Der letzte Vollmond war erst vor ein paar Tagen; es dauert also noch, bis er wieder groß und schön am Himmel zu sehen ist. Wenn das Wetter mitspielt zumindestens. Bei uns ist es draußen ja derzeit meist etwas ungemütlich. In Neuseeland dagegen ist Sommer und als letzte Woche der Mond voll war, konnte man ihn dort wunderbar beobachten. Genau das hat Fotograf Mark Gee gemacht. Er hat allerdings viel mehr getan, als einfach nur ein paar Bilder geknipst…

Er hat sich am Mount Victoria Aussichtspunkt der neuseeländischen Hauptstadt Wellington auf die Lauer gelegt. Genauer gesagt in 2 Kilometer Entfernung. Dort hat er mit einem Teleobjektiv nicht nur den aufgehenden Mond gefilmt, sondern auch die Menschen, die sich gerade am Aussichtspunkt aufhielten. Das klingt unspektakulär. Ist es aber nicht!

Full Moon Silhouettes from Mark Gee on Vimeo.

Man könnte ja zuerst glauben, das Video wäre eine Zeitrafferaufnahme. Aber die Bewegung der Menschen zeigt klar, dass dem nicht so ist. Ok, natürlich könnte das gefaked sein. Vielleicht laufen die Silhouetten alle in Zeitlupe oder so und nachher wurde alles beschleunigt. Das ist aber nicht passiert. Der Mond bewegt sich tatsächlich so schnell. Beziehungsweise die Erde. Denn was wir hier sehen, ist in erster Näherung die Drehung der Erde um ihre eigene Achse. Sie macht eine Drehung innerhalb von 24 Stunden; der Mond bewegt sich also einmal in 24 Stunden um die Erde herum. Das macht er demnach mit einer Geschwindigkeit von 360 Grad pro 24 Stunden oder 15 Grad in einer Stunde. Pro Minute ist das ein Viertelgrad und da der Mond am Himmel einen Durchmesser von etwa einem halben Grad hat, dauert es knapp zwei Minuten, bis er eine Strecke zurück gelegt hat, die seinem Durchmesser entspricht (In Wahrheit steht der Mond natürlich nicht fest im All sondern bewegt sich selbst auch, mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 Kilometer pro Sekunde im Bezug auf die Erde. Deswegen bewegt er sich im Laufe eines Tages ein wenig nach Osten und braucht insgesamt ein bisschen mehr als 24 Stunden um die Erde scheinbar zu umkreisen).

Dank der Drehung der Erde um ihre Achse sollte es also knapp 2 Minuten dauern, bis der Mond komplett aufgegangen ist. Und das ist in etwa das, was man auch im Video sehen kann. Es ist also tatsächlich keine Zeitrafferaufnahme. Sondern ein wunderschönes Video in Echtzeit.

Kommentare (26)

  1. #1 Petra
    1. Februar 2013

    Phänomenales Video! Und dank deiner präzisen Erläuterung kann man auch glauben, dass es echt ist.

  2. #2 fehlfarbe
    1. Februar 2013

    Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass es so zeitraffermäßig wirkt, weil der Fotograf eine recht hohe Brennweite und damit Vergrößerung benutzt hat. Dadurch wandern bewegte Objekte viel schneller durch das (kleine) Bildfeld.

  3. #3 Florian Freistetter
    1. Februar 2013

    @fehlfarbe: “Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass es so zeitraffermäßig wirkt, weil der Fotograf eine recht hohe Brennweite und damit Vergrößerung benutzt hat”

    Das der Fotograd ein Teleobjektiv benutzt hat, habe ich erwähnt…

  4. #4 Olaf aus HH
    1. Februar 2013

    Anrührend, gewaltig und schön. Toll.
    Der Mond ist “schnell” – ich habe öfter in einer klaren Vollmondnacht meinen Refraktor auf ihn ausgerichtet und er wanderte immer recht schnell aus dem “Bild”.
    Dank an Mark Gee.
    Und FF…

  5. #5 Markus
    1. Februar 2013

    Dumme Frage: Warum ist der Mond so groß und orange? Als ich ihn das letzte mal gesehen hatte (ist dank dem be… scheidenen Wetter aber auch schon ne Zeit lang her) sah der noch nicht so aus. Liegt das an diesem Teleobjektiv?

  6. #6 Florian Freistetter
    1. Februar 2013

    Die Farbe kommt von der Höhe. Je näher am Horizont desto gelb/rötlicher (weil das Licht mehr Weg durch die staubige Atmosphäre zurück legen muss). Die Größe kommt vom Objektiv.

  7. #7 PDP10
    1. Februar 2013

    Wow!

    Auf was für einem wunderschönen Planeten wir doch leben dürfen!
    Und die Aussicht erst! :-)

  8. #8 bikerdet
    1. Februar 2013

    Tolles Video, da hätte ich auch gerne gestanden !

    Bei meinem letzten Ausflug auf eine alte Abraumhalde zur Teilsonnenfinstenis, haben wir vor lauter Wolken und Regen nicht mal die Sonne gesehen.

    @PDP10 :

    Was glaubst Du, was Du erst auf dem Mond für eine tolle Aussicht hast. Obwohl, wenn ich mir einen Mond aussuchen könnte, würde ich wohl Dione oder Rhea (beide am Saturn) nehmen. Saturnaufgänge MÜSSEN spektakulär sein …

  9. #9 Matthias Kneller
    2. Februar 2013

    Eine ebenso grandiose Aufführung bekommt man an der Westseite des Gardesee, wenn der Vollmond über dem Monte Baldo an der Ostseite aufgeht. Blos dass er dort natürlich von rechts nach links wandert. Und wenn dann noch ein leichter Wind weht, so dass sich das Mondlicht massiv im See spiegelt, kann man sich davon nicht satt sehen. Ach ja, im Sommer wieder.

  10. #10 Chrisi
    3. Februar 2013

    Ausnehmend hübsch! Und auch hier im Film faszinierend finde ich den, tja: Südhalbkugel-Effekt, nämlich dass der Mond (oder tags die Sonne) nach links wandert. Eigentlich ja eine ganz einfache Angelegenheit, die mich aber das einzige Mal, als ich unten war, im Alltag nachhaltig irritiert und belustigt hat – und ein bisschen auch hier. Der muss doch nach rechts! ;o)

  11. #11 Kevin Kleebusch
    3. Februar 2013

    Ich habe bis jetzt erst ein mal in meinem Leben einen annähernd so großen Mond gesehen. Ist schon Jahre her und meine Mutter hatte mich damals extra aus dem Bett geholt, aber so einen Anblick vergisst man nicht. Echt schön einen so gewaltigen Begleiter zu haben.

  12. #12 Gregor Weidninger
    4. Februar 2013

    @ Kevin Kleebusch:

    Der Mond ist immer gleich groß.
    Man nennt das Mondtäuschung.

    Ist übrigens sehr interessant.

    Siehe: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/16/grosser-mond-kleiner-mond-die-mondtauschung/

  13. #13 Martin
    Graz
    4. Februar 2013

    “Bei uns ist es draußen ja derzeit meist etwas ungewöhnlich.”

    Stimmt.
    😉
    Martin

  14. #14 Alderamin
    4. Februar 2013

    @Gregor Weidninger

    Das stimmt nicht ganz, der scheinbare Monddurchmesser ändert sich deutlich mit der Entfernung des Mondes von der Erde auf seiner elliptischen Bahn:

    http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/galleries/975636/Monddurchmesser

    Allerdings lässt sich darüber streiten, ob dieser Unterschied ohne direkten Vergleich mit bloßem Auge auffällt.

    Bei der Mondtäuschung ist der Effekt hingegen sehr auffällig, allerdings nicht echt, sondern eben nur eine optische Täuschung.

  15. #15 G.K.
    4. Februar 2013

    Von weit draussen betrachtet zieht der Mond also auf einer schraubenförmigen Bahn (mit der Erde) um die Sonne, ohne je zu taumeln?

  16. #16 schak
    7. Februar 2013

    @GK
    Der Mond ist auf einer elliptischen Bahn um die Erde. Die schraubenförmige Bahn ist eine Mischung aus zwei Kreisen die aber nur scheinbar ist.
    Das ist so ein ähnlicher Effekt wie die Tatsache dass obwohl uns der Mond immer dieselbe Seite zudreht er sich trotzdem um die eigene Achse dreht.

  17. #17 Florian Freistetter
    7. Februar 2013

    @GK, schak: Der Mond macht KEINE schraubenförmige Bahn, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Die Bahn des Mondes ist IMMER konkav und zur Sonne hin gekrümmt. http://www.astronomie.de/bibliothek/artikel-und-beitraege/der-erdmond/mondbahn-und-saroszyklus/

  18. #18 G.K.
    8. Februar 2013

    Vielen Dank für Eure Aufklärung. Jetzt komme ich beim Versuch, mir diese gemeinsame Reise von Erde und Mond um die Sonne “dreidimensional” vorzustellen, endlich weiter.
    Hilfreich waren auch die “behutsamen” Erklärungen von Gernot L. Geise auf –> http://www.efodon.de/html/archiv/weltraum/geise/mondumkreisung.html

  19. #19 AmbiValent
    8. Februar 2013

    Da gibt es noch diese Erklärung (allerdings auf Englisch):
    http://www.math.nus.edu.sg/aslaksen/teaching/convex.html

  20. #20 frantischek
    8. Februar 2013

    @Florian:
    Unter diesem oben geposteten Link:
    http://www.efodon.de/html/archiv/weltraum/geise/mondumkreisung.html
    wird behauptet:

    Bedingt durch die Merkmale seiner Umlaufbahn und seiner Pendelbewegung um die Erdbahn sind alle Spekulationen gegenstandslos, die davon ausgehen, unser Mond habe sich bei der Bildung unseres Sonnensystems zusammen mit der Erde aus der Urmaterie gebildet oder sei ehemals ein Teil der Erde gewesen. Er war es nie, sondern er wurde – und das beweist seine Bahnbewegung eindeutig – als Wanderer in unserem Sonnensystem von der Erde eingefangen.

    Was sagst du dazu?

  21. #21 Florian Freistetter
    8. Februar 2013

    @frantischek: “Was sagst du dazu?”

    Naja, von jemand, der die Mondlandung leugnet würde ich keine allzugroßen Erkenntnisse in Sachen Planetologie erwarten.
    Die Realität sieht anders aus. Hier zeigen die Belege, Beobachtungen und Daten ganz klar, dass der Mond aus einer Kollision entstanden ist. Und die himmelsmechanischen Simulationen zeigen ebenso klar, dass ein Einfang mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich, weil extrem unwahrscheinlich ist.

  22. #22 PDP10
    8. Februar 2013

    @frantischek:

    “Bedingt durch die Merkmale seiner Umlaufbahn und seiner Pendelbewegung um die Erdbahn sind alle Spekulationen gegenstandslos, die davon ausgehen, unser Mond habe sich bei der Bildung unseres Sonnensystems zusammen mit der Erde aus der Urmaterie gebildet oder sei ehemals ein Teil der Erde gewesen.”

    Warum?

  23. #23 frantischek
    9. Februar 2013

    @Florian: Versteh, hab die Seite nicht durchforstet, jetzt schon :(.
    @DPD: Keine Ahnung. Ich hab gedacht der Florian sagt was dazu.

  24. #24 PDP10
    9. Februar 2013

    @frantischek:

    Also erstens heisst es PDP10, so wie hier .
    (Mit dem Deutschen Paket Dienst habe ich nichts am Hut …)

    Und zweitens junger Padawan: DIE MACHT DU NUTZEN SOLLST!

    Die Macht des kritischen Hinterfragens zB.

    Auf der von dir verlinkten Seite wird die Begründung für diese wahrhaft revolutionäre Erkenntnis (wenn sie denn eine ist) wolkig auf ein irgendwann später verschoben.

    Das ist standard Crank-Rhetorik. Wie zB. “Es ist ja bekannt, das Einstein sich geirrt haben muss, da … ” – Hier beliebiges falsch verstandenes Phänomen einsetzen – und natürlich keine Begründung liefern.

    Bitte versteh mich nicht falsch: Ich will dich hier in keinster Weise beleidigen oder von oben herab belehren.
    Zumal du offenbar gerade erst gelernt hast, dein Laserschwert richtig zu halten … 😉

    Aber wie Meister Yoda sagen würde:

    “Nicht Kuhaugen grosse, glotzende, selberdenken du sollst machen!” :-)

  25. #25 Kallewirsch
    11. Februar 2013

    @frantischek

    > Was sagst du dazu?

    Auch wenn ich nicht FF bin – ich fasse das mal als “Was sagt ihr dazu?” auf.

    Das sagt mir, daß GG wieder mal unter Beweis gestellt hat, dass er nicht den geringsten schimmer von Geometrie und geometrischen Effekten hat. Der Mond bewegt sich zweifellos um die Erde. Daß diese Bahn in einem anderen Bezugssystem anders aussieht, ist interessant, hat aber nicht die Bedeutung die GG ihr zuweist. Letzten endes behauptet er, dass ein senkrecht nach oben geworfener Ball eben nicht geradlinig aufsteigt und wieder herunterfällt, wenn man nur diesen Versuch in einer fahrenden Eisenbahn macht und vom Bahnsteig aus beobachtet. DIe Beobachtung ist zwar interessant und hat auch Folgerungen aber damit ob ein senkrecht nach oben geworfener Ball auch wieder senkrecht runterfällt, hat sie herzlich wenig zu tun.

  26. #26 G.K.
    11. Februar 2013

    Zu astronomischer und mathematischer Abstraktion eher “weniger befähigte” Zeitgenossen, zu denen ich mich ja auch zähle, sind auf auf verständliche “himmelsmechanische Simulationen”, Visualisierungen und wenn möglich “formelfreie” Erklärungen nun mal angewiesen. Da leistet ScienceBlog hervorragende Arbeit.

    Den endgültigen “Durchbruch” habe ich nun dank des Links zu http://www.math.nus.edu.sg/aslaksen/teaching/convex.html geschafft, wohingegen der zu efodon in einen unglaublichen Irrgarten führen kann …

    Eine wirklich gute Animation zur gemeinsamen Bahn von Erde und Mond während eines Jahres, etwa auf youtube, komprimiert auf ein paar Minuten, suche ich noch.