Evolution ist die “Große Vereinheitlichte Theorie” der Biologie. Sie ist die “Theorie von Allem”, die die Physiker auf ihrem Gebiet immer noch suchen. Es ist unzweifelhaft, dass die Evolution Realität ist. Das zeigt jeder Blick in die Natur und jedes biologische Experiment. Aber viele Menschen (und da nehme ich mich nicht unbedingt aus) verstehen manche Dinge zum Thema Evolution falsch. Das Gebiet wird immer noch erforscht und man entdeckt ständig neue Dinge und Mechanismen. Viele Aussagen über die Evolution die wir in der Schule gelernt oder anderswo aufgeschnappt haben, sind mittlerweile schon wieder veraltet und das führt zu Missverständnissen. Im schlimmsten Fall – meistens dann, wenn zum falschen Verständnis auch noch religiöses Dogma dazu kommt – führt das zur kompletten Ablehnung der Evolution. Diese Kreationisten beziehungsweise die Vertreter des “Intelligent Design (ID)” (die aber auch absolut nichts anderes sind als Kreationisten unter anderem Namen) kennen wir vor allem aus den USA. Aber auch wenn sie dort besonders laut und zahlreich sind, folgt daraus nicht, dass es sie anderswo nicht gibt. Der Biologe Erich Eder und seine Kollegen haben 2010 in Österreichs Schulen die Schüler befragt und dabei immerhin gefunden, dass jeweils 28 beziehungsweise 34 Prozent der Schüler kreationistische oder ID-Ideen vertreten (hier ist ein Link zum pdf der wissenschaftlichen Arbeit). Vermutlich ist die Situation in Deutschland ähnlich.

Aufklärung über die Evolution ist heute immer noch genau so nötig wie im 19. Jahrhundert. Hier gibt es zum Beispiel eine schöne Seite über “Misconceptions about evolution”. Und im YouTube-Kanal von Stated Clearly gibt es zwei sehr schöne Videos zum Thema:

Natürlich alles in englisch (über den Mangel an guten deutschsprachigen Wissenschaftsvideos habe ich mich ja anderswo schon lange und oft beschwert). Kennt jemand vielleicht brauchbare Quellen und Videos auf deutsch (und damit meine echte Videos, keine ins Internet kopierten Fernsehsendungen und ähnliches)?

(via It’s Okay To Be Smart)

Kommentare (45)

  1. #1 Fermat
    17. Mai 2013

    Hier sind ein paar Videos für Anfänger
    “Was ist Evolution”

    http://www.youtube.com/watch?v=jh-Oyf_t3c0

    Es gibt auch noch weiter Teile. Die sind am Ende dies Videos verlinkt.

  2. #2 eumenes
    17. Mai 2013

    Neugierig, welches Ergebnis die Studie nicht Wien, sondern in Hamburg – wg. der anderen vorherschenden Konfession – erbracht hätte. Insbesondere da erkennbar ist, dass Religiösität mit Aberglauben korreliert ist.
    Hoffnungsschimmer, Unterricht kann den Aberglauben bekämpfen.

  3. #3 noch'n Flo
    Schoggiland
    17. Mai 2013

    @ FF:

    Muss es im Blogtitel nicht “natürliche Auslese”, statt “natürlich”?

  4. #4 duff
    17. Mai 2013

    Ein lohnenswertes Buch zum Einstieg in das Thema Evolution und natürliche Selektion ist “Das egoistische Gen” von Richard Dawkins. Es vermittelt ganz gut die moderne Sichtweise der Evolutionsbiologie – obwohl es schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

  5. #5 CM
    17. Mai 2013

    Florian, Evolution ist die “Große Vereinheitlichte Theorie” der Biologie., kann man auch anders sehen:
    1. ist Evolution eben keine Theorie, sondern die Evolutionstheorie ist die Theorie zur Evolution (welche wie Biologen als Faktum betrachtet – vergleichbar den Physikern / Astronomen/allen Menschen, für die Gravitation ein faktisches Phänomen ist). Aber das ist ein winziger faux pas, nicht weiter wichtig in diesem Kontext.
    2. ist die Evolutionstheorie (die beschreibt wie Evolution geschieht) leider nicht in der Lage z. B. sämtliche physiologischen Vorgänge zu erklären. Ebenso kann man Verhaltensbiologie kaum ohne Blick auf die Evolutionstheorie betreiben – doch wenn man ehrlich ist, kann Evolutionstheorie leider noch nicht sämtliches Verhalten so erklären, dass den Verhaltensbiologen der Stoff zum Disput ausgeht.

    M.a.W. Die Theorie hat ein enormes Potential – aber noch sind nicht alle Details geklärt.

    3. aber, und das ist das absolut Wesentliche, erlaubt die Theorie z. B. homologe Entwicklung best. Organe in versch. Tierfamilien (das Auge ist ein beliebtes Beispiel). Einige davon sind nun wahrlich suboptimal designed. Die Theorie läßt dies zu – kann aber im Gegensatz zu einer erhofften Theorie von Allem (GUT) in der Physik nicht erklären warum welche Lösung wo zum Tragen kommt (wohl aber kann man retrospektiv erklären, warum eingeschlagene evolutionäre Wege nicht so leicht von einer Art verlassen werden können im Sinne einer “Bauplanveränderung”).

    Und daher hat sie auch nicht das Potential einer GUT in der Physik je gleichwertig zu werden (so es denn eines Tages eine GUT i.d. Physik geben sollte).

    Schade. Aber Danke für den schönen Artikel, das Wohlwollen den Biologen gegenüber und die Videos (die ich mir später anschauen werde).

    Gruß,
    Christian

  6. #6 Marcus Anhäuser
    17. Mai 2013

    @Florian da gibt es tatsächlich eine Lücke in deutschsprachigen Bereich: gute animierte Wissenschaftsvideos. Ist mir auch schon aufgefallen … (Marktlücke?)

  7. #7 Dietmar
    17. Mai 2013

    Florian, Evolution ist die “Große Vereinheitlichte Theorie” der Biologie., kann man auch anders sehen:

    Man kann es auch lassen. Weil es nämlich richtig ist …

  8. #8 capt vimes
    17. Mai 2013

    warum wird in allen lehrvideos (oder artikel etc bb) immer auf mutationen als motor der evolution hin gewiesen?

    das crossing over bei der meiose und die dadurch erreichte neukombinierung der gene, hat einen wesentlich grösseren einfluss auf die ausbildung neuer merkmale, als es mutationen haben…
    bei diesen handelt es sich nämlich in den weit überwiegenden fällen um wirkliche defekte, die die überlebenschance eines individuums schmälern, als sie zu fördern…
    ebenso wichtig ist es, zu verstehen, wie es sich mit dem genpool einer art verhält und was eine gendrift bedeutet.
    und es ist eigentlich egal, wodurch diese gendrift im endeffekt ausgelöst wurde oder was sie initierte…

    durch solche effekte entstehen dann nämlich neue arten und mutationen spielen dabei eine eher untergeordnete rolle…

  9. #9 capt vimes
    17. Mai 2013

    @duff
    “das egoistische gen” hat schon so viele jahre auf dem buckel, dass es schon als mehrfach überholt gilt…
    😉

    und nicht jeder teilt oder teilte dawkins doch etwas radikale ansicht und meinung…

  10. #10 Adent
    17. Mai 2013

    @capt vimes
    Das ist doch nur eine andere Stufe. Meiotische CO würden nichts bringen wenn nicht vorher die Allele verschieden wären (durch Mutationen, wozu ja auch Deletionen und Insertionen gehören). Basis der Veränderung sind aber Mutationen oder vollständige Neukombinationen. Bei “normalem” Sex sind die Partner ja in der Regel so ähnlich, daß sie dieselben Allele haben.
    Man kann natürlich diskutieren, daß es in einer heutigen Population Individuen gibt, die deutlich mehr oder weniger Gene als andere haben (z.B. beim Reis), aber dies ist ja entstanden durch frühere Vorgänge der Mutation. Was du also im Prinzip beschreibst ist eine weitere Stufe der Genveränderung in größerem Maßstab.

  11. #11 Alderamin
    17. Mai 2013

    @Adent

    Bei Doris Bischof-Köhler habe ich gelesen, dass ein wichtiger Vorteil der (ansonsten eher aufwändigen) sexuellen Vermehrung darin besteht, dass langlebige Organismen durch sie mit der Variabilität der kurzlebigen Krankheitserreger mithalten können. Deshalb fänden sich auch Sexualpartner mit unterschiedlichem Geruch (der auf verschiedene Immunsysteme hindeute) besonders attraktiv.

    Demnach wäre die sexuelle Vermehrung sehr wohl ein treibender Faktor für die Generierung von Variation. Man hat ja auch schon davon gehört, dass zu kleine Populationen von Tieren eine zu geringe genetische Variabilität haben und somit leicht aussterben können.

  12. #12 Chemiker
    17. Mai 2013

    @eumenes

    Neugierig, welches Ergebnis die Studie nicht Wien, sondern in Hamburg – wg. der anderen vorherschenden Konfession – erbracht hätte.

    Es tut mir ja richtig weh, daß ich die katholische Kirche mal in Schutz nehmen muß — aber die Katholiken haben mit Evolution generell kein Problem. Stattdessen inter­pretieren sie die Evolution einfach theistisch: Die Regeln der Evolution sind die Finger Gottes, mit denen er die Biosphäre schafft und verfeinert.

    Kreationisten stammen ganz überwiegend aus dem reformierten Lager.

  13. #13 CM
    17. Mai 2013

    Die Rolle der Stochastik könnte Deine Deine Eingangsfrage erklären, capt vimes – nur als pers. Spekulation.

    @Dietmar: Ja, mein Post #5 ist ein wenig haarspalterisch und ja, Evolution als Synonym für die Theorie ist nicht unüblich. Aber dennoch denke ich manchmal auf die theoretischen Einschränkungen – bei aller gebotenen Kürze – hinweisen zu müssen. Lassen wir der “Große Vereinheitlichte Theorie” also ihre Anführungsstriche und sind nicht unzufrieden mit dem gegenwärtigen Stand.

  14. #14 capt vimes
    17. Mai 2013

    @adent
    bitte auch den 2ten teil meines posts mit berücksichtigen…
    denn es ist unumstritten, dass CO der wichtigste part bei der rekombination und daraus resultierenden varianz dar stellt.
    durch änderungen der umwelteinflüsse kann und wird es zu einem gendrift in einem vorhandenen genpool kommen und diese mechanismen (auch insertion und deletion) sind der eigentliche motor… weniger irgendwelche mutationen.

    “Das Crossing-over ist die Voraussetzung für die intrachromosomale Rekombination und sorgt mit dafür, dass neue Merkmalskombinationen bei den sich geschlechtlich fortpflanzenden Lebewesen entstehen.”

  15. #15 Adent
    17. Mai 2013

    @Alderamin
    Ja natürlich, das stimmt, die (aufwendige) sexuelle Vermehrung ist im Prinzip die Alternative dazu sich in Massen und schnell nur selbst zu klonieren (so wie Bakterien es z.B. machen). Nur wie ich oben schrieb, es bringt nichts wenn zwei identische Organismen sich sexuell vermehren, sie müssen hinreichend ähnlich sein, damit sie sich noch vermehren können, ansonsten ist aber jeder Organismus (du, ich, Capt Vimes oder Florian) eine Mutante 😉
    Mutante ist insofern vielleicht irreführend, weil jeder dabei denkt, daß in jeder Generation neue (nach- oder vorteilhafte Mutationen entstehen, die sofort durch Selektion hervortreten. Das ist insofern irreführend, weil viele Mutationen erstmal gar nichts bewirken, was man messen könnte, vielleicht aber später (beim Sex mit jemand anderem) in der neuen Kombination etwas Vor- oder Nachteilhaftes ergeben können. In der gesamten Population gibt es daher wenn genügend Individuen vorhanden sind sehr viele Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Mutationen. Das hat den Vorteil, daß auf möglichst viele Umweltreize Antworten sozusagen schon latent da sind.

  16. #16 Adent
    17. Mai 2013

    @Capt Vimes
    Ich weiß was du meinst, es ist ja auch nicht falsch (siehe letzter Post).
    Falsch ist aber ein Wort in dem letzten Satz, Crossover sind nicht intrachromosomal sondern interchromosomal.
    Drosophila Männchen können es übrigens auch ohne Crossover 😉
    Und wie ich weiter oben schrieb sind Insertionen und Deletion auch Mutationen, damit sind nicht nur Punktmutationen gemeint.

  17. #17 eumenes
    17. Mai 2013

    @ Chemiker
    Natürlich hast Du Recht, was die Verbindung der Kreationisten zu den Freikirchen betrifft.
    Doch Offenheit gegenüber nichtreligösen Interpretationen ist nun mal im lutherisch-calvinistischem Gedankengut verbreiteter als im theistischen Lager. Oder wie kannst Du mir sonst den Abendmals-Zauber erklären?

  18. #18 2chaimz
    Hürth
    17. Mai 2013

    Um Evolutionsbewesie ein Stück mehr zu verstehen muss man in die Genetik eingreifen
    Für den Anfang gibt es hier Informationen über die Chromosomen und ihren Aufbau!
    http://chromosomen.com/was-sind-homologe-chromosomen/

  19. #19 zero hour
    17. Mai 2013

    @ Chemiker:
    Die Position der kath. Kirche könnte man dem Intelligent-Design-Lager zuordnen.
    Eigentlich bin ich fast froh, dass die katholische Kirche eine solche (Kompromiss-)Position vertritt, und nicht auch noch wie manche religiös motivierten Gruppen in den USA versucht, die Evolutionstheorie aus dem Schulunterricht zu verbannen oder zumindest gleichberechtigt mit ihren eigenen religiösen Auffassungen zu unterrichten (auf die Idee, dass man bei einer wirklich “gleichberechtigten” Darstellung von Welt- und Artentstehungsvorstellungen auch noch alle anderen nicht-christl.-jüd.-musl. Schöpfungsmythen unterrichten müsste, ist anscheinend noch keiner von denen gekommen – ist aber vermutlich auch gut so, denn dann könnte man alle anderen Fächer aus Zeitgründen auch gleich mit abschaffen).
    Die ID-Position ist aber genaugenommen nicht mit der Evolutionstheorie vereinbar, da sie ja genau dem zufälligen Entstehen und Vergehen der Arten ein göttliches Eingreifen und vor allem ein Ziel (“Mensch als Krone der Schöpfung”) gegenüberstellt. Wenn man sich das, was wir bisher über die Evolution wissen, aber mal ansieht, dann ist ein irgendwie geartetes göttliches Eingreifen nicht nachweisbar, oder aber zumindest vom Zufall nicht unterscheidbar. Die Steuerung des Zufalls durch eine Gottheit ist reine Interpretation durch die Theologen (nach dem Motto: “credo, quia absurdum est”), hat aber mit Naturwissenschaft nichts mehr zu tun. Vielleicht brauchen Gläubige diese Art von “Doppeldenk”, um ihre Gottesvorstellung irgendwie mit der Realität zu vereinbaren. Ein ähnliches Problem stellt m.E.n. auch die Theodizee-Frage dar.
    Für eine nicht-religiöse Person stellen sich diese Probleme erst gar nicht, aber für Gläubige, die sich über so etwas Gedanken machen, muss das ein kaum zu lösendes Paradoxon sein. Es würde mich interessieren, ob andere nicht-christl.-jüd.-musl. Religionen sich mit der Evolutionstheorie auch so schwer tun, oder ob sich das Problem tatsächlich eher auf das Christentum – und hier möglicherweise in erster Linie auf den anglo-amerikanischen Sprachraum – beschränkt.

  20. #20 RainerM
    17. Mai 2013

    @Alderamin: Rekombination entspricht gewissermassen dem Mischen und Austeilen eines Kartendecks – man bekommt jedesmal ein neues Blatt, aber es sind immer dieselben Karten im Spiel (sprich: im Genpool). Dadurch entsteht keine Variation im eigentlichen Sinne, es wird lediglich die vorhandene Variation in anderer Kombination “ausprobiert”.
    Evolution wäre so nicht möglich, und die IDler hätten recht.

  21. #21 capt vimes
    17. Mai 2013

    @adent
    intra versus inter…
    intrachromosomal ist schon richtig, da es innerhalb bzw zwischen einem/dem gleichen chromosomenpaar passiert…
    inteRchromosomal würde ja bedeuten, dass es zwischen komplett unterschiedlichen chromosomenpaaren auftritt… oder?

    und ja – insertion, deletion sind ebenfalls “mutationen”…
    ich hätte eher punkt-mutationen schreiben sollen…

    gene wirken im verbund und genau, dass ist der grund, warum die rekombination auch wesentlich mehr veränderungpotential birgt, als zufällige punktmutuationen.

    myoglobin entstand aus einer verdoppelung – der genkomplex für hämoglobin wurde verdoppelt/inserted – und mehrere punktmutationen führten dann zu einem neuen gen -> dem myoglobin…
    und primaten und menschen haben derzeit 4 unterschiedliche hämoglobine, die zeitlich gestaffelt unterschiedlich exprimiert und aktiv werden… alle aus verdopplungen entstanden!

    es gibt da natürlich auch noch weitere methoden der genduplikation, aber es bleibt bestimmt unbestritten, dass diese mechanismen die evolution, also die veränderung und enstehung neuer arten, eher beschleunigt, als zufällige punktmutationen…
    http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2001/217/pdf/diss.pdf

    ich habe auch erst vor kurzem ein paper gelesen, wo fest gestellt wurde, dass es in unterschiedlichen abschnitten des genoms zu eklatant unterschiedlichen mutationsraten kommt.
    man hat fast den eindruck, dass das genom selbst sich hier platz zum “experimentieren” offen hält… 😉

  22. #22 Beobachter
    Soll wirklich alles erlaubt sein, ausserhalb der natürlichen Evolution?
    17. Mai 2013

    Jetzt da die Genforschung erstmals menschliche Stammzellen geklont hat, stehen der bald künstlich eingeleiteten Evolution nur mehr humanistische Bedenken im Weg…

    nachdem man(n) auch diese kleine Hürde überwunden hat suchen sich zukünftige Erdlinge ihren Nachwuchs stets per Online – Katalog aus und natürlich alles exakt nach vordefinierten Eigenschaften aus einer Gen – Datenbank…

    ergo so schnell kann eine altertümliche aber noch natürliche Evolution gar nicht sein wie gerade jene künstlich gepushte Evolution, eine die der Mensch gerade versucht soweit zu adaptieren (inkl. der Patentrechte darauf) bis sie seinen Vorstellungen entspricht…

    hm, wohin das ganze wohl führt?

  23. #23 Adent
    17. Mai 2013

    @Capt Vimes
    Nee, in der Rekombination unterscheidet man zwischen intra = zwischen Chromatiden auf dem selben CHromosom und Inter zwischen den allelen (oder anderen wie du sagtest) Chromosomen.
    Also Rekombination an sich ist natürlich dann sehr verändernd, wenn es sich um nicht homologe Rekombination handelt. Während der Meiose sind es allerdings die homologen Chromosomen, die CO ausbilden und zwar zwischen ihren gleichen (nur allelisch verschiedenen) Bereichen.
    Insofern ist es zum Glück so, daß die meisten Rekombinationen die in normalen Zellen stattfinden (die nicht Keimbahnzellen sind) nicht in die nächste Generation weitergegeben werden. In somatischen (=nicht meiotischen) Zellen wird nämlich vorwiegend (>99%) nicht homolog rekombiniert.
    Die Verdoppelungen sind wieder was anderes, oftmals werden größere Abschnitte verdoppelt oder sogar das ganze Genom, bei Pflanzen weiß man das die mindestens 3mal geschah in den letzten 200Mio Jahren, bei Hefe auch zweimal, bei Tieren weiß ich es nicht genau. Wird das ganze Genom verdoppelt, dann kann hinterher natürlich rumgespielt werden, in de Regel werden die meisten Bereiche wieder eliminiert, aber einige Gene und intergenische Bereiche übernehmen neue Funktionen und werden wenn sie denn sinnvoll sind beibehalten (wie z.B. beim Hämoglobin).
    Zu deinem letzten Satz, ich würde frei nach Schulze und Schultze sogar sagen, das Genom hält sich auf jeden Fall Platz zum herumexperimentieren ;-).

  24. #24 Adent
    17. Mai 2013

    @Capt Vimes
    Und nochmal als Ergänzung. Die Entstehung neuer Arten ist meines Wissens nicht davon abhängig wie stark rekombiniert wird. Wie schon weiter oben geschrieben, in einer Population von Organismen hast du schon diverse verschiedene Austattungen im Genom (schau mal unter Pangenom nach, dort sollte sich was finden, der Michele Morgante hat einiges über das Pangenomkonzept beim Reis geschrieben), so daß du eigentlich nur noch entsprechende Umweltbedingungen brauchst, so daß sich Individuen separieren und nicht mehr mit dem Rest der Population kreuzen, dann könne neue Arten entstehen. Bleibt die Population frei mischbar, dann wird es sehr schwierig, daß innerhalb dieser Population eine neue Art entsteht, da neue Merkmale beim nächsten Mal wieder neu rekombinieren mit den alten Partnern, verstehst du?

  25. #25 RainerM
    17. Mai 2013

    @zero hour:
    In Südkorea wird Kreationismus sogar offiziell an Hochschulen unterrichtet. Letztes Jahr wären um ein Haar Hinweise auf Evolution aus Schulbüchern entfernt worden. Der Anteil der Kreationisten an der Gesellschaft scheint in etwa dem Anteil der südkoreanischen Christen zu entsprechen, aber ob die allein die treibende Kraft dahinter sind habe ich jetzt nicht recherchiert. Das ganze ist offenbar ein neueres Phänomen.
    Jedenfalls rechnet man in der Region nicht unbedingt damit.

    Dass die Türkei bei Umfragen noch schlechter abschneidet als die USA ist bekannt? Dass es in anderen islamischen Ländern noch schlechter aussieht?

    Apropos: Laut der englischen Wikipedia sind im katholischen Brasilien 31% der Bevölkerung beinharte Junge-Erde-Kreationisten.

  26. #26 Rabbi
    17. Mai 2013

    Adent
    “…so daß sich Individuen separieren und nicht mehr mit dem Rest der Population kreuzen, dann könne neue Arten entstehen
    Dazu ist es auch von Vorteil, wenn die abgespaltene Population klein ist. Dadurch zeigt z.B. die Gendrift mehr Wirkung, als bei grösseren Populationen.

  27. #27 misterkanister
    18. Mai 2013

    @CM , danke, dein Kommentar war interessanter und aufschlussreicher als florians 0815 video block.

  28. #28 Kassenwart
    18. Mai 2013

    Wieso nur wird der arme Darwin immer als alter Mann dargestellt? Seltsam, seltsam …. ok das Schicksal teilt er in 99% der Fälle auch mit Einstein 😉

  29. #29 Chemiker
    18. Mai 2013

    @eumenes

    Offenheit gegenüber nichtreligösen Interpretationen ist nun mal im lutherisch-calvinistischem Gedankengut verbreiteter als im theistischen Lager. Oder wie kannst Du mir sonst den Abendmals-Zauber erklären?

    Ich sagte ja ohnehin es tut mir leid, den Vatikanischen Trachten­verein einmal loben zu müssen. Natürlich sind sie fast immer in der dooferen Hälfte der christlichen Gruppen zu finden, nur in diesem Fall eben einmal nicht.

    Die reformatorische Besessenheit mit der Bibel als einziger Glaubens­quelle hat eben dazu geführt, daß es heute zwei ganz unterschiedliche reformierte Richtungen gibt.

    Die einen lesen die Bibel wörtlich, eignen sich damit ein antikes Weltbild an und katapultieren sich aus dem modernen Diskurs.

    Die anderen haben ein modernes Weltbild, lesen die Bibel kreativ und behaupten dann kalt, daß eine glasklare Aussage wie Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen. mit der Homo-Ehe völlig in Einklang stehe.

    Die ersteren sind konsequent und die zweiteren sympathisch. Aber so richtig toll finde ich beide Herangehensweisen nicht.

  30. #30 Chemiker
    18. Mai 2013

    @zero hour

    Die Position der kath. Kirche könnte man dem Intelligent-Design-Lager zuordnen.

    Ich habe ID nie ganz verstanden (vielleicht sollte ich mir etwas darauf einbilden, man weiß ja nie). Soweit ich verstanden habe, behauptet ID daß es in der Natur irreduzible Komplexität gibt, während Biologen das in Abrede stellen. Alle sind sich einig, daß irreduzible Komplexität die Evolutions­theorie falsifiziert, denn genauso ist sie (i.K.) definiert.

    Die RKK hat einen anderen Standpunkt: Gott hat die Biologie und die Natur­gesetze so aufgesetzt, daß Evolution funktioniert und alles an Natur hervor­bringt, was wir um uns sehen können (außer der Seele, natürlich). Deshalb wird man niemals auf irreduzible Komplexität stoßen, nur auf eine komische „Verschwörung” verschiedener Natur­gesetze, die gemein­sam dafür sorgen, daß die Welt bunt belebt ist.

  31. #31 Bettina Wurche
    18. Mai 2013

    Noch eine klugscheißerige Anmerkung: Es gibt nicht die eine Evolutionstheorie sondern Darwins 5 wesentliche Theorien
    – Die Veränderlichkeit der Arten
    – Abstammung aller Lebewesen von gemeinsamen Vorfahren
    – Allmählicher Verlauf der Evolution
    – Vermehrung der Arten
    – Natürliche Selektion.
    Außerdem sollte man heute die erweitere Evolutionstheorie(n) betrachten, wie sie von Ernst Mayr eingeführt wurde.
    (Ernst Mayr: “Das ist Evolution”)
    Ein gutes Evolutionsvideo auf Deutsch kenne ich auch nicht.
    Mein Lieblingsbuch zu diesem Thema ist “Der Fisch in uns” von Neil Shubin. Das wäre als Video sehr sehenswert ; )

  32. #32 bikerdet
    18. Mai 2013

    @ Chemiker :

    ID ist doch ganz einfach zu erklären. ID behauptet, das bestimmte Dinge in der Biologie zu kompliziert seien um in EINEM Schritt entstanden zu sein. Deshalb muss es einen Intelligenten Designer (der nicht unbedingt ‘unser’ Gott sein muss) geben, der das bewirkt hat.

    Ein beliebtes Beispiel ist das Hämoglobin. Ein Protein das aus 141 Aminosäuren besteht. Da jeweils 20 Aminosäuren ‘zur Auswahl’ stehen, wäre die Wahrscheinlichkeit, das sich das Hämoglobin in EINEM Schritt zusammengesetzt hat bei 1 : 20^141 das sind etwa 1:2,8 * 10^183 . Es wäre also schlichtweg unmöglich. Da ID weiter argumentiert, das eine bis hundertvierzig Aminosäuren für’s Hämoglobin sinnlos wären, MUSS es jemand erschaffen haben.

    Die Evolutionsbiologen sehen das natürlich anders. Hier gilt immer, Florian hat es in einem anderen Beitrag sehr anschaulich an Bäumen beschrieben, ‘auch ein kleines bischen besser’ ist ein Vorteil.
    So wie wir nicht 141 Meter mit einem Schritt gehen können, aber sehr wohl 141 Meter mit 141 Schritten …

  33. #33 rolak
    18. Mai 2013

    “Der Fisch in uns”

    Ja schön, Bettina – doch was ist vor dem Essen? :p

    in EINEM Schritt

    Im Prinzip ja, bikerdet, doch ist die von Chemiker angegebene ‘Argumentation’sweise üblicher: Bei der Reduktion nach ‘einfacher’ bzw ‘Vorgängermodell’ erreiche man einen Punkt, an dem es nicht weitergehe. Was dann selbstverständlich ebenso heißt, daß es vom Anfang aus nicht so einfach entstanden sein könne.
    Diese tumbe Pseudo-Wahrscheinlichkeits-Angabe kann ja auch nachgestellt werden zB für die Wahrscheinlichkeit, genau das Doppelkopf-Blatt zu bekommen, das Du auf der Hand hast. Nach der ID-Schwafelei dürfte noch kein einziges DoKo-Spiel stattgefunden haben.

  34. #34 Curious.Sol
    18. Mai 2013

    Jeder, der sich mal näher mit Emergenz und Komplexität beschäftigt hat, sollte begreifen, wie unsinnig die (Un-)Wahrscheinlichkeitsargumente der ID-Anhänger wirklich sind. Es gibt übrigens eine äußerst gute Vorlesung von einem Biologen der Universität Stanford dazu auf YouTube (leider nur auf Englisch): https://www.youtube.com/watch?v=o_ZuWbX-CyE

  35. #35 RainerM
    18. Mai 2013

    ID ist einfach anonymer Alte-Erde-Kreationismus, nix anderes. Nach dem Motto: “Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das rein zufällig entstanden sein soll; da muss doch jemand nachgeholfen haben.” Dazu noch konsequentes Verleugnen jeglicher kumulativer Wirkung und eine gehörige Portion Essentialismus, und fertig ist die verquere Lehre.

  36. #36 zero hour
    19. Mai 2013

    Chemiker: “Die reformatorische Besessenheit mit der Bibel als einziger Glaubens­quelle hat eben dazu geführt, daß es heute zwei ganz unterschiedliche reformierte Richtungen gibt.
    Die einen lesen die Bibel wörtlich, eignen sich damit ein antikes Weltbild an und katapultieren sich aus dem modernen Diskurs.”

    Meiner Ansicht nach ist ein Grundproblem der Gottesgläubigen, dass sie irgendwie herausfinden müssen, was ihr Gott eigentlich von ihnen will.
    Immerhin sind die Ansichten, die von Priestern und Propheten dazu geäußert werden, mitunter sehr gegensätzlich. Das kann verwirrend sein. Schließlich können die ja nicht alle gleichzeitig recht haben, und ein Fehlverhalten kann böse Konsequenzen nach sich ziehen.
    Auch die Bibel, die selbst eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl aus einer wesentlich größeren Anzahl von religiösen Texten ist, lässt in vielen Fragen keine eindeutige Position erkennen. Ganz im Gegenteil, wer eine Bestärkung seines eigenen Standpunktes sucht, wird darin mit großer Sicherheit fündig werden.- Allerdings stellen diese Texte wiederum die einzige Verbindung zur Vergangenheit der Religionsgemeinschaft und deren Verhältnis zur Gottheit her, und sind damit für die heutigen Gläubigen die einzige Möglichkeit, etwas über den Gegenstand ihrer Anbetung herauszufinden, denn dieser spricht nicht mit jedem. (Er hält auch keine Weihnachtsansprachen und führt keinen Blog. Jeder einfältige Lokalpolitiker kann seinen Standpunkt besser der Allgemeinheit deutlich machen als dies einer allmächtigen Gottheit möglich ist.)
    Natürlich kann man alternativ auch immer der eigenen Eingebung folgen, sich an den eigenen Wertmaßstäben orientieren, und diese als göttliche Inspiration betrachten. Aber dann sind wir gleich wieder beim obigen Problem: Flugzeuge in Bürohochhäuser steuern, oder sich für Minderheiten wie Homosexuelle einsetzen?
    Gerade die Beliebigkeit der Überzeugungen erzeugt Unsicherheit – und zwar in einem für den Gottesglauben existenziellen Bereich -, die manche Gläubigen wohl nur dadurch überwinden können, indem sie die Bibel Kraft ihrer althergebrachten Autorität als einzig verlässliche Quelle der Wahrheit (TM) betrachten. Damit ist dann endlich Schluss mit den ganzen Diskussion. Die Widersprüche in den alten religiösen Texten sind reine Nebensache (bei der Interpretation verlässt man sich dann wiederum auf die Inspiration, deren Unsicherheit man eigentlich umgehen wollte), und das Universum hat sich gefälligst an die Vorgaben zu halten. Basta.
    Das Grundproblem ist damit natürlich nicht gelöst; aber wenigstens wird es dadurch auch zum Problem für alle anderen, die vorher davon nicht betroffen waren, sich jetzt aber in der Situation sehen, ihre gut begründeten Erkenntnisse gegen die teilweise grotesken Auswüchse (z.B. “young earthers” = vertreten die Überzeugung, dass die Welt erst vor 6000soundsoviel Jahren erschaffen wurde) der oben beschriebenen Erklärungsbemühungen zu verteidigen.
    (Oder mit anderen Worten: Sie gehen vernünftig denkenden Leuten gehörig auf den Wecker…)

  37. #38 name
    19. Mai 2013
  38. #39 bikerdet
    19. Mai 2013

    @ rolak :

    Okay, verstehe ich. Allerdings sollte es doch mit Florians Bäumen oder, ebenfalls beliebt, dem Auge schlüssig erklärbar sein.

    Obwohl, wenn ich hier einige Beiträge lese und die unbeirrbare Überzeugung Einzelner ‘die einzig ware Wahrheit’ zu kennen, beginne ich doch zu zweifeln.

  39. #40 rolak
    19. Mai 2013

    sollte .. schlüssig erklärbar sein

    Die Augen-Nummer ist so ziemlich abgegrast, bikerdet (auch als typisches Beispiel für unintelligent design, da bei uns zwischen Guckloch und Sehzellen die Blutversorgung verläuft, das ist schon arg deppert…).
    Zu den Bäumen (wenn es das mit der Höhe war): Es ist bei der Evolution biologischer Systeme nicht nur die Effizienz der Beteiligten entscheidend, sondern auch die Stabilität des Gesamtkonstruktes. Altruismus vs Egoismus etc pp.

  40. #41 bikerdet
    20. Mai 2013

    Ich glaube, das gerade die Kompliziertheit des Themas, man kann locker 20 Seiten zu jedem Bereich schreiben, und die unterschiedlichen Ansichten der jeweiligen (in Anlehnung an die alten Griechen) ‘Schulen’ sehr zum Erfolg / Verbreitung von ID in der Öffendlichkeit beigetragen hat.

    Wenn ich mich mit Wissenschaft befasse, muss ich viel lernen, Dinge überdenken, Beweise prüfen und wohl häufiger eine Theorie verwerfen. Dies ist aufwendig und zeitraubend. Wieviel einfacher haben es da die Theisten / ID’ler. Alles was ich nicht weis, stammt von Gott bzw. dem ‘Intelligenten Designer’ . Da ich das definitionsgemäß sowieso nicht verstehen kann, brauche ich es erst gar nicht zu versuchen.

  41. #42 Nic
    Berlin
    21. Mai 2013

    Hi Florian,
    kennst Du die Videos, die Kutschera zum Thema gemacht hat? Die sind zwar etwas langatmig… aber gut, um ein paar Dinge zu verstehen.
    LG aus Berlin

  42. #43 Joachim Datko
    Regensburg
    21. Mai 2013

    Immer vorsichtig bleiben!

    Der Erfolg der Evolutionstheorie hat sie zum Dogma werden lassen. Es besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Erklärungen in der Biologie nur dann akzeptiert werden, wenn sie in das Schema Evolution passen. Empirische Untersuchung werden nicht mehr weitgehend unvoreingenommen durchgeführt, sondern vom Dogma stark beeinflusst.

    Joachim Datko – Physiker, Philosoph
    http://www.monopole.de/wissenschafts-monopole/

  43. #44 Basilius
    21. Mai 2013

    @Joachim Datko
    Mit dem Begriff Dogma würde ich erst mal immer schön vorsichtig bleiben.
    Meistens stellt sich hinterher nämlich heraus, daß man vorher den Begriff “Dogma” völlig zu unrecht eingeführt hatte, weil gar keines da war.

  44. #45 Bullet
    21. Mai 2013

    Woah.
    Ich glaub mein Schwein pfeift.
    @Datko: Physiker, ja? Na denn:
    Der Erfolg der Thermodynamik hat sie zum Dogma werden lassen. Es besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Erklärungen in der Physik nur dann akzeptiert werden, wenn sie in das Schema Thermodynamik passen.
    Nicht einmal D. B. Remer bezweifelt, daß die Thermodynamik korrekt ist. Und das will was heißen.