Aber ich bin sicher, dass GAIA im Laufe ihrer Mission auch dieses Rätsel lösen wird. Es wäre auch besser, denn wenn in Zukunft andere große Teleskope wie der Hubble-Nachfolger, das James-Webb-Space-Telescope ebenfalls ihre Position bei L2 einnehmen, dann könnten die Mikrometeoroide dort deren speziellen Spiegel beschädigen…

Auf jeden Fall ist GAIA auf einem guten Weg. Bis die ersten Daten des neuen, hochpräzisen Sternkatalogs veröffentlicht werden, wird es wohl noch ein wenig dauern. Aber auch jetzt hat das Teleskop schon höchst interessante Phänomene entdeckt. Zum Beispiel ein Gravitationsmikrolinsenereignis. So etwas passiert, wenn ein Stern von uns aus gesehen vor einem anderen Stern vorüber zieht. Dessen Masse verzerrt den Raum, der die Lichtstrahlen dann so wie eine optische Linse aus Glas umlenken und verstärken kann. Der Stern leuchtet während des Vorbeigangs der “Linse” ein wenig heller als erwartet und solche Beobachtungen sind wichtig, wenn man zum Beispiel auf der Suche nach extrasolaren Planeten ist.

Von GAIA gemessene Helligkeitsänderung eines Sterns; verursacht durch ein Mikrolinsenereignis (Bild: ESA/Gaia/DPAC/Dafydd Wyn Evans and Marco Riello)

Von GAIA gemessene Helligkeitsänderung eines Sterns; verursacht durch ein Mikrolinsenereignis (Bild: ESA/Gaia/DPAC/Dafydd Wyn Evans and Marco Riello)

GAIAs Mission ist auf den ersten Blick nicht so spektakulär wie die Landung von Philae auf dem Kometen, die ersten Bilder des Zwergplaneten Pluto oder eine Landung auf dem Mars. Aber GAIAs Aufgabe ist mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger. Denn die Sternkarten sind die Grundlage jeder weiteren Forschung. Ohne zu wissen, wie weit die anderen Himmelskörper entfernt sind und wie unsere eigene Position im Universum ist, können wir so gut wie nichts über den Rest des Universums wissen. Auch wenn GAIA also nur “langweilige” Zahlen produzieren wird und keine spektakulären Bilder liefert: Es lohnt sich, die Mission weiter zu verfolgen. Ich werde das auf jeden Fall tun und hier im Blog immer wieder mal berichten! (Und wenn ihr euch selbst auf dem Laufenden halten wollt, dann findet ihr hier die neuesten GAIA-Nachrichten).

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Kommentare (17)

  1. #1 Oliver Debus
    21. Januar 2015

    Mit Kometen kann dieser Staub nichts zu tun haben?

  2. #2 krypto
    21. Januar 2015

    Jein:
    Das dürfte sowohl Staub aus der Entstehung des Sonnensystems als auch Staub aus Kollisionen und von Kometen sein.

  3. #3 Florian Freistetter
    21. Januar 2015

    @Oliver: Doch, sicher kann das auch Kometenstaub sein. Kometen sind aber nur eine von vielen Staubquellen im Sonnensystem.

  4. #4 Alderamin
    21. Januar 2015

    @Florian

    Aber ich bin sicher, dass GAIA im Laufe ihrer Mission auch dieses Rätsel lösen wird.

    Denke ich auch. Man erinnere sich, dass Hipparcos wegen eines Fehlers der Raketen-Oberstufe nie die geplante Kreisbahn erreichte, sondern auf einer elliptischen Bahn hängen blieb, deren erdnächsten Punkt man nur mit den Steuerdüsen etwas anheben konnte. Dadurch befürchtete man zunächst, dass die Daten nicht die notwendige Präzision haben würden, aber man hat das in der Auswertung irgendwie kompensieren können.

    Ich erinnere mich noch daran, als Rainer Kresken (vielleicht kennt ihn jemand, bei der jüngsten Rosetta-Berichterstattung tauchte er öfters auf, insbesondere auch auf Twitter), der bei uns in Aachen im Astronomie-Verein war und mich auch in diesen hineingeworben hatte, die Uni Richtung ESOC in Darmstadt verließ, dass einer der letzten Sätze, die ich von ihm hörte, war: “So, jetzt gehe ich nach Darmstadt, Hipparcos retten.” 🙂

  5. #5 Stefan K.
    21. Januar 2015

    Ich bin bei solchen Artikeln jedesmal fasziniert, wozu die Menschheit trotz aller Querelen um Macht, Geld, Religion, etc. im Stande ist.
    Was wohl alles möglich wäre, wenn diese Querelen aufgegeben werden würden und die gesamte Menschheit gemeinsam an einem Ziel arbeiten würde?

  6. #6 Franz
    21. Januar 2015

    Jaja, GAIA, das waren noch Zeiten 🙂
    Frage: Wie kommt es, dass die Sonde ‘getroffen’ wird. Wenn sie ‘still’ steht im L2 punkt, dann müsste doch auch der sich angesammelte Staub ‘still’ stehen. Oder ist der nur auf der Durchreise ? Dann fragt man sich wieder warum er dort so gehäuft auftritt ?

  7. #7 Alderamin
    21. Januar 2015

    @Franz

    Die Sonde steht nicht still im L2, sondern umkreist ihn auf einem “Lissajous-Orbit“. Wenn ich nicht alles falsch verstanden habe, ist der L2 auch keine Potential”delle” wie L3 und L4, sondern wie L1 und L5 eine “Beule” (d.h. man rutscht da bei der kleinsten Störung wieder heraus). Man kann da also nicht an einem Ort still stehen.

    Ganz abgesehen davon bewegt sich etwa der Staub von Kometen auf deren Bahn, mit einer nicht unerheblichen Geschwindigkeit relativ zur Erdbahn.

  8. #8 Frantischek
    21. Januar 2015

    L2 steht ja selber nicht still sondern folgt der Erde um die Sonne.

  9. #9 Frantischek
    21. Januar 2015

    Tschuldi für den Doppelpost, aber jetzt hab ich vergessen meine Frage zu stellen.

    Knapp 100 Tonnen von dem Zeug fallen jeden Tag auf die Erde

    Das 100 Tonnen im Vergleich zur Erdmasse nicht viel sind ist mir klar. Trotzdem: Kann man sagen das die Erde dadurch im Lauf der Jahrmillionen noch an Masse zunimmt?
    Oder gibts auch noch Effekte durch die sie Masse los wird?

  10. #10 Florian Freistetter
    21. Januar 2015

    @Frantischek: “Kann man sagen das die Erde dadurch im Lauf der Jahrmillionen noch an Masse zunimmt?
    Oder gibts auch noch Effekte durch die sie Masse los wird?”

    Also der Staub aus dem All macht im großen und ganzen so wenig aus… Und natürlich verliert die Erde auch Masse; zB Atmosphäre an den äußeren Schichten. Oder so: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/12/16/hat-die-erde-ihr-leben-ins-all-exportiert/

  11. #11 Frantischek
    21. Januar 2015

    Ich komm im Kopf auf ca. 36 Milliarden Tonnen in einer Million Jahren. Ist das immer noch vernachlässigbar?

    Wird die Erde jetzt auf lange Zeit gesehen schwerer oder leichter?

  12. #12 Florian Freistetter
    21. Januar 2015

    @Frantischek: “Ist das immer noch vernachlässigbar?”

    Ja, völlig. Die Erde wiegt 6e24 Kilogramm. Die paar Milliarden Tonnen spielen da keine Rolle.

  13. #13 AmbiValent
    21. Januar 2015

    @Alderamin
    L3 <-> L5

  14. #14 Alderamin
    21. Januar 2015

    @Ambivalent

    Stimmt.

  15. #15 Oliver Debus
    21. Januar 2015

    @ Alderamin,
    der Rainer Kresken kenn ich. Den sehe ich öfters im ESOC und jetzt ist er der Chef der Starkenburgsternwarte in Heppenheim.

  16. #16 Franz
    22. Januar 2015

    @Alderamin
    (d.h. man rutscht da bei der kleinsten Störung wieder heraus). Man kann da also nicht an einem Ort still stehen
    Aber warum verdichtet sich der Staub dann dort ? Nach diesem Argument müsste dort dann doch eher wenig Staub sein ?

  17. #17 Florian Freistetter
    22. Januar 2015

    @Franz: “Aber warum verdichtet sich der Staub dann dort ? “

    Die Wolken die ich erwähnt habe, sind ja auch bei L4 und L5. Bei L2 ist die Sache ein wenig komplizierter und das lässt sich dynamisch nicht so einfach erklären. Man weiß ja auch nicht, ob da wirklich eine “Verdichtung” ist oder nicht. Das wird man auch noch herausfinden müssen.