Gerade kommt ja der vierte Teil der “Fluch der Karibik”-Geschichte in die Kinos und Piraten sind wieder mal überall in den Medien präsent. Das hat mich an einen Artikel erinnert, den ich vor einigen Monaten mal gelesen habe. Zwischen Piraten und Astronomen gibt es ja erstmal wenig Gemeinsamkeiten. Ok, so wie alle anderen Seeleute werden auch die Piraten damals astronomische Erkenntnisse benutzt und die Sterne als Navigationshilfe verwendet haben. Aber abgesehen davon fällt mir jetzt spontan wenig ein, was die Freibeuter der Meere mit den Erforschern des Himmels verbindet. Bis auf die Augenklappe…

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Klaus Störtebeker hat ne Augenklappe – zumindest auf diesem Bild an seinem angeblichen Geburtshaus in Wismar (Bild: Karl-Heinz Meurer –Charlie1965nrw, CC-BY-SA 3.0/de)

Die Augenklappe gehört zum Klischeepiraten genauso wie das Holzbein und der Papagei. Ich weiß jetzt auch nicht wirklich, wie weit solche Abdeckungen damals wirklich genutzt wurde. Auch über den Zweck wird immer noch diskutiert. Es wird ja nicht jeder Pirat ein kaputtes Auge gehabt haben, das verdeckt werden musste. Die Mythbuster haben in einer Episode getestet, ob der Grund vielleicht kein medizinisch/kosmetischer war sondern mit der Adaption des Auges zu tun hatte. Auf dem Meer ist es bei Sonnenschein sehr hell, unter Deck auf einem Schiff dagegen meistens sehr finster. Wenn man nun von draussen schnell in das dunkle Innere des Schiffs muss um dort an irgendwelchen Seilen zu ziehen (oder was Seeleute sonst so tun), dann wird es sicherlich erstmal eine gewisse Zeit dauern, bis sich das Auge auf die dunkle Umgebung eingestellt hat. Ist dagegen ein Auge immer mit einer Augenklappe bedeckt, dann braucht man im dunklen Schiffsinneren einfach nur die Klappe von einem Auge zum anderen schieben und hat sofort ein fertig dunkel-adaptiertes Sehorgan zur Verfügung. Geht man wieder hinaus aufs helle Deck, dann wird die Klappe wieder zurückgeschoben und das Auge für den nächsten Einsatz unter Deck geschont.

Ich habe keine Ahnung ob das wirklich so war (hab ich zufällig Piratenforscher unter meinen Lesern?). Es klingt aber auf jeden Fall mal plausibel – und es ist nicht schwer, noch eine Berufsgruppe ausfindig zu machen, die aus einer guten Adaption des Auges Vorteile ziehen kann: die Astronomen. Zumindest dann, wenn sie noch selbst durch ein Teleskop schauen und das nicht den Computer erledigen lassen. Aber bei den Amateurastronomen ist das sicherlich noch immer sehr oft der Fall und auch der eine oder andere professionelle Astronom schaut noch mal selbst durchs Rohr bzw. muss auf jeden Fall die eine oder andere Einstellung an seinem Teleskop vornehmen und das oft im dunkeln. Da ist es praktisch, wenn das Auge vernünftig adaptiert ist und wenn man vorher vielleicht gerade im hell erleuchteten Kontrollraum gesessen ist, ist das nicht der Fall. Christine Graham schlägt daher vor, dass auch Astronomen regelmäßig die Augenklappe tragen sollten. Und sie berichtet vom Tamke-Allan Observatorium des Roane State Community College in Tennesse wo die Astronomen genau das machen.

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Hmm – entweder eine Piratin auf dem Weg zum Hafen oder eine Astronomin unterwegs zur nächsten Sternwarte… (Bild: Infrogmation of New Orleans, GFDL, CC-BY-SA 3.0)

Ich persönlich habe noch keinen augenbeklappten Astronomen gesehen. Hat jemand aus der Leserschaft vielleicht sowas schon mal beobachtet oder benutzt die Augenklappe vielleicht selbst? Prinzipiell fände ich es ja sehr lustig, wenn sich dieser Trend durchsetzen und die Astronomen jetzt alle mit Augenklappe herumlaufen würden. Anderseits gehöre ich ja zu den Theoretikern die selbst nicht beobachten – und wir hätten gegenüber den Beobachtern dann einen wesentlichen Nachteil in Sachen Coolness 😉

Kommentare (40)

  1. #1 Chinthujan Sehasothy
    17. Mai 2011

    Ich als (politischer) Pirat und Astronomie-Interessierter finde diese Idee klasse!! Arrrrr 😉

  2. #2 Anne
    17. Mai 2011

    Interessante Idee mit der Dunkeladaption. Ich glaube aber der Grund für die Augenklappe der Piraten ist ein anderer und auch sehr leicht zu erklären. Es liegt an der Navigation. Es gab einmal eine Zeit da gab es noch kein GPS und die Firma Garmin noch nicht 😉 Kapitäne mussten früher zur Positionsbestimmung auf See den Sextanten oder noch früher den Jakobsstab benutzen. Dazu waren sie tagsüber oft gezwungen die Sonne anzupeilen und direkt hinein zu blicken. Erst mit der Erfindung des modernen Sextanten irgendwann im 17. Jahrhundert hat sich das geändert. Deshalb waren viele altgediente Kapitäne auf einem Auge blind. Piraten bildeten davon keine Ausnahme.

  3. #3 Jan von nebenan
    17. Mai 2011

    Haha, als ich das Bild gesehen habe wusste ich worauf dieser Artikel hinausläuft. Ich dachte aber auch erst an die Sache mit der Navigation, wie von Anne erklärt. Jeden Tag mehrmals in die Sonne gucken kann einfach nicht gut für’s Auge sein!

    Dass Augenklappen für Astronomen sinnvoll sein könnten hatte ich allerdings auch schon einmal gehört. Das kann man zur Zeit ja sogar testen, ohne dass man damit großartig auffallen würde. 😉

  4. #4 Taunide
    17. Mai 2011

    Ich habe selbst schon nach sehen der Mythbusterepisode den Augenklappentrick ausgetestet und muss sagen das funktioniert dermaßen gut das ich mir tatsächlich vorstellen kann das die Augenklappe eine Art vortechnisches Nachtsichtgerät war.

    Andererseits müsste dann allerdings die halbe Crew eines Schiffes eine Augenklappe tragen respektive die Augenklappen in der Freizeit abgelegt werden.

    Nicht zu unterschätzen ist allerdings der Verlust des räumlichen Sehens was die Handlungsfähigkeit des Piraten dauerhaft einschränken würde.

    Als Kind wurde mir auch immer erzählt das die Augenklappe ihre Ursache in der Navigation mit Jakobsstab und Sextant hätte, die Logik gebietet mir aber zu Vermuten das kein Pirat wissenlich und willentlich sein Augenlicht auf diese Art zerstören würde.

    Ich könnte mir vorstellen das irgendwann ein kluger Kopf dahinter kommen würde das man mit einer berußten Scheibe die schädliche Wirkung auf die Augen zumindest reduzieren könnte.

    Wäre das hier eine Wahl so würde meine Stimme auf die verbesserte Hell-Dunkel Adaption entfallen.

    Unf für alle interessierten: einfach mal ausprobieren. Zwei bis drei Minuten in der hellen Sonne und dann in den dunklen Keller reichen für ein wahrhaft erstaunliches Erleben.

  5. #5 Qilara
    17. Mai 2011

    Also das mit der Adaption glaub ich nicht, ich habe nämlich mal vor dem Spiegel folgende Beobachtung gemacht: ich blickte mit beiden Augen in den Spiegel und achtete auf die Pupillengröße. Dann deckte ich mit einer Hand ein Auge ab und die Pupille des nicht abgedeckten Auges erweiterte sich ein wenig.

    Das deckt sich auch mit der Aussage von Wikipedia zum Pupillenreflex: “In den Edinger-Westphal-Kernen findet eine Verschaltung auf den parasympathischen Anteil des Nervus oculomotorius statt. Über das Ziliarganglion wird der Musculus sphincter pupillae zur Kontraktion angeregt und damit die Pupille verengt. Da einerseits beide prätektalen Kerne über die Commissura posterior verbunden sind und von jedem Auge eine Verknüpfung zu beiden prätektalen Kernen besteht, wird der Reflex von beiden Augen gleichzeitig durchgeführt, auch wenn nur ein Auge plötzlich beleuchtet wird.”

    Dass die Piraten aber wegen des Sonne-guckens mit der Zeit blind wurden, scheint mir durchaus plausibel.

  6. #6 Roland
    17. Mai 2011

    Wenn’s an der Adaption gelegen haben sollte – sollte man dann nicht erwarten, daß sie die Klappe nachts oder bei Regen und Sturm abgenommen hätten, und daß es dafür irgendwelche Berichte gäbe?
    In den Filmen tragen fast immer nur die Kapitäne Augenklappen – auch wenn das natürlich nicht der Realität entsprechen muß, deutet es doch eher auf die Erklärung von Anne hin. Der Skipper rennt auch nicht ständig rein und raus (abgesehen davon zieht man auf Segelschiffen keine Seile “im dunklen Inneren”, die Bedienung erfolgt komplett im Freien. Ist ja auch klar, zum einen hat man an Deck mehr Platz, zum anderen wäre jeder Seildurchgang durch das Deck eine Wassereinbruchsstelle.
    Wär auf jeden Fall mal interessant zu wissen, wieviele Augenklappen überhaupt getragen wurden und ob sie sich auf Piraten beschränkten oder auch in der Handels- und Kriegsmarine verbreitet waren.

  7. #7 Qilara
    17. Mai 2011

    Andererseits gibt’s ja auch noch die Adaptation der Netzhaut, die wesentlich länger dauert als die der Pupillen – geschieht das in beiden Augen unabhängig voneinander? (Dann kann ich durchaus an die Adaptations-Erklärung glauben)

  8. #8 Daniel Fischer
    17. Mai 2011

    Die Augenklappen-Methode wird gelegentlich bei totalen Sonnenfinsternissen benutzt, um die Sichtbarkeit der äußeren Korona zu verbessern: Noch bis direkt zum Totalitätsbeginn ist es ja noch so hell, dass die normale Dunkeladaption nicht funktioniert. Manche schwören drauf; ich hab’s selbst mal probiert (eigens eine Klappe in der Apotheke besorgt), fand aber dann den Adaptions-Unterschied zwischen dem beklappten und dem freien Auge so störend, dass kein Gewinn zu verzeichnen war. Man müsste idealerweise beide Augen bis unmittelbar nach dem 2. Kontakt geschlossen halten …

  9. #9 Anne
    17. Mai 2011

    Für diejenigen, die es nicht glauben sei das Prinzip kurz erklärt. Bis zum 18. Jahrhundert waren Navigatoren auf See darauf angewiesen die geografische Breite durch Anpeilen eines Himmelskörpers und der Bestimmung dessen Winkels zum Horizont zu bestimmen. Dazu wurde bis zum 17. Jahrhundert der um 15. erfundene Jakobsstab und danach der Oktant bzw. Sextant benutzt. Tagsüber wurde hierbei die Sonne angepeilt. Sowohl beim Jakobsstab als auch beim Sextanten blickt man dazu mit einem Auge direkt in die Sonne. Das führte dazu das Kapitäne mit den Jahren auf wenigstens einem Auge Verbrennungen der Netzhaut erlitten und so nach und nach ihr Augenlicht einbüßten. Erst der moderne Sextant hatte Filtergläser um das Sonnenlicht abzuschwächen.

  10. #10 Markus B
    17. Mai 2011

    Ich bin Hobbyastronom und benutze oft eine Augenklappe. Aber nicht wegen der Dunkeladaption, sondern weil ich dann entspannter beobachten kann, wenn ich nicht immer ein Auge zukneifen muss.

  11. #11 Jesus würde Sonnenbrillen tragen !
    17. Mai 2011

    .

  12. #12 noch'n Flo
    17. Mai 2011

    @ Qilara:

    Also das mit der Adaption glaub ich nicht, ich habe nämlich mal vor dem Spiegel folgende Beobachtung gemacht: ich blickte mit beiden Augen in den Spiegel und achtete auf die Pupillengröße. Dann deckte ich mit einer Hand ein Auge ab und die Pupille des nicht abgedeckten Auges erweiterte sich ein wenig.

    In der Medizin nennt man das “konsensuelle Pupillenreaktion”, im Gegensatz zur “direkten Pupillenreaktion”, bei der die Pupille des Auges, in das das Licht fällt, reagiert. Mit der konsensuellen Pupillenreaktion kann man bestimmte Formen der Blindheit voneinander unterscheiden.

    Aber die Dunkeladaption beruht nicht nur auf der Pupillenweite, sondern auch auf dem Erregungsniveau der Zellen der Netzhaut. Und dieses wird durch die Augenklappe ja sehr gut gesenkt, so dass diese aus medizinischer Sicht durchaus ein sinnvolles Hilfsmittel beim häufigen Wechsel zwischen hellen und dunklen Räumen sein kann.

    Arrrrh!

  13. #13 geldi
    17. Mai 2011

    @ Markus B
    Aus dem selben Grund wurde sie auch früher von eingen Kammeraleuten benutzt.
    Man muste ja sozusagen mit dem Auge ins Okular kriechen damit man den Film nicht von hinten belichtet.
    Dank Videoausspiegelung bzw Digitalkammera haben wir das heute aber nicht mehr nötig.

  14. #14 MartinM
    17. Mai 2011

    Ich habe mich, bei Recherchen für einen historischen Roman, mit dem “Piraten mit Augenklappe” mal etwas näher beschäftigt. Vorweg: die Erklärung mit der Sonne und der Navigation stimmt – zum Teil.
    Bei den vor 1600 gebräuchlichen Navigationsinstrumenten, vor allem dem Jakobsstab, maß man den Stand der Sonne über dem Horizont, indem man direkt in das gleißende Licht schaute, wobei allenfalls mit Ruß eingedunkelte Augengläser nur begrenzten Schutz boten. Einige Jahre derartige Beobachtungen konnte das Augenlicht ruinieren – aber die Beobachtungen mussten gemacht werden. Unter zwanzig alten Kapitänen soll es nicht einen gegeben haben, der nicht auf einem Auge blind war, da er, um seinen Weg zu finden, jeden Tag in die Sonne starren musste.

    Aber schon In der “großen Zeit” der Freibeuter in der Karibik im 17. Jahrhundert war diese Berufskrankheit der Navigatoren vermeidbar. Der englische Navigator und Entdeckungsreisende John Davis erfand 1595 den Backstaff, auch Back-Quadrant oder nach seinem Erfinder Davis-Quadrant genannt. Bei diesem Instrument steht der Navigator mit dem Rücken zur Sonne und riskiert nicht mehr sein Augenlicht. Der Winkel zwischen Sonne und Horizont wird indirekt, mittels eines Schattenwerfers bestimmt.
    Verzerrungsfreie Filtergläser gab es ab dem 17. Jahrhundert; sie machten es möglich, die Sonne mit dem Oktatanten bzz. später dem Sextanten wieder direkt anzupeilen. Dabei kann es hilfreich sein, das “freie Auge” währen der Beobachtung zu bedecken.

    Bei vielen Seeleuten war das blinde Auge die Folge einer Kriegsverletzung.
    Wenn eine Kanonenkugel auf ein hölzernes Schiff traf, führte der Einschlag zu einem dichten Hagel an kleinen und größeren Holzsplittern. Die verheerende Splitterwirkung von Kanonentreffern auf hölzernen Schiffen wird in den meisten Piraten- und Seekriegs-Filmen viel zu harmlos dargestellt. Der einzige Film, in dem wirklich überzeugend gezeigt wird, wie sich solide hölzerne Bordwände, Masten und Spieren sich unter Kanonentreffern regelrecht in Wolken aus scharfkantigen Holzsplittern auflösen, und der auch einen Eindruck davon gibt, welche Wunden diese Splitter verursachen, ist “Master and Commander”. Schon ein winziger Splitter kann ein getroffenes Auge zerstören. Das prominenteste Opfer eines Splitters war Admiral Lord Horatio Nelson, der im Gefecht vor Korsika 1793 am rechten Auge verwundet wurde, und durch eine Entzündung die Sehkraft auf diesem Auge verlor. (Allerdings trug Nelson auf dem blinden Auge keine Augenklappe.)

  15. #15 karl
    17. Mai 2011

    Meines Zeichens auch Hobbyastronom wie Markus. Aber ich benutzte den Trick mit der Augenklappe nicht nur für das entspanntere Beobachten, sondern tatsächlich um die Dunkeladaption zu erhalten. Durch den Führungsbetrieb auf unserer Sternwarte ist man immer wieder mal gezwungen kurz ins Helle zu gehen und mit dem Trick kann man sich auf der dunklen Plattform sofort wieder orientieren und natürlich auch beobachten. Die Dunkeladaption ist ein chemischer Prozess, der sehr viel Zeit benötigt. Vielleicht ist das nicht allen klar, aber für eine vollständige Dunkeladaption brauchtes bis zu einer halben Stunde. Der Augenklappentrick zeigt auch, dass die beiden Augen bzgl. der Chemie weitgehend unabhängig voneinander reagieren, sonst würde das ja nicht funktionieren.

    Insofern halte ich die Annahme für sehr plausibel, dass bei einem häufigen Wechsel zwischen dem lichten Deck und dem düsteren Schiffinneren bei unzureichender Beleuchtung (sicherlich haben die damals nicht unnötigerweise sehr viel “Feuer” zur Beleuchtung brennen lassen und noch heute ist Feuer die größe Gefahr für ein Schiff) die Augenklappe wertvolle Dienste geleistet hat.

    cs

  16. #16 Roland
    17. Mai 2011

    Man muste ja sozusagen mit dem Auge ins Okular kriechen damit man den Film nicht von hinten belichtet.

    Man musste “bis ins Okular kriechen”, weil das Sucherbild klein war und aus der Entfernung nicht zu überschauen, aber das ist bei Spiegelreflexkameras nicht anders (viele Sucher waren ja nichtmal mit Brille zu überschauen). Die ersten Sucher waren völlig abgekoppelt vom Objektiv, später kamen mit den Zoomobjektiven Prismen auf. Lichteinfall “von hinten” konnte allerdings bei der Belichtungsmessung problematisch sein.
    Allerdings war eine Augenklappe sicher hilfreich, damit man nicht lange Zeit ein Auge zukneifen musste.

  17. #17 tetrian
    17. Mai 2011

    “Do what you want cause a pirate is free. You are A pirate!”

  18. #18 Taunide
    17. Mai 2011

    Ein kurzer Nachtrag noch, ich denke auch das die Pupillenreaktion nicht so viel zur Adaption beiträgt wie das Rhodopsin (Sehrpurpur) welches sich nur recht langsam regeneriert. http://de.wikipedia.org/wiki/Rhodopsin

    Ich möchte die Erblindungsthese beileibe nicht ausschliessen, nur wäre ein auf Wunsch zuschaltbares Nachtsichtgerät aüßerst praktisch und ich kann mir sehr gut vorstellen das es teilweise auch so eingesetzt wurde.

  19. #19 KommentarAbo
    17. Mai 2011

  20. #20 AndreasB
    17. Mai 2011

    Die Hypothese mit dem Erblinden wegen regelmäßigem Blick in die Sonne finde ich weniger plausibel. Warum sollte man ein blindes Auge noch mit einer Klappe abdecken?

  21. #21 geldi
    17. Mai 2011

    Richtig Roland.
    Ohne rein zu kriechen sah man garnicht das komplette Bild, das Zielkreuz aber durchaus.
    Man muste aber bei der Arriflex 35 IIc und auch bei der 35 III das Okular schliessen oder zuhalten wenn man schwenkte und dabei nicht durchsah, weil man z.B. die Positionen auf dem Stativkopf markiert hat.
    Sonst kam nämlich von hinten etwas Licht rein.

  22. #22 geldi
    17. Mai 2011

    Ergänzung :
    Eine Spiegelreflex Filkammera funzt anders als ein Fotoaperat.
    Sie hat eine verspiegelte Sektorblende und wenn der Sektor offen ist fällt durhaus Licht durch den Sucher auf dem Film.
    In Europa bei 50hz Stromnetz ist die Sektoröffnung 180° bei TV-Produktionen.
    Daraus resultiert eine feste Belichtungzeit von 1/50 sec bei 25 FPS.

  23. #23 caesar
    17. Mai 2011

    Geht man wieder hinaus aufs helle Deck, dann wird die Klappe wieder zurückgeschoben und das Auge für den nächsten Einsatz unter Deck geschont.
    Warum noch zurück schieben? Jedes Mal wechseln wäre doch viel einfacher.

  24. #24 Florian Freistetter
    17. Mai 2011

    @caesar: Ja, klingt plausibel. Aber ich hab nur nen Binnensegelschein; mit Piraterie hab ich wenig Ahnung 😉

  25. #25 miesepeter3
    17. Mai 2011

    @Florian Freistetter

    Süßwasserpirat??

  26. #26 Dirk Westermann
    17. Mai 2011

    Bei der Dame auf dem Foto handelt es sich um eine Pastafari im Kampf gegen die Klimaerwärmung, Ramen!

  27. #27 Dausch
    17. Mai 2011

    Ich habe da noch eine alternative Idee: Könnte die Augenklappe nicht als Schutz gedacht gewesen sein, so dass auch im schlimmsten Fall (z.B. dem oben beschriebenen Holzsplittern oder bei anderen, “alltäglichen” Unfällen an Bord) wenigstens ein Auge garantiert heil blieb?

    Ich kann mir vorstellen, dass jeder Pirat höllische Angst davor hatte, auf See völlig zu erblinden und so zum “nutzlosen Proviantverzehrer” zu werden…

  28. #28 noch'n Flo
    17. Mai 2011

    @ Dirk Westermann:

    Bei der Dame auf dem Foto handelt es sich um eine Pastafari im Kampf gegen die Klimaerwärmung, Ramen!

    Mögen Dir die Fleischbällchen niemals ausgehen.

    Arrrrh!

  29. #29 TheBug
    17. Mai 2011

    @all: “Pirat” nicht “Piratin”, Piraten gendern nicht.

    Sorry, noch BPT geschädigt 🙂

  30. #30 medizynicus
    17. Mai 2011

    klingt logisch… stimmt aber nicht:
    Beim Gesunden Menschen löst der Lichteinfall in ein Auge immer auch die Pupillenreaktion beim anderen Auge aus.
    Diese sogenannte “konsensuelle” Lichtreaktion ist für jeden Arzt ein wichtiger einfacher diagnostischer Standard-Test.

  31. #31 Stefan W.
    18. Mai 2011

    @AndreasB

    Warum sollte man ein blindes Auge noch mit einer Klappe abdecken?

    Weil man, wenn man das gesunde Auge abdeckt, gar nichts mehr sieht. 🙂

    Das mit der Adaption könnte ich mir vorstellen, wenn man mir plausibel machte, dass die Seeleute tatsächlich häufig unter Deck laufen mussten, was mir ganz und gar nicht plausibel erscheint. Eher hätte man ein paar Leute permanent unter Deck gehalten – nicht?

    Säbelverletzungen im Auge, die überlebt wurden, finde ich auch schwer nachvollziehbar. Als Angreifer stocher ich doch noch mal nach, und bin im weichen Hirn der Zielperson – ne, ne!

    Splitter – tja, das hat was für sich.

    Prävention gegen Splitter überzeugt mich nicht. Im Kampfgetümmel hilft mir ein 2. Auge vielleicht zu überleben. Lieber Einäugig, und lebend, als tot mit 2 intakten Augen.

    Wenn, wie MartinM schreibt, seit ca. 1600 alle mit sicheren Sextanten arbeiteten, aber auch wenn nicht, dann stellt dennoch die Frage, wie der Pirat als Popfigur zur Augenklappe gab. Es kann ja einige wenige, populäre Vorbilder geben, und wenn man mal eine festes Symbol hat, dann wird es tradiert und tradiert, und übertrieben und übertrieben. Aber dazu müßte man wohl bildende Kunst, Literatur, Bühne und Film analysieren.

    Als Kind habe ich mich noch gefragt, wieso so viele Piraten eine Augenklappe haben. Aber als niemand kam, die Frage zu beantworten, habe ich mich irgendwann damit abgefunden, und erst jüngst ist die Frage in mir wieder aufgewacht. Als Regisseur hätte ich aber auch die Piraten mit Klappen ausgestattet.

    Woher kennt man in unserem Kulturraum Piraten? Störtebecker, Pippi Langstrumpf, Tom Sawyer?, Robinson Crusoe, Meuterei auf der Bounty, …? Man könnte versuchen herauszufinden, ob die Klappengeschichte eine moderne Unart ist, oder ob schon Zeitgenossen der Piraten diese so darstellten.

  32. #32 Qilara
    18. Mai 2011

    @medizynicus

    Das sagte ich gestern schon, wurde aber durch “noch’n Flo” eines Besseren belehrt: “Aber die Dunkeladaption beruht nicht nur auf der Pupillenweite, sondern auch auf dem Erregungsniveau der Zellen der Netzhaut. Und dieses wird durch die Augenklappe ja sehr gut gesenkt,… ” (Man möge mir verzeihen, ich weiß nicht, wie das mit dem zitieren geht)

    Das habe ich gestern mal ausprobiert – hab beim Zähneputzen im hellen Bad ein Auge zugehalten und dann beim Licht ausmachen gleich geguckt. Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, man hat ganz am Anfang den Eindruck, man sei auf dem einen (vorher nicht zugehaltenen Auge) blind. Und wenn man dann abwechselnd die Augen auf und zu macht, dann merkt man ganz deutlich den Unterschied.

  33. #33 YeRainbow
    18. Mai 2011

    Dunkeladaption beim auge dauert ca 20 Minuten (gibt auch ne Helladaption, die geht fixer, genügt halt aber nicht).

    Beide Augen adaptieren ziemlich unabhängig (grob gesagt). Daher ist es durchaus sinnvoll, wenn man nachts mal zum Pinkeln raus muß, nur mit einem auge zu lunzen. Das andere ist dann noch dunkel-adaptiert und zeigt einem den Weg zum Bett zurück (hier das andere zukneifen), um den Ehegespons nicht mit Licht zu nerven.

    Wie sich das für einen Astronomen noch verwenden ließe, weiß ich nicht – mir scheints immer schon allgemein sehr praktisch zu sein.
    Augenklappe brauchts da nicht extra. Kriegt man auch so hin.

  34. #34 MartinM
    18. Mai 2011

    @ Stefan W.
    Bei meinen Recherchen bin ich auch der Frage nachgegangen, ab wann die Augenklappe zum Piratenklischee gehört.
    Praktisch alle frühen Piratenromane beruhen auf zwei Quellen: Alexandre Olivier Exquemelins “The Buccaneers of America” aus dem Jahr 1684, ein autobiographischer Bericht, und Captain Charles Johnsons “A General History of the Robberies and Murders of the most notorious Pyrates” aus dem Jahr 1724, eine Art “Geschichte der Piraterie im 17. Jahrhundert.
    Aus diesen beiden Büchern stammt das Augenklappe-Klischee jedenfalls nicht.
    Es gab aber ein anderes Klischee, des des ehemaligen Seemanns bzw. alten Seemanns – der meistens wegen einer schweren Verletzung (Amputation, fehlendes Auge, Blindheit, Taubheit) oder seines Alters nicht mehr “vor dem Mast” fahren kann, meistens schwer trinkt bzw. Alkoholiker ist, mit den Leben an Land nicht mehr zurecht kommt, und daher sein Lebensunterhalt mit Betteln und Kleinkriminalität bestreitet. Es gab bis ins 19. Jahrhundert hinein in jeder Hafenstadt Menschen, die (zumindest bei flüchtiger Betrachtung) diesem Klischee entsprachen und es (scheinbar) bestätigten.
    Hinzu kam das Bild des Seeoffiziers. Ein Seeoffizier in der Kriegsmarine hatte ein mindestens ebensogroßes Risiko, schwer verletzt zu werden, wie jedes einfache Besatzungsmitglied. (Mindestens, weil die gegnerischen Scharfschützen natürlich auf das Achterdeck, wo die Offiziere sich aufhielten, zielten.) Andererseits beendete eine Amputation oder ein blindes Auge, anders als bei einem körperlich arbeitenden Matrosen, nicht die Karriere eines Offiziers. Eine altgedienter Kriegsschiffskapitän oder ein Admiral hatte also deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt ein Holzbein, eine Hakenhand oder eine Augenklappe.
    Beide Klischees – das des körperbehinderten, saufenden und “unehrlichen” Ex-Seemanns und das des Seeoffiziers mit Holzbein, Hakenhand und Augenklappe – verschmolzen spätestens in Robert Stevensons “Treasure Island” zum Piratenklischee.

    Zu der Frage, wieso ein blindes Auge mit einer Augenklappe bedeckt wurde: Lord Nelson trug z. B. keine, allerdings war sein blindes Auge auch erst beim näheren Hinsehen als “blind” zu erkennen. Es ist selbstverständlich sinnvoll, ein zerstörtes oder fehlendes Auge abzudecken. Beim “blinden” Augen infolge häufigen in die Sonne-Starrens bleibt in der Regel ein Sehrest. Eine sehr unterschiedliche Sehleistung der Augen irritiert – das weiß ich (stark kurzsichtig, ehemals Kontaktlinsenträger) aus eigener Anschauung. Ich kann mir vorstellen, dass ein fast blindes Auge zusammen mit einen guten Auge so sehr irritiert, dass es einfach angenehmer ist, das fast blinde Auge mit einer dunklen Klappe zu verdecken.

  35. #35 YeRainbow
    18. Mai 2011

    Dem letzteren kann ich widersprechen. Das Hirn kann sehr wohl lernen, die Wahrnehmung(sreste) eines auges zu unterdrücken.

    Vermutlich will man mit der Augenklappe doch wohl eher die Umwelt schonen. Eine leere Augenhöhle sieht nicht für jeden hochinteressant aus. und wenn sich dann noch Fliegen reinsetzen… (damals war Parasitenbefall sicher die Regel, nicht die Ausnahme)

  36. #36 Basilius
    18. Mai 2011

    Schöner Artikel.
    Mal endlich wieder was ganz anderes. Und der Weg von den Piraten zu den Astronomen ist sehr schön hingebogen.
    ^_^

    Letztlich halte ich aber die Idee von dem tradierten Klischee, wie von MartinM gerade angesprochen, für die wahrscheinlichste Erklärung. Hier kann man mehr dazu lesen:
    http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/EyepatchOfPower

    TV-Tropes ist in letzter Zeit irgendwie meine Lieblingsseite geworden, wenn es darum geht zu verstehen, wie schräg Menschen ticken. Außerdem liebe ich einfach Geschichtenerzählungen und deren Funktionsmuster…
    (Wobei man in diesen Artikeln nicht notwendigerweise zum Verständnis gelangt, aber zumindest sehr oft zu schöner Heiterkeit. Und lachen ist ja gesund 🙂

  37. #37 Anhaltiner
    18. Mai 2011

    Ich zweifele daran, das ein Pirat aus kosmetischen Gründen eine Augenklappe getragen hat. Ein Holzauge (falles es noch keine Glasaugen gab) sieht bestimmt gefährlicher aus. Ich vermute eher einen TAN (Tätigkeits- und Ausbildungsnachweis, falls Ungediente mitlesen): wer lange zur See gefahren ist und in zahlreichen Schlachten mitgekämpft hat (oder dies wenigstens behaupten muss) kann doch nicht unverletzt geblieben sein. (nich das der Käpt. noch ein Brückeberger ist) Eine Augenklappe spielt wohl am einfachsten eine Kriegs-/ Einsatzverletzung vor. Als “Splitterschutz” würde ich dann doch eine Metallklappe bevorzugen, es scheint aber die Klappen waren aus Leder oder Stoff (wohl immer schwarz)

    @Anne muss ich vor dem Geist deines Ur-(UrUr?)Großvater Angst haben???

  38. #38 Roland
    18. Mai 2011

    Auf der Rückseite der Augenklappe hätte man auch etwas taschendiebsicher verstecken können, den Safeschlüssel vielleicht oder einen Notfallzettel mit dem Hinweis “Steuerbord ist rechts, Backbord ist links”.

    “Brückeberger” ist übrigens ein schönes Wort für die, die sich auf der Brücke des Schiffs vor Arbeit drückten.

  39. #39 Anne
    18. Mai 2011

    @Anhaltiner…. wer weiss 😉
    soll ich ihn mal fragen?

  40. #40 Slammer
    22. Mai 2011

    Kennt denn niemand mehr das gute alte “Monkey Island”? Dort wurde ein für alle Mal geklärt, daß die Augenklappe daher kommt, daß sich die Piraten das Auge mit dem Löffel im Grogbecher ausstechen…