Die Entdeckung des Planeten Neptun gilt als eine der Sternstunden der Himmelsmechanik. Allein aus den Abweichungen, die die Bahn des Uranus von der vorherberechneten Position zeigte haben John Couch Adams und Urban le Verrier die Position eines unbekannten Störkörpers berechnet. Und schließlich fand Johann Gottfried Galle dann einen neuen Planeten – genau dort wo Le Verrier es vorhergesagt hatte. Heute wissen wir, dass damals auch eine große Portion Glück dabei war. Die Methode an sich ist aber immer noch hervorragend.

Denn auch wenn man etwas nicht sehen kann, so kann es doch noch einen merkbaren Einfluss einausüben. Extrasolare Planeten sind zum Beispiel im Allgemeinen zu klein um direkt beobachtet zu werden. Sie bringen aber mit ihrer Gravitationskraft den Stern den sie umkreisen ein klein wenig zum Wackeln und das können wir beobachten. Oder Planeten beeinflussen die Verteilung von Asteroiden was wiederrum die Verteilung des interplanetaren Staubs auf bestimmte Art und Weise veränder. Das kann man beobachten und daraus auf die Eigenschaften des Planeten schließen. Es lassen sich mit dieser Methode aber nicht nur Planeten entdecken. Auch “unsichtbare” Galaxien verraten sich durch ihre Gravitationskraft.

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Urban le Verrier vor der Pariser Sternwarte

Unser Universum besteht ja nicht nur aus der “normalen” Materie die uns umgibt, die wir kennen und aus der wir bestehen. Diese Materie ist anfällig für die Gravitationskraft und die elektromagnetische Kraft. Das bedeutet, dass unsere normale Materie nicht nur eine Gravitationskraft ausübt bzw. spüren kann sondern dass sie auch elektromagnetische Strahlung (u.a. Licht) abstrahlen bzw. absorbieren oder reflektieren kann. Wir können sie also sehen. Neben der normalen Materie existiert aber auch noch dunkle Materie, die nur der Gravitationskraft unterliegt und die die elektromagnetische Kraft einfach ignoriert. Man kann die dunkle Materie also z.B. mit Licht anstrahlen soviel man will: man wird nichts sehen. Sie ist unsichtbar. Aber sie übt eine Gravitationskraft aus und so haben wir sie auch entdeckt. Schon seit den 1930er Jahren haben Astronomen festgestellt, dass es zu Diskrepanzen kommt, wenn man die z.B. die Masse von Galaxien und Galaxienhaufen berechnet. Das kann man auf 2 verschiedene Arten machen: einmal indem man die elektromagnetische Kraft nutzt. Das bedeutet, man schaut einfach nach, was da alles für Materie ist indem man einfach alles zählt, was in so einer Galaxie leuchtet. Das sind die Sterne und das Gas dazwischen und wenn man die Masse von all diesen Objekten zusammenzählt, dann sollte das ja eigentlich die Gesamtmasse der Galaxie ergeben. Man kann aber auch die Gravitationskraft benutzen. Dann beobachtet man z.B. einen einzelnen Stern am Rand der Galaxie und schaut nach, mit welcher Geschwindigkeit er deren Zentrum umkreist. Je nach der Masse die die Galaxie hat, wir die Geschwindigkeit schneller oder langsamer sein. Aus den bekannten Gleichungen für die Gravitationskraft kann man dann die Masse der Galaxie berechnen.

Wissenschaftler verwenden gerne unterschiedliche Methoden um ein Problem mehrmals zu lösen. Damit kann man sich gegen Fehler absichern – denn wenn eine Methode nicht funktioniert, merkt man das so recht schnell. Und überraschenderweise war das bei den Galaxienmassen auch so: zählte man nur die Masse der Materie, die man sehen konnte, dann war das viel weniger als das, was eigentlich da sein musste um die beobachteten Geschwindigkeiten der Sterne zu erklären. Es gab nun also zwei Möglichkeiten: entweder man hat bis jetzt immer eine falsche Formel für die Berechnung der Gravitationskraft verwendet und bekam deswegen falsche Ergebnisse. Oder da ist noch Materie die man nicht sehen kann; die aber trotzdem Gravitationskraft ausübt: dunkle Materie. Beide Ansätze wurden weiter verfolgt. Die alternativen Gravitationsformeln (MOND-Theorien) konnten sich nie wirklich durchsetzen, haben nie wirklich optimal funktioniert und die überwiegende Mehrheit der Astronomen hält diese MOdifizierte Newtonsche Dynamik heute für eine Sackgasse. Die dunkle Materie dagegen funktionierte besser; sie konnte neben den gemessenen Geschwindigkeiten von Sternen und Galaxien auch noch viele andere Dinge vor allem in der Kosmologie erklären. Aber natürlich ist unser Verständnis der dunklen Materie noch immer nicht komplett (das wird sich ändern, wenn erstmal ihre genau Natur bekannt ist) und es gibt noch Probleme, die gelöst werden müssen.

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Verteilung der Materie im Universum nach der Millenium-Simulation

Dazu gehört das Problem der sogenannten “dunklen Begleiter”. Simuliert man beispielsweise wie sich das Universum im Laufe der Zeit entwickelt hat, dann ergibt sich mit der Kombination von sichtbarer und dunkler Materie ein Bild, dass der Realität ziemlich gut entspricht. Allerdings nur bei großen Maßstäben. Wenn wir kleinere Ausschnitte des Universums betrachten (und “klein” heisst hier in etwa so groß wie eine Galaxie), dann zeigen sich Abweichungen. Eine große Galaxie wie unsere Milchstrasse sollte eigentlich viel mehr kleinere Satellitengalaxien haben als wir beobachtet haben. Ok, wir haben die beiden Magellanschen Wolken und noch einen Schwung andere kleine Zwerggalaxien und Kugelsternhaufen die unsere Milchstrasse umgeben. Die Theorie sagt aber noch mehr Satelliten voraus und die wurden bis jetzt nicht beobachtet.

Ok, vielleicht ist einfach die Theorie falsch. Aber da sie so viele andere Sachen so gut erklären kann und die großräumige Verteilung der Materie so gut beschreibt sollte man sie nicht vorschnell wegwerfen. Vielleicht haben wir ja auch nur einige Eigenschaften der dunklen Materie die sich auf die kleinräumige Verteilung der Materie auswirken falsch verstanden. Oder aber die vorhergesagten Satellitengalaxien sind tatsächlich da – aber so klein und lichtschwach, dass wir sie bis jetzt nicht gesehen haben.

Und wenn das tatsächlich so ist, dann wird sich das vielleicht bald ändern! Sukanya Chakrabarti, Astronomin an der Universität in Berkely hat eine faszinierende Methode entwickelt, wie man ihnen auf die Spur kommen könnte. So wie Le Verrie die Störungen des unsichtbaren Neptuns auf die Uranusbahn benutzte; so wie Exoplanetenjäger die Störungen des Planeten auf den Stern benutzen, benutzt Chakrabarti die Störungen, die Satellitengalaxien auf das interstellare Gas in der Muttergalaxy ausüben. Das erweist sich als ideales Medium, um solche Störungen zu entdecken: die Gaswolken in den äußeren Bereichen der Galaxien sind kalt. Das bedeutet, sie reagieren besser auf gravitative Störungen von außen. Außerdem verschwinden die Störungen in den Gaswolken wieder relativ schnell. Es ist also leichter, die Störung direkt auf ihren Ursprung zurückzuführen; im Gegensatz zu z.B. der Verteilung und Bewegung der Sterne bei der sich Störungen verschiedenster Quellen akkumulieren und lange Zeit auswirken.

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M51 mit Satellitengalaxie (Bild: NASA/ESA)

Wenn sich nun also eine Satellitengalaxie in der Nähe einer größeren Galaxie befindet, dann übt sie einen gravitativen Einfluss auf deren interstellares Gas aus. Chakrabarti hat nun behauptet, dass sich aus einer Analyse der Verteilung des Gases in einer Galaxie die Eigenschaften einer solchen Satellitengalaxie berechnen lassen – selbst wenn diese nicht sichtbar ist! Um das zu belegen, hat sie zwei bekannte Paare von großen Galaxien mit kleinen Satelliten betrachtet: M51 und NGC 1512. Bei beiden Galaxien hat man die Verteilung des interstellaren Wasserstoffs beobachtet und Chakrabarti und ihre Kollegen haben nun probiert herauszufinden, welche störende Satellitengalaxie die beobachtete Verteilung am besten reproduzieren konnte. Das hat in beiden Fällen hervorragend funktioniert und die Eigenschaften der Satellitengalaxien aus den Modelln haben gut mit den tatsächlichen Werten übereingestimmt.

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Wasserstoff in M51. Die Satellitengalaxie wird durch das Kreuz markiert (Bild: Chakrabarti et al 2011)

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Rekonstruierte Gasverteilung in M51 (Bild: Chakrabarti et al 2011)

Die Methode funktioniert also schonmal in der Theorie. Ob sie wirklich funktioniert weiß man allerdings erst, wenn man damit auch etwas entdeckt hat, dass man vorher noch nicht kannte. Aber auch hier sind Chakrabarti und ihre Kollegen auf einem guten Weg. Denn schon 2009 haben sie sich die Verteilung des Gases in unserer Galaxie angesehen und kamen zu dem Schluß, dass da etwas sein muss, dass eine gravitative Störung auf das Gas ausübt. Eine kleine, dunkle bisher unbekannte Satellitengalaxie deren Masse etwa ein hundertstel der Masse der Milchstrasse ausmacht und die sich etwa 300000 Lichtjahre entfernt befindet. Diese Galaxie wäre dann – nach den Magellanschen Wolken – die drittgrößte Satellitengalaxie der Milchstrasse.

Gut, vorhersagen kann man viel – aber es bestehen gute Chancen, dass wir diese Galaxie auch tatsächlich finden. Momentan wird mit dem Spitzer-Weltraumteleskop versucht, diese “Galaxie X” zu finden. Der Name hat übrigens nichts mit Gefahr und Weltuntergang zu tun (auch wenn viele vermutlich diese Verbindung mit dem – nicht existierenden – apokalyptischen Planet X herstellen werden). Er bezieht sich auf den wissenschaftlichen Begriff “Planet X”, der Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde als man nach unbekannten Planeten jenseits der Neptunbahn suchte und der seitdem traditionell für einen unbekannten Himmelskörper steht.

Ich finde diese Forschung extrem faszinierend. Einerseits gibt es nun eine neue Methode um Dinge entdecken zu können, die sich bisher der Entdeckung entzogen haben. Und dann lässt sich damit vielleicht noch ein Rätsel der Kosmologie lösen und wir können unserem Verständnis vom Universum einen weiteren Puzzlestein hinzufügen!


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Sukanya Chakrabarti, Frank Bigiel, Philip Chang, & Leo Blitz (2011). Finding Dark Galaxies From Their Tidal Imprints Astrophysical Journal arXiv: 1101.0815v1

Sukanya Chakrabarti, & Leo Blitz (2009). Tidal Imprints Of A Dark Sub-Halo On The Outskirts Of The Milky Way MNRAS arXiv: 0908.0334v2

Kommentare (26)

  1. #1 pippen
    18. Januar 2011

    Antrag schreiben und damit die Videowoche ist wohl vorbei.
    Auf diese Veröffentlichung habe ich schon mal in deinem Blog hingewiesen. Dort hieß es “Forget Planet X! New technique could pinpoint Galaxy X” aus dem News Center der UC Berkeley. Aber den Beitrag aus deinem Blog hast du wohl gelöscht. Der Eintrag bzw. das Video mit dem fragilen Mädchen mit Planeten-X-Syndrom war auch deiner wirklich nicht würdig.
    Das heute vorgestelte Thema ist doch eher dein Spezialgebiet.

  2. #2 frantischek
    18. Januar 2011

    Da hab ich vorgestern was seeeehr ähnliches auf StartswithaBang gelesen.
    http://scienceblogs.com/startswithabang/2011/01/the_search_for_dark_satellites.php

  3. #3 roel
    18. Januar 2011

    @Florian Freistetter “Das bedeutet, man schaut einfach nach, was da alles für Materie ist indem man einfach alles zählt, was in so einer Galaxie leuchtet. Das sind die Sterne und das Gas dazwischen und wenn man die Masse von all diesen Objekten zusammenzählt, dann sollte das ja eigentlich die Gesamtmasse der Galaxie ergeben.”

    Aber woher weiß man, welche Masse die einzelnen Sterne, das Gas dazwischen und die evtl. Planeten (die man ja noch nicht sieht) haben? Von welchen Toleranzen geht man aus?

  4. #4 Florian Freistetter
    18. Januar 2011

    @roel: “Aber woher weiß man, welche Masse die einzelnen Sterne, das Gas dazwischen und die evtl. Planeten (die man ja noch nicht sieht) haben? Von welchen Toleranzen geht man aus? “

    Naja – aufs Kilogramm genau wird man die Masse nicht bestimmen können 😉 Was da an Planeten rumschwirrt kann man beispielsweise mehr oder weniger ignorieren; das spielt massemäßig keine wirklich Rolle. In unserem Sonnensystem stellt die Sonne ja auch 99% der Gesamtmasse; das ist anderswo nicht anders. Und ansonsten setzt man sich natürlich nicht hin und zählt die Sterne einzeln ab (kann man ja auch meist nicht auflösen) sondern benutzt diverse Beziehungen zwischen Galaxienhelligkeit und Masse die man aus Sternentstehungsmodellen bzw. genaueren Beobachtungen naher Galaxien gewonnen hat.

  5. #5 schlappohr
    18. Januar 2011

    @Florian:

    “Eine kleine, dunkle bisher unbekannte Satellitengalaxie […]”

    Bedeutet “dunkel”, dass diese Galaxie ausschließlich aus Dunkler Materie besteht, oder dass sie einfach sehr lichtschwach ist und deswegen bisher nicht gefunden wurde? Sie könnte auch auf der anderen Seite des MS-Zentrums liegen und damit für uns prinzipiell unsichtbar sein. Ergibt sich aus Chakrabartis Theorie ein Ansatz, in welcher Richtung man suchen muss?

    P.S.: Amazon hat heute “Massive” geliefert… *freu* 🙂

  6. #6 deepsouth
    18. Januar 2011

    Wieder einmal ein sehr informativer, spannender Beitrag.
    Man darf gespannt sein, ob Spitzer etwas findet und wenn ja – wann und was.
    Zum Spitzer hätte ich auch gleich eine Frage, die sich zwar nicht auf eine Satellitengalaxie bezieht, aber doch auf die technischen Möglichkeiten der neuesten Teleskope…

    Ich habe heute einige Artikel zum neuberechneten Schwarzen Loch in M87 gelesen.
    (Ereignishorizont ca. 3-facher Durchmesser der Pluto-Bahn)
    Die “nächste” Generation von Teleskopen könnte in der Lage sein, dieses SL direkt zu beobachten – so liest man.
    Frage:
    Gibt es eine Chance, daß Spitzer & Co erste optische Ergebnisse erzielen oder muss man sich noch etwas gedulden, bis die technische Machbarkeit erreicht ist?
    Wenn ja, wie lange ungefähr?

  7. #7 Engywuck
    18. Januar 2011

    also wenn ich das “rekonstruierte Modell” mit der realen Abbildung vergleiche sehe ich da doch größere Abweichungen, v.a. in der Form der Spiralarme. Daraus dann den Schluss “funktioniert problemlos, wir können also unsichtbares beweisen” erscheint mir…. mutig.

    Das ist aber bei der “Dunklen Materie” auch nicht anders – ich habe den Eindruck, derzeit wird alles damit “erklärt” in der Kosmologie — und was dann nicht stimmt wird passend gemacht, als neue Eigenschaft der Dunklen Materie erklärt oder als “ach, das wird sich schon irgendwann bestimmen lassen” ignoriert. Die MOND haben zwar auch ihre Tücken, aber *allein* die MOND als Sackgasse zu bezeichnen… 😉

    Was mich auch irritiert: du schreibst
    “setzt man sich natürlich nicht hin und zählt die Sterne einzeln ab (kann man ja auch meist nicht auflösen) sondern benutzt diverse Beziehungen zwischen Galaxienhelligkeit und Masse die man aus Sternentstehungsmodellen bzw. genaueren Beobachtungen naher Galaxien gewonnen hat.”
    Man nimmt also ein Modell der Sternentstehung, berechnet daraus Helligkeits-Leuchtdichte Beziehungen und Wahrscheinlichkeiten für die Sternarten in einer Galaxie, verkuddelt das wieder zur Gesamtleuchtkraft und behauptet dann “wir kennen die Masse der Galaxie”. Und *das* soll in anständiger Genauigkeit (sagen wir Faktor 10) funktionieren? Und *damit* wird “belegt”, dass es Dunkle Materie gibt (gut, *ein* Beleg)? Auch hier scheint mir das etwas mutig… Erinnert irgendwie an Archäologen, die ein Tongefäß finden und daraus eine ganze Steinzeitkultur ableiten. Mag ja stimmen, aber für den interessierten Laien erscheint das doch eher wie “angewandtes Raten”

  8. #8 roel
    19. Januar 2011

    @Florian Freistetter Wie kann ich mir dunkele Materie vorstellen? Vom Namen her denke ich eher an schwarz, aber dann wäre sie ja sichtbar. Also müsste solche Materie transparent sein?

  9. #9 klauszwingenberger
    19. Januar 2011

    @ Engywuck:

    Das Vorhandensein von DM schließt man – auf galaktischen Skalen – vor allem aus der Rotationsgeschwindigkeits-Dispersion. Richtig ist schon, dass man an Hand der Untersuchung näherer Galaxien (und der Milchstraße selbst) Modelle bildet. Dabei kann man z.B. die Mengenverhältnisse von leuchtkräftigen Sternen (O- und B-Sterne, Rote Riesen), die man auch in Nachbargalaxien noch abzählen kann, zu dem Rest der Population heranziehen und erhält damit dann natürlich auch eine Vorstellung, wieviel Masse dabei zusammenkommt. Das kann man dann auf Galaxien ähnlichen Typs weiter draußen übertragen, und so hangelt man sich die Entfernungsleiter hinauf. So bekommt man eine Vorstellung von dem Vehältnis zwischen Gesamthelligkeit und Gesamtmasse einer Galaxie.

    Ob überhapt DM vorhanden ist, hängt mit diesem quantitativen Befund aber nicht direkt zusammen. Wichtig ist wie gesagt vor allemdie Geschwindigkeitsverteilung. Insbesondere die äußeren Bereiche von Spiralgalaxien rotieren viel zu schnell um das Zentrum, um nur durch die maximal anzunemende sichtbare Materie gravitativ gebunden zu sein. Wieviel genau das ist, braucht man dazu gar nicht zu wissen.

  10. #10 Florian Freistetter
    19. Januar 2011

    @Engywuck: “Daraus dann den Schluss “funktioniert problemlos, wir können also unsichtbares beweisen” erscheint mir…. mutig.”

    Naja – es ist schon mehr dahinter als einfach 2 Bilder zu vergleichen. Aus den Simulationen kann man auch die Parameter – Masse und Position – der Satellitengalaxie berechnen und das mit der Realität vergleichen. Im Paper ist das alles detailliert beschrieben – aber so ausführlich konnte ich das hier nicht erklären.

    “an nimmt also ein Modell der Sternentstehung, berechnet daraus Helligkeits-Leuchtdichte Beziehungen und Wahrscheinlichkeiten für die Sternarten in einer Galaxie, verkuddelt das wieder zur Gesamtleuchtkraft und behauptet dann “wir kennen die Masse der Galaxie”. “

    Nicht ganz. Es ist manchmal schwierig, komplexe Beziehungen in einem kurzen Kommentar zu erklären. Im Prinzip setzt man anhand von bisherhigen Beobachtungen die Helligkeit einer Galaxie mit ihrer Masse in Beziehung. Das ganze wird dann natürlich noch von diversen theoretischen Erkenntnissen unterstützt und verfeinert.

    “Und *damit* wird “belegt”, dass es Dunkle Materie gibt (gut, *ein* Beleg)? Auch hier scheint mir das etwas mutig…”

    Belege für dunkle Materie gibts noch viel mehr und alle unabhängig voneinander. Man kann z.B. die Geschwindigkeit von Galaxien in Galaxienhaufen messen. Und dann feststellen, dass sie eigentlich viel zu schnell sind um im Haufen zu bleiben. Eigentlich müssten sie schon längst weggeflogen sein. Es sei denn, da ist irgendwo noch jede Menge Masse die sie festhält. Aber die Masse muss dunkel sein, sonst würden wir sie sehen…

  11. #11 Florian Freistetter
    19. Januar 2011

    @roel: “Also müsste solche Materie transparent sein?”

    Ja, transparent – oder eben unsichtbar. Für die elektromagnetische Kraft existiert diese Art der Materie quasi nicht.

  12. #12 MartinS
    19. Januar 2011

    @FF
    Musste grade ein paar Fragen wieder löschen, weil sie schon gestellt wurden aber übrig geblieben sind doch welche:
    Sicherlich meinst Du ja nicht, dass ‚unsichtbare Galaxien’ aus dunkler Energie bestehen. Was aber macht Galaxien denn unsichtbar? Sind mit Röntgen-, Infrarot- ‚was-weiss-ich-Detektoren / Teleskopen nicht inzwischen ‚alle’ interstellaren Wolken durchsichtig geworden? Und wenn die besagte Galaxie die drittgrößte Satellitengalaxie der Milchstraße wäre – wieso können wir dann doch wesentlich kleinere erkennen? Liste hier.

    Dann meine abschließende Frage:

    Das erweist sich als ideales Medium, um solche Störungen zu entdecken: die Gaswolken in den äußeren Bereichen der Galaxien sind kalt. Das bedeutet, sie reagieren besser auf gravitative Störungen von außen. Außerdem verschwinden die Störungen in den Gaswolken wieder relativ schnell.

    Was hat die Temperatur der Gaswolken mit Gravitation zu tun? Gravitation ist doch nicht temperaturabhängig. Und was bedeutet ‚relativ schnell’? Galaxien mögen ja schnell sein, aber sie ‚durchqueren’ eine interstellare Gaswolke doch nicht so schell, dass ich zuschauen kann – oder etwas doch?

    Ich wäre dankbar, wenn jemand meinem Unwissen – oder Unverständnis – ein Ende bereiten könnte.

  13. #13 Florian Freistetter
    19. Januar 2011

    @MartinS: “Sicherlich meinst Du ja nicht, dass ‚unsichtbare Galaxien’ aus dunkler Energie bestehen. Was aber macht Galaxien denn unsichtbar”

    Ne, die “dunklen Begleiter” sind erstmal nur leuchtschwache Zwerggalaxien; keine Galaxien aus dunkler Materie. Und wenn die nicht stark leuchten und noch dazu in der Ebene der Milchstrasse liegen wos besonders viele andere Strahlungsquellen gibt (dort soll sich Galaxie X) ja befinden, dann wirds knifflig, die zu finden wenn man nicht genau weis, wo man suchen soll.

    Was die Temperatur der Gaswolken betrifft. Wenn die schön kalt sind, dann sind sie auch “ruhig” und der gravitative Einfluss ist besser zu sehen als bei einem heissen Gas. Und es geht auch nicht darum, dass Galaxien diese Wolken “durchqueren”, sondern dass sie über gravitative Gezeitenkräfte die Gasverteilung aus der Entferung beeinflussen. Und zuschauen kann man dabei nicht 😉 Das dauert schon ordentlich. Das “relativ schnell” bezog sich auf den Vergleich mit den Sternen. Bis die Gaswolke “vergisst”, dass da eine Galaxie sie mal gravitativ beeinflusst hat vergeht weniger Zeit als bei der Verteilung der Sterne.

  14. #14 Markus Termin
    19. Januar 2011

    @ F.F.: “Extrasolare Planeten sind zum Beispiel im Allgemeinen zu klein um direkt beobachtet zu werden. Sie bringen aber mit ihrer Gravitationskraft den Stern den sie umkreisen ein klein wenig zum Wackeln und das können wir beobachten.

    Das ist natürlich, wie ich von Dir selber weiß, kompletter Unsinn. Denn diese Gravitationskraft sei so verschwindend gering, daß es, wie Du ja in Diskussionen über unser eignes Sonnensystem klar gemacht hast, vollkommen ausgeschlossen sei, daß kleine Planetchen sich selbst gegenseitig relevant beeinflussen könnten, geschweige denn, ihren Zentralkörper – Du erinnerst Dich wohl an die Erdbebendiskussion und Deine diesbezügliche Hetzkamapgne?!

  15. #15 HaDi
    20. Januar 2011

    Der war gut! 😉

    @Termin:
    Genau deswegen hat man mit dieser Methode ja auch – im Vergleich zu unserem Sonnensystem – nur sehr grosse Planeten entdeckt, die sehr nahe um ihren Stern kreisen, der auch meistens weniger Masse als unsere Sonne hat.

    Lesen sie dazu doch mal einen Text der “Planetenjägerin” in diesen Blog:
    http://www.scienceblogs.de/planeten/2009/06/der-stern-der-sichtbar-von-einem-planeten-rumgeschleudert-wird.php

    Zudem besteht ein Unterschied zwischen den “um den gemeinsamen Schwerpunkt taumelden Stern” und spekulativen gravitativen Einflüssen auf die Erdkruste wie im Haiti-Thread. Das Taumeln um den gemeinsamen Schwerpunkt findet nämlich kontinuierlch statt, während irgendwelche ERdbebenrelevanten Einflüsse ja variabel sein müssten.

  16. #16 Joliet Jake
    20. Januar 2011

    Faszinierend!
    In all den Jahren, in denen ich in diversen “Grenz”-Wissenschafts-Foren unterwegs war, habe nie eine ausgeprägtere Form des Dunning-Kruger-Syndroms” erlebt!
    M.T. toppt alles!
    So faszinierend die Tiefen und Geheimnisse des Kosmos auch sind, die Untiefen der menschlichen Psyche sind es ebenso.
    Wobei, sogar ein Bild-der-Frau-Psychologe würde MT ein gestörtes Selbstwertgefühl, wohl in Anbetracht der (angeblich) zahlreichen Akademikern in der Familie, attestieren können. Das führt dann vlt. zu diesem gesteigertem Mitteilungsdrang, auch in Bereichen in denen er nur (höchstens) halbverstandenes Wissen aufzuweisen hat.

    Nur meine paar Cents. Vielleicht ist ja ein Püschologe an Bord.

    Finde es, bei aller Belustigung, doch auch etwas bedenklich…

  17. #17 Florian Freistetter
    20. Januar 2011

    @Termin:“Das ist natürlich, wie ich von Dir selber weiß, kompletter Unsinn. Denn diese Gravitationskraft sei so verschwindend gering, daß es, wie Du ja in Diskussionen über unser eignes Sonnensystem klar gemacht hast, vollkommen ausgeschlossen sei, daß kleine Planetchen sich selbst gegenseitig relevant beeinflussen könnten, geschweige denn, ihren Zentralkörper”

    Ich probiers gar nicht erst es dir zu erklären. Du willst es ja 1) sowieso nicht wirklich wissen und 2) kapierst du es ja anscheinend auch nicht.

  18. #19 threepoints...
    25. Januar 2011

    Aus einem Artikel in der Zeit über M87 liess sich erfahren, dass es eine scheinbahr neue Erkenntniss zumindest über diese Galaxie geben soll:

    “Die Drehgeschwindigkeit der Galaxie ist im Zentrum am höchsten, fällt dann nach außen hin ab, steigt dann aber merkwürdigerweise wieder an.”

    Ist das so richtig und möglich, dass sich eine Galaxie so verhalten kann?

    Die Methode der berechnung der Masse einer Galaxie per Sternengeschwindigkeit scheint mir dann aber nicht unbedingt verlässlich zu sein.

    Das ist der Link zum Artikel:

    http://www.zeit.de/wissen/2011-01/schwarzes-loch-dunkle-materie

    Das Detail steht auf seite 2 im ersten Absatz.

    Der arme …
    Markus Termin· 19.01.11 · 22:53 Uhr

    .. wird daraufhin jetzt wieder rund gemacht, obwohl es sich doch ganz elegant anhörte…. und wie mir schien nicht vollkommen ernst gemeint? Aber ich kenne die angegebene Diskussion nicht.

  19. #20 Sasch23
    7422 Riedlingsdorf
    7. Oktober 2015

    Ich mõchte etwas zur “DUNKLEN ENERGIE” sagen : Die DUNKLE ENERGIE beschleunigt ja den RAUM mit der ZEIT immer schneller . ICH DEKE der RAUM “VERFIELFELTIGT SICH auf KLEISTER EBENE IMMER SCNELLER” Das ist die Meinung von Sascha Kappel aus dem Burgenland , 7422 Riedlingsdorf ….!!!!!!!!!!!!!!!

  20. #21 Captain E.
    7. Oktober 2015

    Und, möchtest du daraus auch einen Schluss ziehen?

  21. #22 gaius
    7. Oktober 2015

    Hört sich nach einem Experten an!

  22. #23 HF(de)
    7. Oktober 2015

    OT: Sascha hat viele große Buchstaben im Angebot. Über diese hier muss ich besonders nachdenken: VERFIELFELTIGT.
    So wird heute unseren Kindern mit modernster Pädagogik das Schreiben beigebracht? Ist das das Konzept “Schreiben, wie man spricht?” Diese Lehrer sollten sich was schämen…

  23. #24 Alderamin
    7. Oktober 2015

    @HF(de)

    Erinnert mich irgendwie an…..

    Anonsten: Form & Inhalt (©Bullet). & Anzahl Rufzeichen.

  24. #25 HF(de)
    7. Oktober 2015

    @Alderamin: hehe, der ist gut 🙂

  25. #26 Kyllyeti
    8. Oktober 2015

    O la la! Ein 3!!!!!-Komplex. Der selige Pterry wäre hochbegeistert.