So langsam wird es wieder sommerlich in Deutschland. Wenn man nach den Pflanzen geht, dann beginnen Frühling und Sommer ja dank des Klimawandels immer zeitiger: sie beginnen immer früher zu blühen. Unbeeindruckt von der Änderung des Klimas ist die Bewegung der Erde und auch an ihr merken wir, dass es Sommer wird. Denn die Tage werden immer länger; es bleibt immer länger hell. Aber warum?

Ob und wie stark die Tage im Sommer länger werden, hängt davon ab wo auf der Erde man sich befindet. Wer so wie ich Verwandte sowohl im Norden (Hamburg) als auch im Süden (Österreich) hat, der kennt das ja vielleicht: die nördliche Verwandschaft sitzt noch bei Tageslicht draussen im Garten während die südlichen Bekannten schon die Lichter einschalten mussten. Das kann man auch immer gut bei Liveübertragungen aus nördlichen/südlichen Regionen beobachten.

Das die Tageslänge abhängig vom Breitengrad unterschiedlich lang ist, gibt schonmal einen ersten Hinweis auf die Ursache. Denn auch ein anderes Phänomen ist in seiner Ausprägung abhängig von der Position auf der Erde: die Jahreszeiten. Was auch nicht weiter überraschend ist; immerhin ist die Tageslänge eines der bestimmenden Merkmale der jeweilgen Jahreszeit 😉

Die Jahreszeiten haben nicht direkt etwas mit der Bewegung der Erde um die Sonne zu tun. Die Erde erreicht ihren sonnennächsten Punkt im Januar und abgesehen davon finden unterschiedliche Jahreszeiten gleichzeitig auf der Erde statt. Wenn auf der Nordhalbkugel Sommer ist, ist im Süden Winter und umgekehrt. Die Jahreszeiten haben eine andere Ursache und das ist die Neigung der Erdachse. Die Achse, um die sich die Erde täglich einmal dreht steht nicht genau senkrecht auf die Ebene, in der sie sich um die Sonne bewegt sondern ist um etwa 23 Grad aus der Senkrechten geneigt. Während eines Umlaufs der Erde um die Sonne ist also einmal die Nordhalbkugel der Sonne zugewandt und einmal die Südhalbkugel. Der unterschiedliche Winkel, in dem die Sonnenstrahlen im Norden bzw. Süden auf die Erdoberfläche treffen führt dazu, dass sie unterschiedlich stark wärmen und deswegen ist es im Winter kälter als im Sommer.

Die geneigte Erdachse ist aber auch für die unterschiedliche Tageslänge verantwortlich. Das kann man an diesem Bild hier erkennen:

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Hmm – eigentlich wollte ich ja ein Bild zeichnen, auf dem gerade Sommer in der nördlichen Hemisphäre herrscht; jetzt ist es irgendwie genau andersherum. Aber egal – die Erklärung bleibt gleich.

Das Bild ist nicht maßstabsgetreu – die Sonne, die hier von links auf die Erde strahlt ist natürlich viel größer und weiter weg. Man sieht aber gut, dass dank der Neigung der Erdachse gerade die südliche Hemisphäre der Sonne zugewandt ist. Der Nordpol liegt komplett im Dunkeln; keine Sonnenstrahlen erreichen ihn. Hier herrscht ständig Nacht und am Südpol ist es dagegen ständig hell. Diese ungleichmäßige Beleuchtung setzt sich auch in den gemäßigteren Breiten fort. Im Bild oben herrscht gerade Winter auf der Nordhalbkugel. Der beleuchtete Bereich der Kugel (in gelb) ist umso kleiner je weiter man nach Norden kommt. Die rot/schwarzen Linien zeigen an, wie lang jeweils der Tag (rot) und die Nacht (schwarz) sind. Im nördlichen Europa ist es nun lange dunkel aber je weiter man nach Süden kommt, desto länger wird der Tagbogen. Die Erde bewegt sich aber weiter um die Sonne herum bis irgendwann die nördliche Hemisphäre der Sonne zugewandt ist. Nun sind die Tage länger als die Nächte und zwar umso stärker je weiter man nach Norden kommt. Überschreitet man eine gewisse Grenze – den Polarkreis – dann geht die Sonne für eine bestimmte Zeit überhaupt nicht mehr unter!

Bei uns in Deutschland aber verschwindet die Sonne immer irgendwann hinter dem Horizont. Dann wird es aber nicht schlagartig finster sondern es folgt erst die Dämmerung. Hier unterscheidet die Astronomie verschiedene Dämmerungsarten. Direkt auf den Sonnenuntergang folgt die bürgerliche Dämmerung. Sie ist zu Ende, wenn die Sonne ganze sechs Grad unter dem Horizont steht. Dann ist es schon ziemlich dunkel, man kann ein paar Sterne erkennen – aber es wird noch dunkler! Es herrscht nun die nautische Dämmerung und erst wenn die Sonne 12 Grad unter dem Horizont steht, ist sie zu Ende. Man kann jetzt schon viele Sterne sehen – unter anderem die, die wichtig sind um mit nautischen Instrumenten die Position zu bestimmen (daher auch der Name). Gleichzeitig ist es aber immer noch nicht völlig dunkel und am offenen Meer kann man noch den Horizont erkennen (was ebenfalls wichtig ist, um die Position bestimmen zu können). Wirklich komplett dunkel ist es erst, wenn die Sonne 18 Grad unter dem Horizont steht. Dann ist die astronomische Dämmerung zu Ende; die Nacht beginnt und ist dunkel genug für sensible astronomische Messungen.

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Mittsommernacht in Helsinki. Auch um Mitternacht ist der Himmel noch hell (Bild: Marcela (Ralf Roletschek), CC-BY-SA 3.0)

Befindet man sich zur richtigen Zeit nördlich des Polarkreises, dann gibt es gar keine Dämmerung: es ist immer hell. Weiter südlich verschwindet die Sonne zwar hinter dem Horizont, es kann aber passieren, dass es keine echte Nacht gibt und zum Beispiel die bürgerliche Abenddämmerung direkt in die bürgerliche Morgendämmerung übergeht (d.h. die Sonne nie tiefer als 6 Grad unter dem Horizont steht). Das sind sogenannte “Weiße Nächte” und man erlebt sie auf allen Breitengraden größer als 60.561° (zum Beispiel in St. Petersburg). In Deutschland sinkt die Sonne immer unter sechs Grad, die nautische Dämmerung beginnt also jede Nacht. Aber nicht immer wird sie auch beendet! Bei Breitengraden größer als 54.561° gibt es zu bestimmten Zeiten im Sommer keine astronomische Dämmerung und die Nacht wird nie richtig dunkel. Das kann man z.B. im Norden Schleswig-Holsteins erleben oder auf Rügen. Im Rest von Deutschland beginnt immer die astronomische Dämmerung aber wenn man sich in Breiten nördlicher als 48.561° befindet dann wird es auch hier im Sommer nicht immer komplett dunkel und die astronomische Abenddämmerung geht direkt in die astronomische Morgendämmerung über. Will man auf jeden Fall eine echte, dunkle Nacht erleben in der die Sonne mindestens 18 Grad unter dem Horizont steht, dann muss man nach Bayern, (West)Österreich oder Italien fahren.

Für die Astronomen ist natürlich oft ärgerlich, wenn es im Sommer nur so kurz dunkel ist. Dann hat man weniger Zeit für Beobachtungen. Aber andererseits ist es auch schön, wenn man abends noch lange das Tageslicht geniessen kann und es draussen schön warm ist. Also: ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen, warmen und hellen Sommer!

Kommentare (38)

  1. #1 Ex-Esoteriker
    11. Mai 2011

    Und wiedermal sehr schön erklärt, danke Florian.

    Aber eins würde ich gerne noch wissen:

    aber wenn man sich in Breiten nördlicher als 48.561° befindet dann wird es auch hier im Sommer nicht immer komplett dunkel und die astronomische Abenddämmerung geht direkt in die astronomische Morgendämmerung über.

    kann man das auch mit bloßem Auge erkennen? Bin ja etwa auf dem 51. Breitengrad zuhause (Chemnitz), aber wenn ich rausschaue, ist es für mich schon sehr dunkel, oder ist dies nur noch mit “Messinstrumenten” zu erkennen?

  2. #2 HaDi
    11. Mai 2011

    kann man das auch mit bloßem Auge erkennen?

    Das Problem ist, dass sich unser Gehirn an die herrschenden Lichtverhältnisse anpasst, nach ca. 15-20 min gewöhnt man sich an die Dunkelheit, und da man die “reale Helligkeit” nicht einschätzen kann, merkt man es nicht. es ist halt Dunkel. Aber im Sommer wird es selbst zur Mitternacht nie so Dunkel wie im Winter.

    Faktisch kannst Du es aber überprüfen, indem Du Dir einen Stern aussuchst, den man gerade noch so mit blossen Auge sehen kann, dessen Helligkeit bei mag 4 bis 5 liegt. Den dürftest Du im Hochsommer bei “nicht ganz so dunkler Nacht” schwer erkennen können. Im tiefsten Winter dagegen schon.

  3. #3 Oliver Debus
    11. Mai 2011

    @ Florian: toller Artikel.
    @ Ex-Esoteriker: Aus der Stadt heraus wird das wohl schwierig. Der Himmerl wird hat nicht mehr richtig dunkel. Ein Vergleich der gerade sichtbaren Sterne könnte der weg sein. Bei absoluter Dunkelheit (weit von jeder Stadt) sollte man Sterne bis zur 6. Größenklasse und evt. sogar eine halbe Größenklasse mehr (als 6,5.) sehen, im Sommer ist das natürlich dann weniger. Aber dem Laien fällt das kaum auf.

  4. #4 Florian Freistetter
    11. Mai 2011

    Ja – genau das was HaDi schreib wollte ich auch gerade vorschlagen. Oder du besorgst dir sowas hier: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/04/lichtverschmutzung-selber-messen.php

  5. #5 Kallewirsch
    11. Mai 2011

    kann man das auch mit bloßem Auge erkennen?

    Müsste man eigentlich. Wenn der Himmel nicht richtig dunkel wird, sieht man die schwachen Sterne nicht mehr, die in einer richtig dunklen Nacht noch problemlos auffindbar sind.

    zuhause (Chemnitz),

    In der Stadt selber?
    Dann hast du sowieso ein Handicap. In der Stadt und in Stadtnähe wird der Himmel sowieso nicht mehr richtig dunkel. Zuviel Lichtverschmutzung.

    aber wenn ich rausschaue

    Du musst das probieren, wenn der Tagbogen auch tatsächlich am längsten ist, die Nacht also am kürzesten. Und das ist der Fall, wenn die Sonne ihren nördlichsten (höchsten) Punkt erreicht hat: zur Sommersonnenwende am (oder um den) 21. Juni

  6. #6 Kallewirsch
    11. Mai 2011

    Was ich mich immer gefragt habe:
    Wenn es nur auf den Winkel ankommt, in dem die Sonnenstrahlen auf den Erboden treffen, dann müsste man doch auch im Winter eine größere Fläche auf sommerliche Temperaturen erwärmen können, indem man sie entsprechend ausrichtet.

    Soweit zu meiner “naiven” Vorstellung aus jungen Jahren. :-)

    Tatsächlich kommt auch noch ein 2.ter Effekt dazu. Wenn die Sonne im Winter nicht so hoch steigt, treffen zwar die Strahlen durchschnittlich in einem flacheren Winkel auf den unebenen Boden ein, aber: sie haben zusätzlich auch noch einen längeren Weg durch die Atmosphäre, geben also auf dem Weg durch die Lufthülle mehr Energie an die Luft ab, als wie wenn sie direkt von oben auf geradem Weg ‘einschlagen”.

  7. #7 Florian Freistetter
    11. Mai 2011

    @Kallewirsch: Naja – stell dir einen Kreis vor der von der Sonne in Richtung Erde “gestrahlt” wird und in dem eine gewisse Menge Energie steckt. Am Äquator trifft der Kreis senkrecht auf und die Energie wird auf eine kleine Fläche verteilt. In der Gegend des Nordpols trifft der Kreis schräg auf die Erdoberfläche und die Energie verteilt sich auf eine größere Fläche; die Energiedichte ist als geringer. Hmm – das müsste man jetzt zeichnen. Hier hats jemand getan: http://www.virtual-maxim.de/wp-content/uploads/2010/06/sonne-strahlen-winkel.png

  8. #8 Ex-Esoteriker
    11. Mai 2011

    Danke für eure Tipps.

    Stimmt, als Stadtkind (auch noch ein früh-ins-Bett-geher) hat man es nicht einfach, dennoch sehr interessant, dass der Himmel über mir nicht “richtig” Dunkel wird.

    Schade, dass es SB nicht schon zwischen 1995-2000 gab, da war mein Interesse allg. der Astronomie höher gewesen. Und wer weis, vielleicht währe ich nie in die Esoecke abgedriftet.

  9. #9 Oliver Debus
    11. Mai 2011

    @ Kallewirsch

    Dazu kommt noch, dass die Sonne im Winter wesentlich kürzer über dem Horizont steht als im Sommer, immerhin beinahe 8 Stunden unterschied in unseren Breiten. Die Sonne hat da faktisch nur die Hälfte der Zeit zum Erwärmen des Bodens.

  10. #10 Oliver Debus
    11. Mai 2011

    @ Florian

    kennst Du die Dia-Serie “Bewegungsverhältnisse im Sonnensystem”? Die kann man frei verwenden und da ist ein schönes Dia zu diesem Thema.

  11. #11 Philip
    11. Mai 2011

    Also, ich glaube, Kallewirsch hatte eine etwas andere Frage gestellt: man stelle sich etwa eine schwarze Kugel vor, die ja aus jedem Winkel gleich aussieht und deswegen auch im Winter nicht “falsch” ausgerichtet ist. Die wird doch trotzdem im Sommer heißer?

    Ich glaube, das liegt tatsächlich am längeren Weg durch die Atmosphäre. Vielleicht hilft hier http://de.wikipedia.org/wiki/Luftmasse_%28Astronomie%29 . Natürlich ist im Sommer die Umgebungstemperatur höher und die Sonne scheint auch länger, aber dass die Atmosphäre sich mehr bemerkbar macht, wenn die Sonne tief steht, kann man ja schon an der Verfärbung beim Sonnenaufgang erkennen.

    Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob eine Solarzelle am Äquator mehr Strom erzeugt oder eine, die im Sommerhalbjahr (März-September) auf der Nordhalbkugel und im Sommerhalbjahr (September-März) auf der Südhalbkugel angebracht ist und immer schön auf die Sonne gezielt wird.

  12. #12 Kallewirsch
    11. Mai 2011

    Kallewirsch hatte eine etwas andere Frage gestellt

    Frage ist übertrieben.
    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der Unterschied Sommer/Winter nicht einfach nur durch den schrägeren Auftreffwinkel (und damit größere Verteilung, wie FF dann noch erläutert hat) zustande kommt, sondern dass da auch noch andere Effekte mitspielen, die allerdings auch wieder damit zu tun haben, dass die Erdachse schräg steht.
    Sozusagen: ganzheitliches Denken, wenn mir der Ausdruck erlaubt ist :-)

  13. #13 Andreas
    11. Mai 2011

    Für die Astronomen ist natürlich oft ärgerlich, wenn es im Sommer nur so kurz dunkel ist. Dann hat man weniger Zeit für Beobachtungen.

    Dann muss man halt zumindest als Hobby-Sterngucker schon früher anfangen, nen Filter vors Teleskop schrauben und die Sonne selbst beobachten. Is auch spannend. Die Krönung wär dabei natürlich ein ISS-Transit inkl. Shuttle:

    http://images.nationalgeographic.com/wpf/media-live/photos/000/210/cache/space96-iss-atlantis-sun-transit_21003_600x450.jpg

  14. #14 klauszwingenberger
    11. Mai 2011

    @ Ex-Esoteriker:

    Zu deiner Ausgangsfrage, ob man die “weißen Nächte” um die Sommersonnenwende herum wahrnehmen kann:

    Heute würde ich das für deinen Standort verneinen. Aber: mir fiel auf, dass einer meiner Lieblingsschriftsteller, nämlich Jean Paul (1763 – 1825) in mehreren Romanen das sommerliche Dämmerungslicht in der Mitte der Nacht beschreibt. Jedenfalls zu dieser Zeit ohne relevante Lichtverschmutzung sollte es also möglich gewesen sein. Zur Erinnerung: Jean Paul arbeitete hauptsächlich in Oberfranken (Hof, Bayreuth), Leipzig und Weimar.

  15. #15 AndreasM
    11. Mai 2011

    @Kallewirsch: Wenn man den Raum um die schräge Zielfläche entsprechend isoliert, wird es dort durchaus fast so heiss wie im Sommer. Moderne Häuser mit grosser Glasfront, die leicht schräg gegen die Sonne gerichtet ist, kommen Mittags im Winter ohne Heizung aus und die erreichten Temperaturen sind ziemlich sommerlich.

    Die Jahreszeiten sind gegenüber dem Sonnenstand eh verzögert (der Sommer beginnt im Juni und hat nicht schon seine Mitte erreicht zur Sommersonnenwende), da Boden und Meere erstmal aufgeheizt werden müssen bzw. zum Winter hin abgekühlt.

  16. #16 stl
    11. Mai 2011

    @AndreasM
    Danke, da kam die Antwort schneller, als ich die Frage getippt habe.
    Ich hörte kürzlich aber, dass man von Belgien nach Osten reise müsse, wenn man einen richtig langen Frühling haben will (oder eher umgekehrt, wenn man Allergiker ist). Der Vollfrühling ist so um die zwei Wochen verschoben. Das hat aber wenig mit der Achsneigung zu tun, oder? Richtung Norden wäre mir logischer vorgekommen.

  17. #17 jochen
    12. Mai 2011

    @ Kallewirsch
    Zum zweiten Effekt ist zu sagen, dass die Atmosphäre durch die Sonneneinstrahlung praktisch nicht erwärmt wird. Die Umwandlung des Sonnenlichts in Wärme, infrarote Strahlung, geschieht erst durch die Wechselwirkung mit dem (Erd-)Boden. Die Luft wird dann durch den erwärmten Boden “energetisiert” ( 😉 ).
    Der flachere Einfallswinkel im Winter würde auch nur in wenigen Minuten vor Sonnenunter- bzw. nach Sonnenaufgang relevant sein, ansonsten ist das bisschen Weg durch die Atmosphäre nicht wirklich spürbar.
    Die infrarote (Wärme-)Strahlung ist es dann auch, die nicht mehr durch Glasscheiben (oder CO2-angereicherte Atmosphäre) nach außen dringen kann, wo vorher das sichtbare Licht problemlos hindurch kam.

  18. #18 Onkel Jörg
    12. Mai 2011

    man kann es auch einfacher formulieren:
    Im Sommer ist es warm!
    und bei Wärme dehnen sich die Sachen aus.
    Also sind die Tage länger!
    QED

  19. #19 Kallewirsch
    12. Mai 2011

    Zum zweiten Effekt ist zu sagen, dass die Atmosphäre durch die Sonneneinstrahlung praktisch nicht erwärmt wird. Die Umwandlung des Sonnenlichts in Wärme, infrarote Strahlung, geschieht erst durch die Wechselwirkung mit dem (Erd-)Boden. Die Luft wird dann durch den erwärmten Boden “energetisiert” ( 😉 ).

    OK. Danke für die Aufklärung und zur Kentniss genommen.
    Dann waren wohl meine Informationen falsch oder ich habe da im Laufe der Jahre was durcheinandergewürfelt. Wahrscheinlich letzteres.

  20. #20 geldi
    12. Mai 2011

    @ Philip

    Eine Solarzelle ist ein schlechtes Beispiel.
    Die die erzeugt an sonnigen Wintertagen mehr Strom als im Sommer.
    Das liegt aber daran das die hohe Temperatur im Sommer den elektrischen Widerstand in der Zelle erhöht.

  21. #21 Engywuck
    12. Mai 2011

    wo kommen eigentlich die Schritte von je 6 Grad zwischen den Dämmerungsarten her? Konvention? Tiefere Gründe? Könnte man z.B. auch 0°-3°, 3°-10° und 10°-20° ansetzen?

  22. #22 Franz Huber
    13. Mai 2011

    @jochen

    Der flachere Einfallswinkel im Winter würde auch nur in wenigen Minuten vor Sonnenunter- bzw. nach Sonnenaufgang relevant sein, ansonsten ist das bisschen Weg durch die Atmosphäre nicht wirklich spürbar.

    Das ist nun wirklich nicht richtig. Die Luftmasse (Stichword “Airmass index”) nimmt relativ schnell mit dem Zenithabstand zu. Und die Luftmasse geht wiederum exponentiell in die Abschwächung ein. Da ist man auch deutlich früher als “nur wenige Minuten” vor dem Sonnenuntergang schon bei Bruchteilen der Strahlungsleistung als beim höchsten Sonnenabstand. Und selbst wenn man die Atmosphärische aborbtion komplett vernachlässigen würde und nur Steuung annehmen würde, würde nur ca. die Hälfte der Strahlung diffus auf die Erdoberfläche gestreut. Die andere Hälfte geht nach oben, zurück in den Weltraum.

    @Kallerwisch,

    Sie haben völlig recht. Ein Effekt ist der, dass durch den niedrigeren Sonnenstand im Winter weniger Energie auf die gleiche Fläche fällt. Genausowichtig, wenn nicht sogar stärker, ist aber tatsächlich der längere Weg durch die Atmosphäre (bzw. richtiger, die größere Luftmasse die mit dem längeren Weg einhergeht), wobei mehr Licht schon in der Atmosphäre absorbiert, bzw. gestreut wird.

  23. #23 jochen
    13. Mai 2011

    @ Franz Huber / Kallewirsch

    Danke für den Hinweis bezüglich Air Mass bzw. Luftmasse.

    Leider habe ich noch nicht herauslesen können, wie stark energiemindernd sich dieser Index bemerkbar macht. Auf jeden Fall wird er aber m.E. nach erst relevant oberhalb eines Zenitwinkels von 60° (AM = 2), von wo aus er in den steilen Teil der Exponentialfunktion übergeht.

    Ich habe versucht, mir die Situation grafisch vor Augen zu führen und ein Bildle gemalt, das ich hier hoffentlich eingestellt kriege:

    http://wortbildwerkstatt.de/gast/atmosphaerenweg.jpg

    Hier ergibt sich für den Extrempunkt “Nördlicher Polarkreis” ein Verhältnis von 1:2,32 in der Weglängendifferenz, für einen Ort auf 48° nördl. Breite von 1:1,832. Jeweils bezogen auf das Verhältnis von tiefstem zu höchstem Sonnenstand im Lauf des Jahres.

    Also ist der Weg durch die Atmosphäre im Winter für einen Punkt am Polarkreis mehr als doppelt so lang. Bei uns etwas weniger als doppelt so lang.

    Wie gesagt, ich habe noch keine Information darüber gefunden, wie groß die Energieminderung sich tatsächlich auswirkt. Bei den ganz flachen Winkeln wird aber tatsächlich die Reflexion einen bedeutenden Anteil ausmachen.

    Meine Argumentation ggü. Kallewirsch aber bezog sich nur auf die Erwärmung der Atmosphäre. Und diese ist meines Wissens praktisch nicht durch das sichtbare Licht gegeben. Erst die Infrarote Strahlung des Erdbodens ist in der Lage, die Luft zu erwärmen. So lernt man es jedenfalls als Segelflieger…

    Wenn aber Kallewirschs Frage schlicht auf die verfügbare Energiemenge durch die Sonneneinstrahlung abzielte, bspw. für Solarzellen, gilt natürlich der Effekt des Luftmassenindexes, wenn auch in der Praxis nicht gar so stark, wie die Antwort von Franz Huber impliziert.

    Oder?…

  24. #24 Oliver Debus
    13. Mai 2011

    @ Engywuck

    Engywuck·
    12.05.11 · 22:51 Uhr

    wo kommen eigentlich die Schritte von je 6 Grad zwischen den Dämmerungsarten her? Konvention? Tiefere Gründe? Könnte man z.B. auch 0°-3°, 3°-10° und 10°-20° ansetzen?

    Die Schritte sind beobachtungstechnisch bedingt. Die bürgerliche Dämmerung (6°) endet wenn die hellsten Planeten und Sterne erster Größe zu sehen sind, die nautische Dämmerung (12°) endet wenn Sterne bis zur 3. Größe zu sehen sind und imwesentliche die hellen Sterne die die markanten Sternbilder bilden zu erkennen sind. Zu dieser Zeit ist auch schon der Polarstern sichtbar.
    Das Ende der astronomischen Dämmerung ist erreicht, wenn es völlig dunkel ist und alle mit bloßen Auge erkennbaren Sterne zu sehen sind. Da nun die Sonne im Sommer um den Termin der Sommersonnenwende nicht mehr die 18° unter dem Horizont erreicht, sind in diesen Nächte auch nicht alle Sterne zu sehen.
    Die Einteilung hat also schon ganz praktische Gründe.

  25. #25 IO
    23. Dezember 2011

    abo

  26. #26 Manfred Dunkel
    22. März 2012

    Die 6 Grad sind einfach relativ grobe Erfahrungswerte.

    Die “Nautische” Dämmerung kommt übrigens daher, dass sie mit dem Verschwinden des Horizonts beginnt. Da der Horizont früher eine wichtige Orientierungshilfe für Seefahrer war, heißt sie daher nautisch. (Ich hoffe, das hat noch niemand geschrieben, der Thread ufert ja ein bisschen aus :D. Ist aber ne gute Sache!!)

  27. #27 niefrey
    Pfaffenhofen Württemberg
    14. Mai 2013

    Meine Tochter stellte mir die Frage: Warum es im Sommer laenger hell ist als im Winter. Ok in deinem Artikel kommt es auf den Ort auf der Erde an dem man sich gefindet an, aber wie das mit den Jahreszeiten im Zusammenhang steht habe ich noch nicht ganz verstanden.

  28. #28 Florian Freistetter
    14. Mai 2013

    @niefrey Also die Jahreszeiten werden ebenfalls durch die Neigung der erdachse verursacht. Weil eben immer eine Hälfte der Erde zur Sonne hin geneigt ist und die andere von ihr weg. Deswegen ist es auf der zur Sonne geneigten Seite länger hell als auf der anderen. Dort ist dann Sommer und auf der anderen Winter. Zusätzlich ist auf der Sommer-Halbkugel die Sonne umso länger am Himmel je weiter man nach Norden kommt,wie im Artikel erklärt. (ganz ausführlich habe ich die Sache in meinem aktuellen Buch ” Der Komet im Cocktailglas” erklärt).

  29. #29 Liebenswuerdiges Scheusal
    14. Mai 2013

    @FF

    Im Werbetrommel rühren wirst immer besser 😉 .

  30. #30 Florian Freistetter
    14. Mai 2013

    @Scheusal: Das hat nicht unbedingt was mit Werbung zu tun. Aber ich habe dort halt alles sehr ausführlich beschrieben. Und wenn ich unterwegs vom Handy aus onöline bin, ist es schwer, die ganzen inks aus meinem Blog zusammenzusuchen und z u posten, wo ich das vielleicht auch erklärt habe.

  31. #31 lara
    29. April 2014

    wir nehmen das gerade in erdkunde durch. ich habe nicht wirklich viel verstanden… meine mutter auch nicht… :(
    ich probiere es lieber woanders…
    es hat mir nicht sehr geholfen!
    na toll, jetzt kann die suche von vorne beginnen…
    ach ja, der text sollte etwas gekürzt werden…
    ist der text für kinder oder erwachsene???

  32. #32 noch'n Flo
    Schoggiland
    29. April 2014

    @ lara:

    ist der text für kinder oder erwachsene???

    Naja, hier lesen nun einmal vor allem Erwachsene mit. Aber schreib’ doch mal, was genau Dir noch unklar ist – vielleicht kann Florian Dir das dann noch genauer erklären.

  33. #33 Florian Freistetter
    29. April 2014

    @lara: “na toll, jetzt kann die suche von vorne beginnen…”

    Es tut mir leid, dass dir mein Artikel nicht gefällt. Allerdings ist mein Blog ja auch kein Hausaufgabenservice…

    “ist der text für kinder oder erwachsene???”

    Der Text ist für interessierte Menschen; aber nicht direkt an Kinder gerichtet.

    Aber was genau hast du denn nicht verstanden? Die Kommentare gibt es ja genau deswegen: damit man nachfragen kann, wenn was unklar ist.

  34. #34 lara
    29. April 2014

    ich brauche so schnell wie möglich eine eklärung

  35. #35 lara
    schlumpfhausen
    29. April 2014

    keiner von uns versteht das…

  36. #36 JaJoHa
    29. April 2014

    @lara
    Betrachte das mal so:
    Die Erde läuft auf einer Kreisbahn um die Sonne (in 365 Tagen).
    Dabei dreht sich die Erde um ihre Achse (alle 24 Stunden).
    Die Ausrichtung der Erdachse ist immer gleich und hat einen Winkel von ca 20° zur Bahnebene.
    Jetzt schau dir mal das Bild oben an. Da sind drei Linien, senkrecht zur Drehachse (das sind Breitengrade). Du wirst durch die Erddrehung an so einer Linie entlangbewegt und zwar ein mal pro Tag. Der gelbe Bereich ist Tag, der blaue Nacht.
    Schau dir mal an wie viel auf dem nördlichen und südlichen Kreis “Tag” und “Nacht” sind.

    Durch das Umlaufen um die Sonne ändert sich die Richtung, von der die Erde angestrahlt wird. nach einem halben Jahr ist blaue Bereich dann Tag und der gelbe Nacht.

    Falls das nicht weiterhilft, versuch mal zu erklären wo die Schwierigkeit liegt.

  37. #37 Florian Freistetter
    29. April 2014

    @lara: Es würde helfen wenn du sagst, WAS genau du an der Erklärung im Text nicht verstehst. Ich kann dir empfehlen, mal ein Planetarium zu besuchen (in Osnabrück gibt es ein schönes). Dort kann man sich das wunderbar “live” ansehen und verstehen. Manche Dinge lernt man halt nicht mal eben an nem einzigen Abend sondern muss sich länger damit beschäftigen. Du kannst auch in die Bücherei deiner Stadt gehen und dir dort die Bücher der “Was ist Was”-Reihe ansehen. Da werden solche Themen auch sehr ausführlich und anschaulich erklärt.

  38. #38 PDP10
    29. April 2014

    “ich brauche so schnell wie möglich eine eklärung”

    Oh je … da muss wohl jemand noch schnell seine Hausaufgaben für morgen fertig kriegen?

    Kenn ich, kenn ich 😉

    Und ich hatte damals nur ein dickes Lexikon und einen Weltatlas und keinen JaJoHa oder Florian, der einem das freundlich erklärt …

    Hier rumzunörgeln, liebe @lara, dass du den Text nicht verstehst, ist dabei auch nicht sehr hilfreich.
    Etwas zu verstehen kriegt man auch nicht immer auf dem Silbertablett serviert. Da muss man sich manchmal schon ein wenig anstrengen.

    Das lohnt sich aber, weils am Ende toll ist, wenn man etwas verstanden hat. Also lass dich nicht aus der Ruhe bringen und versuchst einfach weiter ….