Gerade meldet die BBC, dass die Landeeinheit Philae, die letztes Jahr im November spektakulär auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko gelandet und nach dem Versiegen ihrer Energiequelle eingeschlafen ist, wieder aufgewacht ist!

Rosetta fotografiert Philae beim Landeanflug auf den Kometen (Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

Rosetta fotografiert Philae beim Landeanflug auf den Kometen (Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

Darauf haben Wissenschaftler schon länger gehofft. Denn eigentlich ist Philae mit Solarzellen ausgestattet, mit denen sie länger aktiv sein hätte können. Da sie aber in einer Region gelandet ist, wo es zu schattig ist, war nicht genug Energie vorhanden. Radionuklidbatterien konnten in diesem Fall nicht verwendet werden und darum schaltete sich Philae aus, nachdem die ersten wichtigen wissenschaftlichen Arbeiten erledigt waren.

Da sich der Komet mit Philae auf seiner Oberfläche aber der Sonne nähert, hoffte man, dass die Batterien irgendwann wieder weit genug aufgeladen sind, damit die Sonde sich wieder einschalten kann.

Das scheint nun passiert zu sein. Zumindest wenn man der BBC glaubt (was man ja durchaus tun kann). Noch gibt es nicht allzu viel Informationen über die Wiederauferstehung der Sonde. Wenn sich mehr tut, sage ich Bescheid!

Auch die ESA bestätigt nun: Philae lebt wieder!


Noch gerade rechtzeitig! Am 15. August wird der Komet auf seiner Umlaufbahn den sonnennächsten Punkt erreichen. Es ist natürlich noch zu früh zu sagen, wie lange Philae tatsächlich durchhalten wird. Aber es besteht die Chance, dass wir nun neue Daten und Bilder von der Oberfläche eines Kometen bekommen, der gerade den Höhepunkt seiner aktiven Phase in Sonnennähe durchmacht. Das lässt auf großartige Erkenntnisse hoffen!

Beim DLR hat man auch schon ein paar erste Daten veröffentlicht:

“„Philae geht es sehr gut: Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über 24 Watt“, erläutert DLR-Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec. „Der Lander ist somit betriebsbereit.“ 85 Sekunden lang „sprach“ Philae mit seinem Bodenteam bei seinem ersten Kontakt seit seinem Winterschlaf.”

Das klingt doch wirklich alles ganz hervorragend! Und zeigt ein weiteres Mal, wie gut die Arbeit der Wissenschaftler bei der gesamten Mission war. Nicht nur hat man es geschafft, eine Raumsonde 10 Jahre lang durchs tiefe All fliegen lassen, ohne das sie dabei kaputt genug. Nicht nur hat man es geschafft, diese Sonde in eine Umlaufbahn um einen Kometen zu manövrieren. Nicht nur hat man es geschafft, eine Landeeinheit auf der Oberfläche des Kometen abzusetzen und dort Daten zu sammeln. Man hat dieses Ding außerdem noch so robust und intelligent konstruiert, dass es trotz nicht planmäßig verlaufender Landung nun wieder aktiv ist und die Mission fortführt. Tolle Arbeit und ein Erfolg, der allen Beteiligten von Herzen zu gönnen ist!

Ganz besonders spannend wird die Auswertung der Daten, die Philae vor seinem Winterschlaf gesammelt, aber nicht mehr zur Erde geschickt hat. Mehr als 8000 Datenpakete warten darauf, von den Wissenschaftler auf der Erde untersucht zu werden. Es scheint übrigens auch so zu sein, als wäre Philae auch zwischendurch schon mal munter gewesen – aber nicht in der Lage, die Bodenstation zu kontaktieren.

Kommentare (31)

  1. #1 Desolace
    14. Juni 2015

    Ich hab ja nicht zu hoffen gewagt, aber… da lag ich offenbar falsch. Super Neuigkeit!

    PS: Irgendwo ist ein italic-tag noch offen… 😀

  2. #2 Florian Freistetter
    14. Juni 2015

    @Desolace: Ja, ist ein wenig hektisch gerade 😉 Jetzt sieht es besser aus.

  3. #3 Werner
    14. Juni 2015

    DLR schreibt – 35°C Körpertemperatur und 24 Watt. Klingt nicht schlecht!

  4. #4 Torben
    14. Juni 2015

    Philae war anscheinend zwischendurch schon mal Aufgewacht, ohne das wir es gemerkt haben.

    http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10081/151_read-13900/year-all/#/gallery/2563

  5. #5 phunc
    14. Juni 2015

    “Man hat dieses Ding außerdem noch so robust und intelligent konstruiert, dass es trotz nicht planmäßig verlaufender Landung nun wieder aktiv ist und die Mission fortführt.”

    Das (finde ich) ist die wichtigste Anmerkung zum gesamten Thema. Dieses Potential haben weder Medien, noch diverse Mitmenschen erkannt – dabei ist es eine essentielle Eigenschaft von Philae selbst und eine mMn enorme Leistung des gesamten Teams, die genau diese Funktionen so entwickelt haben, dass ein solches SZenario überhaupt möglich ist.

  6. #6 Skeptikskeptiker
    Randpolen
    14. Juni 2015

    Super Leistung aller Beteiligten!
    Was mich irritiert ist jedesmal diese ominöse “Watt”-Angabe. Ohne die Verknüpfung mit einer Zeitdauer sagt das doch mMn nichts über die zur Verfügung stehende Energiemenge.

    Naja, eben nur ein Inschenör.

  7. #7 Nordlicht_70
    14. Juni 2015

    Da wollte ich gerade die Neuigkeit verkünden und gehe auf diese Seite…. und da steht doch tatsächlich schon ein Artikel. :-)

    Nun bin ich gespannt, wie ein Flitzbogen, was Philae noch so zu erzählen hat…..

  8. #8 yves
    14. Juni 2015

    Das hört sich ja super an. War nicht die letzte Idee, bevor das Teil nicht mehr erreichbar war, es irgendwie zu drehen?! Habe das nur noch dunkel im Kopf. Das Sahnehäubchen wäre ja, wenn das nun ggf auch noch klappen könnte. Aber trotz allem… Hut ab vor dieser logistischen Meisterleistung

    PS Vielleicht könnte die ESA ein paar Softwareingenieure bei Microsoft abstellen – die anzahl der Updates in letzter Zeit ist ja irre…. 😉

  9. #9 Krypto
    14. Juni 2015

    @Ske…#6:
    Die Zeitangabe ist nicht nötig, weil sich der Nenner “Zeit” auf beiden Seiten einer Gleichung zur Leistungsberechnung herauskürzt.
    Man redet ja auch von 60W-Glühbirnen oder 80KW-Motoren 😉

  10. #10 Krypto
    14. Juni 2015

    @myself#9:
    Zur Klarstellung noch folgendes:
    Mit 24W ist nicht die verfügbare Energiemenge der Batterien gemeint, sondern die derzeitige Leistung der Solarpanels; mithin solange 24W, wie die Sonne die Panels bestrahlt.

  11. #11 Skeptikskeptiker
    14. Juni 2015

    @Krypto#9:

    Ja eben, und die können im nächsten Moment doch wieder im Schatten liegen. Wäre da nicht viel interessanter, was die Batterien schon eingesammelt haben? Oder die unter den offensichlich nun besseren Bedingungen “tägliche” zur Verfügung stehende Enegiemenge? Die bestimmt doch, was man jetzt machen kann.

  12. #12 diesundjenes
    14. Juni 2015

    Sendet Philae direkt an die Erde oder an den Orbiter und der leitet es weiter? Wird die Sonde ins All gepustet werden, wenn sie sich der Sonne nähert?

  13. #13 Whit3N0ise
    14. Juni 2015

    @Skeptikskeptiker
    Das wurde in den Kommentaren hier schon mal diskutiert: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/03/11/guten-morgen-philae-meldet-sich-der-kometenlander-morgen-zurueck/

    tl;dr: Interessieren tut nur, ob eine gewisse Mindestleistung zu Verfügung steht, solang das der Fall ist, arbeitet die Sonde, ist der Saft aus, tut sie halt nix. Denk Fernbedienung, nicht Laptop.

  14. #14 Whit3N0ise
    14. Juni 2015

    @Whit3N0ise: besser noch: Solartaschrechner vs Laptop

  15. #15 Pilot Pirx
    14. Juni 2015

    SUPERR!!!
    Ich hatte nicht mehr zu hoffen gewagt.

  16. #16 dgbrt
    14. Juni 2015

    FANTASTISCH!!!
    Und ich hatte den wagen Voraussagen von ESA und DLR schon immer vertraut. Also warten wir jetzt auf die Ergebnisse, die Philae uns nun mitteilen kann. Tolle Sache!!!

  17. #17 Tina_HH
    14. Juni 2015

    Klasse! Ich hab eher nicht mehr damit gerechnet, dass es noch klappt, weil ja schon seit März versucht worden war, den Kontakt herzustellen. Und nun das!

  18. #18 Alderamin
    14. Juni 2015

    Tja, Totgesagt leben länger. Hab’ auch nicht ernsthaft daran geglaubt, dass Philae sich nochmal muckst. Dann bin ich ja mal gespannt, ob das Ding in seiner verkeilten Position auch noch was sinnvolles, neues messen kann. Kann nur besser werden (eine tote Sonde hätte ja gar nix messen können).

  19. #19 DasKleineTeilchen
    15. Juni 2015

    yes! bei der zunehmenden aktivität hätte ich nicht drauf gewettet. jetzt wirds nochmal richtig spannend!

  20. #20 tomW
    15. Juni 2015

    “Nicht nur hat man es geschafft, eine Raumsonde 10 Jahre lang durchs tiefe All fliegen lassen, ohne das sie dabei kaputt genug.”

    Ich schenke Dir ein “ging” und nehme mir “genug”… 😉

  21. #21 Darth Ewok
    15. Juni 2015

    unermüdlich, dieser kleine racker…
    das wär was, wenn sich die aktuelle position von philae im nachhinein noch als unglaublicher glücksfall erweist und philae auch bei maximaler sonneneinstrahlung noch durchhält, weil sie eben durch den schatten besser geschützt ist.
    auf jeden fall muss man sich vor soviel ingenieurskunst demütig verneigen.

  22. #22 GrrrBrrr
    15. Juni 2015

    Robustes, feines Stück Technik! Und zeigt wozu Menschen fähig sind, wenn sie nicht dauernd Kriege gegeneinander führen müssen oder sich lieber selbst sabotieren.

  23. #23 Franz
    15. Juni 2015

    Naja, es macht halt doch Sinn, dass die ESA die Anforderungen an HW und SW extrem übertreibt. Da melden sich dann auch wieder totgesagte. Es ist aber schon faszinierend, nach der langen Zeit. Ich dachte auch, das wars. Und wie schon erwähnt, vielleicht stellt sich die harte Landung noch als Glücksfall raus, weil die Sonde jetzt den Vorbeiflug um die Sonne mitmacht.
    Gratulation ans Team !!

  24. #24 Herr K.
    15. Juni 2015

    Was passiert mit dem Burschen, wenn sich der Komet wieder von der Sonne entfernt? Stirbt er dann den einsamen Kältetod oder wacht er dann aller x Jahre wieder auf?

  25. #25 Wage
    15. Juni 2015

    Ich könnte jetzt sagen:: hab ich mir doch gleich gedacht. Tatsache ist allerdings das ich zwischenzeitlich nicht mehr viel Hoffnung hatte. Mal schauen was sich noch so an Sensationen in den Datenpaketen versteckt.

  26. #26 Crazee
    16. Juni 2015

    Ich freue mich darauf, meinem dreieinhalbjährigen Sohn nachher erzählen zu können, dass Filey (so spricht er es aus) wieder aufgewacht ist. Ich hatte mit ihm gemeinsam die Landung “live” im Fernsehen geschaut.

    Neulich in der Küche: “Die Kartoffel sieht aus wie Fileys Komet!”

  27. […] Florian Freistetter freut sich mit den verantwortlichen Wissenschaftlern, dass die Mission tatsächlich so außerordentlich erfolgreich verläuft: Er hebt besonders hervor, wie herausragend die Fähigkeit der Landeeinheit sei, mit den Unwägbarkeiten umzugehen. Obwohl die Landung nicht planmäßig verlief, sendet Philae nun wieder Daten, was für die Robustheit und Intelligenz der Konstruktion spreche. […]

  28. #28 Krypto
    17. Juni 2015

    Gleich gibt es bei der ESA einen Livecast vom Missionbriefing.
    Rosetta führt diese Woche 2 Manöver zur Orbitverkürzung auf 180 Km Radius durch.
    Das war zwar schon vor den Philae-Signalen geplant, kommt aber wie gerufen, weil die letzten Funkkontakte mir Philae gezeigt haben, dass ab 200 Km die Empfangsqualität rapide sinkt.

  29. […] Philae hat sich wieder gemeldet! Jetzt können wir auf spannende Bilder von Tschuris aktivster Phase hoffen. […]

  30. #30 pufaxx
    6. Juli 2015

    Okay, ich komme ein Bisschen zu spät – aber diesen Cartoon habe ich auch erst heute entdeckt:

    http://ahoipolloi.blogger.de/stories/2509578/

  31. #31 Karl Mistelberger
    31. Juli 2015

    > Der Kometenlander Philae lebt wieder!

    Soviel Leben steckt nicht mehr in der Sonde. Eher liegt sie im Wachkoma: http://www.zeit.de/wissen/2015-07/philae-lander-ergebnisse-komet-tschurjumow-gerassimenko