Ich stehe vor Weigels Geburtshaus in der Judengasse 10 in Weiden (und hab zum Glück daran gedacht, mir vorher noch das Blut vom Sturz aus dem Gesicht zu waschen - was ich bei näherer Überlegung auch schon machen hätte sollen, bevor ich im Hotel eingecheckt bin. Kein Wunder das die mich so komisch angesehen  haben...)

Ich stehe vor Weigels Geburtshaus in der Judengasse 10 in Weiden (und hab zum Glück daran gedacht, mir vorher noch das Blut vom Sturz aus dem Gesicht zu waschen – was ich bei näherer Überlegung auch schon machen hätte sollen, bevor ich im Hotel eingecheckt bin. Kein Wunder das die mich so komisch angesehen haben…)

Das Wort bedeutet so viel wie “Einfacher Sternenweiser” und das erschien mir als recht schöner Name für ein Blog über Astronomie. Außerdem hat Weigel Jena als Astronom gearbeitet, so wie ich. Er hat zwar nichts weltbewegendes entdeckt (so wie ich), sich aber sehr für Öffentlichkeitsarbeit interessiert (so wie ich). Weigel hatte sich schon damals Gedanken gemacht, wie man Mathematik und Astronomie möglichst interessant und sinnvoll an Kinder bzw. Studenten vermitteln kann. Das alles fand ich sehr sympathisch. Und außerdem war das Wort “Astrodicticum Simplex” noch so gut wie unbekannt, als ich mein Blog gegründet habe und kam auf gerade Mal ein bis zwei Google-Treffer…

Erhard Weigel!

Erhard Weigel!

Ein Astrodicticum Simplex ist ein Gerät, das man auf einem Himmelsglobus montieren kann. Markiert man damit dort einen bestimmten Stern, zeigt ein großer Zeiger auf die tatsächliche Position des Sterns am Himmel. Es war also so was wie ein Vorläufer des Laserpointers bzw. von Apps wie “Google Sky”. Weigel hat aber noch viel mehr erfunden als dieses eine Gerät. Er war berühmt für seine Vielzahl an Erfindungen und technischen Spielereien und sein Haus (das leider nicht mehr existiert) das vollgestopft mit diesen Geräten war, gehört zu den Sieben Wundern von Jena.

Heute kennt man Weigel vor allem auch noch für sein Engagement um den Kalender. Ende des 17. Jahrhunderts verwendete man in Europa zwei verschiedene Kalendersysteme. In den katholischen Gegenden benutzte man den reformierten Gregorianischen Kalender den wir auch heute noch verwenden. Die Protestanten dagegen lebten noch nach dem alten Julianischen Kalender. Weigel probierte die Systeme zu vereinheitlichen und machte der evangelischen Kirche den Kompromissvorschlag zumindest das Osterdatum neu zu berechnen und zwar nicht mehr beruhend auf Dekreten des katholischen Papstes basierte sondern auf der Arbeit des Protestanten Isaac Newton. Der verbesserte Reichskalender der wenige Monate nach Weigels Tod dann übernommen wurde, war maßgeblich von Weigels Arbeit beeinflusst und im 18. Jahrhundert schwenkten dann schließlich auch die evangelischen Gebiete auf den neuen Kalender um.

Das einzige Bild eines Astrodicticum Simplex. Ein echtes Gerät ist nicht erhalten geblieben.

Das einzige Bild eines Astrodicticum Simplex. Ein echtes Gerät ist nicht erhalten geblieben.

Kalender scheinen wenig mit Asteroiden zu tun zu haben. Aber Kalender haben etwas mit dem Abstand zwischen Erde und Sonne zu tun. Denn diese Distanz bestimmt, wie lange die Erde für einem Umlauf um die Sonne braucht und dieser Zeitraum definiert die Dauer eines Jahres. Die Probleme mit dem Kalender haben wir unter anderem deswegen, weil die Erde eben blöderweise 365 plus ein Viertel (und noch ein bisschen was) Tage braucht und diese unrunde Zahl dazu führt, dass wir regelmäßig Schalttage im Kalender einführen müssen (für die Details siehe hier). Und dafür, dass der Abstand zwischen Erde und Sonne einen so fundamentalen Einfluss auf unseren Alltag hat, hat es erstaunlich lange gedauert, bis wir ihn halbwegs genau bestimmen konnten.

Man kann zwar recht problemlos beobachten, wie sich Sterne und Planeten über den Himmel bewegen. Aber daraus auch den Abstand zwischen Erde und Sonne zu berechnen ist ne ganz andere Sache. Im Wesentlichen läuft es darauf hinaus, dass man die Parallaxe messen muss. Das ist der Winkel, um den sich ein Objekt scheinbar vor dem Hintergrund verschiebt, wenn man es aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Sieht man zum Beispiel einmal mit dem linken Auge auf den Daumen der ausgestreckten Hand und dann nur mit dem rechten Auge, scheint der Daumen hin und her zu springen. Das tut er natürlich nicht wirklich, aber dank der leicht unterschiedlichen Blickwinkel sieht es so aus. Und auch wir blicken immer unter unterschiedlichen Winkeln hinaus ins All. Während sich die Erde um die Sonne bewegt, ändert sich auch der Winkel unter dem wir auf Sterne und Planeten blicken. Dieser Winkel, die Parallaxe, ist aber umso kleiner, je weiter weg die Objekte sind. Sterne sind so wahnsinnig weit weg, dass es bis ins 19. Jahrhundert gedauert hat, bevor man überhaupt in der Lage war, hier eine Parallaxe zu messen. Und auch bei den näheren Planeten war es nicht gerade einfach.

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Kommentare (26)

  1. #1 bikerdet
    30. Mai 2014

    @ Florian :
    Du kannst aber schon ausschließen, das die Bremsprobleme nicht vom Sturz herrühren ? Besonders wenn es das Schutzblech zerlegt hat, kann auch die Bremse was abgekriegt haben. Ich habe auf meinen Touren quer durch ‘D’ eigendlich immer sehr hilfsbereite Fahrradmechaniker gefunden. Da wurde auch mal die Mittagspause durchgemacht oder der Feierabend verschoben. Spätestens am Donauradweg sollten doch genügend Fahrradläden vorhanden sein. In Ostfriesland und im Schwarzwald waren schon größere Umwege nötig. Einfach mal die ‘Einheimischen’ fragen. Wir haben immer gute Tipps und freundliche Helfer gefunden. Im Elsass haben wir während der Arbeiten sogar Kaffee und Kuchen bekommen. Nur das Bier danach haben wir in anbetracht der noch 50 Km vor uns dankend abgelehnt. Wenn Du die Klötze mit hast, ist das mit den passenden Werkzeug nur 5 min. Arbeit. Evtl. hilft Dir auch ein anderer Tourenfahrer (die Du aber wohl auch erst an der Donau triffst). Meist zwecklos ist es ‘Rennradfahrer’ anzusprechen. Die haben oft nicht mal Zeit auch nur zu zu hören ….

  2. #2 Florian Freistetter
    30. Mai 2014

    @bikerdet: “Du kannst aber schon ausschließen, das die Bremsprobleme nicht vom Sturz herrühren ?”

    Ja, definitiv. Die Bremsklötze waren vorher schon nicht neu – aber ich hab nicht mit so einem massiven Einsatz gerechnet und jetzt sind sie halt schneller runtergebremst als ich dachte…

    Mal schauen, vielleicht find ich ja noch was. Morgen ist ja leider auch schon Wochenende, das ist auch blöd. Aber vielleicht seh ich ja zwischen Weiden und Regensburg irgendwo was…

  3. #3 rolak
    30. Mai 2014

    leider auch schon Wochenende

    Das ‘leider’ ist unangemessen – in meinem Falle sowieso, bei Dir sollte es auch kein Problem darstellen, je nach Abfahrtswunsch schon vor, ansonsten aber während der Fahrt an dem Samstag heißenden Werktag einen Satz Bremsklötze zu ergattern.

  4. #4 bikerdet
    30. Mai 2014

    Wie gesagt, einfach mal einen einheimischen Radfahrer ansprechen. Ich habe dadurch schon tolle Erlebnisse gehabt. In Ostfriesland haben wir dem Mechaniker die Mittagspause ruiniert. Er hat mir aber sehr freundlich gestimmt zwei neue Speichen eingezogen und wollte am Ende gerade 3 Euro haben. Aber denkwürdig war ein anderer Kunde, der ebenfalls in der Pause kam. Er wollte eine neue Fahrradklingel kaufen, aber seine alte Klingel in Zahlung geben. Dabei war er sehr enttäuscht, das er für das verrostete ‘Schätzchen’ nur 2 Euro bekam.

    Wenn Du wirklich keinen Laden findest und die Klötze schon im Gepäck hast, würde ich einfach einen anderen Tourer, der gerade Pause macht, fragen.

  5. #5 bikerdet
    30. Mai 2014

    @ rolak :
    Du bist nicht der Einzige, der Sa. arbeiten muss. Ich ‘darf’ auch noch So. ran. Unser Kunde hat die Lieferfrist um drei Monate von 12 auf 9 Monate gekürzt. Da müssen viele Kollegen sogar ihren Urlaub verlegen (und die Firma übernimmt die Stornokosten).

  6. #6 Florian Freistetter
    30. Mai 2014

    @rolak: Klar, am Samstag arbeiten viele (ich normalerweise auch). Aber in Gegenden in denen mit dem zahlreichen auftreten von entsprechenden Ersatzteilläden/Baumärkten zu rechnen ist, komme ich erst morgen Abend. Morgen früh wird schwer weil ich schon sehr früh los muss um die 120km der morgigen Etappe in vernünftiger Zeit zu schaffen…

  7. #7 rolak
    30. Mai 2014

    schon sehr früh los

    Ja, das war der schon befürchtete Haken, Florian, doch es ist mir einst gelungen, an einem Sonntag einen geplatzten Schlauch zu ersetzen (war ne tolle Tour, der mitgenommene Ersatzschlauch war zwar nicht bei meinem Drahtesel, aber trotzdem schon verbaut worden). Ist allerdings fast 40 Jahre her.

    nicht der Einzige

    Da ist wohl wieder mal die Verständlichkeit bei der sprachlichen Umsetzung auf der Strecke geblieben, bikerdet, SA arbeite ich nur in Ausnahmefällen (im Haupterwerb), deswegen paßt bei mir das ‘leider’ nicht, weil es eindeutig ein angenehmes Erwarten ist 😉

  8. #8 Zerebrumm
    Prien am Chiemsee
    30. Mai 2014

    Fällt nur mir auf, dass Florian auf dem Foto
    1.) schlanker und drahtiger wirkt als der Moppel in dem Ava und
    2.) aussieht, wie der kleine Bruder von Harald Lesch.
    Ist das wie mit Herrchen/Hund oder alten Ehepaaren?
    Astronomenphysiologie?
    Möge die Kraft mit Dir sein!
    (Und die Tapete bald wieder abgeheilt).

  9. #9 PDP10
    30. Mai 2014

    @Zerebrumm:

    “Fällt nur mir auf, dass Florian auf dem Foto [..]”

    Da hatten wir schon an anderer Stelle drüber spekuliert …

    Aber wenn das immer mehr Leuten auffällt … muss ja was dran sein 🙂

  10. #10 Pilot Pirx
    31. Mai 2014

    Eigentlich müsste man die Bremse doch nachstellen können, wenn die Klötze nicht total runter sind.

  11. #11 bikerdet
    31. Mai 2014

    @Zerebrumm
    Das ist mir live in Duisburg auch aufgefallen, habe es aber auf das Foto geschoben 😉

  12. #12 Christian Berger
    31. Mai 2014

    Also man muss schon sagen, so wie Du legen sich nur sehr wenige Wissenschaftsvermittler ins Zeug. Du riskierst Deine Gesundheit, nur um uns was über Astronomie zu erzählen.

  13. #13 CC-103
    31. Mai 2014

    Meine Lieblingshimmelkörper sind schwarze Löcher 😀

    Wie auch immer, ich hoffe du findest bald jemanden, der dir helfen kann und gute Weiterreise.

  14. #14 Florian Freistetter
    31. Mai 2014

    Heute läuft es richtig gut. Das Wetter ist toll, ich hab schon 50km hinter mir und die strecke ist so angenehm das die bremsen fast keine Probleme machen.

  15. #15 Florian Freistetter
    31. Mai 2014

    Tja. Kaum sagt man, dass alles gut läuft kommt ne bayrische Autofahrerin und rammt einen…

    Aber mir geht es gut, das Rad fährt auch noch – ich hoffe nur, dass der Laptop im Gepäck überlebt hat, denn vom Handy aus tippe ich heute sicher keinen Reisebericht

    Dafür habe ich aber nen baumarkt mit Fahrradersatzteilen gefunden!

  16. #16 Theres
    31. Mai 2014

    Uff, ach du meine Güte!
    Du hast aber auch Pech … und dafür sollte die Dame versichert sein!

  17. #17 rolak
    31. Mai 2014

    versichert

    Das erhöht zwar die Chance auf den Ausgleich eines möglicherweise entstandenen Schadens, Theres, würde allerdings eine momentan mißliche Lage nur unwesentlich verbessern.

    rammt

    Beileid.

  18. #18 Theres
    31. Mai 2014

    Stimmt, rolak – ich brauch wohl noch mehr Kaffee!

  19. #19 Florian Freistetter
    31. Mai 2014

    Also der PC funktioniert noch!

  20. #20 Florian Freistetter
    31. Mai 2014

    Nur der smtp-Server meines Emailanbieters ist nicht zu erreichen. Aber das wird wohl kaum am Rumms der bayrischen Autofahrerin liegen sondern vielleicht eher am WLAN des Hotels?

  21. #21 Theres
    31. Mai 2014

    Von WLAN- Schwierigkeiten würde ich ausgehen – schließlich bist du nicht mit dem Server gereist – evtl. Standort wechseln, oder Einstellungen überprüfen …
    Glückwunsch zum heilen Rechner!

  22. #22 rolak
    31. Mai 2014

    mehr Kaffee!

    hehehe – aber’n passendes Stichwort, Theres, werd dann auch gleich mal 😉 Bei Deiner Erstvermeldung des Mehrbedarfs gabs als Zugabe etwas für mich völlig Neues – und oh Wunder, just an diesem WE ist hier in K ebenfalls ein craft beer Fest: “Festival der Bierkulturen”, paßt aber aktuell nicht – und wäre angesichts des in diesem Jahrtausend nicht vorhandenen Trainings auch nur mit großer Vorsicht zu genießen…

    smtp

    Falls der Server nicht tatsächlich eine kleine Auszeit nimmt (scheint mit deutlich häufiger vorzukommen als bei seinen Gegenstücken) oder sich etwas an den nötigen Einstellungen geändert hat, Florian, weiß ich auf die Schnelle auch nicht weiter.

    Bei solchen (Unfall aber Bremsen bekommen)- oder (Rechner ok aber kein smtp)-Paarungen wird ja ab+zu versucht, einem das als ausgleichende Gerechtigkeit unterzujubeln. Mal ganz abgesehen davon, daß ich dieses Konzept für Blödsinn halte, wer bitte will denn bei einer Skala (schlecht..naja..gut) völlig ausgeglichen bei ‘naja’ stehen?

  23. #23 bikerdet
    4. Juni 2014

    @ Florian :
    Mich hat ja der “Einfache Sternenweiser” fasziniert. Klar, das es heute bequemere Mittel gibt. Aber ich fände es interessant, einen Nachbau zu versuchen. Ich meine zwar, das grundlegende Prinzip verstanden zu haben, aber etwas mehr an Informationen wäre nicht schlecht. Ist das von Dir verlinkte Bild in originaler Größe ? Hast Du das aus einem Buch oder von einer Webseite ?

  24. #24 Florian Freistetter
    4. Juni 2014

    @bikerdet: ” Ist das von Dir verlinkte Bild in originaler Größe ? Hast Du das aus einem Buch oder von einer Webseite ?”

    Das ist mWn das einzige existierende Bild von so nem Ding und ist nur ein kleiner Ausschnitt aus nem größeren Bild das mal das Titelbild von nem Buch aus 17. Jahrhundert war.

  25. #25 bikerdet
    4. Juni 2014

    @ Florian :
    Danke für die Info. Dann brauche ich mir ja keine Hoffnung auf mehr Details zu machen…

  26. #26 Florian Freistetter
    4. Juni 2014

    @Bikerdet: Wenn jemand noch mehr weiß, dann die Leute hier: http://www.erhard-weigel-gesellschaft.de/