Die Entdeckung der “dunklen Energie” gegen Ende der 1990er Jahre war eine der spektakulärsten und überraschendsten Ergebnis der modernen Astronomie. Durch die Beobachtung und Vermessung ferner Supernova-Explosionen fanden Astronomen heraus, dass sich unser Universum immer schneller und schneller ausdehnt. Denn erwartet hatte man eigentlich, dass die Expansion des Kosmos nach dem Urknall im Laufe der Zeit immer langsamer wird. Wenn sich die Ausdehnung nun aber beschleunigt, muss irgendetwas für diese Beschleunigung verantwortlich sein. Dieses unbekannte “Etwas” nannte man “Dunkle Energie” und man hat bis heute immer noch nicht herausgefunden, wie genau es das Universum anstellt, immer schneller zu expandieren.

Neue Beobachtungen legen nun aber nahe, dass die Expansion vielleicht doch nicht so schnell ist, wie man bisher dachte. Vielleicht gibt es weniger dunkle Energie im Universum als man bisher angenommen hatte.

So sieht die Zusammensetzung des Universums nach bisherigen Daten aus. Noch... (Bild: ESA/Planck-Kollaboration)

So sieht die Zusammensetzung des Universums nach bisherigen Daten aus. Noch… (Bild: ESA/Planck-Kollaboration)

Zu diesem Ergebnis kamen Peter Milne von der Universität Arizona und seine Kollegen durch eine genaue Analyse von Supernova-Explosionen (“The Changing Fractions of Type Ia Supernova NUV-Optical Subclasses with Redshift”). Ganz kurz gesagt hat die ursprüngliche Entdeckung der dunklen Energie so funktioniert:

  • Eine bestimmte Klasse von Supernova-Explosionen (vom Typ Ia) läuft immer nach den gleichen physikalischen Prozessen ab und leuchtet daher immer gleich hell.
  • Je weiter entfernt eine Supernova stattfindet, desto schwächer sehen wir sie von der Erde aus.
  • Da wir aber wissen, wie hell sie wirklich ist, können wir aus der scheinbaren Helligkeit direkt ihre Entfernung bestimmen.
  • Aus einer spektroskopischen Analyse des Lichts der Supernova kann man außerdem herausfinden, wie schnell sie sich von uns entfernt. Je schneller, desto stärker ist ihr Licht zu roten Wellenlängen hin verschoben (genau so wie sich auch die Tonhöhe einer Polizeisirene verändert, wenn das Auto sich von uns entfernt).
  • Je weiter weg eine Supernova ist, desto weiter in der Vergangenheit hat sie stattgefunden, denn das Licht braucht ja Zeit um bis zu uns zu gelangen.
  • Beobachtet man nun möglichst viele Supernovae in möglichst vielen unterschiedlich entfernten Galaxien, kann man so herausfinden, wie sich die Geschwindigkeit mit der sich diese Galaxien von uns weg bewegen, im Laufe der Zeit verändert hat.

Die Beobachtungen durchzuführen war nicht einfach, aber Ende der 1990er Jahre hatte man dann genug Daten gesammelt um festzustellen: Das Universum expandiert immer schneller!

Das ganze Konzept basiert aber auf der ersten Annahme in der obigen Auflistung: Supernova-Explosionen vom Typ Ia leuchten immer gleich hell. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann man aus der Beobachtung ihrer scheinbaren Helligkeit auch nicht ihre wahre Entfernung berechnen. Und genau das ist es, was Peter Milne und seine Kollegen beobachtet haben wollen: In ihrer Arbeit stellen sie fest, dass es anscheinend zwei verschiedene Arten von Supernova-Explosionen vom Typ Ia gibt, die unterschiedlich hell sind. Sie haben beobachtet, dass ferne Supernovae, die also stattgefunden haben, als das Universum noch jünger war, sich anders verhalten als die älteren Supernova-Explosionen in unserer Nähe. Die ferneren Supernova-Explosionen leuchten nun aber schwächer als die nahen und man hat daher ihre Entfernung bis jetzt überschätzt. Das hat dazu geführt, dass man auch die Expansionsrate überschätzt hat und damit auch die Menge der dunklen Energie, die für die beschleunigte Expansion verantwortlich ist.

Supernova in der Galaxie M82, gesehen im UV-Licht von Swift (Bild: NASA/Swift/P. Brown, TAMU)

Supernova in der Galaxie M82, gesehen im UV-Licht von Swift (Bild: NASA/Swift/P. Brown, TAMU)

Für ihre Arbeit haben die Astronomen Daten des Swift-Satelliten benutzt, der auch Ultraviolett-Licht sehen kann. Das war wichtig, denn der Unterschied in den Supernova-Populationen ist im normalen Licht kaum zu sehen, im UV-Licht aber sehr viel stärker ausgeprägt. Dort konnten die Astronomen zwei Gruppen unterscheiden, die sich durch den Anteil von roten/blauen Licht unterscheiden. Der Anstieg und Abfall der Helligkeit einer Supernova vom Typ Ia sollte immer auf die annähernd gleiche Art und Weise stattfinden. Die beiden Gruppen zeigten aber ein unterschiedliches Verhalten, das auch auf unterschiedliche physikalische Prozesse hindeutet. Milne und seine Kollegen haben zum Beispiel berechnet, dass sich die Geschwindigkeit mit dem das Material bei der Explosion ins All geschleudert wird, sich bei den beiden Gruppen im Durchschnitt um 12 Prozent unterscheidet.

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Kommentare (62)

  1. #1 Falk
    16. Mai 2015

    ” Durch die Beobachtung und Vermessung ferner Supernova-Explosionen fanden Astronomen heraus, dass sich unser Universum immer schneller und schneller ausdehnt. Denn erwartet hatte man eigentlich, dass die Expansion des Kosmos nach dem Urknall im Laufe der Zeit immer langsamer wird. ” ….
    Sehe ich das richtig: die weiter entfernten (älteren) Supernovae bewegen sich also langsamer von uns fort, als due jüngeren (näheren) Supernovae?

  2. #2 Bjoern
    16. Mai 2015

    @Falk: “die weiter entfernten (älteren) Supernovae bewegen sich also langsamer von uns fort, als due jüngeren (näheren) Supernovae?”

    Nein. Sie sind nur nicht so schnell, wie sie sein müssten, wenn die Ausdehnung des Universums (wie früher gedacht) immer langsamer werden würde.

  3. #3 Alderamin
    16. Mai 2015

    Die Menge an Dunkler Energie folgt ja auch aus den Messungen der Hintergrundstrahlung (wobei bei PLANCK etwas weniger als bei WMAP heraus kam). Dramatische Änderungen am Betrag der Dunklen Energie dürften also nicht zu erwarten sein. Eher könnte vielleicht der Schlüssel gefunden werden, warum PLANCK einen anderen Hubble-Parameter ermittelt hat als andere Messungen.

  4. #4 Bjoern
    16. Mai 2015

    Zum Artikel: Es gibt ja neben den SN-Beobachtungen noch andere Methoden, die Dichte der dunklen Energie zu bestimmen, z. B. aus den Messungen der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung. Da letztere Messungen meines Wissens bisher in guter Übereinstimmung mit den SN-Daten waren, glaube ich nicht, dass die neuen Erkenntnisse über die SN Ia allzuviel am bekannten Wert der dunklen Energiedichte ändern werden… Mal abwarten.

  5. #5 Bjoern
    16. Mai 2015

    @Alderamin: Da haben wir beide woh so ziemlich gleichzeitig praktisch das gleiche geschrieben… 😉

  6. #6 dgbrt
    16. Mai 2015

    Supernovae vom Typ Ia sind mir nach vor suspekt (genauso wie weitere Schlussfolgerungen daraus).

    Weiße Zwerge sollen Materie von einem anderen Stern einsammeln bis sie so schwer werden (Chandrasekhar-Grenze), dass sie explodieren. Da diese Grenze immer gleich ist kann man so über die Helligkeit auf die tatsächliche Distanz schließen.

    Für mich gibt es da nur ein ganz großes Problem:
    Wie kann ein ca. 10 Mrd. Jahre alter Weißer Zwerg einen wenige 10 oder 100 Mio. Jahre alten Stern einfangen und dann seine Materie einsammeln?

    Ist es nicht vielleicht genau umgekehrt?
    Es bildet sich ein Doppelsternsystem (sehr häufig) und der größere Stern ist so schwer, dass er nach wenigen 100 Mio. Jahren zum Ende kommt und zum Neutronenstern oder sogar Schwarzen Loch wird. Der kleinere Stern ist in der Größenordnung unserer Sonne und braucht etwa 100 mal solange, um dann zum Weißen Zwerg zu werden (das passiert in einer Nova). Dann ist erst einmal wieder Ruhe, nur wird der Abstand zwischen den beiden Objekten immer geringer durch die, bereits indirekt nachgewiesene, Abstrahlung von Gravitationswellen. Der kleinere Stern fällt natürlich nicht in das Schwarze Loch (oder Neutronenstern), sondern er zerbricht vorher wenn die Gezeitenkräfte ihn auseinanderreissen. Kein Wasserstoff oder Helium im Spektrum, da Weiße Zwerge nur aus schwereren Elementen bestehen.

    Generell wird meiner Meinung nach die Anzahl massiver, nicht beobachtbarer Objekte unterschätzt. Große Sterne sind zwar relativ selten aber auch sehr kurzlebig. Ein Beteigeuze vor eine halben Mrd. Jahren ist heute ein Schwarzes Loch oder Neutronenstern und wir können den dann nicht mehr sehen. Und ich würde mich nicht wundern, wenn solch große Sterne in der Anfangszeit des Universums nicht viel häufiger waren. Unabhängig davon, die Reste gibt es aber wir kennen sie nicht.

  7. #7 Florian Freistetter
    16. Mai 2015

    @dgbrt: “Wie kann ein ca. 10 Mrd. Jahre alter Weißer Zwerg einen wenige 10 oder 100 Mio. Jahre alten Stern einfangen und dann seine Materie einsammeln?”

    Da gehts nicht ums “einfangen”, sondern um die Entwicklung von Doppelsternsystemen. Ein Stern wird früher zum weißen Zwerg als der andere. Und wenn der zweite sich dann aufbläht, kann durch Sternwind und Eruptionen Material zum weißen Zwerg gelangen und dort nochmal eine Fusionsreaktion einleiten, die den Zwerg zur Supernova werden lässt. Und da die Ausgangssituation immer gleich ist – weiße Zwerge haben ja immer mehr oder weniger die gleiche Masse – sind diese Explosionen auch immer annähernd gleich hell (zumindest war das der bisherige Status Quo).

  8. #8 Bjoern
    16. Mai 2015

    @dgbrt:

    Generell wird meiner Meinung nach die Anzahl massiver, nicht beobachtbarer Objekte unterschätzt.

    Den Astronomen ist durchaus bewusst, dass es solche Objekte wohl gibt, und sie suchen auch danach. Selbst wenn sie nicht direkt beobachtbar sind, kann man ihre Anzahl zumindest mithilfe des Mikro-Gravitationslinseneffekts abschätzen. Und solche Suchen laufen meines Wissens immer noch.
    http://de.wikipedia.org/wiki/MACHO

    Große Sterne sind zwar relativ selten aber auch sehr kurzlebig. Ein Beteigeuze vor eine halben Mrd. Jahren ist heute ein Schwarzes Loch oder Neutronenstern und wir können den dann nicht mehr sehen.

    Und du denkst, das wäre den Astronomen nicht klar und bekannt?!

    Und ich würde mich nicht wundern, wenn solch große Sterne in der Anfangszeit des Universums nicht viel häufiger waren.

    Nach gängigen Theorien waren die Sterne früher sogar im Schnitt deutlich größer als heute. Und Sterne, die deutlich größer sind, explodieren im Allgemeinen, ohne einen Reststern (Neutronenstern, SL) zu hinterlassen.

  9. #9 dgbrt
    16. Mai 2015

    @Florian
    Nur vorweg: Ich lese deinen Blog regelmäßig und mit großem Interesse.

    Aber Doppelsternsystemen, also die beiden Sterne, sollten sich in der Regel zum selben Zeitpunkt am selben Ort bilden. Wenn es also einen Weißen Zwerg gibt ist der ca. 10 Mrd. Jahre alt. Ein noch größerer Stern ist deutlich früher zu Grunde gegangen. Der Weiße Zwerg sammelt keine Materie, er stirbt in einem Gravitationskollaps. Da Weiße Zwerge unterschiedlich groß sein können, erklärt das auch die um 12% gemessenen Unterschiede.

    Nochmal ganz deutlich: Da geht ein Weißer Zwerg hoch, kein Wasserstoff im Spektrum, aber der fängt nichts ein, das wäre ja gerade im Wesentlichen Wasserstoff — der geht einfach durch, nachdem er seinem Partner zu nahe gekommen ist. Und der Partner ist schon viele Milliarden Jahre vorher gestorben.

  10. #10 Christian Gottschalk
    16. Mai 2015

    Sehr spannend was da immer wieder entdeckt wird und auch richtig gestellt oder bestätigt wird. Zumindest bis jemand kommt der noch besseres Material hat oder nen Ticken schlauer ist. Gut das wir so ein neugieriges Volk sind 🙂

  11. #11 dgbrt
    16. Mai 2015

    @Bjoern
    Ich hatte mich wohl vertippt. Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass es in der Anfangszeit deutlich mehr größere Sterne gab als heute. Das ist aber nur eine Vermutung, aber wir wissen, dass das bei Galaxien so gewesen ist (Quasare).

    Es gibt ja viele beeindruckende Bilder von Gravitationslinsenefekten, eine Galaxie ist mehrfach zu erkennen, verursacht durch eine Galaxie im Vordergrund. Komisch ist nur, dass man die Galaxie im Vordergrund nicht sehen kann….

  12. #12 rolak
    16. Mai 2015

    richtig gestellt

    Eigentlich, Christian, eigentlich wird durch den Zugewinn an Erkenntnis und Einsicht nichts richtig gestellt, sondern ‘nur’ besser erklärt. Was nicht schlechter, sondern imho sogar angenehmer ist – und in seiner Wandelbarkeit auch ein stabileres System fundiert, werden doch irgendwann selbst gut eingelaufene Trampelpfade als Irrwege demaskiert.

  13. #13 Florian Freistetter
    16. Mai 2015

    @dgbrt: Der grundlegende Mechanismus hinter einer TypIa-Supernova ist eigentlich gut verstanden und belegt. Ich glaube, du vermischt da ein paar Dinge. Z.B. ist der Satz “Der Weiße Zwerg sammelt keine Materie, er stirbt in einem Gravitationskollaps. “ so nicht richtig bzw. verwirrend. Ich probiere, es nochmal zusammenzufassen.

    *) Es gibt ein enges Doppelsternsystem
    *) Stern 1 beendet sein Leben zuerst und wird zu einem weißen Zwerg. Solange ansonsten nichts passiert, bleibt ein weißer Zwerg ein weißer Zwerg und tut nichts weiter, als während der nächsten paar Billionen Jahre immer weiter abzukühlen.
    *) Das Doppelsternsystem besteht nun aus einem weißen Zwerg und einem normalen Stern (=Stern 2).
    *) Jetzt beendet Stern 2 sein Leben. Dabei bläht er sich zuerst immer weiter auf (so wie Sterne das am Ende ihres Lebens machen) und entwickelt den typischen starken Sternwind, den Sterne in der Endphase ihres Lebens aufgrund des hohen Strahlungsdrucks haben.
    *) Ist der Abstand zwischen Stern 1 und Stern 2 klein genug, dann kann Material von Stern 2 entweder durch Sternwind zum weißen Zwerg gelangen oder aber direkt in den durch die Roche-Grenze definierten Anziehungsbereich des weißen Zwergs kommen. Auf jeden Fall gelangt dann Material von Stern 2 auf den weißen Zwerg.
    *) Das zusätzliche Material führt dazu, dass der weiße Zwerg kurzfristig wieder genug gravitativen Druck aufbauen kann, damit Kernfusion stattfinden kann. Und zwar überall, nicht nur im Kern. Dadurch explodiert er.
    *) Es kommt zu einer Supernova (vom TypIa) und beide Sterne werden zerstört. Oder es kann auch sein, dass Stern 2 ins All hinaus geschleudert wird.

    (Ich hab auch hier mal mehr dazu geschrieben; da ist auch ne schöne Grafik mit dabei: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/12/12/vampirsterne-biss-zur-rochegrenze/)

    Wenn du mir sagst, wo genau du in diesem Ablauf irgendein Problem siehst, lässt es sich konkreter diskutieren.

  14. #14 Spritkopf
    16. Mai 2015

    @dgbrt

    Es bildet sich ein Doppelsternsystem (sehr häufig) und der größere Stern ist so schwer, dass er nach wenigen 100 Mio. Jahren zum Ende kommt und zum Neutronenstern oder sogar Schwarzen Loch wird. Der kleinere Stern ist in der Größenordnung unserer Sonne und braucht etwa 100 mal solange, um dann zum Weißen Zwerg zu werden (das passiert in einer Nova).

    Wenn ich dein Argument richtig verstehe, dann siehst du die Dauer, die weiße Zwerge für ihre Entstehung benötigen, als viel zu lang an, als dass sie in größerer Zahl in einer Supernova vom Typ Ia hätten explodieren können. Die von dir erwähnten 10 Mrd. Jahre nehme ich als Hinweis darauf.

    Das ist aber nicht der Fall. Hier findest du eine ungefähre Lebensdauerberechnung für Sterne und nach der wird ein Stern mit 1,4 Sonnenmassen (also genau der Chandrasekhar-Grenze) noch nicht mal halb so alt wie die Sonne. Und dabei ist noch nicht einbezogen, dass ein solcher Stern, wenn er zum Heliumbrennen übergeht und sich zum roten Riesen aufbläht, schon dabei einen großen Teil seiner Masse verlieren wird, d. h., er weit unterhalb der Chandrasekhar-Grenze landen wird, wenn er schließlich zum weißen Zwerg geworden ist.

    Florian wird dir sicherlich genau sagen können, wieviel Masse ein Stern während seines Hauptreihenlebens haben muss, damit er eine Chance hat, als weißer Zwerg knapp unterhalb der Chandrasekhar-Grenze zu enden. Nach meiner Erinnerung (womit ich aber durchaus falsch liegen könnte) sind es zwei bis drei Sonnenmassen. Nach obigem Link wird aber ein Stern von zwei Sonnenmassen nur noch 1,7 Mrd. Jahre alt und bei drei Sonnenmassen beträgt seine Lebensdauer nur noch 650 Millionen Jahre. Du siehst also, die Lebensdauer geht schon bei einer geringfügig gegenüber der Sonne erhöhten Sternenmasse drastisch nach unten.

  15. #15 dgbrt
    16. Mai 2015

    @Florian:
    Danke Florian für deine ausführliche Antwort.

    In der Astronomie und Kosmologie gibt es nach wie vor ein großes Problem: Vermutungen aber keine wirklich direkten Beweise. Die Erfindung des Higgs Boson aus der anderen Dimension hat ja sogar einen Nobel Pries erhalten, Aber das ist nicht das Thema hier.

    Ich frage:
    Wie können alte Weiße Zwerge in einen Zusammenhang mit sehr jungen Massenreichen Sternen gebracht werden?

    Astronomische Untersuchungen können sehr unterschiedlich interpretiert werden. Keinen Planet den Kepler gefunden hat werden wir heute wirklich optisch betätigen können.

    Solche Erfolge sind großartig, aber sie als eine exakte, nicht widerlegbare Wissenschafft zu presentieren halte ich doch für sehr fragwürdig.

  16. #16 Alderamin
    16. Mai 2015

    @dgbrt

    Wie erklärst Du Dir denn z.B. wiederkehrende Novae?

    Man sieht bei denen im Spektrum übrigens blau verschobene Emmissionslinien mit rotverschobenen Absorptionskanten. Das bedeutet was?

    Eine Supernova Ia ist lediglich der Endpunkt eine Nova-Phase, wenn der Stern endgültig über die Chandrasekhar-Grenze kippt. Ein alternativer/zusätzlicher Mechanismus könnte allerdings die Verschmelzung zweier weißer Zwerge sein.

  17. #17 dgbrt
    16. Mai 2015

    @Spritkopf
    Mir geht es generell darum fragwürdige und pauschale Modelle zu hinterfragen. Und das meine ich ernst, kein Moon-Hoax oder so…

    Unsere Sonne wird nach ca. 10 Mrd. ihr Leben ausgehaucht haben. Darauf beziehe ich mich. Unsere Sonne wird ein Weißer Zwerg werden, Sterne mit der 1,5 fachen Masse oder mehr aber eben nicht. Nur die leben deutlich kürzer.

    Wie soll also ein Weißer Zwerg einen massenreichen JUNGEN Stern finden und seine Masse aufsaugen? Umgekehrt passt das einfach viel besser. Alter Stern (weil Schwarzes Loch), keiner kann ihn sehen, und die arme kleine Sonne zieht im Laufe der Jahrmilljarden ihre immer kleiner werden Runden um das unsichtbare Monster, selbst wenn das nur ein Neutronenstern ist.

  18. #18 dgbrt
    16. Mai 2015

    @Alderamin:
    “Wie erklärst Du Dir denn z.B. wiederkehrende Novae?”

    Ich stelle ein solches Phänomen nicht in Frage. Ich frage nur wie es sein kann, dass so viele junge Sterne so nah an einen alten Opa driften können…

    Meine Antwort ist: Der Opa war schon da, und wenn dann der Kleine auf ihn fällt; dann ist RUMS. Natürlich fällt der da nicht rein, er zerbricht vorher. Dann kann man von dem Kleinen viele chemische Signaturen beobachten, Wasserstoff und Helium fehlen natürlich.

  19. #19 Spritkopf
    16. Mai 2015

    @dgbrt

    Wie soll also ein Weißer Zwerg einen massenreichen JUNGEN Stern finden und seine Masse aufsaugen?

    Wieso sollen die SN Ia ausgerechnet aus einer solchen Paarung entstanden sein? Haben doch schon Florian und Bjoern erklärt, warum diese recht unwahrscheinlich sind.

    Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass zwei Sterne nahezu gleichzeitig entstehen und etwas unterschiedliche Größe haben. Wenn diese aufgrund ihrer räumlichen Nähe ein Doppelsternsystem bilden, dann wird der größere Stern vielleicht schon zum weißen Zwerg geworden sein, während der kleinere sich noch nicht mal im Stadium des Heliumbrennens befindet. Was soll an dieser Konstellation so ungewöhnlich sein? Im Gegenteil: Eine solche Konstellation gibt es in unmittelbarer Nähe unseres Sonnensystems, gerade mal 8 Lichtjahre entfernt. Du hast einen Stern, der irgendwann zum roten Riesen werden wird, begleitet von einem weißen Zwerg, der massemäßig nicht weit von der Chandrasekhar-Grenze weg ist.

    Der einzige Grund, warum Sirius B – der weiße Zwerg – nicht zu einer Supernova werden wird, ist der, weil er 20 AU von Sirius A entfernt ist und damit zu weit, als dass er genügend Masse von Sirius A absaugen könnte, wenn dieser sich zum roten Riesen aufbläht.

  20. #20 Spritkopf
    16. Mai 2015

    Hier ist noch ein Doppelsternsystem, welches gleichzeitig auch der wahrscheinlichste Kandidat für eine Supernova vom Typ Ia in unserer unmittelbaren Nähe ist (wenngleich nicht so bald). So selten sind die also bei weitem nicht.

  21. #21 Bjoern
    16. Mai 2015

    @dgbrt: Zum Thema “Weißer Zwerg” wurde oben ja schon genug gesagt (nimm’s mir nicht übel, aber du scheinst da irgendwo gewaltig auf dem Schlauch zu stehen und irgendwas schlicht falsch zu verstehen…)

    Deshalb nur ein wenig zu deinen anderen Kommentaren.

    Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass es in der Anfangszeit deutlich mehr größere Sterne gab als heute. Das ist aber nur eine Vermutung, aber wir wissen, dass das bei Galaxien so gewesen ist (Quasare).

    Du scheinst hier zu behaupten, dass Quasare besonders große Galaxien sind/waren. Das wäre mir neu. Wo hast du das her?

    Es gibt ja viele beeindruckende Bilder von Gravitationslinsenefekten, eine Galaxie ist mehrfach zu erkennen, verursacht durch eine Galaxie im Vordergrund. Komisch ist nur, dass man die Galaxie im Vordergrund nicht sehen kann….

    Die allermeisten Gravitationslinseneffekte werden meines Wissens nicht durch eine einzige Galaxie, sondern durch einen ganzen Galaxienhaufen verursacht. Und den sieht man durchaus im Vordergrund! Wenn du konkrete Beispiele hast, bei denen man im Vordergrund tatsächlich nichts sieht – immer her damit.

    Die Erfindung des Higgs Boson aus der anderen Dimension….

    ??? Was hat das Higgs-Boson mit einer “anderen Dimensiion” zu tun??? Und wieso “Erfindung” statt “Entdeckung”?

    Wie können alte Weiße Zwerge in einen Zusammenhang mit sehr jungen Massenreichen Sternen gebracht werden?

    Auch wenn’s andere schon gesagt haben: Werden sie nicht. Sie werden in Verbindung gebracht mit _gleich alten_ Sternen, die _masseärmer_ sind, als der Stern war, aus dem der weiße Zwerg entstand, und deshalb eben selbst _noch nicht_ zum weißen Zwerg geworden sind – sondern erst in der Phase sind, in der sie sich aufblähen.

    Keinen Planet den Kepler gefunden hat werden wir heute wirklich optisch betätigen können.

    Es wurden schon mehrere Exoplaneten direkt optisch beobachtet. Warum sollte es von den zahlreichen von Kepler gefundenen bei keinem einzigen möglich sein?

  22. #22 Alderamin
    16. Mai 2015

    @dgbrt

    Die Sternentwicklung findet mit unterschiedlicher Geschwindigkeit statt, abhängig von der Masse. Die Sonne braucht 10 Milliarden Jahre, bis sie ein Roter Riese wird, ein massiverer Stern von 1,5 Sonnenmassen schafft das in 3 Milliarden Jahren. Da sich also Sterne verschieden schnell entwickeln, kann in einem Doppelsternsystem ein Partner lange vor dem anderem zum weißen Zwerg werden. Ein Beispiel ist Sirius, wo ein weißer Zwerg von ursprünglich 5 Sonnenmassen einen A1-Hauptreihenstern von 2 Sonnenmassen umkreist, der auch irgendwann zum Roten Riesen werden wird (die beiden stehen hier allerdings nicht dicht genug für einen größeren Materieaustausch).

  23. #23 Alderamin
    16. Mai 2015

    @Spritkopf

    Hätte vor dem Posten und nach dem Recherchieren (ich suchte ein HRD mit Altersangabe der Turn-off-Points, kein vernünftiges gefunden) erst nochmal in den Thread schauen sollen, Du hattest ja schon alles gesagt…

  24. #24 Florian Freistetter
    16. Mai 2015

    @dgbrt: “Wie soll also ein Weißer Zwerg einen massenreichen JUNGEN Stern finden und seine Masse aufsaugen? “

    Er muss keinen “finden”. Der ist von Anfang an da. Wie ich ja auch erklärt habe. (Und “gesaugt” wird da auch nicht)

    “Ich frage nur wie es sein kann, dass so viele junge Sterne so nah an einen alten Opa driften können…”

    Exakt da liegt dein Denkfehler. Da driftet nix. Es geht um DOPPELsternsysteme. Die Sterne waren von Anfang an nahe beieinander.

    “Mir geht es generell darum fragwürdige und pauschale Modelle zu hinterfragen.”

    Und ich finde es ein klein wenig schade, dass du nicht konkret sagen willst, was da denn jetzt “fragwürdig” sein soll. Darum hab ich dich jetzt schon zweimal gebeten. Gibt es einen Grund, warum du nicht sagen willst, was genau an meiner Erklärung einer SNTypIa falsch sein soll?

  25. #25 Steffmann
    17. Mai 2015

    @dgbrt:

    Möglicherweise liegt das Missverständnis bei der statistischen Verteilung von Sternensystemen. Über die Hälfte aller Sternensysteme sind Doppelsternsysteme……

  26. #26 bikerdet
    17. Mai 2015

    @ Forian :

    Ich habe eine FRAGE dazu :
    In #13 erklärst Du den Vorgang bei einer SN-1a. Zitat
    Es kommt zu einer Supernova (vom Typ Ia) und beide Sterne werden zerstört….

    Aber dürfte bei einer SN-1a nicht nur der weiße Zwerg explodieren um die typische Helligkeit- / Elementsignatur zu erzeugen ? Oder wird der Partnerstern nur zerstört ohne zu explodieren ? Müßte dabei das Licht nicht auch (zumindest statistisch gemittelt) durch die Wolke des zerstörten Sternes laufen ?

    Das verwirrt mich jetzt etwas …

  27. #27 Florian Freistetter
    17. Mai 2015

    @bikerdet: “Es kommt zu einer Supernova (vom Typ Ia) und beide Sterne werden zerstört…. “

    Der Stern kann auch weggeschleudert werden. Besser wäre zu sagen: “Das Doppelsternsystem wird zerstört”

  28. #28 Krypto
    17. Mai 2015

    Man vermutet, dass ab und zu der Begleiter die SN übersteht und sucht natürlich nach dem Überbleibsel. Da der evt. überlebende Stern aber eine extrem hohe Geschwindigkeit haben müsste, würde er sich flott vom Tatort entfernen. Ein paar Kandidaten kämen aber infrage.

  29. #29 bikerdet
    17. Mai 2015

    @ Florian und Krypto :
    Danke für die Infos. Verwirrung behoben ….

  30. #30 bruno
    17. Mai 2015

    🙂 ach komm, Florian – den Dagobert hast du doch erfunden, um deine Kommentare aufzupeppen… 😉 ..das kann doch jetzt kein Zufall sein…
    …und das Higgs-Teilchen aus der Hölle hast du uns auch unterschlagen!

  31. #31 dgbrt
    17. Mai 2015

    Also mein Synonym ist sicher keine Erfindung von Florian, ist eher inspiriert durch http://www.xkcd.com. Ich mag Humor.

    Aber zurück zum Thema:

    Warum sieht man keinen Wasserstoff im Spektrum? Das ist doch wohl neben Helium das vorherrschende Material in der Hülle des großen Bruders die der kleine, aber massenreiche, Zwerg da absorbiert.

    Sirius ist auch ein hier mehrfach erwähntes schönes Beispiel. Sirius A ist mal gerade 240 Mio. Jahre alt und der Weiße Zwerg Sirius B liegt bei ca. 1 Sonnenmasse. Der Ursprung von Sirius B kann also unmöglich ein sehr großer und kurzlebiger Stern gewesen sein. Die Umlaufbahnen sind sehr exzentrisch bei minimal 18 AE. Da befindet sich in unserem Sonnensystem der Uranus und Sirius A wird sich niemals soweit aufblähen. Also können die beiden Doppelsterne nicht zur selben Zeit entstanden sein.

    Ich frage also nochmal: Warum gibt es keinen Wasserstoff im Spektrum eine SN Ia?

  32. #32 Florian Freistetter
    17. Mai 2015

    @dgbrt: “Ich frage also nochmal: Warum gibt es keinen Wasserstoff im Spektrum eine SN Ia?”

    Weil die entsprechenden weißen Zwerg früher mal Kohlenstoffsterne waren (dazu gibt es übrigens nächste Woche einen längeren Artikel im Blog). Siehe hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Carbon_detonation

  33. #33 Florian Freistetter
    17. Mai 2015

    @dgbrt: ” Die Umlaufbahnen sind sehr exzentrisch bei minimal 18 AE. Da befindet sich in unserem Sonnensystem der Uranus und Sirius A wird sich niemals soweit aufblähen. Also können die beiden Doppelsterne nicht zur selben Zeit entstanden sein.”

    Was hat denn die Umlaufbahn mit der Entstehung der Sterne zu tun? Oder das Aufblähen? Du verwechselst hier schon wieder jede Menge Dinge. Nicht JEDES Doppelsternsystem endet mit einer SNIa. Nicht in JEDEM Doppelsternsystem müssen die Sterne irgendwie interagieren oder Masse austauchen. Es gibt Doppelsternsystem bei denen die Sterne sehr weit auseinander sind; es gibt Systeme wo sie sehr nahe beieinander sind und alles dazwischen.

    “und der Weiße Zwerg Sirius B liegt bei ca. 1 Sonnenmasse.”

    Ja. JETZT. Weil das die typische Masse eines weißen Zwergs ist. Der Vorläuferstern war aber VIEL massereicher (ca 5 Sonnenmassen) und auch massereicher als Sirius A, weswegen er auch früher zum weißen Zwerg geworden ist als Sirius A. Ist übrigens auch schön bei Wikipedia zusammengefasst: http://de.wikipedia.org/wiki/Sirius#Entwicklung

  34. #34 Simon Deutschl
    17. Mai 2015

    Wieso eigentlich wissen wir, dass wir wirklich dazu im Stande sind, die Entfernungen KORREKT zu bestimmen? Können wir da wirklich Sicher sein, dass Entfernungen stimmen, oder kann es sein, dass wir in ein paar Jahren bemerken, dass wir die Entfernungen zu z.B. Nachbargalaxien doch falsch berechnet haben? Und wie überhaupt funktioniert so eine Berechnung der Entfernung?

  35. #35 PDP10
    17. Mai 2015

    @Simon Deutschl:

    Dazu hat Florian schon so einige Artikel geschrieben.

    Den hier zB:

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/01/26/magnitude-und-modul-die-helligkeit-der-sterne/

    Oder den:

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/01/03/die-rotverschiebung-und-die-vielen-entfernungen-der-kosmologie/

    Wenn du die Tags unter den Artikeln zu “Entfernung” oder “Entfernungsbestimmung” anklickst, findest du sicher noch viel mehr dazu.

  36. #36 Florian Freistetter
    17. Mai 2015

    @Simon: Hu – Entfernungsmessung ist ein sehr kompliziertes Thema. Darf ich dich dazu auf die drei Folgen der Sternengeschichten verweisen, die ich dazu gemacht habe?

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/04/05/sternengeschichten-folge-19-wie-weit-ist-es-zu-den-sternen/
    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=10043
    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=10107

    Da gibts nämlich viele verschiedene Methoden, die alle aufeinander aufbauen und alle miteinander korreliert werden. Am Anfang steht simple Radarmessung; die ist sehr genau und die Methode gut bekannt. Weiter gehts mit Parallaxenmessung und dann immer abstraktere Methoden für größere Distanzen, die aber trotzdem noch mit den exakten Methoden weiter unten auf der Entfernungsleiter korreliert und abgestimmt worden sind.

  37. #37 Alderamin
    17. Mai 2015

    @Simon Deutschl

    Von der Entfernungsbestimmung, die, wie Florian sagt, über mehere Stufen aufeinander aufbauen, folgt das Weltalter, denn man kann aus Entfernung und Fluchtgeschwindigkeit der fernsten Galaxien bestimmen, wann sie beim Urknall am gleichen Ort starteten. Vollkommen unabhängig davon kann man das Alter der ältesten Sterne bestimmen (per Simulation der Sternentwicklung) und beide Zahlen kommen auf ziemlich genau den gleichen Wert (das war vor der Entdeckung der Dunklen Energie noch nicht so und ein ungelöstes Rätsel). Das ist ein Zeichen dafür, dass die Entfernungsbestimmung bis zur obersten Sprosse der Leiter, der Rotverschiebung, ziemlich gut sein muss (und dass es die Dunkle Energie wirklich geben muss).

  38. #38 dgbrt
    17. Mai 2015

    @Florian
    Ich mag ja Diskussionen, deswegen schreibe ich hier bei einem Publikum wo ich erwarte, dass etwas mehr astronomischer Sachverstand vorhanden ist als bei einem Durchschnittsbürger.

    Der zitierte Artikel aus der englischen Wiki zu den Kohlenstoffsternen ist oberflächlich, aber ich bestreite ja überhaupt nicht, dass Weiße Zwerge primär nur noch aus Schweren Elementen bestehen.

    Sirius B habe ich als ein Beispiel angeführt für das das SN Ia nicht funktionieren kann. Und ich DUMMERCHEN glaube auch noch, dass ein 1 Sonnenmassen schwerer WZ niemals aus einem 5 Sonnenmassen schweren Stern entstanden ist. Wenn alle Sterne mit 80% Massenverlust enden, dann sollten wir da viel mehr von sehen können.

    Aber meine Frage ist nach wie vor wichtiger als die kleinliche Diskussion:
    Wie können SN der Klasse Ia passieren nachdem der WZ jede Menge Wasserstoff gesammelt hat? Das passt einfach nicht. Das Spektogramm zeigt keinen Wasserstoff.

    Seit dem ich die spezielle Relativitätstheorie und dann auch, leider nur teilweise, die allgemeine Relativitätstheorie verstandenen habe bin ich entsetzt, wie wenig das bis heute von Wissenschaftlern berücksichtigt wird. Und der Film “Gravity” ist nur ein kleiner Hinweis auf das, was Wissenschaftler heute noch verstehen müssen. Und da schließe ich mich selbst nicht aus.

  39. #39 dgbrt
    17. Mai 2015

    @Simon Deutschl
    Das ist genau das PROBLEM. Wir können keine Entfernungen KORREKT bestimmen. Es gibt aber viele Ansätze, die hier schon verlinkt sind, aber oft ergeben sich wieder Korrekturen.

    Wir kennen z.Zt. selbst die Entfernungen von Sternen in 50 Tausend Lichtjahren nur sehr vage.

  40. #40 Alderamin
    17. Mai 2015

    @dgbrt

    Sirius B habe ich als ein Beispiel angeführt für das das SN Ia nicht funktionieren kann.

    Wurde aber lediglich als Beispiel dafür angeführt, dass bei zwei gleich alten Sternen einer schon weißer Zwerg sein kann, während der andere noch Hauptreihenstern ist. Einziger Grund dafür, dass Sirius keine Nova oder SN Ia werden wird, ist dass sie zufällig weit genug getrennt sind. Andere Sterne (wie etwa Algol, wo schon vor der Roter-Riese-Phase Masse ausgetauscht wurde) berühren sich fast.

    Wenn alle Sterne mit 80% Massenverlust enden, dann sollten wir da viel mehr von sehen können.

    Nicht alle, nur Rote Riesen. Und was man sieht, ist das.

    Mehr Details: https://www.cps-jp.org/~pschool/pub/2011-01-10/02_Wood/pub/20110111_wood_02.pdf

    Vor allem Diagramm auf Seite 25, resultierende Masse über initialer Masse aufgetragen. Bei großen Sternen wirkt vor allem der Masseverlust durch Pulsationen (Mira-Veränderliche, noch mehr bei den “Dusty Miras”, S. 32).

    Wie können SN der Klasse Ia passieren nachdem der WZ jede Menge Wasserstoff gesammelt hat? Das passt einfach nicht. Das Spektogramm zeigt keinen Wasserstoff.

    Weil der weiße Zwerg (= ehemaliger Sternkern und damit arm an Wasserstoff) kollabiert und in der Hülle auch nach dem Massentransfer nicht viel Wasserstoff vorhanden ist. In einer Supernova fusioniert alles Mögliche, bis zum Uran, dazu braucht es keinen Wasserstoff.

    Bei einer gewöhnlichen Supernova kollabiert auch nur der Kern, aber der größte Teil des Sterns besteht noch aus Wasserstoff, der durch die Explosion im Kern der Sterns ins All geblasen und dort munter zum Leuchten gebracht wird. Das geht bei einem Weißen Zwerg nicht.

  41. #41 Alderamin
    17. Mai 2015

    @dgbrt

    Wir kennen z.Zt. selbst die Entfernungen von Sternen in 50 Tausend Lichtjahren nur sehr vage.

    Du bist ja echt der Checker.

    Das mag vielleicht daran liegen, dass bestimmte Entfernungsbestimmungsmethoden auf einzelne Sterne gar nicht anwendbar sind? Ich kann mit Cepheiden prima und sehr genau die Entfernung einer Galaxie bestimmen (und damit aller Sterne in ihr) und daran auch die kosmologische Rotverschiebung kalibrieren (die allerdings bei nahen Galaxien wieder ungenau wird, weil die eine im Vergleich zu ihrer geringen kosmologischen Rotverschiebung höhere Eigenbewegung haben).

    Aber wenn mein Einzelstern selbst kein Cepheide ist und auch sonst nicht physisch mit einem solchen in Zusammenhang gebracht werden kann (Sternhaufen), dann bleibt entweder die Parallaxe (nur genau bis 100 pc, mäßig bis 1000 pc) oder eine Abschätzung der absoluten Helligkeit aus der Spektralklasse (nicht sehr genau) unter Berücksichtigung der geschätzten Extinktion durch Staub.

    Was mich an Leuten wie Dir stört ist die anscheinende Auffassung, mit maximal partiellem Halbwissen die Erkenntnisse von absoluten Experten in Frage stellen zu können.

    Die Behauptung

    Wir können keine Entfernungen KORREKT bestimmen.

    ist Unsinn. Die Beziehung zwischen der kosmologischen Rotverschiebung und der Entfernung ist für große Rotverschiebungen mit wenier als 5% Fehler bekannt.

  42. #42 PDP10
    17. Mai 2015

    “Das ist genau das PROBLEM. Wir können keine Entfernungen KORREKT bestimmen.”

    Und das ist falsch.

  43. #43 PDP10
    17. Mai 2015

    @Alderamin:

    “Was mich an Leuten wie Dir stört ist die anscheinende Auffassung, mit maximal partiellem Halbwissen die Erkenntnisse von absoluten Experten in Frage stellen zu können.”

    Was mich sofort an etwas erinnert, dass Lisa Randall mal geschrieben hat:

    “Allzu häufig verwechselt man sich entwickelndes naturwissenschaftliches Wissen mit überhaupt keinem Wissen und hält eine Situation, in der wir neue physikalische Gesetze entdecken, für das völlige Fehlen zuverlässiger Regeln.”

    (Wurde hier in irgendeiner Buchbesprechung von Florian auch schon mal zitiert …)

  44. #44 Spritkopf
    18. Mai 2015

    @Alderamin

    Mehr Details: https://www.cps-jp.org/~pschool/pub/2011-01-10/02_Wood/pub/20110111_wood_02.pdf

    Vor allem Diagramm auf Seite 25, resultierende Masse über initialer Masse aufgetragen. Bei großen Sternen wirkt vor allem der Masseverlust durch Pulsationen (Mira-Veränderliche, noch mehr bei den “Dusty Miras”, S. 32).

    Danke, genau sowas habe ich noch gesucht.

  45. #45 Florian Freistetter
    18. Mai 2015

    @dgbrt: “Und der Film “Gravity” ist nur ein kleiner Hinweis auf das, was Wissenschaftler heute noch verstehen müssen”

    Ok, jetzt wirds wirklich ein wenig absurd. Wenn du ernsthaft meinst, dass Wissenschaftler sich nach Hollywood-Drehbuchautoren richten müssen, lassen wir das mit der Diskussion lieber.

    “Das Spektogramm zeigt keinen Wasserstoff.”

    Ja.Und es gibt Gründe warum das so ist, die verstanden sind und die ich dir verlinkt hatte. Aber glaubst du ja wieder nicht…

    “Und ich DUMMERCHEN glaube auch noch, dass ein 1 Sonnenmassen schwerer WZ niemals aus einem 5 Sonnenmassen schweren Stern entstanden ist.”

    Gut, einigen wir uns einfach darauf, dass du ein Problem mit der aktuellen Astronomie hast und alle Theorien zu Sternentstehung, -entwicklung und Dynamik anzweifelst. Ich hab mir lange Mühe gegeben, das alles zu erklären. Aber wenn von dir immer nur ein “Glaub ich nicht” zurück kommt, bringt daas alles nichts.

  46. #46 Bullet
    18. Mai 2015

    oje.
    @dgbrt:

    Wir kennen z.Zt. selbst die Entfernungen von Sternen in 50 Tausend Lichtjahren nur sehr vage.

    Was heißt hier “selbst”? Ein einzelner 50 000 Lichtjahre entfernter Stern ist erstmal nur ein (im Übrigen ziemlich schwacher) Lichtpunkt. Und der ist, wenn er nicht flackert, viel zu weit entfernt, als daß man seine Entfernung bestimmen könnte. Du begehst hier, soweit ich mitlese, haufenweise Gedankenfehler, die daher kommen, daß du so gut wie keinen Gedanken zuende denkst – und natürlich auch die Hinweise, die dir hier gegeben werden, nicht annimmst. Was soll denn das werden?

  47. #47 Bullet
    18. Mai 2015

    … und schon wieder war Alderamin schneller … 😉 – langsam muß ich meinen Nick ändern.

  48. #48 Adent
    18. Mai 2015

    @Bullet
    SecondAlderamin vielleicht? 😉

  49. #49 Till
    18. Mai 2015

    @dgbrt Für mich gibt es da nur ein ganz großes Problem:
    Wie kann ein ca. 10 Mrd. Jahre alter Weißer Zwerg einen wenige 10 oder 100 Mio. Jahre alten Stern einfangen und dann seine Materie einsammeln?

    Ich vermute, Dein Fehlschluss ist der, dass der Stern von dem der weiße Zwerg die zusätzliche MAterie bekommt bei seiner Entstehung größer sein muss als der weiße zwerg es war. Das muss aber nicht sein, der Weiße Zwerg kann auch dann Materie von seinem Nachbarstern bekommen, wenn der Nachbarstern selbst sich zum roten Riesen aufbläht. Der rote Riese ist ja nur größer, nicht schwerer als vorher.

    Der Ablauf ist also ungefähr so: Ein Doppelsternsystem entsteht, sagen wir mit zwei Sternen B und C. B hat 1,4 Sonnenmassen, C hat 1.2 Sonnenmassen. Nach ca. 3 Mrd Jahren wird Stern B zum weißen Zwerg, weil er schwerer ist als C und schneller brennt. Nach weiteren 1 Mrd Jahren bläht sich dann auch Stern C zum roten Riesen auf. Dabei gerät dann z.B. die äußere Hülle von Stern C in den gravitativen Einflussbereich des Weißen Zwergs B. Daraufhin fällt zusätzliches Material auf B und B explodiert in einer Supernova 1A.

  50. #50 Till
    18. Mai 2015

    Der Trend, dass Supernovae 1A früher leicht anders abgelaufen sind als Heute könnte mit der Masse der Sterne zusammenhängen aus denen die Zwerge entstanden sind: nur die schwereren Sterne brannten so schnell, dass sie schon relativ kurz nach dem Urknall zum weißen Zwerg werden konnten. Das bedeutet, Früher mussten die weißen Zwerge zwangsläufig im Schnitt schwerer gewesen sein als Heute. Das wiederum könnte bedeuten, dass es eben doch einen (kleinen). Unterschied macht, wie schwer der Ausgangsstern war bevor der weiße Zwerg zur Supernova 1A wurde.

  51. #51 Panos
    18. Mai 2015

    Guter Artikel. Ich habe jedoch eine Frage und zwar, ist die Menge der Dunklen Energie konstant, oder kann die auch variieren? (vielleicht eine dumme Frage, würde mich aber gerne interessieren, falls jemand dazu etwas wüsste)

  52. #52 Krypto
    18. Mai 2015

    Es wird auch eine Art Kanniblismus-Ping-Pong angenommen.
    D.h.: Der schwerere Stern wird zuerst zum Roten Riesen und verliert an den leichteren Materie. Erst dann wird er zum weißen Zwerg, während der leichtere durch die zusätzliche Materie ein klein wenig schwerer, somit verschwenderischer und dadurch eher zum Roten Riesen wurde, als wie er das als Einzelstern geworden wäre.

  53. #53 Alderamin
    18. Mai 2015

    @Panos

    Es sieht so aus, also ob die Menge an Dunkler Energie pro Volumen (also die Dichte der Dunklen Energie) eine Vakuumkonstante sei. D.h., mit expandierendem Raum der Urknalltheorie kommt immer mehr Dunkle Energie hinzu, aber in einem Volumen einer bestimmten, festen Größe ist die Menge konstant.

  54. #54 Panos
    18. Mai 2015

    @Alderamin: Danke dir 🙂

  55. #55 Krypto
    18. Mai 2015

    @Till:
    Dein Erklärungsversuch ist interessant.
    Bisher nahm man an, es sei doch egal, wie schwer der Vorgänger des WZ war, da die SN1a eine kritische Masse zur Zündung braucht. Dementsprechend sind die WZe im Moment der SN1a alle gleich schwer.
    Die Unterschiede in den beiden SN1a-Typen liegen in ihrer Rotverschiebung. Daher könnte eher man auf Unterschiede in der umgebenden Raumzeit/Gravitation des betrachteten Ereignisses schließen, aber nicht ohne weiteres auf eine andere kritische Masse.
    Mit meinem laienhaften Verständnis könnte ich mir vorstellen, dass die Position des Begleiters zum Zeitpunkt der SN1a schon einen gewaltigen Unterschied ausmachen kann.
    Vielleicht gibt es auch junge, überkritische WZ, die noch zu leicht zum weiteren Kollaps sind, aber ein bis dato unbekannter Mechanismus das schlagartige Kohlenstoffbrennen unterbindet/verzögert.
    Oder auch unterkritische, die durch externe Einflüsse zu früh zünden…

  56. #56 Krypto
    18. Mai 2015

    @Florian: Gibt es einen besonderen Grund, warum ausnahmslos jeder meiner Beiträge in der Moderation landet? 😉

  57. #57 Braunschweiger
    22. Mai 2015

    @Krypto: Bin zwar nicht Florian, aber um deine Frage nicht unbeantwortet stehen zu lassen:
    Vielleicht, weil du als Namen dieses Wort “krypto” verwendest? Klingt irgendwie zu geheimnisvoll…

    Abgesehen davon ist es hier im Blog schon alte Erfahrung, das unser Blog-Autor zu den Eigenschaften der Filter nicht viel sagt, sondern dies auch zum Geheimnis wird.

  58. #58 Swasinus
    22. Mai 2015

    Wurde die dunkle Energie tatsächlich entdeckt? Ich war bisher der Ansicht, ihre Existenz sei vor allem eine erforderliche Annahme, um bisherige Modelle über die Entstehung des Universums zu retten. Da gab es neulich zwar quantenphysikalische Experimente, deren Interpretation indirekt auf ihre tatsächliche Existenz schliessen lassen. Aber von einer Entdeckung zu sprechen scheint mir da immer noch etwas verfrüht. Oder habe ich etwas verpasst? Wie seht ihr das?

  59. #59 Florian Freistetter
    22. Mai 2015

    @Swasinus: Erstmal darf man nicht den Fehler machen, dunkle Materie und dunkle Energie zu verwechseln! Und in keinem der beiden Fälle wurde irgendwas “erfunden” um irgendwas zu “retten”. Es warten tatsächlich “Entdeckungen”. Siehe hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/11/05/was-ist-dunkle-energie/

    (Oder hier für die dunkle Materie: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/06/26/dunkle-welten-alles-uber-dunkle-materie-die-komplette-serie/)

  60. #60 Alderamin
    22. Mai 2015

    @Swasinus

    Ohne Dunkle Materie flögen Galaxien und Galaxienhaufen auseinander, auch ganz ohne Urknallmodell, weil ansonsten die Masse der Objekte nicht zu ihrer Rotations- bzw. Orbitalgeschwindigkeit passt.

    Und die Dunkle Energie hat vor ihrer Entdeckung niemand erwartet, die brauchte man für den Urknall auch nicht unbedingt (es gab nur ein Problem damit, dass einige Sterne älter zu sein schienen als das Universum; das löste sich damit von selbst). Aber der Effekt der Dunklen Energie war für die Urknalltheorie an sich keine notwendige Voraussetzung.

  61. #61 r.e.
    P
    25. Oktober 2016

    Ich poste das mal hier, könnte ja sein, das es bald einigen Wirbel gibt!
    http://m.phys.org/news/2016-10-universe-rateor.html

  62. #62 Florian Freistetter
    25. Oktober 2016

    @r.e. Eher nicht. Aber dazu schreibe ich vielleicht noch was.