Mathematik ist wichtig. Eine Welt ohne Mathematik wäre mies. Und keine Ahnung von Mathematik zu haben ist nicht cool. Aber leider wird Mathematik viel zu selten vermittelt und schon gar nicht an Kinder. Das ist schade, denn wenn man Kindern nicht dauernd direkt oder indirekt suggerieren würde, dass Mathe kompliziert, schwierig, langweilig und potentiell unnötig ist, dann würden sie vielleicht auch später nicht die typische “Ich kann Mathe halt einfach nicht”- und “In Mathe war ich immer schlecht”-Einstellung entwickeln. Abgesehen davon kann Mathematik auch hilfreich sein, wenn man auf der Suche nach dem Partner der Träume ist, wie das aktuelle SMBC-Comic zeigt:

Vielleicht wäre es wirklich mal ganz interessant, die ganzen Märchen mathematisch-physikalisch aufzuarbeiten. Wie stark muss das Haar von “Rapunzel” wirklich sein und wie lange muss sie im Turm sitzen, damit es bis zum Boden reicht? “Hänsel und Gretel” lässt sich sicher auch schon modellieren: Nehmen wir an, dass die Bäume in einem Wald der Fläche A zufällig verteilt sind, zwischen zwei Bäumen aber immer mindestens der Abstand x und maximal der Abstand y liegt. Wenn ein typischer Baumstamm einen Durchmesser von b Metern hat, wie viele Brotkrumen brauch man dann in Abhängigkeit der Fläche A, um jeden beliebigen Weg von einem Ende zum anderen eindeutig zu markieren?

Wie lange muss “Frau Holle” die Kissen schütteln, um die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Winter zu erzeugen? Wie schnell muss sie schütteln, damit die Flocken in den Kissen nicht vorher schmelzen? “Die zwölf Brüder” bietet jede Menge Material für die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Wirtschaftsmathematiker haben sicherlich ein paar Anmerkungen zu “Hans im Glück”. Und ich bin mir sicher, euch fallen auch noch ein paar schöne Varianten ein. Der Publikation von “Mathematische Kinder- und Hausmärchen” steht eigentlich nichts mehr im Weg!

Kommentare (36)

  1. #1 Karsten
    7. Juni 2013

    Das ist doch mal eine super Sache.. ich bin jetzt nicht so der Mathematiker und komme eher aus den Wirtschaftswissenschaften. Ich glaube, ich würde versuchen, ein Kennzahlensystem aufzubauen, um zu prüfen, ob am Ende der Wolf Rotkäppchen fressen kann oder nicht. 😀

  2. #2 Rainer Zueni-Smous
    7. Juni 2013

    Die Geschichte mit Rapunzel wäre sehr ernüchternd. Sie müßte ein Loch graben, damit die Haare außen auf den Boden kämen.
    Die Haarwurzel mach nach grob einem Meter Wachstum eine Pause und das Haar fällt aus. Es gibt individuell große Unterschiede, aber Haare in Körperlänge sind schon selten. Meistens reichen sie bis zur Hüfte.

  3. #3 Jens Bolm
    Hannover
    7. Juni 2013

    Und wer sich dann doch lieber von den handelsüblichen Kinder- und Haus-Märchen der Brüder Grimm berieseln lassen möchte, alle Märchen in allen Versionen aus den 7 Auflagen zwischen 1812 und 1857 gibt es bei der deutschsprachigen Wikisource als Transkript und als Scan der Originalbücher, alles selbstverständlich komplett kostenfrei: http://de.wikisource.org/wiki/KHM

  4. #4 Franz
    7. Juni 2013

    Wobei, manchmal ist es einfach eine Konstante, z.B. welcher der Brüder schafft es ? Immer der Dritte, also P[sx] = 1 für x=3, für alle andern 0.

    Gelten Legenden auch ?

    Dann wäre eine interessante Frage welches Durchflussvolumen Thor hatte als er das halbe Meer in einem Zug austrank, oder welche Leistung der Atomreaktor in Hephaistos Schmiede hat um genug elektrische Energie für ein typisches Zeusdonnerwetter zu erschaffen, ganz zu schweigen vom Megafusionsreaktor in der Hölle.

    Interessant wäre auch wie schnell Jesus sein musste um über den See zu kommen ohne unterzugehen oder ob Mohammed bei seiner Flucht eine Rotverschiebung erzeugte.

    Oder, um bei den Märchen zu bleiben, wie stark musste der König pusten um seine drei Federn zumindest über die Schlossmauer zu bringen ?

  5. #5 balu
    7. Juni 2013

    Mir fällt da das Märchen mit den 3 Schweinchen und dem Wolf ein.

    Welche Windgeschwindigkeiten musste er mit pusten erzeugen um die Strohhütte und das Holzhaus zu zerstören? Welches Lungenvolumen musste er denn dazu haben?

  6. #6 Nullzone
    7. Juni 2013

    @Florian:
    Ich sehe schon, dass wird dein nächstes Buch 😉
    Kaufe ich sofort!

  7. #7 Dietmar
    7. Juni 2013

    Schließe mich Nullzone an: Buchidee!

    Wäre wieder ´was für Junior, der mich gerade mit einer 1 in der Mathe-Arbeit noch stolzer macht als sowieso schon. 🙂

  8. #8 Thomas
    Chemnitz
    7. Juni 2013

    Mir fällt da mein alter Physiklehrer ein. Der hat uns bei Aufgaben zum Freien Fall bzw. senkrechten Wurf mal ein Stück aus ‘nem Hörspiel vom Froschkönig vorgespielt und dann durften wir ausrechnen, wie hoch die Prinzessin ihre goldene Kugel geworfen hatte bzw. wie tief der Brunnen war… 😀
    Das Platzschen der Kugel ins Wasser war erst nach fast 30 Sekunden zu hören… 😉

  9. #9 Franz
    7. Juni 2013

    Ich habe mal den Wolf mit den 7 Geißlein nachgerechnet

    Verhältnis Magen zu Wolf etwa 1 zu 10
    Geißlein Volumen etwa 0,5m*0,5*0,5 (l,b,h)
    Sieben gestapelt (unzerkaut !) etwa 1m3
    Volumen des Wolfs 1*10 ergibt 10m3
    Bei einer Grundfläche von 1m2 würde das 10m Höhe ergeben

    Wie ist der bloß in die ärmliche Hütte gekommen ?
    Bzw. wozu brauchte der Tricks wenn er einfach durchs Dach greifen kann ?

  10. #10 schlotte
    7. Juni 2013

    Hahahahahahahahahaa…..super 😀

  11. #11 omnibus56
    7. Juni 2013

    Rapunzels Haar ist (wie man aus diversen Zirkus-, Varieté – Nummern weiß) sicher stark genug, um einen Menschen zu tragen, sogar via Kopfhaut (der Schmerz wird da eher das Problem sein). Also bleibt nur die erzielbare Maximallänge ohne oder mit Dreadlocks… Die längsten Haare von denen ich gehört habe, waren so bei 1.60m. Also wird nur verfilzen mglw. mehr bringen. Aber da kenne ich mich gar nicht aus. 🙂

  12. #12 Kyllyeti
    7. Juni 2013

    Interessante Form von katastrophaler Metamorphose.

    Die ist bei Amphibien eigentlich sonst nicht üblich.

  13. #13 Bjoern
    7. Juni 2013

    ‘tschuldige, wenn ich den Witz verderbe – aber wenn der Frosch in einen Prinzen verwandelt wird, dann wird doch Energie “verbraucht” (in Form von Masse gebunden) und nicht frei – wieso sollte es also eine riesige Explosion geben…?

  14. #14 Bullet
    7. Juni 2013

    is’ klar. Ein halbes Jahr nicht hier und dann erstmal alles kaputtmachen. Sowas ham wa gerne … :/

  15. #15 omnibus56
    7. Juni 2013

    @Bjoern: Wegen der Erhaltung der Balkonen- und Leptonenzahl muss zur zusätzlichen Materie für die Umwandlung des Froschs in den Prinzen auch Antimaterie entstehen. Die zunächst gebundene Energie wird durch die Materie Antimaterie-Reaktion dann wieder frei.

  16. #16 omnibus56
    7. Juni 2013

    Baryonen natürlich nicht Balkonen, blöde Autokorrektur…

  17. #17 Connie
    Salzgitter
    7. Juni 2013

    Die Gemeinschaft der Mathematiker möchte unter sich bleiben. Man braucht sich dazu nur die “Erklärung” des
    Dreisatzes in Wikipedia ansehen.

    Grüße von
    Connie

  18. #18 Florian Freistetter
    7. Juni 2013

    @Connie: Was genau soll das jetzt heißen?

  19. #19 Connie
    7. Juni 2013

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dreisatz

    Schon nach wenigen Zeilen steht dort der “Verallgemeinerte Dreisatz”

    x=d0*a1*b1*c1 / (a0*b0*c0)

    Wie alt sollte ein Kind sein, um dieses verstehen zu
    können?

    Nochmals: die Gemeinschaft der Mathematiker hat
    kein Interesse, sich zu vergrößern. Schließlich
    würden sich dadurch die Gehälter reduzieren.

    GvC

  20. #20 Florian Freistetter
    7. Juni 2013

    @Connie: “Wie alt sollte ein Kind sein, um dieses verstehen zu können?”

    Naja, Wikipedia ist ja auch kein Mathebuch für Kinder, sondern eine Enzyklopädie. Für Kinder gibt es andere und bessere Literatur. Und auch immer mehr andere pädagogische Angebote. Hier ist ein auf die schnelle gegoogltes Ergebnis: http://www.kinderrattat.de/61-mathe-der-dreisatz-teil-1.html

    ” die Gemeinschaft der Mathematiker hat kein Interesse, sich zu vergrößern. Schließlich würden sich dadurch die Gehälter reduzieren.”

    Das ist eine Verschwörungstheorie, sorry. So wie die Astronomen oder andere “unnötige” Wissenschaften (was die Mathematik natürlich auf keinen Fall ist), haben die Mathematiker ein sehr großes Interesse daran, die Öffentlichkeit zu erreichen und zu erklären, warum das, was sie tun, wichtig und interessant ist. Denn wenn sich niemand für das interessiert, was man tut, dann kriegt man irgendwann gar kein Gehalt mehr…

  21. #21 Bettina
    7. Juni 2013

    Ich schliesse mich an:
    Schreib ein Buch darüber!!!!
    Ich würde es sofort kaufen (OK, ich würde jedes Buch von dir kaufen, egal, was drin steht….) 😉

  22. #22 k0ch
    7. Juni 2013

    DIe Beispiele hier klingen vielversprechend. 😀 Will! Buch! Haben! Ich würds ja selber schreiben, aber in Mathe war ich immer schlecht 😉

  23. #23 Bjoern
    7. Juni 2013

    @Bullet: Hey, ich habe im letzten halben Jahr auch bei anderen Artikeln hin und wieder mal kommentiert… 😉

    @omnibus56: Gute Erklärung! 🙂 Die Erhaltung der Balkonen-Zahl gefällt mir besonders gut… 😉

  24. #24 Zerknirschtes Scheusal
    7. Juni 2013

    @ Bettina, k0ch
    Tuts den Hausherrn nicht zu sehr lobhudeln, sonst steigts im zu Kopfe und er macht einen auf Guru.

    (Mann, Mann was bin ich heute wieder originell).

  25. #25 Zerknirschtes Scheusal
    7. Juni 2013

    @Connie
    Es ist schäbig Kinder vorzuschieben, wenn man nicht bereit ist die nötige Mühe aufzuwenden um ein Thema zu verstehen.

  26. #26 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. Juni 2013

    Eigentlich bin ich ja gar nicht mehr zerknirscht….

  27. #27 k0ch
    7. Juni 2013

    @ Scheusal: Meine Hudelei schliesst die Kommentatoren mit ein, es soll dem Hausherrn ja nicht zu Kopf steigen. Muss reichen, dass ich mir heut sein neuestes Buch gekauft hab (Mist, jetzt hudele ich schon wieder :))

  28. #28 ogrim
    7. Juni 2013

    Das klingt wie eine mathematisch anspruchsvollere Version der Mythbuster, also eigentlich ziemlich gut.

  29. #29 bikerdet
    7. Juni 2013

    Spannende und witzige Mathebücher gibt es doch einige. Als Einstieg in die Mathematik eignet sich der Podcast von Prof. Beutelspacher. Einfach mal nach googeln.
    Ich habe auch noch ein paar Bücher vom Prof. Sobald man die mal bei Amazon aufgerufen hat, bekommt man min. 30 Stck (von verschiedenen Autoren) zur Auswahl.
    Seitdem findet auch meine bislang matheunbegeisterte Jüngste Mathe toll.

  30. #30 Steffmann
    7. Juni 2013

    Ok, Leute ICH schreibe das Buch. Will aber Christian 2 dabei haben. Ohne ordentliche VT kommt da kein Bestseller bei raus.

  31. #31 PDP10
    7. Juni 2013

    @ogrim:

    “Das klingt wie eine mathematisch anspruchsvollere Version der Mythbuster, also eigentlich ziemlich gut.”

    Bin ich für!

    Also Florian, halt dich ran 😉

  32. #32 omnibus56
    8. Juni 2013

    @Bjoern: Oh, ich sehe gerade, Du hast die gleiche dusselige Rechtschreibkorrektur wie ich. 😉

  33. #33 pp
    8. Juni 2013

    Klingt wirklich nach einer guten Buchidee, schließe mich an! 🙂

  34. #34 ernst stecker
    graz
    10. Juni 2013

    bin altmodisch: märchen und sagen sind logikfreie zonen. dort will ich dreieckige kugeln denken. aber im rest der welt ist mir die wahrheit lieber.

  35. #35 grumbscut
    12. Juni 2013

    @bikerdet

    danke fuer den tipp!

  36. #36 Whisker
    Sonnensystem, dritter Planet von links
    6. Juli 2013

    @ogrim:
    > Das klingt wie eine mathematisch anspruchsvollere Version
    > der Mythbuster, also eigentlich ziemlich gut.

    In diesem Fall wären das logischerweise die Mathbusters. Zum Bleistift mit Albrecht Beutelspacher und zB Friedrich L. Bauer.