In meiner Serie über extrasolare Planeten habe ich heute über sehr seltsame Planeten berichtet, die tote Sterne umkreisen. Planeten, die so gar nicht dem entsprechen, was wir gewohnt sind. Seltsame Welten gibt es aber auch in unserem Sonnensystem. Und vielleicht sind sie zwar seltsam, aber trotzdem geeignet, Leben zu beherbergen? Freeman Dyson spekuliert in in diesem TED-Talk über die Möglichkeit von Leben im äußeren Sonnensystem:


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Kommentare (13)

  1. #1 Kassenwart
    1. April 2013

    Lustig.
    Beschreibt in grundzügen seine Idee vom “Dyson tree”.

  2. #2 Frank Melle
    1. April 2013

    Ich finde seine Gedanken sehr interessant. Schon seit Jahren frage ich mich, wieso man sich auf der Suche nach Leben auf Lebensräume beschränkt, die unserem System gleichen. Vllt sind wir die Exoten und andere Lebensformen sind Standard.
    Auch stellt sich die Frage: was bedeutet “Leben” im Sinne des Universums und können wir überhaupt soetwas wahrnehmen?

    Leider müssen wir uns einschränken. Es macht mehr Sinn nach Dingen Ausschau zu halten, die mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen übereinstimmen. Dennoch sollte man den Blick für andere Möglichkeiten nicht verlieren und sie nicht als Spinnerei abtun, nur weil es mit unserem Weltbild kollidiert oder unsere Vorstellungskraft übersteigt.

    Was machen wir eigentlich wenn wir auf Leben stoßen? Wir können ja nicht mal unseren eigenen Lebensraum wirklich hegen und pflegen. Wir müssten von außen, völlig unbemerkt beobachten. Jede Sond die wir irgendwo landen lassen, könnte den Lebensraum kontaminieren oder Veränderungen bewirken, eventuell mit negativen Folgen für jenes Ökosystem. Sind wir wirklich so rücksichtsvoll und bescheiden, dass wir es nicht vermasseln würden?

  3. #3 advanced space propeller
    1. April 2013

    was die kontamination betrifft: -> planetary protection

    http://de.wikipedia.org/wiki/Planetary_Protection

  4. #4 Wurgl
    2. April 2013

    Den Vortrag halte ich für extrem spekulativ. Die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen, und nichts anders ist Leben, hängt stark von der Temperatur ab (daher verdirbt Zeugs im Kühlschrank auch nicht so schnell wie außerhalb) und die Temperaturen im äußeren Sonnensystem sind in Bereichen, wo eben diese Reaktionsgeschwindigkeit um einige Größenordnungen langsamer abläuft und damit auch eine mögliche Evolution. Und dann ist da noch das fehlende Schutzschild gegen kosmische Strahlung, nämlich die Atmosphäre. Die Reaktionen in einer Zelle müssen mindestens so schnell ablaufen, dass Schäden eines Einschlags eines solchen Teilchens repariert sind, bevor das nächste einschlägt.

    Irgendwie kommt mir das vor, wie Leben auf Basis von Silizium anstelle von Kohlenstoff. Unser Sonnensystem ist wohl nicht alt genug für sowas.

    Aber das angesprochene Prinzip: “Erstmal angucken, denn es könnte ja was sein anstatt nicht zu gucken, weil man nichts erwartet” passt schon.

  5. #5 Kassenwart
    2. April 2013

    @Wurgl

    Exakt. Dargestellt in der Arrhenius-Gleichung. Bei den Temperaturen die dort vorherrschen stehen chemische Reaktionen still (ok, als Näherung). Was zB auch Leben auf Titan zumindest ein wenig unwahrscheinlich macht.

    Silizium bringt vermutlich nichts. Si-Chemie braucht noch höhere Temp. als C-Chemie.

    Gucken ist immer gut, falls nicht jetzt können wir spätestens mit dem E-ELT einen Blick riskieren.

  6. #6 Wurgl
    2. April 2013

    Ich fürchte, dass ich auf einen Aprilscherz reagiert habe.

  7. #7 Kassenwart
    2. April 2013

    @Wurgl

    Glaub ich nicht. Sein Konzept des Dyson trees ist schon ziemlich alt und klingt sehr ähnlich. Wenn, dann ist das ein sehr alter April-Scherz.

    Schau hier:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Dyson_tree
    http://en.wikipedia.org/wiki/Dyson_sphere

    Freeman Dyson mag es schon phantastisch 🙂

  8. #8 Frank Melle
    3. April 2013

    @Wurgl

    Sicher kein Aprilscherz. Der Beitrag ist aus dem Feb 2003 😉

  9. #9 Frank Melle
    3. April 2013

    Ich bin gerade auf ein sehr einfaches, aber durchaus interessantes Video gestoßen. Ich weiß nicht, wie alt diese Gedankengänge sind. Aber ich finde, dass bei der Suche nach Leben eine Fragestellung immer wichtiger wird: was ist Leben?

    http://ed.ted.com/lessons/why-can-t-we-see-evidence-of-alien-life

    Wie schon angesprochen, ist es recht naheliegend, wenn wir erstmal nach etwas suchen, was unseren Vorstellungen am ehesten entspricht. Vermutlich sind wir mit unseren Methoden vorerst auch nur in der Lage, unsere Art von Leben zu entdecken. Zwar konnten wir in den letzten Jahrzehnten unsere Wahrnehmung ein bisschen erweitern. Wir können mittlerweile Strahlung detektieren und visualisieren, die für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Aber wie gut sind diese Beobachtungen?

    Hierzu frage ich mich manchmal: inwiefern werden Daten eigentlich hinterfragt? Wenn zB Signale gemessen werden und wir offensichtlich diese einem Objekt zuordnen können, wie viel Spielraum bleibt für unkonventionelle Gedanken? Gibt es Diskussionen über mögliche, nicht bedachte Faktoren? Lässt man eventuell der Fantasie freien Lauf? Wie weit denkt man um die Ecke?
    Es geht dabei nicht unbedingt um publizierte Informationen, die ja meist recht nüchtern ausfallen, sondern um den Arbeitsalltag. Wie sehr vertraut man unsere Methoden? Schließlich sind sie ja menschengemacht. Gibt es Zweifel daran? Es gibt ja nicht nur eine Erklärung für bestimmte Beobachtungen. Und wenn, dann beruht sie auf der aktuellen Faktenlage. Wie kreativ kann oder darf man aber sein, wenn es darum geht Ungereimtheiten zu erklären? Was bedeutet in diesem Zusammenhang “out of the box”-Denken und spielt das eine Rolle?

    Wenn wir falsch suchen, können wir vermutlich auch nichts finden. Oder wenn wir nur das sehen, was wir sehen können bzw sehen wollen, dann blicken wir vllt auch stur vorbei, obwohl es vllt offensichtlich ist.

    Die Einschränkung durch die Arrhenius-Gleichung ist von mir schon seit langem akzeptiert. Trotzdem frage ich mich: was, wenn es nicht immer so ist? Schränken wir uns durch solche Erkenntnisse nicht auch selbst ein? Vermutlich kommen wir dennoch ans Ziel. Aber ist es nicht auch eine Art Bremse?

    Seit ich vor vielen Jahren überhaupt mit Astronomie in Berührung gekommen bin, wurde schon erzählt, dass Wasserstoff das häufigste Element im Universum ist. Soweit ich weiß ist das immer noch der aktuelle Stand.

    Angenommen ich bin eine Amöbe in einer Stadt. Ich sehe hauptsächlich nur riesige Bauten und viele Menschen. Mit modernen Beobachtungsmethoden kann ich bis zum Rand eines Stadtviertels schauen. Gleichzeitig vermute ich, dass das nicht alles ist. Vermutlich befinde ich mich inmitten einer riesigen Metropole aus sehr vielen Menschen und Bauten. Somit schlussfolgere ich: die mir bis dahin bekannte, observable Stadt besteht am häufigsten aus Menschen und riesigen Gebäuden. Höchstwahrscheinlich wird der Rest der Stadt und alles drumherum ebenfalls so aussehen. Vermutlich ist einfach alles eine Stadt. Was soll es denn sonst noch geben?

    Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt auch überhaupt nichts anderes vorstellen, denn alles was ich sehe sind Gebäude und Menschen (größtenteils natürlich, abgesehen von Außnahmen). Wieso sollte also etwas völlig anderes existieren? Einen Wald habe ich vllt noch nicht entdeckt, also denke ich gar nicht darüber nach, dass die Stadt von einem riesigen Urwald umgeben sein könnte. Ich weiß ja gar nicht was ein Wald ist. Vllt bin ich besonders findig und entwickle eine Möglichkeit, als Amöbe innerhalb mehrerer Generationen an den Stadtrand der Metropole (meines Universums) zu kommen. Und entdecke dann etwas völlig neuartiges. Einen Wald. Oder ein Meer. Oder eine Wüste. Und ich erkenne: das mir bisher bekannte Universum hat lokal eine bestimmte Art von Materie angehäuft. Aber drumherum gibt es noch viel mehr andere Materie, deren Existenz ich in keinster Weise erwartet habe.

    Somit frage ich mich ebenfalls: wieso sagt man “Wasserstoff ist das häufigste chemische Element im Universum” und nicht “Wasserstoff ist vermutlich das häufigste chemische Element im Universum. So genau kann das niemand sagen, bisherige Beobachtungen sprechen zwar dafür, aber wir haben grade erst angefangen so richtig zu forschen”

    Mag sein, dass der Forscher sich das jeden Morgen sagt, wenn er sich die Zähne putzt. Warum wird es in den Schulen nicht gesagt oder in Bücher geschrieben? Warum wird unser momentanes Wissen oft als Fakt präsentiert? Warum wird es stattdessen nicht ein bisschen demütiger formuliert?

    Viele Fragen. Vllt findet jmd eine, die er beantworten kann 🙂

  10. #10 Florian Freistetter
    3. April 2013

    @Frank Melle: “Lässt man eventuell der Fantasie freien Lauf? Wie weit denkt man um die Ecke?”

    Sehr viel und sehr weit. Entgegen der weit verbreiteten Vorurteile sind Wissenschaftler NICHT nur darauf bedacht den Status Quo zu halten und ja keine neuen Gedanken zuzulassen…

    “Somit frage ich mich ebenfalls: wieso sagt man “Wasserstoff ist das häufigste chemische Element im Universum” und nicht “Wasserstoff ist vermutlich das häufigste chemische Element im Universum. So genau kann das niemand sagen, bisherige Beobachtungen sprechen zwar dafür, aber wir haben grade erst angefangen so richtig zu forschen””

    Weil die Beobachtungen genau das zeigen. Wenn andere Elemente häufiger wären, würde man das sehen. Sieht man aber nicht.

    “Warum wird unser momentanes Wissen oft als Fakt präsentiert? Warum wird es stattdessen nicht ein bisschen demütiger formuliert? “

    Weil 1) viele Dinge Fakten SIND. Nur weil man nicht alles weiß, folgt daraus nicht, dass alles Wissen vorläufig ist und das man nichts wissen kann. Und 2) behauptet kein Wissenschaftler – kein echter zumindest – die absolute und ewige Wahrheit zu kennen…

  11. #11 Florian Freistetter
    3. April 2013

    @Frank Melle: “Wie schon angesprochen, ist es recht naheliegend, wenn wir erstmal nach etwas suchen, was unseren Vorstellungen am ehesten entspricht. Vermutlich sind wir mit unseren Methoden vorerst auch nur in der Lage, unsere Art von Leben zu entdecken.”

    Siehe dazu auch hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/11/10/exolife-wie-fremd-kann-ausserirdisches-leben-sein/

  12. #12 Kassenwart
    3. April 2013

    @ Frank Melle

    Leben ist definiert als selbstständiger Stoffwechsel (auf- und abbauend) und Vermehrung. Die Debatte ob man Viren dazuzählen soll läuft. Aber das wäre nichts grundlegend anderes, da die gleichen Bausteine im Einsatz sind.

    Daten werden in den NW ständig hinterfragt, dass ist einer der Grundzüge der NW. Allerdings kannst du vieles als gesichert annehmen, zB dass das Periodensystem der Elemente quasi “voll” ist (ok, ok, vielleicht nochmal ein Transuran 😉 ) ?
    Unkonventionelle Gedanken sind immer willkommen, nur sollten sie sich auch prüfen lassen, sonst erfahre ich ja nie ob sie quasi meine Beobachtung erklären.

    Unsere Methoden sind von jedem reproduzierbar. daraus resultiert das Vertrauen.
    Menschengemacht ist dabei ja kein Manko. Und findet man eine bessere oder neue Methode (zB Rastertunnelmikroskope in den 80ern) ersetzt oder ergänzt sie die alte.

    Kreativ ist zwingend notwendig.

    Die Einschränkung erfolgt ja nicht durch “unsere” Arrhenius-Gleichung. Die AG beschreibt nur dieses Verhalten chemischer Reaktionen. Und auch das ist ja in jeder chemischen Reaktion zu überprüfen.
    Wenn jemand jedoch eine Reaktion fände wo dies anders wäre, würde dies natürlich auch in unser Wissen integriert, sofern es reproduzierbar wäre.

    Warum “Wasserstoff das häufigste chemische Element im Universum” ist hat ja Florian schon beantwortet.
    Es ist auch nicht richtig, dass wir erst angefangen haben zu forschen, wir forschen schon ein ganzes Weilchen.

    Was genau soll in Schulen nicht gesagt oder in Bücher geschrieben werden? Das hab ich nicht ganz verstanden.

    Unser Wissen erklärt unsere Beobachtungen, Messungen und lässt Voraussagen zu. Klar kommt auch immer wieder neues, dann wird das Wissen erweitert. Fundamental neues geschieht jedoch nur noch eher selten wenn wir von Chemie und Biologie reden. Das heisst natürlich nicht dass es absolut ausgeschlossen wäre.

    Viele Fragen. Vllt findet jmd eine, die er beantworten kann 🙂

  13. #13 H.M.Voynich
    3. April 2013

    Ich teile Frank Melles Erfahrung, daß zu meiner Schulzeit die Wissensvermittlung etwas sehr dogmatisches hatte; das In-Frage-stellen war kein Teil des Lehrplans.
    Mein Vater meinte einmal: auf der Schule sagten die Lehrer immer “so und so ist das”, beim Abitur hieß es schon öfter mal “man stellt sich das so und so vor”, und erst auf der Uni trauten sich die Professoren zu sagen: “wir haben keine Ahnung, was da eigentlich vorgeht, aber wir können dieses und jenes darüber sagen”.
    Das hängt vielleicht damit zusammen, daß zur Benotung der Schüler nichts so objektive Wertungen zuläßt wie das Abfragen auswendig gelernten Wissens.
    Vielleicht steckt auch eine milde Form des Dunning-Kruger-Effekts dahinter: je weiniger ein Lehrer weiß, um so sicherer ist er sich.

    In meinen Augen ist die fehlende/mangelhafte Vermittlung der Wissenschaftlichen Methodik das größte Defizit in unserem Bildungssystem. Nicht abschreiben, sondern hinterfragen und überprüfen!