Kommissar Kain kann mit dem ganzen Engel-Kram auch nicht viel anfangen und will wissen, wieso sich eine doch eher schon etwas ältere und gesetztere Frau wie Mechthild Bläser mit komischen Gothic-Engeln beschäftigt und so düstere Bücher schreibt. “Wo Licht ist, ist auch Schatten”, lautet die Antwort der Schriftstellerin und wenn dieser plumpe Klischeesatz auch nicht geeignet ist, den Mörder zu identifizieren (Oder sonst irgendwas Erhellendes zur Handlung beizutragen. Ich glaube der war nur dazu da, um die Klischeedichte beim Tatort in die Höhe zu treiben. Ich hab noch nicht viele Folgen gesehen; das enorme Übermaß an Klischees ist mir aber dann doch aufgefallen), steckt doch jede Menge interessante Wissenschaft darin.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das stimmt – obwohl der Schatten ja eigentlich genau der Bereich ist, in dem kein Licht ist. Aber ohne Licht gibt es keinen Schatten, denn wenn alles dunkel ist, dann existieren auch keine Schatten. Auch diffuses Licht reicht nicht aus, denn dann sind die Schatten unscharf und kaum zu erkennen.

Der Pico del Teide (Teneriffa , Kanarische Inseln) wirft einen gigantischen Schatten (Bild: Andys, CC-BY 3.0)

Der Pico del Teide (Teneriffa , Kanarische Inseln) wirft einen gigantischen Schatten (Bild: Andys, CC-BY 3.0)

Schatten ist nämlich nicht gleich Schatten: Man unterscheidet den “Kernschatten” vom “Halbschatten”. Der Kernschatten ist das, was man normalerweise unter “Schatten” versteht, also der Bereich hinter einem Objekt, der von der Lichtquelle nicht beleuchtet werden kann. Handelt es sich um eine ausgedehnte Lichtquelle oder sind mehrere Lichtquellen vorhanden, dann wird die Sache komplizierter. Es gibt dann Bereiche, die nur von einem Teil der Lichtquelle beleuchtet werden und in denen es ein bisschen dunkler ist, aber nicht komplett dunkel. Das ist der “Halbschatten” – den man zum Beispiel bei einer Sonnenfinsternis gut erleben kann. Die entsteht ja, wenn der Mond von der Erde aus gesehen genau vor der Sonne steht. Der Mond wirft einen Schatten auf die Erde und wenn wir uns genau in diesem Schatten befinden, wird es dunkel und wir können die Sonnenfinsternis sehen. Die Sonne ist aber eine ausgedehnte Lichtquelle (sehr ausgedehnt – sie hat immerhin einen Durchmesser von 1,4 Millionen Kilometer!) und deswegen gibt es bei einer Finsternis immer einen Kernschatten und einen Halbschatten. Der Bereich auf der Erde auf den der Kernschatten fällt ist nur ein paar hundert Kilometer breit. Außerhalb davon gibt es nur Halbschatten, da hier zwar ein Teil des Lichts vom Mond blockiert wird, ein anderer Teil die Erde aber erreichen kann. Man sieht dann nur eine partielle Sonnenfinsternis.
Es gibt übrigens sogar ein offizielles wissenschaftliches Messgerät für Schatten: Das Horizontoskop. Damit kann man herausfinden, an welchen Tagen im Jahr und zu welchen Zeiten des Tages irgendwelche Objekte auf der Erde einen Schatten werfen – was recht nützlich ist, wenn man zum Beispiel Architekt ist und Häuser bauen will, die sich nicht gegenseitig das Licht wegnehmen.

Weggenommen hat auch die ein wenig unsympathische rüberkommende “Starautorin” Mimi Blaise im Tatort etwas Wichtiges. Und zwar den Inhalt eines Buchs mit dem schönen Titel “Welt ohne Farben”. Sie war nämlich früher Lektorin bei einem Verlag und hat dort dieses Werk zur Begutachtung bekommen. Es handelte von einem farbenblinden dunklen Engel (??? – wer kommt auf solche Ideen?), der Kriminalfälle löst. Klingt bekannt – denn die gute Frau Lektorin hat die Story einfach geklaut und selbst veröffentlicht. Der eigentliche Autor der Sariel-Stories war dementsprechend angepisst ob des großen Erfolgs den Mimi Blaise mit seiner Idee hatte und anstatt das zu tun, was man in solchen Fällen heutzutage normalerweise tun würde (einen großen Shitstorm im Internet anfachen), hat er sich dafür entschieden, Frau Blaise umzubringen. Blöd nur, dass er die falsche Frau erwischt hatte, die ja nur die Literaturagentin war. Am Ende hat er sich dann dafür entschieden, die Leipziger Buchmesse mit ner Bombe in die Luft fliegen zu lassen – die aber natürlich von Hauptkommissar Ehrlicher entschärft werden kann. Wie dank Film und Fernsehen jeder weiß muss man beim Entschärfen der Bombe ja einfach nur den Draht mit der richtigen Farbe durchknipsen (Aber Achtung! Es klappt nur dann, wenn man damit bis zur letzten Sekunde wartet!). Der verhinderte Bestsellerautor hat es Ehrlicher aber diesmal schwer gemacht. Weil der dunkle Engel Sariel in seinen Büchern keine Farben sehen kann, hat auch die Bombe keine farbigen Drähte – sie sind alle weiß!

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Kommentare (9)

  1. #1 Sven
    1. August 2013

    Hallo Florian,

    kleiner Klugschei*kommentar meinerseits: Fernsehsignale über Satellit sind auch Radio- bzw. Mikrowellen. Sind halt dann im Gegensatz zum terrestrischen Fernsehen im Bereich von 15 bis 20 GHz statt irgendwas um die 650 MHz, aber die haben nichts böses getan, dass du sie einfach so ausklammerst 🙂

    Gruß,
    Sven

  2. #2 Florian Freistetter
    1. August 2013

    @Sven: Danke!

  3. #3 Franz
    1. August 2013

    Bei den Farben kommt noch die philosophische Frage hinzu: Ist mein Rot auch dein Rot ?
    Übersetzt, sehen andere Leute Rot so wie ich oder ist es bei denen Grün 🙂

  4. #4 McPomm
    1. August 2013

    Bei den Farben kommt noch die philosophische Frage hinzu: Ist mein Rot auch dein Rot ?
    Übersetzt, sehen andere Leute Rot so wie ich oder ist es bei denen Grün

    Ich denke, dass dies bei nicht-Augen-kranken Leuten vollkommen irrelevant ist. Vorausgesetzt, dass in der Wahrnehmung verschiedener Farben der “anderen” Personen keine Unterschiede existieren. D.h. wenn der eine dasselbe Grün als Grün bezeichnet. Oder beide Grün von einer anderen Farbe unterscheiden können.

    Wo es relevant wird, ist, wenn Leute eine Grün/Blau-Schwäche oder überhaupt eine Farbenschwäche haben (oder allgemein eine Augenkrankheit bzgl. der Farbrezeptoren).

  5. #5 Orci
    1. August 2013

    Auf jeden Fall verstehen wir alle, was wir meinen, wenn wir von etwas “rotem” sprechen, wir erkennen dieselben Verläufe (von Violett und Blau über Grün zu Gelb und von dort weiter über Orange zu Rot), haben die Empfindung, dass bei Abwesenheit aller Farben und Mischung von Farben eine von den Spektralfarben unterschiedliche Farbe (schwarz und die jeweilige Mischfarbe) entsteht und sind uns – von Nuancen abgesehen – über deren Aussehen einig, wir empfinden weiße Flächen als weiß und bei Beleuchtung mit farbigem Licht sind wir uns über die Farbe einig. Gerade deswegen können wir ja so etwas, wie Farbenblindheit identifizieren, weil es nur auf den kleineren Teil aller Menschen zutrifft. Unter der Voraussetzenden Bedingung aber, dass wir und unsere Mittmenschen keine ausgeprägten Farbschwächen haben, hätte eine eventuelle individuell verschiedene Farbsicht zumindest keine spürbaren Auswirkungen (außer vielleicht, dass manche Menschen auch im Alltag Nuancen feiner beim Namen nennen, als andere).

  6. #6 Desolace
    1. August 2013

    Super Text, hat mir wirklich sehr gut gefallen! Freu mich schon auf mehr 🙂

  7. #7 Sven
    1. August 2013

    @Franz: Ich empfehle dir das Video “Is Your Red The Same as My Red” from VSauce: http://www.youtube.com/watch?v=evQsOFQju08 🙂

    Gruß,
    Sven

  8. #8 bewitchedmind
    1. August 2013

    “Achtung! Es klappt nur dann, wenn man damit bis zur letzten Sekunde wartet!”
    Made my day. 🙂

    Schön, daß du jetzt auch unter die TV-Kritiker gegangen bist. Freue mich auf mehr!

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