Eigentlich wollte ich heute ja einen längeren Artikel über den kommenden Höhepunkt der New Horizons Mission schreiben. Nächste Woche, am 14. Juli 2015, wird sie an Pluto vorbei fliegen und wir werden das erste Mal hochauflösende Bilder dieses immer noch unbekannten Himmelskörpers sehen. Hoffentlich. Denn momentan hat die Raumsonde ein paar Probleme.

Pluto und Charon, aufgenommen am 1. Juli 2015 (Bild: NASA/JHUAPL/SWRI)

Pluto und Charon, aufgenommen am 1. Juli 2015 (Bild: NASA/JHUAPL/SWRI)

In einem Hollywood-Film wäre es eine zu erwartende Entwicklung: Nach fast 10 Jahren Reise durch das Sonnensystem und weiter von der Erde entfernt als die meisten anderen Raumsonden zuvor steht endlich der Höhepunkt der Mission bevor. Aber kurz vor dem Ziel kommt es zu Problemen, die den Erfolg gefährden. In der Realität wäre das aber eine ziemlich unangenehme Sache – und trotzdem passiert momentan genau das.

Vorgestern, am 4. Juli, hat die Bodenstation den Kontakt mit New Horizons verloren. Knapp 2 Stunden später konnte er wieder hergestellt werden. Das ist die gute Nachricht. Aber es könnte besser sein. Nachdem der Kontakt – vermutlich aufgrund eines Software-Fehlers – verloren ging, tat die Raumsonde das, was die Programmierung in so einem Fall vorgesehen hat: Sie wechselte vom Hauptcomputer zum Backupcomputer, wechselte in den “Safe Mode” und nahm wieder Kontakt zur Erde auf.

New Horizons ist immer noch funktionsfähig, immer noch intakt und immer noch auf dem geplanten Kurs Richtung Pluto. Die entsprechenden letzten Befehle mit Kurskorrekturen wurden schon vor dem Ausfall gesendet und weitere waren nicht mehr geplant. Egal was jetzt noch passiert: Die Sonde wird auf jeden Fall an Pluto vorbei fliegen. Es kann im schlimmsten Fall nur passieren, dass wir nicht ganz so viel davon sehen, wie wir uns gewünscht haben.

New Horizons muss jetzt so schnell wie möglich wieder in den normalen Betriebsmodus versetzt werden. Die große Entfernung zwischen der Erde und der Sonde macht das nicht einfach: Jedes Signal braucht neun Stunden, bis es den weiten Weg zurück gelegt hat. Und in der Zeit bewegt sich New Horizons natürlich auch (und das nicht langsam!) und man verpasst Möglichkeiten, Bilder von der Annäherung aufzunehmen.

Für den 4. Juli selbst waren keine Aufnahmen geplant. Gestern und heute hätten ein paar gemacht werden sollen, aber nichts wirklich kritisches für den Erfolg der gesamten Mission. Die NASA geht davon aus, das man morgen wieder mit dem normalen Betrieb von New Horizons beginnen kann. Wenn es dabei bleibt, dann steht einem erfolgreichen Vorbeiflug am 14. Juli nichts entgegen! Und was wir da alles zu erwarten haben, werde ich dann morgen ausführlich berichten!

Kommentare (15)

  1. #1 Andreas Zottmann
    6. Juli 2015

    Es scheint so, als ob niemand wüsste, was eigentlich passiert ist. Solange kann man auch nicht sagen, ob und wann es sich wiederholt. Falls es sich um ein unentdecktes Softwareproblem handelt stehen die Chancen nicht schlecht, das sich das in Kürze wiederholt.
    Ich bin schon ein wenig besorgt.

  2. #2 Seniler Raubaffe
    Graz
    6. Juli 2015

    9 Stunden…
    Es wird Zeit dass man endlich das Problem der überlichtschnellen Kommunikation angeht.
    Ist ja nicht auszuhalten der Zustand…
    😉

  3. #3 Seniler Raubaffe
    6. Juli 2015

    Ist das oben gezeigte Foto das beste momentan existierende?
    Ich kann mich noch an bisher “schärfsten” Fotos erinnern, die ja auch letztes Jahr im Blog ein Thema gewesen sind.
    Das Foto oben zeigt da ja schon deutlich mehr!

    Astronomie kann schon sehr cool sein…
    Schade dass sie nicht so hip ist wie Krieg führen, Waffen entwickeln, Banken retten, an der Börse wetten…:-(

  4. #4 Florian Freistetter
    6. Juli 2015

    @Andreas: Doch, man weiß, was passiert ist und auch, das es sich nicht wiederholt:

    “The investigation into the anomaly that caused New Horizons to enter “safe mode” on July 4 has concluded that no hardware or software fault occurred on the spacecraft. The underlying cause of the incident was a hard-to-detect timing flaw in the spacecraft command sequence that occurred during an operation to prepare for the close flyby. No similar operations are planned for the remainder of the Pluto encounter.”

    http://www.nasa.gov/nh/new-horizons-plans-july-7-return-to-normal-science-operations

  5. #5 Franz
    6. Juli 2015

    Vermutlich eine Race Condition in der SW. Die Dinger sind echt schwer zu finden.

  6. #6 Alderamin
    6. Juli 2015

    @Seniler Raubaffe

    Bis zum Vorbeiflug wird jedes neue Bild das schärfste von Pluto sein, das wir je hatten. Die besten Bilder gibt’s immer auf der von Florian verlinkten Seite in den Artikeln, die links in der Spalte unter “Latest” aufgeführt sind. Zuletzt diese Farbanimation.

    Außerdem bastelt z.B. jener Amateur aus den Rohaufnahmen eindrucksvolle Bilder zusammen (mit den gleichen Techniken, die Astro-Amateure bei ihren eigenen Planetenaufnahmen anwenden).

  7. #7 DasKleineTeilchen
    6. Juli 2015

    “Jedes Signal braucht neun Stunden, bis es den weiten Weg zurück gelegt hat…”

    öhm, die kommunikation braucht so lange, das signal selber nur die hälfte der zeit, richtig?

  8. #8 Alderamin
    6. Juli 2015

    @DasKleineTeilchen

    9h sind die Roundtrip Time, vom Befehl zur Sonde bis zum Eintreffen ihrer Antwort.

  9. #9 Braunschweiger
    6. Juli 2015

    Ach schade, alles schon aufgeklärt?
    Und ich hatte schon befürchtet (oder gehofft?), Pluto wäre ein bewohnter Todesstern, und die Fremden hätten versucht, sich New Horizons vom Leib bzw. von der Oberfläche zu halten. 😉 Mal wieder. Erneut. Trotzdem.
    (keine These, über die man wirklich diskutieren wollte…)

    Aber ernsthaft: Daumen hoch für New Horizons!

  10. #10 Tina_HH
    6. Juli 2015

    In einem Hollywood-Film wäre es eine zu erwartende Entwicklung

    Ja, und da kann sowas meinetwegen auch gerne stattfinden, aber doch bitte nicht bei einer echten Mission! Nachdem man nun schon fast 10 Jahre warten musste… Das wäre jedenfalls ein GANZ schlechter Scherz des Schicksals (oder des Zufalls oder wer verdammt auch immer hier seine überflüssigen Finger im Spiel hat! ).

    Und was wir da alles zu erwarten haben, werde ich dann morgen ausführlich berichten!

    Fein, da freue ich mich drauf.
    Und hoffentlich geht in den nächsten Tagen alles gut mit New Horizons.

  11. #11 Alderamin
    6. Juli 2015

    Dienstag um 18:45 MESZ soll es weitergehen mit dem normalen Betrieb. Der Fehler wird beim Vorbeiflug nicht mehr auftreten.

    30 Bilder (von 496 geplanten zwischen vergangenem Samstag und dem Vorbeiflug) wurden verloren, aber die wenigsten sind von Bedeutung, auf manchen wäre vermutlich eh nicht viel drauf gewesen, einige waren nur zum Navigieren, und es wird sowieso aus der Nähe bessere geben. Dies und die neuesten Bilder bei Emily Lakdawalla:

    http://www.planetary.org/blogs/emily-lakdawalla/2015/07061400-new-horizons-back-in-action.html

  12. #12 Franz
    7. Juli 2015

    @Tina_HH
    schlechter Scherz des Schicksals (oder des Zufalls oder wer verdammt auch immer hier seine überflüssigen Finger im Spiel hat! ).
    Bei der Annäherung werden verschiedene Hardware- und Softwareteile aktiviert in verschiedenen Kombinationen. Daher ist dies immer ein kritischer Moment. Selbst wenn man auf Teufel komm raus testet, kann eine der Millionen möglichen Kombinationen zu einem Absturz führen, oder auch ein Hardwareteil arbeitet nicht optimal. Nach 9 Jahren ohne Wartung kann da viel sein, da hat z.B. die Strahlung den Bauteilen schon arg zugesetzt. Es wird zwar überlegt, was so alles sein könnte und auch eingeplant, aber gerade bei SW können sich oft Kombinationen ergeben, die einen Fehler z.B: nur bei einer ganz bestimmten Signallaufzeit erzeugen. Ganz zu schweigen von Fehlern verursacht durch Staub oder kleinen Meteoriten.

    Wir hatten mal einen Fehler bei einem Lichtwellenleiterkabel der nur dann auftrat, wenn das Kabel genau 110,5m lang war, oder die SW funktionierte fehlerfrei solange die Überwachungsfunktion lief. Schaltete man diese ab, Crash, schaltete man wieder ein um Nachzusehen, kein Problem. So was ist dann ganz böse.

  13. #13 Tina_HH
    7. Juli 2015

    @Franz

    Bei der Annäherung werden verschiedene Hardware- und Softwareteile aktiviert in verschiedenen Kombinationen. Daher ist dies immer ein kritischer Moment.

    War denn an dem Tag, als die Anomalie auftrat, irgendetwas aktiviert worden? Ich glaube, das letzte Kurskorrekturmannöver hatte schon stattgefunden. Aber ich habe von den technischen Details so einer Sonde sowieso keine Ahnung und finde es immer bewundernswert, dass das alles überhaupt funktioniert.
    Für einen Laien wie mich hört es sich jedenfalls wie ein ganz schlechter Scherz an, wenn nach über 9 Jahren Flugzeit und Milliarden von zurückgelegten Kilometern ausgerechnet so kurz vorm Ziel etwas schief geht.
    Oder ist es wie beim Fliegen: Am gefährlichsten sind der Start und die Landung? (Wobei diese Sonde ja gar nicht landen muss…)

  14. #14 Tina_HH
    7. Juli 2015

    Meine Frage hat sich wohl erledigt. Habe gerade folgendes gelesen:

    “In den (Sicherheitsmodus) war sie Sonde gewechselt, als der Hauptcomputer überlastet worden sei. Demnach sollte er ein großes Paket an Kommandos erhalten, als er gerade dabei war, wissenschaftliche Daten zu verarbeiten.”

    Quelle:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/NASA-Sonde-New-Horizons-Pluto-gewinnt-an-Kontur-2739052.html?hg=1&hgi=17&hgf=false

    Und weiter:
    “Eine Wiederholung dieses Problems ist laut NASA nicht möglich, da keine derartigen Operationen mehr vorgesehen seien. Stattdessen seien inzwischen die Kommandosequenzen zur Sonde hochgeladen worden, die deren Vorbeiflug am Pluto steuern sollen.”

    Also alles wieder gut :-) .

  15. […] vor dem Ziel gab es ja ein paar Probleme mit New Horizons. Die Kommunikation mit der Erde brach ab; konnte aber bald wieder her gestellt […]