Weiter gehts! In Wien wird immer noch getagt und die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften (GWUP) hatte auch gestern wieder ein spannendes Vortragsprogram. David Gruber (lest auch seinen Blog!) hat auch diesmal den Tag wieder zusammengefasst (und wer nachlesen will, was am ersten Tag los war, kann das hier tun)



Am Vormittag hat die geschlossene GWUP Mitgliederversammlung stattgefunden, über die ich Stillschweigen bewahre, da ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob ich darüber berichten darf. Deshalb beschränke ich mich auf die Vorträge des Nachmittags, die auch gleich mit einer Koryphäe angelaufen sind.

Edzard Ernst – Quo vadis Alternativmedizin?

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Edzard Ernst

Der erste Sprecher des heutigen Tages war Prof. Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der Universität von Exeter (England).
Zuallererst verwies er auf ein Zitat von Mark Twain, der da sagte: “Vorhersagen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.”

Laut Ernst, definiert und benennt sich die Alternativmedizin in 5 Jahresabständen regelmäßig neu. Was wir zur Zeit als Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) kennen, heißt neuerdings “integrative Medizin”. Grundsätzlich enthält die unorthodoxe, alternative, komplementäre, integrative Medizin eine Fülle an Methoden, die bei näherer Betrachtung sehr wenig miteinander zu tun haben.

Und CAM erfreut sich, zumindest in Deutschland, an großer Beliebtheit, denn ca 65% der Menschen in Deutschland (und fast jeder Krebspatient) nehmen mindestens einmal pro Jahr die Leistungen der Alternativmedizin in Anspruch. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass CAM von den Medien stark gepusht und gehypt wird. Allein 300 Artikel pro Monat finden sich in der englischen Tagespresse über CAM.

Der zweite Teil des Vortrags beschäftigte sich mit mehreren unhaltbaren Behauptungen der CAM.

  • a) xy ist wirksam
  • Hierzu brachte Edzard Ernst die Chiropraktiker als Beispiel. 95% bis 100% aller britischen Chiropraktiker (und ich vermute mal nicht nur die britischen) erheben Ansprüche auf Heilung, die auf keinerlei Evidenz basieren: Angeblich können Kindercholiken, das lebensgefährliche Asthma, Bluthochdruck u.v.m. mittels der Geradestellung der Wirbelsäule behandelt werden.

  • b) xy kann nicht wissenschaftlich geprüft werden
  • Dies ist eine beliebte Aussage der Alternativmediziner, die behaupten, dass ihre Methoden nur individuell getestet werden können, sprich: Sie fragen einfach ihre Patienten, ob es ihnen nach der Behandlung besser geht. Man spricht hier von der “empfundenen Effektivität” und diese wird als Ersatz für Evidenz angesehen. Ein zusätzliches Argument, welches häufig gebracht wird, ist das Argument des “Alters”. xy gibt es schon seit z Jahren (z so um die 1000 und mehr), deshalb muss es wirksam sein, sonst hätte es sich nicht so lange halten können. Professor Ernst macht aber klar, dass alle Methoden mittels klinischer Studien überprüft werden können (darauf wettet er sogar eine Flasche Rotwein).

  • c) Es gibt keine Geldmittel für CAM und noch weniger um sie genauer zu erforschen.
  • Zur Entkräftung dieser Behauptung sollte das folgende Bild genügen, welches David Beckham bei LA Galaxy zeigt. Man beachte den Sponsor von LA Galaxy:

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  • d) CAM ist natürlich und deshalb risikofrei
  • Wie sicher diese Methoden sind, ist nicht ganz klar. Im Jahre 2006 hat Ernst zusammen mit einigen anderen Mitarbeitern eine Studie zu diversen CAM Therapien veröffentlicht, wo gezeigt werden konnte, dass sehr wohl Nebenwirkungen auftreten, sich diese aber im Bereich um die 10% bis 20% bewegen (je nach angewandter Therapieform: Homöopatie, Akupunktur, Chiropraktik).

Wie sieht es nun aber mit der Beweislage für CAM aus.
Tatsächlich ist es so, dass es ca. 20 Therapien gibt, die wissenschaftlich gut belegt sind. Als Beispiel führt Edzard Ernst Akupunktur an, wo es tatsächlich positive Befunde gibt, die über den Placeboeffekt hinaus gehen und zeigen, dass Akupunktur bei Schmerzen (z.B. bei Arthrose) wirksam ist.

Als Intermezzo stellte er noch den Fall zwischen Simon Singh und der “British Chiropractic Assiciation” vor. Hierzu verlinke ich wohl am besten zu diesem Artikel.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten Methoden der CAM nicht auf wissenschaftlicher Evidenz basieren (aber manche tun es) und dass sie nicht mit großen Riskien verbunden sind (aber manche sind es). Prinzipiell ist die Untersuchung und Beleuchtung von CAM möglich und notwendig. Als Schlusswort führte Prof Ernst an, dass jeder, der mit Medizin zu tun hat, aber nicht an evidenz-basierte Medizin glaubt, sich schlicht gesagt im falschen Business befindet (erinnerte mich ein wenig an Tim Minchins Aussage: alternative medicine has either been proven not to work or not been proven to work.)

Edzard Ernsts nüchterne Meinung zur Homöopathie ist, dass sie eigentlich ein Dogma, und ein Fortschritt der Letztgenannten deshalb schlichtweg unmöglich sei. “Wenn die Homöopathen eine Kirche Hahnemanns gründen wollen und ein Glaubensbekenntnis ablegen wollen, bitte. Aber sie sollen die Medizin in Ruhe lassen.”

Im Anschluss an Prof. Ernsts Vortrag gab es noch eine 15 minütige Fragerunde. Da wurde von einem Zuhörer u.a. angemerkt, dass Sham-Akupunktur (also der Einsatz von Teleskopnadeln, die nicht stecken bleiben) seiner Meinung nach keine gute Methode sei, um Akupunktur auf den Placeboeffekt zu testen, weil diese Art der Nadeln nicht schmerzen, dies aber als Voraussetzung für die Akupunktur gilt (stimmt das? Habe ich vorher noch nie gehört?). Edzard Ernst argumentierte, dass eine ganze Doktorarbeit hinter der Entwicklung dieser Nadeln steckt. Im Weiteren wurden sie mit Hilfe der Patienten selbst entwickelt. Somit wurde sichergestellt, dass die Patienten keinen Unterschied zwischen wahrer und vorgegaukelter Akupunktur feststellen konnten.
Eine weitere Frage war, warum Akupunktur ausgerechnet bei der Schmerzlinderung von Arthrose wirksam ist, aber nicht bei anderen Formen von Schmerz. Laut Ernst liegt das darin begründet, dass es für die Akupunkturbehandlung von Arthrose die meisten Studien gibt, die außerdem noch eine akzeptable Qualität haben. Möglicherweise zeigen zukünftige Studien, dass Akupunktur eine Therapieform für andere Schmerzarten hilfreich sein kann. Er wollte dann aber nicht zu viel spekulieren bzw. im Kaffeesatz lesen.

Michaela Noseck – Energie als Metapher in CAM

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Bevor ich versuche den Inhalt dieses Vortrags zusammenzufassen, muss ich gestehen, dass ich leider große Mühe hatte ihm zu folgen. Dies lag wohl hauptsächlich an meiner Müdigkeit. Infolgedessen, wird dieser Beitrag leider nur sehr kurz und sicherlich unvollständig ausfallen. Allerdings hat Bernd Harder hier den Vortrag sehr viel besser zusammengefasst und dokumentiert.

Soweit ich verstanden habe, wollte die Vortragende in ihrer Arbeit die vorhandenen traditionellen Heilmethoden in Österreich katalogisieren und die Frage beantworten, warum CAM so viel Zulauf erfährt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass CAM spannender ist als die evidenz basierte Medizin (“Schulmedizin”) und unkritisch übernommen wird; ein Effekt, den sie als Dozentin an der Universität Wien auch bei ihren Studierenden feststellen konnte. Die Patienten, die CAM in Anspruch nehmen sind im Allgemeinen auf der Suche nach Harmonie (Gegensätze ausgleichen), Reinigung (Belastendes loswerden), suchen die Nähe zur Natur, üben Zivilisationskritik aus und suchen die Erklärung hinter der Erklärung, versuchen also zu verstehen und zu begründen, warum ausgerechnet sie und gerade jetzt von dieser Krankheit heimgesucht werden. Diese Leute suchen die Diagnose und verstehen Letztere auch gleichzeitig als Heilung; die Anamnese scheint also außerordentlich wichtig.
Was ich von diesem Vortrag gelernt habe ist der, für mich neue, Begriff der ungefragten Diagnosestellung, sprich: Es werden Patienten Diagnosen aufgeschwatzt, nach denen sie gar nicht gefragt haben. Michaela erzählte uns diesbezüglich eine Ankedote: Als sie bei einem Heilpraktikertreffen war, kam die Frage auf, ob sich denn eine der dort anwesenden Damen auch mit den nicht-geborenen Kindern befasse. Die Dame gab als Antwort, dass sie den Sohn der Fragestellerin hinter derselben sehe, und dass sie nach dem Seminar doch mal zu ihr kommen solle, um mit ihr darüber zu sprechen.

Der Mozart Effekt – Jakob Pietschnig

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Der meiner Meinung nach beste Vortrag des heutigen Abends kam ganz am Ende von Jakob Pietschnig. In seinen Ausführungen versuchte er den “Mozart Effekt” zu erklären um uns gleichzeitig, anhand dieses Effektes, zu zeigen, wie sich Mythen hartnäckig halten.
Ausgangspunkt des Vortrags ist eine in Nature publizierte Studie, die eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem Hören von Mozart’s Sonate für zwei Klaviere in D-Dur “allegro con spirito” und dem Raumvorstellungsvermögen gefunden hat. Das Raumvorstellungsvermögen ist deshalb so besonders, weil es ein Indikator der Intelligenz einer Person ist. Im Schnitt hatten jene Menschen, die Mozart hörten, 8-9 IQ Punkte mehr als jene, die Relaxationsanweisungen befolgten, oder vollkommener Stille ausgesetzt waren. Diese Studie hatte einen riesigen medialen, kommerziellen, politischen und wissenschaftlichen Impakt. In den Zeitungen beispielsweise las man dann sogleich imposante Schlagzeilen wie z.B. “listening to Mozart makes you smarter” oder “Mozart lets student’s IQ rise”. Dieses mediale Echo führte dazu, dass ein gewisser Don Campbell sich den Mozart Effekt als eingetragene Marke (registered Trademark) sicherte und es nun vermarktet (natürlich kann Don Campbell’s Mozart Effekt noch viel mehr, wie z.B. die Gesundheit der Familie garantieren oder psychische Verletzungen heilen). Den politische Impakt sieht man auch heute noch, z.B. in Florida, wo in Kindertagesstätten per Gesetz den Kindern 1 Stunde klassische Musik täglich vorgespielt werden muss. Ein weiteres Beispiel war das Beschallen von Mikroben (siehe hier) und Kühen, damit sie bessere und mehr Milch produzieren (der so genannte “Moozart Effekt”).

In der scientific community sah die Sachlage schon bedeutend anders aus, denn die Evidenzlage war im besten Fall inkonklusiv. Es gibt mehrere Studien zu diesem Thema, von denen manche einen positiven Zusammenhang gefunden haben, andere aber wieder nicht. Nun hat uns Jakob Pietschnig erklärt, was man in der Wissenschaft unter der statistischen Signifikanz versteht. Dies war deshalb wichtig, um seine Arbeit und ihre Methodik besser zu verstehen. Er hat nämlich eine Meta Analyse veröffentlicht, in welcher er alle 39 verfügbaren (publizierte und unpublizierte) Studien mit insgesamt 3109 Testpersonen untersucht. Mit so einer Meta Analyse kann man die statistische Macht einer Studie erhöhen und die Fehlerwahrscheinlichkeit, welcher jeden einzelnen Studie anhaftet, verringern. In seiner Meta Analyse hat Jakob Pietschnig dann auch noch den Publiation Bias in der Fachliteratur berücksichtigt. Der Publication Bias besagt nichts anderes, als dass Studien, welche einen signifikanten Effekt oder ein tolles Resultat aufzeigen, öfter, schneller und sichtbarer publiziert werden, als Studien, welche kein solches Resultat liefern. D.h. grundsätzlich wird es in der Fachliteratur mehr Studien mit einem positiven Effekt geben, als solche, die keine Korrelation zwischen Mozart’s Musik und der Raumvorstellung finden.
Was Jakob Pietschnig dann schließlich und endlich gefunden hat war, dass es keinerlei Evidenz für den Mozart Effekt gibt und dass es tatsächlich einen nicht vernachlässigbaren Publication Bias zu diesem Thema gibt.
Geendet hat der Vortrag mit einem Zitat des Editors des Journals, in welchem Jakob Pietschnig publiziert hat: “I would like to think that this study will put an end to the Mozart effect (though I doubt it – these things die hard)”.

Und damit war der 2. Konferenztag, zumindest für mich, zu Ende. Viele der Konferenzteilnehmer amüsieren sich zu später Stunde sicherlich noch im Wiener Heurigen 😉

Kommentare (36)

  1. #1 ulf_der_freak
    4. Juni 2011

    Toll ist immer wieder das “Argument”:

    d) CAM ist natürlich und deshalb risikofrei

    Ich würde mal zu behaupten wagen, daß auch Klapperschlangen und Alligatoren natürlich sind, dennoch alles andere als Risikofrei.

  2. #2 nana
    4. Juni 2011

    Ist Herbalife ein offizieller Sponsor für CAM? Ich versteh den Zusammenhang nicht so genau? Soweit ich weiß ist Herbalife nur eins dieser amerikanisches Direktvertriebsunternehmen, welches sich auf den Verkauf von Möchtegern-Nature-Image Nahrungsergänzungen, Diätprodukten und Kosmetika spezialisiert hat und mit grünen Blättern im Logo wirbt?

  3. #3 rolak
    4. Juni 2011

    Aber nicht doch ‘Sponsor für CAM’, sondern ‘ist CAM’, nana. Und wer Mannschaften aus dem Spitzensport finanzieren kann, kann auch Studien finanzieren.

    Völlig daneben ulf-der-freak: Was soll denn der Alligator (wo z.B. das Nilpferd eine viel größere Jagdstrecke aufweist), wer wird mit ihm behandelt? Nein, Du darfst natürlich nur die supersanfte und völlig risikolose Pflanzenmedizin betrachten, typisches Beispiel wäre das da 😉

  4. #4 rolak
    4. Juni 2011

    ooops, sorry ulf_der_freak – das strichlich verbindende Liften war unabsichtlich, ich sollte wieder auf c/p zurückgreifen…

  5. #5 skepticbrain
    4. Juni 2011

    Hier ein paar Photos von der Konferenz: http://www.flickr.com/photos/skeptiker/sets/72157626867614166/

  6. #6 Rob
    4. Juni 2011

    Was mich bei “Mozart-Effekt” so stört, daß es immer nur die legendenumrangste Person sein muss. Nein, nicht Beethoven, Schumann, Chopin, Liszt, Mahler, Bach, Haydn, Rachmaninoff, Tschaikovsky usw, nein, nein, nein diese können (dürfen) es nicht sein, es kann (darf ja) nur Mozart sein, weil ihn wirklich jeder kennt (aber nur wenige seine Musik wirklich kennen)
    Um welche Sonate handelt es sich denn nun? Es gibt zwei Sonaten für zwei Klaviere in D-Dur: die KV381 (1772) und KV448 (1781).
    Komisch, dass nur eine mal wieder so “magisch” sein soll. Ich finde es ehrlich gesagt, völlig absurd.
    Mir sagte mal ein HNO, daß er Mozart zur Tinnitus-Therapie einsetzt, weil diese Musik genau diese Frequenzen anrege (ja, und ?) . BLA BLA BLA. Haydns Musik spielt in den gleichen Frequenzen, weil die Besetzung oft die gleiche ist, Punkt. Beethovens Musik umfasst ein noch grösseres Frequenzspektrum, Mahler ist eh der grösste…

  7. #7 rolak
    4. Juni 2011

    <OT>
    Anscheinend die 448er, Rob, da sie im angegebenen Tempo startet, im Gegensatz zum Allegro der 381er
    Hilft Dir das weiter? 😉
    </OT>

    Wenn irgendwelche bestimmten Frequenzen angeregt werden müssen, empfiehlt sich doch eher weißes Rauschen (evtl mit Kammfilter, um pöhse Frequenzen auszuklammern). Ist das Patent noch frei?

  8. #8 Rob
    4. Juni 2011

    ah danke, also die ist es. Warum nicht die andere? oder alle anderen Sonaten, oder Sinfonien oder, oder oder…

    Es wird wohl ein Geheimnis bleiben.

    Übrigens, den besten “Mozart-Effekt” erzielt man, wenn man Klavier spielen lernt,
    da finden aus neuronaler Hinsicht Gewitter im Hirn statt und das nachhaltig!

  9. #9 Rob
    4. Juni 2011

    ah danke, also die ist es. Warum nicht die andere? oder alle anderen Sonaten, oder Sinfonien oder, oder oder…

    Es wird wohl ein Geheimnis bleiben.

    Übrigens, den besten “Mozart-Effekt” erzielt man, wenn man Klavier spielen lernt,
    da finden aus neuronaler Hinsicht Gewitter im Hirn statt und das nachhaltig!

    zum Rauschen: Dieser Branche fehlt beim “einfachen” weissen Rauschen allerdings bestimmt die esoterisch, “harmonische”, musikalische Note…

  10. #10 nihil jie
    4. Juni 2011

    @FF

    Ein ziemlich detaillierter Bericht… finde ich klasse :) Machst du dir Notizen während der Vorträge oder hast du ein Diktiergerät mitlaufen ? 😉

  11. #11 Ursus
    4. Juni 2011

    Der Link zu Bernd Harder funktioniert leider nicht

  12. #12 rolak
    4. Juni 2011

    Nimm solange diesen, Ursus, s’war nur eine http-Doppelung.

  13. #13 WolfgangK
    4. Juni 2011

    Es werden immer wieder alte (=älter als zehn Jahre) und angeblich weise Legenden und Heilmethoden ausgegraben werden, weil sich seltsamerweise immer jemand findet, der dem alten Mist (wie bspw. Homöopathie, Reiki, Scheng pfui, uvm.) eine Qualität zuordnet, die gar nicht vorhanden ist. Die Ausgräber berücksichtigen nämlich nicht, dass der Kram vergessen wurde, weil er nichts taugte und nicht bewirkte. So unterliegen diese Strömungen wohl einem ewigen Kreislauf zwischen Vergessenwerden und Wiederentdecken – und GWUP wird wohl auch in den nächsten Generationen noch Spass an der Verleihung von Brettvormkopf-Preisen haben.

    Der Mensch wird seine Entwicklung zum zivilisierten Menschen erst dann abgeschlossen haben, wenn er aufgehört hat, den vergessenen Quatsch ständig wiederzubeleben oder neuen Blödsinn zu entwickeln. Aber ich sehe schwarz…

  14. #14 Silenzio
    4. Juni 2011

    Verstehe ich das jetzt richtig, Akupunktur ist Quatsch?

    Kann mir jemand die entsprechenden Studien dazu nennen?

    Würde gerne Fakten dazu haben.

  15. #15 ulf_der_freak
    4. Juni 2011

    @Silenzio:

    Verstehe ich das jetzt richtig, Akupunktur ist Quatsch?
    Kann mir jemand die entsprechenden Studien dazu nennen?
    Würde gerne Fakten dazu haben.

    Eine Übersicht (und ein paar Links) findest Du schon mal hier.

  16. #16 borgdrone
    4. Juni 2011

    Den Höhepunkt des Doppeldenkfehlers bietet dabei die Möglichkeit einer Therapie gegen Homosexualität, bei der man sich vorher noch absichert, dass es keine Erkrankung ist. Man heilt also mit etwas das nicht hilft, Jemanden der nicht Krank ist. Das ist doch mal eine Steigerung gegenüber den esoterischen Brüdern und Schwestern,
    http://waschtrommler.org/2011/06/01/globuli-gegen-homosexualitt-hoch-verdnnter-intellekt/

    aber ein knaller kommt noch:
    Rate mal wer solche Fragen auf seiner Seite zu klären hat
    http://waschtrommler.org/2011/06/04/rate-mal-wer/

  17. #17 Ben
    4. Juni 2011

    Gibt auch noch KV311

  18. #18 Florian Freistetter
    4. Juni 2011

    @nihil jie: Ich bin gar nicht in Wien. Die Berichte von der Tagung sind Gastbeiträge von David Gruber (steht aber auch in der Einleitung der Artikel)

  19. #19 rolak
    4. Juni 2011

    Hi Ben, die KV311 ist für Solopiano.

  20. #20 nana
    4. Juni 2011

    ich denke – über komplementäre, alternative, schulisch wie auch immer der aktuelle Name der medizinischen Vorgehensweisen ist kann man im ganzen nicht so einfach urteilen. Sicher ist – ob jetzt mit grünen Blättern oder mit Pillen gehandelt, ob mit einem freundlichen Händedruck im weißen Kittel oder mit Mozartbeschallten Körpergebärden und schmalzigen Zitaten verkauft – Medizin ist und bleibt ein Geschäft. Machtmissbrauch können wir sowohl auf der schulmedizinischen Seite wie auch auf der Alternativen Seite feststellen. Letztendlich kann man nur auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauen und versuchen die zugänglichen Fakten objektiv zu bewerten. Ich vertraue eindeutig keinem der mir mit Mozart beschallte Zuckerpillen andreht noch darüber in einer regenbogenfarbigen Powerpointpräsentation referiert.
    Aber ich denke auch, nur, weil David Beckham von Herbalife gesponsert wird, dient dieses Etat eher weniger dazu solche Studien zu unterstützen und “CAM” im allgemeinen zu repräsentieren weil sie einfach “viel Geld” haben und es können als einfach die diversen Fitnessdrinks im Sortiment mit einem Sportler positiv zu bewerben. Im finanziellen Interesse dieses Konzerns stehen solche alternativen und ins esoterisch gehende Studien wohl weniger. Nichts desto trotz finde ich den Artikel gut und ausführlich – vielen Dank für den Einblick! Und absolut keinen Anlass jetzt wieder mit einr Diskussion über Heilkräuter und Akupunktur und so weiter anzufangen. Homöopathie ist etwas völlig anderes – es bleibt nun mal eine weiße Zuckerpille. Die Wirksamkeit der Homöopathie liegt im Kopf des Anwenders und da konnte bisher auch keiner eine sinnvolle Studie hervorbringen – mit geld oder ohne geld. Als nächstes kommt noch einer und schießt Globuli in die Athmosphäre gegen den Klimawandel…

  21. #21 rka001
    4. Juni 2011

    Schauen Sie sich nur diese tiermedizinische Arbeitsgruppe der Uni Bonn an:
    http://forbe.informatik.uni-bonn.de/bericht1998/i703002.html

    Die werden quasi _komplett_ von HEEL gedrittmittelt.
    Münden tut das in solche High-Impact-Paper in High-Impact-Journals:

    http://www.vetline.de/facharchiv/nutztiere/originalien/16016247.htm

    Ist eigentlich ein Skandal.

  22. #22 rka001
    4. Juni 2011

    Der obige Kommentar als Beispiel für die Förderung (nicht zu sagen Unterwanderung) deutscher Universitäten durch BigCAM :).

    Vielleicht kann Herr Freistetter die Kommentare mergen?

  23. #23 Stefan W.
    5. Juni 2011

    Ist Herbalife nicht Gentechnik?

    Den stärksten Mozarteffekt erzielt man übrigens, wenn man selbst Mozart ist, soll Mozart selbst gesagt haben, der berühmte Erfinder gleichnamiger Kugeln. Schmecken übrigens köstlich – ein wahres Genie! Wußte gar nicht, dass die geköchelt werden.

  24. #24 Jinx
    5. Juni 2011

    Chiropraktiker könnten eine schöne Ergänzung zur “Schulmedizin” sein, würden sie auf ihre haarsträubenden Erklärungsansätze einfach verzichten. “Kinder” brauchen halt Märchen.

  25. #25 noch'n Flo
    5. Juni 2011

    @ Jinx:

    Gleiches gilt mE für die Osteopathen. Würden sie nur Gelenke wieder einrichten, wären sie durchaus nützlich. Aber der Anspruch, chronische Organkrankheiten durch “Wiederaufrichten” dieser Organe heilen zu können, ist einfach nur absurd. Deshalb überweise ich auch lieber zu in manueller Therapie ausgebildeten Ärzten – da ist solcher Blödsinn zum Glück eher selten.

  26. #26 nihil jie
    5. Juni 2011

    @FF

    @nihil jie: Ich bin gar nicht in Wien. Die Berichte von der Tagung sind Gastbeiträge von David Gruber (steht aber auch in der Einleitung der Artikel)

    ups… Ich dachte schon in Wien… dann muss ich das auch überlesen haben :( Aber so ist das wenn man bisschen im Stress ist… dann überspringt man manchmal gerne ein paar Zeilen um zum wesentlichen vor zu stoßen.

    Naja… Ich will die Tage mal so oder so noch mal einige Artikel hier nachholen. Aber auch auf der Seite von der GWUP überschlagen sie sich mit den Artikeln. Wann soll ich denn das alles lesen ? :) ist ja furchtbar… und manchmal ist das Leben echt anstrengend *g

  27. #27 JerseyRyan
    6. Juni 2011

    “Ein weiteres Beispiel war das Beschallen von Mikroben (siehe hier) und Kühen, damit sie bessere und mehr Milch produzieren (der so genannte “Moozart Effekt”).”

    Hey, das beschallen von Kühen mit Musik hat tatsächlich eine Auswirkung auf das Verhalten der Kühe. Man stelle sich an eine Weide mit Kühen und spiele ihnen etwas vor (am Besten scheint Blasmusik zu sein) und staune über die Reaktion der Kühe. Nein, das ist kein Witz (aber extrem witzig). Damit hat ein Trompeter auch schon eine Wette bei Wetten-Dass gewonnen.

    Ob das jetzt Auswirkungen auf die Milch hat oder auf das “Wohlbefinden” der Kühe kann ich beim besten Willen nicht sagen. Vielleicht soll die Reaktion der Kühe auch eine Form der aggressiven Reaktion darstellen, ich hab keine Ahnung. Aber genau zu diesem Thema würde mich eine wissenschaftliche Analyse enorm interessieren! Gerne auch im Zusammenhang mit Milch.

  28. #28 lionheart
    8. Juni 2011

    medizin ist nicht nur ein geschäft, sondern vor allem eine SHOW. auch in der schulmedizin.
    die größten showmaster, sogenannte wunderheiler, haben halt auch sehr große erfolgsquoten – ja richtige “wunderheilungen”. das ist genau so fakt.

    und komplementäre medizin basiert vor allem auf diät, entgiftung und phytotherapie. von den ersten beiden gibt es so gut wie keine wissenschaftlichen studien. vom letzteren schon mehr.
    dennoch gibt es ältere outcome studien, dass diese methoden zusammen mindestens genau so effektiv sind wie die schulmedizin. häufig sogar besser, weil eben nebenwirkungsärmer und nicht nur symptom-bekämpfend.
    wenn man schon die CAM, wie es hier bezeichnet wird kritisiert, sollte man sich auch an die eigene nase fassen und mal gucken, was in der tollen evidenz basierenden medizin so alles schief läuft. wenn schon skeptiker, dann richtig finde ich.
    und ja: ich finde es besser, wenn man leute mit “nichts” behandelt, als mit giftigen substanzen, die massive nebenwirkungen haben – und damit neue krankheiten produzieren.

  29. #29 noch'n Flo
    8. Juni 2011

    @ lionheart:

    was in der tollen evidenz basierenden medizin so alles schief läuft

    Zum Beispiel?

    ich finde es besser, wenn man leute mit “nichts” behandelt, als mit giftigen substanzen, die massive nebenwirkungen haben – und damit neue krankheiten produzieren

    Rieche ich da einen “Gui’doh”?

  30. #30 Thomas J
    8. Juni 2011

    @nochflo

    wusste nicht, dass du showmaster bist… coool 😉

  31. #31 noch'n Flo
    8. Juni 2011

    @ Thomas J:

    Jetzt rate mal, bei wem das ehemalige “Fernsehballett” heutzutage unter Vertrag steht…

  32. #32 Bjoern
    8. Juni 2011

    @lionheart:

    und komplementäre medizin basiert vor allem auf diät, entgiftung und phytotherapie.

    Äh, seit wann…?

    Übrigens:
    1) “Diät” (bzw. sinnvolle Ernährung) ist etwas, das auch die “Schul”medizin schon seit langem empfiehlt – das kann die Komplementär”medizin” also kaum für sich in Ansprung nehmen.
    2) “Entgiftung” ist Blödsinn – der Körper wird mit den aller-, allermeisten anfallenden “Gift”stoffen von alleine fertig.
    http://scienceblogs.com/insolence/2011/06/detoxifying_fashionably.php

    dennoch gibt es ältere outcome studien, dass diese methoden zusammen mindestens genau so effektiv sind wie die schulmedizin.

    Äh, aber “outcome-Studien” sind nicht objektiv, und massiv von Placebo-Effekten usw. beeinflussbar.

    häufig sogar besser, weil eben nebenwirkungsärmer und nicht nur symptom-bekämpfend.

    Wo kommt bloss diese absolut schwachsinnige Idee her, die “Schul”medizin würde nur Symptome bekämpfen, die Komplementär”medizin” dagegen die Ursachen?!? Genau umgekehrt wird ein Schuh draus! Schau’ dir doch nur mal die Homöopathie an: nach was sucht die ihre Mittelchen aus? Nicht nach den Ursachen einer Krankheit, sondern rein nach den Symptomen! Wohingegen die Schul”medizin” unterscheidet zwischen Krankheiten, die von Viren, Bakterien, Giftstoffen usw. usf. verursacht werden, und je nachdem auch unterschiedlich behandelt!

    wenn man schon die CAM, wie es hier bezeichnet wird kritisiert, sollte man sich auch an die eigene nase fassen und mal gucken, was in der tollen evidenz basierenden medizin so alles schief läuft.

    Das ist der logische Fehler “tu quoque”…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tu_quoque

    ich finde es besser, wenn man leute mit “nichts” behandelt, als mit giftigen substanzen, die massive nebenwirkungen haben – und damit neue krankheiten produzieren.

    Spielst du hier auf irgend etwas spezielles an? Oder willst du ernsthaft behaupten, dass diese Beschreibung auf alle “schul”medizinischen Substanzen zutrifft…?

  33. #33 noch'n Flo
    8. Juni 2011

    @ FF:

    Ich bitte um einen Abgleich, ob “lionheart” = “G.uido” bzw. “W.ilfert”.

  34. #34 Florian Freistetter
    8. Juni 2011

    @noch’nFlo: Wenn dem so wäre, dann wäre der Kommentar schon gelöscht. Es gibt leider auch andere dumme Menschen…

  35. #35 noch'n Flo
    8. Juni 2011

    @ FF:

    Hmm, die Argumentation klang so nach ihm…

  36. #36 Rincewind
    8. Juni 2011

    wer evidenzbasierte Medizin ablehnt, ist von ähnlich geistigem Kalliber wie jemand, der Schulen ablehnt, weil die Kinder ja dort Fehler machen.