Matthias Pröfrock, ein CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, musste seinen Doktortitel abgeben. Wie die Universität Tübingen sagt, hat er “in nicht unerheblichem Maße” fremde Texte abgeschrieben und als seine eigene geistige Leistung ausgegeben. Und was macht Herr Pröfrock nun? Legt er sein Mandat nieder?

Nein, natürlich nicht. Es waren ja gerade erst Wahlen meint er. Und: Die Wähler “haben mich sicher nicht wegen meines Doktortitels gewählt”. Warum also sollte er zurücktreten?

Lieber Herr Pröfrock: Meinen sie wirklich, die Menschen in Baden-Württemberg hätten sie gewählt, wenn sie gewusst hätten, dass sie bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit betrogen haben? Meinen sie wirklich, die die Menschen in Baden-Württemberg hätten sie gewählt, wenn sie gewusst hätten, dass sie einfach so die Texte anderer Leute geklaut, in ihre Doktorarbeit kopiert und als ihre eigenen Ideen ausgegeben hätten?

Sie müssen kein Doktor sein, um gute Politik zu machen! Es geht nicht darum, ob sie einen Doktortitel haben oder nicht (darum ging es auch bei ihrem Kollegen Karl-Theodor nicht). Es geht darum, dass sie anscheinend keine Hemmungen hatten, sich die Arbeit anderer Wissenschaftler anzueignen, als ihre eigene auszugeben um sich so unverdient und unrechtmäßig einen akademischen Abschluss und einen Doktortitel zuzulegen! Wenn die Menschen das vor der Wahl gewusst hätten, meinen sie, sie hätten sie gewählt? Und jetzt, wo die Menschen darüber Bescheid wissen, meinen sie, die Menschen sehen in ihnen noch einen Volksvertreter (das ist es, was sie als Politiker tun: das Volk vertreten), dem man vertrauen kann? Wo sie doch schon deutlich demonstriert haben, dass dem nicht so ist? Wenn sie noch einen Funken Anstand haben, dann legen sie ihr Mandat gefälligst nieder!

Ernsthaft, Aussagen wie die von Pröfrock regen mich fast noch mehr auf als das wissenschaftliche Fehlverhalten an sich. Sie zeigen deutlich, wie wenig diese Leute eigentlich verstehen, was sie da getan haben. Wie wenig sie von Wissenschaft verstehen und der Bedeutung von wissenschaftlicher Arbeit. Ein Doktortitel macht sich gut auf der Visitenkarte? Also studieren wir halt ein bissel und wenn die Zeit nicht reicht, dann schreiben wir einfach ab, was soll schon passieren. Und wenn doch was passiert: Ups. Geben wir den Titel halt wieder zurück, so wichtig war es eh nicht. Probieren kann man es ja, hat halt nicht geklappt. Den Wählern ist es eh wurscht, die merken eh nicht, was man da getan hat. Sagen wir, wir haben ein paar Fußnoten schlampig geschrieben – wegen sowas muss niemand zurück treten.

Politikern wie Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis oder Pröfrock fehlt anscheinend jedes Unrechtsbewusstsein. Es ist ihnen anscheinend absolut nicht klar, dass es nicht in Ordnung ist, sich einen wissenschaftlichen Abschluss zu erschleichen in dem man akademische Leistungen vortäuscht, die in Wahrheit von anderen Wissenschaftlern stammen. Anscheinend meinen viele Politiker tatsächlich, sie könnten machen was sie wollen ohne für ihr Fehlverhalten gerade stehen zu müssen so wie der Rest der Bevölkerung. Widerlich!

Mehr zum Thema gibts bei De Plagio

Kommentare (56)

  1. #1 Christian Reinboth
    6. Juli 2011

    Nur mal für die Perspektive:

    Seit Beginn der 15. Wahlperiode versteht sich der baden-württembergische Landtag als Vollzeitparlament. Ein Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg bekommt derzeit monatlich 6.756 Euro – bezeichnet als Entschädigung. Diese wird bezahlt als Entgelt für die Ausübung des Mandats, das laut Bundesverfassungsgericht als berufliche Tätigkeit einzustufen ist. […] Für allgemeine Kosten wie Wahlkreisbüro, Porto, Mehraufwendungen am Sitz des Landtags und bei parlamentarisch bedingten Reisen erhält der Abgeordnete eine monatliche Pauschale in Höhe von 1.444 Euro. Reisekosten werden auf Nachweis erstattet. Das Land zahlt dem Abgeordneten auch die entstandenen Kosten für eine Büro- oder Schreibkraft. […] Im Übrigen kann er die Deutsche Bahn innerhalb Baden-Württembergs frei nutzen.

    http://www2.landtag-bw.de/Abgeordnete/Diaeten_2011.asp

    Wer würde so ein Mandat schon ohne Kampf aufgeben wollen?

  2. #2 MartinB
    6. Juli 2011

    “einen Volksvertreter (das ist es, was sie als Politiker tun: das Volk vertreten)”
    Nein, das hast du falsch verstanden:
    Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger,
    Versicherungsvertreter verkaufen Verischerungen,
    Volksvertreter …

  3. #3 ali
    6. Juli 2011

    @MartinB

    Ich weiss nicht wie es weiter geht, aber hört der Satz mit “…für dumm” auf?

  4. #4 olf
    6. Juli 2011

    Wenn die Partei (n) jemanden auf die Wahlliste setzt,
    dann vetritt dieser Jemand die Partei (-linie).

  5. #5 Hel
    6. Juli 2011
  6. #6 Boris
    6. Juli 2011

    Die Argumentation ist doch schlüssig: “Die Wähler haben mich sicher nicht gewählt, weil ich keine Steuern hinterzogen habe.”, “Die Wähler haben mich sicher nicht gewählt, weil ich keinen Insolvenzbetrug begangen habe.”, “Die Wähler haben mich sicher nicht gewählt, weil ich keine Zimmermädchen in New York vergewaltige.”, … seltenst werden Politiker wegen dem gewählt, was sie nicht machen.

    Die Aussagen sind sicher alle richtig, aber wenn es danach geht, gibt es doch für Politiker keinen Grund zurückzutreten, es sei denn, dass sich nach der Wahl herausstellen sollte, dass der Politiker seine Wahlversprechen nicht ein… – Moment! Ach so?

  7. #7 Bjoern
    6. Juli 2011

    @Florian: Ich befürchte, beachtlich viele Leute hätten Herrn Pröfrock auch dann noch gewählt, wenn das schon vor der Wahl bekannt gewesen wäre – schlicht und einfach deswegen, weil die meisten Leute so etwas leider als Kavaliersdelikt ansehen…

    Frag’ doch einfach mal ein paar Leute, die nicht studiert haben, was die von der Guttenberg-Affäre hielten – und du wirst wahrscheinlich oft als Antwort bekommen, das wäre doch alles völlig übertrieben gewesen, das würde doch nichts ausmachen, der Mann wäre doch trotzdem sympathisch, das hätte doch nichts mit seiner Politik zu tun usw. usf.

    Würde mich sogar nicht wundern, wenn sich manche Leute sogar wegen des aberkannten Doktortitels auf seine Seite stellen würden – so nach dem Motto: der wird vom Establishment (und den pösen Wissenschaftlern!!!) verfolgt, den müssen wir unterstützen!!!

  8. #8 datenkind
    6. Juli 2011

    Das hier: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-06-22/das-ende-der-l-gen verliert wohl so schnell nicht seine Aussage …

    Diese Leute wissen ganz genau, was sie machen. Sie wissen, dass sie von vorn bis hinten lügen und betrügen, und wenn wir mit dem Finger auf sie zeigen, damit sie sich gefälligst verpissen, zeigen sie uns den Stinkefinger und sag „Leck mich doch“.

    Und so lange das nicht aufhört, müssen wir weiterarbeiten. Weiter aufdecken und trotzdem weiter mit dem Finger auf diese Menschen zeigen und allen und jedem sagen, was das eigentlich für [beliebig unflätiges aber dennoch unangefochten angemessenes Schimpfwort einfügen] eigentlich sind.

  9. #9 Birgit
    6. Juli 2011

    Ich seh das bei uns im Büro auch immer wieder – Frechheit siegt auf politischer Ebene, so unmoralisch es auch sein mag…

  10. #10 Florian Rodler
    6. Juli 2011

    Bei so wenig Unrechtsbewusstsein bzw. Verantwortungslosigkeit kann man sich wohl vorstellen, was diese Leute in der Politik so auffuehren …

  11. #11 klauszwingenberger
    6. Juli 2011

    Das bringt es auf den Punkt. Nehmen wir mal an, es gehe nicht um intellectual, sondern um material property – sagen wir: eine schicke Limousine. Dann wird es deutlicher.

    “Die Leute haben mich nicht wegen meines Perpedes-Glänz gewählt”.

    Nö, aber wenn sie gewusst hätten, dass er geklaut ist, hätten sie ihn vielleicht nicht gewählt.

  12. #12 Schmidts Katze
    6. Juli 2011

    Sie zeigen deutlich, wie wenig diese Leute eigentlich verstehen, was sie da getan haben. Wie wenig sie von Wissenschaft verstehen und der Bedeutung von wissenschaftlicher Arbeit.

    Das glaube ich nicht, sie wissen es genau, sie glauben nur, damit durchzukommen.

    Das war doch bei Anne Will zu sehen, in den Kommentaren habe ich sinngemäß gelesen: “Er hat es doch erklärt, er hat zitiert, wie es in Oxford üblich ist, und jetzt wird ihm von den Hexenjägern ein Strick daraus gedreht.”

    Dreistigkeit siegt.

  13. #13 sol1
    6. Juli 2011

    Margot Käßmann wurde auch nicht wegen ihrer Fahrkünste zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt.

    Sie hatte aber im Unterschied zu den Dres. plag. den Anstand, sich zu ihrem Fehlverhalten zu bekennen und die Konsequenzen daraus zu ziehen.

  14. #14 Oliver Debus
    6. Juli 2011

    Ich frage mich jetzt ernsthaft, welcher Politiker jeh eine eigene Leistung erbracht hat. Klauen sie nicht alle munter von einander und geben es dann als ihre Leistung aus.
    Es ist einfach gar krausig, von solchen D………n regiert zu werden. Kriegen wir hier bald italienische Verhältnisse? Ist das unberechtigte führen eines akademischen Titels nicht strafrechtlich relevant? Kann man da den Herren und Damen Politiker, die mit ihren falschen Dr.-Titeln Wahlkampf machen nicht einen Strick drehen? Sollte man denen dann mal unter die Nase reiben.

  15. #15 Fuelbomb
    6. Juli 2011

    So ein … War Wahlkreiskandidat in meinem Wahlkreis. Und ist mir vor allen Dingen dadurch aufgefallen, dass er mir mit seinem Wahlkampfmobil fast ins eigene Auto reingefahren ist, weil der Wagen sonst am 9. März 2011 zu spät in die “Alte Kelter” (Fellbach) zum politischen Aschermittwoch gekommen wäre.

    Diese wunderbar steile Karriere, sein blendendes Image (im wahrsten Sinne des Wortes)… Aber wehe, man schaut mal hinter die Kulissen! Da schreibe ich noch extra auf meinem Briefkasten, bitte keine Werbung einwerfen und Herrn (Dr.) Pröfrocks Zettel liegt natürlich drin. Und dann diese Geschichte…

    Ich kenne unseren Bewerber leider recht gut, da er lokal gut vernetzt ist und ich einigen Kontakt zu Leuten aus der Szene habe (Junge Union Backnang, Leute von der Uni Tü,…) und diese bestätigen diese selbstgefällige Art, über Leichen zu gehen, nur um erfolgreich (zu wirken) / zu sein. Wenn Leute wissenschaftlich erfolgreich sind und sich einen Dr. anklemmen, dann verdient dies Respekt. Wenn ein Herr Pröfrock meint, wissenschaftliche Arbeit habe ja nichts mit Politik zu tun, dann soll er auf seine Wahltafeln auch nicht so groß “Dr.” draufschreiben.

    Was musste ich mir Samstags auf dem Marktplatz anhören?

    “Hach, der Herr Pröfrock, des isch ‘n guder! Der hat sogar nen Doktor!”
    “Ja, der isch no soo jung, aber hoch gebildet!”
    “Ja wisset se, des isch so ‘n engagierter junger Mann, so ehrlich, aber doch bodenständig! Der wird no mal was ganz großes werde…”

    Captain Jean-Luc Picard würde dabei seine Hand vors Gesicht schlagen. Der Dr. diente nur zum makellosen Erscheinen. So jung, so gut, der muss es einfach drauf haben. Mitnichten. Aber er ist ja so ein Guter…

  16. #16 Christian
    6. Juli 2011

    Ich frage mich ja echt nur, wenn er glaubt, dass der Doktortitel eh keinen Einfluss auf die Wahlentscheidung hat, warum hat er ihn dann gemacht? Ist doch wieder so eine typische Politikerpromotion gewesen, “Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union / Europäischen Gemeinschaften”… Auf so ein Thema promoviert man doch nicht, wenn man ernsthaftes Interesse am wissenschaftlichen Betrieb hat.

  17. #17 a+
    6. Juli 2011

    m(

    Sorry, wenn ich nur Schaum vor dem Mund absondere, aber mir reicht es allmählich. “Keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt” (Merkel), “Nicht wegen des Doktortitels gewählt” (Pröfrock), dazwischen die unglaubliche Chuzpe von SKM den noch warmen Stuhl von Chatzimarkakis im wichtigsten Forschungsfinanzierungsgremium der EU zu besetzen. Politiker, gehts noch??? Warum reiße ich mir eigentlich seit über einem Jahrzehnt den Arsch auf, erst für lau, dann für ein SHK-Gehalt unter der Armutsgrenze, dann auf für eine halbe WHK? Ich hab mir für 15 € zusätzliches Tagegeld Tropenkrankheiten gefangen, Unfälle und Überfälle überstanden, hab bei 47°C im Schatten Daten zusammengetragen, während jedem normalen Dienstreisenden 60 bis 90 € zustehen (siehe Steuertabelle). Und ich hab mich dabei gut geschlagen, ich kenn genügend Leute, die kein Tagegeld bekommen.
    Ich hole mir bei der Auswertung an Rechnergurken Haltungs- und Augenschäden (von den Neurosen, die der akademische Betrieb so hervorruft, ganz zu schweigen) – und die politische Kaste geht über Betrug* einfach mal so hinweg.

    Wenn wir das jemand ins Gesicht sagen würde, dann würde mir die Halsschlagader schwellen und der/diejenige könnte sich auf eine sehr hohe Lautstärke einstellen!
    Bittebittebitte, Scilogger/Sciencblogger: DOKUMENTIERT die Aussagen. Nicht nur im Blogposts. Schneidet Videos mit. Verbreitet das Zeugs. Macht es, wenn irgend möglich, zu CC und bittet um remixe. Macht eine Hitliste an dem, was sicher nicht nur ich ich als öffentliche Beleidigung der wissenschafttlichen Kaste** empfinde.
    Macht eine App draus, bei der man nach Schlagworten und politischer Couleur suchen kann. Ruft Leute dazu auf, bei jeder Fußgängerzonenwerbungsaktion von jedweder Partei die Leute festzunageln. Postet einen Argumentationsleitfaden gegen Stammtischparolen. MACHT, DAS ICH MICH WIEDER BERUHIGE! AAAAAAAAARGH!!!!!

    *SMKs Fall ist verjährt, sonst würde ein Gericht sicher Betrug feststellen, denke ich – bin aber kein Jurist, die scheinen ja zumeist

    ** Jepp, wenn PolKaste, dann auch SciKaste. Da tragen genau so viele ihr “wichtig”-Schild vor’m Kopp, mit allen Folgen. Ick ooch, weeste.

  18. #18 DrNI
    6. Juli 2011

    In Baden-Würstchenberg treten CDU-Politiker nun mal nicht zurück. Das machen nur die Idioten von der SPD. Zum Beispiel Herta Däubler-Gmelin, als sie aus Versehen Bush und Hitler in einem Satz unterbrachte. Kommandante Oettinger trat hingegen nicht zurück, als er den Nazi Filbinger als “Widerstandskämpfer” bezeichnet hatte. Warum sollte Pröfrock zurücktreten?

    Aber natürlich sollte er. Sofort. Denn wie bei den anderen Plagiatsfällen auch hat hier wohl jemand zu seinem eigenen Vorteil unrecht gehandelt, bzw. die Wissenschaft misshandelt, und wer so egoistisch ist, der vertritt immer nur sich selbst, nicht das Volk.

    Leider ist es nicht überflüssig, dass immer und immer wieder bei jedem neuen Fall nochmal zu sagen. Der Shitstorm darf nicht aufhören.

    Es treten nur leider meist die zurück, die noch Anstand und Moral erkennen lassen (z.B. Käßmann). Die anderen sitzen es aus. Dadurch verrottet die politische Kaste immer mehr, es bleibt nur noch übrig was nix taugt.

    @a+: Bei uns gab es letztes Jahr kein Tagegeld, weil einfach nix mehr in der Kasse war. Naja, wenigstens keine Tropenkrankheiten gefangen auf Dienstreise, anderes Fachgebiet… das Geld reicht zum Leben, die Leute die andere Wege gegangen sind kaufen sich so langsam Häuser. Vielleicht sollten wir alle abschreiben, oder die Wissenschaft abschreiben… (Wenn Frust aus diesen Worten spricht, ja, der ist vorhanden. Nicht wegen meinem Leben und meinem Job, sondern wegen dem Schlag ins Gesicht, der in jedem dieser Plagiatsfälle steckt.)

  19. #19 sol1
    7. Juli 2011

    @ DrNI

    Denn wie bei den anderen Plagiatsfällen auch hat hier wohl jemand zu seinem eigenen Vorteil unrecht gehandelt, bzw. die Wissenschaft misshandelt, und wer so egoistisch ist, der vertritt immer nur sich selbst, nicht das Volk.

    Genau so ist es, und deshalb sind diese Plagiatsfälle noch schlimmer als die Spendenaffären von Kohl, Schäuble, Kanther & Co.

    Die handelten nach der Devise “Was gut für mich ist, ist gut für meine Partei, was gut für meine Partei ist, ist gut für Deutschland”. Das war eine höchst zweifelhafte, aber immer noch als solche erkennbare Moral – quasi Ganoven, die aber eine Ganovenehre hatten.

    Bei Guttenberg, Koch-Mehrin, Pröfrock und Chatzimarkakis dagegen kann man nur noch einen blanken Egoismus konstatieren. Das sind Schweine, die zum Trog drängen und alles niederwalzen, was ihnen im Weg steht.

  20. #20 Erbloggtes
    7. Juli 2011

    Zu: “Aussagen wie die von Pröfrock regen mich fast noch mehr auf als das wissenschaftliche Fehlverhalten an sich. Sie zeigen deutlich, wie wenig diese Leute eigentlich verstehen, was sie da getan haben.”

    Ich denke, sowohl die Aussage als auch das Fehlverhalten entspringt der selben Quelle: Entweder ist die Quelle Nichtverstehen (Dummheit) oder Ignoranz (Dreistigkeit), oder beides, das kann man von außen schlecht beurteilen.

    Würden Plagiatoren verstehen (und würde es ihnen etwas bedeuten), was sie wissenschaftlich und gesellschaftlich tun, wenn sie betrügen, dann würden sie es ja nicht tun. Und würden sie verstehen (und würde es ihnen etwas bedeuten), was sie tun, wenn sie anschließend mit solchen “Begründungen” daherkommen, dann würden sie das ebenfalls nicht tun.

    Es ist ihnen aber egal, oder sie wissen es nicht. Was für sie zählt ist, wie man instrumentell seine Ziele erreicht; ob das nun ein Titel auf der Visitenkarte ist oder ein Mandat (und Einkommen) für weitere Jahre zu behalten. (Für angeblich wertorientierte Parteien ist das eine üble Diagnose.) Den Titel haben gesellschaftliche Institutionen ihnen schon wieder weg genommen. Bleibt die Frage, ob diese Gesellschaft auch Institutionen hat, die ihnen das Mandat wieder wegnehmen können? (sie zur freiwilligen Rückgabe bewegen können?)

  21. #21 Uwe
    7. Juli 2011

    Jeder erwischte Jugendliche muss fürs Musik/Video kopieren im Internet mit empfindlichen Strafen rechnen. Und die Politiker kopieren ungestraft? Als kopierter Autor/Verlag würde ich alle Rechtsmittel ausschöpfen….

  22. #22 a+
    7. Juli 2011

    Kinners, ich hab was gegen den Moralbegriff in dieser Diskussion, die ist immer Gesellschaftlich gesetzt und ziemlich flexibel. Ethische Kategorien passen mir besser in die Soße. Und nochwas, @Erbloggtes et al. (“Ich denke, sowohl die Aussage als auch das Fehlverhalten entspringt der selben Quelle”): Scheiß drauf. Der Grund ist mir mittlerweile gleichgültig, auch wenn natürlich die emotionale Komponente meiner I-do-care-Haltung dadurch erst Fahrt gewinnt.

    Es geht darum, daß hier öffentlich und von Entscheidungsträgern wissenschaftliches Arbeiten marginalisiert wird. Die Ansagen sind doch wie folgt zu verstehen: “Ist nicht so wichtig, ist nicht so schlimm und nicht ernst zu nehmen, war nur schummeln, also ein Kavaliersdelikt, ist lange her, betrifft eine andere Gesellschaftliche Sphäre als die jetzige, hat nichts mit der Person zu tun, hat nichts mit der sonstigen Arbeit zu tun”.

    Wie der große Filisof Fritz Ekenga vielleicht sagen würde: WAT IS? AM ARSCH!

    Oder anders: “Falsch” ist nicht steigerbar. Sonst würde man hier einen Superlativ setzen.

  23. #23 a+
    7. Juli 2011

    Nachschub:
    Ich stelle gern mein kreatives Potential zur Verfügung, um allen wissenschaftlichen Plagiatoren zu begegnen. Neben Ideen kann ich auch Grundkenntnisse multivariater Statistik, einige Erfahrung im NGO-Bereich und kommunikative Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Aber Ideen* sind meine Stärke.
    Wohin damit?
    Vorschläge?

    Sonst gehts am WE ab zu Vroniplag – jetzt gehts wieder an die Arbeit.

    * Und komme mir jetzt keiner mit dieser PR-kampagne vom Land der Ideen – die Gedanken sind frei, Strophe zwei.

  24. #24 Klaus
    7. Juli 2011

    Titeldiebstahl scheint eher eine Sache der “Bürgerlichen” zu sein. Die LINKE klaut eher mal ein paar Rollen Klopapier!

  25. #25 paul
    7. Juli 2011

    guter beitrag! gehört so sinngemäß ins grundgesetz.

  26. #26 Basilius
    7. Juli 2011

    Guter Artikel.
    Meine volle Zustimmung.

  27. #27 sol1
    7. Juli 2011

    @ Klaus

    Titeldiebstahl scheint eher eine Sache der “Bürgerlichen” zu sein. Die LINKE klaut eher mal ein paar Rollen Klopapier!

    Zieht dann aber auch die Konsequenzen im Unterschied zu jenen “Bürgerlichen”, deren Dissertationen nur als Klopapier taugen:

    Klopapier-Dieb legt Ämter nieder

    http://www.ostsee-zeitung.de/spezial/index_artikel_komplett.phtml?SID=50c3191f349aab139486328cc03dcc6b&param=news&id=3096149

  28. #28 Saidiph
    7. Juli 2011

    Problem ist ja auch, dass in der Bevölkerung verbreitet ist, was ein DR denn genau ist. Viele kennen ja nur den Dr med und halten das für den Dr.
    Es IST nur für die Wahl, dass jemand DR auf sein Wahlplakat schreibt. Solche Arbeiten sind ja meist so speziell, dass man sie nicht wirklich ernsthaft im Wahlkampf als Argument benutzen braucht. Sonst würd man ja auch damit Wahlwerbung machen.

    Was wohl passieren würd, wenn man nicht mehr mit Titeln Wahlwerbung machen darf?

  29. #29 Micky1234
    7. Juli 2011

    Also ich als Doktorand muss (wenn ich denn endlich mal fertig bin) einen Eid leisten, in meiner Arbeit nur die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet zu haben. Wer also so betrügt, wie es diese Politiker getan haben, der begeht einen Meineid, und das ist strafbar. Gibt es denn keine Möglichkeit, die darüber zu packen?

  30. #30 Iris
    7. Juli 2011

    Ein politisches System wie unser gegenwärtiges fördert Opportunismus, Korruption und Blendertum. In Anbetracht dessen fände ich offen gesagt, jeden ‘ehrlichen’ Doktor verwunderlicher, der sich durch diesen Sumpf an die Führungsspitze durchsetzen kann. Ich vermute vielmehr, es gibt mittlerweile kaum noch Politiker in entscheidenden Positionen, die keine ‘Leichen im Keller’ haben.

  31. #31 Felix Meier
    7. Juli 2011

    Es will eben niemand Macht abgeben. Erst Recht nicht wenn er sie gerade erst erhalten hat. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass er sein Mandat abgeben muss. Klar hat ihn niemand gewählt WEIL er einen Doktortitel hat, aber man hat eben die Gesamtperson gewählt. Der Vertrauensverlust ist bei solchen Dingen natürlich immer riesig. Soll er sich eben neu zur Wahl stellen und mal gucken ob er dann noch immer gewählt wird.

  32. #32 Buck Rogers
    7. Juli 2011

    Ich kenne Leute, denen wurde wegen 3 oder 4 (nicht 3000 oder 300000) illegal runtergeladener mp3 Songs ihren Rechner konfisziert, und mussten, weil sich dort noch ein gecracktes Nero Brennprogramm befand, bis zu 5000,- Euro Strafe zahlen. Ich kenne mehrere davon.
    Als ich meine Soloalbum produzierte, musste ich pingeligst drauf achten in meiner Musik ja keine illegal erworbenen Samplelibraries zu benutzen (Einzelsounds, wie Ping, Zong, Knaatz) um ja nicht irgendwelche Urheber/Lizenzrechte zu verletzen, von erkennbaren Melodien mal abgesehen. Denn falls in einem Part plötzlich im gleichen Rhythmus, klar erkennbar, mit ähnlichem Sound E E E G# E ertönt und das dann auch noch ein Hit wird, dann kann nämlich die Telekom auf der Matte stehen und beide Hände aufhalten.
    Übernimmt ein HipHop-produzent auch nur eine Sekunde aus einem fremden Song, muss er üblicherweise den zitierten Künstler/Verlag um Erlaubnis fragen.
    Es ist sowas von absurd, dass Politiker(!) seitenweise(!) Texte in ihre Doktorarbeit(!) kopieren und sich dann auch noch rausreden wollen. Als wenn sie nicht schon in der Grundschule gelernt hätten, dass man Tüddelchen benützt, wenn man schreibt, was jemand anderes gesagt hat. Das ist echt der größte Witz. Ich wunder mich, dass ich mich noch nicht totgelacht habe. Aber vielleicht kommt das ja noch.

  33. #33 noch'n Flo
    7. Juli 2011

    @ Buck Rogers:

    Du bist da vielleicht (ungewollt) auf den wahren Grund gestossen, warum sich die Empörung in der Bevölkerung über den Promotionsbetrug der diversen Politiker so sehr in Grenzen hält:

    Ein Volk, das in nicht gerade geringer Zahl keinerlei Unrechtsbewusstsein aufweist, Diebstahl geistigen Eigentums zu begehen (indem die Menschen haufenweise illegal Musik im Internet downloaden, also stehlen), hat überhaupt keine Einsichtsfähigkeit in die Verfehlung, sich mit den Ergebnissen jahrelanger Arbeit anderer einen Titel/Grad zu erschleichen.

    Ich fürchte, dass beides von vielen Mitbürgern mittlerweile als “Kavaliersdelikt” angesehen wird.

  34. #34 jeeves
    7. Juli 2011

    Die Esoteriker, um die’s hier oft geht, sind ja schon schlimm, aber wenigstens oft lustig. Aber diese Spezies betrügerischer Politiker sind schlimmer – und nicht mal lustig.
    Danke für die klaren Worte.

  35. #35 Andrea N.D.
    8. Juli 2011

    Ich fand den Kommentar von Micky 1234 interessant – weiß jemand, wie sich das mit dem Eid und einem ev. Strafverfahrens verhält?

  36. #36 nastes
    8. Juli 2011

    @Andrea N.D.

    Micky1234· 07.07.11 · 11:27 Uhr
    Also ich als Doktorand muss (wenn ich denn endlich mal fertig bin) einen Eid leisten, in meiner Arbeit nur die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet zu haben. Wer also so betrügt, wie es diese Politiker getan haben, der begeht einen Meineid, und das ist strafbar. Gibt es denn keine Möglichkeit, die darüber zu packen?< \blockquote>

    Das ist soweit ich weiss nicht an allen Unis so. Ich glaub bei der Uni Beyreuth wars eine “Ehrenwortserklärung” und daher wohl strafrechtlich nicht relevant.

    Wäre aber schön das als deutschlandweiten Standard zu setzen, Meineid ist kann ganz schön happig werden.

    Laut wikipedia:

    Meineid ist ein Verbrechen, das mit Freiheitsstrafe von einem bis fünfzehn Jahren bedroht ist. In minder schweren Fällen ist die Strafe eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. < \blockquote>

    nastes

  37. #37 roel
    8. Juli 2011

    @Andrea N.D. Ich bringe jetzt mal nicht Ihre Beleidigungen aufgrund von Unvermögen, dabei ist google doch gar nicht so weit weg. Ich habe mal einen Server für Juristen bemüht, um die eidesstattlichen Erklärungen, eidesstattlichen Versicherungen und ehrenwörtlichen Erklärungen etwas zu beleuchten.

    Wenn eine eidesstattliche Erklärung/Versicherung gegenüber einer Behörde (in diesem Falle gegenüber der Universität) gegeben wird aber vorsätzlich nicht erfüllt wird (absichtliches Plagiat) ist dies der Tatbestand der “falschen Versicherung an Eides statt” und kann gem. § 156 StGB mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe geahndet werden.

    Geschieht dieses nicht absichtlich sondern fahrlässig kann die Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe ausgesprochen werden.

    Es gibt aber auch teilweise die Möglichkeit nicht eine eidesstattliche sondern eine ehrenwörtliche Erklärung abzugeben (z.B. zu Guttenberg). Das ist dann als solches nicht strafbar, kann aber (da googeln Sie mal wieder selber, weil suuuper einfach) unter anderen Gesichtspunkten verfolgt werden.

  38. #38 a+
    9. Juli 2011

    @roel:

    Ich bringe jetzt mal nicht Ihre Beleidigungen aufgrund von Unvermögen […]

    Sagt dir Mono&Nikitaman was, junger Padawan? Und hüte dich vor der dünklen Seite der Macht… 😉

    @all: Tübingen hatt 2007 *keine* eidesstattliche Erklärung. Pröffrock könnte aber IMHO von den Autoren seiner nicht genannten Quellen wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt werden. SKM nicht (verjährt.)

  39. #39 Andreas P.
    10. Juli 2011

    Es geht doch nicht nur um Plagiatoren, das ist doch blos die Spitze des Eisberges. Für einen modernen Politiker ist doch Unrechtsbewusstsein und moralische Integrität genau so hinderlich wie Sachkenntnis unnötig. Was einen Politiker auszeichnet ist die Fähigkeit, sich in den Parteihierarchien hochzuarbeiten (drastischer formuliert: man weiss welchen Seilschaften man beitreten sollte, wem man den Arsch lecken und wem man in den selbigen zu treten hat), manchmal kommt noch ein bisschen Geschick in der Eigendarstellung und Charisma dazu, und in ganz seltenen Fällen ist auch mal ein guter Rethoriker dabei. Die Punkte zwei und drei waren früher deutlich wichtiger, nehmen aber an Bedeutung immer mehr ab weil der Politiker sich heutzutage selber immer weniger repräsentiert, das übernehmen immer mehr die mehr oder minder wohlmeinenden Massenmedien.

    Daraus ergibt sich auch das ein Politiker relativ wenig bis gar kein Interesse daran haben, “das Volk zu vertreten”, es bringt einfach nicht nichts, und in vielen Fällen tritt man damit den “falschen” Leuten auf die Füße.

    Und so lange wir uns das bieten lassen, werden wir genau von den Flitzpiepen regiert, die wir verdienen .. und ob die nun plagiert haben oder uns einfach nur ganz normal die Hucke voll lügen, macht für mich recht wenig Unterschied.

  40. #40 a+
    11. Juli 2011

    Och nö. Nö nö nö nö NÖ!

    Lest euch mal DIES hier beim NRD durch.

    “Bei den aktuellen Auseinandersetzungen um Dissertationen gehe es wohl auch um wissenschaftliche Kriterien über die korrekte Zitierweise, vermutet Althusmann. Bislang gebe es keinen “einheitlichen Standard für Zitierweisen an deutschen Universitäten.”

    Will sagen: die Unis sind schuld. Da muß mal Zucht und Ordnung rein, in der Wissenschaft geht ja alles durcheinander mit den Zitierweisen! Ihr habt bemerkt, welchen Job dieser Mensch macht? Wisst ihr, für was der Zuständig ist? Würde man NIE drauf kommen, oder?

    @Andreas P., @jeeves, @fuelbomb und alle anderen, die hier mit Erklärungen parat stehen: Vergesst es. Ist egal. Gehts nicht drum. Der Blogpost hier ist NICHT eine Aufforderung zur Politikerbeschimpfung. Es geht nicht drum, Dampf abzulassen und Schachköpfe als Schwachköpfe zu beschimpfen. Es geht darum, sie als solche erkenntlich zu machen, für jedermann. Nachvollziehbar.

    Das, was da läuft, ist eine Beschimpfung der Wissenschaft durch Politiker!

    Deshalb kurz ausgeführt, damit auch ein vorbeisurfender Unterprimaner oder OStR oder Troll es sofort verstehen kann:
    Es kann keine “einheitliche” Zitierweise geben, so wenig wie es eine “einheitliche” Wissenschaft gibt. Es gibt unterschiedliche Standards, und das ist auch gut so. Es gibt jedoch eine ganz klar unredlich Art, sich selbst Gedanken zu eigen zu machen, ohne auf den Urheber zu verweisen. Unredlich ist, sich nahezu wörtlich oder wörtlich an einer Quelle zu bedienen und diese nicht zu zitieren. Das ist in diesem Fall nicht gegeben, siehe beim NDR velinktes PDF von der ZEIT. Trotzdem ist die Arbeit an Sammelsurium an schlechten Zitaten, siehe PDF. Und um da wieder raus zu kommen, zündet dieser Vogel eine Dummsprech-Nebelgranate nach der anderen.
    Und en passant bekommen “die Universitäten” eine vor den Latz.
    Nö. Nö nö nö. Nicht akzeptabel.

  41. #41 roel
    11. Juli 2011

    @a+ Leider funktioniert ihr Link nicht, daher nochmal http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/althusmann163.html
    Ich wußte nicht, dass es verschiedene Zitierweisen gibt, ist schon interessant!

  42. #42 a+
    11. Juli 2011

    Erstens: Sry, Link verbaselt.

    Zweitens: m)

    roel schrieb, er habe nicht gewußt, daß es verschiedene Zitierweisen gebe!

    roel schrieb: “Ich wußte nicht, das es verschiedene Zitierweisen gibt[…].”

    roel:

    Ich wußte nicht, dass es verschiedene Zitierweisen gibt, ist schon interessant!

    Unterschiedliche Zitierweisen waren roel unbekannt.(1) Er hatte in ähnlichem Zusammenhang andere Nutzer dazu aufgefordert, Internet-Suchmaschienen zu bemühen. (2)

    Hier im Forum mag es noch durchgehen, wie roel (a.a.O.) behaupten zu können, unterschiedliche Zitierweisen nicht gekannt zu haben. Allerdings müsste man sich dann fragen lassen, ob man in der Schule auch die indirekte Rede als literarisch-rethorische Form verpasst habe.

    Nach abgeschlossenem Studium wäre es hingegen nicht zu entschuldigen, unterschiedliche Zitierweisen nicht zu kennen. Schon damit hätte man sich als akademischer Blindgänger enttarnt. Wer, wie Guttenberg und Chatzismarkakis, Saß, und Koch-Mehrin, von unterschiedlichen Zitierweisen gebrauch macht und gelegentlich Fußnoten falsch setzt (3), der muß sich wissenschaftlicher Kritik stellen. Wer sich dieser Kritik ausgesetzt sieht und, wie die oben genannten und ein bestimmter Kultusminister, sich dann dazu niedersachst die Universitäten oder Wissenschaft im allgemeinen für ihre Standards (oder das fehlen eines einheitlichen Standards, a+, s.o.) zu kritisieren, der hat auch den Knall nicht gehört.

    (1) roel, 11.07.11, 15:51 Uhr, http://www.scienceblogs.de

    (2) roel, 08.07.11, 15:58 Uhr, http://www.scienceblogs.de

    (3) Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, 16.02.2011

  43. #43 Basilius
    11. Juli 2011

    @a+
    Sehr schön herausgearbeitet.

  44. #44 Bullet
    11. Juli 2011

    damit auch ein vorbeisurfender Unterprimaner oder

    Ha. Damit bin ich gemeint.

  45. #45 René
    11. Juli 2011

    Ein Politiker ist ausschließlich seinem Gewissen verpflichtet. Er ist also unschuldig, sollte er keines besitzen. Um diesen Makel auszugleichen, gibts ja extra die Immunität.

  46. #46 a+
    11. Juli 2011

    m( Ich zitier mich ungern selbst, aber @René: Read. my. lips.

    Der Blogpost hier ist NICHT eine Aufforderung zur Politikerbeschimpfung.

    HIER kann man was konstruktives tun.

    Oder HIER.

    Deshalb.

    Oder HIER

    Deshalb.

    dev.off() #DFTT.

  47. #47 roel
    11. Juli 2011

    @a+ Ja, ist ja schon gut. Ich habe mich bescheiden ausgedrückt. Danke für den Hinweis. Ich wußte, dass es unterschiedliche Zitierweisen gibt. Ich korrigiere das jetzt: Ich wußte nicht, dass es an verschiedenen Universitäten unterschiedliche anerkannte Zitierweisen gibt.

  48. #48 echt?
    11. Juli 2011

    Ich habe die Dissertation von Minister Althusmann von seiner Page herunter geladen. Er hat sie offensichtlich in mühevoller Kleinarbeit selber kopiert und eingescannt – man sieht diverse Finger auf diversen Seiten. Die Dissertation ist mit Juli 2007 datiert. Mal abgesehen, dass ich unter einer Dissertation etwas mit eigenen Formeln, Abbildungen, Modellen, Auswertungen o.ä. verstehe, stellt sich schon die Frage: Warum die Kopie? 1997 wurde die Arbeit doch wohl in “Word” o.ä. verfasst. Hat Herr Althusmann keine CD seiner eigenen Arbeit oder will er eine Suche durch das kopieren schwieriger machen?

    Grüßt ach?

  49. #49 Andreas P.
    12. Juli 2011

    @a+
    Ich kann ja verstehen das es jemand aus dem wissenschaftlichem Betrieb (nehm ich jetzt mal an) besonders auf den Sack geht, wenn Plagiatoren entdeckt werden und ihrerseits alles versuchen abzuwiegeln und anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben.
    Da jetzt jeden abzukanzeln der das etwas genereller sieht erscheint mir aber wenig souverän.

  50. #50 a+
    12. Juli 2011

    Sorry, das wird wieder länger. Wo, wenn nicht hier, wann, wenn nicht grad…

    @Andreas P: Ich versteh’ nicht ganz, was du mir sagen möchtest. Hoffe ich. Falls du jedenfalls meinst, es sei nicht souverän, hier Menschen in die Parade zu fallen, die allgemein über Politiker schimpfen – so wie du:

    Für einen modernen Politiker ist doch Unrechtsbewusstsein und moralische Integrität genau so hinderlich wie Sachkenntnis unnötig.

    , dann bleibe ich bei meiner Aussage und verstärke sie weiter.

    Sich allgemein über Politiker/Politikerinnen aufzuregen, ist nicht souverän.
    Es lenkt ab, das zu tun.
    Es ist kontraproduktiv, das zu tun.
    Ich halte es sogar für ethisch falsch, das zu tun.

    Und das trifft auch zu, wenn man den Fall setzt, ich würde dir in aller Allgemeinheit zustimmen. Auch wenn FF heftig schimpft (“Auch wenn Politikern […] jedes Unrechtsbewußtsein fehlt […]”), er schränkt ein (“[…] Politikern wie Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis oder Pröfrock fehlt anscheinend jedes Unrechtsbewusstsein.”, hervorhebung von mir.)

    Ich bedienene mich da nochmal bei FF:

    Ernsthaft, Aussagen wie die von Pröfrock regen mich fast noch mehr auf als das wissenschaftliche Fehlverhalten an sich. Sie zeigen deutlich, wie wenig diese Leute eigentlich verstehen, was sie da getan haben. Wie wenig sie von Wissenschaft verstehen und der Bedeutung von wissenschaftlicher Arbeit.

    Also, für Bullet, der hat ja offensichtlich Humor: Auch wenn die Plagiatoren gerade bis auf Mathiopoulos alle direkt der aktiven Politik kommen, geht es bei der Sache nicht um Politiker/Politikerinnen. Es geht um Wissenschaft und den Umgang damit. Ich bin stinksauer, weil hier “der Wissenschaftsbetrieb” für offensichtliche persönliche Fehler herhalten soll. Im Umkehrschluß ist aber nicht erlaubt, die persönlichen Fehler “der Politik” oder “den Polikern” anzulasten.

    Ich unterstelle Florian, daß er das genau so sieht. Und ich bitte dich darum, Florians und meinem Argument zu folgen. Don’t just bash’em. Use the source, Luke. Here, there are some, don’t you forget NEVER to forget them when anyone is telling you we’re living in the age of information or the “Wissensgesellschaft”.

    Guttenberg, 16.02.2011.
    Merkel, 21.2.2011.
    Veronica Saß, 11.05.2011. (nota bene, keine Politikerin. Sippenhaft != souverän.)
    Koch-Mehrin, 15.06.2011.
    Chatzimarkakis, 03.07.2011.
    Althusmann, 09.07.2011. “Wir haben keine einheitlichen Standards für Zitierweisen an deutschen Universitäten.”
    Und heute, 12.07.2011. “Die Vorwürfe gegen mich sind inszeniert und seit langem vorbereitet.”

    Zu Pröfrock muß ich hier sicher keinen Link setzen.

  51. #51 DrNI
    14. Juli 2011

    Es ist schon lächerlich, wie sich die Leute winden. Keinen Standard für die Zitierweise? Ja liebe Leute, ich zumindest habe im vierten Semester Bachelor in einem Pflichtseminar “Academic Writing” gelernt, dass es verschiedene Standards gibt und welcher davon in meinem Fachbereich wie zu verwenden ist. Wenn nun jemand das in seiner Diss “nicht gewusst” hat, dann hätte er bei uns nicht mal einen Bachelor of Arts bekommen dürfen.

    Ein Stück weit muss sich “die Wissenschaft” jetzt aber schon an die eigene Nase fassen: Wieso kann man in einem Fachbereich so eine Diss schreiben, wie sie im anderen Fachbereich nicht mal als als Hausarbeit durchgehen würde? Liegt es wirklich an der wissenschaftlichen Disziplin? Das wäre fatal. Oder summieren sich hier die Einzelfälle von “beide Augen zugedrückt”?

  52. #52 a+
    14. Juli 2011

    @DrNi: “Die Wissenschaft” gibt es nicht. Und nein, es liegt nicht an der Disziplin. Betrug in anderen Disziplinen ist nicht unbedingt schwerer, hat aber andere Formvoraussetzungen. Die Fachbereiche müssen sich wirklich fragen (lassen), warum sie in den letzten Jahren nicht auf zusätzliches, aber obligtorisches Einreichen in rechnerlesbarer Form umgestellt haben. Anyway, not my point!

    My point: Täter-Opferrolle zu tauschen ist nicht drin, darauf bestehe ich. Selbst, wenn die Betreuer gepennt haben und der akademische Alltag nicht systematisch auf Plagiate prüft: das Versagen, der Verstoß gegen die Regeln liegt bei den Plagiatoren. Und da kommen die durch Ablenken nicht mehr raus! Dafür sorgt ihr, wenn ihr bei jedem Fußgängerzonenwahlkampf den Nulpen aufs Brot schmiert, dass es nicht ok ist, den schwarzen Peter an “die Wissenschaft” wegen “fehlender Standards” abzugeben. Es gibt Standards. Sie wurden verletzt. Doktorgrad aberkannt. Zuletzt gestern.

    BTW: Komisch, daß noch niemand in diesem Thread bemerkt hat, daß ich hier vor allem auf sog. “konservative” Medien verlinkt habe. In sog. “linken” Medien findet sich weitgehend das gleiche, aber hier ist anscheinend das gesamte Bildungsbürgertum einer Meinung. Und sogar das Springerchen mit dem dicken B macht keine Kampfpresse…

  53. #53 Basilius
    14. Juli 2011

    @a+
    Sehr schön geschrieben.
    Meine vollste Zustimmung.

  54. #54 Bullet
    14. Juli 2011

    @a+:

    Und sogar das Springerchen mit dem dicken B macht keine Kampfpresse…

    Nö. Nicht ein Wörtchen auf den Titelseiten (so ich das im Vorbeiradeln überhaupt sehen kann …). :)

  55. #56 IO
    9. Februar 2013

    Der Artikel/Thread ist ja wieder mal aktuell.