Auf meiner Reise entlang der Saale und der Elbe habe ich schon einiges erlebt und gesehen: Juveniles Wasser, ein faules Universum, seltsames Wasser, potentielle Extradimensionen, keinen intelligenten Designer und unsichtbare Sonnenstrahlen.

Heute habe ich es bis zur Saalemündung in Barby geschafft. Ein nett aussehendes Dorf, von dem ich aber trotdem geneigt bin, es als “Kaff” zu bezeichnen. Zumindest habe ich bis jetzt noch keine Stelle gefunden, an der mein Internet-Stick einen halbwegs brauchbaren Empfang hat. Deswegen wird es auch noch ein wenig dauern, bis ich Bilder hochladen und meinen Artikel schreiben kann. Ich hab schon Schwierigkeiten genug, diese Einleitung zu speichern. Ich hoffe, es klappt beim nächsten Versuch…

Die Tour

Ok, nachdem ich nun doch einen Platz in Barby gefunden habe, wo ich zumindest ein klein wenig Empfang habe, probiere ich mal, meinen heutigen Artikel zu schreiben…

Der Tag begann wieder äußerst sonnig in Beesenstedt.

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Und der Weg entlang der Saale war heute besonders malerisch und schön:

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Bei Georgsburg gab es die Frühstückspause:

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Und weil Bernburg an der Saale so schön ist, hab ich dort auch keine kurze Rast eingelegt:

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Überall haben die Bäume schon zu blühen begonnen – genau so hatte ich mir das mit der Radtour vorgestellt. Kein Vergleich zum Regen und den 7 Grad, bei denen ich letzte Woche durch Bayern geradelt bin…

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Auch heute muss ich wieder die Saale kreuzen:

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Solche Wege kann ich ja absolut gar nicht leidern. Da holpert alles ständig und man kommt kaum voran:

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Zum Glück bin ich kurz danach in Barby angekommen, meinem Tagesziel für heute.

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Wie ich oben schon erwähnt habe: Ein nettes Dorf, aber auch ein wenig ein Kaff. Mein Reiseführer behauptet zwar, Barby wäre früher mal ein “geistiges Zentrum Europas” gewesen; irgendwas mit ner “academia barbiensis” oder so im 16. Jahrhundert – ich kanns leider mangels brauchbarer Internetverbindung nicht recherchieren und mein Reiseführer ist im Hotel, wo ich gerade aber nicht bin, weils da absolut gar keinen Empfang gibt. Es soll hier sogar ein Barbie-Puppen-Museum geben, was ich ja sogar – zumindest wegen des Namens – halbwegs originelle finde – das Museum selbst habe ich aber noch nicht gefunden.

Dafür gibt es hier Störche:

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Und auch die Elbe ist da und wegen der bin ich ja gekommen. Bei Barby mündet die Saale in die Elbe:

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Und morgen geht es einen neuen Fluss entlang!

Die Frage

Heute bin ich sehr lange direkt an der Saale entlang gefahren. Der Himmel war blau, das Wasser oft spiegelglatt und so wie ein Spiegel hat es sich auch verhalten:

frage

Spiegel sind heute nichts besonders und es gibt sie schon ne sehr lange Zeit. Früher – ganz früher! – war das Wasser wohl wirklich die einzige Möglichkeit für die Menschen, ihr Spiegelbild zu sehen. Aber schon in der Kupfer- bzw. der Bronzezeit gab es polierte Metallspiegel. Einen Spiegel aus Glas hat schon Plinius der Ältere im ersten Jahrhundert beschrieben. Und als ich da so durch die Gegend geradelt bin und über Spiegel nachgedacht habe, habe ich mich gefragt, warum es eigentlich so lange gedauert hat, bis das erste (Spiegel)teleskop gebaut wurde. Das Teleskop selbst wurden Anfang des 17. Jahrhunderts gebaut; kurz danach wurde das erste Spiegelteleskop gebaut und 1672 stellte Isaac Newton eine stark verbesserte Version davon vor. Das 17. Jahrhundert war die Geburtsstunde der modernen Astronomie und das Teleskop spielte dabei sicherlich eine wichtige Rolle. Man konnte damit mehr sehen als vorher; man sah Sterne, die mit freiem Auge nicht sichtbar waren. Man sah die Monde des Jupiters und die Phasen der Venus: Zwei Beobachtungen, die maßgeblich dazu beitrugen, das alte geozentrische Weltbild zu stürzen und das heliozentrische zu etablieren.

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Kommentare (32)

  1. #1 icke73
    6. Mai 2013

    *mal ein WLAN-Kabel rüberreicht* 😉

  2. #2 Balu
    6. Mai 2013

    Laut Wikipedia wurde Glas schon seit 1450 v. Chr. von den Ägyptern hergestellt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Glas#Fr.C3.BChzeit_und_Antike

    Wobei laut Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fernrohr#Geschichte Leonardo da Vinci bereits plante ein Optisch vergrößerndes Gerät auf den Mond zu richten. Was jedoch auch nur 2 Jahrhunderte früher war.

  3. #3 Balu
    6. Mai 2013

    Anmerkung zu #2 die 2 Jahrhunderte beziehen sich auf das erste Fernglas aus dem 17. Jahrhundert.

  4. #4 Stefan
    6. Mai 2013

    Ja, das mit dem Internetempfang ist immer so eine Sache.
    In Bayern hatte ich mal auf knapp 2000m auf einer Hütte mitten im Wald einen Empfang, dass ich aus dem Staunen kaum rausgekommen bin, aber wenn ich 1m im Hörsaal drinstehe bekomme ich schon echte Probleme.

    Aber naja, ein Fleck ohne Internetempfang ist doch auch mal erholsames!

    Das mit der Technikgeschichte fasziniert mich auch immer wieder.
    Ich denke oft drüber nach wie es heute aussähe, wenn es nicht immer wieder Perioden gegeben hätte in denen Wissenschaft und Technik stark angefeindet wurden, und Wissen auch aktiv zerstört wurde, weil es als Teufelswerk galt, oder einfach aus Zerstörungswut.

    Viel Spaß noch auf der Reise, und weiterhin gutes Wetter!

  5. #5 Alderamin
    6. Mai 2013

    @Balu

    Die alten Römer hatten Glasverarbeitungstechniken drauf, die wir bis heute nicht reproduzieren können, wie mir einst im Römisch-Germanischen Museum in Köln anhand eines kunstvollen Diatretbechers erläutert wurde. Die Herstellung einer Linse wäre ein Klacks für die Römer gewesen. Alleine, ihnen fehlte wohl das Wissen.

    Der Wikipedia-Artikel über die Brille behauptet, sogar die alten Ägypter und Griechen hätten optische Linsen gekannt. Erstaunlich, dass niemand auf die Idee kam, sie als Lesehilfe zu benutzen, oder mal zwei davon hintereinander zu halten.

  6. #6 Franzl Lang
    6. Mai 2013

    Das erinnert mich an das Barbie-Museum bei Rat Race 🙂

  7. #7 Pete
    6. Mai 2013

    Spiegel und Linsen….
    Bei den Spiegeln hat man ein Problem, naemlich die Oberflaeche moeglichst eben zu und eine kleine Rauhtiefe zu bekommen, das Ding muss also plan sein und aus einem gut polierbaren Metall bestehen, wenn es ein Metallspiegel ist. Fuer den Spiegel eines Teleskopes muss man natuerlich in der Lage sein, die erforderliche Form mit hoher Genauigkeit herstellen zu koennen.
    Von den zu antiken Zeiten verwendeten Metallen kommt eigentlich nur Silber infrage, andere Metalle, auch die oft beschriebenen Bronzespiegel, hatten einen, zumindest fuer astronomische Zwecke, zu grossen Lichtverlust.

    Beim Glas hat man das Problem, ein geeignetes Glas mit hoher Qualitaet herstellen zu koennen. Sieht man sich antike Glaeser an, so war man froh, ueberhaupt Glas herstellen zu koennen. Die Herstellung von Flachglas war bis in die Neuzeit schwierig, vor allem, wenn es optisch hochwertig sein sollte(*). Die fruehen Brillenmacher zeigten, dass sie imstande waren, Linsen herzustellen, aber sie waren klein und ueber deren optische Qualitaet kann ich nichts sagen.
    Aus heutiger Sicht mutet es trivial an, sich mit dem Thema
    Spiegel und Linsen zu beschaeftigen, wenn man sieht, wie sich z.B. Hobbyastronomen selbst Spiegel von 20cm und groesser schleifen, aber ihnen steht das geeignete Material zur Verfuegung. Gab es das zu den Zeiten der “alten Griechen” ueberhaupt, dazu die Technologien, Spiegel und Linsen herstellen zu koennen?

    (*) Fensterglas aus DDR-Zeiten 😉

    Pete

  8. #8 Pete
    6. Mai 2013

    @Alderamin,
    du warst schneller und ich wurde beim Schreiben unterbrochen, so dass ich den aktuellen Stand der Diskussion nicht einholen konnte.
    Das sind ohne Zweifel beeindruckende Glasarbeiten, aber konnte man zu jener Zeit aus optisch hochwertige Glaeser herstellen? Mal sehen, ob wir das noch herausfinden koennen.

    Pete

  9. #9 Johannes
    6. Mai 2013

    @Alderamin: Eine kleine Korrektur: “Reproduzieren” bedeutet “nachmachen” – und wir haben überhaupt kein Problem dabei, die von Dir angesprochenen Glasbecher nachzumachen. Es ist nur umstritten, wie es die alten Römer damals geschafft haben.

    Wenn jemand meint, dass irgendein altes Volk Sachen machen konnte, die wir heute nicht mehr können, werd ich immer etwas stutzig – aber so hast Du es ja sicher nicht gemeint 🙂

    Viele Grüße,
    Johannes

  10. #10 Alderamin
    6. Mai 2013

    @Pete

    Das sind ohne Zweifel beeindruckende Glasarbeiten, aber konnte man zu jener Zeit aus optisch hochwertige Glaeser herstellen?

    Das weiß ich nicht, aber die Glaskunst war bei den Römern hoch entwickelt, es dauerte lange, bis man im Mittelalter wieder kunstvolle Glasgefäße anfertigen konnte.

    Die Glasqualität zu Zeiten von Lippershey und Galilei war vermutlich auch noch eher rudimentär. Galileo konnte z.B. die Saturnringe nur als ovale Form des Planeten erkennen. So etwas hätten die Römer vermutlich auch hinbekommen, aber irgendwie kamen sie nicht drauf, oder es interessierte sie nicht, wer weiß.

  11. #11 MartinB
    6. Mai 2013

    Der gute Alte Archimedes soll ja bekanntlich einen Brennspiegel als Waffe gbaut haben:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Archimedes#Brennspiegel
    Auch wenn das vielleicht Legende ist, dürfte man damals schon anständige Spiegel gebaut haben. Ich vermute das Problem eher in der Philosophie – die Griechen und Römer haben ja generell wenig experimentiert und sich aufs Beobachten beschränkt. Und selbst Goethe hat ja abgelehnt, Licht durch ein Prisma zu schicken, weil man so nichts über das Licht herausfinden kann (sehr schön von Gandalf illustiert, im Dialog mit Saruman).

  12. #12 Alderamin
    6. Mai 2013

    @Johannes

    “Reproduzieren” hatte ich in dem Vortrag in dem Sinne verstanden, dass wir mit den Mitteln der Römer heute nicht in der Lage wären, so ein Gefäß zu fertigen, weil niemand weiß, wie man das bewerkstelligen soll (Theorien gibt’s schon, aber es hat noch keiner geschafft, es nachzuahmen, und das seit 1680! Siehe Diatret-Wiki-Artikel). Mit Maschinen und Lasern sicherlich, da hätte ich vorsichtiger formulieren sollen.

  13. #13 Rüdiger Kuhnke
    München
    6. Mai 2013

    Manchmal hört man, daß die Griechen keine Experimentalphysik betrieben, aber z. B. Feynman konnte zeigen, daß in einigen alten Aufzeichnungen Fehler enthalten sind, die nur durch Ungenauigkeit beim Messen, also beim Experimentieren, entstanden sein können. Was konnten die Griechen noch? Eine ganze Menge – das steht in dem Buch “Die vergessene Revolution” von Lucio Russo, Springer 2005.

  14. #14 haarigertroll
    6. Mai 2013

    @MartinB: Ich denke, dass es mit den damaligen Fertigungsmethoden (Hämmern, Schleifen, Polieren) wahrscheinlich ganz gut möglich war, ebene Spiegel herzustellen, in denen man sich halbwegs vernünftig selbst betrachten konnte. Genauso kann ich mir gut vorstellen, dass man gewölbte Spiegel herstellen konnte, die, wenn sie nur groß genug waren, soviel Sonnenlicht auf einen Punkt konzentrierten, dass man damit Feuer machen konnte.
    Ich kann es mir aber nicht vorstellen, rein handwerklich einen Parabolspiegel von optischer Qualität herzustellen.

    Warum es aber nicht mal die Römer geschafft haben, brauchbare Linsen(teleskope) herzustellen, das will mir auch nicht in den Sinn…

  15. #15 Michael Jensen
    wissfo.org
    6. Mai 2013

    […] ein wenig ein Kaff. Mein Reiseführer behauptet […] mal ein “geistiges Zentrum Europas” gewesen; irgendwas mit ner “academia barbiensis” […]

    Dass man in Barby nicht nur lesen sondern auch Bücher schreiben konnte zeigt der Nachlass von Friedrich August Scholler (WP-fr): Flora Barbiensis. Interessant (und mir neu) ist, dass die Herrnhuter dort zur gleichen Zeit ihr Predigerseminar hatten.

    Das alles ist aber 18. Jahrhundert. Nun wäre wirklich interessant, was der Reiseführer beitragen kann.

  16. #16 Michael Jensen
    wissfo.org
    6. Mai 2013

    Kommentar #15 bitte löschen. Hier ist alles noch einmal mit den unverstümmelten Links.

    […] ein wenig ein Kaff. Mein Reiseführer behauptet […] mal ein “geistiges Zentrum Europas” gewesen; irgendwas mit ner “academia barbiensis” […]

    Dass man in Barby nicht nur lesen sondern auch Bücher schreiben konnte zeigt der Nachlass von Friedrich August Scholler (WP-fr http://fr.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Adam_Scholler): Flora Barbiensis (http://archive.org/details/florabarbiensis00schogoog). Interessant (und mir neu) ist, dass die Herrnhuter (http://de.wikipedia.org/wiki/Barby) dort zur gleichen Zeit ihr Predigerseminar hatten.

    Das alles ist aber 18. Jahrhundert. Nun wäre wirklich interessant, was der Reiseführer beitragen kann.

  17. #17 Alderamin
    6. Mai 2013

    @haarigertroll

    Zustimmung. Zur Herstellung eines optischen Hohlspiegels muss man einerseits die Schleiftechnik kennen und vor allem aber andererseits wissen, wie man die Qualität des Spiegels verifiziert, bzw. an welchen Stellen man nacharbeiten muss. Man macht das heute durch einen “künstlichen Stern” ( im wesentlichen ein Licht hinter einer Stanniolfolie mit Nadelstich-Loch). Wenn man den in den Fokus bringt, dann kann man aus der Entfernung Abweichungen von 1/10 Wellenlänge und weniger von der Idealform als helle oder dunkle Flecken erkennen (“Dog Biscuit”). Ohne dieses Korrektiv schleift man sich irgendetwas zusammen, was höchstens als Brennspiegel taugt (schon mal mit dem Okular in einen Rasierspiegel geschaut? Grauenhafte Bildqualität!).

    Dieses Wissen musste zunächst mal erarbeitet werden. Vermutlich hatten die Griechen es noch nicht. Denen mangelte es auch an Praktikern. Denken wurde hoch geschätzt, experimentieren war eher verpönt, habe ich mal gelesen.

  18. #18 PDP10
    7. Mai 2013

    Ich muss mich mal kurz von der Astrologie Diskussion nebenan entspannen und wollte nur kurz anmerken, dass das wirklich eine echt spannende Frage ist!

    Wie Alderamin ja schon angemerkt hat, kannten wahrscheinlich schon die Ägypter sowas wie “Lesehilfen” und ich habe dunkel in Erinnerung, dass “Lesesteine” (plankonvexe Linsen) in Europa schon im Mittelalter benutzt wurden.
    Warum daraus nie jemand ein Teleskop entwickelt hat ist eine richtig interessante Frage!

    Noch zu den Ägyptern: Weiss jemand der hier mitlesenden genaueres darüber? Vielleicht kennt sich ja hier jemand mit Ägyptologie aus?
    Die Ägypter – mindestens die Pharaonen – haben sich ja oft ihren ganzen Hausrat mit ins Grab legen lassen ….
    Gibt es da entsprechende Funde?
    Sowas wie Lesehilfen, rudimäntere Lupen oder ähnliches?

  19. #19 Kassenwart
    7. Mai 2013

    Vielleicht ist das ein erster Hinweis auf die Fähigkeiten der Ägypter:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11624467

  20. #20 Daniel Fischer
    Dieses Universum
    7. Mai 2013

    Die Antwort steht – für mich überzeugend – in R. Willach, Der lange Weg zur Erfindung des Fernrohres, in: Die Meister und die Fernrohre, Das Wechselspiel zwischen Astronomie und Optik in der Geschichte, Acta Historica Astronomiae 33 [2007] 34-126. Aber das ist leider nicht gratis online zu haben und darf deswegen bekanntlich in diesem Blog nicht diskutiert werden …

  21. #21 Yadgar
    7. Mai 2013

    Daniel Fischer? Derselbe Daniel Fischer, von dem das Buch “Mission Jupiter” über die Galileo-Sonde stammt?

  22. #22 Hans
    7. Mai 2013

    Das Spiegel Dinge vergrößern können, ist den Leuten sicherlich schon früh aufgefallen; das man damit nette optische Effekte erzielen kann, sicherlich auch. Warum ist trotzdem nie jemand auf die Idee gekommen, daraus ein Teleskop zusammenzubauen.

    Das ist wahrscheinlich eine Frage für Susanne M. Hoffmann von den SciLogs.

    Ansonsten hätte ich noch anzumerken: Nachdem ich mal irgendwo gelesen habe, dass die alten Griechen eher Naturphilosophen waren, die sich die Funktionsweise der Natur aus Einzelbeobachtungen erschlossen haben, sind die gar nicht erst auf die Idee gekommen, eine Sache systematisch zu erforschen. Jedenfalls stand da, dass es gerade unter den grossen Denkern der Antike verpönt gewesen sein soll, der Natur experimentell nachzuspüren. Die Devise war vielmehr: “eine Beobachtung habe zu genügen und daraus hat man sich alles andere durch intensives nachdenken zu erschliessen.” – Wenn das wirklich so war, dann haben die sich damit einen sehr wirksamen Tunnelblick errichtet, der sie geradezu davon abhielt, Experimente zu machen. Ob die These aber stimmt ist eine andere Frage, denn andrerseits ist auch viel Wissen, das im Altertum bekannt war, im laufe der Zeit wieder verloren gegangen und musste erst wieder neu entdeckt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Mechanismus von Antikythera, den man immer noch erforscht. Bekanntere Beispiele dürften die römischen Kanalisationssysteme oder auch Fussboden- bzw. Wandheizungen sein, die im mittelalterlichen Europa unbekannt waren.

  23. #23 Florian Freistetter
    7. Mai 2013

    @daniel diskutieren kannst du gerne darüber. Ich werde nur keinen Blog-Artikel darüber schreiben.

  24. #24 Ralf Bülow
    Berlin
    7. Mai 2013

    Das dicke Buch von Hermann Thiersch über den Pharos, den antiken Leuchtturm von Alexandria, erwähnt arabische Überlieferungen, dass dort ein Teleskop “integriert” war, siehe http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/thiersch1909 Ansonsten kommt in Lukians “Wahrer Geschichte” ein Spiegelteleskop auf dem Mond vor, ist zwar nur Science Fiction, aber aus dem 2. Jahrhundert.

  25. #25 Alderamin
    7. Mai 2013

    @Yadgar

    Yesss. 🙂

  26. #26 Uli
    7. Mai 2013

    Tja, Sachen, die uns “einfach” erscheinen, sind es manchmal gar nicht.

    Ein Kochtopf zum Beispiel. Ist der “schwer” herzustellen?

    Wir würden sagen: Nein. Amerikaner, Chinesen, selbst die Russen würden auch “Nein” sagen.

    Aber in Afrika gibt es nur ganz wenige Länder, in denen Kochtöpfe hergetsellt werden. Obwohl man die Ausgangsmaterialien gar nicht selber herstellen muss, sondern fertig kaufen kann.

    Trotzdem sind diese Länder so unterentwickelt, dass sie es heutzutage nicht hinbekommen, qualitativ brauchbare Kochtöpfe zu produzieren. Die Infrastruktur ist einfach nicht da. Es fehlt einfach an Allem wie Strom, Facharbeiter, Maschinen…

    Und wenn man das alles zusammenstellen würde, dann könnten die Chinesen mit ihrer etablierten Massenfertigung immer noch jeden Preis unterbieten.

    Wir machen uns glaube ich keine Vorstellung, was den Leuten damals alles an Infrastruktur und Grundlagen fehlte.

  27. #27 Jürgen Schönstein
    7. Mai 2013

    @MartinB #11

    Auch wenn das vielleicht Legende ist,…

    Dass dieser “Brennspiegel” durchaus funktioniert hätte, haben Maschinenbau-Studenten vom MIT, gemeinsam mit den Mythbusters, vorgeführt: http://web.mit.edu/2.009/www/experiments/deathray/10_Mythbusters.html
    Das ist zwar kein Beweis, dass Archimedes diesen “Todesstrahl” wirklich gebaut hat, aber zumindest ein Nachweis der Plausibilität.

  28. #28 Alderamin
    7. Mai 2013

    @Jürgen Schönstein

    Danke für den Link. Grundsätzlich funktioniert so ein Hohlspiegel natürlich (es gibt Leute, die mit ihrem im Sonnenschein unbeaufsichtigt gelassenen Dobson-Teleskop mit offenem Tubus ihr Haus angekokelt haben), allerdings dürfte es für die alten Griechen nicht ganz trivial gewesen sein, eine so große Brennweite (= geringe Krümmung) hineinzuschleifen, dass man ein Schiff auf mehrere 100 m (oder so; sonst kann man auch gleich brennende Pfeile darauf schießen) damit in Brand setzen konnte.

    Bei den Mythbusters hat man stattdessen ein Feld von Planspiegeln sorgsam auf das Schiff ausgerichtet, das dabei in Ruhe war, und das hat mit 14 Leuten 10 Minuten gedauert. Hmm, so richtig überzeugt mich das nicht, dass es sich nicht doch um eine Legende handelt…

  29. #29 Pete
    7. Mai 2013

    Die Mystbusters und andere haben gezeigt, dass das grundsaetzlich moeglich ist, aber der Aufwand dafuer ist erheblich.
    So, wie man sich das gemeinhin vorstellt, Archimedes kokelt mit einem Hohlspiegel im Hafen von Syrakus ein paar Schiffe an, wird es schwierig. Man braucht einen recht grossen Spiegel, und der ist schwer herzustellen.
    Fuer einigermassen “Heizleistung” braucht man schon Spiegelflaeche. Rechnet man ganz platt mit 1qm und einer Sonnenleistung von 1kW/qm, braucht man dafuer schon einen sehr guten Spiegel. Was fuer ein Reflektionsvermoegen hat ein Bronzespiegel? Ich nehme einfach mal 50% an, dann hat man im fokussierten Strahl bestenfalls 500W. Jetzt braucht man fuer den Spiegel auch noch die passende Brennweite und eine hohe Qualitaet, damit der Brennpunkt seinen Namen auch verdient.
    Wenn Archimedes und das Schiff lange genug stillhalten, kann man das Holz etwas ankokeln, aber ob es wirklich reichen wuerde, es in Brand zu setzen?
    Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Hohlspiegel nicht in seiner Achse fokussieren kann, denn die Sonne steht auf der Breite schon ziemlich hoch am Himmel (welche Jahres-/Tageszeit war es denn?), das Schiff liegt aber unterhalb des Spiegels im Hafen. Das verbessert die Abbildungsqualitaet der Sonne auf der Bordwand auch nicht gerade.

    Ich fuerchte, wir werden es so schnell nicht erfahren, was wirklich los war.

    Pete

  30. #30 Olaf aus HH
    Hamburg, D, Europa, Erde...
    7. Mai 2013

    Nur nicht aufgeben – wenn Sie so weitermachenradeln, dann sind Sie bald in Hamburg anne Älbe. Hier issas auch sehr schön.
    Dann hier anrufen – Herberge und so.

  31. #31 Patrick
    13. Mai 2013

    Ein Grund dafür, dass das Teleskop nicht in der Antike, sondern in Westeuropa in der Frühen Neuzeit erfunden wurde, könnte in der unterschiedlichen Bewertung handwerklicher Tätigkeit und von Erwerbsarbeit insgesamt in diesen beiden Epochen liegen. Wie im folgenden Zitat ausgeführt wird, wurden solche Tätigkeiten in der griechischen (und römischen) Antike eher geringgeschätzt:

    „Negative attitudes towards manual labor did not make things better. As Xenophon presents Socrates saying, “What are called the mechanical arts carry a social stigma and are rightly dishonoured in our cities, for these arts damage the bodies of those who work in them or who act as overseers, by compelling them to a sedentary life and to an indoor life, and, in some cases, to spend the whole day by the fire. This physical degeneration results also in deterioration of the soul. Furthermore, the workers at these trades simply have not got the time to perform the offices of friendship or citizenship. Consequently they are looked upon as bad friends and bad patriots, and in some cities, especially the warlike ones, it is not legal for a citizen to ply a mechanical trade” (from Oeconomicus, quoted by Dahl, 1982, page 65).

    To Aristotle society had progressed so far that one was now liberated from the need for new technological inventions. “At first he who invented any art whatever that went beyond the common perceptions of man was naturally admired by men, not only because there was something useful in the inventions, but because he was thought wise and superior to the rest. But as more arts were invented, and some were directed to the necessities of life, others to recreation, the inventors of the latter were naturally always regarded as wiser than the inventors of the former, because their branches of knowledge did not aim at utility. Hence when all such inventions were already established, the sciences which do not aim at giving pleasure or at the necessities of life were discovered, and first in the places where men first began to have leisure. This is why the mathematical arts were founded in Egypt; for there the priestly caste was allowed to be at leisure” (from Metaphysica).

    This is the attitude of someone who has put technology behind himself as something trivial. “However, one may perhaps rather realise that even if they had all the things necessary for material and spiritual growth, they were diverted by a very peculiar way of looking at the relationship between spiritual and physical work” (Dahl, page 67).

    It is no coincidence that to most Greeks science was about geometry, something which had to do with a world of thought, rather than about physical experiment, which had to do with nature and matter. …“

    (Quelle: http://www.telektronikk.com/volumes/pdf/2.2004/Page_005-025.pdf)

    Im Gegensatz dazu gab es in Westeuropa ab dem Hochmittelalter Stadtstaaten mit Handwerk und Handel als wichtigen Wirtschaftszweigen. Teilweise bestand sogar in solchen Städten die politische Elite aus Handwerkern oder Kaufleuten. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass eine Reihe von Pionieren der modernen Naturwissenschaft solchen Städten enstammten: Galileo Galilei (1564-1642) kam aus Pisa, Johannes Kepler (1571-1630) aus Weil der Stadt und Evangelista Torricelli (1608-1647) aus Faenza.

    Handel war auch die zentrale wirtschaftliche Tätigkeit in den Hansestädten. Zu diesen gehörte Thorn, woher Nikolaus Kopernikus (1473-1543) kam. Vielleicht nicht zufällig war Kopernikus der Sohn eines Kaufmanns. Eine andere Hansestadt war Magdeburg. Sie war die Heimatstadt eines anderen Pioniers der modernen Naturwissenschaft, Otto von Guericke (1602-1686). Die Hansestadt Wesel schliesslich war der Geburtsort des Erfinders des Teleskops, Hans Nipperdey (um 1570-1619).

  32. #32 eric djebe
    13. Mai 2013

    Interessante Frage, das mit dem Teleskop.

    Das Problem damit war wohl die Qualität des Glases. Hier habe ich einen Link gefunden:
    http://www.fvastro.org/Files/History%20of%20the%20Telescope.pdf