Ich habe ja kürzlich schon von meinen Bemühungen gesprochen, ein bisschen mehr übers Podcasten zu lernen und mich vor allem mit der Beherrschung ein paar neuer Techniken und Gerätschaften vertraut zu machen. Dinge lernen sich aber eben nun mal nicht von selbst; man muss sie einfach so lange ausprobieren und daran arbeiten, bis es irgendwann klappt. Damit bin ich gerade beschäftigt und wenn es wohl auch noch ein bisschen dauern wird, bis alles optimal (oder zumindest zufriedenstellend) läuft, möchte ich euch an meinen Versuchen trotzdem teilhaben lassen.

Ja, die Audioqualität ist nicht so wie sein sollte und ich muss an meiner Interviewtechnik noch sehr viel arbeiten. Aber die von mir interviewten Personen haben trotz allem interessante Dinge zu sagen, die zu hören es sich lohnt. Zum Beispiel das, was mir Matthias Kittel im Dezember 2014 erzählt hat. Matthias hat mit mir gemeinsam an der Universität Wien Astronomie studiert, und so wie ich die akademische Laufbahn wieder verlassen. Heute ist er Lehrer für Physik und Mathematik. Aber er ist auch Basketball-Schiedsrichter und pfeift dabei nicht irgendwelche Hinterhof-Spiele, sondern die der österreichischen Bundesliga! Mit Basketball habe ich persönlich ja noch nie viel zu tun gehabt, aber es schien mir eine interessante Beschäftigung zu sein. Interessant genug auf jeden Fall, um ein kurzes Interview mit Matthias zu führen und mir erklären zu lassen, wie man denn Schiedsrichter werden könnte, wenn man es wollen würde und was man bei diesem Job so alles erlebt.

Viel Spaß damit! Auch dieses Interview gibt es vorerst nur als YouTube-Video; ich muss noch einiges mehr lernen, damit es sich lohnt, daraus einen echten Podcast mit eigener Seite und eigenem RSS-Feed zu machen.

Habe ich eigentlich zufällig irgendwelche Schiedsrichterinnen oder Schiedsrichter in der Leserschaft? Ich habe mich für organisierten Sport ja nie groß interessiert, aber die Schiedsrichterei finde ich trotzdem irgendwie faszinierend. Und offensichtlich gibt es genug Leute, die das ebenso sehen, denn gerade bei Massensportarten wie Fußball gibt es ja unzählige (Amateur)Ligen, die alle offizielle Schiedsrichter brauchen. Genau so wie bei all den anderen Sportarten, die wettkampfmäßig überall ausgetragen werden. Es würde mich interessieren, wer die Leute sind, die ihre Zeit (meistens kostenlos) zur Verfügung stellen und das “nur” um auf die Regeln zu achten und ohne selbst mitzumachen. Vielleicht wäre es ganz lustig, mal eine Interviewrunde mit Schiedsrichtern möglichst vieler verschiedener Sporarten zu machen?

Kommentare (23)

  1. #1 Nordlicht_70
    29. März 2015

    Ich bin ausgebildeter Schiedsrichter – und zwar im Schach. 🙂
    Da ich gerne selbst spiele, schiedse ich nur ganz selten bei Erwachsenen, weil ich ja Punktspiele etc. selbst mitmachen möchte. Dafür “pfeife” (eine Pfeife hat ein Schach-Schiri natürlich nicht) ich viel bei Jugendwettkämpfen (Landesmeisterschaften u. ä.), weil ich mit einigen Nachwuchsspielern sowieso vor Ort bin.
    Du hast auch genau ein Problem angesprochen. Es gibt leider nicht viele Leute, die sich ehrenamtlich für so etwas zur Verfügung stellen. Es werden mehr gebraucht, als vorhanden sind. Und gerade im Schach sollten die Schiris gut ausgebildet sein. Zwar haben sie für eine Entscheidung deutlich mehr Zeit, als in anderen Sportarten, allerdings ist quasi jede Entscheidung vergleichbar mit dem gegebenen oder nicht gegebenen Elfmeter in der 90. Minute.

  2. #2 Handball referee
    29. März 2015

    HI. Bin Handballschiedsrichter in Österreich. (Alle Ligen?)
    Ehrenamtlich ist es bei uns nicht aber reich wird man auch nicht.
    Insgesamt wenn man halbwegs normal pfeift wird man von den Spielern respektiert und in ruhe gelassen. Die Zuschauer schlagen manchmal über die strenge aber lang nicht so wie im fußball. Zeit geht viel drauf weil es nicht so viele Schiedsrichter gibt.
    LG GK

  3. #3 Florian Freistetter
    29. März 2015

    @NordlichT: “(eine Pfeife hat ein Schach-Schiri natürlich nicht)”

    Schade… das stelle ich mir lustig vor 😉

  4. #4 noch'n Flo
    Schoggiland
    29. März 2015

    @ Nordlicht_70:

    Ich bin ausgebildeter Schiedsrichter – und zwar im Schach.

    Nee, ernsthaft, Du auch?

    Jetzt wird mir das unheimlich – womöglich kennen wir uns sogar (wenn ich Deinen Nick jetzt richtig interpretiere – bin selber im “hohen Norden” aufgewachsen und Jg 72).

  5. #5 Florian Freistetter
    29. März 2015

    @Handball referee: ” Bin Handballschiedsrichter in Österreich. “

    Ha! Dann warst du sicher auch schon oft in meiner alten Heimatstadt Krems! Ich bin zwar kein Handball-Fan/Experte, aber soweit ich weiß gehört der Kremser Handball-Verein zu den besseren Klubs in Österreich.

  6. #6 Crazee
    29. März 2015

    Es gibt einen tollen Fußball-Schiedsrichter-Podcast:

    Collinas Erben: http://fokus-fussball.de/category/collinaserben/
    Da ist es zur Zeit ein wenig ruhig geworden und sie sind in Folge 67 immer noch nicht mit der Erlärung der 17 (!) Fußballregeln durch, weil es so viel Interessantes und so viele kritische, aktuelle Entscheidungen zu diskutieren gibt.

  7. #7 Statistiker
    29. März 2015

    Also, ich bin Handballschiedsrichter, seit ich 17 Jahre alt war.

    Inzwischen hab ich aufgehört, nach über 300 Spielen, weil mich an der ganzen Sache etliches ankotzt.

    Als Schiedsrichter sehe ich mich nämlich nicht, sondern mehr als Spielleiter. Sprich: Ein F-Jugend-Spiel habe ich anders zu pfeifen als ein Bezirksligaspiel der Männer. Und Frauenspiele sind anders zu pfeifen als Männerspiele.

    Nehmen wir die F-Jugend. Da spielen 5- bis 9-Jährige. Regelkenntnis kann man da bei 5-Jährigen kaum voraussetzen (Ein Schiedsrichter”kollege” sagte mal: “Wer auf den Handballplatz geht, hat Ahnung von den Regeln zu haben. Einen Jugendbonus gibt es bei mir nicht!” Naja, Ar***löcher gibt es überall….). Bei einem solchen Spiel ist es wichtig, die Spieler uns Spielerinnen erst einmal darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um ein SPIEL handelt, prich: natürlich haut man sich, das gehört dazu, aber es gehört auch dazu, dies nicht persönlich zu nehmen und sich auch zu entschuldigen, wenn man Mist gebaut hat. Dann nimmt man den Spieler an die Hand und fordert ihn auf, sich bei dem Mitspieler zu entschuldigen füe ein Foul, ohne gelbe oder rote Karten zu zücken…… und es funktioniert……

    Genauso im Seniorenbereich. Man muss nicht immer gleich die Karten zücken. Im Seniorenbereich ist es aber kein Problem, mal die Finger zu zeigen, “DU BIST RAUS”……..

    Interessant war aber, als ich einmal ein Spiel pfiff in der 1. Kreisklasse, Zweiter gegen den Ersten. Ich kam mit zwei gelben Karten und einer Zeitstrafe aus und alle waren absolut zufrieden. Die Verlierermannschaft hat sich bedankt und kam mit Sprüchen “Hätten wir so gespielt, wie du gepfiffen hast, hätten wir gewonnen” und “kann an dich abonnieren?”…..

    Und was muss man sich auf dem nächsten Schiedsrichterabend anhören: “Ein Spiel mit nur einer Zeitstrafe geht gar nicht, das ist schlecht gepfiffen!”

    Tja, daher hab ich aufgehört zu pfeifen…..Mein Neffe pfeift, mehrere Spieler, die ich im Jugendalter trainiert habe, pfeifen, und allen hab ich beigepult, zu leiten und nicht zu richten………

  8. #8 GiantPanda
    29. März 2015

    @Nordlicht, noch’n Flo:
    Dann sind wir schon drei! Von wegen Randsportart…

  9. #9 Nordlicht_70
    29. März 2015

    GiantPanda & noch’n Flo
    Guck mal an… 🙂
    @noch’n Flo
    Falls du in MeckPomm (ehemals Bezirk Rostock) großgeworden bist, ist das durchaus möglich. 🙂

  10. #10 Turi
    30. März 2015

    Das finde ich ja mal interessant. Welche Aufgaben hat den ein Schachschiedsrichter? Außer darauf zu achten, dass die Spieler keine Hilfe bekommen.

    Beim Esport gibt es keine eigentlichen Schiedsrichter (das übernimmt ja das Spiel selber). Es gibt nur das equivalent vom vierten Schiedsrichter, meistens Admin genannt. Die entscheiden in nur in sehr selten Fällen über Spielverläufe sondern beschränken sich darauf, auf die Einhaltung der Tunieregeln zu achten. Dabei geht es meistens um Benimmregeln und ab und zu um Cheaten.

  11. #11 Phero
    30. März 2015

    Schiedsrichter im Schach bin ich zwar nicht, aber in der Trainerausbildung bekommt man schon einiges mit – daher meine kurze Liste:
    Partien eröffnen (freigeben), bei mangelnder Bedenkzeit der Speler mitschreiben (bzw. das delegieren). Das sind so die Standardaufgaben. Außerdem natürlich Regelverstöße (stören am Brett, regelwidrige Züge…) ahnden und Streitigkeiten zwischen den Spielern zu entscheiden.

  12. #12 Christian Berger
    30. März 2015

    Suchst Du eigentlich “Opfer” für Dein Moderationstraining? 🙂

    Ich denke dieses Interview lief schon deutlich flüssiger ab.

  13. #13 noch'n Flo
    Schoggiland
    30. März 2015

    @ Nordlicht_70:

    Falls du in MeckPomm (ehemals Bezirk Rostock) großgeworden bist, ist das durchaus möglich.

    Nee, mehr so S-H. Aber hätte ja sein können.

    @ GiantPanda:

    Dann sind wir schon drei!

    Ich muss allerdings der Vollständigkeit halber sagen, dass ich seit meiner Übersiedlung in die Schweiz vor fast 7 Jahren nicht mehr aktiv bin – weder als Schiedsrichter im Speziellen, noch im Vereinsschach allgemein. Zuletzt habe ich das Hobby mal durch gelegentliche FS-Partien aufrecht erhalten. Aber ich hoffe immer noch, in absehbarer Zukunft wieder mehr Zeit dafür zu finden.

  14. #14 noch'n Flo
    Schoggiland
    30. März 2015

    @ Statistiker: #7

    Deine Einstellung finde ich klasse!

  15. #15 Florian Freistetter
    30. März 2015

    @Christian: “Suchst Du eigentlich “Opfer” für Dein Moderationstraining?”

    Nicht gezielt. Wenn sich irgendwo Zeit und Gelegenheit für ein interessantes Interview ergeben, dann mach ich eins.

  16. #16 Nordlicht_70
    30. März 2015

    Hallo Turi,

    im Prinzip haben Schiedsrichter im Schach zum Großteil administrative Aufgaben zu erledigen, Auslosung der Runden etc.. Während des Spieles ist eher wenig zu tun, wenn man mit vernünftigen Leuten spielt. In unteren Ligen ist es sogar üblich, dass auf den Schiedsrichter ganz verzichtet wird und dieses Amt beide Mannschaftsleiter gemeinschaftlich übernehmen.

    Ansonsten überwacht er, wie in anderen Sportarten auch, die Einhaltung der Regeln. Dazu gehört z. B. auch, dass ein guter Schiri ca. 2 mal pro Stunde die Bedenkzeiten aller Spieler notiert. Falls nämlich eine Uhr ausfällt, muss ja irgendwie eine praktikable Lösung her.
    Ansonsten ist der Schiri wenn – meist in Zeitnot gefragt. Die Spieler haben z. B. für 40 Züge 2 Stunden Zeit, die sie sich beliebig einteilen können. (Danach gibts dann wieder neue Zeit dazu.) Da beide Spieler versuchen, so weit wie möglich zu rechnen, kommt es nicht selten vor, dass ein Spieler nur wenige Minuten/Sekunden für die letzten Züge hat. Hier muss genau auf Regeleinhaltung geachtet werden, wie Berührt-Geführt-Regel, Ziehen nur mit einer Hand, Befolgung der Notationspflicht und natürlich das Einschreiten, falls die Zeit eines Spielers abgelaufen ist.
    Auch Reklamationen müssen bearbeitet werden. So kann ein Spieler bei dreimaliger Stellungswiederholung auf Remis reklamieren. Dies muss der Schiri nachvollziehen. Vorher muss er prüfen, ob der Antrag regelgerecht gestellt wurde, da dieser an Bedingungen geknüpft ist. (Einfachste Bedingung: Der Spieler muss am Zug sein und darf noch keine Figur berührt haben.)

    Dann gibt es eine Regelung, die es einem Spieler mit weinger als 2 Mintuen erlaubt (und es keine Zeit mehr dazu gibt, also das definitive Partieende), auf Remis zu reklamieren, wenn die Stellung so ist, dass der Gegner quasi nur noch durch einen groben Fehler gewinnen kann. Hier muss ein Schiri tatsächlich viel Fingerspitzengefühl – und vor allem Ahnung von der Materie haben.

    Oftmals sieht man die Schachschiris aber auch nur 4-5 Stunden lang Zeitung lesen. 🙂

  17. #17 GiantPanda
    30. März 2015

    Noch nicht erwähnt:
    Nach dem Spielende die Partieformulare einsammeln und darauf achten, daß auf beiden das gleiche Ergebnis steht (!) Bei Ligaspielen die Spielberichte ausfüllen und unterschreiben lassen; anschließend alles wegschicken.

    Dazu kommen ein paar Dinge, die nicht in den Regeln stehen:

    In der Praxis verbringt man (zumindest in den oberen Ligen ohne vernünftige Absperrung) gern auch Zeit damit, Zuschauer auf Abstand zu halten oder zur Ruhe aufzufordern (Handys bitte lautlos stellen – aber eins klingelt trotzdem immer).

    Außerdem gibt es hin und wieder Beschwerden zu den Spielbedingungen (zu eng, zu laut, zu dunkel, zu kalt, zu stickig). Falls keine Verbesserung möglich ist, entscheidet der SR, ob die Bedingungen zumutbar sind oder nicht.

    Fragen beantworten: “Wie ist eigentlich die Bedenkzeit” kommt jedes Mal, egal wie oft man das vor der Runde ansagt.

    Ein bißchen Regelkunde für Spieler und Zuschauer – das Thema “Wir hatten da letztens eine Diskussion; was passiert eigentlich, wenn…” kommt auch immer.

    Ansonsten einfach Präsenz beweisen und auf alles ein Auge haben. Oder doch Zeitung lesen.

  18. #18 McPomm
    30. März 2015

    Ich bin Badminton-Schiedsrichter und war im Schiedsrichterausschuss des Verbandes gewesen. Aber wegen Umzugs habe ich schon einige Jahre nicht mehr geschiedst.

    Bis auf die höheren Ligen (wo das vorgeschrieben ist) ist Schiedsen vor allem bei Jugendwettkämpfen wichtig. Wie hier einer bereits schrieb, lernen die Kinder dadurch Fair-Play (z.B. der Schläger gehört nicht auf den Boden geworfen oder der Gegner angeschrien). Und vor allem die Beeinflussung der Eltern von der Seite gehört geregelt (ohne Schiedsrichter würde es manchmal wohl zu Auseinandersetzungen zwischen den Eltern ausarten).

    Badminton-Schiedsen ist im Gegensatz zu Mannschaftssportarten wie Fußball relativ angenehm. Die Spieler sind ab Juniorenalter in der Regel “artig” und gehen den Schiedsrichter nicht an (diskutiert wird natürlich auch ab und zu, aber gesittet). Nicht zu vergessen, dass zur Not wiederholt werden kann, wenn z.B. die Sicht zum Ball durch Spieler verdeckt wurde.

  19. #19 turtle of doom
    30. März 2015

    Angehender Volleyball-Schiedsrichter, und war schon Schiedsrichter auf Volleyball-Plauschturnieren.

    Den faszinierendsten Aspekt des Schiedsrichter-Seins finde ich, dass eben auch Refs Fehler machen – und die Spieler haben dies zu akzeptieren. Man sieht eben nicht alles, und nicht alles genau, um 100% fehlerfreie Urteile zu fällen.

  20. #20 turtle of doom
    30. März 2015

    “Das finde ich ja mal interessant. Welche Aufgaben hat den ein Schachschiedsrichter? Außer darauf zu achten, dass die Spieler keine Hilfe bekommen.”

    Das wurde schon sehr gut erklärt! (Ich spiele auf Freechess.org viel Schach, bin aber kein guter Spieler… pfüh…).

    Man lese einfach die Schach-Regeln durch, und die Sanktionsmöglichkeiten des Schiedsrichters. Etwa kann der eine Spieler eine Zigarette paffen und wenn der andere Spieler auf Rauch allergisch ist, kann der Schiedsrichter erst eingreifen, wenn der Allergiker am Zug ist und er den Schiedsrichter ruft.

    Auch kann man den anderen Spieler mit Remis-Angeboten nerven. Remis anbieten darf man immer, und dann muss der Ref entscheiden, ab wann die “nervige” Grenze überschritten ist.

    Aber wenn man zumeist online spielt, hat man Ruhe vor solchen Rüpeln. 😉

    Ich bin derzeit auch Resultate-Schreiber im Volleyball. Ich halte offiziell fest, wer wann am Anspiel war, wann welche SpielerIn eingewechselt wurde, wie lange der Match gedauert hat… und so weiter.

    Das internationale Matchblatt des FIVB hat die Grösse A3, und ich muss schon 30 Minuten vor Spielbeginn anwesend sein, um in Ruhe die Spielernamen etc. einzutragen.

    Meine Rolle hat mit dem Schiedsrichter insofern zu tun, dass ich seine Sanktionen (Verwarnungen, Bestrafungen etc.) festhalten muss, und ebenso muss ich ihn auf eine Reihe von Regelverstössen hinweisen. Auch muss ich Beschwerden der Team-Captains notieren.

    Für den Fall, dass eine Mannschaft das Spielresultat oder irgendwelche Umstände anfechtet (z.B. Netz nicht auf der korrekten Höhe, oder ein Zuschauer ist ins Spielfeld gerannt und der Schiedsrichter hat dies nicht angemessen sanktioniert) ist dieses Matchblatt sehr bedeutend. Unter Umständen entscheiden sich so Weltmeisterschaften.

    Nach mir als Resultateschreiber unterschreiben die beiden Team-Captains und dann der/die Schiedsrichter. Nachdem jemand anderes als ich das Blatt unterschrieben hat ist mir jegliche Änderung des Blattes untersagt – wenn ich ein Schnapsresultat aufgeschrieben habe und dieser Fehler wurde vom einen Captain nicht erkannt, ist die Hölle los…

  21. #21 turtle of doom
    30. März 2015

    Als Ergänzung zu Statistiker: Ja, das Spieler-Niveau ist sehr entscheidend dafür, wie man als Schiedsrichter zu pfeifen hat. Bei einem Plauschturnier hatte ich einmal das Anspiel mit Pfiff und Handzeichen bewilligt, und der Ball der 14jährigen Spielerinnen landete völlig unverteidigt mitten im gegnerischen Feld.

    Die Gegner waren zumeist 50jährige Leute. Sie quatschten miteinander und bemerkten meinen Pfiff nicht. Und tobten dann, als die Mädchen einen sehr leichten Punkt machten.

    Also, sagte ich mir, wiederholen wir das Anspiel.

    Bei einem offiziellen Spiel wäre dies ein absolutes No-go. Aber da ich wusste dass die Mädchen sehr viel besser spielten und sehr wahrscheinlich sowieso gewinnen würden, konnte ich mir dieses Zugeständnis an die andere Mannschaft erlauben.

    Als Schiedsrichter hat man zwar im Grunde genommen sehr klare Regeln. Jedoch hat man auch seine Spielräume, die man ausschöpfen kann.

    Im Volleyball kenne ich Schiedsrichter, die in ganzen drei Jahren erst ein einziges Mal eine/n SpielerIn aus dem Feld hinausstellen mussten. Und nicht selten geben SpielerInnen es entgegen ihrem Interesse zu, wenn der Ball tatsächlich im eigenen Spielfeld landete und der Schiedsrichter dies selbst nicht genau feststellen konnte.

    Da findet ein gegenseitiges Augenzudrücken statt. Aufgabe des Schiedsrichters ist weniger ein stures Anwenden der Regeln als einen fairen Wettkampf zu gewährleisten.

    Was immer wieder aktuell ist, gerade beim Kinder-Mannschaftssport: Die Eltern unter den Zuschauern meinen, ihre Sprösslinge unterstützen zu wollen und nehmen Partei, indem sie die Schiedsrichter bei einem vermeintlichen Fehlentscheid beleidigen oder anbrüllen.

    Mit Fehlentscheiden der Refs muss man im Sport leben können, genauso wie mit Niederlagen. Ansonsten sollte man lieber aufhören.

    Was Florians Sport anbelangt: Da gibt es natürlich sehr wenig Möglichkeiten für einen Läufer, gegen die Regeln zu verstossen. Aber bei sogenannten Walking-Wettbewerben frage ich mich, wie man das “Walking” durchsetzt. Ich habe mal einen Ko-Organisator eines grösseren Laufwettbewerbes (> 5000 TeilnehmerInnen) angefragt, ob ich die Walking-Stöcke ohne Bodenkontakt mitführen dürfe. Oder falls Bodenkontakt verlangt ist, ob ich diese an einem Seil hinter mir herschleppen dürfe.

    Ich erhielt keine klare Antwort…

  22. #22 Nordlicht_70
    30. März 2015

    @turtle of doom
    Volleyball finde ich auch cool. Ganz selten musste ich mal bei Fun-Beachvolleyballturnieren pfeifen. Ist aber ganz easy, weil die meistenn dort nur Spaß haben wollen und der Ballabdruck im Zweifelsfall zu sehen ist.
    Als ich letztes Jahr beim größten Beachvolleyballevent der Welt in Karlshagen auf Usedom mitmachte (Werbung für MeckPomm muss sein 🙂 ) war ich aber froh, dass ich nur zählen brauchte und meine Nichte pfiff, die Vereinsspielerin ist. Auch wenn wir nur Quadro-Mix mitgemacht haben….

  23. #23 Honigdieb
    31. März 2015

    Ich bin jetzt seit über 10 Jahren Baseballschiedsrichter und immer noch von diesem Sport und der Aufgabe fasziniert. Regelkenntnis und -anwendung sind natürlich wichtig, aber gerade bei knappen Entscheidungen muss man diese auch überzeugend “verkaufen”, durch entsprechende Gestik und Einsatz der Stimme (wir pfeifen auch nicht, wir “callen”).

    Ansonsten habe ich nicht nur viel über die Regeln sondern auch über Menschen gelernt, es ist jedesmal spannend wie Spieler und Trainer mit diskussionswürdigen Entscheidungen umgehen. Und natürlich auch, wie man als Schiedsrichter mit den Diskussionen umgeht 🙂 Allgemein finde ich aber auch mit steigendem Niveau den Umgang mit Schiedsrichtern professioneller und angenehmer.

    Anekdote am Rande: im allerersten Spiel das ich kurz nach dem ersten Lehrgang geleitet hatte, spielten bei der Heimmannschaft…. meine beiden Ausbilder.