Am letzten Tag der GWUP-Konferenz gabs noch einmal ordentlich viel anzuhören. Das hat David Gruber gemacht und so wie gestern und vorgestern berichtet er wieder ausführlich darüber (Berichte gibt es übrigens auch im Blog der GWUP).



Die GWUP Tagung befindet sich im Endspurt. Der letzte Tag hat begonnen und ein sehr intensives Programm steht uns in den Kuppelsaal der TU Wien.

Prof. Timothy Skern – On being a scientist

Prof. Timothy Skern ist Virologe am Department für medizinische Biochemie der Medizinischen Universität Wien und in diesem Vortrag will er dem Publikum genauer erklären, was es bedeutet ein Wissenschaftler zu sein.

Es gibt verschiedene Phasen im Leben eines Wissenschaftlers:

  • Becoming a scientist
  • Succeeding as a scientist
  • Doing science
  • Teaching science (not teaching facts)
  • Prix-Performance-Plaisier (Wissenschaft bereitet trotz aller Anstrengungen Vergnügen)
  • Ein Wissenschaftler hat außerdem noch zwei wichtige Dinge zu erfüllen: Zuerst hat er Verantwortung zu tragen: gegenüber der allgemeinen Bevölkerung, der scientific community, der nächsten Generation und sich selbst gegenüber. Mit Letzterem meinte der Vortragende, dass man selbst für die Qualität der eigenen Arbeiten verantwortlich ist, und das nie vergessen sollte.
    Der zweite wichtige Punkt ist, dass sich ein Wissenschaftler stets auf dem Laufenden halten solle, d.h. man sollte die Fachliteratur kennen. Die Frage ist nun natürlich, wie das gehen soll. Wenn man sich folgende Grafik ansieht, dann wird recht schnell klar, dass die Anzahl der publizierten Artikel rapide zunimmt und der Trend steil nach oben geht. Es wird also immer mehr Publikationen geben und es wird immer schwieriger sich am Laufenden zu halten.

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    Jährlich Publizierte Paper in englischer Sprache (rechte y-Achse) Quelle

    Die Qualität dieser Publikationen nimmt aber leider nicht mit der Quantität der Paper zu. David Taux von der La Trobe University meint sogar: “Of the 400 papers on cell death published each week, only one or two are worth reading”.

    Dies ist ein vernichtendes Urteil, denn es bedeutet, dass wir umgeben sind von schlechter Wissenschaft. Prof. Skern hat uns dann anhand von Beispielen bewusst gemacht, wie schlimm die Situation wirklich ist. Diagramme, die keine Beschriftung der y-Achse haben (wo also die Skalierung der y-Achse ein Geheimnis bleibt), eine Grafik von Zellkulturen (?), welche äußerst miserabel mittels Photoshop bearbeitet wurde oder eine Tabelle voller redundanter Informationen, noch dazu mit vermutlich falschen Einträgen.

    Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass die Medien bestimmen, was wir von der Wissenschaft wissen. Und die Berichterstattung lässt leider zu wünschen übrig. Aber damit ist leider nicht nur die Boulevardpresse gemeint, denn auch das hoch renommierte Journal “Nature” ist nicht immun gegenüber schlechter und falsch recherchierter Berichterstattung. Als Beispiel wird ein Artikel von Nature angeführt, in welchem die chinesischen Hühnchenzüchter beschuldigt werden für die zunehmende Resistenz des H5N1 Strangs der Vogelgrippe verantwortlich zu sein. Als Referenz wird die Washington Post (!) zitiert. Erschreckend. Blöderweise hat sich dann herausgestellt, dass diese Beschuldigungen weder Hand noch Fuß hatten und erst ein Jahr (!) später (Nature, 2006, 441, 264) wurde dieser Sachverhalt richtig gestellt. (Dasselbe scheint übrigens gerade jetzt mit den Gurkenbauern zu passieren. Das grüne Gemüse soll ja geradezu voll von EHEC Erregern sein). Erschwerend kommt hinzu, dass je höher der Impakt Faktor eines Journals ist, desto kürzer ist die Zeit, die den peer-reviewern zur Verfügung steht, um einen Artikel zu überprüfen. Bei Nature sind es bei den “hot-topics” gerade mal 2 Tage. Wie kann man mit dermaßen wenig Zeit einen Artikel auf Herz und Nieren prüfen?

    Laut Prof. Skern als äußerst wichtig und fundamental: Bevor wir andere Personen kritisieren, müssen wir unsere Arbeit richtig und ordentlich machen.

    Wie kann man nun aber die Standards an uns selber bzw. an die Wissenschaft im Allgemeinen erhöhen?
    Zunächst sollte das kritische Denken und die wissenschaftliche Methode gelehrt und verinnerlicht werden. Frei nach Kant, der gesagt haben soll: “Es ist eine Schande ein Gehirn zu haben, es aber nicht zu benutzen”. Außerdem ist eine Ausbildung der Wissenschaftler in Wissenschaftsphilosophie wünschenswert und erforderlich. (Damit widerspricht er direkt Richard Feynman der da behauptet: “Philosophy of science is as useful to science than ornithology is to birds.”)
    Die größte Hürde, die Qualität der Arbeiten zu erhöhen und das wissenschaftliche und kritische Denken zu verinnerlichen ist aber Skern’s Meinung nach der Mikrochip Prozessor. Denn die moderne Technik, sei es PC, Smartphone, GPS Empfänger oder auch nur der Taschenrechner, lässt unser Gehirn faul werden. Wir denken nicht mehr selbst, sondern lassen den Mikrochip für uns denken (wonach ironischerweise der Laptop von Skern kurzfristig den Geist aufgab). Die beste Methode, um wissenschaftlich zu arbeiten, ist mit einem Blatt Papier und einem Stift in der Hand.

    Auf das Thema Geschlechter in der Wissenschaft ist Skern nur sehr kurz eingegangen. Er glaubt, dass die Situation grundsätzlich in Großbritannien besser ist als in Österreich, was seiner Meinung nach daran liegt, wie Frauen in Österreich behandelt werden. Als Beispiel fügte er an, dass bei einer Sponsionsfeier der Vater einer der Kandidatinnen zu ihm gekommen sei und gemeint hat: “Vielen Dank, dass Sie aus meiner Tochter was gscheid’s gemacht haben”. Es liegt also nicht nur daran, wie Frauen von der “Gesellschaft” selbst behandelt werden, sondern es fängt schon im kleinen Kreis der Familie an. Zusätzlich unterschätzen sich Frauen selbst und ihre generelle Erwartungshaltung (an den Beruf, Leben, etc.) ist niedriger als bei Männern.

    Ulrich Berger – Statistricks

    In diesem Vortrag ging Ulrich Berger der Frage nach wie es sein kann, dass es anscheinend positive Studien gibt, die die Wirksamkeit von Placeboprodukten (wie z.B. Granderwasser, Power-Balance Armbänder, ATOX, Aquapol, Geowave, etc.) bestätigen.

    Um dies genauer zu erläutern, brachte er ein hypothetisches Beispiel: Ein Hufeisen mit eingeprägten Quanteninformationen (welches er für schlappe 1990€ verkaufen würde). Wie sowas funktionieren könnte, wissen wir spätestens seit “The Secret”: Die Quantenschwingungen reisen ins Universum und ziehen die Glücksinformation an. Um dem Ganzen aber doch noch mehr Glaubwürdigkeit zu geben, muss eine Studie her.
    Dazu gründet man am besten sein eigenes Institut, welches zumindest “international”, “Forschung” und “Institut” enthalten sollte, um dem Ganzen noch mehr Seriosität zu verleihen. Also z.B. das internationale Institut zur Quanteninformationserforschung (kann mich an das von ihm genannte Institut leider nicht erinnern).

    Bevor er nun im Folgenden die Statistricks präsentierte, wurde noch der Begriff der statistischen Signifikanz erklärt. Kurz: überlappen sich die 95% Konfidenzintervalle so spricht man von einem nicht-signifikanten Effekt.

    1. Statistrick: Anekdote

    Das erfundene Institut schreibt eine Aussendung: “Bitte senden sie uns ihre Erfahrungen (jeglicher Art), und sie bekommen 5% des Einkaufspreises zurückerstattet.”
    Grundsätzlich lässt sich sagen, dass positive Erfahrungen eher dazu führen, dass man ein Antwortschreiben schickt. Aus diesen, vermutlich durchwegs positiven, Erfahrungsberichten sucht man sich die Besten aus und hat dann die bekannten “Testimonials”, also z.B. Stefan (40) aus Wien: “Bei mir hat das fantastisch funktioniert. Ich habe sogleich einen Parkplatz vor meiner Haustür gefunden.”

    2. Statistrick: Unkontrollierte Beobachtungsstudie mit subjektivem Endpunkt

    Man führe eine visuelle Analogskala ein (von 1-10), damit die Versuchsteilnehmer subjektiv bewerten können, wieviel Glück sie denn hatten. Nachdem die Kunden freiwillig an dieser Studie teilnehmen, gilt wie vorhin, dass diese von vornherein eine positive Erwartungshaltung haben. Diese Studie wird nun sehr stark beeinflusst von a) der selektiven Erinnerung, b) der Bestätigungstendenz, c) der Gefälligkeit gegenüber dem Studienleiter und d) der suggestiven Fragestellung des Studienleiters.
    Diese Gründe führen allesamt zu einer systematischen Verzerrung (“Bias”) nach oben, also hin zu “es hat funktioniert” und “ich hatte mehr Glück”. In diesem Fall wird der Placeboeffekt des Quantenhufeisens gemessen.

    3. Statistrick: Unkontrollierte Beobachtungsstudie mit objektivem Endpunkt

    Hier lässt an ein unabhängiges Institut anhand eines Kriterienkatalogs die Wirksamkeit des Quantenhufeisens bestimmen. Hier hat man als Placeboerfinder den Vorteil, dass sich die Leute so einen Gegenstand eher dann kaufen werden, wenn sie gerade sehr viel Pech haben. Das Glückslevel einer jeden Person, ist ja auch zeitlichen Schwankungen um einen neutralen Wert (also weder Glück noch Pech) unterworfen. In so einem Fall ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man nach dem Kauf wieder in eine Glücksphase kommt. Man spricht von der Regression zur Mitte.

    4. Statistrick: unverblindete Placebo kontrollierte Studie

    Die Probanden wissen durch die fehlende Verblindung des Versuchs, ob sie das QH oder ein normales Hufeisen bekommen haben. Dieselben Effekte, die bereits oben genannt wurden, spielen nun wieder eine nicht vernachlässigbare Rolle in der Bestimmung der Signifikanz (selektive Wahrnehmung, Erwartungshaltung, etc.)

    5. Statistrick: Randomisierte Doppelblindstudie mit objektivem Endpunkt

    Vergleicht man nun den Glücksindex der Kontroll- und Testgruppe, so wird man zum ersten Mal einen nicht signifikanten Unterschied beider Gruppen feststellen, d.h. also beide Gruppen hatten gleich viel Glück und Pech unabhängig davon, ob sie ein QH oder normales Hufeisen hatten. Jetzt hat man aber den Vorteil, dass der Glücksindex ein gewichteter Mittelwert verschiedener Subindizes ist. Die Subindizes sind also all jenen Kriterien, die den Gesamtglücksindex bestimmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man bei einem Konfidenzintervall von 95% zumindest einen Subindex findet, der eine statistische Abweichung (der gewünschten Gruppe) zeigt, ist relativ groß. Hat man Pech, so kann man einfach die Subindizes auch noch nach anderen Kriterien (Männer und Frauen, Links- und Rechtshänder, nach Alter, Haarfarbe, Sternzeichen, etc.) aufteilen. Die Wahrscheinlichkeit dabei ein Falsch-Positiv zu finden, erhöhen sich damit ungemein (siehe auch dieses Comic von XKCD).

    6. Statistrick: Meta-Analyse von Doppelblindstudien

    Hier gilt zunächst, wie bereits gestern erwähnt, dass ein Publikationsbias herrscht: Also Studien, die einen signifikanten Effekt zeigen, werden öfter und schneller publiziert. Trägt man nun die Präzision der Studie gegen das “odds ratio” auf (verspüren zum Beispiel Personen OHNE Quantenhufeisen ein Glücksniveau von 45% und Personen mit Quantenhufeisen ein Glücksniveau von 53%, so ist das odds ratio = 45/53 = 0.85. Je kleiner der Wert, umso größer ist der Effekt des Quantenhufeisens), so erhält man einen Trichter Plot. Allerdings würden in so einem Trichter Plot viele negative (weil unpublizierte) Studien wegfallen, und damit würde die Effektivität des Quantenhufeisens künstlich erhöht werden. Mittels einer Meta-Regression kann man nun aber den Publikationsbias korrigieren, um auf die wahre Signifikanz bzw. Wirksamkeit des Quantenhufeisens zu schließen (die ja bei 50% liegen sollte).
    Gegen so eine Meta-Regression gibt es zur Zeit keinen anwendbaren Trick. D.h. diese Art von Studie, sollte wohl die Zuverlässigste sein.

    Was ich aus diesem Vortrag mitnehme und mich ziemlich beeindruckt hat ist der Umstand, dass man selbst bei randomisierten Doppelblindstudien, das eigentliche Nonplusultra einer klinischen Studie (dachte ich zumindest), sehr gut “schwindeln” kann.

    Manfred Ruttner – Handymythen und Alltagsirrtümer

    Zunächst wurde in diesem Vortrag klargestellt, dass es sich bei den so gefürchteten “Handystrahlen” um nichts anderes handelt als elektromagnetische Wellen (wie eben auch das sichtbare Licht eine EM-Welle ist). Und genauso wie man nicht nur eine einzige, riesige Straßenlaterne für das ganze Land Österreich aufstellen würde, um in der Nacht für Licht zu sorgen, genausowenig wird man nur einen einzigen Handymasten aufstellen können, um österreichweit telefonieren zu können. Im Überland wird es im Allgemeinen weniger Masten geben (weil dort klarerweise weniger Leute leben), während man in der Stadt mehr Anlagen benötigt (aus oben genannten Gründen). Grundsätzlich gilt: Je weiter ein Handy von einem Sendemasten entfernt ist, umso höher ist die Sendeleistung des Handys UND der Sendeanlage. Eine bessere Abdeckung mit Sendeantennen, würde also die Sendeleistung beider Geräte minimieren.

    Die durchschnittliche Handyleistung eines GSM Handys sind bei schlechter Versorgung ca 0.16 Watt, bei guter so um die 0.003 Watt. Ein UMTS Handy leistet bei guter Versorgung im Schnitt 0.0000003 Watt. Also um ein Vielfaches weniger, als ein GSM Handy.

    Ein wichtiger Kennwert eines Handys, den auch viele kennen, ist der so genannte SAR Wert. Dieser gibt an, wieviel Watt pro Kilogramm in biologischem Gewebe absorbiert wird. Jeder Mensch hat bei Ruhe einen SAR Wert von etwa 1 W/kg (zum Vergleich: Ein Eishockeyspieler hat um die 25 W/kg). Der von der WHO und ICNIRP (international commision on non-ionzing radiation protection) festgelegte SAR Grenzwert eines Handys ist 0.08 W/kg. (Ein Wert von 4 W/kg würde in 30 min menschliches Gewebe um ca 1°C erwärmen). Dieser Grenzwert wird bei Sendeanlagen in einem Abstand von ca 2 – 5 Meter (!) bereits unterschritten. Was auch nie vergessen werden darf: im Nahbereich der Sendeanlage herrscht NICHT automatisch die höchste Sendeleistung. Meistens befindet sich Letztere in einem Abstand von mehreren hundert Metern. An dieser Stelle hat uns Manfred Ruttner dann ein Kuriosum erzählt. Auf dem Dach einer Schule hätte eine Handyantenne errichtet werden sollen. Die Schule hat sich für eine Verlegung der Antenne stark gemacht und man konnte sich tatsächlich auf einen neuen Standort einigen. Jetzt steht die Antenne in einer Entfernung von 205 Metern zur Schule, die Emissionswerte sind aber in der Schule um einen Faktor 14 (!) höher, als wenn die Antenne direkt auf dem Dach der Schule stehen würde. Man merkt also schon, dass vieles ein Wahrnehmungsproblem und keine technisches Problem ist.

    Als Beispiel zu Letzterem wurde kurz etwas über die behauptete Verbindung zwischen Schlaflosigkeit und Sendeantennen erzählt. Man hat hierzu (mindestens?) zwei Studien gemacht: Die 1. Studie hat in Deutschland mobile Handyantennen aufgestellt und per Zufall eingeschaltet bzw. nicht eingeschaltet. Anschließend hat man die Anrainer gefragt, ob sie besser, schlechter oder gleich gut schlafen könnten. Zum Erstaunen weniger, reicht der bloße Anblick einer Handyantenne, um die Menschen um ihren Schlaf zu bringen. Eine 2. Studie hat über die Betten von mehreren Testpersonen einen Schirm gespannt, der Hochfrequenzfelder abschirmen kann. Über die Betten der Kontrollgruppe wurde auch ein Schirm gespannt, welcher aber keinerlei Funktionen hatte (Sham-Schirm). Eine 3. Gruppe bekam keinen Schirm. Auch hier hat man gefunden, dass beide Personengruppen mit Schirm gleich gut schlafen konnten, und beide besser schliefen, als die Gruppe ohne Schirm.

    Äußerst fragwürdig ist auch die Empfehlung der österreichischen Ärztekammer, die vorschlägt das Handy nachts über auszuschalten. Fragwürdig deshalb, weil ein handelsübliches Handy im Stand-by Modus nur alle 3 bis 6 Stunden ein Signal sendet.

    In den einzelnen europäischen Ländern schwankt der Befürchtungswert gegenüber Handyanlagen ziemlich stark. Eine Studie von Wiedemann et al. 2010 konnte sogar aufzeigen, dass jene Länder, die den Grenzwert vorsorglich weiter senken wollen (oder es schon getan haben), gerade die Länder sind, die die höchste Risikowahrnehmung haben. Sprich: führe ich vorsorglich (!) niedrigere Grenzwerte ein, so steigt die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung.

    Ob Mobilfunk nun sicher ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Es ist vielmehr ein Puzzle, wo noch einige Steine fehlen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Mobilfunk eine sichere Technologie ist.

    Übrigens: Kürzlich wurde die Hochfrequenz von der WHO als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft. Dazu sei erstmal anzumerken, dass sich in der gleichen Kategorie Gemüse und Kaffee befinden. Ganz allgemein ist eine strahleninduzierte Krebserregung von einem Handy faktisch unmöglich, denn dazu müsste es sich um ionisierende Strahlung handeln (ist es nicht) oder sie müsste in der Lage sein Wasserstoffbrückenbindung zu lösen (tut sie nicht). Ich persönlich empfehle diesen Artikel (in englisch).

    Als weiterführende Literatur wurde von Manfred Ruttner www.emf-portal.de genannt.

    Andreas Hergovich – Quo vadis Parapsychologie?

    In diesem Vortrag hat Andreas Hergovich aktuelle Entwicklungen, Trends und neue Entwicklungen der Parapsychologie zusammengefasst.
    Als erster, ganz wichtiger, Punkt lässt sich sagen, dass immer wieder Studien zur Parapsychologie in renommierten Journals (beispielsweise das Psychological Bulletin) erscheinen. Beispielsweise die oder die. All diese Studien sind durch hohe methodische Kompetenz ausgezeichnet (was ja auch eine Voraussetzung ist, um in so einem Journal zu publizieren).

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    Andreas Hergovich

    Auf das ursprüngliche Ziel der Parapsychologie, nämlich dem Materialismus den Todesstoß zu versetzen, folgt nun ein weitesgehend naturalistisches Denken in dieser Disziplin, um darin eine neue Physik zu finden. Parapsychologie ist kein Randthema mehr, sondern findet sich in Mainstream Journals wieder.

    Zwei Themen scheinen dabei äußerst aktuell zu sein:

    • 1. das Neurowissenschaftliche Paradigma und
    • 2. das Quantenparadigma (EPR-Paradoxon, besser bekannt als die “spukhafte Fernwirkung”).

    Im neurowissenschaftlichen Paradigma soll der naturalistische Anspruch der Parapsychologie befriedigt werden und die Existenz parapsychologischer Phänomene soll auf anderen Ebenen nachgewiesen werden (beispielsweise nur im Hirn). Man sucht also einen neuroanatomischen Ort, um den Mechanismus des Paranormalen zu verstehen und PSI soll direkt auf der Ebene des Gehirns untersucht werden.

    Solch eine Studie, die dem letztgenannten Paradigma genügt, wurde durchgeführt von Moulton & Kosslyn 2008. Im Wesentlichen ging es in dieser Studie darum, dass eine Person als Sender fungierte, welche der zweiten Person, dem Empfänger, ein Bild zusenden sollte. Auf der Verhaltensebene konnte aber kein PSI Effekt nachgewiesen werden. Gleichzeitig befand sich der Empfänger in einem Gerät für Magnetresonanztomographie, in welchem seine Hirnaktivität gemessen wurde. Allerdings hat sich auch hier kein PSI Effekt feststellen lassen. Die Autoren folgerten, dass es den PSI Effekt nicht gibt.

    Eine andere Studie von Richards, Kozak, Johnson 2005 hat den zwischenmenschlichen Aspekt komplett ignoriert. In diesem Fall wurde die Person mittels eines Bildes eines Schachbrettmusters stimuliert, während sich die andere in einem fMRI Scanner befand. Man hat dann untersucht, ob das Hirn der Person, die sich im fMRI Scanner befand auf die Situmli der anderen Person reagiert. Angeblich will man tatsächlich gefunden haben, dass Hirne paranormal interagieren können.

    Die generelle Kritik, die Hergovich bei all diesen Studien anführt, ist die methodische Intransparenz und die Verwendung von Spezialverfahren, die selten bis gar nicht (zum Beispiel von seinen Kollegen am Institut für Psychologie) eingesetzt werden. Obwohl die Studien sauber gemacht zu sein scheinen, werden in der Regel nur jene Korrelationen herangezogen, die über einer gewisser Schwelle liegen. Man stelle sich nur mal vor, man wolle die mittlere Temperatur des Monats August bestimmen, nimmt aber nur jene Tage her, bei denen die Tagestemperatur die 30°C Marke überschritten hat. Man wird also einen äußert heißen Monat August finden. Als Beispiel hierzu wurde die Studie von Bennett et al. 2009 angeführt, in welcher ein toter (!) Lachs in statistisch signifikanter Art und Weise Emotionen erkennen konnte.

    Das Resumé von Andreas Hergovich fiel dann wie folgt aus:

    • Abkehr vom Dualismus: Die Parapsycholoie versucht sich im Mainstream zu etablieren.
    • Parapsychologie ist keine Pseudowissenschaft mehr, denn sie kann und wird mit anerkannten Methoden getestet. Das Problem dabei ist, dass nach wie vor viele Hobbyforscher sich mit ihr beschäftigen. Zusätzlich hat sie, nach wie vor, ein Replikationsproblem.
    • Der PSI Nachweis ist nicht gelungen: Es gibt vereinzelte Artikel mit signifikanten Ergebnissen.
    • Es findet eine Professionalisierung in Nischen statt. Dies erfordert einen hohen Grad an statistischem Know-How und macht es immer schwieriger sich mit den Behauptungen auseinanderzusetzen und zu untersuchen.
    • Die Parapsychologie hat ein gutes Gespür für aktuelle (wissenschaftliche) Trends.
    • Die Parapsychologie verschreibt sich dem naturalistischen Weltbild.

    Holm Hümmler – Erdbebenmaschinen
    In diesem Vortrag ging es um die Behauptungen Claudia von Werlhofs, die der Meinung ist, dass die USA mittels der HAARP Anlage jederzeit ein künstliches Erdbeben induzieren kann. Siehe hierzu auch Florian’s Artikel.

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    Holm Hümmler

    Zunächst einmal: Was ist HAARP eigentlich? Das High Frequency Active Auroral Research Program ist ein ziviles und (ehemaliges) militärisches Programm, bei dem es in erster Linie darum geht die Ionosphäre zu untersuchen, um die grundsätzlichen Vorgänge und die Auswirkungen von Sonneneruptionen auf die Schutzschichten der Erde besser zu verstehen. Hierzu kann HAARP die Anzahl der freien Ladungen, die sich bereits in der Ionosphäre befinden, erhöhen und u.a. auch künstliches Polarlicht erzeugen.

    Die HAARP Sendeleistung beträgt in etwa 3600 kW (180 Antennen mit je zwei 10 kW Sendern), was der ungefähren Sendeleistung des bayrischen Rundfunks entspricht (oder 3000 Haartrocknern).

    Dass HAARP Erdbeben auslösen kann ist von einem energetischen Standpunkt aus völliger Blödsinn. Betrachtet man das kürzlich aufgetretene Erdbeben in Japan mit einer Magnitude von ca. 9, so entspricht dies einer Energie von 2*1018 Ws. Um diese Energie freizusetzen, müsste HAARP 20.000 Jahre aktiv sein. Für ein Erdbeben, welches vergleichbar ist mit dem von Haiti, sind es “nur” 20 Jahre. Was die HAARP Verschwörungstheoretiker generell außer Acht lassen, ist der Umstand, dass sich sowohl Japan, als auch Haiti an Grenzzonen von tektonischen Platten befinden. Eben genau dort, wo von Natur aus die meisten Erdbeben auftreten.

    Ein weiteres beliebtes Argument ist die Korrelation der Messdaten des HAARP Induktionsmagentometers mit dem Auftreten von Erdbeben. Was den Leuten aber nicht klar zu sein scheint: Dieses Messinstrument misst das Erdmagnetfeld und hat mit Erdbeben rein gar nichts zu tun. Nach der Reihe wurden die beliebtesten Argumente der Verschwörungstheoretiker (Wolkenbilder, Lichtstreuung an Wolken, Drehrichtung der Strudel, Blasenbildung in der Ionosphäre) als nicht stichhaltig entlarvt.

    Stellt sich die Frage, warum man sich als Verschwörungstheoretiker damit eigentlich abmüht. Geld kann es ja eigentlich nicht sein. Holm Hümmler glaubt, dass dies ein typisches post-modernes Verschwörungsdenken ist. Diese Art der Verschwörungstheorie erfordert keinen Verschwörungsglauben, sondern es reicht, wenn es irgendetwas gibt, was man sich nicht so einfach erklären kann, oder man sich einfach keine Erklärung dafür suchen möchte (“da kann doch was nicht stimmen”). Die Ironie des Ganzen: Diese Leute bezeichnen sich in der Regel als Skeptiker.

    Das Fazit des Ganzen: Die Argumente sind, verglichen mit anderen Verschwörungstheorien, naiv und schwach. Die Darstellungen zeigen gravierendes Unwissen zu einfachsten naturwissenschaftlichen Grundlagen.

    “Schnell vergessen, das Ganze!”

    Florian Aigner – CERN-Mythen

    Der Quantenphysiker Florian Aigner hat sich dem Thema zugewandt, ob der Large Hadron Collider wirklich schwarze Löcher erzeugen kann, die die Erde verschlingen werden.

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    Florian Aigner

    Zuerst wurde erklärt, was denn der LHC überhaupt ist.

    Ist der LHC denn nun gefährlich? Mindestens drei Personen glauben ja. Otto Rössler, ein Biochemiker, der auch in der Chaosforschung aktiv ist, ist einer der bekanntesten deutschen CERN Kritiker. Aigner hebt hervor, dass es sich bei dieser Person durchaus um jemanden handelt, der Ahnung hat wovon er spricht; also man muss ihm ein sehr gutes Wissen über die Relativitätstheorie konstatieren. Dasselbe gilt für einen weiteren Deutschen Rainer Plaga und einem der ersten Teilchenbeschleunigerkritiker überhaupt: dem Amerikaner Walter Wagner. Diese Personen haben mittels einer gerichtliche Verfügung beim europäischen Gerichtshof versucht den LHC zu stoppen.

    Welche Experimente beinhalten nun welche Gefahren?
    Zunächst einmal werden im CERN einfache Protonenstöße durchgeführt, aus denen man sich Aufschluss über das Higgs-Teilchen erhofft. Es besteht theoretisch die Möglichkeit, dass sich bei solchen Kollisionen sehr kleine Schwarze Löcher bilden. Diese könnten sich vergrößern, ausbreiten und uns deshalb gefährlich werden. Die zweite Art von Experimenten, die am LHC durchgeführt werden, besteht darin, schwere Atome zur Kollision zu bringen (z.B. Gold oder Blei). Bei diesen Kollisionen lösen sich Atomkerne in ihre Bestandteile auf (Quarks und Gluonen) und man hat eine Situation, wie sich unmittelbar nach dem Urknall herrschte (Mini Urknall). Die Befürchtung der CERN Kritiker ist nun aber, dass sich aus diesem Quark-Gluonen Plasma nicht nur neue “normale” Teilchen bilden (so wie wir sie kennen), sondern seltsame Materie oder “strange matter”. Diese seltsame Materie könnte jegliche normale Materie mit der sie in Berührung kommt in seltsame Materie umwandeln. Man muss betonen, dass im Gegenteil zu den normalen Verschwörungstheoretikern bei anderen Experimenten (z.B. HAARPS), all diese Befürchtungen rund um den LHC durchaus einen wissenschaftlichen Hintergrund haben.

    Die Mitarbeiter und Physiker des LHCs, haben diese Befürchtungen auch wirklich ernst genommen und haben im Jahr 2003 eine Studie veröffentlicht, welche sich mit den Gefahren des LHCs auseinandersetzt. Im Jahr 2008 wurde eine weitere Studie in Auftrag gegeben, welche von Wissenschaftlern durchgeführt wurde, die nicht am CERN beschäftigt waren, um einen Interessenskonflikt so gut wie möglich zu vermeiden. (Bereits im Jahr 2000 gab es übrigens eine ähnliche Studie. Hierbei war aber nicht der Teilchenbeschleuniger in der Schweiz das Thema, sondern der amerikanische RHIC).

    Welche Gegenargumentation kann man nun den CERN Kritikern entgegenbringen? Nun, hier gibt es zunächst einmal eine experimentelle Überlegung. Die Erde wird tagtäglich von kosmischer Strahlung bombardiert. Diese Teilchen haben Energien, die um ein Vielfaches höher sind als jene, die im LHC erzeugt werden. Somit hätten solche Mini Schwarze Löcher schon längst entstehen müssen. (Das Gegenargument zum Gegenargument ist aber, dass aufgrund der Impulserhaltung diese Schwarzen Löcher weggestoßen werden müssten, während sich jene die im LHC erzeugt werden theoretisch in Ruhe befinden sollten, weil beide Protonen aufeinander zu fliegen. Im vorherigen Fall wäre die Erde in Ruhe, und das kosmische Teilchen in Bewegung).

    Die theoretische Argumentation ist, dass nur eine sehr exotische Stringtheorie solche Schwarzen Löcher vorhersagt. Ausschließen kann man sie natürlich nicht. Aber selbst WENN solche Schwarze Löcher entstehen, würden sie auf Grund der Hawking Strahlung oder anderer Quantenübergänge innerhalb von kürzester Zeit zerstrahlen. Selbst WENN sie nicht (oder nur sehr langsam) zerstrahlen würden, würden sie sehr lange, sehr klein bleiben. Denn so ein Schwarzes Loch ist ja kein Staubsauger, der anfängt Materie einzusaugen. Ein Schwarzes Loch müsste nämlich warten, bis ihm zufällig ein anderes Teilchen begegnet, welches es dan schlucken könnte. Gravitation spielt auf so kleinen Größenordnungen nur eine untergeordnete Rolle. Es würde also mehrere Milliarden Jahre dauern, bis so ein Schwarzes Loch auf eine für uns gefährliche Größe anwachsen würde.

    Die Argumentation, die man der seltsamen Materie (Strangelets) entgegensetzen kann ist Folgende: Um solche Strangelets zu erzeugen, brauche ich eine sehr hohe Temperatur und eine sehr hohe Energie. Wenn ich nun aber genau so eine hohe Energie aufbringe, dann habe ich keine geordnete Struktur, sondern frei herumfliegende Quarks. Die Erzeugung eines Strangelets wäre in etwa vergleichbar mit der spontanen Erscheinung von einem Eiswürfel in kochendem Wasser. Prinzipiell nicht unmöglich, aber doch sehr sehr unwahrscheinlich.

    Als Fazit lässt sich sagen, dass anders als bei üblichen Verschwörungstheorien der wissenschaftliche Kontext stimmt. Die Angst vor dem Weltuntergang, hervorgerufen durch den LHC, fällt in das Reich der medialen Panikmache. Laut Aigner gehen Medien verantwortungslos und äußerst wissenschaftsfeindlich damit um. Warum kommt Wissenschaft immer nur dann in die Schlagzeilen, wenn sie Angst und Schrecken verbreitet?

    Aigner beantwortet schlussendlich die Frage, ob wir die Experimente am LHC wagen sollen, mit einem klaren ja. Der Mensch ist geboren zum Entdecken. Entdeckung und Forschung bringen Faszination mit sich, es ist spannend schwierige Fragen zu beantworten. Wir sollten den Mut haben Mut Wissenschaft auf unbegangenen Wegen weiterzuführen.

    “Es ist schön zu verstehen; es ist gut, zu wissen”

    Damit endet meine Berichterstattung von der 21. GWUP Konferenz. Es war eine spannende und lehrreiche (und schreibintensive) Konferenz, und ich hoffe doch, auch nächstes Jahr bei der europäischen Skeptikertagung wieder dabei sein zu können.

Kommentare (26)

  1. #1 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    Hu – das scheint ja ein spannender Tag gewesen sein!

    Ich stimme Florian Aigner allerdings nicht zu, wenn er sagt dass Rössler “Ahnung hat wovon er spricht”. Wenn dem so wäre und er sich so super mit der Relativitätstheorie auskennen würde, dann würde er auch nicht so nen Unsinn erzählen und daraus ableiten… Und ich denke auch nicht, dass die Sache mit “ruhenden Kollisionen” vs. den “Bewegten Kollisionen” tatsächlich ein “Gegenargument” ist. Das hört man zwar ständig von den LHC-Panikmachern (irgendwas müssen sie sich ja gegen das kosmische Strahlung-Argument ausdenken). Aber wir haben das ja schon sehr ausführlich diskutiert…

  2. #2 olf
    5. Juni 2011

    HAARP ist vom Militär finazierte Forschung, ohne Peer-Review.
    Genau das leistet der Spekulation Vorschub.
    Also regt euch nicht auf wenn sich die VT daruf stürzen.

  3. #3 HaDi
    5. Juni 2011

    Ein weiteres beliebtes Argument ist die Korrelation der Messdaten des HAARP Induktionsmagentometers mit dem Auftreten von Erdbeben. Was den Leuten aber nicht klar zu sein scheint: Dieses Messinstrument misst das Erdmagnetfeld und hat mit Erdbeben rein gar nichts zu tun.

    Sollte dieser Satz nicht “Dieses Messinstrument misst das Erdmagnetfeld und hat mit der Aktivität von HAARP rein gar nichts zu tun” heissen? Denn Erdbeben haben auswirkungen auf das Erdmagnetfeld (wie u.A. auch hier zu lesen).

    Der etwas forschere Haarp-VT-Anhänger schaut nach einem großén Erdbeben auf der HAARP-Webseite nach und wird dort bei den Magnetometer-Protokollen fündig: “Da! Gleichzeitig mit den Erdbeben war HAARP aktiv!!!eins11” heisst es dann und übersieht dabei, dass es sich nicht um Protokolle der HAARP-Aktivität sondern um reines MEssen des Magnetfeldes handelt.

    Nebenbei ein herzliches Danke für die ausführliche Berichterstattung – und die Frage: Gibt´s die Vorträge auch als Videos? Das Klientel für diese Mythen ist im allgemeinen ziemlich lesefaul und guckt gerne Juhutuhp, da wären Videos praktisch 😉

  4. #4 rolak
    5. Juni 2011

    Soll das ein ganz geschickter Godwin sein, olf? Ansonsten wären noch zwei Dinge unklar:

    1. Belege für ‘ohne peer-Review’?
    2. Bei der ungemein verbreiteten militärischen (Teil)Finanzierung von Forschungsvorhaben – warum stürzen sich die VTler nicht wesentlich häufiger?

    Hi David Gruber, gibt es zu der grazilen Schule/Handymast-Story auch einen netten link? Nicht daß ich es nicht glauben würde (des Menschen Irrationalität ist schier unerschöpflich), doch mir fällt im Moment kein Suchmuster ein, das die in diesem Themenbereich zu erwartenden abermilliarden Mülltexte halbwegs zuverlässig wegfiltert. btw: Natürlich ist Mobilfunk potentiell gefährlich, nicht umsonst sind Handys am Steuer eine Ordnungswidrigkeit. Nur das mit dem Gemüse, das gilt nur für sauer eingelegt, aka Mixed Pickles et al.

    Insgesamt: Danke für die (fast) umfassende Berichterstattung!

  5. #5 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    @olf: “HAARP ist vom Militär finazierte Forschung, ohne Peer-Review.”

    Wie kommst du auf diese Idee? (also das mit “ohne peer-review” meine ich)

    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/haarp-erdbebenwaffe-gedankenkontrolle-oder-ganz-normale-wissenschaft.php

  6. #6 Jinx
    5. Juni 2011

    Statistricks und Placebo. Gibt es denn nun den berühmten Placeboeffekt oder nicht?

  7. #7 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    @Jinx: Siehe hier: http://tinyurl.com/3o2tqdd

    (Oder auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo – Das es diesen Effekt gibt, ist schon lange bekannt und absolut nicht umstritten)

  8. #8 rolak
    5. Juni 2011

    Hi HaDi, gut gesehen – vielleicht fehlt auch nur etwas á la “hat mit dem Auslösen von Erdbeben”.

    Zu den Videos: Die Wahrheit höchstselbst ist auf ungemein vielen Photos hinter der Kamera stehend zu bewundern, vielleicht bereitet sie noch alles auf…

  9. #9 Hans
    5. Juni 2011

    Aigner hebt hervor, dass es sich bei dieser Person durchaus um jemanden handelt, der Ahnung hat wovon er spricht

    Unter anderem ist dieser Herr, der ja angeblich weiß wovon er spricht, auch für das Goldene Brett nominiert gewesen. Unter anderem hätte man dort eben sehr detailliert nachlesen können, dass Rössler eben nicht weiß, wovon er spricht.

    Und der Plaga heißt Rainer, nicht Robert. Nicht wirklich wichtig, spricht aber nicht für die Recherche.

  10. #10 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    @Hans: “Nicht wirklich wichtig, spricht aber nicht für die Recherche. “

    Naja, einen Vornamen verwechseln kommt vor. Immerhin hat David sich die Mühe gemacht, nach einem ganzen Tag voller Vorträge abends noch alles aufzuschreiben damit ich es hier als Gastbeitrag veröffentlichen kann. Da kann man schonmal nen Flüchtigkeitsfehler machen. Ist auch mein Fehler; ich habs beim einstellen und korrekturlesen ja auch nicht gemerkt.

  11. #11 Uwe
    5. Juni 2011
  12. #12 Christian A.
    5. Juni 2011

    Otto Rösler hat einen Eintrag auf Scholarpedia, was darauf hinweist das er nicht nur durch Crankigkeit aufgefallen ist. Er hat also schon Ahnung von dem, was er professionell macht. Ich kann mir vorstellen, dass er mit der LHC-Kritik so ein bißchen das Muster verfolgt, was ihn zu seinem Attraktor gebracht hat, nämlich als ein fachfremder Querdenker, der das Feld von hinten aufrollt. Das Problem ist nur, dass die Chaosforschung in den 70ern ein ziemlich neues Feld war, wo es noch viiieeel Platz gab; die Situation bei den Beschleunigern ist ja eine völlig andere (ausgereifte, erfolgreiche Theorien, lange etabliert, alle Ecken ausgeleuchtet). Vielleicht versteht er das nicht und versucht auf Biegen und Brechen einen Durchbruch zu erzielen.

  13. #13 David Gruber
    5. Juni 2011

    @rolak: Das, was ich gefunden habe ist folgender Link http://www.salzburg.com/online/salzburg/aktuell/Handymast-bei-der-Rudolf-Steiner-Schule-wird-verlegt.html?article=eGMmOI8Vdz2nNJzc9mstYRuJt9ojOCPxqGMTEjA&img=&text=&mode=&
    Dr. Ruttner hat explizit keinen Weblink in seiner Präsentation genannt (allerdings hat er das Aktenzeichen eines Gutachtens als Quelle angegeben: TGM-VA R 24799. Wie man an dieses Gutachten ran kommt, keine Ahnung)

    @Hans: Ups, da hat sich ein Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. In meinen Unterlagen stand tatsächlich Rainer und nicht Robert. My bad.

  14. #14 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    @Christian A: “Er hat also schon Ahnung von dem, was er professionell macht. ”

    Ja – aber nur weil er ein guter Biochemiker ist, macht ihn das nicht zu einem Experten für Teilchenphysik.

  15. #15 Engywuck
    5. Juni 2011

    Ach ja Rössler….
    ich hab ja in Tübingen studiert, und das einzige womit er auffiel waren seine Aktionen gegen die Uni, an der er lehren sollte. Inklusive nächtlicher Graffiti an den Neuen Aula und so.

    Mag sein, dass er auf seinem Gebiet brilliant ist (oder war), aber als ich dann von seinen wirren ideen um den LHC hörte passte das zu vielem anderen vorher. Und zwar nicht zu den positiven Teilen.

  16. #16 rolak
    5. Juni 2011

    Danke David, der Name der Schule grenzt die Suchergebnisse mit Sicherheit eng genug ein. Und erklärt einiges 😉
    Merkwürdig nur, daß im gwup-blog von einer Schule in Graz die Rede ist (daher auch mein Adjektiv). Wie gesagt, schier unerschöpflich – es kann also durchaus mehrere Fälle geben. Gibts halt zwei Lesezeichen…

  17. #17 Christian A.
    5. Juni 2011

    Ja – aber nur weil er ein guter Biochemiker ist, macht ihn das nicht zu einem Experten für Teilchenphysik.

    Hab ich das geschrieben?

  18. #18 Thomas J
    5. Juni 2011

    wie spricht man denn eigentlich “Aigner” aus? ägner? änje?

    und vielen Dank an David für die Berichte!

  19. #19 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    Sorry, mir ist grad aus Versehen ein Kommentar von “RelativKritisch” in den Papierkorb gerutscht :( Könnt ihr den nochmal posten? Ansonsten hab ich ihn noch und stell ihn ein; allerdings nur ohne Formatierungen; die sind bei mir futsch.

  20. Ich stimme Florian Aigner allerdings nicht zu, wenn er sagt dass Rössler “Ahnung hat wovon er spricht”. Wenn dem so wäre und er sich so super mit der Relativitätstheorie auskennen würde, dann würde er auch nicht so nen Unsinn erzählen und daraus ableiten…

    So ist es. RelativKritisch hat Otto E. Rössler seit 2008 kontinuierlich begleitet. Es ist eine urban legend, Rössler hätte ausreichende Kenntnisse der theoretischen Physik und speziell der Relativitätstheorien. Leider haben die Medien, die ihm bereitwillig ihre Mikrofone hingehalten haben, das weder hinterfragt noch waren die Studiogäste, die ihm zugeführt wurden, ausreichend vorbereitet, um den Tübinger Maschinenstürmer bezüglich seiner Kompetenzen einmal konsequent anzustesten.

    Wer selbst einmal das Vergnügen hatte, direkt mit Otto E. Rössler über sein Weltuntergangsszenario zu diskutieren, dem wurde recht schnell bewusst, dass da nur heisse Luft vorhanden ist. Rössler weicht aus, wenn er seine “Befunde” herleiten soll oder flüchtet sich in lächerliche “Kindergleichungen”. Er beherrscht fundamentale Grundannahmen der RT wie z. B. Beobachterabhängigkeiten, Eigenzeiten etc. nicht im entfernsten und schwurbelt sie wild durcheinander. Anstatt klare theoretische Aussagen und mathematische Begründungen zu liefern flüchtet sich Rössler in solchen Diskussionen in prosaische Phantasiegebilde, Themenwechsel oder in ignorantes Schweigen.

    Diese Diskrepanz von Anspruch (“Neuinterpretation der ART”) und Wirklichkeit (physikalische Kompetenz) mag zunächst verwundern, lässt sich aber aufklären. Das “wissenschaftliche” paper, mit dem Rössler 2008 ins Rennen um die LHC-Hysterie ging, stammt in wesentlichen Teilen von seinen Doktoranden und Studenten in Tübingen und war zum damaligen Zeitpunkt schon gut zehn Jahre alt. Rössler beherrscht weder die Theorie noch die Mathematik dieses paper, das vor drei Jahren von Nicolai, Bruhn u. a. in einem exklusiven review verrissen wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Rösslers “Überarbeitung” des paper lediglich prosaische Ergänzungen im Sinne seiner (oben geschilderten) Diskussionsbeiträge enthält. Der mathematische Apparat ist gänzlich unverändert. An den hat er sich erst gar nicht heran getraut.

    Fazit: Otto E. Rösslers Kompetenz in puncto theoretischer Physik und RT existiert praktisch nicht und befindet sich auf dem Niveau der Einstein-cranks, an deren Konferenzen er folgerichtig teilgenommen hat. Rössler verbreitet in letzter Zeit zunehmend wirrere Verschwörungstheorien, warum er keinen Anklang mehr findet. Der typische Werdegang eines crackpots.

    Gleiches gilt für den “radiation man” Walter L. Wagner, der neben fehlender physikalischer Kompetenzen auch noch Probleme mit seinen akademischen Titeln hat. Bleibt noch Rainer Plaga, der sich seit seinem kurzlebigen Auftritt in dieser Angelegenheit aber nicht mehr zu Wort gemeldet hat.

    Wissenschaftlich betrachtet, ist die Debatte um Rösslers und Wagners Mini Black Holes abgefrühstückt. Nicht auszuschliessen ist, dass der Networker Rössler ein mediales comeback schafft, wie Ende Januar der “Skandal um Telepolis” gezeigt hat. Aktuell ist vom “LHC-Widerstand” ein verprengtes Grüpplein von Laien übrig, die sich von diesen Wortführern einlullen liessen. Nach ihren gescheiterten Klagen und Petitionen versuchen diese gerade massiv ihre Angriffe auf die Grundlagenforschung in der Teilchenphysik in die Anti-Atombewegung einzuspeisen (Stichwort: “LHC = subnuklearer Reaktor”). Angesichts des irrationalen Potentials in dieser Bewegung ist nicht auszuschliessen, dass die Maschinenstürmer hier ein neues Reservoir erschliessen, das den Spuk um den Weltuntergang via LHC noch einmal befeuert.

    LG
    RelativKritisch Redaktion

  21. Danke, Florian.

  22. #22 Jinx
    5. Juni 2011

    @Florian

    Danke für die Links. Das habe ich aber schon selbst gegoogelt.

    Du schreibst oben, dass man sogar bei Doppelblindstudien lügen kann und dass es sich dann um einen Statistiktrick handelt. Ein medizinischer Effekt ist aber das genaue Gegenteil eines statistischen Tricks. Sonst würde man ja gleich auf die Studien und Statistiken verzichten können.

    Der Placeboeffekt versteckt sich aber immer in diesen Statistiken. Also müsste es sich in Anbetracht obiger Aussage um einen Statistiktrick handeln.

    Sonst müsste man den Wunderheilern und Chiropraktikern doch zumindest den Placeboeffekt hoch anrechnen?

  23. #23 Florian Freistetter
    5. Juni 2011

    @Jinx: Der Placeboeffekt tritt immer auf. Und deswegen muss man ja, wenn man zeigen will, dass ein Medikament eine echte Wirkung hat auch zeigen, dass es besser als ein Placebo ist.

    “. Sonst müsste man den Wunderheilern und Chiropraktikern doch zumindest den Placeboeffekt hoch anrechnen? “

    Nein, sicher nicht. Abgesehen davon, dass man es niemand “hoch anrechnen” kann, kranke Menschen zu belügen lässt sich der Placeboeffekt nicht gezielt therapeutisch einsetzen: http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2011/03/zum-einsatz-von-placebos.php

  24. #24 David Gruber
    6. Juni 2011

    @Jinx: Soweit ich das Problem verstanden habe, geschieht folgendes: Man plant eine randomisierte Doppelblindstudie und hat sein Häuflein Testobjekte, an denen man z.B. ein Medikament testet. Findet man nun heraus, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Testgruppe und der Kontrollgruppe (also die, die das Placebo bekommt) innerhalb des 95% Kofindenzintervalls gibt, dann kann man folgendes tun (wenn man ein schlechter Wissenschaftler bzw. Statistiker ist):
    Man teilt die Gruppen in Subgruppen auf: In Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Links- und Rechtshänder, etc. Je mehr desto besser. Denn was passieren wird: Durch Zufall allein wird man mindestens eine Gruppe finden, bei der die Testgruppe BESSER abgeschnitten hat (und zwar signifikant besser). Übrigens wird man genausogut eine Subgruppe finden wo die Kontrollgruppe signifikant besser abgeschnitten hat (das unterschlagt man natürlich).

    Deshalb sollte man nicht nach Korrelationen in Subgruppen suchen, sondern einen Versuch so designen, dass genau jene Variable getestet wird, die man testen möchte.
    Ich finde, das hier beschreibt es ganz gut (auch schon oben verlinkt) http://xkcd.com/882/

  25. #25 Jinx
    6. Juni 2011

    @Florian und David

    Der Artikel von Geograffitico zeigt sehr schön dass eine Placebotherapie nur dann funktioniert, wenn sie nicht als solche verkauft wird (Thema Chiropraktiker usw.) und sie funktioniert vor allem bei Krankheiten mit psychischer Komponente, wie z.B. Schmerzen oder leichte Depressionen.

    Wenn also Homöopathie nicht hilft dann hilft auch kein Placebo. Bei vielen Krankheiten ist ein Placebo aber ethisch nicht vertretbar.

    Zur Homöopathie sagt Geograffitico: “Tja, wenn denn die Wirkung so zuverlässig wäre, wie die von medizinischen Arzneien, wäre dagegen ja auch gar nichts einzuwenden.” Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

  26. #26 Florian Aigner
    20. Juni 2011

    Offensichtlich stört es manche Leute, dass ich die CERN-Kritiker nicht scharf genug angegriffen habe. Nun: Wer meinen Vortrag gehört hat, der weiß, dass ich keinen Zweifel daran gelassen habe, auf welcher Seite ich stehe. Ich bin allerdings tatsächlich der Meinung, dass zwischen CERN-Verschwörungstheoretikern und Leuten, die an belebtes Wasser, Horoskope oder Wünschelrute glauben, ein Unterschied besteht. Der Unterschied liegt darin, dass in der CERN-Debatte zumindest versucht wird, wissenschaftlich zu argumentieren. Dass das Grundlagenwissen dieser Leute meist nicht ausreicht, um eine ernsthafte, niveauvolle Diskussion über das Thema zu führen, ist eine andere Sache.

    Grundsätzlich bleibt – nach Popper – festzuhalten: Wenn jemand widerlegbare Argumente bringt, ist das gut. Darum sind mir diese CERN-Gegner hundertmal lieber, als die klassischen Eso-Schwurbler, die Aussagen machen, über die man nicht einmal diskutieren kann. Dass ich trotzdem nicht der Meinung bin, dass die CERN-Gegner recht haben, weiß jeder – und das ist auch eine ganz andere Sache.

    PS: Weil hier gefragt wurde: Aigner spricht man ganz normal (deutsch) aus. Also wie “Eigner”