Es gibt viele coole und spannende Arten der wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit. Eine davon sind die Science Slams (ich habe erst kürzlich über eine Veranstaltung in Berlin berichtet). In Österreich gibt es aber auch Wissenschaftler, die sich unkonventionelle Formen der Präsentation überlegen. In Wien gab es schon einmal einen Dance your PhD-Contest und seit einigen Jahren gibt es das FameLab. So wie bei einem Science Slam präsentieren auch hier junge Wissenschaftler kurz und verständlich ihre Arbeiten. Man hat aber weniger Zeit als die Science Slammer: ein Vortrag beim FameLab dauert nur drei Minuten. Und man darf keine Hilfsmittel verwenden; höchstens ein paar Kleinigkeiten die man mit sich herum tragen kann. Beurteilt wird die Leistung auch nicht vom Publikum sondern von einer fachkundigen Jury (der ehemalige Scienceblogs-Redakteur Marc Scheloske war früher Mitglied) und der Gewinner darf dann auch noch beim internationalen FameLab-Turnier antreten. Ich selbst hab es leider noch nie geschafft, bei einem FameLab zuzusehen. Aber glücklicherweise kenne ich einen der diesjährigen Teilnehmer. David Gruber (so wie ich ehemaliger Student an der Universitätssternwarte Wien) vom Max Planck Institut für extraterrestrische Physik hat an der Vorausscheidung in Wien teilgenommen und den Einzug ins Finale geschafft! In einem Gastbeitrag beschreibt er das FameLab und erzählt von seinen Erfahrungen.



Florian hat mich gebeten einen kurzen Beitrag zu FameLab 2011 zu schreiben, weil ich am 12. April die einmalige Gelegenheit hatte bei der Vorausscheidung in Wien teilzunehmen.
Was ist aber FameLab eigentlich?

Einen Teilbereich seiner Arbeit auf den Punkt zu bringen und einem breiten Publikum verständlich zu machen, stellt gerade in der Wissenschaft eine besondere Herausforderung dar. Hier knüpft FameLab an: Unter dem Motto „Talking Science!” sollen die KanditatInnen rhetorisch in der Lage sein, ihr Forschungsgebiet innerhalb weniger Minuten wissenschaftlich korrekt, leicht verständlich und mitreißend zu präsentieren. Als Hilfsmittel darf nur verwendet werden, was am Körper getragen werden kann.

Und genau das taten die 18 Kandidaten und Kandidatinnen, die sich am Dienstag Morgen an der TU Wien eingefunden haben. Quer durch das naturwissenschaftliche Gemüsebeet wurde dem interessierten Publikum spannende Forschungsergebnisse über Teilbereiche der molekularen Biologie, Zoologie, Raumplanung, Astrophysik, Biotechnologie, Biochemie und theoretische Physik geliefert. Die KandidatInnen hatten lediglich 3(!) Minuten Zeit, um ihren Forschungsbereich zu präsentieren und im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt zu bringen. Anschließend wurden sie von einer 4-köpfigen Jury beurteilt, welche über Weiterkommen in die nächste Runde oder Ausscheiden des Teilnehmers bzw. Teilnehmerin entscheiden musste. Bewertet wurde dabei nach den Kriterien “Content, Clarity und Charisma”, sprich: ist das Präsentierte wissenschaftlich korrekt, war der Vortrag allgemein verständlich und gut strukturiert und war der Vortrag unterhaltsam? Die Jury konnte einem richtig Leid tun, denn bei all diesen hochkarätigen Teilnehmern ist es mit Sicherheit keine leichte Entscheidung gewesen, denn jede und jeder hätte sich ein Weiterkommen ins Finale durchaus verdient. Am frühen Nachmittag standen dann die Gewinner der Wiener Vorausscheidung fest, welche dann im großen Finale am 7. Mai auf die Sieger der Vorausscheidung in Graz und Innsbruck aufeinander treffen werden.

Zuschauer sind natürlich sehr herzlich willkommen und explizit erwünscht. Und ich kann garantieren, dass es sehr spannend, informativ, unterhaltsam und lehrreich werden wird. Einen Samstag Abend kann man gar nicht besser verbringen.

Die erste Präsentation handelte von der Entdeckung und den Eigenschaften von Gamma-Ray Bursts (Gammablitze), über welche Florian ja schon hier und hier berichtet hat. Dies ist auch gleichzeitig mein primäres Forschungsgebiet, denn ich bin Teil des Fermi/Gamma-Ray Burst Monitor (GBM) Teams (siehe z.B. hier) und in meiner Doktorarbeit untersuche ich u.a. die Eigenschaften von Gamma-Ray Bursts im so genannten “rest-frame”, also im Ruhesystem. Ich überprüfe sozusagen, wie sich die auf der Erde beobachteten Eigenschaften eines Gamma-Ray Bursts verändern, wenn man sie sich an Ort und Stelle, also am Entstehungsort des Gamma-Ray Bursts ansieht. Mein zweiter Vortrag war dann etwas philosophischer angehaucht. Ich habe nämlich über den kosmischen Materiekreislauf erzählt, und darüber, dass die Sterne die Fabriken des Universums sind, da sie ja die allermeisten Elemente, die wir kennen in ihrem Inneren (durch Kernfusion) oder in Form einer Supernova (durch Kernspaltung) erzeugen.

An alle meine Kollegen und Kolleginnen gerichtet: Ich kann nebst der passiven Teilnahme am Finale auch eine Aktive an FameLab 2012 nur empfehlen. Die Adrenalindosis und Endorphinausschüttung nach gehaltenem Vortrag allein wär die Teilnahme schon wert Aber es gibt noch weitaus mehr Gründe nebst Spaß und Spannung, die so eine Veranstaltung sehr verlockend machen. Da wären zum Einen die Vermittlung von Wissenschaft an diejenige Entität, die uns bezahlt: dem Steuerzahler. Denn jedem unserer Sparte muss klar sein: Je besser wir uns ins Rampenlicht rücken und je besser der Steuerzahler versteht was wir machen, umso größer ist unsere Bedeutung und Reichweite in der Gesellschaft. So ein Wettbewerb kann durchaus als Lobby-Arbeit verstanden werden. Für den eigenen Forschungszweig im Speziellen und die Naturwissenschaft und Grundlagenforschung im Allgemeinen. Wenn der/die WissenschaftlerIn es schafft, seine/ihre Begeisterung zu vermitteln und die beinhaltene Spannung des eigenen Forschungsgebiets rüberzubringen, dann ist das, meiner Meinung nach, durchaus vergleichbar mit einem Cliffhanger einer TV Serie: Man will wissen, wie es weitergeht, eben weil es gerade so spannend ist und man sprichwörtlich auf glühenden Kohlen sitzt.

Ich persönlich habe an FameLab 2011 teilgenommen, weil ich es als einen Weg sehe, um der Wissenschaftsfeindlichkeit und Wissenschaftsflucht in Esoterik und Parawissenschaften entgegenzuwirken. In meinen Augen übt die Esoterik deshalb so eine große Anziehungskraft aus, weil sie einfache (aber leider falsche) Antworten auf schwierige Fragen liefert. Die Wissenschaft ist in den Augen der Allgemeinheit “schwierig, komplex und unnahbar”. Aber genau so eine Plattform wie sie FameLab liefert, kann dabei helfen zu zeigen, dass Wissenschaft nicht zwangsläufig kompliziert ist und unterhaltsam und spannend sein kann.

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Das sind die fünf Finalisten der Wiener Vorentscheidung: Svjetlana Medjakovic, David Gruber, Wolfgang Hintringer, Philipp Ambichl, Natascha Sattler.

Ich wiederhole sicherheitshalber nochmal eine wichtige Aussage aus Davids Artikel:

“An alle meine Kollegen und Kolleginnen gerichtet: Ich kann nebst der passiven Teilnahme am Finale auch eine Aktive an FameLab 2012 nur empfehlen. (…) Die Wissenschaft ist in den Augen der Allgemeinheit “schwierig, komplex und unnahbar”. Aber genau so eine Plattform wie sie FameLab liefert, kann dabei helfen zu zeigen, dass Wissenschaft nicht zwangsläufig kompliziert ist und unterhaltsam und spannend sein kann.”

Genau! Macht mit! Macht Öffentlichkeitsarbeit. Oder aber geht zumindest zum Finale am 7. Mai (in der TU Wien) und drückt David die Daumen (oder wen immer ihr toll findet)!


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Kommentare (5)

  1. #1 F.J.
    16. April 2011

    @Florian: Herzlichen Glückwunsch zum dritten Jubiläumsjahr von Astrodicticum simplex (bei Scienceblogs). Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg – auf dass der digitale Schreibstift nicht versiegen möge!!! :-)

    Also Prost auf die nächsten Jahre, die mit Entdeckungen und Überraschungen auf uns warten!!!!! :-)

  2. #2 Florian Freistetter
    16. April 2011

    @FJ: Stimmt! Das ist ja tatsächlich heute schon 😉 Danke für die Glückwünsche!

  3. #3 Sim
    16. April 2011

    Alles Gute auch von mir. In der Zeit hast du dich ja schon zu sowas wie dem deutschen PZ Myers hochgeblogt ;D

  4. #4 Florian Aigner
    16. April 2011

    Als Jurymitglied dieser Veranstaltung kann ich nur sagen: Leicht war es wirklich nicht! Ich war tatsächlich überrascht vom erstaunlich hohen Niveau der Beiträge. Gratuliere David Gruber zu den tollen Präsentationen und danke für den Artikel!

  5. #5 Manuel
    19. April 2011

    Gratulation an David und ebenso gut hier beschrieben.

    Mit in Zukunft evtl. größerem Zeitrahmen würde/werde ich mir das FameLab wirklich gerne ansehen.