Dampier hat mit seinen Freibeuterfahrten nie hinterm Berg gehalten, hat diese Tätigkeit allerdings auch nie glorifiziert sondern ebenso nüchtern beschrieben wie seine Naturbeobachtungen. (Zitat sinngemäß: „Es war ein besonders hübsch gelegenes Städtchen mit einer schön geschmückten Kirche. (…) Als sie uns das Lösegeld verweigerten, brannten wir es nieder.“)

Allerdings war die Freibeuterei auch häufig zumindest halblegal – das hing vor allem davon ab, ob Krieg oder Frieden herrschte. Im Krieg (meist gegen Spanien) wurden vom Englischen König selbst Kaperbriefe ausgegeben, die Kapitäne ermächtigten, die Handelsschiffe des Feindes aufzubringen. Kaperfahrten waren zu der Zeit echte, seriös durchgerechnete Wirtschaftsunternehmen, der Gewinn wurde zwischen der Krone, der Besatzung und den Investoren geteilt. In solchen Zeiten war es durchaus ehrenvoll, als Freibeuter seiner Majestät zu fahren.

Nur leider kam immer wieder der Frieden dazwischen. Bestandteil nahezu jedes Friedensvertrages war auch eine „Ächtung“ der Freibeuterei. Aber natürlich gingen die Freibeuter nicht brav nach hause und machten was anderes, viele von ihnen machten einfach weiter, auch wenn sie jetzt außerhalb des Gesetzes standen – ein Gesetz, das in der Karibik eh nur begrenzte Gültigkeit hatte – das Gebiet war zu groß und zu weit weg und bot Millionen von Schlupfwinkeln und Verstecken. Spanien hatte sich sowieso längst überdehnt und konnte das Gebiet nie vollständig kontrollieren; Großbritannien hatte mit Jamaica gerade mal einen Fuß in die Tür bekommen; Karibische Provinzgouverneure handelten fröhlich mit den Piraten und boten Unterschlupf und Unterhaltung.

Dazu kam, dass die Royal Navy in Friedenszeiten immer Personal abbaute und tausende junger, tatkräftiger und abenteuerlustiger Seeleute in die Arbeitslosigkeit entließ. Jede Phase des Friedens ließ also die Piraterie erst recht aufblühen – bis wieder ein Krieg ausbrach, die Kaperbriefe wurden erneuert und man konnte wieder im Dienste für König und Vaterland kapern gehen. Viele Seeleute fuhren mal bei Händlern, mal bei Freibeutern, und so manche Schiffe waren beides zugleich.

Die Siedler und Kolonisten der Karibik machten gute Geschäfte mit den Piraten, die ja auch ihre Beute irgendwo versaufen wollten und Handelsgüter aus aller Welt im Angebot hatten. Viele Gouverneure kleiner Karibikinseln gaben selbst Kaperbriefe heraus, und auch wenn deren Gültigkeit eher zweifelhaft war, waren sie doch gefragte Dokumente. Piratenkapitäne betrieben sogar einen schwunghaften Handel mit ihnen, auch Blanko-Kaperbriefe waren im Umlauf, wo sich jeder selbst eintragen konnte, um sich zumindest einen Anschein von Legitimität zu bewahren.

Their licences were known as Letters of Marque (…), issued and controlled by admiralties. Letters of Marque were impressive documents, festooned with seals and dressed in impenetrable legalese.
(Gill, S. 73)

„Kaperbriefe waren beeindruckende Dokumente, behangen mit Siegeln und in undurchdringlichem juristischen Kauderwelsch gehalten …“

Einige redeten sich sogar erfolgreich damit heraus, sie hätten in der Ecke der Welt wo sie gerade unterwegs waren, nichts von dem Friedensschluss mitbekommen (was auch tatsächlich nicht abwegig war).

Natürlich kann man das alles als Rechtfertigunsversuche von Kriminellen abtun, aber die ganze Welt war damals äußerst gewalttätig. Bei der Royal Navy waren Körperstrafen Gang und Gäbe, bei sehr kurzen Rationen und schmalem Sold, in London wurden kleine Jungs gehenkt, wenn sie ein Brot oder einen Shilling gestohlen hatten. Öffentliche Folter und Hinrichtungen gehörten zum Kulturprogramm Londons.

In jenen Zeiten, in denen von britischer Fairness noch keine Rede sein konnte, war es nur ein gradueller Unterschied, ob man zur Handelsmarine ging oder Pirat wurde. Oder, wie Bartholomew Roberts es ausdrückt: der Preis für ein Piratenleben ist allenfalls, dass man beim Hängen kurz ein langes Gesicht macht.

„In honest service there is thin rations, low wages and hard labour; in this [Piraterie], plenty and satiety, pleasure and ease, liberty and power; and who would not balance creditor on this side, when all the hazard that is run for it, at worst, is only a sour look or two at choking. No, a merry life and a short one shall be my motto.“
Bartholomew Roberts

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Kommentare (33)

  1. #1 Dampier
    27. September 2014

    Hallo Florian, das eine Bild ist doppelt, hier müsste eine Landkarte noch durch die Vögelchen ersetzt werden (am besten die zweite. (bitte bitte ;))

    http://s14.directupload.net/images/140927/9g38tyuy.jpg

    gruß
    Dampier

  2. #2 Florian Freistetter
    27. September 2014

    @Dampier: Sorry, mein Fehler!

  3. #3 Dampier
    27. September 2014

    Kein Ding. Vielen Dank für die prompte Erledigung 😀

    grz
    D

  4. #4 Florian Freistetter
    27. September 2014

    Hervorragender Artikel! Nur ein bisschen mehr zur naturkundlichen Tätigkeit von Dampier hätte mich jetzt noch interessiert…

  5. #5 Dampier
    27. September 2014

    @Florian,
    ja, ich kam ein bisschen ins Schwafeln über die Freibeuterei, und dann war es auch schon zu spät und ich musste abgeben …

    Dampier war wohl kein systematischer Naturforscher im eigentlichen Sinne, das ging erst später mit Captain Cook (bzw. Georg Forster), Humboldt und Darwin los. Er war vor allem ein sehr guter Beobachter, und seine Schilderungen waren sehr akribisch.
    Angeblich soll er sich auch schon über die verschiedenen Finkenarten auf den Galapagosinseln Gedanken gemacht haben (immerhin prägte er den Begriff “Sub-species”), aber die Stelle habe ich noch nicht gefunden …

    Die Royal Society hatte ein paar jahre zuvor ihre “Directions for Sea-men, bound for far Voyages” herausgebracht, einen Leitfaden für Seefahrer, wie und welche Informationen sie sammeln sollten. Offenbar hat sich Dampier auch danach gerichtet.

    Siehe
    http://libweb5.princeton.edu/visual_materials/maps/websites/pacific/introduction/introduction.html

    In der gekürzten Fassung der Voyages, die ich auf Deutsch vorliegen habe, sind viele Naturbeobachtungen ausgelassen worden, gerade kämpfe ich mich durch die Original-Faksimiles, aber da komme ich nur langsam voran.

    Es wäre sicherlich interessant, nochmal zu untersuchen, wie wissenschaftlich seine Vorgehensweise aus heutiger Sicht war.

    Grundsätzlich gibt das alles genug Material her für eine ganze Artikelserie. Ich arbeite auch weiter an dem vorliegenden Text und versuche, ihn noch zu verbessern.

    grz
    Dampier

  6. #6 Steffmann
    27. September 2014

    @Dampier:

    Ich hatte irgendwo mal gelesen, dass ein Reisebericht von Australien von Dampier gegen Ende des 17. Jahrhunderts, der wohl ziemlich ablehnend/abwertend geschrieben war, letztlich dazu geführt hat, dass Australien zunächst für das Empire nur als Sträflingskolonie in Frage kam. Hast du dazu nähere Informationen ?

  7. #7 Dampier
    27. September 2014

    @Steffmann
    Die Sträflingskolonien wurden ja erst hundert Jahre später eingerichtet, d.h. nachdem auch Cook schon dagewesen war, der ja als erster die Ostküste erforscht hat (also die Gegend um das heutige Sidney etc.)

    Das heißt, der Kontinent war da schon eingehend beschrieben und es war schon klar, dass da nicht allzuviel “zu holen” war. Natürlich werden auch Dampiers Berichte bei der Beurteilung mit eingeflossen sein, aber mir ist nicht bekannt, dass jetzt speziell sein Urteil maßgeblich dafür war, Sträflingskolonien einzurichten.

    Siehe Wikipedia, in den Artikeln wird Dampier nicht erwähnt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Str%C3%A4flingskolonie_Australien
    https://en.wikipedia.org/wiki/Convicts_in_Australia

    Grüße
    Dampier

  8. #8 Steffmann
    27. September 2014

    @Dampier:

    Meines Wissens nach war er 1688 da. Die erste dokumentierte Sträflingskolonie ? Keine Ahnung, aber das Gesetz zur Deportation wurde erst 1718 erlassen. Bis dahin war kein anderer englischer Forscher in Australien. Also ganz von der Hand zu weisen ist das nicht 🙂

  9. #9 Steffmann
    27. September 2014
  10. #10 Dampier
    27. September 2014

    @Steffmann
    1688 war er im Zuge seiner ersten Weltreise da, da sind sie nur kurz im Norden Australiens gelandet. Die Aborigines kommen bei ihm nicht allzu gut weg (allerdings hat er eine Menge Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Naturvölkern).

    Seine (eher erfolglose) Forschungsreise im Auftrag der Royal Navy war erst 1699. Da hat er vor allem die Westküste bereist, die ja sehr öde und leer ist.

    Das Deportationsgesetz ist von 1718, aber Australien wurde erst 1786 zur Strafkolonie bestimmt, bis dahin hatte das Empire schon sehr viel weitergehende Informationen über Australien (Cook war schon dagewesen) und war sicher nicht allein auf Dampiers Berichte angewiesen. Deshalb glaube ich nicht, dass Dampiers Einschätzung eine entscheidende Rolle gespielt haben kann.

    grz
    Dampier

  11. #11 Steffmann
    27. September 2014

    Ok, vielen Dank. Dachte mir schon, dass das ein bisschen Propaganda seitens Australia seien könnte….

  12. #12 Dampier
    27. September 2014

    @Steffmann

    aus deinem Link:

    Die Aufzeichnungen von William Dampier auf seinen beiden Seereisen in den Jahren 1688 und 1698 zur Shark Bay an der Westküste von New Holland prägten das Bild in Europa von einem primitiven und gottlosen Land fernab der Heimat. Diese Sichtweise auf das Südliche Land, und somit das Interesse daran, blieb bis zu den Erkundungsreisen von James Cook unverändert. In seinen umfangreich dokumentierten Berichten sprach Cook später von einer exotischen und romantischen Südseeatmosphäre, mit verschönernden Beschreibungen der “prächtigen Wilden”.

    Genau wie ich sagte: Dampiers Einschätzung galt nur bis Cook Australien erreichte. Er bewertete das Land positiver, kein Wunder, schließlich hatte erst Cook die fruchtbaren grünen Landstriche Australiens entdeckt.

    Danach wurde das Land neu bewertet, und erst danach wurden die ersten Sträflingskolonien eingerichtet.

    Man muss sich natürlich auch fragen, wie die Autoren von australien-information.com zu dieser Aussage kommen, Quellen sind leider nicht angegeben.

    grz
    Dampier

  13. #13 Steffmann
    27. September 2014

    @Dampier:

    Ich beneide keinen Historiker. Die Quellen sind oft fehlerbehaftet oder gänzlich in Frage zu stellen. Aber vielen Dank für Deine Antwort, zumindest das scheint geklärt zu sein 🙂

  14. #14 Pumba
    27. September 2014

    Sehr guter Artikel! hat spaß gemacht ihn zu lesen.
    Hätte aber ruhig noch bisschen länger sein können mit naturkundlichen Dingen aber das hast du ja oben in den Kommentaren eh schon erklärt.
    Weiter so!

  15. #15 Gaius
    27. September 2014

    Ich habe diesen Artikel mit Freude gelesen.

    Was mir daran gefiel:
    – er schreibt flüssig und teilweise witzig
    – er verwendet Bilder (und das auch noch an den richtigen Stellen!)
    – viele Aussagen belegt er mit Zitaten, teilweise sogar zweisprachig
    – man spürt an viele Stellen, dass Dampier auch über Dampier hinaus 😉 Hintergrundwissen besitzt.
    – die Vereinbarkeit von Piraterie und dem Leben als ehrbarer Bürger ist überzeugend dargestellt.
    – er nimmt mehrfach Bezug darauf, was damals “normal” war, was eine Einordnung häufig erst möglich macht.
    – die Zeitleiste ist informativ

    Nur den Übergang zum persönlichen Schlusswort fand ich etwas abrupt. Ansonsten für mich einer der besten Artikel (auch wenn das Thema vielleicht nicht so zum Diskutieren anregt).

  16. #16 Bettina Wurche
    27. September 2014

    @ Dampier: Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel! Ich finde den (ollen) Dampier ausgesprochen interessant und habe den Einblick in sein Leben und seine Ergebnisse wirklich genossen!
    Über mehr davon würde ich mich freuen!

    In der Geschichtschreibung wird einfach nur deutlich, dass man auch damals schon gehypet werden musste, um wirklich berühmt zu werden und einen Platz in den Geschichtsbüchern zu bekommen.
    Der “Wettlauf” zwischen Wallace und Darwin ist eines meiner liebsten Beispiele. Darwin hatte einflußreiche Freunde, Wallace war niemand. Darwin ist zur Publikation seiner Ergebnisse gedrängt worden, um Wallace zuvorzukommen. Und darum kennt heute jeder Darwin, und Wallace leider nicht.
    Dampier ist vielleicht zu bescheiden gewesen, seine Ergebnisse waren vielelicht gerade nicht schick udn er hat keine einflußreichen Freunde gehabt.
    Drake habe ich immer als angeberisch empfunden und er war wohl das Betthäschen einer Königin. Das ist natürlich besseres Marketing.

  17. #17 HF
    27. September 2014

    Ich schliesse mich Gaius an, einer der besten Artikel. Und sehr informativ. Ich wusste bisher weder, dass diese Leute damals Tagebuch schrieben, noch dass sie daraus Bestseller und Reiseführer machten. Und Willi konnte offensichtlich nicht nur schreiben sondern auch zeichnen! Echt klasse.

    Sehr schöner Artikel, besten Dank Dampier. Ich möchte mehr davon lesen.

  18. #18 MartinM
    Hamburg
    27. September 2014

    Ein seht guter Artikel!

    Ich selbst schreibe Piratenromane / Seeabenteuerromane, die im späten 17. Jahrhundert spielen; von daher habe ich ziemlich viel über diese Epoche recherchiert. (Und mehr als die Hälfte meiner Rechecheergebnisse “über Bord” geworfen, aber das gehört nicht hierher … )
    Jedenfalls wage ich zu behaupten, dass ich mich mit Dampier und anderen Freibeuern seiner Epochen so einigermaßen auskenne.

    Dampier war wahrscheinlich eines der Vorbild für den Ich-Erzähler in Daniel Defoes “The Life, Adventures and Piracies of the Famous Captain Singleton” kurz “Captain Singleton”, den wahrscheinlich ersten “modernen”,auf jeden Fall das Genre des Seeabenteueromans mitprägenden, Piratenromans.

    Als Typ erscheint Dampier auch mir erstaunlich modern – was anderseits auch daran liegen könnte, dass unser Bild des Hochbarocks “adelslastig” verzerrt ist. Der bereits erwähnte englische Kaufmann, Journalist und Schriftsteller Daniel Defoe wirkt in mancher Hinsicht “moderner” als manche Autoren z. B. des frühen 19. Jahrhunderts. Auch Samuel Pepys, etwa eine Generation früher, der tagebuchschreibende Staatssekretär im englischen Marineamt und Präsident der Royal Society, wirkt sehr oft
    “modern”, wenngleich aus seinen Tagebüchern klar wird, dass er völlig in die Gesellschaft seiner Zeit gehörte und sie auch nicht hinterfragte.
    Alles in allem gehörten Pepys, Defoe, aber auch Dampier eindeutig zur “englischen Frühaufklärung”, zu der Isaac Newton, als praktizierender Alchimist und Hermetiker, eben nicht so ganz gehörte.
    Anderseits: Wenn Isaac Newton, nach den Maßstäben seiner Zeit und seiner Kultur, nicht “abergläubisch” gewesen wäre, wäre er wahrscheinlich ein christlicher Rationalist gewesen, der jede Form des Glaubens an “Magie” weit von sich gewiesen hätte. Ich halte es für gar nicht so abwegig, dass Newton, eben weil er in gewisser Hinsicht an Magie glaubte, eine “Fernwirkung”, wie er sie in seinen Gravitationsgesetzen annahm, eine universelle (also auch außerhalb der Erde wirksame) Wirkung der Schwerkraft, überhaupt in Erwägung zog.

  19. #19 PDP10
    27. September 2014

    Wow! Und noch ein toller Artikel!
    Und ich finde auch, dass der ruhig etwas länger hätte sein können.

    Ich habs vorgestern schon woanders reingeschrieben, aber egal:
    Es macht richtig, richtig viel Spass die Beiträge zum Schreibwettbewerb zu lesen!

    Ich kann mich nur vielen Anderen anschliessen wenn ich sage, dass ich sehr auf eine Widerholung im nächsten Jahr hoffe!

  20. #20 Hans
    27. September 2014

    Der Artikel gefällt mir auch.
    Jetzt weis ich wenigsten auch, wo der Nick herkommt. – Bisher hatte ich immer an diese phantastische Mischung aus Mensch und Vampir gedacht, die in der Fantasy- bzw. phantastischen Literatur derzeit auch Hip ist. 🙂 Aber gut, ein Entdecker der frühen Neuzeit hat natürlich auch was.

  21. #21 Dampier
    28. September 2014

    Vielen Dank euch allen für das vielfache Lob!

    @Pumba

    Weiter so!

    @HF

    Ich möchte mehr davon lesen.

    @PDP10

    ich finde auch, dass der ruhig etwas länger hätte sein können.

    Gern :D. Ich überlege mir ein Blog einzurichten, und noch mehr über Dampier und die damalige Zeit zu schreiben (es gab noch viele ineressante Persönlichkeiten damals). Allerdings habe ich diesen Artikel nur hinbekommen, weil mich der Wettbewerb dazu inspiriert hat (Danke nochmal @Florian!), wer weiß, ob ich sonst die Zeit und die Motivation dazu finde … Privatier müsste man sein, scheiß Lohnsklaverei 😉
    Am liebsten würde ich mal nach London fahren und vor Ort recherchieren (und dann in die Karibik, Campeche, Panama …)

    @Gaius
    Ich hätte gern noch mehr Bilder verwendet (auch für Bildunterschriften hat’s nicht mehr gereicht, zum Glück sind die wenigstens alle gemeinfrei)

    Ich hätte auch gern alle Zitate übersetzt, bin aber froh, dass das dem Artikel offenbar keinen Abbruch getan hat.

    @Bettina Wurche
    Vielen Dank, ich freue mich sehr, dass dieser “Meertext” dir gefallen hat 😉

    Das mit dem Hype ist ein interessanter Aspekt. Mag sein, dass das auch damals schon eine Rolle gespielt hat. Allerdings war Dampier zu seiner Zeit durchaus sehr populär. Sein Verleger James Knapton war sehr umtriebig und hat z. B. nach dem Erfolg von Dampiers Voyages einen Reisebericht-Hype ausgelöst.

    Sehr interessant ist in dem Zusammenhang die Einleitung zu einer Dampier-Gesamtausgabe von 1927, wo genau das eingehend behandelt wird. (Zu finden auf Google Books, ich werde später noch eine Linkliste nachreichen.)

    Dampier hatte damals durchaus einflussreiche Freunde. Selbst nach dem Kriegsgerichtverfahren, wo er als “untauglich, ein Schiff seiner Majestät zu führen” entlassen wurde, bekam er nur wenig später eine Audienz bei Queen Anne, wurde von Samuel Pepys zum Dinner geladen und in der Londoner Gesellschaft herumgereicht.

    Deswegen interessiert mich mehr, warum er heute so vergessen ist. Ein Denkmal haben ihm offenbar nur die Australier errichtet …

    Obwohl – eigentlich kann uns das ja auch egal sein. Wir halten sein Angedenken jedenfalls hoch! 😀

    Zu Darwin und Wallace: ich habe das Gefühl, dass gerade in jüngster Zeit vermehrt versucht wird, Wallace zu seinem Recht zu verhelfen. Früher war mir Wallace auch kein Begriff (Darwin sehr wohl). In letzter Zeit habe ich aber in vielen Dokus etc. auch von Wallace erfahren.

    Und immerhin hat Darwin Wallace ja durchaus gewürdigt und meines Wissens sogar Wallace’ Text in seinem Buch mit veröffentlicht. Und Darwin hat ja seine Theorie auch vor Wallace entwickelt, hat sich aber jahrelang gescheut, sie zu veröffentlichen, weil er (zu Recht, wie wir wissen) die Reaktionen speziell der Kirche fürchtete.

    Drake habe ich immer als angeberisch empfunden und er war wohl das Betthäschen einer Königin. Das ist natürlich besseres Marketing.

    Betthäschen *lach*. Das mag sein, allerdings war er wirklich ein großer Entdecker und Abenteurer. Darüberhinaus war er ein Kriegsheld (Spanische Armada etc.), damit kann Dampier als Zivilist natürlich nicht dienen (was ihn mir aber wiederum sympathisch macht : )

    @MartinM
    Die ganzen Klassiker habe ich noch gar nicht gelesen: Defoes Captain Singleton, Exquemelin (+Ringrose), Captain Charles Johnson … ich freue mich aber schon drauf! Es gibt noch so viel zu entdecken.

    Allein die Manuskriptsammlung von Hans Sloane verspricht noch einige Schätze. Sloane selbst war ebenfalls ein sehr spannender Typ.

    dass unser Bild des Hochbarocks “adelslastig” verzerrt ist.

    ja, das ist wohl definitiv der Fall. Wie immer wird die Geschichte von den “Siegern” geschrieben, und von den einfachen Menschen ist recht wenig überliefert und muss mühsam recherchiert werden.

    Ich habe aber inzwischen gelesen, dass auch Defoe und Swift schon damals eine sehr klare Sprache pflegten (erinnere mich auch, dass ich z. B. den Gulliver sehr gut verständlich fand).

    Von daher gefällt mir der Begriff “englische Frühaufklärung” sehr gut.

    Hast du auch schon Romane veröffentlicht?

    (Und mehr als die Hälfte meiner Rechecheergebnisse “über Bord” geworfen, aber das gehört nicht hierher … )

    Das würde mich aber schon interessieren 😉

    viele Grüße
    Dampier

  22. #22 Witold Ch.
    1. Oktober 2014

    Ich kann mich den Komplimenten der andern Kommentatoren nur anschliessen, sehr feiner Artikel!

    Sehr angenehm zu lesen, da gekonnt in lockerem Stil geschrieben, dennoch jederzeit mit Fakten unterlegt.

    Kommt mir vor, als würde ein Fenster in eine Epoche geöffnet, die noch nicht so lange zurückliegt und die mich schon seit je her immer fasziniert hat, – überall Aufbruch zu neuen Horizonten.

    Ein erfrischende Brise für jeden offenen Geist!

    Dampier sollte den Artikel unbedingt zu einem (deutschsprachigen) Buch überdiesen Mann und seine Zeit ausbauen.

  23. #23 Goldi
    Rehhorst
    1. Oktober 2014

    Moin Dampier – ich bin durch Zufall auf diese Seite geraten und bin an deinem Artikel hängengeblieben den ich mit großem Interesse gelesen habe. Sowohl der Stil, das Rundumwissen und die Leichtigkeit der Formulierung gefallen mir sehr. Der Text ist gut verständlich auch für ungeübte, nicht wissenschaftlich vorgebildete Menschen. Viel Spaß hatte ich auch beim Lesen der Zuschriften, bei Eurem Austausch und dem Hintergrundwissen, was allenthalben deutlich wurde. Ich habe das Bild von einer Schatzkiste, die nach und nach mit dazugehörigen Wissensschätzen und-splittern gefüllt wird und den Ursprungsartikel ergänzen. Und die Idee eines deutschsprachigen Buches finde ich passend!

  24. #24 Alderamin
    Edøya
    1. Oktober 2014

    @Dampier

    Ist auch einer meiner Favoriten. Hatte vorher noch nie von diesem Dampier gehört. Interessante Persönlichkeit. Und toll geschrieben und bebildert, wie ein Profi.

  25. #25 Dampier
    15. Oktober 2014

    Weitere Quellenangaben

    Ich habe oben vergessen die Wikpedia zu erwähnen. Die Artikel über Dampier auf Deutsch und Englisch sind auf jeden Fall ein guter Einstieg.

    ———————————————————–

    Ich glaube, in diesem Buch habe ich zum ersten Mal von William Dampier erfahren. Eine gute Zusammenfassung der Geschichte der Piraterie, wenn auch etwas trocken geschrieben:

    Unter schwarzer Flagge
    Legende und Wirklichkeit des Piratenlebens
    von David Cordingly
    dtv 2001
    ISBN 3423308176

    ———————————————————–

    Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen:

    Unter dem Jolly Roger
    Piraten im Goldenen Zeitalter
    von Gabriel Kuhn
    Assoziation A 2011
    ISBN 3862414000

    Zitat Amazon: Das Buch untersucht die Kultur und Ökonomie, die moralischen Prinzipien und sozialen Organisationsformen der Piraten (…). Die Studie versteht sich als wissenschaftlicher Beitrag zur Piratenforschung, ein abschließender Essay untersucht die Bedeutung des Goldenen Zeitalters für politischen Aktivismus heute.

    Aus einer linken Perspektive, aber angenehm unideologisch. Eine sehr interessante Untersuchung der Originalquellen und der Standardwerke über die damalige Zeit. (Linke Phantasien über die Piratische Lebensform kommen nicht allzu gut weg.)

    ———————————————————–

    Auf Juan Fernandez vor der Küste Chiles haben Freibeuter einen Indio bei der Flucht vor den Spaniern zurückgelassen. Drei Jahre später haben sie ihn wieder abgeholt. Später wurde Alexander Selkirk auf der selben Insel ausgesetzt, er verbrachte über vier Jahre dort, bevor er von Freibeutern gerettet wurde. (Siehe Zeitleiste.)
    Und jedesmal war Dampier dabei.

    Dieses Buch erzählt die Geschichte von Alexander Selkirk, der das Vorbild für Robinson Crusoe war.
    Es ist sehr gut erzählt und ein spannender Einblick in die damalige Zeit. Dampier kommt bei der Autorin allerdings nicht gut weg und wird eher unsympathisch geschildert. Trotzdem empfehlenswert.

    Selkirks Insel
    von Diana Souhami
    Goldmann 2004
    ISBN 3442152623

    ———————————————————–

    Ein 1967er-Reprint einer Gesamtausgabe von 1927. Sowohl das Vorwort von 1967 alss auch das von 1927 sind lesenswert.

    ———————————————————–

    Die Zeichnungen aus Dampiers Werk gibt es hier nochmal in hoher Auflösung:

    http://libweb5.princeton.edu/visual_materials/maps/websites/pacific/dampier/dampier.html

    Eine sehr gute Seite mit vielen interessanten Details über die damalige Zeit. Da kann man sich schonmal festlesen …

    ———————————————————–

    grz
    Dampier

  26. #26 Dampier
    15. Oktober 2014

    @Witold
    @Goldi
    @Alderamin

    Vielen Dank für das Lob. Es ist wirklich wie eine Schatzkiste, die ich gerade erst aufmache …

    Wer würde nicht gern ein Buch schreiben? Aber die Zeit bzw. Muße habe ich nicht. Kleine Erzählungen (etwa so wie der Artikel) sind glaub ich das Format der Wahl 😉 da würde ich gern mehr machen. Mal sehen – ich bin ein langsamer Mensch …

    grz
    Dampier

  27. #27 Dampier
    15. Oktober 2014

    Ergänzung: ich würde es begrüßen, wenn zumindest mal eine der guten englischen Biografien ins Deutsche übersetzt würden.

  28. #28 Michael Uszinski
    Berlin
    24. Januar 2015

    2012 ist im Verlag der Pioniere Dampiers erstes Buch (“Neue Reise um die Welt”) auf Deutsch erschienen, ungekürzt und mit Anmerkungen versehen. (ISBN 9783941924024)

  29. #29 Dampier
    25. Januar 2015

    @Michael Uszinski

    Danke für den Tipp!

    Ist natürlich ein Leckerbissen, allerdings wundere ich mich etwas über den hohen Preis … das muss ja ne Luxusausgabe sein.

    Mal sehen. Ich hör schon meinen inneren Finanzminister zetern …

    grz
    Dampier

  30. […] bekannte Länder erreichte. Australien wurde erst relativ spät entdeckt (unter anderem durch William Dampier), aber das war es dann […]

  31. #31 Dampier
    8. September 2016

    Oh, hoppla. Der Hinweis in #30 wurde automatisch gesetzt. Das Blog ist aber bisher nur privat gedacht, zum rumprobieren …
    Hab den Artikel jetzt mal bis zum Schreibwettbewerb versteckt ;))

  32. […] Mein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2014. […]

  33. […] bekannte Länder erreichte. Australien wurde erst relativ spät entdeckt (unter anderem durch William Dampier). Spätestens seit der Sichtung der (lange vermuteten) Antarktis um 1820 ist die Beschreibung […]