Die Landung der Raumsonde Philae auf der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko (“Tschuri”) im letzten Jahr war mit Sicherheit eine der Höhepunkte der Rosetta-Mission. Aber auch wenn Philae derzeit ein kleines Schläfchen eingelegt hat (und hoffentlich bald wieder aufwacht) geht die Forschung trotzdem weiter. Rosetta selbst ist immer noch aktiv und munter und umkreist ihren Kometen. Erst kürzlich wurden jede Menge neue Forschungsergebnisse und tolle Bilder veröffentlicht. Und die Bilder werden bald noch viel besser werden! Denn nächste Woche wird sich Rosetta dem Komet so weit annähern wie nie zuvor!

Momentan ist die Raumsonde noch vergleichsweise weite 142 Kilometer vom Kometen entfernt. Aber schon bald wird sie ihre Bahn ändern und sich quasi im Sturzflug auf Tschuri zubewegen. Pünktlich zum Valentinstag am 14. Februar kommt es zum ultimativen Rendezvous und Rosetta wird nur noch 6 Kilometer weit weg sein! Die Bahn ist so gewählt, dass die Sonde die Sonne dabei im Rücken und somit einen schattenfreien Blick auf die Oberfläche hat. Man wird auch darauf achten, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass sich Rosetta genau so schnell bewegt wie der Komet um seine Achse rotiert, damit die Strukturen dort in Ruhe beobachtet werden können. Dieses Video zeigt, wie die Manöver in den nächsten Tagen ablaufen werden:

Vor allem ist man natürlich daran interessiert, die Regionen zu untersuchen, aus denen Gas und Staub ins All hinaus dringen, um dort schlussendlich den Schweif des Kometen zu bilden. Deswegen muss man den extrem nahen Vorbeiflug auch jetzt schon absolvieren. Der Komet – und mit ihm die Raumsonde – kommt der Sonne immer näher und wird immer aktiver. Bald wird zu viel Staub in seiner Nähe sein, um ihm gefahrlos so nahe kommen zu können wie am 14. Februar.

Ein beeindruckendes Bild vom Kometen. Aber sie werden noch besser werden! Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Ein beeindruckendes Bild vom Kometen. Aber sie werden noch besser werden! Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Dann wird man die Oberfläche des Kometen in einer extrem hohen Detailgenauigkeit sehen können. Strukturen die nur wenige Zentimeter groß sind, werden von den Kameras der Sonde abgebildet werden. Rosetta soll noch mindestens bis Ende des Jahres aktiv und beim Kometen bleiben. Und wenn alles gut geht, wird die Mission vielleicht auch noch für 2016 verlängert. Wir haben noch längst nicht alles gesehen, was man bei einem Kometen sehen kann! Es bleibt weiterhin spannend.

Kommentare (26)

  1. #1 Tina_HH
    7. Februar 2015

    Tolle Sache! Ich freue mich schon auf die neuen Fotos vom Kometen. Kann man eigentlich damit rechnen, dass diese dann auch recht schnell veröffentlicht werden?

    Ich finde es ja nach wie vor enorm beeindruckend, dass dies alles technisch möglich ist. Dass wir heutzutage so fantastische Bilder aus der Nähe von Himmelskörpern bekommen, ist ja schliesslich keine Selbstverständlichkeit.
    Frühere Generationen hätten dies alles sicher auch sehr gerne gesehen – zumindest jene Menschen, die sich für sowas interessieren.

    Auf die ersten richtig guten Fotos von Pluto, die ja auch demnächst zu erwarten sind, freue ich mich jedenfalls auch schon und auf die Aufnahmen von Ceres aus der Nähe sowieso. Nur blöd, dass diese Missionen wegen der enormen Entfernungen, die die Sonden zurücklegen müssen, immer so lange dauern und man deshalb so lange warten muss, bis man die Ergebnisse sieht. Ach, diese Ungeduld…

  2. #2 meregalli
    7. Februar 2015

    Apropos Frühere Generationen:
    Immerhin konnte man vor fast 200 Jahren einige Bahnen von Kometen recht gut vorausberechnen!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kometenlied

  3. #3 rolak
    7. Februar 2015

    Die Streckenführung ist wohl aus Tron übernommen worden…

  4. #4 Alderamin
    7. Februar 2015

    @Tina_HH

    Daniel Fischer berichtete kürzlich, dass im Mai ein großer Teil der Bilder seit August veröffentlicht werden sollen. Ob die aktuellen dann schon dabei sind, wage ich zu bezweifeln.

    Wenn man das so liest:
    https://twitter.com/elakdawalla/status/562731278743896065
    https://twitter.com/elakdawalla/status/562732155261165568

    Alles streng geheim…! m-(

  5. #5 Tina_HH
    7. Februar 2015

    Alles streng geheim…! m-(

    Hm, es gibt doch aber sowas wie ein öffentliches Interesse an den Ergebnissen…
    Mein Interesse ist jedenfalls groß!

  6. #6 Alderamin
    7. Februar 2015

    Apropos Daniel Fischer & Rosetta: Hab gestern erst meine ersten beiden Folgen der “Sternstunde” gesehen, die Daniel mitproduziert. Finde ich sehr gut gelungen, ein bisschen im Stil von “The Sky at Night”. Gehörte eigentlich ins Fernsehen. In der Januarausgabe gab’s ein Interview mit einem Philae-Teammitglied:

    https://www.youtube.com/watch?v=c83I8VxyaQs&feature=player_detailpage

    Ich hoffe, Florian duldet diese Konkurrenz mit Wohlwollen. 😉

  7. #7 Alderamin
    7. Februar 2015

    @Tina_HH

    es gibt doch aber sowas wie ein öffentliches Interesse an den Ergebnissen

    Die müssen wohl hinter den Wirtschaftsinteressen des Verlags zurückstehen (Florian hat das ja auch schon oft kritisiert). Online kaufen kann man die Artikel ja wohl, aber dass sie im gedruckten Heft nur als Abstract enthalten sind (als Coverstory!) ist so was von absurd.

    Das hat natürlich nichts mit der Veröffentlichungstaktik des Osiris-Teams zu tun, passte aber gerade. Diese Mission ist veröffentlichungstechnisch reichlich merkwürdig. SIe wurde ja schon mit der Mondlandung der Amerikaner verglichen. Man stelle sich die mit den gleichen Veröffentlichungsrichtlinien vor 😆

  8. #8 Frantischek
    7. Februar 2015

    Wenn die jetzt 6km nah ranfliegen. Ist die Bahn dann auch geeignet den vermuteten endgültigen Landeplatz von Philae zu fotografieren. Mit einer Auflösung von ein paar Zentimetern und der Sonne im Rücken müsste man den doch recht leicht finden…

  9. #9 Tina_HH
    7. Februar 2015

    @Alderamin

    Diese Mission ist veröffentlichungstechnisch reichlich merkwürdig.

    Schade eigentlich.
    Dafür gibts für Ceres schon ganz vielversprechende Bilder:

    http://www.jpl.nasa.gov/spaceimages/details.php?id=pia19174

    “This animation showcases a series of images NASA’s Dawn spacecraft took on approach to Ceres on Feb. 4, 2015 at a distance of about 90,000 miles (145,000 kilometers) from the dwarf planet. These latest pictures of Ceres are the sharpest to date, at a resolution of 8.5 miles (14 kilometers) per pixel.”

    Dauert ja auch gar nicht mehr so lange, bis Dawn da ist 🙂

  10. #10 Florian Freistetter
    7. Februar 2015

    @Frantischek: Naja, Hauptziel des Vorbeiflugs ist es, mehr über den Kometen zu lernen und nicht die Suche nach Philae. Wenn man zufällig in der entsprechenden Gegend vorbei kommt, dann vielleicht. Aber so viel Zeit hat man ja auch nicht und ich denke, da wird man nix sehen.

  11. #12 Michael J. Hußmann
    8. Februar 2015

    Natürlich würde wir es alle gerne wissen, aber was konkret hätte man in der aktuellen Situation davon, wenn man den Aufenthaltsort von Philae präziser kennen würde? Warum sollte das jetzt gegenüber anderen Zielen eine besondere Priorität haben?

  12. #13 Hans
    8. Februar 2015

    Hm…. Da steht im Rosetta-Blog der ESA, was von einer Science special edition. Dazu würde ich doch vermuten, dass es sich um ein Sonderheft handelt, in dem nur Artikel zu finden sind, die sich mit den bisherigen Ergebnissen der Rosettamission beschäftigen. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich von Verar…g des Publikums bzw. der Leser ausgehen.

    Was die Bilder angeht: Das Copyright der Selben hat doch das MPI und nicht die ESA. Und das MPI besteht auf sein Vorzugsrecht, d.h. die Bilder für die ersten 6 Montae allein benutzen und auswerten zu dürfen. Also werden die wohl auf den Tag genau darauf gucken, dass das Aufnahmedatum der publizierten Bilder mindestens 180 Tage zurück liegt. – Kann ich übrigens in Anbetracht des “Paperwahns” in der Wissenschaft sogar nachvollziehen.

  13. #14 Krypto
    8. Februar 2015

    @Michael#12:
    Genau: Die ESA hat gesagt, dass es kein Extra-Philae-Suchprogramm geben wird.
    Statt dessen plant man, möglichst viel im Rahmen des geplanten Betriebs zu suchen.
    Der einzige Benefit wäre ja nur, eventuelle Wake-Up-Signale zu empfangen und das hat ja noch ein paar Monate Zeit.

  14. #15 Florian Freistetter
    8. Februar 2015

    @Hans: “Dazu würde ich doch vermuten, dass es sich um ein Sonderheft handelt, in dem nur Artikel zu finden sind, die sich mit den bisherigen Ergebnissen der Rosettamission beschäftigen.”/i>

    Ja, das Heft gibt es, ist frei verfügbar und ich hab es kürzlich mal in einem anderen Artikel verlinkt: http://www.sciencemag.org/site/special/rosetta/

  15. #16 Zyfdnug
    8. Februar 2015

    Über den Link lande sehe ich das Inhaltsverzeichnis, und darf dann subscriben. Frei verfügbar also für zahlende Kunden.

    Für mich ist das “relativ frei” – womit ich kein Problem habe, ausser dem grundsätzlichen Problem dass öffentlich finazierte Forschung nach meiner Meinung nicht dafür gedacht sein sollte, Verlagen ein bedingungsfreies Grundeinkommen zu sichern. Bis sich das aber ändert werden wohl noch viele Forschungsergebnisse hinter Paywalls versteckt.

  16. #17 Florian Freistetter
    8. Februar 2015

    @Zyfdnug: “Über den Link lande sehe ich das Inhaltsverzeichnis, und darf dann subscriben.”

    Hmm? Ich dachte eigentlich, das wäre ein Special Open Source Issue gewesen? VIelleicht war das nur zeitlich begrenzt?
    Das ist natürlich blöd. Dann werde ich über diese Ergebnisse wohl auch nicht bloggen (da ich ja schon seit 2013 nur noch über frei verfügbare Forschung schreibe: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/03/11/wie-man-als-blogger-an-informationen-uber-wissenschaftliche-forschung-kommt-und-wie-man-daran-gehindert-wird/)

    Aber zumindest hier gibt es viele Blogartikel vom Rosetta-Team über die neuen Ergebnisse: http://blogs.esa.int/rosetta/2015/01/22/getting-to-know-rosettas-comet-science-special-edition/

  17. #18 dgbrt
    8. Februar 2015

    @FF
    Ich dachte, du würdest die “Sturzflug” Geschichten in deine “Schlagzeilen” Kolumne aufnehmen. Diesen “Sturzflug” gab es vor vier Tagen schon breit in den Medien – mit viel Kritik zu dieser Übertreibung.

    Gestern hatte ich noch ‘ne Seite bei der ESA, bei der erklärt wurde, dass das Perihel (also die größte Annäherung an die Sonne – Erde: 150 Mio. Km) bei ca. 184 Mio. Km ist und im August diesen Jahres durchlaufen wird.

    We do need ESAWATCH like http://nasawatch.com/ does.
    What do you think?

  18. #19 Zyfdnug
    8. Februar 2015

    @Florian #17: Jetzt zitiert du auch noch meinen Schreibfehler… das kommt davon wenn ich mit Erkältung kommentiere.

    Das Rosetta-Blog der ESA ist übrigens in meinem Webbrowser meistens im Tab neben deinem Blog offen 😉

    Eigentlich hoffe ich ja noch, dass irgendwer mir (uns?) verrät, dass hinter der Durchklick-Orgie die Möglichkeit zum kostenfreien Account für freie Artikel zu finden ist. Kann ja noch kommen…

  19. #20 Florian Freistetter
    8. Februar 2015

    @dgbrt: In diesem Fall finde ich den “Sturzflug” eigentlich gar nicht schlimm sondern im Rahmen des Möglichen sogar sehr anschaulich. Innerhalb kurzer Zeit kommt Rosetta dem Komet extrem nahe, nachdem sie zuvor vergleichsweise weit (~140 km) war. Das ist so ziemlich genau das, was man sich unter “Sturzflug” vorstellt. Insofern hab ich mit dem Wort kein Problem.

  20. #21 dgbrt
    8. Februar 2015

    @FF
    Ich mag diese Seite, aber der “Sturzflug” erinnert mich immer noch an STUKA, aber vielleicht gehöre ich nur zu der aussterbenden Generation, die den Zweiten Weltkrieg zumindest noch in der zweiten Generation erlebt haben.

    TROTZDEM: Die Medien haben den “Sturzflug” schon vor Tagen präsentiert…

    Wo 67P/Tschurjumow-Gerasimenko gerade ist, ist eine wesentlich wichtigere Information. Irgendwo hinterm Mars. Und wenn der im August der Sonne besonders nahe kommt wird das nicht wirklich beeindruckend sein. 185 Mio. km ist irgendwo zwischen Mars und Erde…

  21. #22 Alderamin
    8. Februar 2015

    @dgbrt

    Hier, was zum Spielen. Vorsicht, hohe Datenmenge. Am Regler unten das Datum einstellen. Oben links Entfernung zur Sonne ablesen.

  22. #23 dgbrt
    8. Februar 2015

    @Alderamin
    Ein Spiel, kenne ich natürlich. Wo bleibt die Wissenschaft???

    Aber ich versuche mal kurz zusammenzufassen was wir bis jetzt wissen:
    * Kometen sind SCHWARZ, die reflektieren so wenig Licht, dass man da vorbei fliegen kann… war da was???
    * Kometen sind sicher keine schmutzigen Eisbälle, aber sie enthalten eine Menge Wasser, dass nicht zu dem auf unserer Erde passt.
    * Rosetta bringt uns neue Einzelheiten, wenn die ESA es frei gibt.
    * ROGER… Beeep.

    Ich hoffe, und erwarte, dass die NASA bei Dawn and New Horizons uns nicht vertrösten wird; die müssen das veröffentlichen. TAX PAYER, Steuerzahler….

  23. #24 Hans
    9. Februar 2015

    Florian Freistetter, #15

    @Hans: “ein Sonderheft handelt, in dem nur Artikel zu finden sind, die sich mit den bisherigen Ergebnissen der Rosettamission beschäftigen.”

    Ja, das Heft gibt es, ist frei verfügbar und ich hab es kürzlich mal in einem anderen Artikel verlinkt: http://www.sciencemag.org/site/special/rosetta/

    Ich hab da jetzt gerade (2:08 Uhr) ‘n HTTP-Error 503 bekommen, der besagt: “Service Unavailable”.
    Werde die Tage mal zur Uni-Bibliothek in meiner Nähe gehen und gucken, ob das Heft da nicht auch in gedruckter Form vorrätig ist.

    ————–
    dgbrt, #23

    * Rosetta bringt uns neue Einzelheiten, wenn die ESA es frei gibt.

    Nope! – Die Nutzungsrechte der Messergebnisse liegen NICHT bei der ESA, sondern bei den Instituten, die die einzelnen Instrumente gebaut haben und sie nun betreiben. Und diese Institute haben sich ein ausschliessliches Verfügungsrecht an den Daten für die ersten 6 Monate in den Verträgen gesichert. Das heisst, es liegt einzig in der Hand dieser Institute, ob sie Daten vor Ablauf dieser “Sperrfrist” frei geben oder nicht. Da hat die ESA überhaupt nichts dabei zu melden. Das ist in den Verträgen so festgelegt und war auch mal politisch so gewollt. Genauer findet man das im Blog von Michael Khan erklärt, seines Zeichens Missionsanalytiker bei der ESA in Darmstadt. Der hat den Beitrag vor einigen Monaten, als diese Diskussion in den Medien schon mal hoch kochte, geschrieben. Hab jetzt aber keine Lust, den genauen Link heraus zu suchen.

  24. #25 Florian Freistetter
    9. Februar 2015

    @dgrbt: ja, die Nachricht stand anderswo schon früher. Und? Mein Blog hier ist keine News-Seite. Das kann es nicht sein und das ist nicht mein Anspruch. Es geht mir hier nicht darum, irgendwelche Geschichten als erster zu präsentieren. Ich schreib hier alles rein, was ich interessant finde. Und da ich das hier alles alleine mache und auch noch jede Menge anderes Zeug um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann ich eben nicht immer jede Nachricht immer sofort veröffentlichen. Will ich aber auch gar nicht…

    Zur sache mit den Daten: Ich hab früher mal nen langen Artikel geschrieben, warum es durchaus verständlich ist, dass die nicht sofort freigegeben werden (sitze aber gerade im Zug und finde den link nicht). Das ändert aber nichts daran, dass die Publikation trotzdem open source sein sollte!

  25. #26 Kyllyeti
    23. Februar 2015

    Swetlana Gerassimenko wird heute 70 Jahre alt!
    (Zur Feier des Tages könnte Rosetta doch noch schnell eine Ehrenrunde für sie einlegen…. 😉 )