eigentlich nicht in die Landschaft passt, einen Spagat vollzieht, so dass die eigenen Eltern nicht durch einen Austritt enttäuscht werden, sie selbst aber auch nicht zu peinlich sich machen.

    Bei den Katholiken ist es beispielsweise so, dass nur wenige den römischen Kathechismus so aktzeptieren wie er verkündet wird. Das wird alles aufgeweicht, aber es gibt keine Opposition oder Streit, weil man ja in religiösen Dingen nicht gut streiten kann.

    Ja, man kann die Schrift auslegen, und z.B. versuchen die PID-Frage mit der Bibel zu beantworten. Aber da sind die Priester und Bischöfe ja gerade überlegen – man aktzeptiert dass das Sonntagsclowns sind, die eine Stunde in der Woche was vorturnen, oder nur zu Ostern und Weihnachten, Taufe, Hochzeit und Beerdigung – und sonst soll sich die Kirche raushalten. Als romantische Kulisse und Turbo für Sentimentalitäten wird sie noch benötigt, aber so recht glauben will doch keiner mehr.

    Aus Opportunismus werden die Kinder dann gezwungen die eigene Verkrümmung zu erdulden, und weil die Eltern ein weiches Herz haben, und das nicht mitansehen könnten, und auch die Tricks nicht parathaben, muss den Religions- und Kommunionsunterricht der Pfarrer machen.

    Wenn sie erwachsen sind, die Kinder, dann dürfen sie ja wieder austreten.

  60. #60 noch'n Flo
    29. Dezember 2010

    Bei den Katholiken ist es beispielsweise so, dass nur wenige den römischen Kathechismus so aktzeptieren wie er verkündet wird. Das wird alles aufgeweicht, aber es gibt keine Opposition oder Streit, weil man ja in religiösen Dingen nicht gut streiten kann.

    Aber genau das ist doch schon seit jeher das Erfolgsrezept des Christentums bei der Eroberung der Welt.
    In Europa wurden die heidnischen Traditionen der dortigen Völker integriert. Siehe z.B. Ostereier oder Weihnachtsbaum.
    In der Karibik mutierte das Ganze dann zum Voodoo.
    In Afrika existieren bis heute christliche Leeren und ursprünglicher Schamanismus nebeneinander.
    In Mexiko werden bis heute an Allerheiligen auf den Friedhöfen Picknicks und Grillparties zelebriert.

    usw, usf

  61. #61 Stefan W.
    30. Dezember 2010

    Grillparty & Picknick? Das könnte dann doch eine Religion für mich sein :) .

  62. #62 noch'n Flo
    30. Dezember 2010

    @ Stefan W.:

    Kein Witz – so wie vielerorts in der christlichen Welt üblich, gehen auch die Mexikaner an Allerheiligen auf den Friedhof, um ihre Verwandten zu “besuchen”. Nur dass es in Mexiko schon seit Jahrhunderten üblich ist, reichlich gutes Essen mitzubringen, es sich auf dem Grab gemütlich zu machen und “gemeinsam” mit dem Verstorbenen einen leckeren Schmackofatz zu geniessen. Und manchmal wird dann neben den Gräbern tatsächlich auch gegrillt.
    Dazu wird dann gesungen, in manchen Regionen sogar getanzt.

    Infolge dieser Erlebnisse schon in früher Kindheit haben übrigens viele Mexikaner ein sehr viel unverkrampfteres Verhältnis zum Tod als die meisten Europäer.