Beim Bilder Ausmalen war der dunkle Engel Sariel immer ganz schlecht... (Bild: Michael Maggs, CC-BY SA 3.0)

Beim Ausmalen von Bildern war der dunkle Engel Sariel immer ganz schlecht… (Bild: Michael Maggs, CC-BY SA 3.0)

Ich bin kein Experte für Farbenblindheit, aber ich glaube, auch hier sieht man die Farben zumindest noch als verschiedene Grautöne und nicht einfach nur weiß (aber vielleicht ist das bei dunklen Engeln ja anders). Aber selbst wer nicht farbenblind ist, braucht Licht um Farben sehen zu können. Einerseits, weil die Rezeptoren in unseren Augen die für das Farbsehen zuständig sind, nur dann funktionieren, wenn es hell genug ist; andererseits weil Farben selbst ja natürlich nichts anderes sind als Licht. Das normale “weiße” Licht, das von Sonne oder künstlichen Lampen kommt, ist eine Mischung aus allen Farben. Lichtwellen haben immer eine bestimmte Wellenlänge und die Farbe die wir wahrnehmen hängt davon ab, wie lang oder kurz sie ist. Trifft zum Beispiel Licht mit einer Wellenlänge von 700 Nanometern auf unser Auge, dann sehen wir rot. Hat die Lichtwelle eine Wellenlänge von nur 500 Nanonmetern, dann erscheint sie uns grün und bei 400 Nanometern ist das Licht violett. Trifft aber Licht mit einer Wellenlänge von nur 300 Nanometern auf unser Auge, dann sehen wir gar nichts. Unsere Augen sind nur dafür ausgelegt, Wellenlängen zwischen 380 und 780 Nanometern zu registrieren. Alle anderen “Farben” sind für uns unsichtbar – obwohl sie trotzdem existieren. Das 300-Nanometer-Licht gehört zur Ultraviolettstrahlung die wir Menschen mit speziellen Geräten detektieren können. Andere Lebewesen aber haben andere Augen als wir und können UV-Licht tatsächlich sehen. Insekten zum Beispiel; obwohl es wenig Sinn macht, darüber nachzudenken, welche “Farbe” UV-Licht für sie hat. Gleiches gilt für Wellenlängen die größer als 780 Nanometer sind. Für uns leuchten zum Beispiel die Blüten einer Blume rot, gelb oder blau weil die Pflanze Lichtwellen mit den jeweiligen Wellenlängen reflektiert. Aber für eine Biene sieht die Blume ganz anders aus. Sie sieht Muster im UV-Licht leuchten, die für uns völlig unsichtbar sind.

Wird die Wellenlänge des Lichts noch größer beziehungsweise kleiner, dann können auch tierische Augen es nicht mehr wahrnehmen. Trotzdem ist es da und wir Menschen haben Geräte gebaut, um das unsichtbare Licht trotzdem “sehen” zu können. Zum Beispiel den Fernsehapparat, auf dem ich mir gerade diese Tatort-Folge angesehen habe. Fernsehsignale, sind Radio- beziehungsweise Mikrowellen. Und die sind nichts anderes Licht, nur das hier die Wellenlänge nicht mehr nur ein paar Nanometer groß ist, sondern ein paar Zentimeter oder Meter.

Licht ist überall, egal ob wir es mit unseren Augen direkt sehen können oder nicht. Was Kommissar Ehrlicher nun genau gesehen hat, als er die Bombe entschärfen wollte, weiß ich nicht. Aber er hat auf jeden Fall – natürlich in letzter Sekunde – dann doch noch den richtigen der weißen Drähte durchgeschnitten und die Leipziger Buchmesse gerettet. Bis auf diesen komischen Bombenkram am Schluss war die Folge gar nicht mal so schlecht. Stellenweise war es vielleicht ein wenig unglaubwürdig. Welcher Schriftsteller schreibt sein Manuskript heute noch mit der Schreibmaschine auf Papier und hat nur eine einzige Kopie davon? Und auch die Gothic-Cosplay-Party im Völkerschlachtdenkmal war ein wenig aufgesetzt – aber so ist der Tatort wohl nun einmal. Aus wissenschaftlicher Sicht war ich aber zufrieden. Über Licht und Dunkelheit kann man als Astronom nicht oft genug reden…

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Kommentare (9)

  1. #1 Sven
    1. August 2013

    Hallo Florian,

    kleiner Klugschei*kommentar meinerseits: Fernsehsignale über Satellit sind auch Radio- bzw. Mikrowellen. Sind halt dann im Gegensatz zum terrestrischen Fernsehen im Bereich von 15 bis 20 GHz statt irgendwas um die 650 MHz, aber die haben nichts böses getan, dass du sie einfach so ausklammerst 🙂

    Gruß,
    Sven

  2. #2 Florian Freistetter
    1. August 2013

    @Sven: Danke!

  3. #3 Franz
    1. August 2013

    Bei den Farben kommt noch die philosophische Frage hinzu: Ist mein Rot auch dein Rot ?
    Übersetzt, sehen andere Leute Rot so wie ich oder ist es bei denen Grün 🙂

  4. #4 McPomm
    1. August 2013

    Bei den Farben kommt noch die philosophische Frage hinzu: Ist mein Rot auch dein Rot ?
    Übersetzt, sehen andere Leute Rot so wie ich oder ist es bei denen Grün

    Ich denke, dass dies bei nicht-Augen-kranken Leuten vollkommen irrelevant ist. Vorausgesetzt, dass in der Wahrnehmung verschiedener Farben der “anderen” Personen keine Unterschiede existieren. D.h. wenn der eine dasselbe Grün als Grün bezeichnet. Oder beide Grün von einer anderen Farbe unterscheiden können.

    Wo es relevant wird, ist, wenn Leute eine Grün/Blau-Schwäche oder überhaupt eine Farbenschwäche haben (oder allgemein eine Augenkrankheit bzgl. der Farbrezeptoren).

  5. #5 Orci
    1. August 2013

    Auf jeden Fall verstehen wir alle, was wir meinen, wenn wir von etwas “rotem” sprechen, wir erkennen dieselben Verläufe (von Violett und Blau über Grün zu Gelb und von dort weiter über Orange zu Rot), haben die Empfindung, dass bei Abwesenheit aller Farben und Mischung von Farben eine von den Spektralfarben unterschiedliche Farbe (schwarz und die jeweilige Mischfarbe) entsteht und sind uns – von Nuancen abgesehen – über deren Aussehen einig, wir empfinden weiße Flächen als weiß und bei Beleuchtung mit farbigem Licht sind wir uns über die Farbe einig. Gerade deswegen können wir ja so etwas, wie Farbenblindheit identifizieren, weil es nur auf den kleineren Teil aller Menschen zutrifft. Unter der Voraussetzenden Bedingung aber, dass wir und unsere Mittmenschen keine ausgeprägten Farbschwächen haben, hätte eine eventuelle individuell verschiedene Farbsicht zumindest keine spürbaren Auswirkungen (außer vielleicht, dass manche Menschen auch im Alltag Nuancen feiner beim Namen nennen, als andere).

  6. #6 Desolace
    1. August 2013

    Super Text, hat mir wirklich sehr gut gefallen! Freu mich schon auf mehr 🙂

  7. #7 Sven
    1. August 2013

    @Franz: Ich empfehle dir das Video “Is Your Red The Same as My Red” from VSauce: http://www.youtube.com/watch?v=evQsOFQju08 🙂

    Gruß,
    Sven

  8. #8 bewitchedmind
    1. August 2013

    “Achtung! Es klappt nur dann, wenn man damit bis zur letzten Sekunde wartet!”
    Made my day. 🙂

    Schön, daß du jetzt auch unter die TV-Kritiker gegangen bist. Freue mich auf mehr!

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