Seit dem 11. März 2013 schreibe ich hier in meinem Blog nur noch über Forschungsergebnisse, wenn der diesen Ergebnisse zugrunde liegende Fachartikel frei verfügbar ist. Also für alle zugänglich ist, ohne dass man dafür bezahlen muss oder irgendeinen speziellen Zugang benötigt. Das hat natürlich im Laufe der Zeit dazu geführt, dass ich über sehr viele interessante Geschichten nicht geschrieben habe. Ganz besonders ärgerlich ist es immer dann, wenn man von den PR-Abteilungen einer Forschungseinrichtung per Pressemitteilung auf ein spannendes neues Ergebnis aufmerksam gemacht wird und man dann aber feststellen muss, dass die Forschungsarbeit von der die Pressemitteilung handelt, nicht frei zugänglich ist. Das ist nicht nur ärgerlich. Es schadet meiner Meinung nach auch einem vernünftigen Wissenschaftsjournalismus.

Vorwärts! Befreit die Quellen! (Bild: Public Domain)

Vorwärts! Befreit die Quellen! (Bild: Public Domain)

Eine Pressemitteilung informiert ja nicht zwingend völlig objektiv über ein Forschungsthema. Das kann der Fall sein, aber es ist nicht überraschend, wenn es nicht so ist. Verständlicherweise möchte die Forschungseinrichtung die die Mitteilung verschickt ihre eigenen Forscher und deren Arbeit möglichst positiv präsentieren. Daran ist auch gar nichts verwerflich; das ist die Aufgabe einer PR-Abteilung und Pressemitteilungen sind ein Zweck das zu erreichen.

Aber eigentlich sollte es auch einer PR-Abteilung daran gelegen sein, das Wissenschaft in den Medien seriös und vor allem objektiv dargestellt wird. Jede überzogene Darstellung, egal ob zu negativ oder zu positiv, fällt irgendwann auf die Wissenschaft selbst zurück. Der PR-Abteilung einer Forschungseinrichtung sollte auch nicht nur an den Medien gelegen sein, sondern an den Konsumenten dieser Medien! Aus Sicht der PR ist es sicherlich ein Erfolg, wenn möglichst viele Medien über den Inhalt einer Pressemitteilung berichten. Je mehr, desto besser! Aus Sicht des Konsumenten aber zählt die Vielfalt und die Menge an Information. Wenn nun aber überall einfach nur der Inhalt der Pressemitteilung reproduziert wird, kann es keine Vielfalt geben und auch keine Information die über das hinaus geht, was die PR-Abteilung in die Aussendung hinein geschrieben hat.

Womit wir bei dem Punkt wären, um den es mir geht: Die freie Verfügbarkeit der Quellen. Aus meiner Sicht ist eine Pressmitteilung wertlos, wenn ich nicht auch die wissenschaftliche Facharbeit lesen kann, über deren Ergebnisse sie mich informieren will. Das heißt nicht, dass ich Pressemitteilungen und die Arbeit der PR-Abteilungen generell für unnötig halte. Ganz im Gegenteil! Sie stellen für mich einen wichtigen Teil meiner Informationsquelle dar. Es wird so viel geforscht, das man als einzelner Mensch kaum den Überblick behalten kann. Besonders wenn um es Themen geht, die nicht mein eigenes Spezialgebiet betreffen bin ich dankbar, wenn mich Universitäten und Forschungseinrichtungen über deren aktuelle Forschung informieren. Viele meine Themen hier im Blog finde ich über diesen Weg.

Noch viel mehr aber verwerfe ich auch, weil ich nach der Lektüre der Pressemitteilung festgestellt habe, dass die Forschungsarbeit nicht frei verfügbar ist. Den worüber soll ich schreiben, wenn mir diese Quelle nicht zur Verfügung steht? Soll ich einfach nur den Inhalt der Pressemitteilung kopieren? Könnte ich machen und viele Medien machen das auch genau so. Aber für mich macht es keinen Sinn, wenn in meinem Blog genau das gleiche zu lesen ist wie überall sonst auch (und eigentlich sollte das für die anderen Medien ebenfalls so sein). Vor allem aber will ich mir zuerst selbst ein Bild machen können, bevor ich über etwas schreibe. Ich vertraue zwar prinzipiell darauf, dass die Inhalte der Forschungsarbeit von der PR-Abteilung vernünftig und korrekt zusammengefasst sind (immerhin spreche ich hier jetzt nur von wissenschaftlichen Einrichtungen und nicht von politischen Parteien und anderen ähnlichen Gruppierungen die viel eher daran interessiert sind, die Medienberichterstattung in ihrem ideologischen Sinne zu gestalten). Ich kenne auch viele Leute die in der Wissenschafts-PR arbeiten und weiß, das sie gute Arbeit machen. Aber trotzdem will ich selbst nachsehen können, was in der Forschungsarbeit steht.

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Kommentare (34)

  1. #1 Florian S.
    9. Juli 2015

    Prinzipiell stimme ich dir in der Sache voll zu.
    Allerdings würden die Angestellten einer PR-Abteilung den folgenden Absatz von dir vermutlich eher mit Sorge als mit idealistischem Wohlwollen sehen:
    “Eine PR-Abteilung kann nicht über jedes aus ihrer Forschungseinrichtung stammende Ergebnis berichten. Wenn aber dafür gesorgt wird, dass möglichst viele diese Ergebnisse frei verfügbar sind, dann erhöht man die Chancen, dass auch ohne Pressemitteilung darüber geschrieben wird.”
    Immerhin könnte dann jemand auf die Idee kommen, deren Arbeit könnte auch komplett an die Gemeinde abgegeben werden…

  2. #2 Marcus Anhäuser
    9. Juli 2015

    Eines der Probleme ist leider auf der Seite der Journalisten zu suchen: Es gibt leider eine Reihe von ihnen, die über Studien berichten, aber sie gar nicht gelesen haben (aus unterschiedlichsten Gründen, der fehlende freie Zugang dürfte da nur ein Grund sein). Journalisten haben ja öfter freien Zugang, weil sie bei den Fachmagazinen oder den Pressemitteilungsportalen (EurekAlert, AlphaGalilieo, idw) akkreditiert sind und dadurch (sogar vorab) freien Zugang zu Paper haben.
    So als demonstrative Initiative unter Wissenschaftsberichterstattern wäre das indes sicher mal interessant: Wir berichten nur noch über Themen, die als PM angekündigt werden, wenn auch das Paper frei verfügbar ist.

  3. #3 Uli
    9. Juli 2015

    Alles, was nicht publiziert (== veröffentlicht) wurde, ist wissenschaftlich gesehen nicht wirklich existent. Schon, weil niemand die Ergebnisse prüfen kann.

    Eine PR-Mitteilung ist genau das und nicht mehr, nämlich eine PR-Mitteilung, mit nicht mehr wissenschaftlichem Gehalt als “Der neue Weiße Riese wäscht weißer als je zuvor!”

    Ich persönlich würde im Fall von nicht zugänglichen Quellen der PR Abteilung eine kurze Nachricht zukommen lassen:
    “Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank für Ihren Hinweis auf diese bestimmt sehr interessante Arbeit. Leider ist sie nicht frei zugänglich, so daß ich aus Prinzip nicht darüber berichten werde.
    Mit freundlichen Grüßen”

  4. #4 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @Marcus: “ournalisten haben ja öfter freien Zugang, weil sie bei den Fachmagazinen oder den Pressemitteilungsportalen (EurekAlert, AlphaGalilieo, idw) akkreditiert sind und dadurch (sogar vorab) freien Zugang zu Paper haben.”

    Ja, das Thema wollte ich da jetzt nicht auch noch mit reinpacken. Embargos und die Bevorzugung mancher Medien durch Vorabmeldungen sind ein weiteres Übel, das verschwinden sollte.

    “Wir berichten nur noch über Themen, die als PM angekündigt werden, wenn auch das Paper frei verfügbar ist.”

    Wie gesagt, ich mach das seit März 2013. Und freu mich über jeden, der sich beteiligt!

  5. #5 André Lampe
    9. Juli 2015

    Florian, Hut ab, dass ist ein Thema das mir schon lange Kopfschmerzen bereitet – ich finde es ein wichtiges Zeichen, dass du closed access aus deiner Berichterstattung raus nimmst.
    Ich bin mir nur nicht sicher ob die PR-Abteilungen oder Pressestellen diese Nachricht zu den entschieden Stellen tragen können bzw. denen überhaupt zugehört wird. Sicher wäre es für eine Uni oder ein Institut wichtig wenn auch über die Arbeit berichtet wird, gerade wenn es darum geht neue Förderung zu bekommen, aber der einzelne Wissenschaftler oder Gruppenleiter hat persönlich kaum etwas von einem Bericht in der Zeitung oder einem Blog, da wird meistens nur auf den Impact des Journals geschielt, was da die PR-Leute sagen ist da total nebensächlich. Es gibt im Wissenschaftssystem leider keine direkte “Belohnung” (aka gut für den Lebenslauf/die Finanzierung) für Öffentlichkeitsarbeit.

    Dein Hinweis auf Pre-Print-Server ist auch ein wichtiger, aber gerade in der Medizin oder den Lebenswissenschaften wird das nicht gemacht, und das hat (mindestens) zwei Gründe: Erstens die Angst davor “gescoopt” zu werden, also etwas hochgeladen zu haben wenn man das Manuskript beim Journal einreicht und während das review läuft einer anderen Gruppe Gelegenheit zu geben die eigene Idee “zu klauen”. Wie real diese Angst ist will ich hier gar nicht diskutieren, aber diese Angst ist groß und auch etwas nachvollziehbar – ich befinde mich gerade in einem Review-Prozess der jetzt schon sechs Monate dauert. Nicht das dadurch die Angst realer wird, aber wenn man lange warten muss… Zweitens schlottert es häufig den Letzt-Autor grundsätzlich vor dem Journal/Editor, dass man bloß nicht falsch macht und überhaupt zum review zugelassen wird. Allein dieser Grund wird in der Lebenswissenschaft die Leute davon abhalten überhaupt pre-print zu erwägen, bloß kein Risiko eingehen sondern Impact einsammeln.

    Du hast mit deinem Artikel von vorne bis hinten recht – ich wollte mit meinem Kommentar bloß darauf hinweisen, dass der Adressat PR-Abteilung evtl. nicht genug Einfluss auf diese Entscheidung der Wissenschaftler hat. Ich fürchte das an vielen Stellen so reagiert werden könnte: “Ok, dann keine Pressemitteilung, Hauptsache impact. Über uns wird ja eh kaum geschrieben, dann können wir uns diesen Presse-Quatsch auch sparen.” Das ist übertrieben und überzeichnet, aber nicht ganz abwegig. Leider.

  6. #6 Franzl Lang
    9. Juli 2015

    In meiner Erfahrung geben aber die meisten Wissenschaftler gerne Kopien ihrer Veröffentlichungen heraus, wenn man sie drum bittet (jedenfalls an andere Wissenschaftler) – ist halt mehr Aufwand.

  7. #7 Florian Rodler, Astronom
    9. Juli 2015

    Als Wissenschaftler finde ich Oeffentlichkeitsarbeit und Pressearbeit sehr wichtig. Allerdings sind oft die von den Wissenschaftlern und ihren PR-Abteilungen verfassten Presseaussendungen uebertrieben bzw. bauschen eine moegliche Interpretation der Messungen (sagen wir ruhig: Spekulation) zum Hauptthema auf. Es werden oft sehr vage Resultate als “die grosse Entdeckung” verkauft …

    Man muss ein bisschen den Hintergrund verstehen: will man in der Wissenschaft einen Job oder Forschungsgelder bekommen, so hilft es ungemein, wenn man bekannter wird. Wie ueberall im Leben. Aus diesem Grund versuchen viele Wissenschaftler auch die kleinsten Resultate gross zu verkaufen, damit ihr Name irgendwo in der Zeitung steht und – mit etwas Glueck – die richtigen Leute (mit Jobs und Geld, versteht sich) auf sie aufmerksam werden.

    Wir erleben eine Inflation an Pressemitteilungen, von denen ein erheblicher Teil auf Spekulationen basiert. Ich trete daher vehement fuer eine hoehere Qualitaet von Presseaussendungen ein.

  8. #8 Pumba
    9. Juli 2015

    @Franzl Lang
    Es geht Florian ja so wie ich das verstanden habe, nicht darum, dass er selber nicht an die entsprechenden Texte herankommen würde, sondern darum, dass für die Sachen die er schreibt auch für alle Blogleser überprüfbar sind. (Eben durch lesen des jeweiligen Papers). Der normale Blogleser ist aber wahrscheinlich nicht unbedingt Wissenschaftler und hat auch keinen Zugang zu einer Uni Bibliothek wo er die Sachen bekommen kann.

  9. #9 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @André: “ch finde es ein wichtiges Zeichen, dass du closed access aus deiner Berichterstattung raus nimmst.”

    Na ja, das mache ich ja schon 2013 – ist jetzt also nicht neu. Ich habs nur noch mal neu aufgeschrieben 😉

    “ie Angst davor “gescoopt” zu werden, also etwas hochgeladen zu haben wenn man das Manuskript beim Journal einreicht und während das review läuft einer anderen Gruppe Gelegenheit zu geben die eigene Idee “zu klauen””

    Aber das ist zumindest was die PMs angeht irrelevant. Ne PM schickt man ja erst raus, wenn die Arbeit schon im Journal veröffentlicht ist. Und dann kann man die Arbeit ja auch problemlos bei arXiv hochladen.

  10. #10 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @Franzl Lang: “In meiner Erfahrung geben aber die meisten Wissenschaftler gerne Kopien ihrer Veröffentlichungen heraus, wenn man sie drum bittet”

    Ja, tun sie. Aber warum das mit dem Problem um das es hier geht nichts zu tun hat, hab ich im Artikel ja extra erklärt.

  11. #11 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @Florian Rodler: ” Ich trete daher vehement fuer eine hoehere Qualitaet von Presseaussendungen ein.”

    Auf jeden Fall. Und wenn man in eine PM standardmäßig das paper inkludiert, trägt das sicher auch dazu bei. Denn dann kann man eben nicht einfach irgendwas schreiben, weil ja die Grundlagen für alle einsehbar sind.

  12. #12 phunc
    9. Juli 2015

    Die grundsätzliche Frage ist doch vielmehr: warum gibt es überhaupt nicht frei zugängliche Veröffentlichungen? Ist das notwendig dass dieses Publikationssystem existiert? Was wird denn da überhaupt bezahlt und ist das so in der Form noch sinnvoll? Ist open access die beste Alternative? Gibt es andere Möglichkeiten? Wie lässt sich da etwas ändern?

    Was ich zB nicht verstehe, dass Universitäten Lizenzen erhalten auf entsprechende Inhalte zuzugreifen, viele aktuelle Publikationen dann aber trotzdem nochmal extra bezahlt werden müssen, teilweise auch ältere Paper, je nach dem wer die Autoren sind oder wie groß die Nachfrage zu sein scheint.

    arXiv.org ist mMn der richtige Weg und sollte auch in dieser Form von der gesamten Fachwelt eingeschlagen werden. Frei verfügbares Wissen hat unglaubliche viele Vorteile.

    Davon abgesehen könnte man auch mal hinterfragen, warum derzeit wirklich jede Kleinigkeit publiziert werden muss. Manche Gruppen haben extrem hohe Publikationsraten, inhaltlich hat sich da aber nicht immer viel getan.

  13. #13 bruno
    9. Juli 2015

    @FF deine follower kennen ja deine (zu recht!) haltung.
    was aber ist am 11.03.2013 passiert?
    (das ist ja ein recht konkreter zeitpunkt zur konsolidierung einer diffusen gefühlslage…)

  14. #14 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @bruno: “was aber ist am 11.03.2013 passiert?”

    Nichts. Das war einfach der Zeitpunkt, ab dem ich keine mehr Lust mehr hatte, dauernd um papers zu betteln und Geschichten zu schreiben in denen ich die Quelle nicht frei verfügbar machen kann.

  15. #15 bruno
    9. Juli 2015

    ok… so ein exaktes datum hätte ja auch ein exaktes ereignis widerspiegeln können 😉 die haltung ist ja nachvolziehbar und begrüssenswert!
    (ich weiss nicht mehr, was ich am 11.3.13 gemacht habe….)
    ….aber wenn ich das so schreibe sieht das schwer nach zahlenmysthik aus … :)

  16. #16 Mithodin
    9. Juli 2015

    Hallo Florian,
    danke für diesen interessanten Artikel. Das ist auch für mich gerade ein Thema, weil ich in diesem Jahr meine ersten Paper veröffentlichen werde.
    Wie ist es denn im Allgemeinen – darf ich alles auf arXiv stellen was ich geschrieben habe oder haben manche Publisher da was dagegen wenn ich das Paper bei ihnen veröffentlichen möchte?
    Bei Astronomy & Astrophysics sagen sie z.B. explizit, dass sie eine Vorabveröffentlichung auf arXiv unterstützen.

  17. #17 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @Mithodin: “Wie ist es denn im Allgemeinen – darf ich alles auf arXiv stellen was ich geschrieben habe oder haben manche Publisher da was dagegen wenn ich das Paper bei ihnen veröffentlichen möchte?”

    Da muss man sich individuell informieren. Aber mWn hat da kaum wer was dagegen; zumindest wenn du es erst dort einstellst nachdem es im Journal akzeptiert worden ist und ein anderes Stylefile verwendest. In der Astronomie hatte ich jedenfalls nie Probleme mit den Journals.

  18. #18 Karin Matenaer
    Bicholt
    9. Juli 2015

    Deine Einstellung ehrt Dich. Ich teile Deine Einstellung in vilen Punkten, aber oft dürfen die Wissenschaftler ihre Arbeiten gar nicht herausgeben. Auftraggeber wollen nicht genannt werden und oft sind schon zu Beginn der Forschung schon ganz klare Zielvorgaben, Parameter benannt. Ja, echten Wissenschaftlern ist das zutiefst zuwider, aber auch hier gilt: money makes the world go round – und wer finanziert die Arbeit?

  19. #19 Florian Freistetter
    9. Juli 2015

    @Karin: “aber oft dürfen die Wissenschaftler ihre Arbeiten gar nicht herausgeben.”

    Was genau meinst du jetzt mit “herausgeben”? Publizieren?

    “und wer finanziert die Arbeit”

    Zumindest in der Astronomie (und Physik und auch den meisten anderen Fällen) meistens der Staat also der Steuerzahler. Also sollte der Steuerzahler das auch lesen dürfen. Um irgendwelche privat finanzierte Forschung in der Wirtschaft o.ä. gings mir jetzt gar nicht. Über die werden dann ja i.A. auch keine Pressemitteilungen verfasst. Mein Artikel handelt ja von Forschung, bei der die Öffentlichkeit via PM gesucht wird! Und dann sollten eben auch die Quellen frei sein.

  20. #20 Mithodin
    9. Juli 2015

    @Florian: Danke für die Info bzgl. arXiv.
    Zu: “Denn dann kann man eben nicht einfach irgendwas schreiben, weil ja die Grundlagen für alle einsehbar sind.” – Doch, das geht.
    Vor kurzem las ich auf einer Internetseite, die ich hier einmal unbenannt lassen möchte, die interessante Überschrift “Neuer Supraleiter leitet Strom bei Raumtemperatur”. Weil ich das höchst spannend fand, hab ich mich mal zu dem vorbildlich verlinkten Originalartikel durchgeklickt, der sogar öffentlich zugänglich war.
    Leider stand dann dort nix mehr von Supraleitung bei Raumtemperatur, mehr so bei 30-40 K (was ja an sich auch schon nicht schlecht ist, aber halt von Raumtemperatur weit entfernt). Man sieht also: Auch wenn jeder die Fakten nachlesen kann, kann man trotzdem noch Blödsinn schreiben.

  21. #21 Florian Freistetter
    10. Juli 2015

    Gerade passiert: Ich finde eine interessante Story über eine Studie, in der die Auswirkungen des Engagements in der Öffentlichkeitsarbeit auf die Karrieren von Wissenschaftlern untersucht worden sind. Ich finde sogar das zugehörige paper. Und dann ist es natürlich NICHT frei verfügbar: http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/21568235.2015.1044546?journalCode=rehe20#abstract Ein paper über Öffentlichkeitsarbeit vor der Öffentlichkeit zu verstecken: Wenn das keine Ironie ist…

  22. […] die Forschung frei!„, schrieb Florian Freistetter gestern in seinem Blog und meint damit den freien und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen für […]

  23. #23 Pete
    10. Juli 2015

    Es scheint da Ideen zu geben, wie man den Wissenschaftsjournalismus noch etwas “verbessern” kann:
    http://www.meta-magazin.org/2015/07/09/widerstand-gegen-sparplaene-des-wdr/

    Der Posten des WDR-Intendaten wird uebrigens hoeher bezahlt als der des Bundeskanzlers. Da muss man ja an anderer Stelle sparen :-/

  24. #24 PDP10
    10. Juli 2015

    @Florian:

    “Ein paper über Öffentlichkeitsarbeit vor der Öffentlichkeit zu verstecken: Wenn das keine Ironie ist…”

    30 Euronen für das Paper???

    Das ist keine Ironie.

    Das sind drei Wochen Zahnschmerzen – weil ich mir grad glaube ich eine Plombe rausgebissen habe …

    Gehts noch?

  25. #25 Florian Freistetter
    11. Juli 2015

    @PDP10: Und das ist im Vergleich mit anderen Journals noch nicht mal teuer…

  26. […] kleine Debatte zwischen Florian Freistetter und Henning Krause. Es geht den beiden um Open Access. Florian schreibt in seinem Blog, er berichte seit geraumer Zeit nicht mehr über Forschung, wenn er darauf mit einer […]

  27. #27 Braunschweiger
    11. Juli 2015

    @PDP10: 30 Euronen für das Paper???

    Das wundert dich noch? Ich meinte, du kenntest dich da aus. Für Papers (unterschiedlichen Faches und unterschiedlichen Umfangs) habe ich auch schon Preisangaben von 39, 49 oder 49 Euros oder Dollars gesehen. Vermutlich geht’s noch teurer, und billiger auch manchmal. Ich habe schon Fachbücher oder Tagnsbände gesehen mit Angaben bis 300 EUR, und teuerer geht es verm. immer noch.

    Die Journale und sonstigen Verlage (Springer z.B.) machen ihr Geld damit! Und manche “heißen” Fachgebiete, wie Biotechnologie, Energie und Abfall, Kernphysik, und manchmal auch Informatik/Mathematik sind sehr begehrt, und die Institute zahlen einfach die Preise. Und übrigens doppelt, denn oft müssen die Autoren (in Impact-Journalen eben) auch dafür zahlen, überhaupt veröffentlichen zu können.

  28. #28 Braunschweiger
    11. Juli 2015

    Okay, “49 oder 59 Euros…”, in der 3. Zeile.

  29. #29 Marcus Anhäuser
    11. Juli 2015

    Wenn schon mal die Qualität von Pressemitteilungen angesprochen wird, muss ich kurz auf unser Medien-Doktor Projekt verweisen: Wir bewerten da medizin- und umweltjournalistische Beiträge aus allen Medien und seit einiger Zeit auch Pressemitteilungen aus diesen Bereichen. Seit neuestem auch Artikel und journalistischen Artikel und zugehörige Pressemitteilung parallel zum vergleichen. Wenn das interessiert, bitte hier lang: http://www.medien-doktor.de

  30. #30 PDP10
    11. Juli 2015

    @Braunschweiger:

    “Das wundert dich noch? Ich meinte, du kenntest dich da aus.”

    Äh, ja. Ich hab Anfang der 90er mal als Studentischer Vertreter in einem Uni-Gremium gesessen, in dem es natürlich regelmässig auch um Budgets ging.
    Da habe ich gelernt, dass unsere Bib damals für ein Jahresabo der Physical Review Bände A – D eine hohe fünfstellige Summe zahlen musste … Nur für das eine Journal!
    (Und die hatten so um die 200 abboniert – und das war nur die Fachbereichsbibliothek. Nicht die UB.)

    Das die Verlage für einzelne Papers solche Mondpreise aufrufen, war mir allerdings nicht bewusst …

  31. #31 Marcus Anhäuser
    12. Juli 2015

    Und noch ein letzter Hinweis: Derzeit gibt es Bemühungen für die Pressearbeit konkrete Qualitätsstandards zu entwickeln, eine Initiative geht etwa vom sog. Siegener Kreis aus http://www.wissenschaft-im-dialog.de/ueber-uns/siggener-kreis/

  32. #32 Henning Krause
    13. Juli 2015

    Ich habe Dir in den Kommentaren des unter #22 als Pingback schon verlinkten Blogbeitrags dazu geantwortet: http://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2015/07/augenspiegel-28-15/#comment-10094

    Offenlegung: Ich arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit einer Wissenschaftsorganisation, bin total für OpenAccess, habe aber auch schon Pressemitteilungen zu nicht-Open Access-Papern geschrieben.

  33. […] Woche habe ich erklärt warum ich es für wichtig halte, das Pressemitteilungen freie Quellen enthalten. Wenn man die Öffentlichkeit über wissenschaftliche Forschungsergebnisse informieren will, dann […]

  34. […] Rosetta-Forschung, aber nicht alles davon ist frei verfügbar (und ich schreibe ja in meinem Blog nicht über nicht frei verfügbare Forschungsergebnisse). Und viel mehr Forschungsergebnisse werden in den nächsten Jahren noch veröffentlicht werden. […]