Österreich hat eine neue Regierung. Eine Woche nach der Bundestagswahl in Deutschland hat ja auch Österreich einen neuen Nationalrat gewählt. Allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen und mit einem ganz anderen Ergebnis als in Deutschland. In Österreich regiert seit Ewigkeiten eine große Koalition; eine andere Möglichkeit gibt es dort eigentlich nicht. Die Grünen sind nie stark genug, um eine Rot-Grüne Regierung zu bilden und eine starke liberale Partei mit der die Konservativen regieren konnten gab es auch nie. Es gibt nur die rechtspopulistische FPÖ und das eine Experiment einer rechtskonservativen Regierung hat Österreich in einen Sumpf von Korruption gestürzt unter dem das Land heute noch leidet. Aber wie das mit großen Koalitionen halt so ist, ist die Bevölkerung irgendwann genervt davon; besonders dann wenn sie – wie in Österreich – von zwei besonders glanzlosen und unfähigen Politikern geführt wird wie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP). Es war also kein großes Wunder, dass beide Parteien bei der Wahl deutlich verloren haben. Die verlorenen Stimmen sind zur rechtsextremen FPÖ gewandert die 20,5 Prozent erreichte und zu zwei bisher nicht im Nationalrat vertretenen Parteien: Dem “Team Stronach” des leicht verwirrten Milliardärs Frank Stronach, der mittlerweile die Lust an seinem Politikspielzeug verloren und die Partei in Chaos und Auflösung gestürzt hat und die neue liberale Partei NEOS. Österreich war also – durchaus zu Recht – unzufrieden mit der großen Koaliation. Trotzdem haben wir nun wieder genau diese Regierung. Wieder mit Kanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger. Also wieder den gleichen Mist wie zuvor – nur noch mit ein paar extra Dummheiten. Zum Beispiel der Abschaffung des Wissenschaftsministeriums.

Die Wissenschaftspolitik hat in Österreich sowieso nie einen großen Stellenwert gehabt. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Ministerium durchwegs von inkompetenten Leuten besetzt worden, die keine Ahnung haben, was Wissenschaft eigentlich bedeutet. Ich hab mich in meinem Blog ja schon oft genug darüber beschwert. Da waren Elisabeth Gehrer und Johannes Hahn, die beide keine Probleme damit hatten in ihrer Funktion als Wissenschaftsminister astrologischen Unsinn zu unterstützen oder Staatsorden an Wasserbeleber zu verleihen. Pseudowissenschaftliche Einrichtungen werden staatlich finanziert während gleichzeitig die echte Grundlagenforschung tot gespart, die Finanzierung für außeruniversitäre Forschung gestrichen und der Austritt aus wissenschaftlichen Organisationen gefordert wurde (Und über die absurde Geschichte der “Elite-Universität” die mitten in der Pampa von Niederösterreich gegründet wurde und die wenig überraschend nach den ersten vier Jahren genau so “elitär” ist wie es zu erwarten war, sag ich am besten gar nichts. Man kann halt “Elite” nicht per Dekret schaffen, sondern muss für die nötigen Strukturen sorgen – dann kommen die Elite-Institute von selbst. Ob das in Österreich klappt, werden wir sehen. Ich bin skeptisch).

Bei all dieser Mißachtung der Wissenschaft von politischer Seite ist es nur konsequente, wenn die österreichische Bevölkerung auch EU-Spitze in Sachen Wissenschaftsignoranz ist und von der ganzen modernen Forschung und Technik nichts hält. Wissenschaftsfreundliche Spitzenpolitiker existieren in Österreich nicht und nun gibt es nicht einmal mehr ein eigenständiges Wissenschaftsministerium.

Wer braucht schon Wissenschaft? Hauptsache es gibt Schnitzel! (Bild: Kobako, CC-BY-SA 2.5)

Wer braucht schon Wissenschaft? Hauptsache es gibt Schnitzel! (Bild: Kobako, CC-BY-SA 2.5)

Der bisherige Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle (ÖVP) ist nicht mehr Teil der neuen Regierung. Stattdessen werden seine Aufgaben nun vom Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) übernommen. Klar, als Wirtschaftsminister hat man sowieso wenig zu tun, da kann man ruhig noch ein anderes Ressort übernommen. Vor allem wenn es sich um die Wissenschaft handelt, die in Österreichs Politik sowieso niemanden interessiert…

Damit setzt sich ein Trend fort, der schon bisher für jede Menge Probleme gesorgt hat. Die Grundlagenforschung hatte es in Österreich immer schon schwer ausreichend Fördermittel zu bekommen. Dass Grundlagenforschung enorm wichtig ist wenn man nicht den Anschluss an den Rest der Welt verlieren will; wenn man auch in Zukunft noch neue technische Innovationen hervorbringen will; wenn man einen gewissen kulturellen Mindeststandard einhalten will: Das haben Österreichs Politiker nie verstanden. Und so ist es nicht überraschend, wenn man die Wissenschaft nun komplett in den Rachen der Wirtschaft wirft. Dank der diversen “Reformen” der letzten Jahrzehnte sind die Universitäten mittlerweile sowieso schon von Forschungsreinrichtungen zu verschulten Produktionsstätten für Facharbeiter mutiert. Da kann man auch gleich die Wirtschaft bestimmen lassen, was die Wissenschaft zu forschen hat. Dass es unter normalen Umständen einen klitzekleinen Interessenskonflikt zwischen dem, was die Wirtschaft will und dem was die Wissenschaft will geben könnte und es deshalb unklug ist, beides vom selben Politiker organisieren zu lassen, ist anscheinend niemanden aufgefallen. Aber ok – es hat sich ja auch niemand daran gestört, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Redaktion für Wissenschaft mit der Redaktion für Religion zusammengelegt worden ist.

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Kommentare (43)

  1. #1 strahlenbiologe
    13. Dezember 2013

    Mal drann gedacht selbst in die Politik zu gehen?
    Gründe eine “Wissenschaftspartei”!
    NPdV vielleicht? Neue Partei der Vernunft?
    Vielleicht erreichst du damit mehr Menschen in Ö als du glaubst….

  2. #2 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @strahlenbiologe: “Mal drann gedacht selbst in die Politik zu gehen?”

    Hab ich schon hinter mir.

    “Gründe eine “Wissenschaftspartei”!”

    Genau. Und dann schlag ich mich mit der Männerpartei, der Autofahrerpartei und der Tierschutzpartei um 0,1% der Stimmen…

    Abgesehen davon bin ich leider nicht reich. Ich muss arbeiten, damit ich von dem Geld leben kann. Und kann es mir nicht leisten, Politik zu spielen… Abgesehen davon bringen solche monothematischen Parteien überhaupt nichts. Es braucht ein allgemeines Bewusstsein, dass Wissenschaft wichtig ist. Dann kann die Politik auch nicht mehr so leicht rumkürzen. Als Österreich bei den olympischen Sommerspielen in London keine einzige Medaille geholt hat, gab es einen großen nationalen Skandal. Die Menschen waren aufgebracht, die Politiker haben sich geäußert und eine tägliche Stunde Sport in Ganztagsschulen eingeführt. Sport ist halt wichtig. Sport hat ne Lobby. Dass Österreich seit Jahrzehnten keinen Nobelpreis mehr gewonnen hat; dass Österreichs Wissenschaft immer weiter zu grunde geht, interessiert keinen. Deswegen machen die Politiker auch nichts.
    Man muss den Menschen klar machen, dass Wissenschaft wichtig ist und alle profitieren, wenn ein Land möglichst gut gebildet und ausgebildet ist. Man muss den Menschen klar machen, was Wissenschaft ist, wozu sie gut ist und wie faszinierend sie ist. Und das tue ich ja im Rahmen meiner Möglichkeiten. Das zu kommunizieren ist mein aktueller Job – und ich denke man hat auf die Art viel mehr Chancen was zu ändern, als die x-te Kleinstpartei zu gründen, die keine Stimmen kriegt…

  3. #3 Michael
    13. Dezember 2013

    Ach Florian… Die FPÖ ist doch toll.
    Du magst doch einfach die Farbe blau nicht.

  4. #4 Michael
    13. Dezember 2013

    Oder du gehst zur FPÖ Florian. Und dann unterminierst du deren Ideologie.

  5. #5 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @Michael: “Die FPÖ ist doch toll.”

    Nein. Das sind widerliche Populisten und Hassprediger mit einem massiven Naziproblem.

  6. #6 elektrozwerg
    Österreich
    13. Dezember 2013

    … ich musst bei den Wörtern “widerliche rechtsextreme FPÖ” nicken…

    Unsere Politiker werden sicher auf unsere “tolle” Elite-Uni verweisen, wenns um Wissenschaft geht.

    mich wundert es ja, dass nicht das Unterrichtsministerium mit dem Verteidigungsministerium zusammengelegt wurde, die stehen sich ja auch ähnlich nahe wie Wirtschaft und Wissenschaft 😉

  7. #7 Chemiker
    13. Dezember 2013

    > Es sieht nicht gut aus für Österreich…

    Es besteht keine Gefahr, denn, Auch Eselei Ist Oft Unsterblich.

    Aber nun mal ohne Sarkasmus: Ich bin auch froh, daß ich dort nicht mehr hinmuß. Aus den fröhlichen Studien­zeiten ist fast nie­mand mehr in Österreich geblieben, stattdessen verteilen sich meine Freunde auf vier Kontinente; bei diesem brain drain verstehe ich, daß man das Wissen­schafts­ministerium ein­sparen kann und der letzte dann einfach das Licht ausmacht.

    Oh Mist, jetzt ist mir schon wieder Sarkasmus reingerutscht.

  8. #8 Silenus
    13. Dezember 2013

    Ich finde bei den NEOS gibts ganz gute Ansätze. Zumindest laut ihrem Wahlprogramm nehmen sie das Thema Bildung sehr ernst, und was mir besonders wichtig ist, sie setzen sich für eine Trennung von Staat und Religion ein.

  9. #9 Martin
    13. Dezember 2013

    Wißenschavt ißt doch voll tooof und so. Und Schule brauch ma auch nicht mer. Ich find die Entscheidung doll – weiter so Werner. 🙂

  10. #10 noch'n Flo
    Schoggiland
    13. Dezember 2013

    Litteris student alii – tu felix Austria rise!

  11. #11 XDreX
    Wien
    13. Dezember 2013

    Die Abschaffung des Wissenschaftsministerium ist zwar enttäuschend, aber Sie unterstützt Ihre Meinung über die Wichtigkeit der Grundlagenforschung für ein Land (oder sogar für Österreich) mit gar keiner…err…ummm…Forschung. Sie bieten viele Links zu Einzelberichten über die Sünden der ehemaligen Wissenschaftsminister an, aber wo ist der wissenschaftliche Beweis, dass Ihre Hypothese stimmt?

  12. #12 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @XDreX: “aber Sie unterstützt Ihre Meinung über die Wichtigkeit der Grundlagenforschung für ein Land (oder sogar für Österreich) mit gar keiner…err…ummm…Forschung. “

    Du willst also einen Beweis dafür, dass es für die Wissenschaft gut schlecht ist, wenn man aufhört, neue Dinge zu erforschen? Sagt dir der Begriff “Grundlage” im Wort “Grundlagenforschung” etwas? Grundlagenforschung ist die Forschung, auf der jede andere Forschung basiert. Hört man auf Grundlagenforschung zu machen, dann gibts irgendwann gar keine neuen Erkenntnisse mehr… Und das ist keine “Hypothese”, das ist eine Tatsache.

  13. #13 Peter
    13. Dezember 2013

    Lies mal hier auf Seite 49: http://derstandard.at/1385170935588
    Dann wirds erst recht zur Farce…

  14. #14 Lercherl
    13. Dezember 2013

    @FF:

    Ich stimme deiner Einschätzung im Großen und Ganzen zu, deine Meinung über das IST teile ich aber nicht: Über die Standortwahl in Gugging kann man streiten, aber 20 Minuten von Wien würde ich nicht als “Pampa” bezeichnen. Und wir sollen froh sein, dass wir ein junges Institut haben, dass sich der Grundlagenforschung widmet und frei von all dem Ballast ist, der sich in den letzten Jahrhunderten an den Universitäten, ÖAW usw. angesammelt hat. Nach vier Jahren Betrieb finde ich den Vorwurf der Bedeutungslosigkeit unfair – immerhin haben sie in den vier Jahren 30 respektable Forschungsgruppen auf die Beine gestellt. Sie sind meiner Meinung nach auf einem guten Weg, in 10 Jahren kann man den Erfolg besser beurteilen.

    Und ja, die Geburt des IST war schwer, von inkompetenter Bundespolitik (Gehrer) und den üblichen Querelen der Wiener und Niederösterreichischen Landeshäuptlinge belastet. Umso beachtlicher, dass die es trotzdem geschafft haben!

    Disclaimer: Ich spreche nicht für IST, arbeite dort auch nicht, habe jedoch persönliche Kontakte dorthin.

  15. #15 Hossa
    13. Dezember 2013

    Mal sehen wann in Österreich
    “Aber ok – es hat sich ja auch niemand daran gestört, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Redaktion für Wissenschaft mit der Redaktion für Religion zusammengelegt worden ist.”

    Mal abwarten wann bei newton behauptet wird die Erde sei erst 6000 Jahre alt.

  16. #16 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @Lercherl: “Über die Standortwahl in Gugging kann man streiten, aber 20 Minuten von Wien würde ich nicht als “Pampa” bezeichnen.”

    Klar. Aber wenn man sich überlegt, dass IN Wien ein wunderbar passendes Areal gegeben hätte, dann fragt man sich schon, warum eine “Elite”-Uni dann draußen neben die Stadt baut, wo man mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum hin kommt. Man will ja an so nem Institut auch attraktiv für Leute aus dem Ausland sein – und da wäre es besser gewesen, das in Wien zu bauen, das ja durchaus weltweit als sehr lebenswerte Stadt anerkannt ist. Aber da hat Onkel Erwin halt nicht mitgespielt und drum musste das Ding nach NÖ.

    “nd wir sollen froh sein, dass wir ein junges Institut haben, dass sich der Grundlagenforschung widmet und frei von all dem Ballast ist, der sich in den letzten Jahrhunderten an den Universitäten, ÖAW usw. angesammelt hat.”

    Auch das stimmt und vielleicht war ich zu negativ, was das IST angeht. Ich hab mich bei meiner Kritik hauptsächlich auf die absurde Gründung bezogen und auf Gehrer, die meinte man könnte da per Dekret ein “Elite”-Institut schaffen, ohne zuerst für die nötigen Strukturen zu sorgen. Ich habs im Artikel mal ein bisschen relativiert.

  17. #17 Jürgen Schönstein
    13. Dezember 2013

    Vielleicht hätten sich die österreichschen Politiker erst einmal das letzte Interview anschauen sollen, das Carl Sagan 1996 gegeben hat:

  18. #18 Lili
    13. Dezember 2013

    Haha, ich glaube nicht dass unsere Poitiker gut genug Englisch könne um Sagans interview zu verstehen, siehe z.B. hier: http://www.youtube.com/watch?v=V-0Av59JbO4

  19. #19 Martin
    13. Dezember 2013

    da wird quasi jetzt am nächsten Adolf gebrütet…

  20. #20 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @Lili: “Haha, ich glaube nicht dass unsere Poitiker gut genug Englisch könne um Sagans interview zu verstehen, siehe z.B. hier: http://www.youtube.com/watch?v=V-0Av59JbO4

    Na geh, nicht so pessimistisch sein. Immerhin haben wir jetzt einen Außenminister, der erst vor kurzer Zeit aus der Schule gekommen ist. Der kann noch nicht so viel englisch vergessen haben…

  21. #21 Varis
    13. Dezember 2013

    Ich schließe mich Lercherl an. Wien ist schön und gut, aber schon mal daran gedacht dass für Menschen die aus dem Ausland kommen und am IST arbeiten möchten das Leben in der “Metropole” nicht unbedingt ein starkes Pro-Argument sein muss?
    Ich war jetzt schon ein paar mal am IST bzw habe indirekt Kontakt zu Leuten dort, und so wie ich das erfasst habe sehen es viele die dort arbeiten als Bereicherung dass der Campus in der ‘Pampa’ liegt, eben im Grünen, in einer schönen Umgebung, wo auch noch viel Platz zum sinnvollen Ausbau ist, der ja auch fleißig vorangetrieben wird. Ich selbst würde tausendmal lieber am IST arbeiten als zum Beispiel am Campus Vienna Biocenter. Das ist zwar halbwegs gut zu erreichen (je nachdem wo man halt hin möchte), und ist auch baulich ganz nett, aber die Umgebung ist so ziemlich die ‘Pampa’ von Wien, und gibt genauso wenig her wie Gugging.
    Aber eine Frage hätte ich noch, da auch google mit keine Antwort geben konnte: Wo in Wien wäre der Standort denn geplant gewesen?
    Ich kann mir nicht vorstellen dass ein Standort in Wien viel sinnvoller gewesen wäre. Wien hat doch schon genug Platzprobleme und eigene “Baustellen”, siehe neuer Standort für die Institute im UZA (vielen Menschen ist ja nicht klar dass da neben der ‘WU’ noch ein paar andere Institute sind/waren inklusiver Forschungseinrichtungen) oder die teils völlig abgewrackten Forschungsstandorte des AKH….

    Aber um auf den eigentlichen Inhalt des Artikels einzugehen, da hast du natürlich recht. Ich bin gespannt was da herauskommen wird…

  22. #22 snakefinger
    Salzburg
    13. Dezember 2013

    Florian, ich stimme Dir zu hundert Prozent zu – Grundlagenforschung ist enorm wichtig. Auch für ein Land wie Österreich. Ich denke noch immer mit Schaudern an das Gott sei Dank nicht realisierte Vorhaben von Herrn “Gio” Hahn (heute EU-Kommissar), Österreich aus Kostengründen die Mitgliedschaft am CERN zu streichen. Das hat sogar der Faymann kapiert, dass das etwas ganz Schlechtes wäre. Es steht leider wirklich nicht gut um die Bildung in Österreich.

  23. #23 Florian Freistetter
    13. Dezember 2013

    @Varis: Also ich denke eigentlich schon, dass die Infrastruktur einer Metropole wie Wien durchaus attraktiv für Leute aus dem Ausland ist. Zumindest wenn die Alternative Gugging ist…
    Ist ja auch eine logistische Frage; wenn es zB um große Konferenzen o.ä. geht.

    “Wo in Wien wäre der Standort denn geplant gewesen?”

    Soweit ich mich richtig erinnere, sollte da der Campus St. Marx ausgebaut werden: http://sciencev1.orf.at/science/news/143289

  24. #24 Pete
    13. Dezember 2013

    In Oesterreich gruendet man eine “Eliteuni” auf dem platten land. In Deutschalnd macht man es anders, da versucht man, Eliteunis mit der sogenannten Exzellenzinitiative herbeizubomben. Auch so ein Schmarrn, Karlsruhe ist den Titel “Exzellenzuni” schon wieder losgeworden, verdientermassen. Was genau “exzellent” ist, weiss ich nicht, bei mir ist ein erfolgreiches Einwerben von Drittmitteln im Gedaechtnis geblieben. Forschung spielt in meiner Wahrnehmung da nur eine untergeordnete Nebenrolle.

  25. #25 Varis
    13. Dezember 2013

    Ad Kongresse: Logistisch mag Wien auf den ersten Blick zwar attraktiver sein weil der Weg vom Flughafen kürzer ist, im Endeffekt ist es aber unterm Strich doch ähnlich. Vom Flughafen zum Hotel zum Ort der Tagung (zB Austria Center in der UNO City) kann es schon recht viel herumfahrerei mit den Öffis sein. Das IST ist weiter außerhalb, aber man kann dafür sogar direkt wohnen weil sie vor Ort ein ‘Housing’ anbieten, auch für auslädnische PhDs und Mitarbeiter.
    Naja, ich kann nur sagen, auch wenn die Entscheidung für den Standort damals aus den falschen (politischen) Gründen getroffen wurde, so ist das was dabei herausgekommen ist etwas, das in Wien in St. Marx oder sonstwo mMn so nicht hätte entstehen könnten, im positiven Sinne. Ich bin auch nicht mit dem IST in irgendeiner Weise afiliiert außer das ich schon öfters dort war aber ich kann nur sagen wenn ich die Wahl hätte irgendwo in Wien oder dort zu arbeiten, würde ich mich für das IST entscheiden.
    Habe allerdings mal für das AIT gearbeitet als es noch das ARCS war und kann nur sagen, WENN es eine niederösterreichische Pampa gibt, dann ist das Seibersdorf und Umgebung 😉

  26. #26 karmel
    13. Dezember 2013

    @Jürgen Schönstein: danke, starke worte von einem großartigen menschen!

  27. #27 karmel
    13. Dezember 2013

    die entwicklung der österreichischen bildungs-, kultur- und wissenschaftspolitik gibt inzwischen anlass zu mehr als sorge.

    wissenschaft muss unabhängig bleiben, vor allem, wie schon gesagt wurde die grundlagenforschung.
    denn sonst werden nur mehr projekte finanziert, die “wirtschaftlich sinnvoll” erscheinen, die universität wird von einer bildungs- und forschungsinstitution zu einer reinen ausbildungsstätte.
    ein symptom ist der fortschreitende brain-drain aus österreich – der forschungsstandort wird immer unattraktiver.
    die ignoranz “unserer” politiker ist diesbezüglich kaum in worte zu fassen.
    eigentlich kann ich angesichts der schockierenden entwicklungen zur zeit sehr wenig in worte fassen – die zusammenlegung von wirtschafts- und wissenschaftsministerium ist ja nur ein bruchteil von dem was in letzter zeit schiefläuft in diesem land.

    die fortschreitende verdummung bzw. wurschtigkeit der österreichischen bevölkerung (a.k.a. das wählervolk) dürfte im sinne der regierenden sein – oder besser – das mittel zum zwecke des machterhalts.
    quo vadis, austria?

  28. #28 DasKleineTeilchen
    14. Dezember 2013

    auweia, und ich dachte *wir* hätten probleme. daß das mittlerweile in österreich SO schlimm ist…*grusel*

  29. #29 Melanie
    14. Dezember 2013

    Zuerst dachte ich, die Überschrift wäre ein Witz und Herr Freistetter wolle sich mal in einer Satire austoben – naja.

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass nicht vermittelt werden muss, Wissenschaft sei was ganz Spannendes und dass es ganz toll ist, sich damit zu beschäftigen, sondern ich würde mir eher wünschen, dass die Menschen endlich kapieren, dass Wissenschaft* und Forschung die Basis für unser gesamtes modernes Leben sind.
    Kein Hobby, kein besonderes Schmankerl, kein nettes Add-On, sondern der Brennstoff für unsere zivilisatorische Entwicklung. Jeder, der behauptet, ihn interessiere Wissenschaft nicht, oder sogar über “Wissenschaftsgläubigkeit” schimpft, ignoriert, wie sehr er eigentlich von dieser Wissenschaft profitiert. Unser gesamtes Leben ist davon durchdrungen.

    * Und damit meine ich durchaus auch ernstzunehmende Geisteswissenschaften, die für unser kulturelles Selbstverständnis wichtig sind.

  30. #30 DasKleineTeilchen
    14. Dezember 2013

    öhm, frage am rande; hatte sich eigentlich der legendäre jason nach dieser nummer

    “Und jetzt pass mal auf. Sei sehr vorsichtig wie…
    Du kannst meine Beiträge löschen und mein PC blockieren, du kannst aber nicht alle PCs … blokieren, und von überall her werde ich mich wieder melden und dir die Meinung sagen. ”

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/05/07/osterreich-steigt-bei-cern-aus/#comment-11762

    eigentlich jemals wieder gemeldet? ich hab mir gerade nen ast gelacht.

  31. #31 Reinhard
    Vorarlberg
    14. Dezember 2013

    Auch in bin entsetzt darüber was die neue/alte Regierung hier zusammengemurkst hat. Wie man hier nachlesen kann, ist aber auch in Österreich kaum einer begeistert davon.
    http://orf.at/stories/2210295/2210315/
    So ganz egal ist die Wissenschaft den Österreichern also dann doch nicht. Bevor ich jetzt aber falsche Hoffnungen wecke: Denkt an den „Austrian way of life“: Heute ein bisschen aufregen – nächste Woche redet kein Mensch mehr darüber. 🙁

  32. #32 Lercherl
    14. Dezember 2013

    Soweit ich mich richtig erinnere, sollte da der Campus St. Marx ausgebaut werden:

    Wien hat das Rennen um den IST-Standort unter anderem auch deshalb verloren, weil die Wiener Lokalpolitiker die Variante am Flugfeld Aspern anstelle der wesentlich zentraler gelegenen Aspang-Gründe forciert haben. Aspern ist nicht viel näher zum Zentrum als Gugging, nicht so schön gelegen, wenn auch seit neuestem mit der U2 wesentlich besser angebunden.

    Quizfrage: nenne drei Orte in Österreich, deren Name zu mehr als 50% aus „g“ besteht.

  33. #34 Florian Freistetter
    14. Dezember 2013

    Spart euch die Antworten auf Hans. Solche Kommentare wie die von ihm fliegen hier gleich wieder raus (und dann natürlich auch aus Gründen der Übersichtlichkeit die Antworten darauf). Damit ist beiden geholfen: Ich muss so einen menschenfeindlichen Unsinn nicht in meinem Blog lesen und Hans kann sich weiter als unterdrückter Märtyrer fühlen…

  34. #35 harry
    15. Dezember 2013

    was war eigentlich der “mist” der alten regierung, und warum sind die wäher “zu recht” unzufrieden

    fay und spindel sind sicher keine lichtgestalten, aber man sollte halt nicht vergessen, dass wir in einer wirtschaftskrise stecken, und es trotzdem in österreich keine tiefgreifenden sozialen einschnitte gegeben hat,

    und auch der schuldenstand nicht explodiert ist, wirtschaft und arbeitsmarkt im vergleich mit der eu sogar ziemlich gut dastehen,

    und ohne die kriminell bis vertrottelten banken hätte man viele milliarden weniger problem

    natürlich schaffen spö-övp keine zukunftsweisenden reformen, aber die schaffen auch keine zukunftszerstörenden reformen,

    wissenschaft zur wirtschaft schieben ist ein fehler, aber töchterle war selber rektor, ein kenner des wissenschaftsbetriebes, kein wirtschaftswissenschafter

    und trotzdem eine unheimliche enttäuschung

  35. #36 Basilius
    Rinne no Lagrange
    15. Dezember 2013

    @harry

    aber man sollte halt nicht vergessen, dass wir in einer wirtschaftskrise stecken

    Darf ich mal fragen wer hier wir ist?
    0_0

  36. #37 cassandra
    WIEN
    15. Dezember 2013

    war der Bau des CERN nicht auch mal in Österreich angedacht?

    Und jetzt wird noch die Lehrerausbildung zusammengestrichen- Gymnasiallehrer verdienen eh schon wenig genug- also gibt es keinen mehr, der die Schüler für Wissenschaft begeistert- wozu brauchen wir dann noch ein Wissenschaftsministerium?
    ich hatte noch Lehrer, die mich begeistern konnten- und ich habe dann auch Physik studiert

  37. #38 Lercherl
    16. Dezember 2013

    @Cassandra

    war der Bau des CERN nicht auch mal in Österreich angedacht?

    Nein. Als der CERN gegründet wurde, war Österreich noch von den Allierten besetzt, da kam niemand auf die Idee, dort internationale Großforschungseinrichtungen zu bauen.

    Vielleicht verwechselst du das mit dem gescheiterten Austron-Projekt: http://sciencev1.orf.at/science/news/64468

  38. #39 Sebastian Templ
    http://about.me/sebastiantempl
    16. Dezember 2013

    Leute, vielleicht macht ihr mir den Gefallen und unterschreibt diese Petition, die sich genau gegen die im Artikel besprochene politische Entscheidung richtet.
    Sollte diese Petition tatsächlich was erreichen, wird mir das Auswandern aus Österreich zwar ein bisschen schwerer fallen als sonst, aber um mich soll’s ja hier nicht gehen. 😉

    https://www.openpetition.de/petition/online/ein-eigenstaendiges-wissenschaftsministerium-fuer-oesterreich

  39. #40 rolak
    21. Dezember 2013

    Der Kompetenzlevel der Ö-Regierung scheint sich sogar schon zu webfail durchgesprochen zu haben: Der neue Außenminister wird pseudozitiert mit dem eventuell werdenden Klassiker:

    Syrien?
    LOL, das Level hab ich schon in COD4 gezockt.

  40. #41 Yasemin
    Wien
    3. Januar 2014

    Was läuft bei uns bloß schief? Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Enttäuschten nun zu den Rechtsparteien abwandern? Soll das eine Drohung sein? Ein Zähnezeigen? Das haben die großen nicht ernstgenommen, wie man sieht. Vernünftig kanns auch nicht sein. Denn wem haben wir den Finanzskandal in Kärnten zu verdanken?

    Die Uni Wien wird ausgehungert. Das engstirnige, nationale Gesindel unter den Professoren und moderne Sklaverei im Wissenschaftsbetrieb locken ausländische Studenten auch nicht gerade an.

    @ Florian: Muss dir leider recht geben. Die FPÖ wird hierzulande verharmlost. Man sollte sich die Parteigenossen mal näher anschauen und deren Vergangenheit durchleuchten, aber interessiert ja niemanden.

  41. #42 peacemaker
    wolrd
    8. Januar 2014

    Ursache kommt immer vor der Wirkung,
    und ich betätige mich hier nicht als Prophet, sondern ich sage es frei raus:
    Österreich war immer ein Land der Dichter, Denker, kreativen, innovativen Menschen.
    Es ist ein Schande, dass WIR, wie auch in anderen Staaten, solche ReGIERungen samt Anhang haben, denn das verstärkt die Kritik, am Forschungs- und Bildungssektor.
    naja, und in einem einfachen Satz:
    Die Menschheit scheint masochistisch veranlagt zu sein, denn sie wählen sich die Peiniger selbst, die ihnen auch noch das letzte Geld aus den Taschen ziehen.

  42. […] alles passt wunderbar zum Umgang des offiziellen Österreichs mit der Wissenschaft. Das Wissenschaftsministerium wurde ja schon abgeschafft. Österreich ist EU-Spitze bei der Wissenschaftsignoranz. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sind […]