Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beiträge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser können mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben könnt, erfahrt ihr hier.

sb-wettbewerb

Dieser Beitrag wurde von DrWeisenheimer eingereicht.
———————————————————————————————————————–
Hepatitis – Was ist das? Hepatitis ist ganz allgemein eine Erkrankung der Leber. Es gibt bakterielle Krankheiten, aber am häufigsten kommen Virusinfektionen vor.

[Viren kurz erklärt: Viren sind sehr viel kleiner als Bakterien. Im Gegensatz zu Bakterien sind Viren nicht lebendig. Es sind nur Moleküle (DNA/RNA in einer Proteinhülle), die so angeordnet sind dass sie in eine Zelle eindringen und diese dazu bringen, Kopien des Virus anzufertigen. Dabei überlebt die Zelle i.d.R. nicht. Um die Viren selbst zu zerstören, gibt es bisher kein Mittel. ]

Man unterscheidet bei Hepatitisviren zwischen A, B, C, D, E.

A und B sind akute Krankheiten, für die es jedoch Impfstoffe gibt. D kommt nur vor, wenn B ausgebrochen ist, kann also durch Impfung verhindert werden. E kommt selten vor; seit 2012 wird hierfür in China ein neuer Impfstoff gestest.

Bleibt Hepatitis C, der als sehr gefährlich gilt. Hierfür gab und gibt es keine Impfung. Die Krankheit ist chronisch. Bis zu 170 Mio Menschen weltweit tragen die Viren in sich. Nach 15 bis 30 Jahren ist die Leber so geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen kann (Leberzirrhose), oder es entsteht Leberkrebs.

Was ist neu? 2013 wurden Studien für einen neuen Wirkstoff, Sofosbuvir, durchgeführt. Zusammen mit dem bereits vorhandenen Ribavirin konnten die Viren weitgehend nebenwirkungsfrei in 12-24 Wochen um bis zu 90% reduziert werden. Es wird inzwischen daran geforscht, Ribavirin durch andere Stoffe zu ersetzen, die noch besser wirken.

Wie funktioniert das? Sowohl Sofosbuvir als auch Ribavirin sind Virostatika, d.h. sie verhindern, dass sich der Virus weiter verbreitet. Beide wirken so: Das Virus dringt zwar in die Zelle ein, aber der Prozess, der die neuen Viruskomponenten aufbauen (synthetisieren) soll, wird durch die Medikamentenwirkstoffe gestört. Beim Hepatitis C Virus ist das NS5B Protein dafür verantwortlich, die RNA des Virus zu kopieren. Sofosbovir wirkt als fehlerbehafteter Baustoff und blockiert das NS5B. Der Virus wird nicht weiter kopiert.

Wie geht es weiter? Sofosbuvir ist über ein beschleunigtes Zulassungsverfahren seit Januar 2014 in Deutschland zulässig, seit Mai der ganz neue Wirkstoff Simeprevir, und gegen Ende des Jahres kommen vermutlich noch weitere hinzu. Je nach Variante (Genotyp) des Virus stehen dann verschiedene Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung.

Möglicherweise wird es jetzt möglich sein, das Virus endlich zu besiegen…


 

Quellen: J.U., Wikipedia, Deutsche Leberhilfe e.V., Youtube

Kommentare (14)

  1. #1 DrWeisenheimer
    28. September 2014

    Danke für’s Veröffentlichen! Schade, dass die Links nicht anklickbar sind.

    Wer noch mehr von mir lesen möchte, zu ganz anderen Themen: http://feisar.de/blog/

  2. #2 Florian Freistetter
    28. September 2014

    @DrWeisenheimer: “Schade, dass die Links nicht anklickbar sind.”

    Ich habe extra am Anfang dazu gesagt, dass ich nicht ALLE fehlerhaften Formatierungen konvertieren kann. Deswegen habe ich den Ausschreibungsrichtlinien ja auch extra dazu gesagt, dass man html-Befehle verwenden kann (um zB Links einzufügen).

  3. #3 DrWeisenheimer
    28. September 2014

    Ah okay, kein Problem. Das habe ich wohl überlesen.

  4. #4 Susanne Rohrer
    Schweiz
    28. September 2014

    Das Wichtige an Sofosbuvir ist doch die 90% Heilungsrate. Also nicht 90% Virusreduktion, das bringt ja nicht gerade viel. Sondern 90% SVR.

    ausserdem: das NS5B-Protein oder das Protein das NS5B; aber nicht das NS5B Protein.

  5. #5 DrWeisenheimer
    28. September 2014

    @Susanne Rohrer: Danke für die Hinweise! Das mit den 90% ist wohl durcheinander gegangen.

  6. #6 Dampier
    28. September 2014

    Hm … das war sehr kurz jetzt. Aber immerhin eine gute Nachricht, danke dafür : )

    grz
    Dampier

  7. #7 DrWeisenheimer
    28. September 2014

    @Dampier: Kurz – das stimmt. Habe das geschrieben weil ich mich geärgert habe, dass die Massenmedien das nicht verbreiten; stattdessen sieht man nur, wo auf der Welt eine Bombe explodiert…

  8. #8 Mithrandir
    28. September 2014

    Ich bin/war selbst betroffener. Habe mehrere Therapien hinter mir. Seit 20 Jahren. Infektion fand vor fast 40 Jahren statt (Bluttransfusion, man kannte das Virus noch nicht). Habe auch bei diversen Studien mitgemacht (u. a. bei den ersten mit Interferon und Ribavirin).
    Letztendlich hat mir letztes Jahr eine 48 Wochen Therapie mit Interferon, Ribavirin und Telaprevir geholfen. Musste leider den schmerzhaften, nebenwirkungsbehafteten Weg gehen, kurz bevor die o. a. Mittel auf den Markt kamen. Zu dem o. a. Text muss ich sagen. Wirklich sehr kurz.
    Am meisten stört mich der Satz: “Nach 15 bis 30 Jahren ist die Leber so geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen kann (Leberzirrhose), oder es entsteht Leberkrebs.”
    Das ist mir zu allgemein. So viel ich weiß ist man noch gar nicht sicher, bei wie vielen Infizierten es zu einer Zirrhose oder Krebs kommt. manche reden von etwa 60%.
    Der Verlauf hängt sehr stark vom Genotyp und von der Stärke der Infektion ab.
    Bei mir waren die Leberwerte fast durchgängig im Normbereich.
    Mein Doc hat mir auch erzählt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs geringer wird, je länger der chronische Verlauf unauffällig ist.
    Ich finde es wirklich gut, dass du das Thema nach vorne holst, aber insbesondere in einem Wissenschaftsblog hätte ich etwas mehr Info und Differenziertheit erwartet.

  9. #9 DrWeisenheimer
    28. September 2014

    @Mithrandir: Danke für Deine Kritik! Ich hoffe, Du hast alles gut überstanden und die Krankheit besiegt…?

    Ich habe die Quelle für die Aussage der “15 bis 30 Jahre” nicht mehr gefunden, weiss also nicht, woher ich das habe. Gelobe Besserung für die Zukunft!

  10. #10 Mithrandir
    28. September 2014

    Mir geht es gut. Danke der Nachfrage. Das tückische an HCV ist, dass man es eben kaum bemerkt.
    Ich hatte nie Symptome. Festgestellt wurde das ganze nach einer Blutspende. Damals erregten auch nur die hohen Leberwerte Aufmerksamkeit. Das Virus selbst bzw. die Antikörper konnte man erst einige Zeit später nachweisen. Aber man wusste schon, dass es das Virus gab.
    Die größten Beeinträchtigungen hatte ich durch die Nebenwirkungen der Therapien. wobei ich auch hier wohl noch gut davongekommen bin.
    Auch wenn ich nicht mehr davon profitiert habe, gönne ich jedem Erkrankten die neuen unkomplizierteren Medikamente.
    Jetzt aber noch mal was zum Verlauf der Krankheit. Da meine Aussage auch nur eine Info am Rande vom behandelnden Arzt war, habe ich noch mal tiefer nachgeforscht.
    Hier: http://www.hepatitis-c.de/begleit/symptome steht:
    “Wenn diese „Zerstörung“ jedoch größer ist, als das Nachbilden gesunder Leberzellen kann es zu so genannten Vernarbungen des Lebergewebes kommen. Die Leber lagert, durch die anhaltende verstärkte Aktivität des Immunsystems, anstatt gesunder, neu gebildeter Leberzellen Bindegewebe in die zerstörten Zellplätze an. Bindegewebe ist jedoch nicht mit der Elastizität ausgestattet wie es die Leberzellen sind, so dass neue „Verletzungen“ in der Leber entstehen und Narben (Verhärtungen) gebildet werden.
    Nicht jeder Patient entwickelt im Laufe der Zeit eine starke Leberfibrose oder gar eine Leberzirrhose. Etwa 30% der Betroffenen entwickeln in 10 – 15 Jahren nach der Infektion eine ausgeprägt Leberfibrose, von denen ca. 10 – 15%, nach 15 – 30 Jahren der Infektion, auch eine Leberzirrhose entwickeln. Hierbei wurde festgestellt, dass Patienten mit dauerhaft normalen Leberenzymwerten seltener eine Leberzirrhose bilden.
    Es gibt keine Faktoren, welche im Voraus bestimmen könnten, ob ein Patient eine Fibrose oder gar eine Zirrhose entwickelt. Ca. 5% der Betroffenen mit Leberzirrhose haben auch ein erhöhtes Risiko an einem Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) zu erkranken.”

    Ich will die Sache nicht verharmlosen. Schlimm genug, dass viele gar nicht wissen, dass sie an HVC leiden, aber man sollte auch keine Panik verbreiten.
    Davon gibt es eh genug.

  11. #11 Marcus Anhäuser
    29. September 2014

    @DrWeisenheimer:
    Du schreibst: “Habe das geschrieben weil ich mich geärgert habe, dass die Massenmedien das nicht verbreiten.”

    Ich weiß nicht, welche Massenmedien du liest, schaust, hörst, aber über Sofusbivir wurde sogar recht ausgiebig berichtet:
    http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/neues-medikament-soll-hepatitis-c-heilen-13066413.html
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/sofosbuvir-g-ba-bescheinigt-hepatitis-c-medikament-zusatznutzen-a-981558.html
    http://www.tagesschau.de/inland/hepatitis-100.html
    http://www.deutschlandfunk.de/virus-neue-hepatitis-c-medikamente-gut-aber-teuer.709.de.html?dram:article_id=293030

  12. #12 Florian S.
    30. September 2014

    Ein interessanter aber auch arg kurzer Beitrag.

    Auf jeden Fall erwähnenswert hätte ich noch den Preis gefunden:
    60.000€ für eine 12-wöchige Tabletten-Therapie, wohingegen eine 12-Wochen-Ration Tabletten in der Produktion um die 100 € kosten soll. Klar, kommen dazu noch Entwicklung und weitere Kostenfaktoren hinzu, aber der gewählte Preis scheint dann doch weit über kostendeckend zu stehen.
    Schade um die Erkrankten. Heilung ist möglich, aber nur für Wenige bezahlbar…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sofosbuvir#Kosten
    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56929/Hepatitis-C-Teure-Heilung-in-Sicht

  13. #13 Mithrandir
    1. Oktober 2014

    @Florian
    Grundsätzlich stimme ich dir zu. Aber wenn ich bedenke, dass ich etwa 5 Therapien benötigt habe, von der jede zwischen 20 und 30 kEUR gekostet hat (gemäß Preisschild auf den Medikamenten), sieht man das in einem anderen Licht.
    Die Erstentwickler versuchen halt ihre Kosten und einen Gewinn einzufahren, bevor es andere Anbieter gibt und der Preiskampf beginnt.

  14. #14 Andreas Bemeleit
    Wentorf bei Hamburg
    1. Oktober 2014

    Ich bin seit über 30 Jahren mit Hepatitis-C und HIV infiziert. Beides auf Grund des Blut-AIDS-Skandals Anfang der 1980er Jahre. Die letzten Jahre habe ich mit Freude beibachtet, wie neue wirksame und verträgliche Medikamente am Horizont auftauchen. Da ich mit zwei Genotypen HCV infiziert bin macht das die Auswahl passender Medikamente schwierig. Mit der Kombination aus Sofosbuvir(Sovaldi) und Daclastavir hätte ich eine Chance auf Heilung von über 90%. Warum ich mich jetzt dennoch nicht freuen kann, habe ich in einem Artikel auf dem Netzwerk Robin Blood beschrieben. Den Artikel findet ihr hier:
    http://robinblood.org/?p=721