Nebenan bei den SciLogs wird gerade dar√ľber diskutiert, ob Bloggen und Karriere unvereinbar sind. Es haben sich schon viele Leute zu Wort gemeldet und ich bin einfach mal so frei und mische mich ein ūüėČ Immerhin hat das Bloggen bei mir dazu gef√ľhrt, dass ich meine eine “Karriere” beendet und eine neue begonnen habe.

Die SciLoger sind sich gr√∂√ütenteils einig: Bloggen ist gut! (Ok, von Bloggern etwas anderes zu h√∂ren w√§re auch √ľberraschend). Thomas Gr√ľter wird ganz deutlich:

“Bloggen schadet Ihrer Karriere nicht. Ganz sicher nicht. (…) Man muss nicht darauf schielen, ob irgendeine Lebens√§u√üerung die Karriere behindern k√∂nnte. Wer st√§ndig mit stromlinienf√∂rmig angelegten Ohren heruml√§uft und die drei weisen Affen zu seinen wichtigsten Karriereberatern erkoren hat, sollte ohnehin kein Blog schreiben. Er sollte eigentlich auch kein Wissenschaftler werden, denn die lebendige Wissenschaft n√§hrt sich von Kontroversen.”

Trota von Berlin sieht Blogs auch als Möglichkeit, um die Menschen etwas direkter zu beteiligen:

“Ich hoffe, ich kann mit meinen Texten nicht nur aufkl√§ren, sondern vor allem zum Nachdenken anregen und zum Mitgestalten motivieren.”

Hussein Hamadan bloggt gerne, allerdings nur als Hobby:

“Wenn ich nun zum Abschluss versuche ein Fazit zu ziehen, dann muss ich als erstes festhalten, dass ich das Bloggen nicht missen m√∂chte. Ich m√∂chte aber auch nicht jeden Tag damit besch√§ftigt sein. Es ist eine sch√∂ne Nebenbesch√§ftigung, der ich sehr gerne nachgehe”

Sebastian Reusch meint, das Bloggen nicht nur nicht schadet, sondern f√ľr Wissenschaftler sogar hilfreich sein kann:

“Wer n√§mlich √ľber seine Arbeit bloggt oder sich als geschickter Wissenschaftskommunikator beweist, bekommt Aufmerksamkeit und wo Aufmerksamkeit herrscht, k√∂nnten auch die Augen von potentiellen Geldgebern landen.”

Einen wichtigen Punkt spricht Anna Rebecca Lohmann im Blog von Judith Schrauf-Papadopoulos an:

“Das Bloggen dar√ľber kann dazu beitragen, dass Wissenschaft in der Gesellschaft wahrgenommen wird, ein Gesicht erh√§lt. Es er√∂ffnet einen Dialog, in dem Vertrauen entstehen und Akzeptanz erreicht werden kann. Denn letztlich entscheidet die √Ėffentlichkeit mit dar√ľber, woran in Zukunft wie und in welchem Ausma√ü geforscht wird.”

Die Vorteile des Bloggens sind also zahlreich: Man kommuniziert direkt mit der √Ėffentlichkeit. Man erh√§lt als Blogger mehr Aufmerksamkeit. Man kann direkten Lobbyismus f√ľr sein Arbeitsgebiet betreiben. Und es ist noch dazu ein nettes Hobby.
Es gibt viele verschiedene Arten, ein Blog zu f√ľhren. Und ob das Bloggen f√ľr die eigene Karriere sch√§dlich ist oder nicht, h√§ngt davon ab, was genau man mit dem Blog anstellt. Zwei Punkte sind hier logischerweise von Bedeutung. Der Inhalt und die Zeit.

Ein Wissenschaftler, der in seiner Freizeit ein Blog √ľber Gartenarbeit schreibt oder √ľber seine Lieblingsfernsehserie, der wird keine Probleme mit seiner Karriere bekommen. Wissenschaftler sind Menschen und Menschen haben Hobbies. Eine Wissenschaftlerin, die in einem Blog wissenschaftliche Texte ver√∂ffentlicht, wird ebenfalls wenig Probleme kommen. Schwieriger wird es, wenn die Themen nicht so klar verteilt sind. Wer – so wie ich – nicht nur √ľber Wissenschaft bloggt, sondern auch √ľber Pseudowissenschaft, Esoterik und andere “Pfui-Themen”, der bekommt dagegen √∂fter mal zu h√∂ren, dass man sich als Wissenschaftler doch mit sowas gar nicht erst besch√§ftigen soll. Aber so richtig schlimm f√ľr die Karriere sollte das eigentlich nicht sein. Solange man keinen kompletten Unsinn in sein Blog schreibt d√ľrfte es da keine Probleme geben.

Wenn ein Blog der Karriere schadet, dann liegt es an der Zeit. Klar, wenn man während der Arbeitszeit andauernd bloggt anstatt zu forschen, dann ist es kein Wunder, wenn man irgendwann rausfliegt. Das ist offensichtlich. Aber wenn man in seiner Freizeit bloggt, dann sollte das doch kein Problem sein, oder? Leider manchmal doch. Mierk Schwabe hat das in ihrem Artikel zum Thema gut beschrieben:

“Ich habe vor einigen Jahres das Nobelpreistr√§gertreffen in Lindau besucht. Dort hat ein Nobelpreistr√§ger den jungen Leuten die Empfehlung gegeben, tats√§chlich quasi jede freie Minute mit der Wissenschaft zu verbringen, inklusive Abenden und Wochenenden.”

Diese Einstellung ist weit verbreitet, nicht nur bei Nobelpreistr√§gern. Als Wissenschaftler hat man im seltensten Fall geregelte Arbeitszeiten. Forschen kann man nicht auf Kommando und nur zwischen 9 und 17 Uhr. Manchmal macht es ein Experiment n√∂tig, dass man n√§chtelang im Labor sitzt. Manchmal kommt der Geistesblitz gerade am Wochenende und man verbringt den Sonntag am Schreibtisch. Die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit ist in der Wissenschaft sehr schwach ausgepr√§gt. Viele Leute st√∂rt das auch nicht. Wissenschaft macht man normalerweise, weil man es will, weil man begeistert und fasziniert ist, von dem was man tut. Da ist es kein Problem, wenn man auch die “Freizeit” an der Uni verbringt. Darum gibt es auch gen√ľgend junge Wissenschaftler, die sich an den Rat des Nobelpreistr√§gers halten und gerne Abende, Wochenende und Ferien mit Wissenschaft verbringen.

Diese Entwicklung wird auch durch die Hochschulpolitik gef√∂rdert. Die Aufstiegschancen f√ľr junge Wissenschaftler sind mies, die vorhandenen Stellen fast immer befristet und die Konkurrenz ist gro√ü. Die Karriere eines Wissenschaftlers wird immer noch fast ausschlie√ülich anhand der Anzahl der ver√∂ffentlichten Artikel beurteilt. So ein System bringt zwangsl√§ufig junge Wissenschaftler hervor, die jede freie Minute mit Wissenschaft verbringen – ob sie das wollen oder nicht. Wer sich den Luxus eines allzu ausgepr√§gten Privatlebens g√∂nnt, der ist im Nachteil. Das Problem ist die Zeit: Wer bereit ist, seine Freizeit mit Wissenschaft zu verbringen, kann mehr publizieren und hat bessere Karrierechancen.

Ich wei√ü, ich √ľbertreibe ein wenig (aber nicht viel). Es gibt durchaus Wissenschaftler, die auch ein Privatleben haben. Aber es verkompliziert die Sache, ganz besonders, wenn man erst noch Karriere machen muss. Alle Aktivit√§ten, die nicht Wissenschaft sind, sind potentiell geeignet, der Karriere zu schaden. Bloggen geh√∂rt nat√ľrlich dazu. Wer in der “Freizeit” bloggt, k√∂nnte in der Zeit genau so gut ein bisschen Wissenschaft betreiben. Und da es immer Leute gibt, die ihre Freizeit der Wissenschaft opfern, besteht immer die Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.

Aber selbst wenn nicht, kann einem das Blog indirekt Probleme bereiten. N√§mlich dann, wenn man auf Vorgesetzte oder Geldgeber trifft, die so denken wie der Nobelpreistr√§ger aus Mierks Beispiel: “Der bloggt? Der scheint zu viel Freizeit zu haben. Der sollte sich lieber mehr mit Wissenschaft besch√§ftigen.” Im Gegensatz zu anderen Freizeitbesch√§ftigen findet das Bloggen eben sehr √∂ffentlich statt und auch die Chefs kriegen es mit… Wie Mierk richtig schreibt, ist es nat√ľrlich schwer festzustellen, ob einem das Bloggen auf diese Art wirklich geschadet hat. Im Allgemeinen bekommt man ja nicht gesagt, dass man die Projektgelder oder die Stelle nicht bekommen hat, weil man bloggt. Im Gutachten zu meinem letzten – abgelehnten – Projektantrag hat der Gutachter zwar erw√§hnt, dass ich Blogger bin. Ob und inwiefern ihn das bei seiner negativen Entscheidung beeinflusst hat, war aus dem Text aber nat√ľrlich herauszulesen. Als ich noch Wissenschaftler war, habe ich viele Kollegen und Vorgesetzte getroffen, die es gut fanden, dass ich auch ein Blog schreibe. Ab und zu wurde mir aber auch durch die Blume gesagt, dass ich es im Sinne meiner Karriere besser lassen oder einschr√§nken sollte…

Bloggen wird nicht deswegen zu einem Problem f√ľr die wissenschaftliche Karriere, weil es eine Freizeitbesch√§ftigung ist, die Zeit in Anspruch nimmt, die man besser f√ľr Wissenschaft verwenden k√∂nnte (nicht nur zumindest). Bloggen wird deswegen zum Problem, weil es √∂ffentlich stattfindet und alle – Kollegen, Chefs, Geldgeber, etc – mitansehen k√∂nnen, dass man in seiner Freizeit Dinge tut, die nicht der Forschung dienen (Wir haben hier im Blog ja schon mal die verwandte Frage diskutiert, ob √Ėffentlichkeitsarbeit und Medienpr√§senz der Karriere schadet).

Trotzdem kann ich allen nur raten, das Bloggen selbst mal auszuprobieren! Einmal, weil ich den Worten von Thomas Gr√ľter nur zustimmen kann – ich wiederhole nochmal was er gesagt hat:

“Man muss nicht darauf schielen, ob irgendeine Lebens√§u√üerung die Karriere behindern k√∂nnte. Wer st√§ndig mit stromlinienf√∂rmig angelegten Ohren heruml√§uft und die drei weisen Affen zu seinen wichtigsten Karriereberatern erkoren hat, sollte ohnehin kein Blog schreiben. Er sollte eigentlich auch kein Wissenschaftler werden, denn die lebendige Wissenschaft n√§hrt sich von Kontroversen”

Aber auch, weil Bloggen der Karriere durchaus auch hilfreich sein kann. Vielleicht nicht unbedingt der wissenschaftlichen Karriere. Aber als Blogger lernt man jede Menge Menschen kennen. Man kn√ľpft jede Menge Kontakte und – wenn man es halbwegs gut anstellt – das zu Leuten, die nichts mit dem eigenen Fachgebiet zu tun haben. Als ich angefangen habe zu bloggen, hatte ich auf einmal mit Wissenschaftlern aus allen Bereichen zu tun. Ich habe sehr viele Journalisten kennengelernt. Ich habe Leute getroffen die beim Fernsehen arbeiten oder in Verlagen. All diese Menschen h√§tte ich als “normaler” Wissenschaftler nie kennengelernt. Und diese Kontakte haben sich dann als sehr hilfreich erwiesen, als ich mich dann doch entschlossen hatte, aus der Wissenschaft auszusteigen.

Ich kann nicht sagen, ob das Bloggen meiner Karriere als Astronom geschadet hat. Aber meiner Karriere als Wissenschaftsautor hat es definitiv geholfen!

Kommentare (31)

  1. #1 SCHWAR_A
    6. Mai 2012

    @Florian Freistetter:
    “Ich kann nicht sagen, ob das Bloggen meiner Karriere als Astronom geschadet hat.”

    …aber Du vermutest es schon, oder?

    Weiter so!
    Herzliche Gr√ľ√üe.

  2. #2 Florian Freistetter
    6. Mai 2012

    @SCHWAR_A: “aber Du vermutest es schon, oder?”

    Naja, nicht, was direkten Einfluss der Form “Der ist Blogger, der kriegt keine Stelle!” angeht. Aber h√§tte ich all die Freizeit, die ich aufs Bloggen verwendet h√§tte auf die Wissenschaft verwendet, w√§ren manche Dinge vielleicht anders gelaufen

  3. #3 BennyR
    6. Mai 2012

    Auf der GDM-Konferenz (Gesellschaft f√ľr Didaktik der Mathematik) im M√§rz 2012 hat es einen Hauptvortrag gegeben, der sich mit dem Thema “Wissenschaft und Bloggen” auseinander gesetzt hat.
    Prof. Christan Spannagel, der sich selbst als “√∂ffentlicher Wissenschaftler” sieht, hat einen sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag zu diesem Thema gehalten. Wer Interesse hat, kann ihn sich √ľber sein Blog anschauen:
    http://cspannagel.wordpress.com/2012/03/30/todsunden-in-der-wissenschaft-vortragsaufzeichnung/

  4. #4 Zhar the MaD
    6. Mai 2012

    Also irgendwie bekomm ich hier nicht wirklich positive motivation meinen eingeschlagenen berufsweg weiter zu folgen.. :/ ich habe jetzt schon massive probleme job(ohne geld kein essen), partnerschaft und studium in gewinnbringenden einklang zu bekommen, was immer weniger funktioniert, da die reserven jahr f√ľr jahr immer weniger werden und die belastungsgrenzen immer tiefer sinken(ich kann heute nicht mehr mal eben eine nacht durcharbeiten wie fr√ľher) und so wie das klingt wird das wohl jahrzente so weitergehen? immer stress, keine zeit und keine gewissheit auf kontinuit√§t? und mit freizeit/hobbies ist schon wieder nix? vor kurzen konnte ich mir einen blogg oder ein sch√∂nes programmierprojekt noch vorstellen..
    Mein lieber Herr Freistetter so gerne ich ihren Blogg auch lese und es hin und wieder ungemein spannend finde was sie hier berichten, schaffen sie es (wiederholt) ernsthafte zweifel an der wissenschaft zu s√§en. ich werde mich nat√ľrlich nicht an einer einzelnen einsch√§tzung/meinung orientieren, aber der zweifel ist da, ob sich der kampf denn √ľberhaupt noch lohnt.

  5. #5 ZielWasserVermeider
    6. Mai 2012

    Moin.

    Ist das Problem Bloggen und/oder Wissenschaft eher lokal(D) zu sehen oder gibt es das Problem auch international. Wie ist das denn in den USA? Oder Froonkreisch?

    Gruß
    Oli

  6. #6 Florian Freistetter
    6. Mai 2012

    @Zhar the MaD: “Mein lieber Herr Freistetter so gerne ich ihren Blogg auch lese und es hin und wieder ungemein spannend finde was sie hier berichten, schaffen sie es (wiederholt) ernsthafte zweifel an der wissenschaft zu s√§en. “

    Nicht an der Wissenschaft! Aber an den Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft. Da gibt es tatsächlich jede Menge zu kritisieren. Das ändert nichts daran, dass Wissenschaft ein enorm faszinierendes Tätigkeitsfeld ist.

    “aber der zweifel ist da, ob sich der kampf denn √ľberhaupt noch lohnt.”

    Das kommt ganz darauf an, was man will. Ich habe einen anderen Weg gefunden, mich mit der Wissenschaft zu besch√§ftigen. Aber wenn man die Wissenschaft wirklich liebt, dann lohnt sich der “Kampf” auf jeden Fall. Und Deutschland ist ja nicht die Welt. Man kann immer noch in andere L√§nder gehen, wo die Bedingungen besser sind.

  7. #7 Varis
    6. Mai 2012

    Das Problem beim Bloggen ist ja immer die Tatsache, dass es nunmal √∂ffentlich ist. Selbst wenn man von den Leuten, die glauben wer als Wissenschaftler Zeit zum Bloggen hat k√ľmmert sich nicht genug um seinen Job, mal absieht, gibt es immer irgendwen der mit irgendeiner Aussage nicht zufrieden ist, und sei es nur etwas was diese Person zwischen den Zeilen zu lesen geglaubt hat. Das kann im schlimmsten Fall dazu f√ľhren dass potentielle Arbeitgeber einem aus ganz pers√∂nlichen Gr√ľnden keinen Job geben. Ich glaube dass ein komplett “unpers√∂nlicher” Blog, wo nur reine Information und keine “wertende” Meinung (so √† la “Ich glaube in Zukunft wird…” oder “Meiner Meinung nach sollte die Forschung….”) steht, solche Probleme nicht verursacht, allerdings im Gegenzug auch sicherlich weniger Publikum anlockt…
    Es ist schwierig, es allen Recht zu machen. Ich hoffe aber immer noch darauf dass die Mehrheit der Menschen ihre Entscheidungen rational trifft und einem so etwas wie die Tatsache, dass man einen Blog schreibt, nicht “ankreidet”…
    Ich sehe es ja selbst immer wieder, wenn ich mal auf meinem eigenen Blog von meinem Studium schreibe und irgendetwas wissenschaftliches erkl√§re oder zeige, wie begeistert die Leser dann sind, und ich h√∂re sehr oft “Ich interessiere mich eigentlich √ľberhaupt nicht f√ľr Wissenschaft, aber du bringst mich echt dazu das zu lesen und auch interessant zu finden!” Ich finde es sch√∂n wenn man solche Dinge anderen Menschen n√§her bringen kann ^^ Und ich finde es sollte nichts sein, dass negativen Einfluss auf die Berufschancen hat…

  8. #8 nihil jie
    6. Mai 2012

    im Moment braucht man gar kein Blogger zu sein um keinen Job zu bekommen… es reicht schon wenn Mann mit dem Klarnamen ein FB Profil besitzt. und davon gibt es Millionen. selbst dann denke ich nicht, dass all diese Menschen niemals einen Job bekommen werden.

    dennoch… hier bei ScienceBlogs sehe ich die Gefahr f√ľr die Blogger eher weniger. Ihr schreibt hier nicht √ľber euer letztes Saufgelage und Freudenhaus besuche um einen zu schlechten Eindruck zu hinterlassen. zu dem empfinde ich pers√∂nlich diese Schnittstelle zwischen Wissenschaft und der “Au√üenwelt” als sehr wichtig. und irgend wer muss diesen Job ja auch machen. von selbst schreiben sich die Artikel hier nicht.

  9. #9 Wolfgang Granon
    6. Mai 2012

    An der Einstellung Karriere oder Privatleben sollte sich dringend etwas √§ndern. Zust√§nde, die in jeder anderen Berufssparte als asozial angesehen werden, sind im wissenschaftlichen Umfeld v√∂llig normal. Eine Kollegin (Doktorandin) bekam etwa vor kurzem von ihrer Chefin w√∂rtlich gesagt, dass sie sich nicht einbilden braucht schwanger zu werden. Dann w√§re die Karriere zumindest in ihrem Labor vorbei. Bei uns in √Ėsterreich muss man nach 6 Jahren FWF das Land verlassen, da man keine neuen Gelder mehr bekommen darf. Wie sollte man das mit einer Familie vereinbaren?

    Die Frage ist, ob sich daran so schnell etwas √§ndert. In der in Deutschland und √Ėsterreich vorherrschenden Demokratieform haben Wissenschaftler einfach kein Stimmrecht. Wir k√∂nnten ja mal anfragen, was man so von einem Kastensystem h√§lt in dem die Wissenschaftlerkaste genauso viel Stimmrecht hat wie die Arbeiterkaste. Sicher sehr realistisch ūüėČ

  10. #10 beiläufig
    6. Mai 2012

    Wozu braucht Deutschland Naturwissenschaftler?

  11. #11 Wolfgang Granon
    6. Mai 2012

    Ist diese Frage ernst gemeint? Ist die Frage, was du als “brauchen” definierst. Prinzipiell brauchen wir √ľberhaupt keine Wissenschaft. Wir k√∂nnen ja auch wieder mit unseren F√§usten gegen Tiger k√§mpfen und im ersten Winter verhungern, wenn wir nicht schon lange an einer simplen Infektion gestorben sind.

  12. #12 beiläufig
    6. Mai 2012

    Durchaus ernst gemeint, jedoch an eher die Politik gerichtet.
    Und die Metapher mit dem Winter – hat was.

  13. #13 AndreasM
    7. Mai 2012

    Was es braucht, wäre eine Gewerkschaft der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die durch Streiks diesem System der immer kurzfristigeren Beschäftigungen und längeren Arbeitszeiten (und auch den Unsitten wie Promotionsurlaub) ein Ende macht.
    Wissenschaft ist sehr interessant, aber im akademischen Mittelbau wird das gnadenlos ausgenutzt, um möglichst viel aus dem wissenschaftlichen Nachwuchs herauszupressen.

  14. #14 Chris
    7. Mai 2012

    Naturwissenschaft kann man mittlerweile anderswo kaufen. Als Kaufmann kaufe ich. Auch Wissenschaftler, nat√ľrlich dort wo der Preis stimmt. Ganz einfach!

  15. #15 Sauerklee
    7. Mai 2012

    Na da kommen wir ja fast schon auf den Punkt. Meines Erachtens ist nicht das Bloggen an sich der Einfluss, sondern der Konkurrenzkampf in der Wissenschaft bzw. das Ausschalten l√§stiger Konkurrenz. Wenn ich jemanden nicht leiden mag, dann suche ich nach Dingen, das zu begr√ľnden, wenn ich jemanden gut leiden kann, kann ich die Blogpflege tollerieren oder finde sie sogar interessant.
    Ich denke einmal, dass jeder karrierebewusste Mensch sein FB-Profil mit Klarnamen auch ordentlich pflegt und dort nur das unterbringt, das er auch mit vollem Herzen nach au√üen vertritt. Das kann dann auch ein rein wissenschaftlicher Blog sein, der vllt. auch zur Diskussion auffordert und das eigene wiss. Thema vorantreibt. Alles andere w√ľrde ich tunlichst sein lassen – erst recht unter Klarnamen. Auch wenn es in der Freizeit abl√§uft, ist es den meisten Chefs nicht egal. Denn sie m√ľssen sich an dir profilieren, deine Faulheit und dein mangelndes Interesse vorhalten und st√§ndig beweisen wie toll sie selbst sind, um nicht ihren Stuhl zu verlieren. Ich glaub dieser Mechanismus l√§uft so in Deutschland.

  16. #16 Florian Freistetter
    7. Mai 2012

    @AndreasM; “Gewerkschaft der wissenschaftlichen Mitarbeiter”

    Prinzipiell eine gute Idee. Aber solche Gewerkschaften gibt es ja jetzt schon. Und gerade wegen der kurzen Befristungen und der st√§ndigen Abh√§ngigkeit von den “Oberen” trauen sich viele nicht, irgendwo aktiv zu werden. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter kommen ja auch aus dem Ausland und – wegen der Befristung – bleiben nur kurz. Die haben auch keine Lust, sich da zu engagieren. Und schlie√ülich k√∂nnen Wissenschaftler durch Streik auch keinen gro√üen Druck aufbauen. Im Gegensatz zu M√ľllm√§nnern oder Lokf√ľhrern interessiert sich die √Ėffentlichkeit wenig f√ľr das was an den Unis passiert oder nicht passiert…

  17. #17 AndreasM
    7. Mai 2012

    @Florian: Umso mehr ist es notwendig, solidarisch zu sein. Und Gewerkschaften, die seit vielen Jahren Reallohnverluste hinnehmen, sind nur Pseudogewerkschaften. Außerdem interessiert sich Ver.di nicht wirklich um die Arbeitsbedingungen von wissenschaftlichen Mitarbeitern.
    Bei einem Streik geht es ja nicht nur darum, √Ėffentlichkeitsdruck aufzubauen. Ohne wissenschaftliche Mitarbeiter gibt es niemand, der Deliverables f√ľr die Projekte schreibt oder die Vorlesungen von Profs vorbereitet oder Praktikas f√ľr Studenten h√§lt.
    Dabei geht es auch um das Ideal des unabhängigen Wissenschaftlers, das in einer Umgebung, in der Bloggen als karriereschädigend angesehen wird, einfach nicht existiert. Und von selbst wird das Hamsterrad nie langsamer werden.

  18. #18 Hans
    7. Mai 2012

    Ist zwar etwas OT, passt aber nahezu zu jedem der wissenschafts-verklärenden Blogbeiträge des Florian Freistetter.

    Sollte sich langsam herumgesprochen haben: Man klaut nicht einfach irgendwelche Texte aus dem Internet und kopiert sie anderswo hin. Entweder sie fassen das vern√ľnftig zusammen oder sie setzen einen Link. Aber einfach kopieren geht nicht – selbst wenn man einen Namen dazu nennt. Solange der Autor nicht explizit zustimmt, dass seine Artikel anderswo ver√∂ffentlicht werden, hat man das zu unterlassen. Nennt sich Urheberrechtsverletzung

  19. #19 Florian Freistetter
    7. Mai 2012

    @Hans: “Ist zwar etwas OT, passt aber nahezu zu jedem der wissenschafts-verkl√§renden Blogbeitr√§ge des Florian Freistetter.”

    K√∂nnten sie mal den Artikel den ich geschrieben habe lesen? Und mir dann sagen, WO genau ich hier die Wissenschaft “verkl√§re”?

  20. #20 JamesT
    7. Mai 2012

    Und der globale Kindergarten geht weiter. Schaut man sich arbeitspsychologische Studien an, dann wird dort mit der work-life-balance gespielt. Letztere ist √ľbrigens recht wichtig um konstruktiv und (!) produktiv zu sein. Wer von jemanden einen 24h Einsatz verlangt, hat diese Grundlegende Theorie nicht verstanden. Forscher bzw. Wissenschaftler z√§hle ich dabei als normalen Mitarbeiter und darf sich also auch darunter einordnen.
    Ich finde Bloggen toll und bereite auch gerade meinen eigenen vor. Pers√∂nlich habe ich keine Lust mir Fachjournale f√ľr Unsummen zu kaufen und mich dann dort fachspezifisch einlesen zu m√ľssen. Daf√ľr habe ich schlichtweg nicht die finanziellen MIttel; erst Recht nicht die Zeit. Ich finde Blogs (und gerade hier die Scienceblogs) einfach toll, weil sie im groben recht verst√§ndlich und nachvollziehbar sind und (!) einen breiten √úberblick √ľber aktuelle Themen gibt. Blogs schaffen sozusagen die oft theoretische und leider gesellschaftlich fremde Wissenschaft aus ihren Elfenbeinturm zu holen und denen zug√§nglich zu machen, f√ľr die sie eigentlich da sein sollte. N√§mlich allen !

  21. #21 JamesT
    7. Mai 2012

    “Prinzipiell eine gute Idee. Aber solche Gewerkschaften gibt es ja jetzt schon. Und gerade wegen der kurzen Befristungen und der st√§ndigen Abh√§ngigkeit von den “Oberen” trauen sich viele nicht, irgendwo aktiv zu werden. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter kommen ja auch aus dem Ausland und – wegen der Befristung – bleiben nur kurz. Die haben auch keine Lust, sich da zu engagieren. Und schlie√ülich k√∂nnen Wissenschaftler durch Streik auch keinen gro√üen Druck aufbauen. Im Gegensatz zu M√ľllm√§nnern oder Lokf√ľhrern interessiert sich die √Ėffentlichkeit wenig f√ľr das was an den Unis passiert oder nicht passiert…”

    Ich kann diese Argumente nicht ganz nachvollziehen. F√ľr mich klingen die doch recht subjektiv und ziemlich generalisiert. Wer ist denn die √Ėffentlichkeit? Wir doch alle. Es gibt recht viele Instrumente sich in die √∂ffentliche Pr√§sens zu man√∂vrieren.

  22. #22 JamesT
    7. Mai 2012

    P.S: Kann mir jemand verraten wie man mit diesen tollen bunten Kästen zitiert?

  23. #23 Florian Freistetter
    7. Mai 2012

    @JamesT: “Es gibt recht viele Instrumente sich in die √∂ffentliche Pr√§sens zu man√∂vrieren. “

    Nat√ľrlich gibt es die. Die Frage ist: setzt man das auch um? Wenn die Lokf√ľhrer streiken und √ľberall die Z√ľge stehen, dann merkt das jeder. Wenn die Mitarbeiter an ner Uni streiken, dann merken das nur die Leute in der Uni. Und das sind wenige. Und wenn in den Nachrichten zu h√∂ren ist, dass an der Uni gestreikt wird, dann denken sich wahrscheinlich viele: “Faule Wissenschaftler! Die sollen arbeiten und nicht auf Kosten der Steuerzahler faul in der Uni rumsitzen.” Ein klassischer Streik funktioniert nur, wenn man auch eine gro√üe Lobby hat. Und die haben Wissenschaftler nicht.

  24. #24 JamesT
    7. Mai 2012

    @FF
    Wenn die Lokf√ľhrer streiken und √ľberall die Z√ľge stehen, dann merkt das jeder. Wenn die Mitarbeiter an ner Uni streiken, dann merken das nur die Leute in der Uni. Und das sind wenige.

    Wenn die Lokf√ľhrer streiken merke ich das nur daran, dass ich es im Fernsehen mitbekomme. Dazu kann jeder selbst Stellung beziehen. Die Macht die von einem solchen Streik ausgehen liegen kaum darin begr√ľndet, dass sich die Geldgeber denken das ihre Passagiere pro Lokf√ľhrer sind, sondern eher im Verdienstausfall durch Bahntickets. Der moralische Grund ist eher untergeordnet.

    Bei Lokf√ľhrern (wie auch bei den meisten anderen Branchen) geht es auch prim√§r um die Gehaltsvorstellungen und wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist das bei Wissenschaftlern eher nicht das Problem. Hier liegt es vielmehr an systematischen Problemen, wie Erwartungshaltung gegen√ľber dem Forscher, Arbeitszeiten sowie pers√∂nlicher Einsatz. So etwas l√§sst sich allerdings nur bedingt aus der “oberen” F√ľhrung der Universit√§t ableiten. Wie bereits gesagt vermute ich hier ein systemische Problem, das es vor allem politisch zu regeln gilt und bitte nicht m√∂glichst mit “throwing money at the problem”.

    Und wie geht das nun mit dem zitieren?

    Und wenn in den Nachrichten zu h√∂ren ist, dass an der Uni gestreikt wird, dann denken sich wahrscheinlich viele: “Faule Wissenschaftler! Die sollen arbeiten und nicht auf Kosten der Steuerzahler faul in der Uni rumsitzen.” Ein klassischer Streik funktioniert nur, wenn man auch eine gro√üe Lobby hat. Und die haben Wissenschaftler nicht.

  25. #25 JamesT
    7. Mai 2012

    Der letzte Absatz ist zu ignorieren :/

  26. #26 DerLustigeRobot
    7. Mai 2012

    @JamesT: “zitieren”

    Du bekommst einen grauen Kasten, der blaue ist dem Blog-Autoren vorbehalten.
    Benutze valides eingeschr√§nktes HTML, Tags “blockquote”, “a”, “i”, “u” und “br”.
    Benutze auch &amp; = & – &lt; = < – &gt; = > – &nbsp; = (Festleerzeichen).
    Lies => hier und => hier und => hier.
    Selber suchen macht auch gl√ľcklich, selbst wissen macht gl√ľcklicher!

  27. #27 JamesT
    8. Mai 2012

    Danke f√ľr die Hilfe. Habe nach zitieren im Scieneblog gesucht, aber da kam immer wie ich wissenschaftliche Literatur zitiere x) und ja selber suchen macht gl√ľcklich, ist bei einem nicht-finden jedoch frustrierend. Daher nochmals Danke

  28. #29 Hans
    8. Mai 2012

    @Freistetter:
    Urheberrechtsverletzung in einem Kommentarfeld? Ich lach mich schlapp. Ist das hier eine Doktorarbeit? Ach, falsch – in Doktorarbeiten darf man ja anscheinend klauen. Oder jetzt doch nicht? Hier der Link: http://www.forschungsmafia.de/blog/uber-die-forschungsmafia/

    “K√∂nnten sie mal den Artikel den ich geschrieben habe lesen? Und mir dann sagen, WO genau ich hier die Wissenschaft “verkl√§re”?”
    K√∂nnten sie mal meinen Kommentar lesen? Da steht: “Ist zwar etwas OT…” OT steht hierbei f√ľr off topic. Was das bedeutet, k√∂nnen sie sicher googeln.

  29. #30 Florian Freistetter
    8. Mai 2012

    @Hans: “Urheberrechtsverletzung in einem Kommentarfeld? Ich lach mich schlapp. Ist das hier eine Doktorarbeit?”

    Es mag neu f√ľr sie sein – aber auch im Internet darf man nicht einfach irgendwelche Texte durch die Gegend kopieren. Ich hab keine Lust, dass irgendein Anwalt ankommt, und mich abmahnt. Es ist doch kein Problem, einen Link zu setzen, oder?

    ” Da steht: “Ist zwar etwas OT…” OT steht hierbei f√ľr off topic. Was das bedeutet, k√∂nnen sie sicher googeln.”

    Wenn sie dar√ľber meckern wollen, dass ich die Wissenschaft verkl√§re, dann d√ľrfen sie sich nicht wundern, wenn ich nachfrage, wo ich das getan haben soll. Offtopic hin oder her.

  30. #31 Jens Rehländer
    10. Juni 2014

    In diesem Thread wurde wiederholt beschrieben, dass Forscherinnen und Forscher Nachteile erfahren, wenn sie bloggen. Heute wurde der “Siggener Aufruf” publiziert, in dem Wissenschaftskommunikation skizziert wird, wie sie w√ľnschenswert w√§re http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/weiterentwicklung/siggener-aufruf.html. Ich habe dazu spontane Gedanken formuliert, insbesondere, dass Forscherinnen und Forscher f√ľr Kommunikationsarbeit Gutschriften auf ihr Impact Factor-Konto brauchen: https://www.facebook.com/jens.rehlander.9/posts/10204160693407265