Während der Recherche für die letzte Folge WRINT Wissenschaft mit Holger Klein bin ich auf ein sehr interessantes Forschungsprojekt des Naturhistorischen Museums Wien gestoßen. Es geht um Erdbebenforschung und die Frage: Kann auch in Österreich ein wirklich schweres Erdbeben stattfinden? Dazu muss man nicht nur die Mechanik von Erdbeben und tektonischen Platten an sich untersuchen, sondern auch Daten aus der Vergangenheit sammeln. Denn da wo früher schon einmal schwere Erdbeben aufgetreten sind, können auch in Zukunft wieder vergleichbar große Erdstöße stattfinden. Aber was die Katastrophen der Vergangenheit angeht, sind wir meistens auf historische Aufzeichnungen angewiesen und die reichen nicht beliebig weit zurück. Die Möglichkeiten, eine Statistik zu erstellen, sind also begrenzt.

Höhlen sind super! (Bild: gemeinfrei)

Höhlen sind super! (Bild: gemeinfrei)

Die österreichischen Erdbebenforscher gehen nun aber einen anderen, sehr interessanten Weg. Sie steigen hinab in die Höhlen der österreichischen Alpen. Dort sind die Spuren weit in der Vergangenheit liegender Beben erhalten und vor allem geschützt geblieben. Zum Beispiel an Tropfsteinen kann man heute immer noch erkennen, wann und wie stark sich früher die Erde bewegt habt.

Zu ihrem Projekt mit dem Namen SPELEOTECT haben die Wissenschaftler ein sehr schönes populärwissenschaftliches Video erstellt, dass ich euch nicht vorenthalten wollte:

Speleotect – Erdbebenforschung in Höhlen from Walter Weiss on Vimeo.

Höhlenforschung ist schon irgendwie sehr faszinierend. Schade, dass man als Astronom so selten tief unter der Erde zu tun hat. Obwohl… zumindest dann, wenn es darum geht, nach kosmischer Strahlung, dunkler Materie oder Neutrinos zu suchen, muss man ja doch meistens tief unter die Erde. Aber in diesen Höhlen gibt es dann meistens keine hübschen Tropfsteine, sondern nur die üblichen Labors, Maschinen und Detektoren. Echte Höhlenforschung ist da dann doch ein wenig abenteuerlicher – obwohl ich ja nicht sicher bin, ob ich wirklich mein ganzes Berufsleben mit unterirdischer Forschung verbringen wollen würde. Astronomen haben es zwar gerne dunkel, aber ein paar Sterne sollten schon auch zu sehen sein!

Kommentare (5)

  1. #1 bikerdet
    25. Mai 2015

    @ Florian :
    Hey, tolles Video. Es erstaunt mich immer wieder, was sich die Wissenshaftler einfallen lassen um zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Ich war zwar auch schon in ein paar Tropfsteinhöhlen, aber auf die Idee dort nach den Spuren alter Erdbeben zu suchen bin ich nicht gekommen ….

  2. #2 karmel
    26. Mai 2015

    strukturgeologie erfordert gute räumliche vorstellungskraft – die masse an daten zu verbinden und interpolieren noch viel mehr.
    höchst faszinierende angelegenheit.

  3. #3 Ulli
    26. Mai 2015

    Schön wärs ja, wenn es ein Berufsleben in Höhlen gäbe – aber den Beruf “Höhlenforscher” gibt es in unseren Breiten leider nicht. Soweit ich weiß, existierte an der Uni Wien einmal ein Lehrstuhl für Speläologie (unter Prof. Trimmel), das wars aber auch.
    Nein, die Arbeit unter Tage wird von Leuten gemacht, die als als – sehr weit gefasstes – “Hobby” betreiben (d.h. sie bekommen kein Gehalt dafür). Das bedeutet natürlich nicht, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, irgendwie als “laienhaft”einzuordnen sind!
    Und die Speläologie hat schon immer viele wertvolle Erkenntnisse gebracht, auf zahlreichen Wissensgebieten. Da fallen mir z.B. Geologie, Hydrologie, Biologie, Paläontologie, Anthropologie, Klimatologie, Paläoklimatologie ein – und eben auch Tektonik …

  4. #4 ImNetz
    26. Mai 2015

    Schätze dass die zukünftigen Marsbewohner vielleicht als Höhlenbewohner überleben könnten:

    http://orf.at/stories/2279457/2279484/

  5. #5 karmel
    1. Juni 2015

    @Ulli
    “Schön wärs ja, wenn es ein Berufsleben in Höhlen gäbe – aber den Beruf “Höhlenforscher” gibt es in unseren Breiten leider nicht. Soweit ich weiß, existierte an der Uni Wien einmal ein Lehrstuhl für Speläologie (unter Prof. Trimmel), das wars aber auch.”

    im video zu sehen ist u.a. lukas plan vom nhm wien (der ist beruflich sozusagen speleologe, wennauch einer der wenigen in österreich). er macht auch lehrveranstaltungen am geologie-institut.
    http://www.nhm-wien.ac.at/forschung/geologie__palaontologie/karst-__hohlenkunde