Auch andere Faktoren beeinflussen, welche Spektrallinien man finden kann. Zum Beispiel das Magnetfeld eines Sterns oder seine Masse. All die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Sterntypen erzeugen also unterschiedliche Muster der Spektrallinien und es ist daher logisch, dass man sie verwendet, um die Sterne zu klassifizieren. Das heutige System basiert auf der Arbeit, die Ende des 19. Jahrhunderts an der Sternwarte der amerikanischen Harvard-Universität gemacht wurde. Die Astronominnen Williamina Flemming, Antonia Maury und Annie Jump Cannon haben jede Menge Sternspektren katalogisiert und sortiert und dabei festgestellt, dass man sie anhand der Spektrallinien gut in verschiedene Gruppen einteilen kann. Ursprünglich hat man sich dabei an den Spektrallinien orientiert, die von Wasserstoff erzeugt. Die findet man überall sehr leicht, denn jeder Stern besteht ja hauptsächlich aus diesem Element. Der Chef der Sternwarte, Edward Pickering, ordente die Sterngruppen nach den Eigenschaften der Wasserstofflinien und benannte sie einfach der Reihe nach mit den Buchstaben A bis Z.

Die Astronomin Annie Jump Cannon stellte aber bei einer genaueren Untersuchung fest, dass das nicht unbedingt die optimale Wahl war. Kühle Sterne fand man in Pickerings Liste zum Beispiel vor den heißen Sternen. Und viele Klassen beruhten auf fehlerhaften Daten. Annie Jump Cannon warf also einige von Pickerings Klassen ganz aus dem System und sortierte die anderen so um, dass ihre Reihenfolge mit der sich ändernden Tempertur der Sterne übereinstimmt. Dabei behielt sie ursprünglichen Buchstaben aber als Klassennamen bei und das ist auch der Grund, warum das moderne System der Spektralklassen so seltsam ist.

Man unterscheidet heute sieben grundlegende Klassen. Sie tragen die Bezeichnung O, B, A, F, G, K und M. O-Sterne sind dabei die heißesten Sterne. Sie haben Temperaturen von 30.000 bis 50.000 Grad, leuchten blau und sind ein paar Dutzend Mal schwerer als die Sonne. Die B-Sterne sind mit 10.000 bis 30.000 Grad ein bisschen kühler und mit typischerweise einem Dutzend Sonnenmasse ein bisschen leichter als die O-Sterne. Sie leuchten blau-weißlich und in ihrem Spektrum kann man die Wasserstoff-Spektrallinien besonders gut sehen. Als nächstes folgen die A-Sterne, die nur noch 7000 bis 9000 Grad heiß sind und nur zwei bis dreimal so schwer die Sonne. Sie leuchten hell weiß und Sirius, der hellste Stern an unserem Nachthimmel ist ein gutes Beispiel für diese Klasse.

Als nächstes kommen die schon deutlich kühleren F-Sterne, die weiß-gelblich leuchten, ungefähr 6500 Grad heiß und nur wenig schwerer als die Sonne sind. In ihrem Spektrum kann man das Element Calcium gut erkennen und auch viele andere Elemente, die schwerer sind als Wasserstoff und Helium. Der Polarstern ist so ein F-Stern. Und dann kommen die Sterne vom G-Typ. Also die Gruppe, zu der auch unsere Sonne gehört. Die Sterne dieser Klasse sind daher auch alle ähnlich heiß und schwer wie unsere Sonne und leuchten gelb. Kühler und leichter als die Sonne sind die K-Sterne, die nur noch knapp 4500 Grad heiß werden und nicht mehr gelb, sondern eher orange leuchten. In ihrem Spektrum kann man nun schon sehr deutlich viele der anderen Elemente sehen, die neben Wasserstoff und Helium in einem Stern zu finden sind. Wer einen K-Stern sehen möchte, soll in einer klaren Nacht zum Sternbild Stier schauen. Dort leuchtet hell orange der Aldebaran, ein klassischer Vertreter der K-Sterne.

Die kleinsten und kühlsten Sterne gehören zur Klasse der M-Sterne. Sie leuchten rot, sind nur noch 2000 bis 3000 Grad heiß und haben nur ein Drittel der Masse der Sonne. Der sonnennächste Stern Proxima Centauri, den ich in Folge 114 der Sternengeschichten vorgestellt habe, ist so ein Stern vom M-Typ.

Es ist vielleicht anfangs ein wenig mühsam, sich die Reihenfolge der Buchstaben O, B, A, F, G, K und M zu merken. Aber die Astronomen haben sich im Laufe der Zeit jede Menge Eselsbrücken dafür ausgedacht. Die bekannteste davon soll sich angeblich der Astronom Henry Norris Russell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgedacht haben. Der englische Merksatz bei dem die Anfangsbuchstaben der Worte die Spektralklassen anzeigen lautet “Oh be a fine girl, kiss me” bzw. “Oh be a fine guy, kiss me”. Also: Sei ein nettes Mädel/ein netter Typ und küss mich. Auch auf deutsch gibt es entsprechende Eselsbrücken, zum Beispiel: “Offenbar Benutzen Astronomen Furchtbar Gerne Komische Merksätze”. Ich persönlich finde ja die bayrische Variante sehr ansprechend: „Ohne Bier aus’m Fass gibt’s koa Maß“.

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Kommentare (1)

  1. #1 Ralf
    http://katzkidz.wordpress.com/
    5. Juni 2015

    Hallo.

    Der obige Direktlink ist leider falsch, er führt zu der vorherigen Folge Nummer 131.
    Mit einem Umweg bin ich dann auf diese http://sternengeschichten.podspot.de/post/sternengeschichten-folge-132-obafgkm-die-spektraklassen-der-sterne/ Seite gekommen, wo dann die aktuelle Folge zu finden war.

    Vielen Dank für deine tollen Beiträge in Schrift- und Audioform :). Ralf