In Deutschland ist es gerade ja nicht unbedingt kühl. Und am heißesten war zumindest gestern auf jeden Fall mein Kopf nach meiner 100km-Radtour vom Bungsberg in Schleswig-Holstein nach Mölln. Aber ansonsten zählt Deutschland traditionellerweise nicht unbedingt zu den Hitze-Hotspots der Welt. Die vermutet man eher in der Wüste. Wenn man die Temperatur wissen will, dann braucht man normalerweise ein Thermometer. Und wenn man sie verläßlicherweise wissen will, dann am besten eines, das Teil einer regulären Wetterstation ist, auf der halbwegs genormte und vergleichbare Daten aufgezeichnet werden. Wir können aber nicht auf jeden Fleck der Erde eine Wetterstation stellen. Müssen wir aber auch nicht, denn wir haben ja die Satelliten! Die sind in der Lage, die Temperatur der Erdoberfläche direkt zu beobachten. Denn Wärme ist ja nichts anderes als Infrarotstrahlung und die ist nichts anderes als Licht mit einer Wellenlänge, die unser Auge nicht registrieren kann. Ein passender Teleskopspiegel mit einer entsprechenden Kamera kann das aber.

Infrarotastronomie ist ein wichtiger Bestandteil der astronomischen Forschung. Man kann damit zum Beispiel durch interstellare Staubwolken schauen. Denn im Gegensatz zum sichtbare Licht kann die Infrarotstrahlung den Staub durchdringen und uns zeigen, was dahinter liegt.

Für die Erdbeobachtung ist die Infrarotstrahlung aber auch enorm wichtig. Man kann damit mehr über das Wetter heraus finden, über die Vegetation auf der Erde oder die Zusammensetzung der Atmosphäre. Und natürlich den heißesten Ort auf der Erde.

Man muss dazu nur ein paar Teleskope ins All schicken, sie auf die Erde richten und dann nachsehen, wie viel Infrarotstrahlung ein bestimmter Teil der Erdoberfläche ausstrahlt. Der heißeste Punkt der Erdoberfläche ist dann leicht zu finden, wie dieses Video aus der Serie MinuteEarth erklärt:

P.S. Wenn die NASA-Satelliten gestern Schleswig-Holstein fotografiert hätten, dann wäre mein Kopf sicher als hochroter Pixel aufgefallen und hätte alle bisherigen Rekorde gebrochen…

Kommentare (11)

  1. #1 Dampier
    3. August 2013

    Da bist Du ja ca. 15km an mir vorbeigradelt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich gern eine Limo für dich kaltgestellt.

    Alle Achtung für die 100km bei der Hitze! Ich saß nur schlapp unterm Baum … 😉

    Ein Tipp noch für Extremwetterfreaks:
    Extreme & Weird Weather of the World
    http://coolwx.com/extreme/

  2. #2 Geislwind
    3. August 2013

    Drautal, offiziell 39,9°…
    Da ists selbst in Algerien nicht viel heißer….

  3. #3 Henning
    Hannover
    3. August 2013

    Bleibt die Rangliste dieselbe, wenn man die Satellitenmessungen mit den Stationsmessungen vergleicht? Stichwort Oberfläche bzw. + 2,0 m.

  4. #4 znEp
    twitter.com/znep82
    4. August 2013

    @Geislwind
    Dafür liegt die Luftfeuchtigkeit in Algerien wahrscheinlich nicht bei gefühlten mehreren 100%
    ;D

  5. #5 Zippi
    6. August 2013

    @Straubing, Niederbayern

    mollige 36°C, hier im Arbeitszimmer kühle 23°C 😀

    schönes schwitzen, ist ja bald vorbei 😉

  6. #6 Eheran
    6. August 2013

    Wie werden denn die unterschiedlichen Emissionsfaktoren ausgeglichen?
    Die Erdoberfläche kann ja vielseitiger garnicht sein.
    Wasser, Sand, Wälder, Wiesen, Stein, Schnee…
    Wie wird das korrekt kompensiert?

  7. #7 Florian Freistetter
    6. August 2013

    @Eheran: “Wie wird das korrekt kompensiert?”

    Was genau meinst du da? Man misst halt die Temperatur. Die, die halt dort herrscht; egal wie der Untergrund aussieht.

  8. #8 Alderamin
    6. August 2013

    @Florian

    Ganz unrecht hat Eheran mit dem Einwand nicht, denn eigentlich misst man ja die Lufttemperatur mit einem Thermometer (im Schatten, abgeschirmt vor Wind und reflektierter Strahlung, 1,5 m über dem Boden). Wenn man die IR-Strahlung vom Weltraum aus analysiert, misst man hingegen die Temperatur des mehr oder weniger aufgeheizten Bodens (nehme ich an). Die Frage ist, inwiefern diese Messung vergleichbar ist mit einer Messung durch eine Wetterstation.

  9. #9 Hoimrdengr
    7. August 2013

    @Aldemarin @Florian: In der Tat hat Eheran. Aus den gemessen Spektralwerten auf die tatsaechliche Temperatur zu schliessen ist alles andere als trivial.

    Hier zB ein Paper ueber die Kalibrierung des aktuellen Metoesat:
    “VALIDATION OF LAND SURFACE TEMPERATURES OBTAINED
    FROM METEOSAT-MVIRI AND SEVIRI WITH IN-SITU
    MEASUREMENTS”
    https://www.eumetsat.int/cs/idcplg?IdcService=GET_FILE&dDocName=pdf_conf_p55_s4_21_goettsch_p&allowInterrupt=1&noSaveAs=1&RevisionSelectionMethod=LatestReleased

  10. #10 Hoimrdengr
    7. August 2013

    … In der Tat hat Eheran *recht*… [uebersehe ich preview/edit?]

  11. #11 Eheran
    8. August 2013

    Es geht noch über das Problem Bodentemperatur/1,5m Höhe hinaus – was man evlt. über eine Mittlung von Tag und Nacht noch kompensieren kann inkl. Vergleichsmessungen.

    Was ich meinte sind die unterschiedlichen Abstrahlungsverhalten, Stichwort Schwarzer Strahler.
    Bei Thermografien nennt sich dies eben Emissionsfaktor/Emissionsgrad.
    Beispielsweise kann man die Oberfläche einer blankpolierten Metalloberfläche (fast) garnicht per IR Messen. So hat jedes Material seinen eigenen Emissionsgrad aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit. Erhitze ich also nun einen 1km² Erdoberfläche exakt auf 30°C, so würde ich daher keine einheitliche Themperatur messen.
    Es gibt natürlich noch weitere Faktoren wie z.B. die Luftfeuchtigkeit.
    Wasser ist in diesem Spektrum (Stichwort Treibhausgas) undurchsichtig.
    Über einer trockenen Wüste messe ich also aus diversesten Gründen eine höhere Temperatur, nicht nur weil sie wirklich wärmer ist.

    Eine aussagekräftige Messung der Temperatur ist jedenfalls alles andere als “einfach mit der Kamera gen boden gucken”.
    Und so kann man nicht einfach einen IR-Messwert als “am heißesten” bezeichnen, ohne ihn exakt zu korrigieren.