Das Higgs-Boson ist das derzeit am meisten gesuchte Elementarteilchen. Schon vor Jahrzehnten haben Teilchenphysiker seine Existenz vorhergesag denn mit ihm können sie erklären, warum Dinge eine Masse haben. Aber erst jetzt seit wenigen Jahren sind die Teilchenbeschleuniger gut genug, um es dingfest machen zu können. Elementarteilche zu entdecken ist aber eine komplizierte Angelegenheit. Man findet sie nicht einfach mal eben so irgendwo in der Gegend herum liegen. Man muss jede Menge Daten sammeln und hoffen, dass die Statistik irgendwann mal ausreicht, um eine Entdeckung verkünden zu können. Ich habe erst vor einiger Zeit detailliert erklärt, wie man das Higgs-Teilchen finden wird, falls man es denn finden wird. Langsam nähert sich das Ende des Jahrs und der große Teilchenbeschleuniger LHC (der einzige, der momentan in der Lage ist das Higgs zu finden), macht sich für die Winterpause bereit. Zeit, um zu fragen, wie es denn nun aussieht. Wo steckt das Higgs?

Bis jetzt läuft die Suche recht gut. Am LHC hat man schon ein paar hundert Billionen Teilchenkollisionen registriert. Die statistische Auswertung hat bis jetzt zwar noch nicht keine eindeutigen Hinweise auf die Existenz des Higgs geliefert. Aber es wird immer klarer, welche Eigenschaften das Teilchen nicht haben. Die beiden großen Teilchendetektoren am LHC – ATLAS und CMS – haben kürzlich zum ersten Mal ihre jeweiligen Daten kombiniert. So sieht der Status Quo aus:

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Das Diagramm braucht vielleicht ein wenig Erklärung. Auf der x-Achse ist die Masse aufgetragen (in der bei Teilchenphysikern üblichen Einheit Elektronenvolt). Man weiß nämlich nicht, welche Masse das Higgs-Boson hat. Man kann nur vorhersagen, wie sich – je nach Masse – verhalten wird. Diese Vorhersagen findet man im Diagramm. Sollte das Higgs-Teilchen existieren und am LHC erzeugt werden, dann wird es nicht stabil bleiben, sondern gleich wieder zu anderen Teilchen zerfallen. Wie das passiert, hängt von der Masse ab. Es gibt also eine gewisse Erwartung, wie sich die Zerfallsprodukte bei den Teilchenkollisionen verhalten müssen, wenn das Higgs existiert. Diese Erwartung wird mathematisch durch die “cross section” ausgedrückt die man im Experiment misst und dann sie mit der Erwartung aus der Theorie vergleicht. Das Messergebnis wird durch die Erwartung dividiert und diese Zahl ist auf der y-Achse aufgetragen. Der Wert ist so normiert, dass man mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass das Higss nicht existiert, falls er kleiner als 1 ist. Man sieht zum Beispiel in der Mitte des Diagramms ganz deutlich, dass die schwarzen Punkt unter der Linie liegt, die die 1 anzeigt. Die schwarzen Punkte sind die Messwerte, die für die verschiedenen Massen erhalten wurden. Für diese Massen entsprichen die Zerfallsprodukte also nicht denen, die man erwarten würde, wenn es das Higgs-Teilchen gäbe. Überall dort, wo die schwarze Punkte unter der Linie landen, kann man das Higgs also ausschließen. Dort wo die Messwerte über der Linie landen, sieht es vorerst so aus, als könnte das HIggs existieren. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man es hier mit Statistik und Wahrscheinlichkeiten zu tun hat. Je mehr Kollisionen man inkludiert, desto genauer werden die Ergebnisse. Die Kurve kann sich also noch ändern, wenn mehr Daten berücksichtigt werden und dann könnten die Messwerte unter die Linie fallen. Wie wahrscheinlich es zur Zeit ist, dass die Datenpunkte auf eine echte Entdeckung hindeuten und keine statistischen Schwankungen sind, geben die farbigen Bänder an. Fallen die Datenpunkte mit der gepunkteten Linie zusammen, ist alles so, dann könnte man die Messergebnisse auch ganz ohne Higgs erklären. Die Zerfallsprodukte könnten dann von schon bekannten Teilchen stammen (die ebenfalls instabil sind und zerfallen). Weichen die Messwerte aber von der gepunkteten Linie ab, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man es mit einem unbekannten Teilchen zu tun hat. Je größer die Abweichung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Effekt echt ist. Liegen die Messwerte im grünen Band, dann muss das noch nicht viel bedeuten. Die Chance, dass man sich irrt und anstatt eines neuen Teilchens hier nur eine statistische Variation sieht, beträgt fast 32 Prozent. Etwas besser ist es im gelben Bereich. Befindet sich ein Messwert am äußeren Ende des gelben Bandes, dann beträgt die Chance eines Irrtums nur noch 4,5 Prozent. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass man weiter suchen soll. Aber leider noch keine Bestätigung einer Entdeckung. Dazu muss die Abweichung zwischen der Erwartung und dem Messwert wirklich groß und die Wahrscheinlichkeit eines Irrtums muss weniger als 0,0002 Prozent betragen. Erst erreicht man den Bereich, wo man es in Erwägung ziehen kann, eine Entdeckung zu verkünden.

Wie man sieht, haben die bisherigen Experimente schon große Bereiche für die Masse des Higgs ausgeschlossen. Nur bei Massen über 480 GeV/c² und im Bereich zwischen 115 und 140 GeV/c² besteht noch die Möglichkeit, das Higgs zu finden. Im oberen Massenbereich ist die Abweichung der Messwerte von der erwarteten Kurve nicht sonderlich groß (und es gibt auch noch andere, theoretische Gründe, warum man nicht erwartet, ein so schweres Higgs zu finden). Aber bei kleineren Massen sieht es gut aus! Hier liegen die Messwerte teilweise schon außerhalb des gelben Bereiches und es ist auch die Gegend, wo ein Higgs von der Theorie her gut reinpassen würde. Genausogut kann es aber auch nur eine statistische Fluktuation sein. Erst wenn mehr Daten vorhanden sind, wird man sehen, ob sich die Kurve wieder dem grünen Bereich annähert oder weiter und vor allem stärker abweicht. Die Wissenschaftler am CERN jedenfalls sind optimistisch. Was auch immer man entdeckt – das Higgs-Teilchen oder kein Higgs-Teilchen – am Ende wissen wir mehr als vorher. Das sagen sie auch im Interview mit dem Nature-Journalist Geoff Brumfiel:

Ich selbst bin ja unschlüssig, was ich mir wünschen soll. Die Entdeckung des Higgs, genauso wie es vorhergesagt wurde? Das wäre eine grandiose Bestätigung des Standardmodells der Elementarteilchenphysik und eine fantastische wissenschaftliche Leistung. Oder soll ich mir wünschen, dass der LHC ausschließt, dass es das Higgs in der vorgeschlagenen Form geben kann? Dann müssten sich die Teilchenphysiker etwas Neues überlegen und damit besteht die Chance, dass wir auch wieder etwas fundamental Neues über das Universum lernen. Was auch immer eure Präferenzen sind, eines ist sicher: Eines von beiden wird passieren!

Kommentare (38)

  1. #1 zappa
    21. November 2011

    Dein persönliches “Fazit” gefällt mir besonders gut – sehr schön gegen das Klischee von den “verbohrten Naturwissenschaftler die sich an ihre Theorie klammern” angeschrieben 🙂

  2. #2 Michi
    21. November 2011

    Interessant, dass du den Status als so gut beschreibst. Ich hab nämlich andere Physiker getroffen, die die Situation als “kleine Katastrophe” bezeichnen, weil einige der Schönsten Theorien (also Theorien mit zusätzlichen geringsten Parametern) dadurch schon ausgeschlossen wurden…

  3. #3 Hendrik Hey
    21. November 2011

    Ich wünsche mir, es würde nichts gefunden werden. Dann, wie Du schon schriebst, müssen sich die Wissenschaftler etwas Neues einfallen lassen. Und vielleicht liegt dann darin ja der Schlüssel zu einer wirklich elementaren Entdeckung, auch wenn es vielleicht Jahrzehnte dauert.

  4. #4 MartinB
    21. November 2011

    Kein Higgs, und dann noch Neutrinos, die bei ihrer Entstehung 50 ns in die Vergangenheit geschleudert werden, das wäre doch was, das wirklich ein paar ganz neue Ideen bräuchte.

  5. #5 Florian Freistetter
    21. November 2011

    @Michi: “Interessant, dass du den Status als so gut beschreibst. Ich hab nämlich andere Physiker getroffen, die die Situation als “kleine Katastrophe” bezeichnen, weil einige der Schönsten Theorien (also Theorien mit zusätzlichen geringsten Parametern) dadurch schon ausgeschlossen wurden… “

    Na ich bin ja auch kein Teilchenphysiker 😉 Bei mir hängt kein Herzblut an bestimmten Theorien 😉

  6. #6 Tom
    21. November 2011

    Wieder einmal ein schöner Artikel – Danke!

    Was ich nicht verstehe ist woher die Wissenschaftler wissen wie die Zerfallsprodukte aussehen müssen/sollen!?

  7. #7 Paul Zelmer
    21. November 2011

    das Higgs sehe ich oft nach dem ich das ganze Bier getrunken habe! O_o

  8. #8 frantischek
    21. November 2011

    Kann der LHC überhaupt beweisen das es das Higgs nicht gibt?
    Wäre es bei einer Nicht-entdeckung nicht immer noch möglich das es eine noch größere, dem LHC nicht zugängliche Masse hat?

  9. #9 Christian J
    21. November 2011

    @frantischek:
    Es ist prinzipiell unmoeglich, die Nicht-Existenz von irgendwas zu beweisen, das erschwert die Sache ein wenig.
    Was man aber schon machen kann, ist sich sehr sehr sehr sicher zu werden, dass es das Higgs wie vom Standardmodell vorhergesagt nicht gibt. Das ganze wird immer noch von Statistik beeinflusst, aber wenn die Wahrscheinlichkeit irgendwann so klein wird, dass es das Higgs bei diesen Daten geben wird, werden die meisten Teilchenphysiker schon davon ausgehen, dass es das Higgs nicht gibt.

    Falls das Higgs zu schwer ist, um am LHC gefunden zu werden, muss es allerdings irgendetwas anderes geben als das Standardmodell-Higgs. Das Argument dahinter hat was damit zu tun, dass ab einer gewissen Energie die Kopplung von manchen Teilchen aneinander so stark wird, dass damit die Unitaritaet, also das die Summe ueber alle Wahrscheinlichkeiten 1 sein muss verletzt wird. Das ist mit einer der Gruende warum das Higgs so klasse ist, weil ein leichtes Higgs das naemlich reparieren kann.

  10. #10 Florian Freistetter
    21. November 2011

    @Tom “Was ich nicht verstehe ist woher die Wissenschaftler wissen wie die Zerfallsprodukte aussehen müssen/sollen!? “

    Naja, es gibt ja die Theorie, die sagt, was für Eigenschaft das Higgs haben muss, wenn es sich so verhält, wie es die Theorie vorhersagt. Daraus kann man auch ableiten, wie es zerfallen wird.

    @frantischek: Ja, der LHC kann das Higgs – zumindest die “normalen” Varianten – durchaus ausschliessen. Es gibt auch noch exotischere Varianten des Higgs-Teilchens, die trotz negativer Resultate beim LHC existieren könnten. Aber an die glauben nur wenig – noch jedenfalls 😉

  11. #11 Boron
    22. November 2011

    @Florian: Ich weiß ja nicht, ob es dir schon aufgefallen ist, aber irgendwas läuft hier schief. 4x das gleiche Posting innerhalb von 20 min… Da das in anderen Threads ähnlich aussieht, diagnostiziere mal Server-Schluckauf – vermutlich verursacht durch das Hicks-Boozon ^^

  12. #12 nihil jie
    22. November 2011

    nun ja… Higgs oder nicht Higgs. Es wird wohl ein Mechanismus geben der den Teilchen Masse verleiht. und ich denke, dass es ein Mechanismus sein wird der in unmittelbarer Reichweite dessen existiert, was man schon weiß. ich glaube nicht daran, dass es die Physik von Grund auf revolutionieren wird.

    Wer anderer Meinung ist der kann mit mir gerne um eine Tafel Schokolade wetten… die Geschmacksrichtung sucht sich der Gewinner natürlich selbst aus 😉

  13. #13 BerndB
    22. November 2011

    Was ich beim Higgs noch nicht verstanden habe ist, wieso ein Teilchen, was erst die Masse erzeugt, selbst eine Masse haben soll. Und warum eine derartig hohe Masse dazu notwendig ist, wenn es doch auch Teilchen mit extrem geringer Masse gibt. Sollte die Masse nicht auch gequantelt sein?

    Bei meinem Studium war beim Standard-Modell noch keine Rede vom Higgs-Boson, obwohl es erst 6 Jahre her ist.

  14. #14 Woelf
    22. November 2011

    Was mich brennend interessieren würde: Welche Möglichkeiten eröffnet der Nachweis des Higgs-Bosons? Könnte man beispielsweise solche Teilchen beeinflussen, wenn man um Ihre existenz wüsste – bzw wie könnte man sie beeinflussen, wenn sich allein der Nachweis als derart schwierig erweist? Ich hoffe ja noch immer darauf, dass man über diese erhoffte ‘Massenerkenntnis’ auch einen direkten Bezug (einflussnahme) auf die damit verbundene Gravitation herstellen könnte 😉

  15. #15 Florian Freistetter
    22. November 2011

    Ja, mir ist aufgefallen, dass hier alles etwas schief läuft und es Fehlermeldungen gibt. Nein, ich kann dagegen nichts tun. Ich blogge hier nur und habe auf die Technik ABSOLUT KEINEN Einfluss. Die zuständigen Techniker sind in den USA und liegen im Bett. Wenn ihr Kommentare schreibt, dann kommen die zwar durch, es erscheint aber eine Fehlermeldung. Wenn ihr dann auf “Nochmal Laden” klickt, dann erscheint der Kommentar doppelt, und es kommt wieder eine Fehlermeldung. Usw. Also einfach die Fehlermeldung ignorieren. Ich kann leider nichts dagegen machen.

  16. #16 SCHWAR_A
    22. November 2011

    Auf Seite 21 des Berichts gibt es ein ähnliches Bild mit einer sehr interessanten Spitze bei etwa 242GeV.

    Müßte genau dieser schmale Bereich nicht akribisch gesondert untersucht werden?
    M.E. könnte sich im Bereich von 240-242GeV durchaus noch eine sehr schmale, über die rote Linie hinausreichende Spitze verstecken.

    Könnte ATLAS eigentlich extrem scharfe Energiewerte messen, also zB. Breite 100MeV oder sogar kleiner?

  17. #17 BerndB
    22. November 2011

    Was ich beim Higgs noch nicht verstanden habe ist, wieso ein Teilchen, was erst die Masse erzeugt, selbst eine Masse haben soll. Und warum eine derartig hohe Masse dazu notwendig ist, wenn es doch auch Teilchen mit extrem geringer Masse gibt. Sollte die Masse nicht auch gequantelt sein?

    Bei meinem Studium war beim Standard-Modell noch keine Rede vom Higgs-Boson, obwohl es erst 6 Jahre her ist.

  18. #18 Fluch
    22. November 2011

    Hallo Florian,

    danke für deine Beiträge.

    1. sind sie Balsam auf die Wunden der Ahnungslosigkeit und
    2. (eher persönlich) war ich erst letztens bei CERN, um mir mal als Nichtphysiker (bin “nur” Bibliothekar 😉 ) selbst ein Bild von dieser faszinierenden Einrichtung zu machen.

    Da meine Zunft oft mit Büchern in Verbindung gebracht wird, war ich natürlich nicht untätig geblieben und habe mir in den Jahren zuvor Simon Singh, Brian Greene und sogar Roger Penrose (als Mathe-Mittelmaß und trotz Physik-LK ne harte Nuss 😉 ) “gegeben”.

    Aber durch deinen Blog ist man aktuellst informiert und kann hier so wunderbare Beiträge wie diesen hier lesen. Es ist schade, dass die Medien lieber unnütze Informationen über den Weltuntergang verbreiten, als sich ernsthaft auf qualitativ hochwertige Beiträge über wirklich interessante Themen einzulassen. Das scheint wohl nicht wirklich massentauglich zu sein – was erbärmlich ist, wenn Politiker schon ständig von der kommenden Informations- und Wissensgesellschaft reden.

    Deshalb: Mach weiter so! In zig Jahren werden diese Informationen hier Belege der Vergangenheit sein, die all den Krampf überdauern werden, der Tag ein, Tag aus über die Flimmerkiste wandert. Da kommen zwar auch gute Sachen, aber ich habe mich schon mehrfach beim ZDF als Beispiel beschwert, dass Leschs Kosmos zu absurden Zeiten wie 1:20 Uhr in der Nacht kommt. Aber zum Glück schläft das Internet nicht.

    PS: Leider habe ich keine sinnvolle Frage zu deinem Beitrag, denn das ist fast genau die Info, die ich direkt beim CERN im Oktober erhalten habe. Lange kann es ja nicht mehr dauern. 🙂

  19. #19 Florian Freistetter
    22. November 2011

    @Wolf: “Welche Möglichkeiten eröffnet der Nachweis des Higgs-Bosons? “

    Dann weiß man, dass es existiert und das die Theorie richtig war. Alles andere ergibt sich dann, irgendwelche Anwendungen darf man sich aber so schnell nicht erwarten.

    @SCHWAR_A: “Müßte genau dieser schmale Bereich nicht akribisch gesondert untersucht werden? “

    Ja, und das wird auch gemacht.

  20. #20 Florian Freistetter
    22. November 2011

    @Fluch: Danke fürs Lob!

    @Bernd: Das Higgs-Teilchen wechselwirkt mit sich selbst, es unterliegt also auch dem Higgs-Mechanismus und hat daher eine Masse.

  21. #21 Lohengrin
    22. November 2011

    Der Wert ist so normiert, dass man mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass das Higss nicht existiert, falls er kleiner als 1 ist.

    Diese Formulierung ist missverständlich. Es geht nicht um die Wahrscheinlichkeit für die Annahme, sondern um die Wahrscheinlichkeit für mindestens so ungewöhnliche Messwerte wie die aus den Experimenten unter der Annahme.
    Ich weiß, dass es schwierig ist, dies für Laien verständlich zu formulieren. Aber das Verwenden des Begriffs Wahrscheinlichkeit für das, was auch in der deutschen Fachsprache Likelihood heißt, führt zu schwerer Verwirrung.
    @Christian J

    aber wenn die Wahrscheinlichkeit irgendwann so klein wird, dass es das Higgs bei diesen Daten geben wird,

    Anders herum!
    dass es diese Daten bei existierendem Higgs gegeben hätte

  22. #22 knorke
    22. November 2011

    Flo, wahrscheinlich bist du dafür gar nicht mal zwingend der Richtige, aber irgendwer wirds dann doch bestimmt wissen: Gibt es zur Zeit relevante d.h. ernsthaft diskutierte Theorien, die kein Higgs Boson brauchen? ich krieg nix mit dass jemand groß alternative Theorien vertreten würde (ausser pseudowissenschaftlicher Kokolores, aber da szählt nicht), irgendwie ist immer nur vom Higgs Boson die Rede.

  23. #23 Florian Freistetter
    22. November 2011

    @knorke: “Gibt es zur Zeit relevante d.h. ernsthaft diskutierte Theorien, die kein Higgs Boson brauchen?”

    Ja, natürlich! Frag mich aber jetzt nicht, wie die alle heissen. Technicolor ist eine davon, soweit ich mich erinnere.

  24. #24 hicks
    22. November 2011

    hicks !

  25. #25 nihil jie
    22. November 2011

    nun ja… Higgs oder nicht Higgs. Es wird wohl ein Mechanismus geben der den Teilchen Masse verleiht. und ich denke, dass es ein Mechanismus sein wird der in unmittelbarer Reichweite dessen existiert, was man schon weiß. ich glaube nicht daran, dass es die Physik von Grund auf revolutionieren wird.

    Wer anderer Meinung ist der kann mit mir gerne um eine Tafel Schokolade wetten… die Geschmacksrichtung sucht sich der Gewinner natürlich selbst aus 😉

  26. #26 nihil jie
    22. November 2011

    ups… sorry für den Doppelpost… aber heute Nacht gab es Übertragungsfehler. und gerade eben habe ich das noch mal geschickt was ich schon versucht habe gestern zu posten. ich dachte das gestrige ist nicht angekommen… aber als ich nach hinein gesehen habe doch.

  27. #27 diimem
    22. November 2011
  28. #28 diimem
    22. November 2011

    @Florian:

    ich verfolge jetzt deinen Blog schon ein paar Wochen und es ist der “first-click-in-the-morning”-blog! sehr lesenswert…

    PS: schöne Grüße aus Potsdam vom AIP, wo ich heute erst ein Poster von dir entdeckt habe (Teaching with the Virtual Observatory)! 🙂

  29. #29 Florian Freistetter
    22. November 2011

    @diimem: “schöne Grüße aus Potsdam vom AIP, wo ich heute erst ein Poster von dir entdeckt habe (Teaching with the Virtual Observatory)! 🙂 “

    Ach, das gibts immer noch? Das hab ich 2009 gemacht, als die AG-Tagung in Potsdam war…

  30. #30 SCHWAR_A
    23. November 2011

    Könnte ATLAS eigentlich extrem scharfe Energiewerte messen, also zB. Breite 100MeV oder sogar kleiner?

  31. #31 Florian Freistetter
    23. November 2011

    @SCHWAR_A: Frag das mal die Leute vom physikBlog – die haben von den Details der Detektoren sicher mehr Ahnung.

  32. #32 mr_mad_man
    23. November 2011

    Wahrscheinlich machen hier sowieso schon alle mit,
    aber falls nicht: unter http://lhcathomeclassic.cern.ch/sixtrack/
    kann man bei der Auswertung der Daten mithelfen.

  33. #33 Michael Bauer
    25. November 2011

    Hmm… also die Ergebnisse gehen in keinem Fall über den 2-Sigma Bereich hinaus? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege – aber ist der Goldstandard in der Teilchenphysik (mitunter schon die Voraussetzung zur Publikation) nicht ein 5-Sigma Konfidenzwert?

  34. #34 Florian Freistetter
    25. November 2011

    @Michael Bauer: “Hmm… also die Ergebnisse gehen in keinem Fall über den 2-Sigma Bereich hinaus? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege – aber ist der Goldstandard in der Teilchenphysik (mitunter schon die Voraussetzung zur Publikation) nicht ein 5-Sigma Konfidenzwert? “

    Ja, – aber es hat ja auch niemand behauptet, dass irgendwer was entdeckt hätte. Ich hab ja extra geschrieben, dass die aktuellen Ergebnisse nichts über die Existenz des Higgs aussagen.

  35. #35 Michael Bauer
    25. November 2011

    @Florian: Da muss ich mich gleich zweimal entschuldigen – zum einen wollte ich wirklich nicht unterstellen, du hättest da etwas anderes behauptet, zum anderen scheinen die Ergebnisse im Bereich zwischen ca 125 und 175 GeV/c² tatsächlich über 2-Sigma zu liegen, auch wenn Sie nur zwischen ca 125 und ca 150 über dem y-Achsen Limit von 1 liegen.

    Ich jedenfalls bin weiterhin sehr gespannt auf weitere Daten – auch wenn vielleicht erst einmal kein 5-Sigma Urteil über die Existenz des Higgs herauskommt… da passierend laufend spannende Sachen – z.B. die vorgestern auf newscientist beschriebene Antimaterie-Anomalie aus den Ergebnissen des LHC:

    http://www.newscientist.com/article/mg21228404.200-lhc-antimatter-anomaly-hints-at-new-physics.html

  36. #36 Michael Bauer
    25. November 2011

    Oh weh… man sollte sich wirklich nicht nur die Einleitung und das Bild anschauen und den Rest nur Überfliegen – die Hinweise auf 5-Sigma notwendige Signifikanz und den Bereich, in dem die Ergebnisse über 2 Sigma liegen stehen explizit da… sorry nochmal @Florian. Übereifer ist halt selten hilfreich. Naja, zumindest hatte mein zweiter Post noch den kleinen Mehrwert des Newscientist-Links… da haben wir immerhin eine 3.5 Sigma Konfidenz… auch noch nicht das Wahre, aber eben auch schon sehr interessant.

    Eine kleine Frage hätte ich noch – weiß jemand was es mit dem Datenpunkt bei ca 340 GeV/c² auf sich hat? Dieser scheint der einzige mit eigenem (sichtbaren) Konfidenzintervall zu sein.

  37. #37 H.M.Voynich
    29. November 2011

    Nach dem peak bei 240 wollte ich mich auch erkundigen, zumal Florian schrieb, daß nur noch die äußeren beiden Bereiche interessant sind. Aber das hat SCHWAR_A ja schon getan.
    Mich würde ebenfalls interessieren, ob es ein Vorteil ist, daß man in diesem Bereich ein sehr enges Band untersuchen kann. Und ob es ein Vorteil ist, daß er in der Mitte des ausgewählten Bereichs liegt statt am Rand – oft ist das ja ein gutes Zeichen.
    Vielleicht weiß ja einer der Mitleser näheres …

  38. #38 Wurgl
    5. Dezember 2011

    Gerüchte um eine Konferenz am 13. Dezember .

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36000/1.html