Kennt ihr Johann Heinrich Lambert? Er wurde 1728 in Mülhausen im Elsass geboren und war Physiker, Mathematiker und Philosoph. Und hat ein paar ziemlich coole Ideen gehabt. Er hat sich zum Beispiel überlegt, wie man die Intensität von Licht messen kann. Damit hat er die Photometrie begründet, eine Disziplin, ohne die die Astronomie in ihrer heutigen Form nicht existieren könnte. Er hat auch bewiesen, dass die Kreiszahl Pi irrational ist. Und noch jede Menge andere wichtige Beiträge zu Physik und Mathematik geleistet. Heute eher weniger bekannt sind seine Aussagen über außerirdisches Leben. Lambert war davon überzeugt, dass es existiert. Vor allem auf Kometen.

JHLambert

Es war im 18. Jahrhundert nicht unüblich, an außerirdische Lebewesen zu glauben. Man war damals eigentlich generell überzeugt, dass alle Himmelskörper auch bewohnt sind. Denn warum sonst sollten sie existieren? Wenn da ein Planet ist, dann muss auch jemand darauf wohnen. Sogar die Sonne stellte man sich im 18. Jahrhundert bewohnt vor (man dachte damals, die Sonne wäre ein kühler Festkörper, wie die Erde und nur mit einer leuchtenden Schicht aus Wolken umgeben). Lambert war aber der erste, der auch über Bewohner von Kometen spekulierte. In seinen “Cosmologischen Briefen über die Einrichtung des Weltbaues” hat er eine recht poetische Beschreibung für diese Kometenbewohner gefunden:

“Ihr Weg geht von Sonnen zu Sonnen, wie wir auf der Erde von Stadt zu Stadt gehen, und wie uns dabei einzelne Tage davon eilen, so zählen sie Myriaden von unseren Jahren. Sie sind bestimmt, den Grundriß des Weltbaues zu bewundern, und in seiner Grundlage und Anordnung die Reihen der göttlichen Rathschlüsse über ihre Bestimmung einzusehen. Unsere größten Maaße sind ihre Differentialien, und unsere Millionen mögen kaum ihr Einmal eins seyn. Sie kennen die Wärme und die Klarheit jeder Sonnen, und mit einem Schlusse bestimmen sie die allgemeine Beschaffenheit der Einwohner jeder Planeten, die in jedem Abstande um dieselben herum sind. Ihr Jahr ist die Zeit von einer Sonne zur anderen. Ihr Winter fällt in die Mitte des Zwischenraumes oder des Weges, den sie dahin machen, und sie feyern den Zeitpunct, wo die vorige Bahn sich in eine neue umwendet. Das Perihelium von jeder Bahn ist ihr Sommer. Ihr Wohnort ist zu jedem Abstande von den Sonnen geschaffen, und jede Stuffen der Wärme wirft auf ihm das Herfürwachsen von solchen Pflanzen, die ihnen zum Muster derjenigen dienen, so auf Planeten und Cometen den gleichem Abstande von den Sonnen herfürkommen. Jeden Eintritt in ein neues Sonnensystem ist ihr Frühling, und den Herbst feyern sie, wenn sie es wieder verlassen.”

Die außerirdischen Wesen fliegen mit ihren Kometen also von Stern zu Stern und ihre einzige Aufgabe ist es, all diese Sterne zu untersuchen. Dieses Volk von Astronomen lebt Millionen Jahre lang und ihr Kalender wird von den Annäherungen an die verschiedenen Sterne bestimmt. Eine sehr schöne Vision, aber leider eine, die sich nicht bewahrheitet hat…

In den Cosmologischen Briefen schreibt Lambert aber später auch:

“Wir finden Welten auf jedem Staube, in jedem Tropfen, und bald wird kaum der Staub so zahlreich syeyn, als die Weltkugeln am Firmamente.”

Damit spielte Lambert auf die Entdeckungen mit dem Mikroskop an und meinte, dass man bald mehr Planeten im All als Staubkörner kennen wird. Und im Gegensatz zu seinen Kometen-Astronomen hatte er damit durchaus recht. Wir wissen mittlerweile, dass das Universum voll ist mit Planeten; dass es mindestens so viele Planeten gibt wie Sterne. Und Lambert selbst hat mit seiner Photometrie die Grundlagen für diese Entdeckungen gelegt, denn um diese Planeten entdecken zu können müssen die Astronomen die Helligkeit der Sterne möglichst exakt messen.

Und wer weiß. Vielleicht reisen wir ja irgendwann wirklich mal mit Kometen durchs All. Wenn wir irgendwann mal interstellare Raumfahrt betreiben, dann wohl nur mit großen Generationenschiffen und für die eignet sich ein ausgehöhlter Komet oder Asteroid am besten als Basis. Dann werden wir vielleicht doch noch ein Volk von Astronomen, die von Stern zu Stern reisen…

Kommentare (12)

  1. #1 Stefan
    29. April 2013

    Eine sehr interessante Geschichte.
    Von Lamberts “Cosmologischen Briefen über die Einrichtung des Weltbaues” wusste ich bis heute noch gar nichts.
    Die Idee mit den “Außerirdischen Astronomen, die auf Kometen wohnen” finde ich total faszinierend und ich denke, dass sich das sehr gut für eine tolle Sci-Fi Geschichte eignet!

  2. #2 Dieter Lenz
    Blankenfelde
    29. April 2013

    Unsere Vorstellungskraft lässt die Außerirdischen offenbar immer in irgendeiner Weise uns ähnlich sein oder in ähnlichen Verhältnissen leben (hier Jahreszeiten). Dabei können Außerirdische total anders sein und sind es vermutlich auch. So ist es ja auch mit unserer Vorstellung von Gott. ( Würden die Pferde einen Gott haben, so würde er wie ein Pferd aussehen. Zitat. Von wem, weiß ich nicht mehr.)

  3. #3 Silava
    29. April 2013

    Genial! Jetzt weiß ich endlich auch wo “Game of Thrones” spielt!

  4. #4 Florian Freistetter
    29. April 2013
  5. #5 Holger
    29. April 2013

    Roman darüber gibts:
    http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/11/27/buchtipp-das-drachenei/

    aber eben nicht auf nem Kometen, sondern auf nem Neutronenstern

  6. #6 JW
    29. April 2013

    Danke für den Artikel. Ich hatte fast vergessen, dass das Lambert-Beersche-Gesetz von zwei verschiedenen Personen stammt. Und das ein modernes Teleskop eher wie ein Photometer verwendet wird.

  7. #7 advanced space propeller
    29. April 2013
  8. #8 rolak
    29. April 2013

    Bei den Büchern fehlt eindeutig noch der Klassiker zum Thema Leben auf Kometen: Jules Verne = Reise durch das Sonnensystem.

  9. #9 T
    29. April 2013

    Ist es inzwischen nicht machbar, einen solchen Astronomen in Form einer Sonde auf einem Kometen zu plazieren und damit in Regionen des Sonnensystems vorzustoßen, die man bisher nicht oder nur ‘one-way’ erreichen konnte? Immerhin bestünde dann die Möglichkeit einer Rückkehr der Sonde, die sich einsammeln ließe. Oder ist die Reisegeschwindigkeit von Kometen zu gering?

  10. #10 Florian Freistetter
    30. April 2013

    @T: “Ist es inzwischen nicht machbar, einen solchen Astronomen in Form einer Sonde auf einem Kometen zu plazieren “

    Machbar wäre es schon. Aber es bringt nix. Bis so ein Komet einmal die Sonne umrundet, dauert es ein paar zehn- bis hunderttausend Jahre. Aber es gibt die Rosetta-Mission. Die wird demnächst auf nem Kometen landen und so den Weg eines Kometen zumindest unbemannt begleiten.

  11. #11 Kallewirsch
    30. April 2013

    Daran hatte ich auch schon mal gedacht. Mir sind folgende Gründe eingefallen, warum man das nicht macht.

    * Um sanft auf einem Kometen zu landen, muss man die Bahn und die Geschwindigkeit der Sonde an den Kometen angleichen. Da erhebt sich aber die Frage: Wenn ich das sowieso tun muss, wozu brauch ich dann den Kometen? Habe ich die Sonde auf die Bahnparameter des Kometen gebracht, dann würde sie auch ohne Komet dieselbe Bahn wie der Komet ablaufen

    * Das Sonnensystem ist groß. Riesengroß. Es würde schlicht und ergreifend nichts bringen, eine Sonde auf einem Kometen durch den leeren Raum sausen zu lassen. Uns interessieren ja die Objekte, Planeten, Asteroiden, Monde. Kometen kommen im Normalfall nicht nahe genug an diese Dinge ran, als das wir dadurch eine bessere Beobachtungsposition hätten.

    * Mit einem Kometen ‘mitreisen’ würde auch keine Energie sparen, denn sowohl Komet als auch Sonde bewegen sich ja sowieso im freien Fall, benötigen von daher auch keine Energie mehr, wenn die Sonde erst mal auf der richtigen Bahn unterwegs ist.

    Was natürlich interessant wäre, wäre zu beobachten, wie ein Komet im Laufe eines Umlaufs ‘einschläft’ und wie er bei Sonnenannäherung wieder ‘zu Leben erwacht’. Das allerdings stell ich mir tatsächlich spektakulär vor und ich gestehe, dass ich das zu gerne mal mit einer Kamera verfolgen möchte, wie ein Komet beginnt seinen Schweif aufzubauen.

  12. […] Zum Schluss noch ein wenig Astronomenpoesie von Johann Heinrich Lambert […]